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Full text of "Die Woche 25.1923, Teil 3+ 4 ( Jul Dez)"

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J 








„Satan w j # Radierung von Goya 

©euffdjfanbf (Sdjufb un b ba3 beuffdje Od^ulbbefennfnt^ 

5>om (Sjnaföprdfib.enfcn o. £>. Robert <5 mol ber, Gaffel 


vcrltftn, ®f, U "’ rf,Cn r". cinc Me, augemefftit 

l llm r ,l "" nt " Minnen t0iu , „„ « C -- 

luyl für Difornl öcr Iclt uorf) ucrblicben 

SRorcl > „Foreign affairs", ^untfjcit 1923.) 
lalyccnb • bes Kriegcslat fid) 4»ci ben Sjegerftaatcn auf 
b T ®?? c ©iebcrholungc n ber Sab feft- 

d u^t „Deutjchlanb bat len Krieg feinen, ©eanern auf= 
gelungen ©cutfcfjlnnö tefct bie 9lUcinfd,ulb- Ä ©corgc 
bat ton fogar nod) am 4. Sluguft 1918 bt.fiin ucrfdmrft- 

!?,VW*" 9m> ; 

ft n ?f. Ute . bc * 0 ' ri, net ein mpgebeubcr Vertreter r Sicaer» 

6ah ai« & eL lt0 ff C " ifd,C 4 nif,crpräfiöent ben obigen 

R* n! Z ” Hru ' 9stD0, T »”b betfelbe 52.„ob © eore , c l,ot 

3? m AVJTV « ® e *’ l920 ' Hi" »««Klaffen: 

über hip ffr.r an n b ' e ® runu ’ ru "fl fn unb l'üdjer lieft, bie 
ubec bte Creigmffe not bem l.xiuguft 11914 in ben ein- 


jclnen ßänbern erfdjienen finb, um fo mehr wirb man 
gewahr, baß bie Scanner an Ieitenbcr Stelle ben Krieg 
nid)t gewollt h°k en > baß fic hineingeglitten, hinein» 
getaumelt, bineingeftolpert finb, wie mit ^ 3 linbf)cit ge* 
fdjlagcn." 

^Irdiioe hoben ftrf) nucfi geöffnet unb Diaterial zutage ge* 
föröert, bas gegen 3 tr>ci anberc Staaten, gegen jrantreid) 
unb 'Diußlanb, ein ooügcrütteltes 3Jiaß an Srijulb feftftcHt. 
©ic ftarf in biefen bcibeit Staaten ber ©rang gum Kriege 
gewefen ift, beleuchtet hell ein Bericht, ben ber gewiß 3 U» 
uerläffige ruffifche <Botfd)after in Sonbon, ©raf ^enfenborff, 
feiner Regierung unter bem 25. Jyebruar 1913 erftattet hot. 
3 n ihm heißt es: 

„©entt id) mir bie ©orte bes fran 3 öfifd)cn ^Botfcfjaftcrs 
tüieberhole unb bas ganje Benehmen ^oincares nor Gingen 
halte, fo fommt mir ber (öebanfe, ber einer ©ewißheit 
gleicht: Srantrcid) ift r-on allen ©iid)ten bie einzige, bie, 
um nid)t 31 t fagen, baß fic ben Krieg miinfeht, ihn bodj 


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Seite 634 


S) ( e qg 0 tfr t 


Kummer 27 


ohne Bebauern fegen toürbc.^ das ift fegr beutlid). 

©s folgt bic für Buglanb d)arafteriftifd)e ©teile: 

„diefe Stimmung in grantreich bietet uns eine ©arantie. 
Aber cs barf nid)t baf)in tommen, bag bet Krieg aus 
3ntereffcn ausbridp, bie mehr frangöfifd)e als rufpfege pnb, 
unb unter llmftänben, bic günftiger fmb für grantreid) 
als für Buglanb." 

Unter ber ©liegt bes gutage geförberten Btaterials gaben 
auch grangofen aus ben oerfd)iebenften Sägern Auflagen 
erhoben gegen ifjreit Jperrn unb ©ebieter ^oincare. So 
haben ertlärt ber Sogialift Seon Blum im Sßopulaire nom 
17. Sanuar 1922: 

„©enn mir bic SBänner fuegen, bie aus bem (Europa non 
1900 ohne jebe Kriegsgefahr bas (Europa non 1912 bis 
1914 gemacht haben, in bem ber geringftc Einlaß geeignet 
mar, bie ©cltfataftrophe gu cntfeffeln, menn mir über 
biefe Btänner Abrechnung halten, bann barf ber Barne 
^oincare nicht fehlen, bas ift bie Bebeutung bes Portes: 
,Poincare - la guerre*." 

llnb ber Bopalift (Erncft Benaulb (nach ber Canterne nom 
8. Ottober 1921); 

„Sic, £>err ^oincarö, haben auf ben Krieg mit Ungebulb 
gemartet. Sie finb ber erfte Totengräber (Europas." 
demgegenüber erfegeint ein geftgalten an bem Safe non 
ber AUeinfcgulb deutfchlanbs heute gerabegu als ein ding 
ber Unmöglichteit. 3nbes auf ber Sonboner Konferenz am 
3. SBärg 1921 hat fid) Slotjb ©eorge bahin ausgelaffcn: 

„die AUeinfcgulb dcutfd)Ianbs ift bie Baps, auf ber 
bas ©ebäube bes Vertrages non Berfaines errichtet ift. 
ffäflt bie Aüeinfcgulb dcutfd)lanbs, fo ift aud) ber gange 
Vertrag hinfällig." 

Unb nom Vertrag non Berfaides miü man pd) nicht 
trennen. (Er gemährt ben Siegerftaaten materieüe Vorteile 
non unermeglidjcr §öge. (Er pliinbert deutfcglanb gu ihren 
©unften ooüfommen aus, unb er mälgt bann nod) bie Koften 
bes langen Bölferringens ab auf deutfchlanbs Schultern, 
deshalb macht man bas Unmögliche möglid). 3n biefern 
Schüfe bebient man fid) bes beutfehen Sd)ulbbefcnntniffes 
unb fagt: Btögcn bie Tatfachen liegen mie pe moÜen, 
deutfcglanb hat peg felbft ä^r AUeinfcgulb betannt. 

* 

SÖtit biefern beutfehen Schulbbetenntnis 
nerhält es fid) nun folgenber«tagen: 

3m Artifel 231 bes griebensnertrages finben fid), neben 
ber aud) hier mieberholten Behauptung: deutfd)lanb hat ben 
Krieg feinen ©egnern aufgegmttngen, dcutfd)lanb trägt bie 
Aüeinfcgulb, bie ‘©orte: „unb deutfd)lanb erfennt an". Aber 
ber ©ortlaut bes Vertrages ift, ungeachtet feines gemaltigcn 
Umfangs, nicht, mie es fonft allgemein ber Brauch ift, auf 
ber ©runblage non Berhanblungen gmifcheit ben ben Bertrag 
abfd)liegenbcn Parteien, er ift ohne jebe $mtgugiehung 
deutfchlanbs fertiggefteüt unb bann aud) nod), am 7. Btai 
1919, einer beutfehen Aborbnung mit bem Bemcrfen: „§ier 
ift meber ber Ort noch bie 3?it für überflitfpge ©orte", gur 
Unterfchrift norgelegt morben. 

Auf biefe Borlage hat pd) folgenbes gugetragen: der Bor» 
pgenbe ber beutfehen Aborbnung, ©raf Brocfborff-Bangau, 
hat fid) erhoben unb laut unb feierlich erflärt: 

„Btan «erlangt non uns, bag mir uns als bie Allein» 
fcgulbigen befennen, ein folches Bcfenntnis märe in meinem 
Biunbe e i n c £ ü g e." ' 

Unb meiter: ©rünbe für bie behauptete Aüeinfcgulb maren 
im griebensoertrag nicht angegeben. (Es oerlautete aber, 
©riinbe bringe ein Bericht, ben eine non ben geinben ein» 
gefegte Sd)ulbfragenfommiffion erftattet habe, darauf hat 
bic beutfehe Aborbnung bie Borlage biefes Berichts geforbert. 
Sie mürbe nermeigert, meil ber Bericht „eine Urtunbe * 
interner Batur" fei. Als ber Bericht bann aber bod) burd) 
bie treffe befanntgegeben mar, ift dcutfd)lanb aud) ihm, 
mit einer Bote nom 28. SBai 1919, iiberaü beftreitenb unb 
mit ber frorberung einer neuen, unparteiifchcn Kommifpon 
entgegengetreten. 


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die Antwort war bas Imatum nom 16. 3uni 1919. 
3n ihm ift deutfd)lanb aufglbcrt morben, bie Urtunbe fo, 
mie pc be? erften Aborbnunprgelcgt mar, innerhalb einer 
ffrift non fünf Tagen bei Bieibung ber ©ieberaufnahme 
bes Kriegt gu untergcid)nen 
darauf eine neue beutfehe te nom 21.3uni 1919, in ber 
gefagt ift: 

„©ir wollen bem unfagl leibenben Bolt einen neuen 
Krieg unb eine entfeglichc-ungersnot für grauen unb 
Kinber erfparen. ©ir mn untergebnen, aber ohne 
ben Artitd 231." 

diefc neue Bote ift unbean rtet geblieben. Als bann mit 
ber ©ieberaufnahme bes Kjs unb ber gortfegung fcer 
ipungerbloc^abe feft gerechnet rben mugfe, hat deutfcglanb 
um eine Stfacgfrift non 48 (Eiben gebeten, ift aber unter 
bem 23 .3i*ni 1919 bahin beeben: 

„die Seit ber ©rörterua. ift norüber." 

Unter bewfelben 23.3uni V h Q t deutfchlanb feine legte 
Bote gugcftcllt, in ber es ge* 

„Blan iwiö non uns mit fjerfter ©emalt bie Annahme 
auch ber Bebingungeu ergmen, bie ben 3wed oerfolgen, 
bem beutfd)en Bolt feine tc gu nehmen, durch einen 
©cmalta^t mirb bie (Ehre . beutfehen Boltes nicht be¬ 
rührt. (£>ie gu oerteibigen jlt uns jebes BUttel. ©ir 
untergridjnen, in e i cgi b ber übermächtigen 
© e m alt." 

die legt? Bote ift ohne t»erfprucg entgegengenommen 
morben, urfh jegt hat deutfcfcib bie Unterfchrift, mie ge¬ 
forbert, an 1 bem non feinen vnben beftimmten Tage, am 
28. 3uni 1&19, gclciftct. 

Alfo deutfchlanb h ben 3nhalt feines 
BefenntRiffes als eie „Cüge" begeid)net, 
unb es ift bei biefer Zeichnung geblieben. 
deutfd)li Q nb hat meit nor ber Untergeich- 
nung bo^uwentarifche ft gelegt, es unter* 
geid)nc,|//Weid)cnb bi übermächtigen ©e- 
m a 11", b.j h- in U n f r e ie i t bes © i 11 e n s, es 
untergebene, meil e teinen anbern ©eg 
nor fid)M c 5c jur (Egaltung bes ßebens 
gahlreic((cr grauen ib Kinber, bie burd) 
bie aud) 1 währe nb b, ©affenftillftanbes 
fortgefe^te Bloctabeiusgehungert maren 
unb bah in f^ c eten. dutfeianb h Q t unter- 
ferieben/ wie ber uochrlofe ©anberer 
unterfe^ ci bt, menn h m bie Bäuber im 
©albe e«ne U n t e r f d) r H mit norgehaltenem 
Beoolner abncrlange 
das beutfehe Schulbetenntnis ift erpregt 
unb unterliegt nach :ncm bas öffentlich® 
mie bas prioate Bet in allen Staaten 
unb non alters hrr bjerrfdjenben Sag ber 
Anfechtu*i0, bem ©itrruf. 

Beuerbing^ h Q t in ©nglanbtie „©efeüfd)aft ber greunbe" 
(Quäfer) in einem Aufruf arhie gange ©eit ben auf ber 
Bafis non deutfchlanbs Allc»fchulb aufgebauten Bertrag 
als unmoralifd) begeichnet, m( er non §ag unb Bad)fud)t 
biftiert fei, »weil er ben Btilkrismus in ©uropa feft ner» 
untere unb flegen bie 3»fagc nerftoge, bie man deutfch¬ 
lanb nor btfm Strecfen feine ©affen gemacht habe. 

Unmoralifch ift aud) bas (Spreffen eines 6d)ulbbetennt* 
niffes, unmojealifd) im höchfti ©rabe ift es, menn man 
fid), materiellen Borteils halb», auf ein erpregtes Sdjulb- 
betenntnis gi[t einer 3 c it ftüg» in ber man ertannt hat: 
ber anbere upar berechtigt, ba* non ihm ©rpregte als eine 
ßiige gu begijebnen. » 

(Einer 1)er ebiegerftaaten, unjjgmar gerabe berjenige, gegen 
ben heute eiik noügcrütteltes jjag non Schulb ermiefen ift, 
gibt pd) aud!) mit ber Aus^iberung unb mit ber Ber- 
urteilung ©ciitfd)lanbs gur baftnben 6chulblnechtfcf|aft nicht 
gufrieben. gj:antreid) miü deifdpanb politifd), mirtfd>aftlich 
unb moralifd) 1 nollftänbig nernhten. ©s arbeitet anbauernb 

( 

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Kummer 27 


t» OB e 6 ) e 


Seite 635 


mir mit aßen Rräften an bcr 3erftörung her bcutfdjen Gin» 
heit. Gs ocrmirft grunbfätjlid) jebmeben Vorfd)lag ^nr ©e» 
funbung ber beutfdjcn Jinangen unb gur fiöfung bes 9ic» 
parationsproblcms. 3m requiriert unb plünbert 

jjrantreid) in ©eutfrfjlanb, fcfjmingt jrantreidj in ©eutfd)« 
lanb bie 9teitpeitfd)e, nimmt ftranfreid) in S)eutfd)lanb 
Vlaffenausmei Jungen unb Verurteilungen gum Sobc unb 31t 
Iangaeitigen Sreihcitsftrafen im triegsgerichtlichen Verfahren 
oor. 9tod) im 3af)re 1913 Ijat ©uftaoe tpero£, ber heraus» 
geber bes Sßarifcr „Victoirc", einer ber literarifeben (Schilfen 
Sßoincares, in einem Vud; „Alsace - Lorraine" ertlärt: 


,,©eutfd)lanb marfdjiert neben ftranfreid) an bcr Cpißc ber 
menfd)lichen ßioilifation." £eute b Q t man in ftranfreich 
für alles, mas beutfd) ift, nur bie häßlichftcn Schimpfmorte. 
§eute beftcllt Jranfreid) 311m 9lufpaffcr unb Vorgefefcten in 
©eutfd)lanö feine gelben unb fdjmarsen Bilben aus 9lfrita 
mit ißren h cniimin gsIofcn Vcgicrben unb mibernatürlid)en 
£aftern. 

„© i e ©eutfd)en h ° b c n eine Vechtslagc, bie, 
angemeffen nertreten, alles 311m 6d)toingcn 
bringen mu§, mas an © e f ii b l für VI 0 r a l b e $ 
Belt nod) nerblicben ift/ 


©er ©i'ffafor * 33 o n Sri'ebri'd? $ u f f o n g 


OfTlns ift ©ittatur? Gin 
ftaatsrecbtlicbcr 
3entralbcgriff, ein politi» 
fd)es 6d)lagmort. Öfters 
biefes als jenes. £eute 
gan3 unb gar 6cblagmort. 
6d)on ber ftaatsrecbtlicbe 
3entralbegriff ©iftatur ift 
umftritten. Gs ifteinmeiter, 
naget Beg non jenem 
S.Eartius, bem erftenGÜU 
tator ber alten Vömer, 
non jenem banb* unb ber3- 
feften Vauern Gincinnatus, 
ben fie ficb ootn Sßflug 
holten, bisher 3um ©it- 
tator ber neuen Vömer,bem 
gemefeneu „Vormärts"» 
SRebatteur Vtuffolini. 

Beld)e ftöpfe, meld)e 
Sdjidfale, meld)e Slben-- 
teuer, melcbe Seiftungeu, 
melcbe Verbrechen. Unmög¬ 
lich faft, ein fid)eres©emein= 
fames feft3uftellen in beit 
Grfchcinungen eines römi» 
fchenGincinnaius unb eines 
nene3olanifchen Gaftro, 
eines Napoleon I. unb 



Der bulgarische Bauerndiktator A. Stamboliiski, der nach 
seinem Sturz auf der Flucht getötet wurde 


eines GrommeO, eines 
Gulla unb eines Vismarcf, 
eines ©ömbetta unb eines 
SPorftrio ©ia3, eines 2)is» 
raeli unb eines i*enin. 
Unb hoch trägt bas Birten 
all biefer beutlid)e Viert» 
male ber ©ittatur, unb 
hoch maren all biefe 
G)ittatoren. 

©ie Staatsrechtler bre» 
chen ihren Veftimmungen 
bes Befens einer ©ittatur 
unb eines ©ittators leicht 
bie Spitje ab burch all» 
3ugro&e SpißfinbigtelL 
Schließlich ift bas fmtpclfte 
unb ficherfte^ matt hält fich 
an ben gans einfältigen 
Sinn bes Bortes. ©ann 
ift ein ©ittator ein Vlattn, 
ber feiner Ummelt, einem 
iianb, einem Volt, einer 
3eit ober einem Grbteil 
Beg unb Billen biltiert. 
©ies 3mcifelIos ift ihnen 
allen gemeinfam. ©ie 
ftaatsred)tliche Befens» 
befdjreibung „perfönlid)e 



Wladimir Iljitsch Lenin (Uljanow), Präsident der Russischen 
Räterepublik 



Der „südafrikanische Napoleon“ Cecil 
Rhodes. der Schöpfer des großafrika- 
nischen britischen Kolonialreiches 


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Seite 636 


3) I e gß o 6 g 


Kummer 27 



Porfirio Diaz, der Schöpfer des 
mexikanischen Staates 


<perrfdjaft auf be-- 
motratifdier 
©runblage bei 
ftrafffter 3entrali= 
fation" ift eine 
biibfcbe Bid)ts« 
tagenbeit, bie mit 
jebern 5öort in bie 
3rre locft. Die 
Diftatur Sülius 
Säfars unb beiber 
Bapoleone trat 
bröfjnenb auf ihre 
bcmofratifdje 
©runblage. Die 
Dittatur bes ‘Pro. 
Ictariats, unb bas 
beißt in ber^rajis 
bisher nur bie 
Diftatur Cenins 
üer*id)tet auf bie 
bemofratifebe 
©runblage. 3öas 


ift 'ffiabrbeit? 

Die Dittatur ift in allen gäüen eine Durchbrechung ber 
Dorgefebeuen gornteit ber Staatslenfung burch ben Söillen 
eines (Einzelnen. Bur infofern barf man in foldjcm 3«= 
fammenbang Barnen mie Disraeli ober Bismarcf überhaupt 
nennen. 3*oifd)en ber normalen gtibrung eines Staates 
unb ber Dittatur flieht nicht eine feine £inie; es liegt 
bafltoifeben ein mcites gelb bes Überganges. 

Die Dittatur ift, toie alles, an fid) toeber gut noch böfe. 



Der £>aß, bie gurd)t, bie Bciounberung ober bie ßiebe erft 

legen if)t filtlidjc <£igenfd)aften *u. 9ht fid) ift bet ®ittator Das Ende eines Blutdiktators: Die Hinrichtung Robespierres 


nichts als beroegenber 2öille. 9lber er fann flum (buten 

beroegen unb flum Böfeit; ob er $>eilanb fei ober Ber* fennt bie ©efcbid)te fein Becßt ober Unrecht. Darum, finb unter 


bredjer, fagt nichts bariiber, ob er Diktator fei ober nid)t. bem Barnen Dittator fo ungeheure Unterfd)icbe möglich roie ber 

Die Bot treibt ben Dittator beroor, ob er fie bänbige. flmifchen einem ocneflolanifchen Saftro, bei bem man nicht roeifj. 

Das Chaos gebiert ihn, ob er es gcftalte. Sr ift ber 2BilIe, rno ber Bäuberbauphnann aufbört unb ber Staatsmann anfängt, 

ber ficb unterfängt, eine aus ben gugen gegangene 3*it unb bem englifchen Cromtoeü, ber bent SEBefen eines 2öeltreid)s ©runb- 

roieber einflurenfen. 9ln feinem ©elingen ober Scheitern er. elemente lieb/ bie in ihm nod) nach 3abtl)unberten roirtfam ftnb. 



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Oliver Cromwell, Protektor der vereinigten Republik England, Schottland, 
Irland, einer der hervorragendsten Staatsmänner aller Zeiten und Begründer 

von Englands Größe 


Der Diktator a. D.: Expräsident Castro, 
der lange Jahre unumschränkt in 
Venezuela herrschte, im Exil 


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9htmmer 27 


0 1 e Qö o d) e 


Seite 637 



3)ct 3)ittator foü SUot^elfcr feiner 
Station fein, (Geburtshelfer ber 
©eltgefcgidjte. Sr ift ein Stein 
in ben Sumpf ftocticjcr Seit. 3)a 
guafett natürlich ringsum bie 
ffröfche. 


Mussolini triumphiert: Begeisterte Begrüßung des „scnwarzen 
Herzogs“ und Diktators von Italien durch die Faschisten in Rom. 
Im Kreis: Mussolini wird eingesperrt: Eine Erinnerung aus dem 
Frühjahr 1915. Mussolinis Verhaftung wegen Volksaufwiegelung in Rom 


Sr ift ein ©urf nach bem ber (Gefehlte, ob er fehle macht; bag SOtänner bie Sntmirflung oormärtstreiben, fei’s 
ober treffe. 3)as §eroortreten eines <Dittators ift noch immer gum (Guten, fei’s $um Vöfen; bag nur ein SJtann 3^1 
ein Verneis bafür, bag oor allem ber 30t a n n (Gefchichte fegen unb ©iilen roirten tarnt. 


©i'e ^Oeuffdjc 


© 1 o <f e om CR f? e f n 


SB* 


M i t 

£ir hüben roieber eine 
„3)eutfd)e (Glorie am 
3theiu". binnen hirgem toirb 
ihr metallener ©unb ootn Surrn 
bes Kölner 3)oms nun 51 t ben 
Vemohnern bes 9thetnlanbs 
fprechen. 

3 ahrelattg roar fte oerftummt. 
3Us mir in Äriegsbebrängitis 
maren, manberte bas SJteiaU 
ber alten Kölner CDomglotfe, 
mie bas oieler, oieler ihrer 
Schmeftern in bieSOtctallfchmel^e 
gur Srjeugung oon ©affen. 
3tun ift fte mieber neu er» 
ftanben in ber alten (Glorien» 
giegerei oon Ulrich in 3lpolba. 
Unb fte ift ein ©eiftermerf 
gemorbett, auf bas mir $>eutfd)e 
P 0 I 3 fein tonnen, ©eutfehe 
Äuitft unb beutfdjer gleig 
hoben fich oereinigt, um fie mie 
einen ^hönij aus ber 3lfd)e 
neu erfteben au Iaffett. Sie ift 
bie grögte (Glorie, bie 3)eutfd)* 
Iattb beftgt. Vei einem (Ge= 
micht oon etma 500 3entnertt 
hat fie einen 3>urd)meffer oon 
3,23 ©etern unb eine §öl)c 
oon 3,22 ©etern. Sin fol» 
d)es ftunftmerf gu fegaffen, 
hat ©eifter Ulrich oicl £iebe 


vier ohotographischen Aufnahmen 



Die neue „Deutsche Glocke am Rhein“ lür den KölnerDom. 
Die Glocke trägt die Inschriit: „St. Peter bin ich genannt / 
Schütze das deutsche Land / Geboren aus deutschem 
Leid / Ruf ich zur Einigkeit“ Atlantic-Phot. 


uttb Sorgfalt aufgemenbet. — 
3hm ift ber (Gug gelungen* 
3htr 8 V 2 Minuten hot er ge« 
bauert. Von ben Vorbereitun« 
gen ju einem folchen ©ert 
tann ftd) ber 2 aie nur fdjmer 
einen ^Begriff machen, obmohl 
unfer Schiller in feinem Sieb 
oon ber (Glorie uns ein fo 
treffliches Vilb feines Verlaufs 
gegeben hat 3m "Silbe führen 
mir unfern Cefern heute ben 
(Gloriengug oor klugen. 3teg» 
fame Jpänbc bauen in ber (Gug= 
grübe aus 3 ie 9 elfteineu ben 
Stent. 3n fehter ©itte fehen 
mir einen Sßfahb unb in beffen 
Verlängerung befinbet fiel) 
eine 9ld)fe, um bie geh bie 
aus £>olfl gefd)nittene Sd)cbIone 
brel)t, bttrrf) meldje bie klugen» 
teile bes fterns in ihre gorm 
gebracht merbett. 3 ft bieferftertt 
aufgemauert, fo gleicht er einem 
Ofen. Unb er ift auch ein 
folcher. ©enigftens im ©tfattgs« 
ftabium. Seine 9lugenfeite mirb 
mit einem fd)leintigen (Gemifch 
oon ©affer unb ^oljafdje 
überzogen, bamit bas aus 
Üehm geformte ©obell ber 
(Glorie nid)t an ben Steinen 


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Original fn>m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



Seite 638 


S) \ e o <b c 


Kummer 27 



baf) biefe fid) nid)t mit bcr gorm oer- 
binbeu tonn. 3ft bcr Vrennprozefc 
becitbet, fo wirb bie gönn gehoben 
unb bas Vlobell burd) 3etdegett ent* 
fernt. S)antt roirb ber ^crtt mit Srbe 
ausgefiiUt unb bie SntBbaube micber 
bnriiber gefentt unb am unteren 
Vanbe mit £cl)m abgebid)tet. Vkiter 
toirb für bcn oberen Seil ber Slotfc, 
bie ftrotte, bie gorm aufgefe^t. Sie 
näd)fte Arbeit ift bas Vusfüllen ber 
Cbicftgrubc mit Srbe, bie runb um bie 
gorm feftgeftampft wirb. Sie gering» 
ften Verfebett bei allen biefcn Vor¬ 
arbeiten tönneu bas (Gelingen bcs 
Viertes fcbott gcfcibrbett. Sorgfalt, 
Sorgfalt unb ttodpnals Sorgfalt unter 
bcn forgcnbeu Vtigett bcs Vteifters ift 
alfo unbebingtesSrforbcrnis. Sd)Iic§» 
lid) toirb bie (Shtfjrinne bergcftellt. 

Hub ttad) einigen Sagen ift es bann 
foiueit. „9luf (öefelleu, frifd) . . 

3m Schmelzofen glüht bas Sm&gentifd), 




Die Formen in der Gießgrube. (Links: 
Gießkappen.) Die Grube wird vor dem 
Außgießen mit Sand gefüllt 

bas bes Vleifters Sinne burd)bad)t unb 
crnft itberwad)t unb geprüft babetu 
3cugen unb Sacboerftänbige barren 
bes Moments zum Slbgttft. Vrobelttb 
unb atfdjenb ergibt fid) bie Vtaffe in 
bie Sittflu&öffnung ber gorm. Saufenb 
unb Ieid)t flammettb euiwcid)t bie oer- 
brättgte 2 uft aus ben pfeifen. 3 tt 
8 l /2 Vtinuten toar ber S>u& ber „Seut* 
fd)ctt Oolode am Vbeitt" beenbet. Unb 
als mau fte fpciter aus ber engen §iillc 
ibres ©u&mantcls befreite, zeigte fie fid) 
in ihrer ftral)Ienbeti Sd)önbcit als 
Vteifterroert beutfd)erArbeit. Unb halb: 
Cbeboren aus beutfd)ent 2 eib 
Vuft fie jur Sinigteit. 

Der mit Lehm überslrichene Kern wird 
mit Inschriften und Verzierungen aus 
Wachs versehen 


Vor dem Glockenguß: Der Kern wird 
aus Steinen aufgemauert 


bes Berits feftbaftet. Sas Cebntmo* 
bell bat in Starte unb ciu&ercr 2Ius- 
bilbung alle Slusmafze, bie bie Cölode 
babett foU. Ss ift au bcm Sd)Iag- 
rittg, beut Seil, an ben fpciter bcr 
Stlöppel anfd)lügt, am ftärtfteu. VMrb 
bütttter ttad) oben unb ttad) beut un¬ 
teren Vanbe. SDtit einer gormntaffe 
aus VJacbs unb Saig tocrbcn bie Ver¬ 
zierungen unb bie Sd)riftzeid)cn auf 
bie Vu&entoanb bes Vtobells gefegt, toie 
es uns bas eine Vilb zeigt. Über biefes 
Vtobell toirb batttt eine weitere £cbm= 
fd)id)t gelegt, bie eigentliche gorm, bie 
Ghi&baube. Sin geuer im Ofen bes 
Berits trodnet Vtobell unb gorm zur 
erforberlid)ett geftigteit aus. Vrennt fie. 
Sic Salgtoad)sfd)id)t fcbntilzt unb bringt 
in bie 2 el)mmaffe bes VtobcUs ein, fo 


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PRINCETON UNIVERS1TY 










Die haushohe 
glühende Lava¬ 
masse begräbt 
ein Haus in der 
Nähe Lingua- 
glossas. 


f Die Zer- 
I Störungen 
i durch den 


letzten 
Ausbruch J 
des Aetna m 


Unten. Vorrük- 
kende Lava¬ 
massen auf dem 
Wege durch 
einen Garten. 

Phot. Wide World. 


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PRINCETON UN1VERSITY 





Gelte 640 


Stimmet 27 


3) t * SEg 6 C& 


Das Grab in Schönau: 


Die mit Blumen und Kränzen geschmückte letzte Ruhestätte Schlageters 
in seiner Heimatstadt Phot. Bugmann 



* 

Links: Vom Johannitertag in Potsdam. General¬ 
feldmarschall von Hindenburg und Freiherr von Marzan 
auf dem Wege zur Feier Phot. A B. C. 

* 

L/nten: Rathenau-Gedenktag in Berlin; Die Mutter 
Rathenaus begibt sich an das Grab Phot. A. B. C, 


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Gougle 


PRINC 


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ETON UNIVERSUM 















srx •- 


9?ummet 27 


® i e gg o 6 c 


Seite 641 


i 



BILDER VOM SPORT 


Unten : Das Deutsche Derby in Hamburg- 
Horn: Herrn A. und C. v. Weinbergs 
„Augias“ geht durch's Ziel Phot. Otto Reich 


7 rau Erika Sellschop 
iie in Gothenburg die internat. Amateur- 
Golf-Mcistcrschaft f ’r Damen gewann 


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Werbefest des Schüler-Rudervereins 
Wannsee 

Auf dem Gelände des Schüler-Ruder 
Heims in Wannsee veranstaltete der 
Verein ein Werbefest m;t wasserspor 1 
liehen Veranstaltungen 

Oben: Moment aus dem Fischerstcchcn 

Links: Der Schüler-RudcrvcrcinWaun- 
sec vor seinem Heim Phot, Cierke 

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PR1NCET0N UNIVERSITY 


Links: Motorradrennen auf der „Avus” 
bei Berlin: Moment aus dem Rennen 

Phot. Gicrke 






























6eite 642 


® i e TO o c& c 


Kummer 27 


DIE SCHÖNHEITEN ANGEWANDTER KUNST 



Phot. Rüge 

„Potsdamer Kunstsommer": Internationale Ausstellung von Mosaikarbeiten und Glasgemälden 

in der Orangerie in Sanssouci 



Phot. Enrclkc 

Münchner Kunstgewerbe: Der Speisesaal I. Klasse im neuen Lloyd-Dampfer „München“ 


Entwurf von Prob Paul Ludwig Troost 


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Gck gle 


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PRINCETON UNIVERSITY 

















Kummer 27 


3) i e o <b e 


Seite 643 



Oben links: Szcnenhild zum illustrierten Volkslied „Kapitän und 
Leutenant.“ Entwurf Ernst Stern. Fhot. Zander dt Labisch 

Eröffnung des Berliner Exzentrischen Theaters 
„Die Gondel“ 

❖ 

Oben rechts: Theo Strack, Heldentenor am Weimarer National¬ 
theater, wmrde für das Deutsche Landestheater in Prag verpflichtet. 

Fhol. Vältl 

* 

Im Oval: Franz von Hocsslin wurde zum Generalmusikdirektor 
in Dessau berufen. Am Flügel die bekannte Sängerin Erna 
von Hoesslin. 

* 

Unten. Einzug der Götter in Walhall im „Rhcingold“. Entwurf 
von Emil Pirchan. Regie: Prof. Franz Ludwig Hörth. 

Fhol. Schlosser- Wenidi 

Die Neuinszenierung von Wagners Nibelungenring 
im Deutschen Landestheater in Prag. 



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PRINCETON UN1VERSITY 



















6ctte 644 


(Die 90 o (6 c 


Kummer 27 



Rollschuhlauf auf dem Tisch: Der 
Rollschuhläufer Planck, der im Berliner „Win¬ 
tergarten“ mit verbundenen Augen auf einem 
gedeckten Tisch zwischen Vasen und Wein¬ 
flaschen Rollschuh läuft Atlantic-Phoi. 


Links-. Ein neuer Kursport in Amerika: Dac 
Familicn-Schlammbad in Kali¬ 
fornien. — Links oben : Die Dusche 
nach dem Bade 


Berliner Kohlennot: Anstehen nach Kohlen, Vor der Verdreifachung des Eisenbahntanis: Anstellen nach 

Phot. Graudenz . Fahrkarten vor einem Berliner Reisebureau Phot Groß 

Leid und Freud der Grossstadt. 


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PRINCETON UNIVERSITY 































Kammer 27 


© i e ^ o c6 e 


Seite 64 


6?m* bt& &fdßt« $if ^ban 

Aoman oon Dians Do mini fo 

5. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


Wäßrcnb klugen an bem intcrcffantcn Sdjaufpiel 
gingen, naßni bet Sdjmelgmcifter feine Srflärungen 
mieber auf. 

„Seßen Sic, §err, mic ber Strom bcs erfdjmolgencn 
Gaffers etma fingetßodj über ber Slctfdjcrflädje gu Sal 
läuft. Vieilcnmeit über bas (£is läuft uni) babei immer 
ßeißer roirb." 

Wellington fyo£ ließ fein Sias ftnf'cn. 

. . Unb toie lange Ijält ber Sletfdjer aus?" 

„3a. . . etgentlidj foüte ber Sletfdjer längft ocrbraudjt 
fein, wenn nidjt . . . menn nießt . . *?" 

„Wenn toas nidjt?" 

„3a . . . bic Scleßrtcn bel)auptcn, baf 3 I)ier überhaupt 
oiel meßr Regelt unb Sdjnec fällt, feitbem bie Sdjmelgerci 
im Sange ift. £roßbem tonnten bie Sletfdjer ßier halb 
gu (£nbe geßen, roenn mir nid)t fparfam fcßmelgen 
müßten ... 3a, roenn mir ba oben im Qucligebiet bcs 
31t fdjnielgen formten . . . aber bas gehört ja nun ein* 
mal ben Selben . . . unb bie taffen uns nidjt ran, ob* 
glcidj fie audj Vorteil babei hätten, kleine Söosfjeit oon 
ber Scfcllfdjaft! 

Unb babei formten mir nodj fo oiel Waffer gebrauten, 
ba bodj ber Valfafcßfee mit bem pulocr nädjftens gurrt 
©ampfen gebradjt merben foH. Sie miffen, $err, barnit 
bic Wolfcnbilbung unb bie Vicbcrfcßlä-ge reicßltdjer 
merben. Sic rnadjen ba unten fdjon große Vorbereitungen 
für alle bic Jyetcrlidjfciten, bic bei ber Sclegenßeit oort 
Stapel gelaffen merben. 9ta, baoon l)abe idj nidjts. Vbcr 
id) rnerbe bann ßier oben abgclöft unb fommc runter 
an ben Sec. ©as ift mir audj oiel lieber. 

. . . ©ic alten Hnodjcn mollen rtidjt rrtcljr fo rcdjt. 
Warme Vuben l)abcn mir ja ... aber bic feudjtc £uft... 
ber emige 9?ebel . . . mic in einem Wafcßßaufe . . . ©as 
§erg mill nidjt meßr. 

9ftir ift’s lieber unten am See. ©a bin idj unter lauter 
alten fieunaern. ©a unten auf bem ficunacr Stirdjßof 
mill idj audj mal begraben merben, menn’s audj nießt 
bas alte Seitna meiner $cimat ift . . 

©er Surtge tnifeßte fidj ein: „9ta, Sroßoater, erft mollteft 
bit gar nidjts fagert, unb jc^t fannft bu fein (£nbe finben. 
©er §err muß jeßt fort!" 

(fine ßalbe Stunbe fpäter faßen bie betben ftreunbe 
mieber im Jluggeug, bas fie rtadj Wiermj gurüefbringen 
folltc. 

„9la! ^itcc 5o&. §at unferc Arbeit beinen Veifall 
gefunben? " 

„9lber gemiß, (5>corg! Sntereffant mar mir audj bie 
Srgäßlung bes alten Sdjmelgmcifters: ,9lls ber Steffel 
fodjtc'. Sebt eigcntlidj groroein nodj?" 

„9lber ja! ©er alte öerr ftßt bodj eßrcnßalber im 
Sluffidjtsrat unterer Sefcllfdjaft." 

„Sage mal, Seorg! Wie ift beim ber bamals barauf 
gefommen?" 

„Vlter go£, bu fragft oerfeljrt! 3dj bin ja mit ftro* 
mein befannt unb über bie (fntfteljung ber (frfinbung 
orientiert. 9lber um bir bas gu cj;pligicren, müßte idj 
bir tagelangc Vorträge galten, bie bu . . . beinen ßellcit 
Hopf in (ffjrctt ♦ v . bodj nidjt begreifen mürbeft." 

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„9la, bann oerfudj mal, in ber 3^it, bis mir in Wicrntj 
Ianbcn, mir bic Sadje in iljren Srunbgiigen gu er flöten. 
3dj meiß nur, baß euer ©ijnotljcrm ein fiinftlicß Ijergc= 
ftclltcr rabioaftioer Stoff ift, ber, mit Waffer gufammen* 
gebradjt, unbänbige Wärme entmicfelt." 

' „©amit fjaft bu ben Hern ber Sadje getroffen, ©ic 
(frfinbung entftanb ungefäßt in folgenber Weife: ftro= 
mein Ijattc jaßrelang mit natiirlidjen rabioaftioen Sub= 
ftangen gearbeitet. 3tjm als erftem mar es cnblidj ge¬ 
lungen, ben 3erfaü biefer Stoffe, ber bis baßin un* 
manbelbar an beftimmte 3 e ^ cn gebunben ä u f e * n fajten, 
gu beetnfluffen, nadj Velieben gu oergögern ober gu bc= 
fdjleunigcn. Von ba mar es nur nodj ein Sdjritt, bas 
Verfahren audj an Stoffen gu oerfudjen, bie man bis 
baljin als nidjt mcljr rabioaftio fanntc. ^romein 
Ijat btefen Sdjritt getan, unb feine folgen fießft bu Ijier 
oiergig 3nßre fpäter." 

„Seljr fdjön! Sefjr gut! ©er 9)iann Ijat meine oollc 
Jpodjadjtung! ©ie Hoßlengeit bamals muß fcfjauberßaft 
gemefen fein. 3cß erinnere midj nodj an Vilber, mo 
Stäbtc, in benen Vlenfdjcn moljnten, mit Sdjornftcinen 
befteeft rnaren, mic ber 3gel mit Stadjcln. Vber bu! Was 
Ijaft bu nun jeßt baran oerbeffert?" 

3fenbranbt fniff bic Sippen gufammen. Über feine 
eigenen Seiftungen fpradj er menig unb ungern. 9lus 
feiner $afdjc gog er gmei fleinc 3inntuben. 

,,©a fmb je geljn Sramm bcs neuen, nadj meinem Ver*- 
faljren Ijergeftellten ©ijnotljerms. Sic mirfen mic gmei 
3cntner bcs älteren Präparates . . 

Vegierig griff Wellington ftoj nadj ben mingigen 
Völjrdjen. 

„VUe Vdjtung, Scorg! Sooiel mein bummer Sdjäbcl 
im SUugenblitf überfdjlagen fann, muß bas ja foloffalc 
Vebeutung Ijaben. 3dj fann mir jeßt fdjon ftälle benfen, 
mo man bas piilocrdjcn gut oermenben fann, oljnc ge* 
rabe Sdjnce gu fdjmelgcn." 

Sfenbranbt faß iljn naeßbenflidj an. 

,,©u fönnteft rcdjt Ijaben, Veßalte fie, menn bu 
millft. Vber oergiß nidjt, baß in biefer mingigen 9löljtc 
ein Vulfan fdjlummert, ber, oon menigen tropfen Waffer 
gemeeft, feinem Präger Scbensgefaßr bebcutet. Vcmaljrc 
ftc moljl. Wer meiß . . . mann bu fie braudjen mirft?" 

Sorgfam barg Wellington bie 5uben in feiner 
Vrieftafdje. 

„^erglidjen ©anf, Cbeorg! ßeiber muß idj bas meifte, 
mas idj bei bir faß, ben ßefern ber dßieago Preß oorent* 
ßalten. Um fte gu entfdjäbigcn, merbc idj einen ßtn= 
reißenben Vcridjt über bas internationale $igßlifc im 
auatifdjcn ©aoos im Hogartßaus bringen, ©a oben 
am paß ift ja ber Sdjnccfport nodj in oollem Sange." — 

Um bie fedjfte Vbenbftunbe ftanb Wellington So£ 
allein auf ber Weftocranba bes Hogartljaufes. 9htr ge* 
bämpft brang bie Viufif aus ben Coefellfdjaftsräumen 
bes großen Sujusßotels bis ßierßer. Ungeftört fonntc 
er Vusfdjau Ijalten. Seine Vugen umfaßten ein £anb* 
fcßaftsbilb oon majeftätifeßer Sdjönßeit. 

3meitaufenb Vteter unter ißm ftrömten im Silben bie 
JJluten bcs Sirfluffcs burdj bas parabies ber 

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PRIINCETON UNIVERSITY 



Seite 646 


SRummer 27 




© 1 e o cf> e 


ebene. 3n allen Sönen fpielten bie Strahlen ber ftn» 
tenben Sonne mit ben ©ampfroolfen ber beißen Quellen 
oon Snbibfdjan. ©od) biefen Schönheiten mibmete 
Wellington go£ nur geringes Sntereffe. Sein SBlicf I)af* 
tetc auf ben Sbhängen ber Slogartberge, bie bas ^ßano* 
rama nadj Sorben zu begrenzten, ^rüfenb unb mitternö 
fog er bie Suft mit leicht oibrierenben Safenflügeln ein, 
mährenb bie gälte QU f feiner Stirn ftd) oertieftc. Wit 
einem guten Sias burd)forfd)te er bie Scßneehänge ber 
Slogartberge, bie jeßt in ben Strafften ber feßeibenben 
Sonne roftg aufzuglül>en begannen. Wit einem Sucf 
ließ er bas Sias mieber in bie Kiemen fallen. Seine 
Wiencn oerrieten Srger unb Seforgnis. 

„Serflud)ter Seicßtfinn! Sei folcßem girnminb eine 
Sfitour gu unternehmen. Sid)t einmal einen oernünfti* 
gen güßrer hüben fte mitgenommen . . . Suf bie Se= 
nommierereien biefes WacGornicf finb fte reingefallett. 
2lus purem Sroß mit bem alten Trottel losgegangen. 
Wöd)te er nur bas Senicf bred)cn . . . unb bie eble 
Sräfin Sorefani mcinetmegen aud). Selber $elen Saroin!" 

©aß fte mit bei ber $our mar, bas oentrfad)te feine 
Unrui)e. Wäre er öod) fo oernitnftig gemefen unb aud) 
mitgegangen. 3eßt toaren fie irgenbmo auf ben un* 
ftd)crcn Sd)neefelbern, unb er ftanb hier unb machte fid) 
Sormürfe. 

Stelen Saroin, biefer fleine Sroßtopf! Sor ber £our 
unb oor ber Homteffe bi Üorcfani hotte er fie gemarnt... 

Sr ließ ftd) in einen Scffcl fallen. Sein Suge haftete 
auf ben Abhängen ber Slogartberge. 3bm felbft !autn 
merflid) oerfd)mamntcn bie fdjnceigen Konturen allmäh 3 
Iid) unb nahmen bie Seftalt ber Sierra Seoaba bet 
grisfo an. Saroins ^arf auf San Watteo taudjte oor 
ihm auf. 

Wie er bantals Stelen Saroin zum erftenmal fab • • • 
Wißmutig mar er burd) ben'prächtigen "Ikrf gefdjlen* 
bert, in bem bie Saunen bes Sefißcrs neben ben ßerr* 
Iidjen Sartenanlagcn aud) allerlei Werfmürbigtciten gc= 
feßaffen batten, ©as Sabprintß molltc er fef)en, jenes 
mitnberlid)c Baumert, bas ber Williarbär bort in bie 
gelfcn oon San Watteo fprengen ließ. 

Sin junges Wäbel, bas er um ben Weg fragte, hatte 
ihn bortl)in geführt. *2115 er ißr, biugeriffen oon ihrer 
jugenblid)en Schönheit unb ihrem natürlichen Klaubern, 
allzu lebhaft feinen ©anf ausbritefen molltc, ba hatte bas 
SCRäbcl iibcrrafd)cnb plößlid) bie Sllitren einer großen 
©ame angenommen, bie ihn mit gefpieltcr Steßeit barauf 
aufmerffant mad)te, baß er fid) im Surte ihres Saters 
befänbe . . . Unb fie mürbe gleid) bie ©iener rufen... 
unb ihn btnausfpebteren laffen. 

©er Sd)alf, ber babei aus ihren Sugen Mißte, oerriet 
ihm zmar, baß bas nid)t bitterer Srnft mar, aber . . . 
Scitbem tannte er Stelen Saroin. 

Sitein mar et bamals in bas Sabprintl) gegangen, 
©urd) 5!reuz= unb Quergänge, bis er ben Wittelbau er* 
reichte. Sin mäd)tigcs, elliptifches S>cmölbe. Sine reid)c 
Sammlung aztefifeßer Sliertümer mar hter aufgeftcllt. 
Sntcreffiert hatte er bie Sad>en betrautet, ohne auf 
anberc Sefucßer zu ad)ten. 

©a hatten auf einer Sanf zwei Wänner gefeffen unb 
leifc miteinanber gefprodjen. SIs er meit oon ihnen cnt= 
fernt oor einerWaste bes Wcjcifi ftanb unb oergnügt bie 
fd)cußlid)cn 3üge bes alten Soßen mufterte, maren plöß-- 
iid) gut oerftänblidje Worte an fein Qßr gebrungen. 
Worte, bie ißn lange unb gefpannt Iaufcßen ließen. 

,,©as Ql)r bes ©ionpfos!" . . . Sine halboergeffcnc 
Scßulcrinnerung tarn ihm mieber. ©as clliptifcße Se= 

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mölbe, bas bie Saune bes Williarbärs hter in ben gels 
getrieben hatte, ließ ihn in einem Srennpunfte oer= 
bliiffenb beutlich hären, mas in ber Säße bes anberen 
oiele Weter oon ihm entfernt gefliiftcrt mürbe. So hatte 
er hier burd) ben 3ufall mit Seid)tigfeit altes bas gehört, 
mas er fd)on feit Wochen in grisfo fu<hte. 

©ort ftanb er. Wit bem ^yleiß eines gorfdjungs* 
reifenben zeid)nete er bie greuliche Waste bes Wc^ifi in 
fein Notizbuch unb hörte . . . oon Plänen . . . Serfd)mö* 
rungen . . . Qrganifationen . . . 

Sterte, bis bas giüftern erftarb . . . faß bann . . . unb 
faß zwei Geftd)ter. 

Seitbem tannte er Sollin Sameron. 

©as ferne ©onnern einer zu $al gehenben Samine 
riß ihn aus feinen träumen. 

Wit einem Saß ftanb er auf beiben Seinen. 

„Serbammt! Sagt id)’s nicht? . . . Saminenmetter •. /' 

Sr fd)icftc fid) an, bie Seranba zu oerlaffen. 2ln ber 
großen Flügeltür fließ er auf Wilhelm Hnöpfle, ben 
Seiler bes ftogarthaufes. ©er hatte bie Schneeberge oor 
©aoos mit benen oon fterghana uertaufd)!, als ber Win* 
terfport hier oben in Wittelafien Wöbe mürbe, ©ie Sc* 
gegnung gab Wellington 5c>S Seranlaffung, feinem §er* 
Zen Suft zu machen. 

„Sd)led)tes Wetter, $err! ©ic Suft gefällt mir nicht. 
3d) fürchte, es mirb nad) Sonnenuntergang nod) rneßr 
Saminenfd)lägc geben. Sinigc Seute hier hätten ihre 
Unternehmungsluft züöeln unb beffer zu §aufe bleiben 
follen." 

©er ©ireftor zuefte faum mertlid) mit ben 2ld)feln. 

„©rinnen ift bie Suft aud) nicht befonbers. Semittcr* 
fpannung. Sine 2ltmofpl)äre, gelaben mit allerlei Wiß* 
trauen unb oerborgencr 5 c iubfd)aft . . 

Wellington Jyo^ marf ihm einen fragenben Slicf zu. 

„Sinb neue Sad)rid)ten aus ^teting ba?" 

„3mmer nod) bas alte Sieb, ©ie oerhüllte Weisheit 
befinbet fid) auf bem Wege zur oollen (Senefung . . ." 

3cßt mar es an Wellington mit ben 2ld)fcln jU 
Zucfen. „©er Steg fd)eint fid) in bie Sänge zu ziehen . .. 
3d) mache mir meinen Sers auf bie Sache . . ." 

„Sehen Sie in ben Sefellfdjaftsfaal, Wr. £>te 

merben einen intereffanten giinfuhrtee finbenl" 

Stellington Jos betrat ben großen, pruntooll ausgc* 
ftatteten Saal, in bem eine fau!afifd)e Stapelte ihre 
Weifen ertönen ließ. Wan mar hier im aftatifd)en 
©aoos. 3n frmeitaufenb Weter §öhe an ben öängen ber 
Ategartbcrge gelegen, bot bas Saus feinen Säften bis 
tief in ben grüfjling hinein Gelegenheit zu allem alpinen 
Sport. Währenb unten bei Snbibfdjan fd)on bie Wiefen 
gefeßnitten mürben unb bie Qbftbäume abgeblüht hätten, 
lag hier oben nod) bie bidjte meiße ©eefe über ben 
Rängen unb bot ben Sfiläufern gute Wege. 

2lus allen Snben ber Welt tarnen bie Ooäfte hier zu= 
famnten. 2lus Suropa unb Smerifa maren fte ba. 
Sebcn Wongolen unb Tataren, Surfmenen unb Ser fern 
faßen 3nber unb 3apaner. ©ie 5:age maren bent Sport 
gemibmet, bie Sbenbe bem gefellfd)aftlid)en Sergnitgen. 
Sängft mar ber Sdpteefport international in meiteft* 
gehenbem Sinne bes Wortes, ©ic 2lngel)örigcn ber gelben 
unb braunen Saffe pflegten ißn ebettfo leibcnfchaftlid) 
unb mit gleid>er SoIlfommenl>eit mic bie Steißen. 

2Ule garbett maren hier oertreten, aber auf ben erften 
Slicf mar es faum zu bemerfen. ©er Gletfdjerbranb 
hatte alte biefe Geftd)tcr nod) einmal gefärbt, hatte ihnen 
bie befonbere rötlid)bräunlid>e Tönung gegeben, unter 
ber bie nrfpritnglidjc Hautfarbe faft oerfchmanb. 

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PRIiNCETON UNIVERSITY 



Kummer 27 


$ t e ‘TOocie 


(Sette 647/ 


An f leinen Sifdjett faßen bie (Säfte iit bem großen 
Saal. (Erfrifeßungen aller Art witrben gereicht, unb bie 
Kapelle übertönte bie Unterhaltung ber eina’elnen 
Gruppen. 

Wellington {fo£ fanb einen leeren Sifd) in einer (Bcfe. 
(Br begann feine Btufterung unb fanb bie Bcnterfung 
bes £>otclbireftors beftätigt. S)ie Soitbcrung ber {färben 
war beute ftärfer ausgeprägt als an anöercn Sagen. (Bs 
fehlten bie Gruppen, in benen weiße, gelbe unb braune 
Blitgliebcr ber großen Sportsgemcinbc früher woßl au* 
fammenfaßen. 

Wellington {fo % witterte hier, wie er braußen auf ber 
Baluftrabe gewittert hotte. Bon SSifd) au Sifd) wanber* 
ten bic fd>arf blitfenben klugen, unb mit ber cßarafterifti* 
fd)cn 'Bewegung fog er bie Suft ein. (Br hätte barauf 
wetten mögen, baß bie (Selben hier allerlei mehr wußten 
als er. 

S>ie Snftinfte bes 3ägers unb 'bes Bcrid)terftatters 
würben in ihm wad). 

3 um Teufel . . . weg 
mit biefen (Scban= 
ten . ♦. S>ie Sorge um 
£>elen (Saroin nahm 
ihn wieber gefangen. 

Wellington {fo£ er= 
hob fid) unb fdjritt 
bureß ben Saal. 3r» 
genbwie mußte er fid) 

(Sewißheit ocrfdjaf* 
fen. telephonieren ... 

Bunbfragen ... (Br 
trat in bie Slan^Ici 
unb ftarrte auf bic 
ftummen Apparate... 

S)a ... ein Buf eines 
ber hier aufgeftelltcn 
Iautfprcd)enbcn Se* 

Jepßone. 

BiacGornicf fprad): 

. . großes Ungliicf 
* . . fofort oom §otel 
Bcttungs = (B^pcbition 
fd)icten . . . Sawinen* 
fcßlag . . . Begleite* 
rinnen (Sräfin Sorefani unb ipclcu (Saroin oerfd)üttct." 

Beoor nod) ber Bortier eingreifen tonnte, hatte 
Wellington {fo£ ben Schalthebel gcbrcl)t unb bic Geber* 
ftation bes Sotels eingej(haltet. Scharf unb fnapp tarnen 
feine Bücfftagen ... wo ber Unfall gefd)ehen fei . . . 
am Sletmanfteg . . . genau unterhalb bes ^ogartpaffes. 

3m nächften Bioment warf Wellington {fo£ bas Blifro* 
phon bem Bortier gegen bie Bruft unb ftürmtc aus ber 
kanalei. 3m Borraum ftanb allerlei Sportgerät. Ohne 
Beftnnen griff er bie erften beften Stier unb eilte weiter. 
3n oollem GefeUfcßüftsanaug war er für eine Stitour 
nicht eben fehr glüeflich gefleibet. An einem £>afen fal) 
er ben biefen wolligen B^l3 eines ber eingeborenen 
i'irgififcßcn {füßrer hängen unb riß ihn mit einem Bucf 
an ftd). 

So ftürmtc er ins {freie. Skr aufgehenbe Blonb bc= 
leuchtete unfid)er bk fd)neebebecften öängc unb {fläd)en. 
Biit geübten §änben 30 g er bie Binbungen ber Stier 
über feine £acffd)uße. Sdjon im (Sleitcn warf er ben 
Sßela über. 

(Bine Biinute nad) bem (Bmpfang oon BiacGornicfs 
Slotruf fch-oß Wcllin cito n {Joe olmc Biicffidjt auf bie Ge* 

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fahr in faufenber Talfahrt auf ben breihunbert Bieter 
tiefer gelegenen Slctmanfteg gu. 

3eßt nod) über eine fteile £>albe ßunbert Bieter 
hinab . . . jeßt fah er eine einzelne Geftalt auf ber 
weiten weißen {flädje . . . war im Augenblicf heran . . . 
oerfudjte im leßten Bioment burd) Abbreßen ber winben* 
ben {fahrt £ctr 3U werben . . . unb merfte, baß cs nießt 
mehr ging. (Semaltige, wilb unb wirr burdjeinanberge* 
worfene Scßneemaffen oerfperrten ihm ben Weg. Biit 
Aufbietung aller feiner .^raft fd)nellte er fid) in bie £>ößc, 
ftreiftc in gewaltigem Sprung Biac(Sornicfs (Seftait 
bort, baß fte ber Sänge nad) in bie weißen {flocfen hin* 
fd)lug, unb lanbete bann felbft inmitten ber wilb auf* 
getürmten Gdpieemaffen. 

Stas Bionblicßt reichte eben aus, um bic S)inge in ber 
nächften Umgebung 3U erfennen. (Bine gewaltige Sawinc 
war ßalfo feßräg oon ber Baßhöße her 3U Sal gegangen. 
(Br tonnte ißre Spur bie §ängc hinauf bis weit nach 

Borben erblictcn. ipier 
in ber Sd)lud)t bes 
Jlctmanfteges waren 
bic ftiir^enbcn Blaffen 
3 um größten Seil 3 ut 
Buße gefommen. Bur 
ein Seil hotte fid) 
nod) über bie §ößc 
besfüblid)eniGd)lucßt* 
ranbes hinauf geftaut 
unb war über ihn 
weiter hinab in bas 
Sal geftürat. 

Beoor noch 3Nac 
(Sornicf ftd) burd) bie 
Scßneetnaffen lang* 
fant gu ihm ßitiau* 
arbeiten begann, 
ftrebte er, fo fcßncll 
es ber 3 U wirren 
Blöcfcn aufammen* 
gepreßte Schnee ge* 
ftattete, ber Stelle au, 
wo bie Brud)ftiicfe 
eines Scßncefdjuhes 
aus ben eifigen 
Blaffen ragten. 0as Ießte 3cid)en ber Berfoncn, bie ßier 
oom weißen Sob iiberrafcht worben waren. 

Seine Bed)te fußr aur Brufttafcße. 3eßt hielt er eine 
ber winaigen Subcn in ber $anb, bie ißm (Seorg 3fen= 
branbt in Wiernt) gegeben hotte. Unbenfbar erfeßien 
es ißm, baß bic geringfügige Blenge bes unfd)einbaren 
Buloers gegen bie ungeheure, hier in ber Sd)lud)t geftautc 
Scßnecmaffe etwas ausrießten fönnte. Aber nod)wäßrenb 
er ben (Sebanfen bad>te, ßatte er fd)on ben Berfcßluß 
geöffnet. Biit ben {fingerfpißen griff er bas B u ^er 
unb ftreutc bic Stäubd)cn wie foftbarc Santenförner in 
bie Sd)neewiifte, wäßreitb er ben gebrochenen Sti in 
immer weiter weröenben Spiralen umtreifte. 

„(Seorg, ßilf!" . . . 

Wie ein Stoßgebet tarn cs ißm oon ben Sippen, 
wäßreitb er ftd) burd) bie Scßnecmaffen feinen Weg 
bahnte unb 5lörnd)cn auf ^örndjen ftxeute. 3 eßt war 
bie Sube leer, unb jeßt ftieß er auf Blac(Sornicf. 

Skr Schotte wollte fpredjen . . . wollte fragen, ob bie 
$iIfse$pebition feßon unterwegs wäre. 

Biit einem fcßledjt unterbriieften {flucß rnanbtc Welling^ 
ton {foj ißm ben Bitcfen . . . unb faß über beo ganaenl 

Original from 

PRIiNCETON UNIVERSITY 





Seite 64R 


S) i e 


Kummer 27 


^Iäcf)c, bie er eben nodj im S07onblicf)t begangen unb 
heftreut hatte, bießtje Bebel mallen. 

(Eben nod) ftanben fie taum fußßod). 3 eßt mogten fie 
fd)on in Bugenßöhc unb fliegen in jeber Sefunbe hößcr. 
Blit einem Sd)rei ftiir^te er in ber Bidjtung baoon, in 
ber er eben nod) bie Sfitriimmer erblidt f>atte. Warme, 
bunftige Treibhausluft umfing ihn. Bber eiftg umflutete 
ihn Sdjmelgmaffer bis gu ben flnien. 

Scßon mar ber eben nod) fo harte froftftarrenbe 6 d)nee 
über bie gange ftläche hin eine fcßmelgenbe, auscinanber* 
fließenbe SDlaffe gemorben. 3eßt fließ fein linier Sfi auf 
Wiberftanb. 0 as mußte ber gerbrod)enc Sfi fein. 

Blecßcnifd) faßten feine Jpcinbe in bie Taf d)en bes 
fremben Bdges... unb griffen eine ber taufenbfergigen 
eleftrifcßen ^acfeln, mic fie Bergführer bei fid) gu tragen 
pflegen. 

3m näd)ftcn Bioment flammte bie mädjtigc ßcudjte auf. 
Wie gliißenbcs (Eifcn ließen ihre Strahlen btc Bebel* 
maffen felbft leucßtenb roerben. Bbcr auch in bie Klüfte 
unb ©palten ber feßmdgenben ßamine brang bas 2 id)t. 
SOlit einem Bud entlebigte fid) Wellington ffo£ ber ftören* 
ben ©d)neefd)uhe unb marf fid) auf bie ftnic in ben eifigen 
Schlamm, um einer buntlen Stelle in ben fd)melgenben 
Blaffen nähergufommen. Sd)ob mit ben öänben ben er* 
meießenben Sd)nec guriid, befam ein Stiicf Stoff ju faffen 
unb 50 g mit einer furzen leßten Bnftrengung eine menfd)* 
liehe (Geftalt gu fid) t^ran. 

italt unb leblos lag bie (Gerettete in feinen Firmen. 
0er immer ftärfer fcßmelgenbe Schnee hatte ihre flleibung 
ootllommen bureßnäßt. Blit Sd)rec!en crfannle Helling* 
ton 5oj, baß bas uon ihm angemanbte Blittel nid)t un= 
gefährlich mar. 3mar bie Schnecmaffen felbft fcßmolg 
biefes munberbarc 0 i)notherm in fabelhaft turger 3 dt 
gufammen. Bber bas abgießenbe Sd)neemaffcr burd)* 
tränfte bie tieferen Sd)id)ten unb bebroßte alles, mas 
bort noch ein * 1 oerfeßüttet lag, mit bem Tobe bes (Er* 
trintens. 

Beim Scheine ber ftarfen £eud)tc betrad)tete er bie 
3 ügc ber (Geretteten. 0 ie, bie er oor allem fuchte, an bie 
er am meiften bad)tc, mar es nicht. 0ic Blarchefa bie 
Torefani hielt er hier in ben Firmen. *31 ber Selen (Garoin 
lag nod) irgcnbmo oerfd)iittet, oon ben fcßmelgenben 
Blaffen immer ftärfer bebroßt. 

(Er ließ bie regungslofe (Gcftalt gu Boben gleiten. Sal) 
babei, baß ber Bicmen ihrer !lmhängetafcf)c geriffen mar, 
unb ließ bie Tafd)c meeßanifd) in feinen Bdg Qldten. 
0 ann begann er mit ber Slraft ber Bergmeiflung non 
neuem gu fud)cn. Bur oon ber Soffnung aufred)t ge* 
halten, baß bie Stataftropße bie beiben 5 raueu hießt bei* 
einanber betroffen habe. 

(Er fueßte unb fanb. (Gerabc eben jeßt gaben bie fd)mel= 
genben unb bampfenben Blaffen ben 3*Pfd eines (Ge* 
raanbes frei. 3nt Bioment ftürgte fid) Wellington fyoj^ 
barauf unb hielt £>clen (Garoin in feinen Brmen. (Ebenfo 
bleich unb regungslos mie ihre (Gefährtin. 

3 cßt fd)neU heraus aus ben bampfenben unb fdpnel* 
genben Blaffen. Bur menige Blinutcn maren ocrffrid)en, 
aber mie hatte fid) bas Bilb in turger Seit oeränbert. 
Schon ftanb er in einer tiefen Blulbe, unb oon allen 
Seiten her fd)oß bas Sdjmelgmaffer in Sturgbäcßen bie 
Bbßängc hinab, um gurgelnb unb braufenb feinen Weg 
gu Tale unter ben Sd)necmaffen fortgufeßen. 

Blit ben 3äßnen faßte Wellington ftoj; bie Jyadel. Bn 
feiner linfen Bruft rul)te Seien. Blit bem redjten Brm 
umflammerte er ben Körper ber Torefani. Blit ber bop* 
pelten ßaft mußte er fid) an bem fdpudgenben unb mei* 

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d)enben Bbßang in bie Säße arbeiten. Bis an ben £cib 
fanf er babei in bie roäfferigen Blaffen. Schritt um Sd)ritt 
tämpftc er fid) empor, alle Blusfeln unb Sehnen bis 
gum äußerften gefpannt. Sinirfdjenb gruben fid) feine 
fräftigen 3ähne bei ber gcmaltfamen Bnftrengung tief 
in ben hölzernen (Griff ber Jyadd. 

Bis cnblich bie Steigung geringer, ber Sdjnec unter 
feinen JJüßen fefter mürbe. Bis bas £id)t einer anberen 
ftadel in feine Bugen fiel. 

Blac(Gornid hatte fid) enblich gur Tat aufgerafft, hatte 
fid) ber eigenen 5 Q dd erinnert. Blit ihr mar er jeßt 
in bas Bebclmecr eingebrungen unb auf Wellington ftog 
geftoßen. Blit einer leßten Bnftrengung legte ihm 
Wellington $05 & cn regungslofen Körper ber Blard)efa 
bi Torefani in bie Brnie. 

„3uriid, Sir . . . auf trodnen Sd)nee . . ." 

Blit pfeifenben ßungen ftieß er bie menigen Worte 
heroor. 

3mci Blinutcn fpätcr traten fie aus bem maUenbcn 
Bebelmcer in bie tlare £uft unb faßen bas Blonblid)t 
mieber. 0f)nc ein Wort gu oerliercn, oßue einen Blid 
auf feinen Begleiter gu rnerfen, bettete Wellington 
Selen (Garoin auf ben Schnee unb ocrfud)te burd) 
Beiben unb Blaffieren bas ßcben in ben regungslofen 
Körper gurüdgugmingen. 0 ie $adel, bie er neben fich 
in ben Sdjnee geftoßen hatte, überflutete bie bleichen 
3iige bes jungen Bläbd)ens mit blcnbcnbem £icßt, ließ 
fie nod) blaffet unb leblofer erfdjeinen. 

£angc feßien Wellington Jyoj; fid) um eine (Geftorbenc 
gu müßen. Bis enblich eine Spur oon ßeben guriid* 
feßrte, bis ein Icid)ter Btemgug bie Bruft crfd)üttcrtc. 
(Ein turger $reubenfd)rei tarn oon feinen Sippen. 3cßt 
galt cs, bas Wert gu oollenben, bie (Geretteten in bie 
Wärme unb Trodenßcit bes ftogartßaufcs gu fd)affen. 

0as mar nod) ein langer unb ftciler Weg über Schnee 
unb 5dje n breißunbert Bieter in bie Säße. Buch für 
einen Blann, ber ißn unbelaftet ging, feine geringe Bn* 
ftrengung. Wellington Sd°n (Garoin mit 

ftarfen Brmcn empor unb begann ben Weg gu feßreiten, 
als ob fie febcrleid)t möge. Unb märe gern fo mit ißr 
meiter gegangen bis in alle (Emigfeit. 

0er 2id)tfcßein oon fyadcln erreichte fein Buge. 
Stimmen brangen an fein Oßr. (Eine Bettungsfolonnc 
fam ißm entgegen. Träger unb giißrer umringten ißn. 
3n allen Sprachen brangen 5 rö gen auf ißn ein. 0od) 
nur noch unbeutlicß ocrnaßni er bie Stimmen. Bur 
nod) ein bumpfes (Gemirr fcßlug an fein Dßr. 3eßt, ba 
er Sdcn (Garoin gerettet mußte, oerließ ißn bie Spann* 
traft. Blit einer leßten Bnftrengung ßalf er Sdcn auf 
eine Baßre betten. 0ann fiel er bcmußtlos neben ißr 
nie ber.- 

3m ©üben oon San ftnmgisto auf ber Socßebcnc oon 
San Blattco liegen, oon munberooüen Badanlagen um» 
geben, bie Sommerfiße ber meftlidjen Sinang* unb 3n* 
buftriemagnaten. Bod) oor einem halben Blenfd)enalter 
ftredten fid) hier biirre (Einöben. 3eßt hatten bie Bien* 
fd>en mit Silfc bes 0 i)nothcrms ein Barabics aus ben 
milben (Gebirgsgegcnbcn gemad)t. 

Scßattige Beitmegc unb traulidjc Jynßpfabe. 3 ro Mcßcn 
Jyelfenhiigeln Bliniaturfeen, Bäume, Blumenbeete unb 
allerlei blüßcnbe Sträudjer, oon berufenen Zünftlern 31 t 
einem bilbl>aften (Gangen oerfdpnolgcn. 

0 er fd)önfte unter ben feßönen ßanbfißen ber oon 
Jrancis (Garoin. Unter ben reidjen Blännern ber Union 
moßl ber reießfte ^ancis (Garoin. 

(Fortsetzung folgt.) 

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PRINCETON UNIVERSITY 


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Gelte 650 


0 t e 00 o (fr e 


Htummec 27 


S o n i ö 6 d) n ö t o n (n (£ l * 31 m a r n a 

33ort 253alfl)er 2Bo(f, Stffiffenf an ber $gi?pfifcben (Sammlung ber (Staafl. 3flujeen, Berlin*) 



® eit ber Öffnung bes ©rabes 
bes ^arao Sutancbamon 
bureb £orb ©arnaroou ift bas 
Sntereffe ber Öffentlichkeit ein» 
mal mieber in erböfjteni Viaße 
auf bas alte Sigtjpten gelenkt 
rnorben, insbefonbere auf bic 
3 eitfpaniie, ber $utancbamon 
fclbft entflammt, ber fogenannten 
Olmarnapit. Sutancbamon mar 
nidjt königlichen Blutes; nur bie 
$anb einer Tochter bes Königs 
9lmenf)otep ober Vmenopbis IV. 
Ijattc itjm bie $lnmartfd)aft auf 
beu Stjron nerfebafft. $>iefer 

•) ©ie bem Sluffafc beigegebenen Silber 
t>on Clara Giemeno finb mit (Erlaubnis ber 
3. C. $>inrid)s’fd)eu 33ud)f)anblung in ^dp* 
jig bem eben crfdjienenen SDtappamucrtc 
entnommen „Stönig (fdjnaton in CI-- 
9lmarna, 10 Silber oon Clara öie« 
nt ens, Sejt ooft ©reibe -iluet" 


Vmenopbismarbie feltfamfte£>err* 
feberfigur bes alten Orients über* 
baupt. Von fd)mäd)lid)er körper* 
lieber Veranlagung, bic offenbar 
mit ftarfen geiftigen fyäbigkeiten 
gepaart mar, unternabm er ben 
Vcrfud), an ©teile ber ^ablreicben 
in Vggpten ocrebrten ©ötter 
bie Gönne allein pm ©egen* 
ftanb göttlicher Verehrung p 
machen. Oas führte naturgemäß 
pr Verfeiubung mit ber SJ3ricftcr^* 
fd)aft ber anberen ©ötter, oor 
allem ber bes Veid)sgottes Vmon, 
fo baß er feine bem Vmon ge* 
meibte öauptftabt £b e b en ocr= 
ließ unb ftd) beim heutigen Vmama 
eine neue £>auptftabt grünbete. 
£>ier lebte er fortan im Greife 
feiner ftamilie ber Öäutcrung unb 


Clara Siemens: „Beim Bildhauer“ 

üben. „König Amenoph.s IV., seine Gattin küssend“. 14. Jahrhundert v. Chr. Museum in Cairo Phot. Crantz 

Die Plastik tritt io der Siemensschen Zeichnung als Motiv aut 


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Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 






















Kummer 27 


Seite 651 


0 i e o $ e 



„Kopf einer Tochter Amenophis' IV.“ 
Ägyptisches Museum. Berlin Phot. Grants 



Clara Siemens: 

„Gottesdienst bei Sonnenaufgang.“ 

giöfen Sdjmärnterei beit äußeren ftetnb non 
ben ©renjen feritauhalten. 

Um fo lieber oerfeitlen mir heutigen uns 
in Die SUinftmerfe Vmarnas, Die Die ©eutfd)e 
Orient'©efeüfd)aft unter Seitung non ^rof. 
©r. Vord)arbt in beit Jahren oor beut Kriege 
bent ägt)ptifd)en Sanbe eittriffeit bat, uitb 
oon beneit mir eine ftattlid)e Vngahl int 3igt)p* 
tifchen VUtfeum 51 t Berlin oorfinbeit. ©er 
feine Cbeift, ber aus beit köpfen uitb aus 
jeber £inie ber S^^nung fpridjt unb bie 
ftarte, ber ganzen ^marna-Stunft iitnemol)* 
tteitbe Vtahrhcitsliebc haben C£lara Siemens 


Clara Siemens: 

üFamilienszene in der Gartenlaube“ 
Rechts: „Amenophis IV. mit Familie“ 
Kalkstein. 14. Jahrhundert v. Chr. 

Ägyptisches Museum, Berlin 
Nach dem Relief wurde die Szene auf obigem 
Bilde rekonstruiert 

Verbreitung feiner £ehre, ber Ver= 
ehruitg feines ©ottes unb ber 
fünftlcrifd)eit Vusfchntüduitg feiner 
öauptftabt. Seine £ebre im öer= 
3 en feines Voltes «$u oeranfern, ift 
ihm nicht gelungen, ©ie 9Jtenfd)= 
heit mar für feine hohen Jbeeit 
noch nicht reif, and) f)W 9 ber 
Sttggpter au fehr an beit alten ©e= 
bräuchen. Unb fd)Iießlid) oergaß 
^Imeithotep ober ©dptaton, mie er 
fuh jeßt, um ben in bem Vtortc 
^Imonhotep enthaltenen Manien 31 t 
jneibett, nannte, über feiner reli= 


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Go», gle 


‘Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 



































Getto C52 


0ic 38 0 d) ? 


Stummer 27 



angeregt, ficf) mit liebenollcr Gorgfctlt beut ©tiibium bes ©eiftes itnb 
ber {yonitcmoiit ber 91marnageit gn unbmeit. £)ie $rnrf)t it)rer gituer- 
läffigcn Arbeiten Iiccjt jeftt in einer fyolge oon groangig ßidfjtbrutfen uor. 
$icr !ann nud) ein meilercr Jtreis, bem bie unperfpeftimfcfyc 3eidjen* 
mcifc ber ägt)ptifrf)en 5\nnft nicf)t geläufig ift, bas feinfühlige SH^efen 


F hot. Grants 
Links : Clara Siemens: „Boot* 
fahrt“. — tm Oval: „Porträt- 
Kopf des Königs Amcnoohis IV“. 
Ägyptisches Museum, Berlin. 


V 


SU 


ber ftnltnr Gdpmtons auf 
ftef) vorlcr Mffrn. — 0ic 
6d)riftftcllerin ©vetfje Witter 
f)at eine reigenbe Heine s Jto= 
uelle bngn getrieben. 

Schluß des redaktionellen Teils 


TRJ'PHONOLA 



/dl& Occtncy ocloh, (IGJugQQ, >f c (nJ)62n - Lffi.cjn o&l- q£q£öl. 



G^/L60e^„Q77i772e<3^'ar6C^ 7000 CLnclßhxi (J&iQzn jcLq)l 

'uyebdszri /oLOißßo ‘lyicpflorüoßoL (Jfbh rtaLte&nc£e?oQ>(2£cfeO'. 

LUDWIG HUPFELD A*G- BERLIN W- LEIPZIGERSTR- 1 lO 


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Goögle 


Origin&l frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 






























































Hammer 28 


Berlin 


25. 3aljraancj 


historische Turnstätte: „Der Turnplatz in der Hasenheide", Lithographie aus dem Jahre 1860 

Der Berliner Turnplatz — der erste in Deutschland — wurde im Jahre 1811 durch Jahn begründet 


3um 13. ©eufftften Surnfeflf ünd?en 1923 

23oti profeffor öeinrid) 25red)tel, TSorfi&enbem betf Ortöturnaueffcbuffeö 


us ben Sagen tieffter (Erniebrigung imirbc bas beutfebe 
Surnen geboren. SIls Vettungsanter ßöt cs 3ößn 
feinem Volte gugetooefen in bie roilbe See nationaler 
Slot unb Vcrgroeiflung, prächtig ift bie Saat aufgegangen 
unb bcrrlicfje 5rüd)tc aus if>r finb auf ben Vtarft gefommen. 

3m SBanbel ber ©efd)id)te febren bie 3citcn roicbcr. Sic 
Sturmflut, bie beute bas geborftene beutfebe Schiff umtobt, 
ift roeit furdbtbarer als bantals. £ungcrtrieg unb Schieber- 
tum b^en bas beutfd)e Volt germürbt, roiifter Vörteißaber 
bat cs gerrüttet. Ser bößerfüUtc frangöftfef^e (Erbfeinb bielt 
ben Slugenblicf für getoinmcn, feine 3abrbunbcrte alten Siaub« 
gelüfte gu oermirtlicbcn. Slber noeb lebt ber beutfebe ©eift. 
Sie £elbenmütigteit, mit meiner bie trüber am Vbcin unb 
an ber Stußr ben feinblicßen V3iberroärtigfciten einen ent» 
fcbloffenen bentfdjen Sroß gegcnübcrftellcn, geigt ber V3elt, 
baß Vaterlandsliebe lein leerer ©aßn ift. Sie höben ein 
Sted)t bagu, oon ihren Voltsgenoffen im unbefeßten ©ebict 
gu forbern: „Slns Vaterlanb, ans teure, fdjließ Md) an!" 

3n biefen Sagen fd)roerftcn oaterlänbifd)cn CElenbs ift cs 
Pflicht, an bie ftttlicf)e (Erneuerung bes Voltes, bie fittlid)e 
(Erneuerung oor allen Singen ber 3ugenb gu benten. Sie 
flogen über 3ucßtlofigteit, über roaebfenbe Versilberung unb 

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Verberbnis unferer 3ugcnb finb nur gu gerecht. Sdjcirferc 
polizeiliche unb ftrafrcd)tlid)c Vcftimmungcn tonnen mohl 
üorübergebcnö bemntenb einroirten, einen baucritbcn (Erfolg 
bringen fie nicht. Sas Übel muh an ber Söurgcl gefaßt toer* 
ben: bas bcutfd)c Volt muß guriietgeführt roerben gu fitt* 
liebem ©cborfam, gu 3 lic bt unb Orbnung, gur Slrbeitfamfeit, 
gur (Einfachheit unb Vcfcbeibenheit, gu ©baraftertiicbtigEcit 
unb Starte, gu fittlidjer Jrcibeit, cs muß ergogen toerben 
gu nationalem Vcroußtfein unb nationalem Stolg. ftüßrcnbc 
Viänner erinnern fid) beute meßr benn je bes 3öbnfcßen Vcr* 
mäd)tniffes. Sas beutfebe Surncn muß feine Söiebcrgeburt 
feiern unb 3öbnfd)er ©eift muß neu erfteben. 

Arbeit ift unfer ßos, beutfebe Arbeiter gu ergießen unferc 
heiligfte Spflicßt. Ser ßcbensfampf, ber bem beutfdjen Volte 
beoorfteßt, rnirb grimmig. Stur ein törperlid) tüchtiges ©c» 
fd)led)t mit ftarten Sternen toirb biefen Stampf befteben ton¬ 
nen. Vor einigen 3öbrcn umrbe im Sieid)stag ber ©ebante 
erroogen, jeben Seutfcßen burd) Steicßsgcfeß gu Ceibesübungcn 
gu nerpflid)tcn bis gur VoUjäbrigtcit. Sin ber rnirtfd)aftlid)en 
Slot bes Staates, an unferer Slrmut ift bas ©efeß gefeßeitert. 
^rioate Organifationen finb am SBcrf, fo gut rnie möglich 
ausguglcidicn, ums ber Staat gu feßaffen Hießt imftanbc ift* 

Original ftom 

PRINCETON UNIVERSITY 


































Seite 6ö*z 


0 i c o cft e 


Kummer 2& 


0antbar mug bie Tätigteit ber Vereine anertannt merben, 
bte bemügt ftnb, bie 3itgenb gu faffen. 0cn ©Item unb ©r- 
giepern ober follte cs als nationale ^fliegt erfegeinen, tgre 
Stinber ben SBogltatcn ber Leibesübungen gugufügren unb 
bureg eigene Vlitgliebfcgaft bie Vereine in igrem feineren 
©Siftengtampf gu unterftiigen. ^luf! tretet in bie Vagn! 

3n ben Sagen oom 14. bis 18. 3uli f)ält ber älteftc unb 
größte Verbanb für Leibesübungen, bie 0eutfcgc Turnerfcgaft, 
eine §cerfcgau. 0as legte Turnfeft tourbe 1913 in Lcipgig 
begangen. 0er VMttrieg mit feinen folgen gatte es ben 
beutfegen Turnern ingmifegen niegt mieber ermöglicht, gufarn* 
mengufommen. Als ber norbereitenbe Ausfcgug mit bert 
erften Arbeiten für Vttincgen einfegte, magte nicmanb baran 
gu benfen, bag eine nur anttägernb fo ftarte ^Beteiligung git 
erroarten fei mie in Lcipgig. Vlan gat ftd) getäufegt. 0eutfeger 
6inn unb turnerifege Vegeifterung, ber beutfege ©ebante, ber 
bas Turnen befeclt, oerftegen aueg bie mirtfcgaftlicgcn Scgrnie* 
rigfeiten unferer 3cit gu meiftern. (Ein jeft „für beutfege 
©ingeit, Vccgt unb Jrcigeit" mill bic 0cutfcgc Turnerfcgaft in 
Vlür.cgen begegen. 0ie Reibungen giergu übertreffen alles 
bisger 0agemefene. Vagegu 200 000 5 e ftf Q rien ftnb oertauft, 
groei fteftgiige mit je über 60 000 Teilnehmern unb 1200 gag* 
nen geben ben 3ufcgrtuern Shtnbe oon ber SOtacgt, bie ber faft 
gmei Millionen Vtitglieber gäglcnben 0eutfegcn Turnerfcgaft 
inneroognt. s Bic bei frügeren geften, fo eröffnet aueg in 
Vlüncgen bas fcffclnbe patfenbe Vilb ber greiiibungen bie 
allgemeine Arbeit ber aus allen ©auen bes Vaterlanbcs gu* 
fammengeftrömten Vlaffen. 3n rouegtiger, übermältigenber 
^unbgebung mill ein Jpecr oon 34 000 Turnern unb 10 000 
Turnerinnen geigen, mclcger ©eift ber 0eutfcgcn Turnerfcgaft 
eigen ift, ftc motlen bartun, bag ©inigteit, 3ucgt, llntcrorbnung 
unb ©emeinfinn fie befeclt unb ben igrer Vemcgung noeg ferne 
ftegenben ©äften ^oegaegtung unb Vemunberung abringen oor 
bem Vollsergiegungsmcr! igres grogen Verbanbes. 

0urcg Ausbau ber bem Turnen oermanbten Leibesübungen 
innerhalb ber 0eutfegen Turnerfcgaft, bureg Ausbau bes $öctt* 
tampfgebanfens auf allen ©ebieten ift jung unb alt ©elcgen* 
geit geboten, im SBetttampf bic Straft mit feincsglcicgen gu 
meffen. sieben turnerifegen ©ettlämpfen ftnb Leicgtatglctif, 
geegten, Vingen, Sd)mimtnen unb Spiel in ben Arbeitsplan 
aufgenommen. Vunb 15 000 SBettlämpfer treten in bie Vagn; 
bureg 1200 Stampfricgtcr toerben fie beurteilt. 0er Sieg gängt 
goeg, bie SBIütc ber 0eutfcgen Turnerfcgaft nur mirb mit (Er* 
folg um ben fcglicgten ©icgcntraitg ringen. 0as Turnen ift 
befcgmcrlicge Arbeit. 0er Turnftcg ift bie gruegt unentmegten, 
begarrlicgcn glciges. So erfegeint bas Turnen als eine Scgule 
ber 3ögigfcit unb bamit als Scgule ber Arbeit, bureg bie 
geutgutage jeber junge 0eutfcge gefiigrt merben mügte. ©s 
ift bie ©runbfcgulc jeglicgen Slörpcrfports. 3» ber gorberung 
oon ©enauigfeit bei turnerifegen Übungen ift es eine treffliege 
Vorbereitung für bas Leben; bie auf bem Turnplag anergogenc 
©enauigfeit mirtt ftrf) aus im Veruf. 

groben ftaunensmertcr ©emanbtgeit unb fügnen Wagemuts 
mirb ber Vefucger bes 0eutfegen Turnfeftcs bemunbern bürfen. 
0as 3ogufcgc Turnen mill bem Vlenfcgen ©emanbtgeit geben, 
bic fteg gunäd)ft äugert in flinfem, anteiligem 2Befen. A3cr 
aber [einen Körper gu begerrfegen oerftegt, ber mirb aud) 
feinen ©eift gu meiftern miffen. 0as Vemugtfcin, Eräftig unb 
gemanbt gu fein, oerlcigt bem Vlcttfcgen 3 UÜCr Brf)t unb Selbft» 
ocrtraucn, es förbert 3Jlut, VMUeitsftärle unb (Entfcgloffengeit, 
ergiegt gugleicg aud) gur Vefonnengeit. V3as braud)t bas 
beutfdje Vol! geute notmenbiger als biefc Tugenben? ©in 
freies 0cutfd)lanb rnollen mir micbcr aufbauen. 3 uü ^rfid)t 
unb Selbftocrtrauen, Vlut unb VMllensftärie, ©ntfcgloffcngeit 
unb Vefonnengeit finb bie V3crfgeuge bagu. 0eutfd)es 3uttg» 
oolf, tritt in bic Vagn gur Übung biefer Tugenben! 

SDlit ber allgemeinen 0ienftpfliegt ift uns eine treffliege 
Scgule bes ©egorfams unb ber llntcrorbnung oerlorcngegan* 
gen. Stein Volt far.n aber ogne llntcrorbnung bes eingelnen 
unter bas ©ange, ogne Veacgtung ber ©efetje, ogne Vänbigung 
bes eingelnen Aöillens beftegen. llnferc gefamte ©rgiegung 
gat ftraffen ©egorfam unb mittige llntcrorbnung gerbeigu» 


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fügren. 0ie gefellfd)aftlid)e Arbeit, gu ber bas Turnen bc* 
fonbers anreigt, erforbert llntcrorbnung bes eingelnen unter 
bie 3mecfe &er ©efamtgeit. Auf ©efegmägigteit aufgebaut 
unb bureg ©efegmägigteit geleitet, ftnb beftimmte Vorfcgriftcn 
auf bem Surnplag unerläSlicg. 0as mirb halb ertannt, unb 
bann laffen fteg bie jungen 0urner fpielenb ©efegmägigteit 
anergiegen unb gu orbnungsliebenben ©liebem ber ©emein» 
fegaft im Staat oorberciten. 0ie gefegloffcnen SDlaffenoorfüg* 
rungen ber Greife, bic Vlufteroorfügrungen ber ©auc unb 
Vereine beim 0cutfcgen Surnfcft merben oon bem ©emcinfinn 
geugen, ber in Turnern unb Turnerinnen fteeft, fo mie fie 
aud) bic ©igenart unb bas Vefonbcre bes geimatlicgcn Ve- 
tricbes bartun rnollen. 

0er Turnplag ift ber neutrale Voben, auf bem fieg alle 
Streife ber ©efeüfcgaft gufammenfinben tönnen. 3u bem Vor* 
fag, ber Allgemeinheit gu btenen, niegt inbioibuelle, fonbern 
fogiale Veftrebungcn gu unterftiigen, fiegt jeber im anberen 
ben gleicgmertigen, ooümertigen Vtcnfdjen. Als Turnbrüber 
arbeiten alle am gleicgen Siel in gegerffeitiger §ocgad)tung, 
Stamcrabfcgaft unb greunbfegaft. 0iefcs alte 3agnfcge 3bcal 
mirb geute noeg unoerminbert gocggegalten. 

0as ift ber ©eift ber 0eutfcgen Turnerfcgaft, unb oon biefem 
©eift maren aueg bic Vorbereitungen für bas 13. 0eutfcge 
Turnfeft getragen. 

Vlüncgen ift in ber gliictlicgcn Lage, einen Jeftplag gur Vcr* 
fiigung gu gaben, mie er taum in einer anberen beutfegen Stabt 
gröger unb fegöner gefunben merben tann. 0ie Tgereften* 
miefc ift mit ben Ausstellungsräumen, bie mäegtige praegtoolle 
fallen in fieg bergen, gu einem riefigen Übungsfelb für Turner 
unb Turnerinnen gufammengegogen. Auf ber Tgercftenmicfe 
follen bie 5eftbefud)er geg an ben gefegloffcnen Jreiübungs* 
bilbern ber Turner unb Turnerinnen erfreuen. Auf bem 
gleicgen gelb gegen an oicr §albtagen bie Vorfügrungen ber 
Streife oor fieg, fo bag ben Tribünengäften ununterbrochen bie 
umfangreid)e Viaffenergiegungsarbeit ber 0cutfd)en Turner» 
fdjaft in bas Vcmugtfein eingegämmert mirb. 0er meite Vafcn 
mirb belebt bureg bic oerfd)iebencn Spielcrgruppen. 0ct 
DoItstümlicge ,, 3rgntampf unb bie ©ingclfämpfc follen gier bie 
oorgüglidjeit Leitungen ber Veften auf biefem ©ebiete geigen. 
0aneben mirb ber Sd)lcuberbat!murf ber Jünffämpfcr 3 cll 9 s 
nis oblegen oon bcutfd)cr Straft unb ©emanbtgeit, mägrenb 
auf ber unmeit baoon gelegenen Afcgenbagn in flüchtigem 
Lauf bie Scgnclligfrit ber Turner unb Turnerinnen bargeton 
mirb. 0ie mciften ber turnerifegen Vlctttämpfe ftnb in ben 
AusfteHungsanlagcn untergebradjt. ©s fonnten gier Turn* 
gaUen cingeiicgtet merben, an benen ber Ansübenbe mie ber 
3ufcgauer feine Srcube gaben mug. 0en 5 oc gt crn un ^ 
gern ftegt eine meite §allc gur Verfügung, in ber aueg eine 
grogc 30 g 1 Scgauluftiger ben 0arbietungen folgen tann. 
Scgmimmer unb Sd)mimmerinncn finben im 0antcbab eine 
oortrefflicgc muftergiiltige Anlage. 3 ltr 0uregfügrung ber 
Läufe ift eine 500*Vleter*Vunbbagn gefegaffen für fcd)s Läufer. 
0urd) Anbau an ben beiben Längsfeiten mürben gmei 100* 
SOtetcr*Vagnen für je gmölf Läufer gemonnen, [0 bag bamit 
gereegnet merben barf, bag bic Viegrfämpfe gier teine Ver* 
gögerung erfagren. 0ie Laufmeffung erfolgt burd) gmei eiet» 
trifege llgren. 

3u ben V3etttämpfcn tritt nur bie Auslcfc ber 0eutfd)en 
Turnerfcgaft an. 3n allen Streifen mürben im Laufe bes 
Vionat Vtai %(robcturnen burcggefiigrt. Vtüncgen Ünb 

nur bie gugelaffen, bie bei ben Vorfämpfen bic oorgefegriebene 
Sßunttgagl erreiegen tonnten, ©s ift bas, mie eingangs er» 
mägnt, nod) eine fp grogc Segar, bag bie Organijation niegt 
leiegt mar. 

0ie Vorbereitungsarbeiten gegen igrem Abfeglug entgegen. 
Turner unb Turnerinnen aus nag unb fern ftnb mogl gcriiftet, 
bas bisger grögte beutfege geft mit ber entfpreegenben A?ürbe 
gu begegen. 0en beutfd)en Vriibern aus ben abgetrennten 
©cbieteit tHngt ein gcrglicges VMUtommen entgegen, getragen 
oon geller ftreube, bag fie in bem Streben naeg ©ingeit, Vecgt 
nttb Srcigeit mit uns benten unb füglen. „Turner, auf gum 
Streite! Tretet in bie Vagn!" 

Original fro-m 

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Stummer 28 


© I e SB o t& e 


Geitc 653 



©er Umfturg tn ©ulgarten 

Mit sieben photographischen Aufnahmen von Preß-Photo-News-Service 

(rXie bulgarifcbc 9te» 
oolution bat einer 
SETU&tDirtfd^aft obneglei» 
eben ein ©ttbe gemadjt. 

©er fogialiftifdje "Bauer 
Stambolijsti batte ftd) 
bureb ein ÜBablgefetj, bas 
einer SRinberfjeit im San» 
be bie 9ttebrbeit im ^ar» 

Iarnent fieberte, in ber 
6obranje ein blinberge-- 
benes3Bertgeug einer jebe 
Bteinungsfreibeit unter» 
brüefenben, bas Bürger» 
tum unb bie 3nteHigeng 
bes Sanbes entreebtenben 
Sßolitit gefebaffen* ©leid)» 
geitig batte er bie nationali* 
ftif eben ©lernen e im ßan» 
be — unb ihnen oerbanft 
Bulgarien fein ftaatlicbes 
©afein — babureb oer» 
le^t, ba& er mit ber gröfc» 
ten ©raufamteit bie ma» 
gebonifcbeti Banben oer-- 
folgte, bie fid) gegen bie 
ferbifebe <perrfd)aft auf» 
lehnten unb auf bie 9tiicf-- 
gabe ber groeimal blutig 
eroberten unb groeimal 
oerlorcncn, oon einer bul» 


Alexander Zankoff, der neue 
bulgarische Ministerpräsident. 

Links\ General Lazaroff, der 
militärische Leiter der Revo¬ 
lution, spricht vor dem Par¬ 
lamentsgebäude in Sofia zum 
Volk. Nach alter bulgarischer 
Sitte wirft er der siegreichen 
Nation eine Rose zu 



General Lazaroff auf dem Wege zum Parlament, um den Sieg über die Starabolijski-Partei zu verkünden 


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PRINCETON UNIVERSITY 



















6cite 654 


® t e C 2B o cb e 


Kummer 28 



In den eroberten Stellungen der Bauernarmee in Slavovitza. Vorn die erbeuteten Kriegskassen 
Stambolijskis, in denen 25 Millionen Levas gefunden wurden. 


gariftfjen 9ftef)tf)eit be* 
mofpiten (öcbiete nidjt 
neraidjten mollien, bie 
'Bulgarien auf Cbrunb bcs 
Vertrages non SReuilli) an 
Serbien abtreten mufjte. 
9lüc biefe (Elemente taten 
fid) aufammen, gemannen 
bie $lrmee für fief) unb 
ftiiraten, obmofjl bie 9te« 
gicrung non ber Ber» 
fdjmörung Kenntnis batte, 
bas Btinifterium Stam» 
bolijsti an einem Sage, 
©er Btinifterpriifibent 
entrann, mürbe aber auf 
ber gluckt in einem Söalbc 
non beu ©ruppen ber 
neuen Regierung ein» 
gcfcbloffen unb erfdjoffeit. 
©ao §aupt ber neuen Be» 
gierung ift ber Unioerfi» 
tätsprofeffor 3anfoff. 
©en Oberbefehl über bie 
aur Regierung iiberge« 
gangenen ©nippen über» 
nahm ber Oberft Cajaroff. 
©ic aum Scf)iitj Stam* 
bolijslis in feinem §ei» 
matsborfnerfammeltebe» 
roaffnete bäuerltdje £eib» 
garbe mürbe nad) turnen 
Kämpfen iibermunben* 
3n ber 3Öof)nung bes 
foaialiftifeben Btinifter» 
preifibenten fanb man 



Die Standarte und der Leibdiener Stambolijskis nach seiner Gefangennahme in Slavovitza 


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9?umtner 28 © i e ® o * c Seite 655 



Verhaftung des Neffen Stambolijskis (X), Leiters der Orangegarde, der versuchte, verkleidet in Lastautos Munition nach 

Slavovitza, dem Hauptquartier der Bauern, zu schaffen 


mebrereBtilliotien ba» 
res (Selb, beffen £cr= 
funft — es marett 
frunzöfifche ftranfen 
unb rumamjcfje Veis 
barunter — zut (Er* 
hebung ber Auflage 
megett $od)oerrats 
berechtigen mürbe, 
menn er noch lebte. 
3)ie neue Regierung 
oerftcher*, ba& biente* 
nolution ausfchlicfj-- 
Iid) innerpolitifche 
(örünbe gehabt habe, 
befj bie freunbfehafi* 
liehen Beziehungen zu 
beit (£>rofj nt ächten unb 
Nachbarn auch fürber* 
hin gepflegt mürben, 
unb ba& matt 
nicht beabfichtige, am 
Bertrag non 9feuillt) 
ZU rütteln, Bber bie 



£atfad)e,ba6bie5iih 3 
rer ber ntazebonifchen 
Banbeti bie Beoo= 
lution unterftüfct ha» 
ben, bemeift, bafj bie 
Regierung biefe Ber-- 
ftcherung nur abgibt, 
meil(teilt ihrer jetzigen 
Vage — bie bulgari» 
(che Brtnee ift auf 
30 000 Btatin be-- 
fchräntt morben — an 
eine Berichtigung ber 
(Grenzen gegen 6er= 
bien uttb (Griechen* 
Iattb nicht beuten tarnt. 
3ntterlich mirb ber 
Bertrag non üteuiUi) 
nott feinem Bulgaren 
atterfattnt. Mg. 

Das Hauptquartier 
der Orangegarde kurz 
nach der Eroberung 


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Seite 65o 


•*) x e Q cp 


mumnter 'xs 



„Schlafendes Mädchen“ (1896) 

6&iir beit Stunftfreunb ift biefe ‘Slusftellung non 170 Sil* 
O bern (Soriitthö aus Sprinatbefi^ eine itac^ljallenbe Scitt- 
miirbigteit. (Ss ftaut ftd) bas Sßublitum itt beit beiben 
Stocfmerfen bes Stronprinzenpalais, in beiten bie "Berte 
mit großem (Scfchicf für (ölieberuitg untergebracht ftttb. 
3ebcr t)at bas Cöcfiiljl: £>ier ift einer, bettt bas fd)öitc "Dtaler-- 
hanbmerf zur großen ßetbenfe^aft gemorbcit ift. (Sin Star¬ 
ter, eilt (Sicf)»fcibft=(£)ctreucr, ber alles, rnas er tmtrbc, bttrd) 
eigene Straft tmtrbc. ‘üJlatt fagt, er befeifte bie fdjmcrc, 
aber bod) elaftifd)e Biberfpenftigtcit bes echten Dftpreufjcn. 
(Sutt. ^ber ebeitfo micfjtig ift, mic einer fchliehlid) mit beut 
ihm anoertrauteit ^fuitb umgeht. $rot$bcm ber Balcr 


(Sorintf) zeitlebens ein beherzter Berfchmcitber mar, blieb 


„Frühstück“ (1892) 



iStilleben und Mädchen“ (1911) 


er bod) ftets im 
guten Sinne f)uus= 
hcilterifd) — ein 
Beiger ooit "Mitteln 
unb Birtlingen. (Sr 
tarn als blutjunger 
"Mettfd) nach Siöttigs- 
berg, bann mürbe 
er in "München Sd)ii-- 
ler bei Söfft), fpciter 
malte er itt Baris 
iit ber Bouguereau- 
Schule, iiberficbclte 
bann als fertiger 
nach SMündicit uttb 
um bie 3ahrhuit= 
bertmettbe eitblid) 
itad) "Berlin, mo er 
nun bie Srijmiitgen 
frei entfalten tonn¬ 
te. Bas "Merfroiir- 
bigr ift, bafi er nie 
mobifch malte. Bas 
fchertc ihn bas laut 
gcpriefeite5mlid)t! 
Sein 3öeal mar nur 
immer, gut zu nta* 
len, fein Sempera* 
ntent in ^urbe unb 
Jortit frei hüiftrö-- 
nteit zu laffen. Beim 
er zumeileit ftrau- 
dielte unb ins (Sj- 
trem fiel, itts 9lfa- 
bentifchc ober gar 
ins Uutlarc, fo mar 
bas immer mehr ein 


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Kummer 28 


t c QP o & c 


vr>ettc Ö57 



(Erproben uitb Saften als ein 
<Berfagen ber ^raft. (Er pfiff 
auf ben ganzen 3mpreffioitis-- 
rnus, tote ifjnt aud) fpäter ber 
(Esprefftonismus nur ein blut-- 
lofes Sd)lagrDortu)ar,ntitbem 
er in feiner SUinft nichts an^u-- 
faitgett umbte. ,,3d) male, toie 
irf) cs febe unb fühle", ftetjt 
über feinem Tempel. (Ein 
Sütebrer ift er in feiner fd)mcl-- 
gerifdjen fltutfichen güüe.Seine 
ftarbc burdjeilt alle Stalen 
bcr(Entpfinbuttg: u)ie ftrofccnb 
fönnen Stauen bei ihm lachen, 
unb meld)e ^erflüftete Sd)toer-- 
mut liegt über feinen 'Jöaldjcn-- 
feclanb'fdjaften, in benen es 
coie in eruptioen SBulfanen 
arbeitet! 3)ie gan^e Iebenbe 
unb tote "Jtatur ift il)nt s IRobeU; 
unter ben fübrcitbett beutfdjen 
SDtalem ift er ftdjcr ber oiel* 
feitigfte, toie craud) als fötaler 
unter allen bie reid)fte Palette, 
alfo ben reidjften $varbeitfd)ab 
bat 9lbcr in biefem roeiteit 
Nahmen gibt es für ibn teilte 
Spezialität (Er gehört flu ben 
toettigen ^usertoäblten, beiten 
es uergöititt ift, ftd) bas Schief= 
fal bieitftbar flu machen. 
fpeftooll grübt il)it bie 3*it 
A. G. Hartmann. 


„Selbstbildnis mit Gerippe“ (1896} 



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mm/zm/m 



#pm 



Apostolischer Nuntius M s g r. Dr. Eugenio Pacelli 

Ueber die Fragen des passiven Widerstandes, insbesondere über die Fälle von Sabotagehandlungen im von den Franzosen widerrechtlich 
besetzten Ruhrgebiet fand auf Wunsch des Papstes eine Aussprache zwischen Reichskanzler Dr. Cuno und Nuntius Pacelli statt 

ZU DEN BESPRECHUNGEN DES REICHSKANZLERS MIT NUNTIUS PACELLI 

Radierung von Ernst Schaffer 



■fiiÄiSEfSIÜ 




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PRINCETQ mJN t VERS r TY - 








6eite 660 


0 \ t OB o dj> e 


Kummer 



Abstimmungs-Erinnerungs-Festspiele in 
Marienburg 

Die Marienburg,die in den Abstimmungskämpfen 1920 deutsch er¬ 
haltene Ordensburg des deutschen Ritterordens in Westpreullen, 
wurde von dem Marienburger-Bund zum Schauplatz festlicher 
Veranstaltungen gemacht. Unter anderem fand ein Volksfest 
mit Vorlührungen in alten Trachten statt. Phot. Rug e 

❖ 

Rechts: Vom schwedischen Besuch in Stralsund: 
Deutsche Matrosen bei Kameraden auf einem der 
schwedischen Kriegsschiffe. Phot. Girckc 



Phot. Graudy nz 

Von der „Niederdeutschen Woche" in Stralsund: Besuch einer schwedischen Torpedobootsflottille, Einfahrt in den Hafen 


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Kummer 28 


©feJJöod) c 


6citc mi 



Kap.-Leutnant a. D Tillessen 

gegen den wegen versuchter Befreiung des 
Leutnants zur See Dithmar vor dem Leipziger 
Schöffengericht verhandelt wird 



Dr.-ing. h.c. Karl Friedrich von Siemens 

wurde zum Vorsitzenden des Reichswirtschafts¬ 
rates ernannt Phot. Dührkoon 


Kap.-Leutnant a. D. Hans Rose 

der berühmte U-Boots-Kommandant, der von den 
Franzosen im Ruhrgebiet unter schweren Mißhand¬ 
lungen wochenlang gefangen gehalten wurde 



Hermann Bahr 

der bekannte oesterreichische Schrift¬ 
steller, Verfasser zahlreicher Romane 
Bühnenstücke und Essaybüchcr, wird 
sechzig Jahre alt Phot. Ellin^er 


Professor Dr. Oskar Berger 

Erster Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft 

Zum 13. Deutschen Turnfest in München 

(Siehe den Leitartikel in dieser Nummer) 




Xaver Richert 

französischer Oberst, 

Stabschef General Degouttes, der im 
Hochverratsprozeß Fuchs und Konsorten 
als Drahtzieher gebrandmarkt wurde 



Die Mitwirkenden in Bielefeld. Sitzend von links.' Konzertsänger Alfred Wilde, Sopranistin Lillan von Granfeit, 
Dirigent Prof. Rüdel, Altistin Pauline Dobert, Domorganist Prof. Walter Fischer, Bassist Hermann Nissen Phot. Lohhö/encr 


KONZERTREISE DES BERLINER DOM CHORS 


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(Seite 662 


© { eQBocfce 


Kummer 28 




Abschiedsstunde vor dem Tierasyl: Alte und kranke 
Tiere werden zum Vergiften gebracht 
Links : Die wiedergefundene Ausreißerin 

Phot. Aufnahmen von Rüge 

Qfin für Obtuicfdofe 

Cyntgernb unb fremb uor oerfdiloffencu Tiircn ftehen, fdjeu 
*Uunb bittcub in teilnahmslofe klugen fehcit, bas ift bitteres 
(frlebeit, uiebcrbnlcfenb itnb roefenänbernb. Unb mie bas 
Üeib bcs SJienfd)en, ber nad) Sattioerbeu nnb Obbad) fucht, 
uuucrhüübar an nns ooriibertaftet, fo gibt es aud) jenen 
Tieren feinen ^litsbrucf, bie gewöhnt finb, 'Dtenfchengefährten 
Au fein. ©ent 9)tenfchen reid)t '•Bohltäti i, teit, prinate unb amt» 
lid)e, l)ilfsu)illig unb gebenb bie §>anb. ©as heimatlos ge« 
morbene Tier finbet feiten Scfjut) unb Hilfe. Hub l)at ftd) nach 

tagelangcm Umi)erirren 
ein Srfju&ntann ober ein 
gangbeamtcr bcs nicr» 
beintgen 'öagabunben 
erbarmt, fo öffnet 64 
ihm bie Tür au einem 
SHfrjI, au einem oom Tier» 
fd)it^oerein gefdjaffe» 
nen £eim für l)errenlofe 
Tiere, nur, um il)n 
als einen Toten gu ent= 
laffen: burd) eine ntilb» 
tätige Sprite Coift erlöft 
Töenn ftd) nid)t jemanb 
finbet, ber ihn als feinen 
Cd ef ährten haben will. 
9lber bas ift heute fel= 
ten, bie 9flenf<heu haben 
felbft foniel Sorgen, ba& 
fie oft fogar gearoungen 
finb> ftd) oon ihren (ieb= 
gcroorbeiten Haustieren 
gu trennen. T)as finb 
traurige Minuten, roenn 
bie Hanb gum lebten 
9Jlalc wehmütig über ben 
toarmeu Slörpet bes 
treuen Coefährten fchmer 
getragener3ahreftreid)elt 
itttb *i}lbfd)iebsfchmerj 
Tränen fließen läßt* 
©rinnen fputer ber Tür 
harrt ber Tob. ©as ift 
bas (fttbe bemusteren, ber 

Der Hundefriedhof im Garten des Tierasyls (Tierschutzverein, Berlin) Eliten nnb ber ftvanfen. 


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Original frörri 


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(Hummer 28 


MM 


— 




hhot. Ernst Schneider. Bcrlii 


Eine Lieblingsroile der Karsawina: die Tänzerin in Chopins 


Sylphiden 


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Kummer S8 


Abendschuhe aus Schlangenhaut 
mit Applikationen und Spangen 
aus verschiedenfarbigem Wildleder 

Modell Rcifi Phot. Becker & Maciß 


'JHoöcrne^ ©cfyufytuerf 

0cr Gd)ul)mad)cr ift Iöngft flum 
5 ^unftl)nnbu)erter geworben, ber im» 
ablöffig bariiber nad)bentt, wie er fein 
'Xtjcuta oielfiiltig abroanbclit tarnt. 0a^ii 
toinmt eine ilobe, bie faft für jcbes$\leib eilte 
befottbere Su&betleibiiitg norfdjreibt. 0üg-- 
lid) wirb matt itt biefer'Begebung ait= 
fprud)5üollcr, obtool)! bie Sd)ttl)citii-- 
ntcr teurer ttttb bie 3?iten immer 
fd)Ied)tev werben. ‘üitd) bemiil)t 
matt fid) fteinbig, ber Gd)itbfabri= 
faliott neues iDtateria 1 ^u^iifiit)rett. 

9Jlatt bereitet Stoffe ttttb lieber itt 
oerfilbcrt ttttb 


Rotbrauner Damenschuh, Boxcalf, 
PuntDs 

Modell Chastdla 


fiiiiftocÖer ftornt, 
uergolbct es, ja matt oerwenbet fogar 
netterbings Sd)langettl)aitt bei ber 
Verarbeitung. VMd)tig für bie 
SUlgemeinbeit ift ber fd)öttc, gttb 
gearbeitete, praftifd)cSd)itb ttttb 
i Stiefel, bie ja beibe Urform ttttb 
Jarbe bie mannigfadifteit Va 
rialiottett aulaffen. 


Brauner Chcvreaux- 
Stralienschniirschuh 

P.lodcll Salamander 


Halbschuhe mit grauem 
Wildledereinsatz 
Modell Leiser 


Schwarzer Dr. Diehl-Stiefel 

Modell Cer/ <S Bielschozosky 


Milte reefits: Damenschuhe aus wein¬ 
rotem Wildleder unter Verwendung von 
braunroten Glacelederstreifen 

Modell fortschrittsstic/el 


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PRINCETON UMIVERSITY 




















Bummer 28 


© I e ©odx 


(Seite 665 


(Spu* bt& Äliitn 

Aoman oon DCans I>ominilo 

6. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


©ie Srunblagen gu feinem riefenßaften Vermögen I)atte 
Sarüin in jener benfroiirbigcn ßanbfpefulation gelegt, 
als er oor einem l)albcn Bienfcßenalter bic großen roiiften 
2anbftrid)c groifdjen brr Sierra Beoaba unb bem Solo* 
rabo*5luß für einen Spottpreis an fid) bradjte unb bann 
burd) bic Ortungen bes ©gnotßenus fntd)tbar machte 
unb befiebcltc. ©ie Bfticn ber American Settlements 
Sompang mären gum großen ©eil nod) in feinen Sünbcn. 
Bn ber europäifdjen Sieblungsgefcllfcßaft mar er ftarf 
beteiligt. 

Buf ber großen ©erraffe, bic über Wölber unb liefen 
ßinroeg einen SBlicf auf bic 5M en bes Stillen Ozeans 
gcroäßrtc, faßen fyrancis Sarüin unb Selen, feine einzige 
©od)tcr. 

Unruhig maß ber Blilliarbär bic ©erraffe in il)rcr 
ganzen ßängc. Balb fuhren feine Sänbc in bic ©afeßen, 
balb geftifulierten fie in ber ßuft. Blit merfbatem 3n= 
grimm hafteten feine feßarfen klugen balb auf biefem, 
balb auf jenem Segenftanb. Balb ful)r er fid) burd) bas 
bid)tc roeiße Saar, baß es fid) gu bergen fträubte. 

3n einen Äorbfeffel oergraben faß Selen unb fal) bent 
Bater f)alb bcluftigt, F>alb ängftlid) gu. Scroiß I>atte fic 
nid)t erroartet, feinen ungeteilten Beifall gu finben, als 
fie il)m oor einer Bicrtelftunbe in oorfießtigen Bnbeu* 
iungen ißre Siebe gu Wellington geftanb. Bber auf 
einen fo heftigen Wiberftanb mar fie aud) nid)t gefaßt 
gemefen. SJluf fold) fd)roffes Bein oon feiten ißres Baters, 
ber fic immer oermöl)nte, ftets jeben ißtet Wünfcße er= 
füllte. 

„Sabe id) ein ßcben ooll enblofer Sorgen unb Bliißen 
gcfiißrt, l)abc id) gearbeitet mie ein 3 u Q*ier, um alles, 
mas id) befißc, fd)ließlid) einen elenben 3eitungsfcßreibcr 
in bie ©afeße fteefen gu feßen?! . . 

Qrancis Sarüin fanb feine Worte mel)r für feine Stirn» 
inung. SO^it feinen ftarffnod)igen Sänbcn ergriff er ein 
unfcßulbiges ©aburett unb ftieß es gu Boben, baß ißm 
bic bünnen d)ineftfcßen Borgcllanfäd)eld)cn mie eine 5°n* 
täne um ben Stopf flogen unb im näcßften Bugenblidf in 
taufenb Scßerben am '©oben lagen. 

„Sd)äm bieß, ^a! . . . Biein feßönes Borgellan, bas 
id) felbft auf meiner Beife in Stafcßgar getauft ßabe . . . 
Sine liebe (Erinnerung . . ." 

„©er Teufel ßolc beine Steife . . . unb bie liebe (Er* 
innerung . . . unb oor allen biefen ftoj;! • • •" 

„Baß!" flang es ftrafenb aus bem Storbfcffel ,/JOir. ftoj; 
ift ein Sentlcman, ber mit eigener Sefaßr beine 
©od)tcr gerettet ßat unb bem bu baßer ßöd)ften ©anf 
fißulbcft." 

„Dilles ßat feine Stengen! . . . Bud) bie ©anfbarfeit. 
3d) roill ben Blann empfangen unb beloßnen . . . mie 
fein anberer Btann in ben Staaten ißn beffer beloßnen 
tonnte . . . Bbet bid) ißm geben?! . . Wäre biefer ftos 
ein Sentlcman, ßätte er es niemals gemagt, bein Sefiißl 
einer übertriebenen ©anfbarfeit fo gu feinen Sunften 
ausgubeuten." 

„Bcß, Spa! . . . ©as tut er ja gar nid)t. . . Seiber . . ." 

Selen fagte es in einem ©on, ber fd)ergßaft Hingen 

folltc unb bod) oiel Bcftgnation entßiclt. 


„Was?" 

Jrancis Sarüin blieb mit einem Bucf oor feiner ©od)ter 
fteßen. Sein offener Blunb gab einen ©on oon fid), bet 
an bic abblafenben Sid)erßeitsoentilc einer 5 rac *)tlofo* 
motioe erinnerte. 

„Was . . . roiüft bu mid) gang unb gar oerriieft 
maeßen? ... (Er roiU bid) gar nid)t . . . Seiber?!" 

„Seiber", niefte Selen betrübt. ,,©as ßeißt, er ßat nod) 
gar nid)t gefagt, baß er mieß roill . . 

„Braoo! . . . Bit. ffo& ift mein Btann. (Ein Scntlc» 
man, ber meine ©od)ter oom ©obe gerettet ßat unb feinen 
Bnfprud) auf ißre S^anb mad)t ... bic fid) tßtn ent* 
gegenftreeft . . ." 

„Ba! ©as ift gu arg. Srft beleibigft bu Bit. fto£ U11 ^ 
jeßt mid)." 

Sie erßob pd) unb trat, ißm ben dürfen feßrenb, gut 
Brüftung ber ©erraffe. Sie breßte ftd) aud) nid)t um, 
als Jfruncis Sarüin gu ißr trat unb in einem Sone ooller 
Bcfriebigung fortfußr: 

„3<ß roerbe mid) reoand)ieren, mein Äinbdjen. Biorgen 
taufe id) bie (Eßicago=Breß unb feßenfe fie biefem $ 05 . 
©u roirft feßen, ber Blann . . ." 

„©er Biann roirb bas Sefcßenf nid)t anneßmen . . /' 

Selen ßatte fid) umgebreßt unb faß ißren Batcr mit 
blißenben klugen an. 

„‘iHbroarten, mein kleines! . . . ©ic groölf Blillionen 
©ollar, bie bie 3 citung foften roirb, nimmt jeber, bem 
Francis Saroin fie fd>enfen roill. ©u ßältft biefen 
für einen fd)ledßten (E>efd)äftsmann." 

,, 3 d) ßalte ißn für einen Coentleman, ber bir bein Sc* 
feßenf oor bic Süße roerfen roirb." 

„Wetten, baß nid)t!" 

„©as gilt, Sßa! Berlicrft bu, mußt bu mid) gu bcc 
(Einroeißung bes Balfafcßfees mit nad) Alflen neßmen! 
^lbgemad)t! ..." 

(Ein ©iener bradjte eine Rarte unb iiberreidjtc fie Selen 
0 >aroin. (Ein freubiges Seucßten ging über ißr Sefidjt, 
bas aber fcßnell einem Scßein ber Trauer roid). 

„Slorence ©eroep! Sut. 3 d) geße gleicß mit. 9luf 
Wieberfeßen, Ba. ©ie Wette gilt . . . ftlorence!" 

Sie flog auf bie S rcun *üu gu unb faßte fie an beiben 
Sd)ultern. 

,,©u bift es roirflid) . . . (Ein unerroarteter Bcfud). y< 

,,3d) bente rooßl, liebe Selen." 

(Ein größerer Ooegenfaß als groifdien biefen beiben 
Sreunbinnen roar faum benfbar. Selen Saroin . . . bas 
.(töpfeßen oon golbig feßimmernben Socfen umgeben, große 
blaue klugen, ein Stumpfnäsd>en mit rofigen Slügcln ... 
©as Sange eine Bippesfigur aus Bteißner Borgellan. 

©aneben Slorence ©eroei), fd)lant unb ftolg. Sd)roarges 
Saar um ein bleid)es Bntliß, beffen Blabafter burd) einen 
freolenartigen Saud) gefärbt rourbe. ©roß ißrer 3ugcnb 
lag Srnft, ja ©rauer in ben fd)önen ebenmäßigen 3 ügen 
bes Biäbd)en$. 

Bon 3ugenb an roaren Selen Saroin unb Sl°^ncc 
©eroep, bic ©öd)tcr ber beiben reießften Seute oon Si'isfo, 
eng befreunbet. 

Selen Saroin fragte. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 





\ 


Geite R6Ö 


© i t <29 o A e 


„5)u bift nod) hier? 3d) glaubte, bu ßätteft bie ge* 
plante große Steife längft angetreten?" 

„(£s mar meßr ber Blan meines Katers als meiner. 
3d) habe ißn moßl erroogen . . . aber oermorfen. Ss 
hätte ausgefel}en mie eine ftlucßt • • •" 

(fine glüßenbc Böte bebeefte ißr Sepdjt, unb ißre 
Stimme nal)m einen leibenfd)aftlicßen Hlang an. 

„3cß fließen? . . . Unb mooor? . . . Bor hößlid)cnt 
Silatfd)?! Bein . . . niemals." 

„Unb bod) mären es pcßerlidj fernere Sage, bic bu 
bamals burd)lebt l)aft." 

Helen legte ben Brm teilnaßmooll um bie Schulter 
ber ftreunbin. ^krencc bulbetc bic Umarmung mel)r 
als pe pe ermiberte. 

„Sas meißt bu, kleines, non ben Kämpfen, bie mir 
bas Het aerriffen. 0anfe bem Himmel, baß bu nicht 
ben taufcnbften STeil baoon !ennengelernt f)aft. 

Säre es nur bas eine gemefen ... baß ber feßmarge 
Blutstropfen, ber ooit Baters Seiten in meinen Bbcrtt 


„0u irrft, Helen... Sin 3ug oon Beradpung unb 
feit prägte fid) um bie Bhtnbminfcl ber Spredjerin a 

„. . . Ss ift mal)r . . . leiber ift cs maßr. Sirft bu 
mid) aud) ocradjten, meil ein paar feßmate tropfen in 
meinen Bbern rollen?" 

„ftlorence! . . . 0ie Unbill, bie bir miberfaßren ifi, 
mad)t bid) graufam. 3d) l)offe es nid)t . . ." 

„0u mirft es oielleid)t beffer üerfteßen, §elen, menn 
id) bir bie Borgefd)id)te er^äßlc. Bis ber Borgänger bes 
jeßigen £orbs £ombale ftarb, trat fein Beffe als näcßftce 
Srbbered)tigter auf. Seine Bnfpriicße, an fid) unanfedjt* 
bar, mürben il)m oon bem jetzigen £ori) ftreitig gemacht, 
meil er Halbblut fei. Seine Bhitter mar eine Selbe. 
Sin jahrelanger B*o$cß entfpann ftd) um bie Srbfcßaft 
Sine befonbere Borlamentsbitl entfeßieb fcßließlicß auun® 
gunften bes Halbblutes. Seit jener 3^tt ift £oob £om= 
bale ein eifriger Bcrfed)ter ber Beftrebungeit für Bein® 
ßaltung ber meißen Baffe." 

„Unb barum . . ?" 


rollt, mir in einer rein meißen Sefellfd)aft Sdjmierigfeitcn 
mad)t . . . geladjt hätte id) bariiber. Bber baß id) bes® 
halb auch meine Siebe laffen mußte . . . baß ich • • •" 

0ie Hcßle feßien ihr ^ugcfd)niirt. 0ie Stimme oer® 
fagte. Sie ridjtete bas Sefidit empor, um bie tränen 
mit ben langen Simpern aurüc^ußalten. 

„Quäle bid) nid)t, ftlorence . . . oerfud)€ Boeril £om® 
bale au oergeffen! Sin Blann, ber bid) um fold) Bor® 
urteil laffen tonnte, ift beiner nid)t miirbig, ßot bid) nie 
mahrhaft geliebt." 

„Boeril? . . . Boeril mid) ocrlaffen?! . . . Bein. So 
tat es nicht! . . ." 

„Sic . . . bu fagft? . . . 3dj oerfteßc bid) meßt. 
Gd)icfteft bu ihn oon bir?" 

ftlorcnce hatte bie §änbe oor bas Sefidjt gcfdjlagcn. 
3ßrc Sdjultern durften frampfhaft. Sin £ad)cn, bas mic 
ein Sd)lud)äen tlang, tarn aus ihrem Bhmbe. 3eßt ließ 
pc bic Haube pnten. 3ßre großen, unnatürlich meit 
geöffneten Bugen blieften ftarr in bie Jy crne - (Eine ftei* 
nernc Buhe lag auf ben blaffen 3ügen. Sie eine blutrote 
Sunbe gricfte ber Btunb in bem fehneemeißen S>cpd)t. 

„^lorcnce! . . giorence . . ." 

3meimal . . . breimal rief Helen bic ftreunbin an. 
Sangfam löften pd) beren oertrampftc Hönbe. Blit einer 
inüben Honbbemegung ftrich pe über bic Stirn, als mollc 
fie bic quälenben Sebanfen I)inmcgmifd)en. 0 ann bc® 
gann pe mit ruhiger tonlofer Stimme flu erzählen . . : 
„0u meißt, Hckn, mie ich Bocril £ombak fennen® unb 
Iiebenlcrnte. Sr hielt bei meinem Bater um meine 
Hanb an, ber pc ihm nicht oermeigerte. Bud) ber alte 
£orb ßombale mar mit unferem Bunb einoerftanben . . . 
Sarum aud) nicht? . . . 0as Bcrmögen ber £ombaIe 
mar nie groß gemefen. Sin langjähriger Bro^eß um bic 
£orbfd)aft hatte ben größten £eil ber Beocnuen oer® 
fd)lungen. 0ie Biillionen meines Baters tarnen fci)t 
ermiinfd)t. 0aß er ein Selfmabeman mar, mürbe mit in 
ben Häuf genommen. 

0a erhielt mein Berlobter plößlid) ein Telegramm, 
umgehenb nad) Snglanb aurücfyufeßren. Seuigc ^agc 
fpätcr l>attc mein Bater einen Brief bes alten £orbs in 
ben Hänbcn: ,Seine £orbfcßaft ^ief)t il)r Sinocrftänbnis 
mit bent Shebunbc oon 0cmci)s $od)ter mit feinem 
Sol)n ^urücf. Seil . . . meil id) nid)t reinmeißer Bb® 
ftammung fei. 0er Bater meines Baters l^bc eine 
Hrcolin aur fixem gehabt . . 

„Unmöglid), ftkrcnce . . 4 unb märe bic Behauptung 
roal)r, fo märe es bod) nur ein oorgefdjobencr Srunb!" 


„0arum burfte Boeril feine He^tn in bie Hülle oon 
£ombalehoufe bringen, unter beren Bhnfraucn eine ift, 
beren Siege einmal in einem Begerborf geftanben hotte." 

„Unb Boeril? ftiigte er pd) miberfprucßslos bem Beo® 
bot bes alten £orbs?" 

Jlorence bliefte traumoertoren ins Seite. 0er ab® 
meifenbe 3 og auf ihren Btienen mid) einem meidjen glüi® 
oerlorenen £äd)eln. 

„Bein, H^kn . . . Boeril trat mutig an meine Seite. 
Sr mar bereit, bas Baterl)aus gu oerlaPen, mit feinem 
Bater flu bred)cn. Sr liinbigte mir feine Bbreifc oon 
£onbon an. 0a . . . ba gab id) ihm fein Sort gurücf." 
„ 0 u . . . ^lorencc . . . bu tateft bas?" 

„ 3 ch tat es . . . nad) langem, fd)merem Hampf." 

„Sarum, {Jlorence? . . . S^tfeltcft bu hoch tm 
Bocril ... an feiner ^rcue?" 

5:ief atmenb lehnte pd) ftkrence guriief unb bebeefte 
mit ber Honb ihre Bugen. 

„Sarum? . . . Seil id) ihn liebte . . . mehr liebte 
als mein Ooliicf. Boerils Sntfdpuß mar eine $at, bic 
mid) befeligte . . . mich begliitfte. Ser Snglanb unb 
feine 3 nftitutionen fennt, meiß, mas er mcinctmegen auf® 
geben molltc. Sein Opfer mar groß. So groß, baß .ich 
cs nid)t annehmen burfte . ♦ . 

£aß bie Bergangenheit. Ss ift nußlos, baoon 
fpreeßen. Seg mit ben Srinnerungen an jene £age uiU) 
Bäd)te ber Ber^roeiflung . . ." 

Sie erhob pef) unb ging ein paarmal mit parfen 
Sd)rittcn burd) bas Semacß. 

„0cine Stählungen oon ben munberbaren Brbcitcn 
in Bpcn reifen meine 9teugier, H^kn. 0u fpracßft ba® 
oon, baß bu oielIeid)t mit beinern Bater aur Sinmeißung 
bes Balfafd)fecs bortßin ^urüdgeßen miirbeft. Säre bir 
meine Begleitung angenehm?" 

„ 0 u fragft, ftkrence?! 4 # # SD^it taufenb Jreuben 
begrüße id) beinc Begleitung. Bber ... es ift noeß 
gmeifelßaft, ob id) felbft geße. 3 cß muß . . ." 

Sin £äd)cln ftanb in ißrem Cbepcßt. „3d) muß erft npcß 
eine Sktte gegen Bo geminnen." 

„Sine Sette? . . . Unb marum . . . moritber?" " J 

„Bid)t jeßt fragen, ftlorence. Später roerbe id) bir 
ben Sd)et eteißkn. 3 d) glaube beftimmt, bic Skttc ^u 
geminnen. Sonft mürbe beinc Hckn feßr traurig fein . . . 
Bber nießt ber oerlorenen Sette ßolber." 

* * * 

3 oßn 0 emei), ber reid )0 3 oßn 0 emcp faß in feinem 
Bolaft in Bob $\ll 51 t {Jriolo in feinem Brbcitgimmer. 



Original from 

PRINCETON UNfVERSITY 


Stummer 28 


0 i e o cfr e 


Seite 66T 



3 ßm gegenüber 93ielan Song, einer ber reießften cßinefU 
<fcßen Sroßfaufleute JJrisfos. 

Seit 3aßrcn maren fte befannt. 3n lebtet 3 C ^ 
feßienen bie locferen Skrbinbungen enger gemorben 3 U 
fein. Snorme Summen mären non 0emei)s Konten auf 
bas cf)ineftfc^e §anbelsßaus übermiefen morben. Ss 
uerlautetc, baß 3oßn 0emep, ber bie meiften Silbergruben 
bes amerifanifdjen Kontinents in feiner §anb ner* 
einigte, große Kongeffionen im fiiblirijen Slltai erhalten 
habe. SDian fprad) aud) baoon, baß er fic gufammen mit 
6 er d)incftfd)cn ^yirma ausbeuten molle. 

3 mifcßen ben beiben gärtnern lag ein mit oielen 
3 ot)len bebedtes Sßa* 
pier. 

„9Bcnn 3 oßIen allein 
bemeifen tonnten, märe 
id) überzeugt, SDtelan 
gang . . ." 

0 emci) lernte fid) 
m ben Seffel ^urücf 
unb faß feinen Saft 
prüfenb an. 

„ . . . 3n ber 93i* 

Ian 3 fehlen einige 3m* 
ponberabilien, beren 
Vebeutung nid)t ju 
unterfd)äßen ift!" 

0er Sßinefc fd)icn 
folcßen Sinmatib er* 
märtet ju haben. 

„Sie meinen bie 
überlegene 3 ntclligcn 3 
ber meißen Stoffe, 3Jlr. 

0 emci)‘?" 

,,3meifellosf" 

„ 0 er Scbante, baß 
bie meiße Stoffe ber 
gelben unb feßma^en 
an 3 ntclligcn 3 meit 
überlegen fei, muß als 
erlebigt angefeßen mer* 
beit. 0ie meiße Stoffe 
feilt bas Scßicffal nie* 
ijer anberer Waffen, bie 
par ißr maren unb 
iö)r Snbc fanben. Sie 
tft an ber gefährlichen 
Stelle ber 3ioilifation 
ongefommen, bie ein 
Bßolf nicht erreicht, ohne non unmiberfteßlicßcm 0 rang 
jerfdßt 3 U merben, fidj in ben Slbgrunb 3 U ftür^en. 

0ic ausgefud)teftc Klugheit ift nicht imftanbe, ben 
nnmanbetbaren (öefeßen bes (öefdjeßens cntgegen 3 u= 
mieten . . . 3 ft ber Soll ber meißen Piaffe 3 U bebauern? 
Kaum ... Sin ihren Stiftungen gemeffen. SBo maren 
bie großen Kulturen ber Vergangenheit? . . . Ski ben 
SBöIfcrn bes Orients! 

3 nt Skreicß ber praftifd)cn SBiffcnfd)aften unb ber 
Secßnif mögen bie fommenben Sahrßunbcrtc noch uon 
ben SBeißen 3 U lernen hoben. Sonft I>ot . . . biefe 
'Stoffe . . . faum etmas geleiftet . . . mas ben Seiftungen 
bes Orients aud) nur oerglid)en merben fönntc . . . 
Sin paar SJtenfdjenalter, unb bie Säkltßerrfdjaft ber 
SBeißen ift nur nod) eine Spifobe ber SBcltgefcßidjte. Stod) 
t)or ßunbert 3aßren betrod)tcten fic Sßina als eine 
Stiefcnfarm, bie 3 um Stußen ber meißen Sfi 3 elt ausgebeutet 


„Kinderbildnis“ Gemälde von M. Peter-Reininghaus 
Ausstellung im Grazer Landesmuseum 


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^Gougle 


mürbe. Unb heute? Sßina fteht feft auf eigenen Süßen, 
geftüßt burch d)inefifcße 3 ntelligen 3 unb d)inefifd)C 
$ücßtigfeit! . . . 

Stod) nor 3 mei Saßrßunberten befiniertc granflin ben 
Sieger als ein Sicr, bas fooiel mie möglich frißt unb fo 
menig mie möglich arbeitet. 

Unb heute. Slls oollfommen gleichberechtigte Vertreter 
menfd)licher Kultur unb SBiffenfcßaft fteßen bie Scßmar* 
3 en hier in ber Union ben SBcißen gegenüber. 0enfen 
Sie nur an bie fdjmaqen Unioerfitäten unb Spulen, an 
bie großen S3anf= unb (&cfd)äfisßäufer, bie ausfeßließlid) 
oon Scßmarsen geleitet merben . . ." 

Sohn 0 emet) ^atte 
mährenb biefer langen 
Sluseinanberfeßung 
feines (Gegenübers ge* 
banfenooH auf ben 
bunten Seppid) geblicft. 

„Unb Sie holten jeßt 
fd)on ben 3 eitpun!t für 
gefomnten, ber $err* 
fdjaft ber meißen Stoffe 
für immer ein Snbc 3 U 
mad>en? 0 er (Gcbanfc 
ift füßnl" 

„0er Kampf beginnt 
jeßt! 9)iehr mill id) 
nicht fagen. Söir roiir* 
ben fcßneller 3 ur Snt* 
feßeibung fommen, 
menn ber große Sd)i* 
tfu am ßeben geblieben 
märe. SJtan raunt in 
feinem Steid), baß meiße 
£anb bie Kugel bes 
Attentäters lenfte. 
Slber unfer ßanb ift 
nicht arm an großen 
SJtännern. Sin anberer 
mirb erfteßen . . . bas 
SBerf 3 U oollenben." 

„SBcr mirb für ben 
unmünbigen Sßroner* 
ben bie Stegentfd>aft 
übernehmen? V$irb . . • 
er es fein?" 

0er Sßinefc niefte. 
„Skftimmt?" 
9iod)mals ein 9tidfen. 

„Sr übernimmt eine fd)mere Sürbe. So feßmer, baß 
fic oielleicßt aud) ber lebenbe Kaifer ni(ßt hätte tragen 
fönnen. 0ie Arbeiten ber europäifd)cn SiebelungsgefclU 
feßaft brängen 3 U einer Sntfd)cibung. 3ft 9tculanb im 
^>er 3 en SHfiens mit ßunbert Millionen europäifd)er Sieb* 
Icr befeßt, biirftc es fd)mer fein, ben 33orftoß nach heften 
3 U magen. 0ic (Gcbirgs 3 iige, bie Sßina uom 'iBeftlanb 
trennen, merben bann, gehörig befeftigt, eine d)inefifcße 
flauer fein . . . gegen Sßina." 

„Sr ift ein SOlann ber %at Sr mirb feinen Sag ocr* 
Iieren. 0 er biplomatifd)e ober militärifd)e Sieg in ber 
93eftßfrage bes Kulbfd)agebietcs mirb bie große Ummäl* 
3 ung cinleiten . . ." 

„Sic red)nen mit bem Sieg, SDtclan Song!" 

„Unbebingt! 0ie größeren Vtadjtmittel finb auf unferet 
Seite . . . nid)t 3 U reben pon Dunferem unerfd)öpflid;en 
OJtenfd^nrefcrooir." 

Original fram 

PRiNCETON UNIVERSUM . 




C^ite G58 


® i e *2B o cb o 



„Unb bod) . . 

(Ein neroöfes 3»rfcn lief über bas ODefießt bcs (Eßincfen, 
als btefc gragc füllen Pcdjners Stemci) fein Ol)t 
traf. 

. . unb boef) toiU er ben entfeßeibenben Sd)ritt niefjt 
magen, oI)nc ber Hilfe ber fd)ioarzcn SHaffc fidjer z u 
fein . . . mollten 6 ie fagen." 

Stemei) niefte fd)meigenb. 

,,3d) fann 3ßre Pebenfen nid)t teilen, Haben Sic bei 
Sßrcn großen gefd)äftlicßcn Unternehmungen nid)t aud) 
Zumeilcn mit ber Hilfe anberer gered)net?" 

lieber fdrittelte Stemci) ben Hopf. 

„Stiel" 

Plclan gang riiefte unruhig auf feinem Stuhl. 

„(Es ift midjtig, ben fommenben Hricg fd)nell unb fidjet 
311 beenben. (Es ift ein (E>cbot ber Plenfd)lid)fcit, ba^u 
alle Ptittel, bie fid) bieten, zu benußen." 

(Ein ironifd)er 3ug legte fid) um Stemeps Ptunb. 

„Sd)lagmortc roic Plenfd)lid)feit haben fcf)lecf)tcn Hurs 
in fold)cn göllcn. Sprechen mir offen, Ptelan gang. 
(El)ina allein fühlt fid) nicht ftarf genug. (Es null bie 
Hräftc Slmerifas binben, bamit (Europa in biefer blutigen 
Sluseinanberfeßung auf feine amerifanifd)c öilfe fühlen 
fann. Ster Pürgerfrieg zu>ifd)en Pteißen unb Sdjmarzcit 
in ber Union fd)eint bas befte Ptittel. Ster plan ift gut. 
Slber ..." 

„Slber?" 

„3cß bezmcifle feinen (Erfolg!" 

3oßn Stemep mar aufgeftanben unb ging mit großen 
Schritten burd) ben Siaum. Ptelan gang hatte fid) tief in 
feinen Seffel zurücfgeleßnt. Seine zufammengefniffenen 
Singen ruhten argmöhnifch auf bem unberoegten (£>efid)t 
Sterocps. SBat bas Spiel oerloren 4 ? 

„Sie fpred)en in Pätfeln, Ptr. S)cmei)l" 

„(Es mag gßnen rätfclßaft oorfommen, baß idj meine 
-Hänbc in ein (ftefcßäft fteefe, 311 beffen Verlauf ich fein 
Vertrauen habe. Sßre Sntcrcffen unb bie ber amerifant- 
feßen Stegerbeoölferung finb grunboerfd)icben. 

SBir . . ein ingrimmiger Humor fprach aus feinen 
SBortcn. . . gef) fage mir . . . mid) einbegriffen . . . 
obgleich fein Satan mid) jemals im Heben als black man 
tariert hat . . . bis auf biefen englifchen Horb . . . SBir 
fämpfen um bie 05leid)bcred)tigung mit anberen Staffen. 

Unfer Hampf I>at ein ibeales 3iel, ift eine interne Sin* 
gelegcnheit ber bereinigten Staaten. 3ßr Streit mirb 
bie Söeißcn ber ganzen SBelt unter einer gähne ocreini» 
gen, benn es geht um bie meiße CEjiften^. Ster Untergang 
bes europäifd)cn Slbenblanbes mürbe bas (Enbe ber 
meißen Hultur überhaupt bebeuten. Sehen Sic fid) uor. 
Schrauben Sie 3ßre Hoffnungen nicht allzu hod), baß 
nicht ... ein unermartet ftarfer groft ben Pliitcntraum 
auf oielc Ptenfd)enaltcr ocrnid)tet . . ." 

Ptelan gang mollte fpred)en, aber goßn Stemci) ließ 
fich nicht unterbrechen. 

„S)ic meißc intelligent mirb in biefem Hampf neue 
unerhörte ungeahnte Seiftungen oollbringen unb bie 
Oberßanb behalten. 3ß rc Prophezeiung mirb einmal 
eiiltreten, aber mann . . .*?" 

S)er (Eßincfe mar aufgeftanben. Cöcfrfjmeibig läcßclnb 
trat er an Stemei) heran. 

„Sic miiffcn geftcl>en, baß ein Hampf zmifeßen (Eßina 
unb ben Söeftlänbern eine gute Untcrftüßung 3 ßres Streik 
tes um bie Sleid)bered)tigung ber fd)toarzen amerifant« 
fd)cn Bürger ift. Unfer 3ufammengeßen bringt beiben 
Vorteil . . ." 

(Er ftreefte Stemep bie §anb hin, bie biefer ergriff. 


„Slbgemacßt!" 

„SBann . . .*? 

„Stad) ber S9aßl um ben Ooouüerneurpoftcn non fiout- 
fiana. Söirb Sofua korben, ber feßmarze Hanbibat, ge* 
mahlt unb nid)t beftätigt, beginnt ber Hampf!" 

,,3d) befam heute ein Sclegramm aus pefing. (Er mitt 
ben genauen Sermin miffen. Pci Sßncn unb bei uns 
muß ber Sd)lag gleichzeitig fallen." 

„Sten Sag anzugeben, ift unmöglid)." 

„Ster Sag ber SBaßl ift beftimmt unb mirb ntd)t oer* 
fchoben?" 

„ich müßte feinen (E>runb . . ." 

„Sinb Sie bes unoerbrüd)lid)cn Sd)meigcns aller Ptit* 
miffenben fid)cr, Ptr. Stemci) 4 ?" 

„Unbebingt! . . . SBarum fragen Sie ? 4 

„Plan hat mid) auf einen Pcrid)terftattcr ber (Eßicago- 
Preß aufmerffam gemad)t. (Es I)at ben Slnfdjein, als fei 
er . . . 3nfall ober . . . Perrat ... ber Organifation 
auf bie Spur gefomnien." 

„So muß alles gefdjeßen, mas geeignet ift . . . Unheil 
ZU oerhüten. Sic haben . . . moI)l Ptittel unb SBcgc ba- 
ZU . . . Ptelan gang . . ." 

* * * 

®cr Hraftmagcn, ber glorence Stemci) oon San EDtat* 
teo zurücf nad) ber Stabt brad)te, mußte fdjoit in ber 
SOtarfet Street feinen Sauf oerlangfamcn. Sin ber Hrcu* 
Zung mit ber SJtafon Street mürbe bas bSebränge auch auf 
bem gahrbamm fo arg, baß ber Sl)auffeur bis zur Stoc* 
ton Street meiterfuhr. 

S)ie ganze Stcgcrbeoölfcrung grisfos fd)icn auf beit 
Peinen z u fein. Pon allen Seiten ftrömten fdjmarzc 
Sd)arcn h^ ra n unb mälzten fid) in ber Stiftung auf 
(Ehinatomn burd) bie Straßen. 

Ster (Ehauffeur oerfuchtc es, burd) -bie Stocton Street 
feinem 3^te näher zn fommen. S)od) oergeblid) unter¬ 
nahm er es mehrere Pialc, nad) 9?obI)ilt abzubiegen. (Es 
ließ fid) nid)t mehr burd)fül)rcn. Slud) aus allen Sciten- 
ftraßen quollen fortmährenb neue Piaffen immer bießter 
heran, je mehr fid) ber Söagcn (Ehinatomn näherte. Sin ber 
(Ecfc ber Sacramento Street mürbe bas (E>cbrängc fo bießt, 
baß bas Sluto cingefeilt fteßenbleiben mußte. Slud) ber 
freie plaß oor ber Piarfthallc mar bereits oon Saufcnbeit 
befeßt, unb immer neue Saufenbc brängten nadj. 

glorence hatte bie Porl)änge ihres SBagcns gefd)loffciL 

®urd) einen fdjmalen Spalt beobachtete fie bie unge* 
möhnlid>e Szene. (Erft neugierig, bann beforgt. 

Slus ber tofenben milben Piengc brangen zerriffene 
Stufe an ihr Ohr. 

„Hängt bas meiße Picf)! . . . fd)lagt ißn tot, beit 
§unb! ... an ben Pfaßl mit bem Ptäbd)enfd)änber! ..." 

Sieues ftärferes (E>ejol)l oerfd)lang bie einzelnen 
Stimmen, glorence fal) mit fteigenbem (Entfeßen, mie 
ein Srupp Sd)marzer einen Steißen nad) bem Ptarft* 
plaß z crr ^* 5>ic Hieiber hiagen ißm in geßen 00 m 
Seibc. (Ein riefenhafter Slrbciter fri)toang eine feßmere 
(Eifcnftangc gegen ben Cocfangcnen. Pcoor er ißn ba¬ 
mit errcid)te, marf ißn fclbft ein Sd)lag zuriief. Schnell 
unb fid)er fd)ob fid) eine Hettc fd)mer bemaffneter Scßmar- 
Zer zrotfd)cn ben (befangenen unb bie tobenbe Pteugc. 

geßt erfannte glorence bie Pcbcutung ber Porgängs 
ba braußen. Piit einem Sd)rci fanf fie in bas polftcr 
Zuriief unb barg bas (beficßt in ben Hdnben. 

(Ein ßpnd)morb an einem SBcißcn! . . . Hier mitten 
in ber (broßftabt unb in aüer Oeffentlid)feit ... 60 
meit maren bie ®inge gebießen. 

(Fortsetzung folgt.) 


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Gck igle 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



Stummer 28 


© I e 3B o 4 e 


ecitc 669 


DAS LEBENSWERK LOVIS CORINTHS 


Ausstellung im Kronprinzen-Palais ( N a t i o n a 1 ga 1 e r i e) Berlin 





Selbstbildnis in Rüstung", Gemälde von Lovis Corinth (19141 
Neuerwerbung der Hamburger Kunsl balle 
S i • h * Ura Artikel & u I S#it* 45t» 


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Original fram 

PRINCETON UNiVERSITY 

















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Nummer 28 


© i c 30 o 4 e 


Seite 671 



Der Teppichklopfer in luftiger Höhe 

feheit. (Srfinberifdjc Slöpfe brachen aucf) bas fteitfter aus 
baß es flur ©iire marb, benagelten bie fo entftanbeue SJMatt* 
form mit Bled) nnb sogen hier in ber Nad)barfd)aft rußiger 
Sd)ontfteine uub morfcf)er 3^gel Tomaten nnb Kürbis. Unb 
ma3 anbers als „ßängenbe (hätten" finb überall in Berlin 
im Sommer ftraßauf, ftraßab bie ''Baitons mit Bohnen unb 
roilbein '©ein? ©ie Blumenliebe bes tleinen Ntannes feiert 
hier Triumphe. Nicht su oergeften ben ©aubenfreuub, ber 
ja notgebrungener fficife hod) oben auf bem ©ad) fein ©o= 
mijtl haben muß, bamit feine gefieberten Lieblinge freien 
Ausflug haben. 

©amt aber roar eines ©ages ber ocritablc ©achgarteit ba, 
uoit ^laßmangel unb ßufthungcr in 3bealtonturrens ge= 
febaften. Ober bem fortfchrittlid)eren Nmcrita eben nad)gemad)t. 


ber midj täglich minbeftens stoeimal burd) bie 
(HjaHottenftraße führte, baß id) mit immer ber 
gleichen bemunbernben Neugier su jenem oielftödigen 
Gcthaus am ©enbarmenmartt Iftuaufftarrte, über 
befteu ©adjfirft gattsc Bäume in ben ooit ©eie* 
graphenbrähten unb 6d)ornfteineit serriffenen £>im* 
mel ragten . . . unb ich glaube, es gibt biefen, rnie 


Der Dachgarten eines gro¬ 
ßen Berliner Hotels 

uns 3ungen einmal ein 
fiehrer fagte: erften Berliner 
©achgarten noch heute. 

Sr hat — gefefct ben 
5aU, er märe mirtlid) ber 
erfte gemefeu — bann oieler* 
lei Nachfolger gefuitben. 
Noch ehe Nmerifa mit ben 
©achgarten feiner 3Bolfen* 
trafter hier Schule machte, 
fchuf ftch bie Sehnfucht bes 
in grauen Blauem ein* 
gesmängten (hroßftabtbemoh-- 
tters nach frifdjer 2uft unb 
bem fprichmörtlichen „biß* 
d)en (hriin" ©achgärteit en 
miniature. Ntandjcs Nlait* 
farbenfenfter in „fcßminbeln-- 
ber §öhe" manbclte Nr* 
inut mit ein paar Blumen* 
töpfen su einem tleinen 
(hartenmunber um, mau 
braucht nur burd) bie engen 
(haften NIt*Berlins su mau* 
bem, um berlei Spißmeg* 
Bilbdieu huubertfad) su 



In Berlin W: Der blühende Laubengarten auf dem Dach 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSUM 




Seite 072 


® \ c OB o e 


Kummet 28 


Baifon unö Foggia — feßr feßöu! Lber es ftnb bod) Surrogate. 
Ober fanit man I)ier aut beut mct)r ober weniger befchräntten 
Laum etwa ©arten feßaffen mit Cauben unb Bostetts unb ©egen 
unb Lafenfläd)en unb einem Springbrunnen, etwa §üß- 
ner galten unb ftoßl bauen 
(gelüftet’s ben einen Öauach), 
italienifdje Läcf)te feiern (ge- 
Iiiftcts ben anbem banad)) ? 

Lein. Unb fo baulen beim 
im meftlidjen Berlin bie 
LrdiUetten jene lujuriöfen 
Öäufer mit Lrtabcu unb 
Äuppeln unb Säulentem¬ 
peln, bie I)od) oben ftatt ber 
Dädjer terraffenartig uorge« 
lagerte Dachgärten tragen — 

Dachgärten mit allen Sd)ita- 
nen, als ba ftnb: Bosfetts 
unb iiaubcngäitge, Blumen, 
rabatten unb Springbrun¬ 
nen, bieBermirtlidjung pßan- 
taftifefjer Sräume, bie nur ju 
träumen nod) oor tur^er 3 eit 
Bcrmeffenheitgewefeit märe. 

Unb ba oben tut fiel) beim 
auch, um eine Berliner Le¬ 
bensart 511 gebrauchen, allcr- 
fjanb, unb nicht immer roirb 
bort nur, wie man jeßt leibet Erholungsstätte für Lehrer auf c 
fo oft fiel)t, ©üfeße &um 

Drocfnen aufgel)ängt, obgleich ja ein ©arten ficßerlid) aud) bagu 
ba ift. Ln heißen Somnterabenben fdjaufelit ba bie bunten 
Siampions, über bie Brliftung lehnen fid) hell gefleibete 9Lenfd)en, 
©Iäfertlirren Hingt in bie bunfle Straßenftille, unb mancher 
arme £eufei, ber unten uorübergeßt, feßieft neiberfüUte Blicfe 


Erholungsstätte für Lehrer auf der Plattform einer Berliner Schule 


in bie tpößc, ido (fo bentt er) bas ©liicf roohnt. Unb fo bau¬ 
erte es aud) nicht lange, ba hatte Berlin fein Dachgartenreftau« 
rant. §>od) über bem Soologifchcn ©arten gelegen, beffen 
Baummaffcn töftlid) frifeße Siuft ausftrömen, ift er mit feinen 
_ \ bunten Blumen, feinen Hal¬ 

men, feinen erleuchteten ©is- 
gebilben, bie ftiißle nerbrei» 
ten, ein wahrer ©arten 
©ben, wo fid) ber Leich tum 
Lbcnb für Lbenb ein Stell¬ 
bichein gibt unb ©elb feine 
LoUe mehr fpielt. Das 
ift in ber Dat ameritaniich. 
Lod) amerifanifdjer ber be» 
fdjeibenerc Dachgarten in 
ber©iti), ber bciiLngeftellten 
großer aufhäufet tmb’Sei » 5 
tungspaläfte aur ©rholung 
bient. . . mit feinen Oie- 
emberbäumen unb uer- 
ftellbaren ©feumänbeit mit¬ 
ten im Dädjcrgewirr ein 
Stütfcßen B«rabics. Dort 
wirb gegeffen, geturnt, ja: 
getankt, ©iner ber ueueften 
Dachgärten biefer Lrt foll 
fogar für Dennisfpiel einge¬ 
richtet fein, unb fo ift niel* 
Plattform einer Berliner Schule ieid)t bie fteit nicht mel)r fern, 

wo »mit,wie fchon in Lmerifa, 
hoch oben awifchcn Sd)ornftcinen unb Delefunfcnmafteu eilt 
Scßmimmbaffm fiubet, mit fünftlicßem Sanb, mnb mau fid) ait 
ben Straub irgenbeiucs fafhionablen Scebabes ntrfeßt fühlen 
mag. 3ft bas aud) fd)on einmal bagewefen, oielberufener Ben Ltiba ? 
Schluß des redaktionellen t ! e i 1 $ 


©ine SKilliott Sftarf zahlen mir 


für bie t>effe Kaomalt‘Kodworfd)rift, bie jeber £>aug* 
frau bie 3ubereitung oon Kaomalt auf bie einfache 
unb babei frf)inaeft)aftefte < 2Beife ermöglicht. ©ie 
Kod)t>orfd)rift tarnt aud) in fnappeit, launigen Q3erfen 
»erfaßt werben, ‘Jür bie nädjftbeften gehn ©infen-- 
bungen fetjen wir 'Sroftpreife non je 3 Pfuttb Staomalt 
ober Piomalg aug. 

llnfere ©ntfd)eibung, ber fid) jeber ©infenber 
unterwirft, ift auf alle 'Jäüe enbgültig. 

©infenbungen a.uf Poftfarten, augreid)enb fran* 
fiert, big gunt 15. Wiguft 1923 
mit ber 2luffd)rift: „Kaomalt* 
Wettbewerb" erbeten an bie 
unterjeid>nete 'Jirma. 

Kaomalt ift überall gu hüben. 

Wo nod) nid)t oorrätig, tann 
eg burch ben ©efchäftginbaber 
fcbnellfteng beforgt werben. 

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Wag ift ff a o nt alt? (Sin ftd) rafd> «iw 
bürgerttbeg neueg, töftlicheg ‘Jrübftürfggetränf. ©bei* 
fteg ©CTtalj unb Kafao jinb feine < 23eftanbteile. feiner 
©uft unb feltener Wohlgefd)macf. 

*23 o r j ü g e: E’ekbte Q3eroaulichfeit, geringer 
3ucfergufat), lur 3 e Kod^cit, mäßiger °Preig 

Wer fid) für ben gangen ©ag eine folibe unb 
behagliche 9?al)rungguntcrlage id)affen will, lehme 
gunt vVrüfiftücf Kaomalt. 

■5f 

Wer aber ber Kräftigung unb '21uffrifdtung be- 
barf, burch Uberanftrengung lteroög unb hemnterge* 
tommen ift, w c f f c it *21 u g f e b e n f d) l e d) t i ft, 
ber nehme bag Kräftigunggmittel Wontalg. ‘Jür eine 
Womalg-Kräftigungg* unb , 21uffrifd)ungg!ur braucht 
man 8—10 ©ofen. ^lud) für Wöd)nerinnen unb 
altcrnbc perfonett geeignet. Wutarme unb Weidv 
füchtige nehmen Womalg mit ©ijen. 

©ehr. ‘patermann, ©eltow-^3eriin 1 



Original from 

PRINCETON UNtVERSITY 



Kummet 29 




, fe 


8«flin. Öen 2{. 3ult 1925 


25. 3«!>*artita 


£ u f f, <5 o n n e, 3Ö a f f e r 

ßine Serienbefradhtung t>on Dr. med. 25runo Xange, Slfjiffenf am 3nffitut Robert f?od), Berlin 


ach Monaten falten, regnerifd)en SBetters h<rt bie 
Sonne tüicber 3Jfac^t gemonnen. Sag für Sag 
fenbet fte non imbemölftem §immcl ihre Strahlen auf 
bie (Erbe, gur Qua! benen, bie ben dauern ber Sroß= 
ftabt nidjt entrinnen fönnen, gur $reube ber oielen, 
bte in ber Sage pub, jetjt ihre Serienreife angutreten. 

Sßer f)ätte bie 
£eilfräfte ber Sta* 
tur nicht fdjon tau* 
fenbfacf) am eige* 
nen Seibe erprobt? 

S3ebarf es nod) 
einer Slufforbetung, 
biefe §eilfräfte in 
Suft, 6onne unb 
Gaffer aufgufudjen, 

»iner S3egriinbung 
il)rer mol)ltätigen 
SBirfungcn auf ben 
menfd)lid>en Körper 
aus bem SJtunbe 
bes Birgtes unb $p= 
gienifers? SJtan 
fönnte meinen, oer= 
niinftige Überlegung 
gen über SBirfungs* 
metfe unb Söert 
ber Kräfte ber Sta* 
tur feien überflüf* 
pg. S)ent ift aber 
nicht fo. SBieoiele 
9Jtenfd)en tjaben 
fdjon gu ihrem eige® 
nen 6d)aben erfaf)= 
k ren, baß beim Se= 
nießett ber Statur, 
fei es in ben SBel* 
len bes SJtecres, fei 
es im £uft= ober 
6 onnenbabe, neben 
bem (5efiif)l auch bie 
Vernunft gu “©orte 
fomnten muß, baß 
ber Snftinft nid)t 
immer unb in allen 
Süllen ein unbe= 
bingt guoerläfpger unb untrüglicher Ratgeber ift. 

3 n unferem Verhalten ber Statur gegenüber h^ctt 
Söol)nung unb Reibung eine entfdjeibenbe 33ebeutung 
gemonnen. $>iefe Skrteibigungsmittel gegen bie rned)* 
felnbe Witterung ftnb uns uncntbel)rlid)e S3unbesgc= 
noffen getoorben, fte hoben aber anbererfeits gur S*er= 
rocichlichung bes giuilipertcn SJtenfchen erheblid) beige* 
tragen, §auptfä$yd) ein Organ ift babei gu Sd)aben 

□ igitized by GOOölC 


gefommen, bas für bie SBärmeregulation unferes Äör* 
pers oon größter SBichtigfeit ift — bie §aut. S>ie in 
jebetn 3ahr unter bejtimmten SBitterungsoerhältniffen 
ftd) höufenben (Erfältungsfranfheiten geigen fdjon gur 
©enüge, mie mentg ber Stegulationsmedjanismus ber 
£aut imftanbe ift, ftd) allgu jähen Sdjmanfungen ber Slb= 

füf)lungsmerte an» 
gupaffen, menn bie 
alten S3unbesgenof* 
fen, Söohnuttg unb 
Reibung, eine un= 
guoerläfftgc §ilfe 
leiften. 

(Es ift flar: eine 
jal)rtaufenbalte (5c» 
mohnheit fann nicht 
ungeftraft eines Sa* 
ges einfach über 
Sßorb gemorfen mer* 
ben. (Eine (Eifen* 
bahnfahrt macht aus 
bem SJtenfchen ber 
3 ioili[ation feinen 
% Staturmenfchen. 
5)as biirfen mir 
nid)t oergeffen. 

SIber nod) ein 
anberes mirb oft 
genug außer ad)t 
gelaffen: bie Sften* 
fchcn ftnb nad) il)= 
rer 5lonftitution in 
fchr oerfchicbenem 
Srabc befähigt, bem 
6 piel ber Statur* 
fräfte gu troijen 
unb für ftd) aus 
biefen Kräften Stut* 
gen gu gemimten. 
3 u einer Kenntnis 
ber allgemeinen 
pht)ftologifd)en Söir* 
fungen ber Statur 
auf ben SJtenfdjen 
muß alfo bie $3eob= 
achtung bes Skrl)al= 
tens bes eigenen Körpers biefen Söirfungen gegenüber 
ergängettb h^ n 8 u ^ re ten. 

SBer aus ber ftaubigen Sroßftabt aufs Sanb fontmt, 
empfiitbet mol)ltuenb bte Steinzeit biefer Sanbluft. 3)ie 
oon SBiefett unb Söälbern in bie ßuft übergehenben 
aromatifd)en Stoffe regen bte SUntung an unb beförbern 
fo ben Sasmed)fel in ben ßungett. S)em Ogon ber SQßeeres* 
unb Sebirgsluft fontmt nur infofern eine ^^gienifd^e 

Original from 

PRIINCETON UNIVERSITY 






Seite 674 


SRummer 29 


® i e o efc e 


33ebeutung gu, als es bie cf)emifcf)c 9teinl)cit, bas gret= 
fein bcr Luft non Staub, Aaud) nnb Jabrtfgafen an* 
geigt, eine birefte Wirfung bes Ogons auf bas Wohlbe* 
finben bes SORenfdjen ift bagegen nicht nadjgemiefen. 

Temperatur unb Feud)tigfeit ber Luft Ijabeu einen 
nid)t unerheblid)eit (Einflug auf unfere Wärmeregulation, 
inbem fte bie l)ßuptfäd)lid) burd) Leitung unb Wafferocr* 
bunftung erfolgcnbe Wärmeabgabe bes Körpers beför* 
bern ober ^emmen. Äälte fteigert, Wärme be^inbert bie 
Wärmeabgabe. Hoher Feuchtigkeitsgehalt ber Luft ocr* 
ftärft bei nieberer Temperatur bie Abfüllung, bei hoher 
Temperatur oermetjrt er bie Hemmung bes Wärnteab* 
fluffes. 

3ft bie Luft fel)r marnt, hodjgrabig feud)t unb minb* 
ftiü, fo broljt „Wärmeftauung". 

©ie beginnenbe Wärmeftauung mad)t ftd) burd) eine 
SHeil^e oon Symptomen bemerfbar, mie ^opffdjmerg^n, 
Schminbel, Sitmmern, O^renfaufen, Hergflopfen, troefene 
unb brennenbe §aut. H°he Corabe Der Wärmeftauung 
führen gum §iöfd)lag. 

Wichtiger in l)t)gicnifd)er 33egiel)uitg als bie djemifdje 
Kleinheit unb oon minbeftens bcr gleid)en 33ebeutung 
roic Temperatur unb fteudjtigfeit ift nun bie Luft* 
üemegung. ©a ber Winb ftänbig groge Luftmaffen mit 
bcr §aut bes 3Jtenfd)en in "-Berührung bringt, erieid)tcrt 
er bie Wärmeabgabe burd) Leitung trog rclatio h°h ß r 
Lufttemperatur reri)t l>eträd)tlid). ©ie (Erfrifd)ung, bie 
mir oft, befonbers im 6onimer, oon ber Luft im Freien 
empfinben, menn mir unjere Wohnung oerlaffen, beruht 
im mefentlidjen barauf, bag biefe Luft in ftänbiger 33c* 
megung ift, mäl)renb bie Luft im 3iuitner ftagniert. ©er 
Aeig, ben ber Winb auf bie §out ausiibt, ift aber nid)t 
nur ein einfad)er Abfitl)lungsreig, mic er g. 33. burd) 
niebere Lufttemperatur l)croorgcrufen mirb, oiclmeljr ein 
gang eigenartiger,, ber SOlaffage oergleichbar, eine 
6 untme oon an^ unb abfdjmcllcnben (Eingelreigen in 
oöllig regeliofer Anorbnung. ©iefc Aeige treffen bie 
Sefägneroen ber §aut, rneldje nun geübt roerben, auf 
jeben Luftgug unb jebe Winbpaufe prompt unb aus* 
giebig gu reagieren, blutleere unb SBIutfiiUe ergeugenb. 
Atit bcr befferen ©urdjblutung bcr £aut beffert fid) in 
geroiffem Srabe aud) bie 3irfulation in ber Atusfulatur 
unb in ben inneren Organen. Am oollfommenften 
mirft bie Luftbemcgung auf ben naeften Atenfd)cn. 
Luftbäber ftnb alfo ein gutes Abhärtungsmittel 
gegen (Erfältungen, bie ja im mcfentlid)en burd) bie un= 
gureid)etibe Aeaftion ber öautgefägnerpcn auf Abfüh* 
Iungsreige ausgelöft merben. (Eine allmähliche (E>cmöf)= 
nung ber fonft belief beten Störpergcgenben an bie Wir* 
fungen ber Luft ift aber unbebingt notmenbig. 

Sel)r empfel)lensmcrt ftnb leichte Slörperbemegungen, 
g. 33. Freiübungen mäl)renb bes Luftbabes; unerläßlich 
fiitb fold)e, menn bie Cbefunbf)eit nid)t 6d)aben leiben 
foll, in fiihler Luft. 3lud) bie ftörperbemegung beförbert 
ja bie 33lutgirfulation in ben (E>emebeit. ©agu fommt, 
bag erfal)rungsgentäg eine gut burd)blutete §aut 
prompter unb ausgiebiger auf Abfiif)lungsreige reagiert 
als eine fd)led)t burd)blutete. 

©ie Wirfung ber Sonnenftraf)lcn, beren Heilmert 
übrigens fd)on ben alten Snedyen unb Römern betannt 
mar, ntug natürlich im $od)gcbirge megen bcr tüebercn 
6 d)id)t ber 3ltmofpl)äre, ihrer Klarheit unb grogen 3lr= 
ntut an Wafferbampf mehr gur (Geltung fommen als in 
bcr Tiefebene, ©ag aber and) in ber (Ebene oon ben 
Sonnenftral)len iel)r fräfttge §cilmir!ungcn ausgehen, 

e 



bemeifen unter anberem bie guten (Erfolge bcr Sonnen* 
beljanblung bei $nod>en= unb Cöelenftuberfulofe in ber 
Heilanftalt in §ol)enlt)d)en. 

33on ben Sonnenftraljlen finb bie langmelligen Wärme* 
ftraljlen bie mirffamften — nicht bie furgmelligen d)emifd) 
mirfenben, mic man früher annal)m. Sie erzeugen träf* 
tige Aeaftionserfdjeinungen am Orte ihrer (Einmirfung, 
ber unbetleibeten Haut. ©ie £>auttemperatur fteigt 
unter ber 33cftraf)lung um mehrere Srabe an, ihre Farbe 
mirb rot, fpäter braun, ihre Blutgefäße füllen fid) prall 
mit 33lut. Aber nidjt nur bie Haut, fonbern inbireft 
aud) bte Atusfulatur mirb unter ber Strahlung aus* 
giebtger burdfjblutet. 3m Sonnenbabe befinbet fid) bcr 
Körper gmeefmägig in oölltger Aul)e, ber tfopf ift oor 
ber 33eftral)lung gu fd)ügen. 

3n nod) höherem Srabe als oont Luftbab gilt oom 
Sonncnbab bcr Srunbfag: „Atit 9)tag geniegen." 9iid)ts 
ift törichter, als menn jetttanb, ber an bie intenfioe 
Sonnenmirtung nicht gemöfptt ift, ben unbetleibeten 
Körper unoermittclt einer längeren 33efonnung aus* 
fetjt. ©ie F 0 ^9 cn foldjer Übertreibung ftnb Tkrbrennun* 
gen ber §aut, aber aud) Sdjäbigungett bes Heroen* 
fpftems unb bes 3i r ^ uIa üonsapparates, roäljrenb „gut 
bofierte" 33eftral)lungen fubjeftioes Wol)lbefinben, er* 
höhte Wibcrftanbsfätjigfeit ber ipaut unb ittusfulatur 
bemirfen. 

6 d)ncüer unb intenftoer als im Luftbab mirb nun 
burd) ein $ab in ber Sec bte (Entmärmung bes Körpers 
beförbert unb bamtt eine töftlidje (Erfrifd)ung erreicht. 
3m 33abe mirb gmar bie §aut aud) oon Staub unb an* 
f)aftenben Sefreten gereinigt, bie moI)ltuenbe Wirfung 
bes falten 33abes bei mariner Witterung beruht aber 
l)auptfäd)lid) auf ber Stetgerung ber Wärmeabgabe bes 
Körpers infolge ber mefentlid)en Temperaturbiffereng 
gmifdjen ^örperl)aut unb Waffer. 

©er bie treffenbe Stältereig oerurfad)t gunäd)ft 
eine Äontraftion ber §autgefäge unb (Erblaffen ber 
§aut; allntä^lid) ermcitern fid) bie Sefäge mieber, nad) 
^3eenbigung bes 33abes reagiert bie §aut mit gefteigerter 
TMutfiilie. ©iefe ^autreaftion nad) bent 33abe ift oon 
gefunbl>eitlid)em Stanbpunft fef)r bead)tensroert. 3ß 
fd)ncller unb fräftiger bie Hautrötung unb Wieberermär* 
mung nad) bem 33abe in (Erfd)einung tritt, befto giin* 
ftiger ift ber (Erfolg bes falten 33abes. (Einer guten 
^eaftion entfprid)t fubjeftioes Wof)Ibefinben, erhöhte 
förperlid)e unb geiftige Spannfraft, mäl)renb eine oer* 
gögerte ober mangelhaft auftretenbe 3teaftion oft oon 
Fröfteln, Unbehagen, neroöfen Sefdjmerbcn, aud) oon 
Störungen ber Hergtätigfeit gefolgt ift. 

©ie Wirfung bes Slältereiges auf bie 33lutgirfulation 
mirb mefcntlid) unterftügt burd) hingufommenbe med)a= 
nifche Steige (Wellenbab!), burd) Äörperberoegungen unb 
fräftigesReiben ber Haut mäl)renb bes^Babes unb nad)her. 

©ie ©auer bes Sabes foüte nur ausnahmsmeife mehr 
als 15 Minuten betragen, ©as gilt befonbers für ma= 
gcre unb neroöfe 33tenfchen, bie im allgemeinen gegen 
3lbfiil)lung meniger miberftanbsfähig ftnb. 

iöieiite F cr ^ en ^ c ^ a rf)tung über bie Wirfungctt oon 
Luft, Sonne itnb Waffer ift in Fonn einer Sfigge ge* 
halten. Trogbent finben bie Ausführungen hoffentlich 
einiges 3ntcreffe unb tragen gu ber (Erfcnntnis bei, 
bag nur berjenige oon feiner Urlaubsgcit ben rcd)tcn 
(E>eminn für Leib unb Seele baoontragen mirb, ber im 
Aaturgcnug nicht bem (E>efül)l allein folgt, fonbern auch 
bie Vernunft gu Worte fonimen lägt. 

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PRINCETON UN1VERSITY 



Kummer 29 _ 0 i e ^ o 6 e _ Seite 675 

0 t e r e t cfy ft e n SÖeltbürger 


SJlait l)at fdjon fcf)t frf)Icd)t oom ©elb gcfptocfjcn, unb trojv oerftclicn. 9lls bcfonbcrc QBunbctläiibcc nannte man früher 




Kar*« 

* *AL m 


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PRiNCETON UNIVERS1TY 


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lm Oval : Der Gaekwar 
von Baroda, der 125 
Millionen Dollar besitzen 
und einer der reichsten 
indischen Fürsten sein soll 


bem betounbcrt man ftets toieber jene, bie es angufjäitfen 3nbien unb Qtmerita. §atte man fdjon bei ber Sdjilberuttg 

ber (Eorte*'fd)eu Wesifoeroberung ge* 
ftaunt, fo noch ntef)r bei (Erfcbließung 
bcs 3Jtcircbenlaubes 3nbicrt, hoffen 
ungeijeure 9teid)tömer befottbers aus 
Sütacaulatjs SMitffa^ über SBarreit 
Raftings gemürbigt tocrben tönnen. 
3)ie 9)tafjatabfd)as, bie ben englifdjcn 
(Eroberern SBiberftanb entgegenfefcten, 
mußten (Sntfcbcibigungcn zahlen, bereit 
£>öbe bas gaßbare beinahe iiberfteigt. 
9tber felbft europäifdjc Habgier lonnte 
bie unocrrtegbaren OoelbqueUen nidjt 
oöQig erfdjöpfen. SOlan nennt als 
einen ber reidjften inbifdjcn giirften 
ben (Smetroar oott 33aroba. 

Zeitiger (öliicf batten bie (Eng* 
iättber mit Shnerita, bettn nad)bcnt 
bas £anb einmal bie Unabbängigteit 
oom s DtutterIanbc erüärt batte, bliibtc 


Hugo Sfinnes, (X) der Organisator der größten deutschen Kon¬ 
zerne, die dasWirtschaftsleben Deutschlands maßgebend beeinflussen 

Rechts: Dr. Gust. Krupp v. Bohlen u. Haibach, der als Mit¬ 
besitzer des großen Krupp¬ 
schen Vermögens als einer 
der reichsten Männer 
Deutschlands gilt 


es rafdj aus eigenen 
Streiften auf. $as Sta* 
pital ton^entrierte fidj 
um bie großen 3n* 
buftricUen, bie ‘Ve* 
troleum» unb (Eifeit* 
babnfönige. Sie alle 
toaren Selfntabe* 
mcinner, mie bie beut* 
fdjeu Strupps, toesbalb 
fie gleiche Satfraft oott 
ihren Söhnen oerlang* 
ten. Stam es alfo gurn 
Sterben, fo toanberte 
bas Kapital meift in 
gemeinnützige Stif* 
tungett ab, unb ber 
Sohn mußte flufeben, 
toas er mit ben übrig* 
bleibcnbeit SDiiUi- 
oneit Dollars machte. 
'JBobl ber intereffan* 
tefte Sqp unb mit 
einer halben 'ütiUiarbe 


Der amerikanische Bankier Pierpont Morgan jr. f der 
durch seinen Reichtum und seine Stellungnahme zu euro¬ 
päischen Wirtschattsproblemen bekannt gewordene Dollarkönig 






Seite 676 


© i e 2ß o $ t 


Kummer 29 




Der Herzog von Bedford 
und 

der Herzog von Westminster 
(Bild unten) 

die als Eigentümer riesigen Grund¬ 
besitzes in London und im übrigen 
Grossbritannien zu den reichsten 
Männern Englands gehören 


flüffigen Kapitals nicht nur ber rcichftc Slmerifaner, fonbem bcr reid)ftc Weltbürger, 
ift ohne 3roeifel §enrt) ftorb, bcr Sftotorioagenfönig, ber fein Vattb in bie £cge 
Dcrfeßtc, jebcm neunten (Eintoohner fein eigenes Behifcl ju beforgen. 3)ies Behitcl 
foü oor allein prattifcf) fein unb billig; roenn man es aus Berfehen au einer ©de 
ftetjcn lägt, fo fällt es nid)t a« fdjroer, fid) im uäd)ften §aberbafl)erfhop ein neues 
3 u taufen. Sämtliche ©roßtapitaliften eigener straft Aeidjneu fid) burd) eine nicht 
überbietenbe Stcrocnftärfe aus. "Bei mand) einem grenzt fte an Brutalität. 3 U 
große geiftigc Steigungen finb hierbei nur oon Stad)teil unb tommen bei biefen 
Leuten erft in ^weiter Vittie. 

911s eigentliche Bertörperung 
besBtammous galt Sohn ^ier- 
pontSJtorgan. ©s berührt bcn= 
noch fonberbar, baß fein $ob 
ihn in eine Steiße brachte mit 
Wafhington unb ßincolu. $as 
tarn baßer, baß er uid)t toie 
Slodefeller bas ©>elb an fid) 
liebte, fonbem bie Slmuen« 


■ 


Der reichste Mann der Welt: 
Henry Ford, der bekannte Auto- 
mobilfabrikant, der nach seinen eigenen 
Angaben über ein täglich flüssiges Ka¬ 
pital von 550 Millionen Dollar veriügt 


John D. Rockefellcr, der 
amerikanische Oelmagnat, dessen 
Vermögen auf 500 Millionen 
Dollar geschätzt wird. (100 Bil¬ 
lionen Mk. bei einem Dollarkurs 
von 200000) 

bung bcs ©clbes. Sein Sohn ift 
uns ©eutfchcit in angenehmer ©r= 
innenmg, mcil er auf ber ^arifer 
Äonferena tategorifd) crtlärtc, baß 
biefe infame Bchanblung bcs 
mchrlofcn $eutfd)lanb enblid) auf-- 
hören muffe, toeun man je auf 
normale Seiten au hoffen mage. 

Sticht fo ftaunenorinecfenb fiub 
bie reid)ftcn SJtänuer ©nglaubs. 

©>ie beiben ©erlöge non Bebforb unb non Weftminfter haben in ber Vonboner 
(£itn felbft große BcfitttompIcj;c unb pichen baraus Stiefeneinfommen. 

Slbgcfeßeu non Strupp intercjfiert uns ©cutfdie heute ruoßl am meiften 6tinnes. 
Sein „Beriitügen" ift bebeuteub größer als fein Bcrmögen, bas ungefähr bcr 
§öhe bcr 6d)ulbenlaft bcs Stcidjcs non 14,5 Billionen ^apiermart entfprid)t, 
beim 6tinnes hat bie 3ügcl aller möglid)en Unternehmungen in feiner £>aub, 
unb man muß fid) nur unmbern, roie er fid) bie Stauten all ber ©efcllfcßaftcn 
inerten feun, in beiien feine Berfon ber Mernpuntt ift. Unter bie reichfteit Öfter* 
reidier aäßlt ber 3talietter ©aftiglioni, ferner Bofcl, beffen Bermögcti man auf 
ruiib 5—Billionen Mionen cinfchä^t. Ür. Th. R Rumpf 


Camillo Castiglioni, einer der Führer 
der österreichischen Eisenindustrie 


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Kummet 29 


e 08 o 6 e 


Seite 677 




^Dte „‘Orabtlofc" für Den 
Hau^gcBraud) 

(T^ye 6adf)e flammt aus bctn itonbc ber intbc-- 
grenzen SJlögliditeiteu. ©ort, mo iein 
^oftregal ihre CEnturictlung l)inbcrtc unb eine 
retorbfrohe 3ugenb fid) ihr mit ©ntl)ufiasmus 
hingab, foitntc fte fdjneü eine Slusbchnung er¬ 
reichen, bic felbft für ameritanifdje Berl)ältniffe 
erftaunlid) ift. 3)as broad casting nämlid), ruas 
man am beften mit „©rafjtlofc für ben Haus¬ 
gebrauch" iibcrfetjt. ©emt bie wörtliche Über¬ 
fettung „SUtsgiefjcn ins "Breite" erforbert eine 
längere ©rtlärung. ©agu mu& gefagt werben, 
ba§ eine Slnaahl non großen ©ebeftationen nor-- 
hanben ift, bie allerlei £)iuge non allgemeinem 


Drahtlose Verbindung mit dem Heim während einer längeren Autoreise 

Oben: Orgelmusik und Glockengeläut durch 
drahtlose Station in einer amerikanischen Kirche 

im Oval : Baby wird drahtlos unterhalten 
und in den Schlaf gesungen 

Links: Das drahtlose Morgensländchen 

3ntereffe, toie Börfenturfe unb Sttelhobiftenprc« 
bigten, Opernbarbietungen unb politifche Sieben, 
Wetterberichte, Unglücfsfälle ufw. in ben Slether 
hinausfunten. Weiter aber esifiiereu im ©ebiete 
ber ameritanifchen Union nid)t Hunberttaufenbe, 
fonbern uiele SDtiUionen ooit tleincn Empfangs« 
ftationen, bic mit roenigeti ©tiffen auf bie Wel¬ 
lenlänge biefer ober jener ©ebeftation eingeftellt 
roerben tonnen unb ihrem Befifcer banach bic 
jeroeilige augenblidlidje ^robuttion ber betreffen« 
ben ©ebeftation au ©ef)ör bringen. 

Wie fel)r bas broad casting heute SlUgemein« 
gut bes ameritanifchen Boltes ift, bafiir geben 
uttferc Bilber ben beften Beroeis. ©ic ©rahtlofe 
als Orgelerfatj, als BtärdjenerAählcrin für Babies, 
al3 gettuertreib am ftranfetilager, im Sluto, ja 
fogar auf bem Sßferbc unb uls ©efd)ent auf bem 
©eburtstagstifdj. S)ie giillc ber ©rfdjcinungeit 


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Seite 678 


5) I c o cb e 


Stummer 29 




ganft hinten l)inter ben Uratenrocf, eine Stabmen¬ 
antenne, ftcllt ine Jad) feines Sdjreibtifcbcs bie 
gau^e (Empfangsapparatnr uitb l)cit nad) belieben 
alle Stationen her ©eit uou ftanaba bis 9)tos= 
tau. 3)ie 3al)l biefer „©ebeimftationen" bürfte 
in 3)eutfd)Ianb uid)t uubeträdjtlid) fein. 

3mmecl)in fiitb aud) bei uns erfreulid)C Slnfcifce 
für eine tommenbe Sntmicflung oorbanben. 
SOtan ift befoubers an ber Slrbeit, eine aud) fünft» 
Ierifd) befviebigeube ©icbergabc non SÜtufttbar» 
bietungen aus^uarbeiten, unb eines Sages rnirb 
bas S^oftrcgal ber ted)nifd)en (Entmicflung gum 
Dpfer fallen. Vorläufig aber haben§ollanb unb 
(Englanö auf bem Cbebietc ffübrung in (Europa. 

Hans Dominik. 


Drahtlos während des Spazierrittes mit 
den Eltern verbunden 

rnirb nur oerftcinblid) unb crtrciglid), menn 
man bebentt, bafj fic fid) auf ein SBolt 
uon 150 SJliUiouen unb einen leiben (£rb= 
teil oerteilt. Unb felbft bann ift es ftu- 
roeilen bes (öuteu noch etiuas oiel. Sluto» 
mobilifl unb Leiter mit ber (Empfangftation 
am Sattel muten uns febr ameritanifd) an. 

Slber ber (Eiuörucf inirb ein anberer, fobalb 
man an tagelaitgc Stitte burd) iutcrcffaute 
©ilbnis bentt. Unter fold)en herbei Itniff eit, 
toeun bie fleinen Stationen ciufterft mertooll, 
ja unter Umftänben lebeuberl)ültenb mitten. 

5)eutfd)lanb bat einen febr t)of)en ^rojentfab ber oiclen 
Slmateurftationen geliefert. $)ie beutfehen Jabritate ftnb in ber 
Union febr gefehlt unb rnerben rnillig böber befahlt als bie U.=S.= 
Sl.--Sraeugniffe. ©it buben auch in Seutfdjlanb eine Steibe oon 
©ebeftationen, bie 9tad)rid)tcn, SJtufitftiicte ufm. in brabtlofer 
Selepbonie ausfenben. 

©er aber bie Slbficbt bat, offiziell unb reell bte fd)önen 2)ingc 
$u büren, ber mu& erft mit 3mpffd)ein, ßeumunb^eugnis unb 
bergL bei ber Spoft um einen Apparat eintommen, ben er bann 
auch nach oieletn ©arten unb nicht unerheblichem Semüben 
befommt. ©er auf bie beiben SItjettioe ^offt^ieü" nnb „reell" 
$u oeraiebten gelernt bat, ber fteeft fid) bti feinen Kleiberfebranf. 


Das moderne Geburtstagsgeschenk: Die Radioempfang¬ 
station für den Salon 


Radio-Musik zur Erheiterung der Leidenden in einem ameri¬ 
kanischen Krankenhaus 


Das Neueste für die Amerikanerin: 
Das drahtlose Strumpfband 


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• 4»H«. 


In diesen heissen Julitagen haben die Neuyorker nichts vor uns voraus, denn die Sonnenglut ist dort noch 
grösser als bei uns. Aber die praktischen Amerikaner wissen sich zu hellen. Aus eigens zu diesem Zweck ge¬ 
schaffenen Leitungen, die an die Hydranten angeschlossen sind, geht andauernd ein kühlender Sprühregen 
auf das Pflaster nieder, der von der Jugend fleissig als Brausebad benutzt wird 

Ein nachahmenswertes Beispiel: Das Brausebad auf der Straße 















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Kummer 29 


© Vc <2B t> (fc e 


Seite 681 


/ 



X)te erfte ©tragenlanöung 
tn Berlin 

^iir^Iicf) tonnten bie berliner an einem Sonntag 
<vv tn aller 2Rorgenfriihe ein feltenes Sdjaufpiel 
erleben: ein giugzeug über ber Stragc „Unter 
ben Stuben", bas offenbar einen SJtotorbefett 
erlitten hatte unb einen möglic^ft günftigen San- 
bungsplag fudjte. (£s fd)lug eine elegante Äuruc, 
fc^te über bas 9taud)’fd)e S)enlmal griebrichs bcs 
(örogen mit tnapper SJliitje unb 9tot ginmeg, ging 
tiefer unb tiefer unb lieg fid) gegenüber ber Seiten 
^IBadje, mitten auf bem granz«3ofeph^ßIag nieber. • 
©ie erfte Sanbung eines fünftlicgen iüicfenoogels im 
§äufermeer ber ©rogftabt. Ss mar ein §iiesler- 
giugzeug oom Staljlmcrt 9Warf«33resIau, geführt 
oon Antonio 9iaab, bas in Staaten geftartet mar 
unb nad) Breslau fliegen mollte. $>a fid) trog ber 
frühen ÜRorgenftunbe mehrere gilntopcrateure an> 
gefunben hatten, mar fdjou bie 'Vermutung aufge- 


Rechts: Der Füh¬ 
rer schafft sein 
Flugzeug fort 
Phot IP. Gircke 

taucht, bag es fid) 
um Aufnahmen für 
einen gilm gan- 
belte. 9lbcr bies-- 
mal maren bie 
böfen Äinoleute, bie 
überall baljinter- 
fterfen follcn, oöUig 
unfchulbig. $>enn 
bie polizeiliche Uti- 
terfuchung, bie fo= 
fort eingeleitet mür¬ 
be, hot ergeben, bag 
es fid) tatfäd)Iid) 
um ein 91 usfetten 
bes ^Rotors hon= 
beite. ^Daraufhin 
mürbe bas oon ber 
Polizei befdjlag- 
nahmtc giugzeug 
fofort freigegeben. 


Das Flugzeug über der Straße „Unter den Linden“ Photoaktuell 
Links: Der Flieger geht vor der Universität nieder Phot. \V. Gircke 


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Seite 68? 


© 1 e OB o c& e 


9?utnir.cr 29 





Ober*Reg.-Rat Galle. 

der neue Direktor beim 
Deutschen Reichstag 

Rechts' Zum 40jährigen Be¬ 
stehen des Wiener Klubs 
bildenderKünstler „alteWelt“: 
Gartenfest im Heim des Klubs 


E. Canellopoulo„, 

der neue griechische außcrordetiu# 
Gesandte u. be volliu.Ministeri.Berlin 

Unten: Vom 50jährigen 
stehen desDeutschenKrieger 
Bundes in Goslar a. Harz: 

Gedächtnisfeier für die im Weltkrieg 
gefallenen Kameraden Phot. Riebicke 


Geheimer Baurat Dr.-Ing. h. c. 

Heinrich Büssing, Braunschweig, 

Gründer und Seniorchef der Büssingwerkc 
feierte seinen 80. Geburtstag 


Privatdozentin für klass. Philologie, wurde 
zum außerordentlichen Professor ernannt 


Geheimer Kommerzienrat 

Dr.-Ing. h. c Adolf Kirdorf, 

der bekannte Großindustrielle, 
starb in seinem 79. Lebensjahr 



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Kummer 20 


0 I e OB o cf) c 


(Beite 683 



AMERIKANISCHES 


Im Oval: Wenig Geschrei 
und viel Wolle: Im New- 
yorker Zentralpark werden 
die Schafe mit einer neuen 
Maschine schnell und 
schmerzlos geschoren. 


Untert? Ein Damespiel mit 
wirklichen Damen: In den 
Kalifornischen Seebädern 
werden am Strande Brett¬ 
spiele gespielt, in denen 
die jungen Damen selbst 
die Figuren darstellen 


Der neueste Damenhut: Der gehäkelte 
Zylinder 



Mt IQS 

Hb 

;B|0 








«r" 1 '' 



Gelegentlich eines Wohltätigkeitsfestes wurde jüngst aut einem freien Platz bei Newyork eine seltsame Bridgepartie gespielt; 
Junge Damen und Herren aus der Gesellschaft stellten die Kartenblätter dar und gruppierten sich in Form eines Spiels 


DAS LEBENDE KARTENSPIEL 


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Seite 684 


© I t ®j 4e 


Kummer 29 



Oben : Eine neue Tracht 
für Kellnerinnen. In 
London haben sich 
die Servierdamen eine 
eigene originelle Klei¬ 
dung ersonnen, die aus 
Bluse und passendem 
Beinkleid besteht. Un¬ 
sere Aufnahmegibteine 
dieser neugekleideten 
Kellnerinnen bei ihrer 
Tätigkeit imDachgarten 
eines großstädtischen 
Hotels wieder 

•J* 

Links : Vom schweren 
Hochbahnunglück in 
Neuyork. InderHaupt- 
stadt der Vereinigten 
Staaten entgleiste kürz¬ 
lich ein Zug der elek¬ 
trischen Hochbahn. 
BcimAbsturzdcrWagen 
wurden 8Frauen getötet 
und 83 Menschen 
schwer verletzt 


Links: Schiffshebung durch einen Riesenkran: Ein im 
Stettiner Hafen untergegangener Schleppdampfer wird 
durch einen gewaltigen Schwimmkran gehoben und 
schwebend zur Werft gebracht Phot. Drvblow 

* 

Im Oval : Von der letzten Veranstaltung des Allg. Deutschen 
Automobil-Clubs im Deutschen Stadion im Grunewald: 
Ein zum Zwecke der besseren Überwindung des Luft¬ 
widerstandes seltsam geformter Konkurrent bei den 
Rennen der kleinen Wagen Phot. Girdce 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 

































Kummer 20 


0 i e 8!o4( 


Seite 685 


bt# ßf^ingh» JKhim 

Äoman oon Diaris Do mini Jo 

7. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H,, Berlin 1923. 


2 Us her bewaffnete Srupp mit bem befangenen ben 
SÖtarftplaß erreiri)te, brad) bie oieltaufenbföpfigc fd)war ( ^e 
3)tcngc in ein infernalifdjes beJ)eul aus. (Einige ftief 3 en 
mit ferneren Stangen tat'tmäßig unb triumphiercub 
auf bas ^flafter. 2lnbere fntrfdjten oor 2But mit 
ben 3 ä^nen. 3 ^te blutunterlaufenen klugen gingen 
mit ben bliefen hungriger Raubtiere an bem befängc= 
nen. 3 un) cilen 3 ucfte ein Reiferes beläd)ter auf. 

bergeblich 3 errte ber befangene an ben ftarfen 
Firmen, bie iF>n gepaeft gelten, bor bem (Eingang 3 ur 
3Jtarftl)alIe mad)te ber Srupp ^alt. 

Qluf bas Rommanbo eines JJührers brängten bie bc= 
maffneten bie 9Jlenge 3 uriicf. (fin freier bäum cnt= 
ftanb, in beffen SDiitte fid) ein Ranbelaber erl)ob. Sin 
neues Rommanbo unb eine Schar [türmten in bie btarft* 
halle unb fd)Ieppten Stiften unb Rörbc I>eraus, bie ftd) 
fdjnell um ben SÜiaft türmten. 

0er befangene fd)rie in feiner Sobesangft auf. (Er 
warf ftd) auf bas ^flafter unb fd)lug ocr 3 weifelt um ftd). 
(Einer ber bewaffneten fticf 3 if)in mit einer brennenben 
JJacfel in bas befielt, baß er l)eulenb wieber auffprang. 
btit geballten häuften ftürmte er auf feine Reiniger 
ein. öoI)nlad>enb fließen ftc il)n suriief, baß er wie ein 
ball hin unb I)er flog. 

(Ein neuer tuqer bcfel)l. 3nt bugcnblitf Ratten ftc 
ihn ergriffen, gum btaft l)ingefd)leppt unb mit einer 
eifernen Rette angebunben. 3rgcnbwol)er tarn ein 
(Eimer $eer unb würbe über if)n ausgegoffen. 0ic erften 
Jarfeln flogen 3 wifd)en bie Rörbe unb Riften. 

(Eine Jylammenfaulc umloberte ben Ranbelaber. 
Schreien . . . wimmern ... . röcheln . . . bann büße in 
bem biefen Seerqualm . . . gräßlid)er 3 ubel in ber brän= 
genben SJtengc . . . 

0 ie bewaffneten gaben ben spiaß frei, bon allen 
Seiten ftürmten bie blaffen auf bie brennenben 0riim* 
mer los. (Eine S^cne aus bem Snferno. 2Baf)nfmn 
peitfd)te bie btenge. £ad)enb . . . fdjreicnb . . . ftngcnb 
umtanflten fie ben Spfal^l. 

0 a 3 wifd)en wilbe berwiinfdjungen auf bie Meißen. 

„bieber mit ben Unterbrliefern! . . . Sd)lagt ftc alle 
totl . . ." 

bisher war ber Rraftwagen fautn bemerft worben. 
0er (Eßauffeur unb ber 0iencr neben ißm waren felbft 
Sdiwar^e. 3 eßt begann er bie bufnterffamfeit ber in 
bewegung geratenen bfenge ju erregen. 

0er Scßlag würbe aufgeriffen. 

,,2U)! ... ein weißes Säuberen! . . 

(Gierige £>änbc ftreeften ftd) nach fylorcnce 0 cwet) aus. 
(Entfeßt fud)tc fte iti bie äußerfte (Ecfe bes Wagens 3 ttrücf= 
3 uwcid)en . . . 

0 a plößlid) ein §agcl oon Stocffd)lägen auf bie wotli= 
gen Röpfe! 

3 m bugettblicf ber I)öd)ften Sefaßr war ber fdjwar^e 
0iener oont boef gefpruttgen. btit f)crfulifd)er Straft 
hatte er fid) ben 28eg bis 31 t einem blattn gebahnt, ber 
wenige Schritte oottt 2Bagen entfernt in ber btenge ftanb. 

bur 3 wet 28orte waren es, bie er bem gurief . , ♦ 

„ 0 ewet)s Sodjter! ♦ ♦ •" 

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3 m näd)ften bugenblid l)atte ber blann bem bctchft* 
fteßenben einen fd)weren Rnüppel aus ber §anb geriffen 
unb ließ il)n auf bie Röpfc ber bebränger nieberfaufen. 

„ 3 uritcf! . . . 3 uriicf . . . ober . . ." 

(Eine Schußwaffe unterftüßte bie 0rof>ung. 6 ie war 
nidßt mehr nötig. Sobaib biefe fdjeinbar bod) bis 3 um 
28ahnftnn erßißte banbe bie Stimme I)örte . . . bas (E>c* 
fid)t fahr ließ fte oon bent Angriff auf ftlorcnce ab. 

(Ein fur 3 es Rommanbo bes Cannes fcf>affte bem 
2Bageit freie bal)n. 

bon fern her würbe Semehrfeuer oernehntbar. bus 
ber Sacramento=Street brad) ein $rupp berittener ^oli» 
giften unb fd)lug auf bie feftgefeilte SCRenge ein. 28er 
nid)t auswcidjeit fonute, würbe niebergefd)lagen ober 
oon ben ^ferben 3 U hoben geworfen. 

0a frad)te oon ber iUlarftfjaüe her eine Saloc unb riß 
blutige ßiitfen in bie beiterfdjar. 

3eßt brad)cn aud) aus ben anberen Straßen ^oli 3 Ct* 
truppen oor unb brangen auf ben ^laß. bon ber §alle 
her würben fte mit wütenbem (E>ewel)rfeuer empfangen. 

0ie bewaffneten Sd)war 3 en hatten fid) in ber S>alle 
oerbarrifabiert unb fehoffen oottt 0 ad) unb oon ben ften* 
ftertt aus auf bie anriiefettben weißen ^olfyeitruppen. 

fyeuerfdjein 3 udtc auf. brettnenbe Seile bes Scheiter* 
haufens waren oottt 28inbc bis in bie §aüe getrieben 
worbett unb I>atten ge 3 iinbet. 0ie (Eittgefdjloffenett oer» 
fud)tett bas Jcuer 3 U löfd)cn. 0 ie Sd)iiffe ber Angreifer 
trieben fte 3 uriicf ober töteten fte. Sierig fraß bas fteuer 
weiter, balb war bie große £>alle ein einziger Jylam* 
tttenherb. 

(Ein wilbcs Cöcfd)rci brang aus bent Snttern. 0ie 
^>oli 3 iften erwarteten, baß bie Sd)war 3 cn nad) irgettb* 
einer Seite hin einen 0urd)brud) oerfud)cn würben. 0odj 
nid)ts gefd>al). 

Leiter fraß bas fteuer. fs)( e Jfeitfter 3 erfprattgen in 
ber Slut. Sauter als bisher brangen burd) bie offenen 
Söhlen ber wilbe (Sefaitg unb bas fanatifdjc (5efd)rei ber 
(Eingefchloffetten. 

3 eßt würbe es fd)wäd)er. 3 m baud) erftidten bie 
Stimmen ber 2Ränner, bie lieber fterben, als pd) beit 
2Beißett ergeben wollten. 

* * * w 

(E>corg Sfettbranbt ftanb in feinem Saboratoriunt in 
2Biernt). (Er h«tte bie Siir bes Raumes forgfältig oer= 
fd)loffcn. 9tiemanb follte il)n bei biefett berfud)en ftöreit, 
bie ihm bie leßte Sidterßeit bringen mußten. 

0as 0 i)itothertit wirtte wie eine rabioaftioe Subftatt 3 . 
Seine Materie perfid, Iöfte fid) fdjctnbar in bas 2tid)ts 
auf unb oerfeßwanb aus ber Sd)öpfung. 0afiir aber 
trateti riefenhafte (Energiemengen auf, entftanben fdjeitt* 
bar ebenfalls aus bettt 2 tid)ts unb bienten bei ben 2 lrbei= 
ten ber Rotttpagttie baju, bie Sodjalpett 21fietts in einen 
heißen, oielc Saufenbe oon SOletcrn in bie ööl)e reid)ett* 
ben 0 antpfttebcl 311 hüllen. 

2 Bar bas SJ3rin^ip umtchrbar, ließ ftd) eine Rombination 
finben, bei ber neue 9)taterie aus bem Nichts entftaitb 
unb als (Gegenwert (Energiemengen gebuitbcn würben, 
fpttrlos aus ber Schöpfung oerfd)wanben. Seit 3 aßren 

Original from 

PRIiNCETON UNIVERSITY 





Seite 686 


3) 1 e o cB e 


SJhtinmet 29 


bemegte biefc fyrage (Seorg Sfenbranbt. 3n raftlofer 
Sorfd)erarbeit mar er bem Problem immer näßer gelom* 
men. ©er heutige "Berfudj m. ßte ben lebten 93emeis er* 
bringen. 

(fr faß oor ber Apparatur unb fd)üttetc eine forg* . 
faltig abgemogene SJkife feines neueften Präparates in 
bas Waffer einer ßoßlen Quarzfugei, bie ißrerfeits bie 
Kugel bes £>eliumtl)crmometers umgab. 

(fr faß unb oerfolgtc bie Sfala bes Thermometers. 
Was fid) hier etma an neuer Materie bübete, tonnte 
rechnungsmäßig nur SBruc^teilc eines Milligramms aus* 
machen. 9lber bie (fnergiemengen für bie Sdjaffung aud) 
biefer (geringen Stoffmenge mußten gemaltig fein, ©as 
Thermometer mußte ißm ^uerft unb unfehlbar $luffcßluß 
geben, ob Praxis unb Theorie aud) mirflid) überein* 
ftimmten. 

So faß er unb oerfolgte ben fdjmalen roten Weingeift* 
ftreifen, ber bas im Thermometer eingefdgloffene $elium* 
gas oon ber Slußenmelt abüßloß. 

©as Thermometer fiel. Schon hotte es ben (Sefricr* 
punft erreicht, unb langfam, aber ftetig roanbertc ber 
rote Jyabcn in bem Thermometerrohr meiter nad) unten. 
3eßt begann fid) bie Quarzfugei, in ber bas Präparat 
arbeitete, mit einer (fisfd)id)t $u überziehen. Sei ber 
Serithrung mit ber 3tmmerluft fd)lug fid) ber in biefer 
oorhanbenc Wafferbampf fofort als maffioes (fis an ber 
Quarzmanb nieber. 

Unb immer nod) fiel bas Thermometer. 3eßt hotte es 
100 (Srab Kälte erreid)t, jeßt ftanb es fd)on auf 180 (Srab. 

Cf in maffioer, mol)l einen holben {yuß ftarfer (fisblod 
umgab bereits bie ganze Apparatur. 

(fin eigenartiges praffeln unb Knattern ließen (Seorg 
Sfenbranbt aüfßordßen. (fs flang, als ob jemanb Sd)rot= 
förner auf ben ftußboben fallen ließ. 

Sd)on zeigte bas öeliumtßermomctcr 250 (Srab Kälte. 
Wo immer bie £uft mit ber Apparatur in SBerüßrung 
!am, ging fic felbft fogleid) in ben flüfftgen 3uftanb über, 
mürbe bann feft unb fiel zu Soben unb oerbampfte bort 
mieber nebelnb unb brobelitb. 9lber es mürbe falt unb 
immer fälter aud) im ßimmer bei biefem Vorgang. (Seorg 
Sfenbranbt fpiirte bie Kälte nid)t. *3Bie gebannt hing 
fein ^lugc am Thermometer. 

. . . 260 (Srab . . . 270 (Srab . . . nur nod) brei (Stabe 
trennten bie Apparatur oon bem abfoluten 9tuHpunft, 
bei bem jebe Wärme crlifd)t, jeber Stoff in ben feften 
3uftanb übergeht. 

(fin Kältegefühl an ben Knien ließ il)n auffdjaubern. 
(fr faßte mit ber £>anb nad) bem iHocfzipfcl unb brad) ein 
Stiicf bes feinen flämifchcn Tudjcs glatt ab. ©ie fliiffigc 
£uft hotte ben Stoff burd)tränft unb mar fd)ließlid) in 
ihm gefroren. 

S?ld)tlos marf er bas Stiicf zur Seite. 9iur nod) bas 
Thermometer intcrcfficrte ihn ... 271 (Srab ... ber 
rote $yabcn blieb plößlid) regungslos fteßen. ©er Wfoßol 
mar oon ber Kälte erreidjt roorben unb zu einer maffioen 
Stange gefroren. 3cßt aber faß er, mic bie $elium= 
fiillung in Tropfen im Thermometer hinunterzufallen 
begann, mie bas $eliumgas als fefte Krufte an ber 
Snnenroanb haftete. 

©er abfolute 91ullpunft mar crreid)t. 9lud) ber flücß* 
tigfte aller befannten Stoffe, bas öeliumgas, erlag biefer 
ejzeffiuen Kälte unb mürbe ftarr unb feft. 

(Seotg Sfenbranbt ließ fid) auf einen Seffel ftnfen. 
Minutenlang haftete fein Slicf auf bem erftarrten 
Thermometer, (frft flar unb feft. ©amt mie träumenb. 
Silber unb Szenen fommenber (freigniffe zogen an 

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feinem geiftigen 9luge ooriiber. plaftifd) faß er, 

mas er bis baßin nur in fitßnen Träumen z u h°ff eu 
gemagt hotte. 

(fin Bütteln an ber Tür riß ißn aus feinen (Scbanfen. 

„Wer ift ba?" 

,,3d)! Wellington ffoj;." 

„(finen Slugenblicf, fyoj! . . . fofort . . ." 

(Seorg 3fenbranbt fprang auf unb madjte mit größter 
Scßnelligteit eine ©pnotßermlöfung zured)t. 3m näd)ften 
9lugcnblicf goß er fie über ben Apparat aus unb riß bie 
ftenfter auf. ©ann ging er, bie Tür zu öffnen. 

Wellington $o£ ftanb oor ißm. Regennaß, triefenb 
unb fleine Wafferbädje hinter fid) Iaffenb. 

„(fin fdjanbbares Wetter, (Seorg . . . b. ß. für eure 
Sicblungen moßl bas red)te. 9lber ßöd)ft unangenehm 
für mid), ber ich oßne Schirm unb Slegenmantel losge* 
flogen bin. 3d) ftöre bid) bei beinen 9frbeiten? ©u ßaft 
bid) eingefcßloffen . . ." 

„Min, bu ftörft tuid) nid)t. ©u farnft zu einer glücf* 
liehen Stunbe . . ." 

„(Sliicflidjc Stunbe!? . . . ©u meinft, meil es hier 
enblid) fräftig gießt. Seit oier Wochen fein Tropfen 
Stegen ßier. 3eßt ber Morbsguß. 91a! (fs mar moßl 
ßöd)ftc 3eit . . . 3d) ßabe aüerlci geßört. £ier blieb es 
bürr, unb mo anbers mar ber Segen zu reicßlid). Men* 
fd)ettmerf bleibt Stiicfmerf. Nichtig mirb bie Sadje erft, 
menn ißr eure Suppe aud) ben Mäulern oorfeßen fönnt, 
bie. fie braud)en." 

(Seorg 3fenbranbt blieb unbemegt. Sein (Sefid)t zeigte 
gleichmäßige freunblid>e Mienen, ©ann fprad) er. 

„3a . . . bas . . . fag mal, ftoj;, millft bu nicht ab* 
legen? ©u triefft ja aus allen Mißten." 

Wellington fcßüttelte fid). 

„By Jove! 91aß bin icß, aber eine fibirifd)e Kälte ifi 
ßier bei bir. ©oaußen ber feßönfte marine Mairegen, 
unb ßier . . . mas ßaft bu benn ba auf bem Tifd)?" 

Wellington ftoj; trat näßer ßeran unb betaftete ben tu 
eine mogenbe Mbelmolfe geßiillten Apparat. 

„©arnpf! . . . (fis? . , . ja ... . mas . . . pfui, Teufel! 
. . . bas ift ja falt!" 

„(fis ift meiftenteils falt, lieber ftos." 

Wellington Joj ßaud)te auf feine meiß angelaufene 

Singerfpiße. 

„Weiß id), (Seorg ... ift mir nid)t neu. Wbet bas 
(fis ßier . . . ift ja . . . na, id) tariere . . ." (fr be* 
trad)tete feine ftingerfuppe, auf ber fid) eine feßmere Jyroft* 
blafe zu bilben begann ... „. . . bas (fis ßier ift ja 
menigftens 100 (Srab falt." 

„Sage rußig 200 (Srab, fyoj. ©as (fis ift fein Waffer* 
eis. (fs ift ßufteis. ßuft ift hier gefroren, ©u fießft, 
mas bas ©pnotßcrm zu tun ßat, um bie ftroftmaffe auf* 
Zutauen unb zu oerbampfen." 

Wellington Jo;* betrad)tete bie bampfenbe unb nebelnbe 
Apparatur, oon ber bie Wolfen jeßt bereits bis zur 3im- 
merbeefe emporftiegen. 

„3n ber Tat, (Seorg! ©as bauert lange. Wenn icß 
bebenfe, mie fabelhaft fcfjncll eine ganz 9 r °^ Samine 
auf eine fleine Tube oon beinern ©pnotßerm Waffer unb 
©ampf mürbe. 3d) ßabe bir ja mein Abenteuer fd)on 
tclepßonifd) erzählt." 

3fenbranbt lad)te. 

„3a, JJoS/ f° fopflos barauf loszupubern! §abe id) bid) 
nicht gemarnt, oorfidjtig bamit umzugehen, ©ie fieute 
im fyergßanatal haben nid)t fd)led)t über ben unoerßofften 
Segen geflucht, ©u bift boeß fonft relatio oeenünftig. 
Was lag benn ba oor?" 

Original frorri 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



Kummer 29 


© i c <53 o d> c 


(Beite 087 


Wellington ftoj lächelte etmas ge^ioungcn. 

„3mei jo I)iibfd>e junge ©amen, u)ie bort im Sd)ttce 
begraben lagen, fonnten aud) einen alten $ud)s 3 U ©ot* 
beiten oeranlaffen . . . Sta, {ebenfalls . . . id) habe ba 
etmas gefunben, mas mid) oeranlaßte, bid) auf 3 ufud)en." 

Wellington goj Griff * n Safdje unb brad)te ein 
feines, in SJtaroquinleber gebunbenes Stoti 3 bud) 3 um SBor* 
fd)ein. 

,,©as ift ein Souoenir an bic eine ber beiben ©amen, 
bie (Gräfin bi ©orefani." 

,,©u bebältft bas? ©u gibft es nid)t suriief?" 

„Steinl" 

„SU)? SUfo ein Slnbenlen an bie §er 3 üllerliebfte. Sftit 
(Gräfinnen b a ft & u e5 
oor?" 

,, 5 alfd) geraten,Seorg. 

©ie fcfjöne ©orefani l)at 
ganj anbere als 

einen 3 ournaliften 3 U 
beiraten. $k\z ... bie 
fie in meinen Slugen 3 U 
einer febr gefährlichen 
Sperfon . . ." 

„Obo . . . toiefo?" 

„ 3 d) bin »bezeugt, fie 
ift eine Slbenteuerin, bie 
Spionenbienfte für bie 
gelbe 6 eite Ieiftet." 

„$aft bu ©teroeife ba* 
für?" 

„ 3 a — bas beißt, erft* 
mal ftarfen S>erbad)t. 

©en ftriften S3emeis boffe 
id) in biefent S 3 üd)eld)en 
3 U finben. (Bs geriet mir 
in bie ipänbe, als id) bic 
©orefani aus ber fd)tttel= 
genben fiatoine beroor* 

30 g. 6 ie trug es in einem 
ßebertäfd)d)en uermabrt 
unter il)rem Smeater. 

Slls idb fie aus bem Bis* 
fd)lamm riß, blieb es mir 
in ben $änben." 

Wellington öff¬ 

nete bas fleine S'ud). 

„Unter biefen I)arm= 

Iofen Stotzen hier ift 
nidjts Sntereffantes. 3 dj 
hätte es ihr oieUeid)t längft 3 uriiefgegeben. Slber ba fanb 
id) hier nod) biefen . . ." 

(Br blätterte meiter unb hielt Sfenbranbt bie Seite 
I)in. Sie mar ooUtommen meiß. Stur am Staub, tuo 
offenbar bie Stäffe gemirft hatte, traten ein 3 elne S3ud)= 
ftaben beroor. ©ie äußerften ftärfer, bie innerften nur 
jebmad). 

b...r...a...n...b...t entzifferte Seorg 3 fen= 
branbt nid)t ohne SJtütye. 

„Unb bu meinft?" 

(Br fab Wellington Jyo£ fragenb an. 

„. . . ©aß oor bem ,branbt’ nod) , 3 fen’ fteben muß!" 

„Sllfo ,3fenbranbt’ . . . meine Staute?" 

„Süchtig, mein ftreunb! 3d) mette, baß bas Wort oott= 
ftänbig Sfenbranbt I)eißt." 

„Unb mas meiter?" 

„©aß hier smeifellos nodj einige für bid) febr inter* 

Digitfzed by Goosle 


effante Stotzen ftcl>en, bie id) leiber nid)t lefen fann. 
©er ©eufel mag roiffen, mit ioeld)er fi)mpatbetifd)en ©inte 
bas gefd)riebett ift." 

(öeorg 3fcnbranbt f)telt bas aufgcfd)lagene S3ud) 3 mi* 
fd)ett ben ijättben. 

„SJtag es gefd)rieben fein, montit es mill. Sluf ©gtto* 
tberui reagiert es. ©as bgnotbermbaltige Scbmelgmaffer 
ber 2amine b°t biefe menigen S3ud)ftaben ftd)tbar ge* 
macht . . . Seh^a mir meiter . . ." 

(Br maitbtc fid) nad) bem 2aboratoriumstifd) unb fuhr 
mit bent S3ud) über ben bort ftebenben unb immer nod) 
bampfenben (Bisblocf, bis bie beiben Seiten oödig burd)= 
feud)tet mären, ©ann lehrte er mtbber 311 Wellington 

So£ 3 uriief. 

Sefpannt mären oier 
Singen auf bas Rapier 
gerid)tct. 33ud)ftabe auf 
S3ud)ftabe trat f) croor - 
©riumpl)ierenb fcf)lug 
in bie öättbe. 

,,©a ftel)t es , 3 fett= 
branbt'!.. unb nun? —. 
Was fonft nod)?" 

Wellington ftog batte 
bas S3ud) ergriffen unb 
las bie Worte langfam 
herunter. Slls er geenbet, 
legte er es oorfid)tig auf 
ben ©ifd) unb roanbte 
fid) 3 U Sfenbranbt, ber 
ftumm mitgelefen batte. 

(Bitten Slugettblicf 
fd)auten fie fid) roortlos 
att. 

„©er ftuitb bat fief) ge¬ 
lohnt, Seorg! Uber bic 
Slbfid)t ber Qrettburger 
Stäuber beftebt nun fein 
3meifel mehr. (Bs ging 
um bein Sebett... ©eine 
fteinbe haben beine 33e* 
beutung beffer erfaunt 
als beine europäifd)en 
^reuttbe." 

,,©u baft red)t, fto£. 
©er ftitttb mar gut. (Bine 
beutlicbe Warnung füt; 
bie 3 u tunft." 

(Br nahm bas S3udj 
an ftd) unb fd)loß es fofort in feinen ©refor. 

„Sla . . . fiebft bu, Coeorg, id) batte bod) eine gliidlid)e 
£>anb, als id) bie ftarfen 'ißrifen auf ben Sd)ttee aus- 
ftreute. Slnbernfalls mären bie inl)altfd)meren S3ud>- 
ftaben faunt fid)tbar gemorben." 

„(Bs ift nod) einmal gut gegangen, alter froj;: ©roß* 
bem muß id) bid) martten. S)tit bem ©yitotfjerm ift nicht 
3 u fpaßett. (Bs finb ungeheure (Bnergiemengen, bie bu ba 
auf bem Heilten Siauttt eines Saminenfelbes entfeffelt 
I>aft. (Bs tonnte bir febr leid)t geben mie bem 3auber= 
Iebrling, ber bie Seifter, bie er rief, nid)t mdp los mürbe. 
Was mar bantals mit bir los . . . 3rgeitb etmas anbe* 
res? fto£, meine 3 uttge, id) glaube faft, baß bein §er 3 
aud) eine ©ofts ©gnotberm abbefotnmen bat." 

„Unb mettn es mirflid) fo märe, bann mürbe ich fdjließ* 
Iid) bod) aud) nur berühmten S3eifpieleit folgen." 

(B>eorq 3fenbranbt bliefte ben Sprecher fragenb an. y 

Original frorri 

PRIiNCETON UNfVERSITY 



Mit Genehmigung des Verlages der Galerie Flechtheim, Berlin 

„Die Dame in der Loge“, Gemälde von Otto von Waetjen 

Ausstellung in der Akademie der Künste, tierl n 



Sette 688 


© 1 1 <20 o * e 


Kummer 29- 


/,3a! ©idj meine leg, Georg . . . Gerabe bieg. Sollte 
cs nur bie (Erinnerung an Sölaria Ortmin fein, bie bir 
jene anbere SOtaria, unfere junge Aeifegcfägrtin, fo teuer 
macht?" 

Sfenbratibt fämpffce furze 3eit mit einer leisten $er* 
mirrung. 

,,©u oerfuegft oergcblicg naeg alter guegfenmeife beine 
Spur zu oermifegen. Aber . • . bas mirb bir nicht ge* 
lingen." 

„©a es nic^t bie Gräfin Sorefant ift, fo mug es lo* 
gifchermeife bie kleine Garoin fein, bie cs bir berart 
angetan l)at . . . immerhin . ♦ . grancis Garoin ift 
bir großen ©anf fcgulbig . . ." 

. . Unb ba 9Jk. Gamin niemanb ctroas fdjulbig zu 
fein münfd)t, fo hat er mir eine Skrtragsurfunbc zugegen 
Iaffen, bie bis auf meine Unterfd)rift fertig mar . . •" 

„Unb bie enthielt?" 

„Wenn ich f te unterfdjrieb, mar ich alleinige Sefiger 
jber Ggicago*S)keg." 

„Oho . . !" 

„O ja! grancis Garoin lägt fug nicht lumpen . • . 
Stber Wellington goj auch nicht!" 

„Unb?" 

„3<h habe ihm feinen Vertrag fein fäuberlich ohne 
Unterfcgrift zurütfgefdjiicft . . . mit bem Angeimgeben, 
mit ber Ggicago^reg anbere Beute glitcflicg z u machen," 

„Gut gemadjt, gox! ©eine ^Beziehungen zu grancis 
Garoin merben bamit nicht abgebrod)en fein . . . tariere 
ich • • • bu Iad)ft? ... 3d) merbe bie meitere Gntmicf* 
Iung mit Sntcreffc oerfolgen . . . Willft bu mid) jegt 
auf einem giuge begleiten?" 

„Gern, Georg! Aber erft mug idj mich bei bir um* 
fleiben. ©er Siegen ift burd) unb burd) gegangen. 3d) 
hätte meine Aäffe über unfere (Experimente hiar faft oer* 
geffen. 3efet mad)t fie ftd) hoppelt fühlbar." 

Sine S3iertelftunbe fpäter ftieg bie fd)nellfte giugma* 
fdjine ber Station Sftidjtung Aorb zu Aorbmeft burd) beit 
ftrömenben Aegen. Stur bie beiben greunbe mareit an 
93orb, unb Georg 3fcnbranbt fteuerte felbft. 

3e meiter fie oormärtsfamen, befto fd)mäd)cr mürbe ber 
Siegen, bis er jenfeit bcs Söalfafchfces ganz aufhörte. Sogt 
mar bie Suft gut ficgtig. Grüne gelber unb Sriften 
Zogen unter ihnen hin, mägrcnb 3fenbranbt bie Atafcginc 
auf bie göd)fte Gefd)minbigfeit fegte. SJlit etma taufenb 
jStiuibenfilometer fchog fte jegt burd) ben Atger. 

Grauer mürbe bas Grün unter ihnen, ©ie 
her Srocfengeit, ja ber ©ürre mehrten fid). 

Über einer unbcficbelten Steppe lieg 3fenbranbt bas 
gtugfegiff tief giitabgegen. 3n einer $öge oon faunt 
gunbert Bieter zag er an einem $ebel. Weüington go£ 
glaubte burd) bie Sd)eibcn ber Sabine eine gligernbe, 
floefenbe SAaffe nad) unten fallen zu fegen. (Es mar igm, als 
ob etmas auf bie giäd>c eines fleinen, beinahe ausgetroef* 
ncten fianbfees auffd)lug. Aber er mar feiner Sad)e 
niegt ficher. Sd)on gatte Sfenbranbt bie Steuerung ger* 
umgemorfen unb lieg bas gagrzeug in fteilen Spiralen 
[teigen. Schon gatte es mieber eine £>öge oon zrgn Sfilo* 
meter erklommen unb gemägrte ben Snfaffen einen 
meiten Aunbblicf . . . Sßormärts mcitgin in bie enblofe 
fibirifcge Steppe . . . Aücfmärts bis zu ben Geftaben 
bcs SBalfafcgfees unb ben dämmen ber $immelsbcrge. 

Wellington go£ gatte ben jagen Abftieg unb bas fd)nellc 
Söieberauffteigen ber Alafcginc mit Acrmunbcrung be» 
obacgtet. Scgt ftcllte 3fenbranbt bie automatifd)e Steue* 
yung ein unb trat frei in ben Aaum. 

„Was mar bas? . . . Was bebeutete bas?" 

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3n Grrcgung ftieg Wellington go£ bie gragc geroor. 
3nftin!tio fpürte er, bag etmas Augergeroögnlicges im 
Gange mar, ogne bas Was unb Wie zu miffen. 

3fenbranbt trat an bie genfter unb mies mit ber $anb 
nad) £>ftcn. 

„Sieg bort gin! . . ." 

Wellington go£ trat neben ign. 

„Was foll icg benn fegen? ... 3cg fege bort niegts!" 

„Schau!" 

„3a, mas benn? . . . Aebel . . . 3d) fege bie Stämme 
bcs Sian=Sd)an . . . 3m Aebel . . . ©ie Wolfen ftrömen 
gierger ... Sie merben immer gröger ... fte fonmen- 
gierger . . . 3utmer fcgnellcr . . . Unb jegt . . . Unb- 
jegt ..." 

Wellington go£ mar in gixgfter Grrcgung. gaft laüenb 
fatnen bie legten Worte aus feinem Wunbe. 3egt roanbte 
er ftd) zu Sfenbranbt. Gin SBIicf auf beffen Gefid)t . . . 
©as Geflcgt bes fteggaften ^almenfigen. 

^auntelnb trat er zurücf. Grauen malte fid) auf feinen 
3ügen. 

„Georg! ©u? . . . ©u! ©ein Wert ift bas?" 

Scgmeigenb niefte 3fenbranbt. 

Wellington goj lieg fteg auf einen Scffel fallen. ’Olud) 
er fprad) niegt rnegr. Gr beefte bie klugen mit ber fiinfen. 
9tur bas 3ucfcn feiner Geegten auf ber Scffcllegne oerriet 
feine tiefe Grfcgiitterung. 

Wie im 5:raum erinnerte er ftd) fpäter baran, mie bas 
giugfd)iff nod) megrere SOfale in bie ^iefe fd)og. Wie 
3fenbranbt feine ^Bomben marf. Wie Giebel, ©onner, 
SBIig unb fegmere 9legengüffe bent Wege bes giugfd)iffcs 
folgten. 

* * 

Waffenflirren . . . Slommanborufe . . . ©er Saft* 
fdjritt fleiner, aber auserlefencr gormationen. ©ie gelle 
SOtaifonne beftragltc bas Bager ber Slompagnietruppcn 
am 9torbabgang bes Sllatau. 5>on einer Übung im 
Gebirge fegrten bie Sruppen guriief. 

Slielieid)t gatte WeUington goj bod) in einer ^Beziehung 
reegt, als er einmal bie Guropcan=Settlements Gompani) 
mit ber fitbafrifanifd)en Ggartereb Gompant) bes neun* 
Zegnten Sagrgunberts oerglid). Wie biefe einft in ben 
grogen afrifanifd)cn Gebieten, fo unterhielt bie G. S. G. 
gier im $erzen ^ftens, in ben öftlicgen Seilen ber Sieb* 
lungsgebiete, ein flciitcs, aber ausgefud)tes unb fd)lag* 
fertiges §eer. 9tormalermeife nur für bie Aufrechter* 
galtung ber Orbnung unb ben Scgug ber Siebler gegen 
Zufällige Aäubercicn beftimmt. 3m Notfall aber aud) 
ber erfte ‘ißrellbocf gegen einen offenen Angriff, bis bie 
reguläre europäifdje Waffenmad)t zur Stelle mar. 

©ie mirtfd)aftlid)e Autonomie ber Sieblungsgebiete 
bebingte aud) ben Sclbftfcgug. 3m 3nnern ber Gebiete, 
fomeit fie nid)t unter ruffifd)er $ogeit geblieben maren, 
burd) eine Sieblermiliz. An ben Grenzen burd) jene 
^Berufstruppe. 

Aad)bem bie curopäifd)cn 33itrgerfriege, mie man jegt 
bie friigeren Streitigfeiten ber europäifd)en Nationen iro* 
nifeg nannte, aufgegört gatten, mar nur gier noeg eine ber 
menigen 9ölöglid)feiten, gelegentlid) Sßuloer zu riechen. 
So traf fid) unter ben gagnen ber Compagnie oiel oon 
bem alten guten Solbatenblut Guropas. 5famerabfcgaft* 
lid) bienten gier bie Urenfel berügmter europäifd)cr Becr= 
fügrer, bie einft fd)mere Sd)lad)ten gegeneinanber ge* 
fdjlagen gatten. 

©as giugzeug 3fcnbranbts lanbete auf bem giugplag 
bes Bagers, ©as Slompagniemappen, bas grog unb mcit* 
gin fid)tbar feine gianfen erlaubte es igm, bie 

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PRINCETON UNI VERSITZ 




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PRINCETON UNIVERSITY 




Seite 600 


^ i e 003 o d) e 


Kummer 2U 


ßagcrgrengcn 3 U überfliegen unb I)ier nieber 3 ugel)en. S?luf 
bie Reibung bes Wachtßabcnben dm iiagertor crfd)ieu 
ein Bbjutantbcs (Generals (Effingßam, bes Oberfttomman» 
bierenben ber Rompagnietruppcn. 3n feiner "Begleitung 
gingen fic 311 t Woßnung bes (Generals. 

Wellington $ 0 £ blieb mit bem Bbjutantcu auf beut 
Borplaß not bem öaufe 3 uriirf. (Georg Sfcnbranbt trat 
ein unb traf im Bor^immer ben Oberft oon Biilow, ber 
bem Rommanbiercnbcn als (Gcncralftabsd)cf beigegeben 
mar. BHt t)cr^lid)em Jpänbebrucf begrüßte 3fcnbranbt ben 
if)m feit langen 3aßrcn befannten Offizier, (fr mußte, 
baß ber lieber beute als morgen gegen bic (Selben oom 
l':bet gezogen l)ättc. 

Bbet bic (fntfcfjcibung bariiber lag nid)t in ben öänbcit 
bes Obcrftcn. 

„Sic roünfdjcn ben Jperrn (General 311 fprctfjcn, §err 
Sfcnbranbt?" 

Sfenbraiibt niefte. 

0er Oberft fußt fort: 

„Sd)led)t Wetter heute! 0 er hat ficf) auf feine alten 
0agc nod) ein paar Stier angcfdinallt . . . 0cn $lnöd)el 
oerrenft. Rönnen Sie 3ßrcn Befud) uicbt üetjeßieben?" 

„Bern! 0ie Sache ift oon Wid)tigfett!" 

„91a, bann tpals» unb Beinbrud)! Wollen Sic mir 
bitte folgen." 

Wellington unb ber Bbjutant Boeril £oiobalc 
faßen in ber marinen ftrüßliugsfonne auf ein paar ftclb» 
ftüßlen oor ber Baracfe bes (Generals. 0ie Unterhaltung 
ber beiben fdjleppte ficf) nur muffelig meiter. Btodjtc 
cs fein, baß ber Beridjterftatter ber Gßicago-'Bvcß allerlei 
fragte, mas ber Bbjutant aus militärifd)en (Grünbeu 
beffer unbeantmortet ließ . . . ober modjtc Bocril ßow» 
balc felbft wenig fpredjluftig fein? 

Sdjlicfjlid) tarn bas (Gefpräcß gan 3 ins Stocfen. Welling» 
.ton ftos betrachtete oon ber Seite her bas oetfd)loffene 
fCpcfid)t feines Partners, (fs oerriet ihm nod) mand)crlci 
^ü bem, u>as er bereits mußte. 0 ic Bffärc £orobalc» 
0emet) fjattc nicht allein für bic Upper ton ber Union 
Wochen ßinburd) ben (Gefpräcßsftoff gebilbet. 0ic fd)mar 3 C 
treffe hotte bas Borfommnis meiblid) ausgefd)lad)tet. 
0 ic gelbe Br eff e hotte bie Bffärc mit ber älteren äßn» 
liehen (Gefcßidjtc besfelben meißen Bbclsßaufcs gufammen 
behanbelt. 

So rnaren Wellington froj; alle Qm^elßeitcn biefer 
Affäre natiirlid) genau befannt. Bbct jeßt erft hotte er 
(Gelegenheit, ben §auptbcteiligten 31 t feßen . . . fetincn» 
3 ulernen. 

Boeril Eombalc faß immer nod) in tiefe (Gebauten oer» 
funfen unb ftarrte in bic fterne, mährenb bie fcharfen 
Ohren bes 3 onrnaliften bereits Brud)ftücfc ber Unter» 
haltung aus bem (Generals^immcr auffingen. 0ort mar 
ber Wortmed)fel inaroifdjen rcd)t lebl>aft gemorben. 

„3um Teufel mit 3ßrer (Gefpenftcrfeherci! . . . 0 as 
traurige Rirgifengefiubel l>altcn unfere (Genbarmen in 
Orbnung . . ." 

„Sic meigern firf) alfo, .^err (General, meinem (frfiidjcn 
31 t willfahren?" 

Bisher hatte Wellington 505 nur bas Boilern bes 
(Generals gehört. 

3eßt flangen aud) bic Worte 3fcnbranbts fd)arf unb 
feßneibenb an fein Oßr. 

(Einen furzen Bioment fd)icn and) Boeril ßombalc auf» 
3 ußord)cn. 

Bber er mar bas Bollern bes (Generals gcmol)nt unb 
fanf roieber in fein Sinnen ^uriief. 

„Selbftoerftänblid) rpetgere tdj inicT)! . . . 3cß benfe gar 

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nid)t baran, bic Blühen aus ben Kolonien 3^ mobili» 
ficren. Wol)in folltcn mir tommen, menn id) jebern Bb= 
fd)nittsingenicur einen befonberen Schuß ftellen muß ... 
Rirgifenaufftänbc . . . Jpumbug . . . Btadjt auf mid) 
leinen (finbruct . . fc " 

„ 0 anu bitte id) Sie, £>crr (General, bics hier 311 
lefen . . . (fs mirb hoffentlid) (finbrud auf Sic machen." 

„Was foll mir bas?! . . . Was? . . . Bollmad)tl? . . . 
Bollmad)t?l . . . 0cn Wünfcßcn bes Ingenieurs 3 feu* 
branbt ift unbedingt 0 C 3 U Iciften . . . ftolgc 
leiften!? . . 

0 ie Stimme bes (Generals mar im Begriff, fid) 311 
iiberfd)lageu. 

„ 3 d) . . . 0 er (General Cffingljaml . . . <Jolgc 
leiften . . 

0 as ftiermäßige (Gebrüll hatte aud) Bocrtl ßombalc aus 
feiner Bpatßic aufgerüttelt, (fr f)telt es für geboten, 
ben Bcriri)terftattcr ber (£ßtcago=Breß aus ber £>örmcitc 
ber Unterhaltung fort^ubringen. Bbcr feine inbircttcu 
Berfud)c ftießen auf außergewöhnliches Biditoerfteßcn. 
Wellington Jyoj: hotte oiel, 3itoicl 311 tun, um nod) mit 
gefpißten Ohren bic Antwort (Georg 3 fcnbanbts 311 er» 
l)afcf)cn. „Wie Sic benfnt, $>crr (General! Wenn Sie es 
nid)t tonnen ober wollen, mirb es ein anberer an 3h ccc 
Stelle machen." 

,denjenigen meiner Untergebenen möd)tc id) fef)en> 
ber bas magt?!" 

„öerr (General, id) erfueße Sie/ 3 h^ Äonunanbo au 
§errn Oberft oon Biilom ab3ugeben!" 

„Sinb Sie oerriieft, öerr?" 

Blau hörte, wie 3ioci Räufle brößnenb auf bic 0 ifd)* 
platte frari)ten. 

,, 3 d) bente nießt! Bitte ßier! Scfen Sie aud) öicie 
Bollmad)t!" 

Boeril 0ombalc hielt cs jeßt für angcbrad)t, feinen 
id)iocrl)örigcu (Gaft mit fünfter (Gemalt aus ber Beid)» 
weite biefes 0ialogs 311 entfernen. 

* * * 

Bis (frftcr [prang CGeorg 3 fcnbranbt aus bent Rupec, 
als ber 3ug in ben Baßnhof oon Rafcßgar cinfußr. Btit 
größtmöglicher Sd)nclligfeit folgte ißm Wellington ffor. 
0 urd) bas (Gemußt ber Bo ff agiere fud)tcn fic ben Weg 
ins Jyreic. 

„Bari) einmal, (Georg . . . 3mn xeßten Bialc. (fs ift 
ein bobcnlofer ücid)tfinu, baß bu bid) hier gcrabesmeqs 
in bic öößlc bes Sömen magft. Rann id) bas nid)t allein 
c ben f ogut a uor id) ten? " 

„Bein!" * 

Wäßreub (Georg 3 fcnbranbt gleichmäßig mcitcrfdjritt, 
traf ein cntfd)loffcner Blicf ben ^reunb. 

„Bein! 3 d) ßabc cs ocrfprod)cn . . . 3 d) halte, was 
id) oerfprad)." 

Wellington ftoj; gab es auf, weiter in ißu 3U bringen. 
Bbcr feine öanb taftete neroös nad) ber flciiten wirf» 
famen Waffe in ber Bocftafcßc. 

„Bllrigßt, (Georg! 0 tc Rüßnßeit ift 31t groß, um ,iu 
mißlingen. (Georg 3 fcnbranbt am I>ellid)tcn ^age in beit 
Straßen Rafd)gars, bem Sißc bes cßinefifdjcn (General» 
tommanbos . . . 0 as Stiicfdicn ift nid)t übel." 

Sie burd>maubcrten Straßen unb (Gaffen unb ftanbcit 
oor bem (Gartentor bes Wittßufcnfd)cn öaufes. Bber fic 
3ögertcn betbc betroffen, nod) eße fic bic (Glocfc 3ogen. 

0 ie Borßängc ßcrabgelaffcn . . . Blle 5 cn f tc ^ ocr» 
ßängt. Sd)on oon außen ein totes Büb ber Ber- 
laffcnßeit. 

(Fortsetzung folgt.) 

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PRIINCETON UNfVERSITY 








Kummer 20 


Originelle Tieraufnahmen aus Südwestafrika: ein StrauOenpaar 
mitten in der Wüste. Der Strauß hat nicht allzu viel Arbeit 
mit dem Brutgeschäft, denn der heiße Sand und die heiße Sonne 
sind getreuliche Helferinnen. Lins nach dem anderen schlüpfen die 
Kleinen aus den Eiern und blicken sich erstaunt in ihrer Kinderstube 
um, in der sie noch monatelang von den Eltern betreut werden 








Seite 692 _ S) i C <213 o et) e __ Kummer zä 



Das Bild der Landstraße 1923 


© a $ OTotorrab— t> t e neue ft e < 37lobe 

Von Martin Proskauer. — Mit vier Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha 



b unb *u entfteljt ein (öercit, bas als Sportmerfacug 
itiib ftortbemegungsmittel ber Sülcttfd) bcjttjen muß, toenit 
er fid) glircflid) füllen foll. 3u oergangenen 3al)ren mar es 
bas gaßrrab, bann rnicber einmal ber iRollfcßuf), biesmal ift 
cs bas SÜlotorrab. 3rgenbcine gel)eimnisuoIle Seßufudjt fd)ciitt 
in ber SÜlcnftfjßeit au fteefen, non bem Spuntt, an bem fic fid) 
gerabc befinbet, mittels med)anifd)er £>ilfsmerfacttge möglidjft 
fd)nell fortau- 
tommen. CDic 
rcid)cn Ceittc be= 
iiiitjen baau bas 
9luto, unb es 
ift ameifellos ein 
fdjönes Cöcfiit)!, 
bas ben Sluto- 
befifrer über bic 
übrige SÖtenfdi- 
ßeit ßiitausßebt, 
in einem meid)- 
gepoIfterten,üou 
33enaingafeit ge¬ 
triebenen ftaßr- 
3 cug fißen, laut 
au tuten, baß 
bie ftußgiinger 
entfett aur Seite 
fpriitgeit, unb 
babei au beuten; 

„3ßt tonnt lau¬ 
fen, ba l)abt it)r 
menigftcus gc- 
funbe 33eroc« 
guttg". SBerfid) 
nun teilt 9luto 
Ieiften tarnt, ton« 
aentriert feine 
glüßeubenSBütt- 
fcf)e auf ein $Jlo- 
torrab. Saft in 
jeber Straße ift 
ßcitte ein Cbe- 
|d)äft, in bem 


es foldje Saßraettgc au taufen gibt, unb bic Reiben finb barmt 
tenntlid), baß erftens um fic bcruitt ein bießtes (öebränge 
jüngerer 3ufd)auer ntcinnlicßcti (öcfd)Icd)ts, ooitt $)ofettmaß bis 
aum (£rmad)feiten, auffäUt, unb aroeitens aus biefem 3Rcnfd)en= 
htättel ober aus bem üabeit bas rf)t)tl)inifd)e, aber für tteruöfc 
Ceute unfgmpatßifdjeStlopfcn unb Gaffeln eines SOtotors ertönt, 
uttterbrodjen oont ßeftigen knallen bes Auspuffs, mas befagte 

ttcroöfefieuic au 
jette fd)önen Sei¬ 
ten erinnert, als 
bic&attbgranate 
ttod) unt bie 
näd)fte (£de ge¬ 
flogen fatn. 
bleibt man einen 
Slugettblicf fte- 
ßeit, fo Iöft fid) 
ber 9ttenfd)en» 
tnäuel in eine 
iüenge iittcr- 
effierter tntb 
tteibooller 3 u> 
feßauer auf, 
mäßrenb citt 
rußiger SDlatttt 
iimDlonteurfittcl 
einem autünfti- 
gett SDtotorrabs 
befißer bic §anb» 
griffe unb Ipcbel 
aeigt unb \ßn au 
eincr^Probefaßrt 
glcid) ßier in ber 
Straße auffor- 
bert '©alb ba- 
rauf fißt ber 
Käufer auf bem 
^Jlotorrab, bas 
ttod) eine ©eile 
toibermillig ßin= 
tcit ßeraus faueßt, 
pufft unb fpudt. 


Mir wird von alledem so dumm, als ging mir ein Motorrad im Kopf herum . . . 


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PRINCETON UNIVERSITY 




















Kummer 29 


S> <e Qfl o »c 


©eite 693 



Der rasende Willi. Die Eltern bei der zwanzigsten Runde, um das Häuserviertel: „Willichen, komm doch endlich 
'runter!“ — „Bengel, das teure Benzin!“ — Willi: „Ich kann doch nicht, ich kann den Abstellhebel nicht finden —!“ 


bann ober non bem Sfton« 
ter einen Scfjubs be-- 
!ommt unb mit bem 
Confer banonraft. ©er 
Unbeteiligte/ ber oom 
SOtatorroefen nichts ner-- 
fiegt, bentt oieüeicht, baß 
es fein Vergnügen ift, 
auf biefer gtoeiräbrigen 
Starre burcg bie ©tragen 
gu fnattem, aber er irrt 
fid), neungigmal in gun« 
bert gällen fommt ber 
Käufer gurilcf, mit ger« 
gauften paaren, mand)-- 
mal of)ne §ut, ben er 
untermegs nerioren f)at 
— es ift if)ni auch ge¬ 
lungen, in ber ©ile feinen 
Kragen mit öl unb SUtg 
gu befegmieren — trog« 
bem aber glüdftraglenb 
unb feft entfcgloffen, bie« 
jes munberbare SJtator« 
rab gu taufen. 

©as §auptoergntigeu 
für ben SRotorrabfagrer 
fommt erft ©onntag früi). 
©a pugt er unb ölt er 
fein 9iab nod; einmal \o 




gut, bann fauft er los 
unb ftopptoor bem §aufe 
ber§ergallerliebften. ©ie 
Seiten änbern fi<b eben, 
in Senebig fdjmamm ber 
3iingling in einer ©on= 
bei oor bas §aus ber 
Slngebeteten, in ber Slit- 
tergeit tarn er als flirren- 
ber ©emappneter gu 
^ßferbe ober als ©rou- 
babour mit ber Saute 
— geute fommt er mit 
tnallcnöem Sluspuff, 
brüdt breimal auf bie 
§upe, bag bie älteren 
|>errf(baflen, bie in ben 
Käufern ber Stacgbar- 
fdgaft fdjlafen, entfegt 
auffal)ren unballeJpunbe 
gu geulen anfangen; 
aber bas SJtäbcgen, bas 
cs angegt, rocig fdjon 
©efegeib, es l)ört auch 
aus ben geHenben $u- 
pentönen bie Siebe her¬ 
aus unb eilt herunter, 
bie iBcine in Breeches, 
biegügein bcrbenSeber- 
ftiefeln unb bas übrige 



Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 


Hier endete die erste Fahrt! 

















Gßitc 604 


® i e ® o d) e 


Olummcr 20 


ond) in üeber gc-- 
I)UUt. $ie Slbfabrt 
bcs Haares ift mo* 
bcrit unb liiert toic 
ebcwals, ba er ber 
©einigen galant bie 
§anb untecbtelt, ba. 
mit fte bas ©ofj be- 
fteigen fonnte; tjeute 
gibt er (Sas, ber 
SJtoior fnattert, er 
gibtnod) einmal Cbas, 
ber SDtotor borniert, 
er |d)ubft bic ^a= 
fdjine ein btRcRen 
unb bopft auf ben 
©orberfifc, Re fdjubft 
bie Ü}?afd)inc uod) ein 
bifjcbeu unb Ijopfttjin« 
ten brauf. Strablenb 
legt fte itjin bie ‘Slrme 
auf bie 6d)ultem, 
ober lucnn Tic gan^ 
fefd) ift, Rjjt Re frei 
ba, unb bc*mi fdRefjt 
bas „©cautomobii* 
ben am ©lege Reben» 
ben, trofe allebem 
neibifdjen 5 ll &Qän« 
gern biefe Staubrool« 



fen äuunrbclub — 
hinein in bie Selig, 
leit ooii beute. 

(Schluß des redak¬ 
tionellen Teils) 


Naturgewalt in Menschenhand: Ein künstlicher Blitz von zwei Millionen Volt 

Die größte Stromstärke, die je von Menschenhand hervorgebracht worden ist, wurde kürzlich bei der Allgemeinen Elek rizitäts- 
Gcscllschaft in Pittsfield (Amerika! erzeugt. Sie erreichte mit zwei Millionen Volt die Wirkung eines Blitzstrahls und wurde 
an einem tür diesen Versuch aufgebauten Miniaturdorf erprobt, das durch die Entladung in Staub verwande t wurde. Der Er¬ 
finder der Apparate für diese hochgespannten Ströme ist der Italiener baccioli, der glaubt, auf diesem Wege Kohle und Diamant 
ten künstlich hersteilen zu können. Unser Bild zeigt den Augenblick, wo der künstliche Blitz in das Miniaturdorf einschlägf 



'KEMPt 

OQUISI 


<£ctjtcc alte: 




^rhtirallfT ©rinbrraö 

LLKrrrtpr SO JJj 


fSAJFRAf 






f/Mjjuk 



ELKEMPE &C9 


AKTIENGESELLSCHAFT 


OPPACH VS, 


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PRINCETON UNIVERSITY 







„Küchenstilleben mit Selbstbildnis“, Gemälde von Max Liebermann 

Im Besitz von Prof. Dr. F. Liebermann, Berlin 


©ic ßlrnoftrung b e $ g c \ ff i g c n 2( r 6 e t f e r $ 


Son ©eneraloberargf Sr. Jlcumann^ Naumburg 


^f$T>ilfjelm Oftmalb, ber befannte (Energetifer, bcr bas 
(Vv Sd)lagmort geprägt ^at, „nergeube feine (Energie", be¬ 
hauptet in feiner geiftoollcn 2 Beife, baß ein £enbcnbecffteaf, 
alfo $u beittfd) ein 6 tiic! Senbenfleifd) imftanbc fei, fid) 
umsufeßen in geiftige (Energie. (Es ift baran gans fid) er 
etmas S ©at)res unb Nichtiges. SDtaterielle (Energie, Spann» 
traft, bie id) meinem Organismus in ©cftalt non (Eimeiß- 
probirften 3 ufül)re, muß als (Eiiüeig mirfen, muß Kräfte 
auslöfen, bie aus ben 3 dlen flammen, meld)c ber geiftigen 
Arbeit bienen. (Es müßte alfo möglich fein, bie ©efjirnfraft 
unb Nernenfraft biteft burd) Stoffe 311 hebert unb 31 t be¬ 
leben, meid)? ißrem Aufbau bienlich finb. 60 leicht fich bas 
theoretifch bertfen läßt, fo fd)mer ift bie praftifeße Durch¬ 
führung. 3ft bie Anficht bes geiftreidjen (Energeliters Oft¬ 
malb richtig, bann müßte es möglid) fein, burd) eine stoeef- 
entfpreeßenbe (Ernährung auch aus einem 3bioten einen geift- 
oollen SHenfdjen 31 t machen. Da ©eßim unb Ncroen Ce^ithin 
haben, beffeit Jpauptbeftanbteil Phosphor ift, fo erfüllt fid) ba¬ 
rmt ber alte Saß: ohne Phosphor fein ©ebanfe, unb Cesi« 
thinpräparate ftnb ja mit (Erfolg als Neroenmittel ange- 
menbet toorben. 3 <L matt fann in ber Analogie nod) einen 
Schritt tociter gehen. (Es ift eine alte Weisheit ber Nolfs* 
mebi 3 in, baß Niiffc Ncrftanb geben. Nüffe enthalten Cc 3 ithin 
unb ^Phosphor roic bas (Eigelb, es müßte alfo tßeoretifd) rrtög- 
lieh fein, burd) entjjorecfjenbe (Ernährung mit Hüffen auf bie 


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Stärfung ber geiftigen straft 31 t mirfen. Daß bie Art ber 
(Ernährung mit ben ©eiftesfräften in einem 3 u f ö ^ m rnhang 
fteht, unterliegt feinem 3tteifel; ja, Dr. 3Jlaj; Nircßer Kenner 
in 3w r id) (3)ie ©runblagen unferer (Ernährung, Verlag oon 
Otto Salle in Berlin) geht fo rocit, 31 t behaupten, baß (Er¬ 
nährung unb Seelenleben in untrennbarer 5öed)felmirfung 
ftehert. ßiegt benri nicht aud) toirflid) in ber Abenbmaf)ls» 
lehrc oon Nrot unb 9öein, bas fid) in Jlcifd) unb Nlut ncr- 
manbclt, eine tieffinnige (Einheit? £ier mirb hoch bie Dräns» 
fubftantiation 31 t einer cd)ten feelifdjen AMrtung geiftiger 
$traft, Nad) fehr mannigfaltigen A3anblungen ber Anftd)ten 
fteht bie 9Biffenfd)aft heilte auf bent Stanbpurtft, baß mir bie 
SBerttgfeit eines Nahrungsmittels nicht mehr lebiglid) nad) 
bem Simcißgehalt bemefjen. 3Bir halten hrute bie £of)Ie» 
hpbratc unb Sette für ebenfo notmenbig mie bie Niineral- 
fal^e, bie Vitamine, bie 9hitramine, bie af 3 efforifd)en 9täf)r» 
ftoffe, bie Nal)rungsftoffc mit befonberen AMrhmgen. 9ßenn 
es fid)cr ift, baß Nahrungsftoffe beftimmter Art notmenbig 
finb, bamit beftimmte 3rUen, <V bie Neroei^eHen, Nlaterial 
3 um Aufbau unb (Erfaß erhalten, fo mürbe ber geiftige Ar¬ 
beiter fid) gau 3 anbers ernähren müffen mie ber $anbarbeiter. 
(Es gilt aber h^r 3 unäd)ft einmal bas Norurteil 31 t 3 er» 
ftreuen, als brauche ber £>anbarbeitcr befonbere (Eimeißfoft 
unb fflcifd)foft. Die Annahme, baß ber Jpanbarbeiter not» 
miegenb Jleifch braucht, ift irrig. Nlusfelfraft mich grabe 

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' PRIiNCETON UNIVERSITY 












Seite 690 


® i c o cb c 


Kummer 30 


bureß ©infußr oon Hoßleßijbraten, 3urfer, SJteßl u. a. m., er» 
feßt. §ier ftnb bie Vegießungen beftimmter' Aaßrungsftoffc 
gu beftimmten ßeiftungen ber 3eÜcn betannt. Unfere Vlus- 
lelrt ooüfüßren im Aßefentlicßen unb oieUeicßt aucß gang ißre 
Arbeitsteilungen mit 3urfcr, unb bie meßlßaltigen Stoffe 
feßen fieß betanntlidj burd) bas Spttjalin bes Speidjels in 
Surfer um. Abbcrßalben, ber belannte ©rnäßntngspßijfiologe, 
fagt, baß bie 3^°u 3urfer in Sette umbilben, jo baß aud) 
aus ©imeiß 3urfer gebilbet roirb. Jür ben geiftigen Arbeiter 
roerben roir aüerbings ein gemiffes Sßliis an ©imeiß oerlangen 
muffen. ©s ift eine gang alte Vollsiibergeugung, baß bas 
Seit eine 9teroennaßrung ift. Aber bas Sett allein maeßt es 
nießt. Oas Jett liefert groar meßr Verbrennungsmärme als 
©imeiß unb äoßleßtjbrate, es ßat neun Kalorien, alfo faft 
hoppelt fo oiel als ©imeiß unb 3urfer, aber bas Jett allein 
tut es eben nteßt. ftür ben geiftigen Arbeiter finb bie Süll- 
ncralfalge, bie Stäßrfalge oon 2öid)tigfeit als ba ftnb ©ifen, 
Äalf, ^Ijospljor, Silicium, Jlitor, STali, Statrori, (St)Ior. 5Bir 
fominen eben alle nid)t ohne bestimmte 9ieigftoffe aus. Oie 
Steigftoffe, aud) ©straftioftoffe genannt, fielen ben ©enuß- 
mitteln nal)e. 3d) ßaltc g. V. Jlcifdjbrüße lebiglid) für ein 
©cnußmittel. 3ßre ^urine fteßen toieber mit ber Smrnfäitrc 
in Verbinbung, unb es ift befannt, baß eine pMrinreid)e Hoft 
mit ber eeßten unb maßreit ©ießt in Verbinbung fieß befinbet. 
So fteßt eines mit bem anberen in 3ufammenßang. 

0er geiftige 9lÄcitcr glaubt mit SHed)t, bei feiner ©rnäß- 
rung oßne biefc *Scigftoffe nidjt ausgufommen. Oee, Scßofo» 
labe, Kaffee, Äafao, Altoßol unb Oabat red)ncn gu biefen 
9ieigftoffen, bie mandje für ßujusarttfel erHären. Stotmenbig 
ftnb fie natürlidj nidjt. (Es gibt eine Steiße bebeutenber Vien« 
feßen, geiftteießer Ccute aller Art, bie ofjne biefe 9teigmittel 
ausfommen, unb Veifpiele fann jeber beibringen. Auf ber an¬ 
beren Seite aber formen aucß SBeifpicle beigebraeßt roerben, 
baß fjcruorragcnbe SJtenfdjeit oon biefen 9teignutteln ben treff* 
Iicf)ften ©ebraitcß madjtcn. (Es muß bodj in biefen ©enuß- 
mittein etroas fein. roas ben (Seift anregt, bie Seele erljebt, 
oßne bem Organismus gu fdjaben. ©s fann eben niemanb 
bie anregenbe 3öirfung ber ©enußmittel leugnen, unb mir 
merben für ben geiftigen Arbeiter f)ier gegen ben Sinn ber 
rabifalen Abftinengler um milbernbe Umftänbe bitten, ofjne 
uns ber Oatfacße gu oerfeßließen, baß es aucß oßne fie geßen 
fann. 

Sttan fann bie geiftigen Arbeiter ebenfomenig alle in 
einen Oopf merfen mie bie £>anbarbcitcr. ©s gibt fjicr eben fein 
Sdjema, unb baß bie Söiffenfcßaft fo lange am Sdjcma feft- 
fjielt, bas ift eine oon ben großen ©rnäßrungstorßeiten. ftür 
ben ipanbarbeiter feßeint bureß Jpintßebe ©ßittenben unb 
ftletcßer ermiefen, baß ber „©imeißgöße" oom Oßron geftoßen 
mürbe. Oie (Ernäfjntng bes SJtenfcßen umfaßt in ber Oat fefjr 
ocrmirfelte Oinge, unb mir moilen rußig eingefteßen, baß 
bie miffenfdjaftlidje ©runblage nodj teeßt befdjeiben ift. 
3mar entfprießt es ber (Stfaßrung, baß bas Vcbiirfnis 
naeß gett fteß als mäeßtig ermiefen ßat, unb biefe natür- 
Xidjen 3nftinfte moilen mir nidjt oeraeßten, aber mir müffen 
aucß mit gemiffen ©emoßnßeiten recßnen, bie fidj als Vor¬ 
urteil ermiefen ßaben. Oie fießre oon ber ftärfenben Sfraft 
ber ^yieifcfjbrüße unb bes Alfoßols ift abgetan. Veibe finb 
feine Stäßrmittel im ftrengen Sinne. Aber bie Anregung, 
bie fte geben, moilen mir meber oermiffen nodj gering an« 
fcßlagen, nidjt besßalb allein, meil es gut fdjmerft unb aitdj 
angeneßm ift. Oie belebenbe SBirfung berußt nießt lebiglidj 
auf einer Autofuggeftion. Oaß bas 9üfotin bes Oabafs audj 
einen geiftigen (Einfluß ßat, unterliegt feinem S^eifel. (Sine 
Bigarre fann eine Vlaßlgeit erfeßen; fie ßat fidjer audj fee» 
lifdje SBirtungen, unb es ift gang ridjtig, mas ein geiftiger 
Arbeiter oom Oabaf fagte: „3cß arbeite geiftig nur bann, 
menn icß raudjen fann, unb bamit icß raudjen fann, muß icß 
geiftig arbeiten unb mir ben Oabaf oerbienen." 2)tand)C 
merben aüerbings aUe Vaufcßgifte in Vaufdj unb Vogen ra- 
bital oerbamnten. 9lbcr mir bürfen nidjt oerfennen, baß fteß 
in ben ©cnußmitteln körperliches unb Seclifcßcs beriißrt. 
Sie ßaben eben einen nidjt gu oernadjlöffigcnben (Einfluß auf 

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bie 9taßrung, unb bas ©cdjfelfpicl groifeßen ©efeßmarf unb 
9täßrmert ift bauernb. 9)lan ift feinesmegs bereeßtigt, eine 
aügu feßarfe ©renge gu gießen gmtfdjen bem geiftigen Ar¬ 
beiter unb bem Jpanbarbciter. Oie mannigfaeßen Vcrfucße, 
mie fic im fieipgiger Jnjgienifrßen 3nftitut ber Unioerfität an- 
gefteüt morben ftnb, ßaben nießt ermiefen, baß funbamentale 
llnterfdjiebe befteßen, bie eine feßarfe ©renge bereeßtigen. 
Oie Üntcrfucßungen ftnb gufammengefaßt in bem Vudje: 
„Sparfame ©ritäßrung" oon £>inße unb Sprofcffor 

^rufe (Oresben, Verlag bes ippgienemufeums). ©s liegt in 
ber 9tatur ber Sacße, baß ber geiftige Arbeiter meßr An¬ 
regungsmittel für fieß braueßt als ber £anbarbeiter. Auf 
eine Verbefferung ber ßebcnsßaltung ßaben beibe Aitfprucß, 
jeber naeß feiner Art. Oie (Eingeierfaßrungen feßlen uns nodj. 
Oaß es eben nießt bie Quantität, fonbern bie Qualität ber 
9taßrung unb ber gu ißr geßörenben ©enußmittel maeßt, 
ift eine gang alte (Erfaßrung. (Es ift g. V. nteßt gleich, ob icß 
ein ©las 9taturmein ober ein ©las Sd)naps als 5 u fel gu 
mir neßme. 3öie im Vtusfel bie ©rnäßrung bureß Vilbung 
oon Viusfelfäure entfteßt, fo bflben fteß audj in ©eßirn unb 
Sternen (Ernäßrungsftoffe. 9)tan braueßt nid)t aües gu unter- 
fehreiben, mas ber Amerifaner VicCann in feinem Vucße 
„Äulturfiecßtum unb Säuretob" barlegt, beffen bentfeße Ve- 
arbeitung Or. oon Vorofini beforgt ßat, unb mirb miffen 
müffen, baß 9)tc©ann oon grotesfen Übertreibungen nießt frei 
ift, aber mas er oon ben „gut ausbalangierten Speifcfolgcn" 
fagt, bas bürfte für ben geiftigen Arbeiter paffen. (Er ift 
naeß feiner gangen Veranlagung leib-er nießt geneigt, fieß im 
Stoffmecßfelgleicßgemidjt gu ßalten. Oie aufgefteüten koft- 
fäße begogen fieß bislang immer nur auf bie Jpanbarbeiter. 
V3crben mir für ben geiftigen Arbeiter gu einer $toftorbnung 
gelangen, bie feine fieiftungsfäßigfeit gcroäßrleiftet unb ißn 
oor geiftiger (Ermübung feßüßt? Oas finb fragen, melcße 
ber ßöfung ßarren. Audj bem geiftigen Arbeiter broßt bas 
©efpenft ber Unterernäßrung. Als es uns noeß gut ging, ba 
naßm niemanb Anftoß an ber fiujusernäßrung, unb ßcute, 
mo bie Staßrungsforge uns aüe ergreift, neigen mir naeß bem 
anberen (Sstrem unb fiirdjten bie Unterernäßrung. Oie Angft 
oor ber Unterernäßrung, fagt Or. Virdjer Venncr, ift gu 
einem großen Ocil bie Spiegelung einer oiel tiefer gelegenen 
Seelenangft. Sie ift eine Sdjmefter ber Vcrarmungsangft, 
befanntlidj eine meit oerbreitete Vfüdjofe. 3u beftimmten 
©efeßen für bie (Ernäßritng bes geiftigen Arbeiters merben 
mir nießt fo halb gelangen etma in bem Sinne, bas mufK 
bu effen, menn bu bir beine geiftige Spannfraft erßalten 

miÜft. 9tun lebt aber ber geiftige Arbeiter nidjt bloß oon ber 
Slaßrung, bie er gu fidj nimmt. Oie meiften ©eiftesarbeiter 
foüten oom ^anbarbeiter etmas lernen, nämlicß förperlicße 
Arbeit. Oer geiftige Arbeiter ift in ber Siegel ein Stuben» 
ßorfer. körperliche Arbeit liebt er nidjt. Sic ift aber gerabe 
ein moßltätiges ©egengemidjt gegen bie ©efaßren einfeitiger 
geiftiger Arbeit. 3 u r Vlorgcntoilctte bes geiftigen Arbeiters 
geßört unbebingt bie fieibesübung unb ber täglidje 

Spagiergang. Oer ©ang gum Viiro, gur (Ermerbs* 
ßößle genügt nießt. Stjftcmatifcße Äörpcriibungen, fei es 
3immergijmnaftif ober ßuftbab ober Sport ober angemanbtes 
Our neu finb abfolut notmenbig. SJlan muß bamit natürlid) 

früß anfangen, unb bie ßcibesübttngen für bie ßeranmadj- 

fenbe geiftige 3ugenb ftnb notmenbig mie bas täglidje 
Vrot. Oer alte Saß mens sana in corpore sano t ber ge- 
funbe ©eift im gefunben Körper, entßält mirtlidj bie Quint- 
effeng aüer ipijgiene. ©erabc ber geiftige Arbeiter ift oon 
ben ©efaßren ber ©efunbßcit bebroßt unb foüte in ber Sorge 
für bie Harmonie ber förperließen Verridjtungen bas SJlittel 
feßen, bem ©ciftc bie Oafcinsbebingungen gu fdjaffett, bie im 
fdjönen Körper aucß bie fdjöne Seele finben laffen. V>ir 
fpreeßen ßeute oon einer ©ugenif, einer ßtjgienifdjeit ffort- 
pflangung. ipinauf foüt ißr eudj pflangen, ßat ftr. 9Ueßfcße 
gejagt. §icr ßat ber geiftige Arbeiter eine 3ufunftsaufgabe, 
burdj beren (Erfüümtg er feinem Volte unb bem ©angen 
bient: er foü geiftiger f^üßrer fein in aüen ©efunbßeits- 
fragen. ©r foü aüen ein Vcifpiel fein. 

Original fro-m 

PRIiNCETON UNIIVERSITY 



Kummer 30 


Oie *33 o <ft t 


6citc 697 



‘Das! neueröffnete 
Äant * 3 i m m c r 
tn Äontggbcrg 

3 n bi’r irrigen SÜmigsberger 6tnbl- 
bibliotbct, ber alten Hlberlus-Uni* 
ueriität (Hilb in ber iDUttc), n)o ber 
berühmte Hbilofopb fange Bett ge¬ 
lehrt bat, ift vom "JOlagifträt etn ilant; 
3immer eingerichtet morben, in bem 
alle erreichbaren Reliquien, öaitb* 
fcfjriftcn, Hiicbcr, Hüften unb Hilber 
bcs großen ©entera gefammelt mer- 
beit follen. 'Jluf bem Hübe linto 
oben fel)cn mir über ber Hitrine in 
ber "ITCitte bas J\ant*Hortriit, bejs 
Hecfer gemalt bot/ red)ts ein Kant» 
Hilbnie, bas non einem nnbetannten 
SDlaler etma aus bem 3abte 1785 
ftammt. ©as Hilb rechts oben *eigt 


ben Gdjreibtifd), an bem ber 
fopty feine unfterblidjen "Berte ge« 
febrieben bot; in bem ©laetaftcn 
ftebt Äant’s ©otenmasfe unb bec 
©ipsabgufj feines Sdjiibels. 


3u gleirficr $eit I)ot bas Slaifcr» 
$nebrid)*"JÖUifeum in "Berlin bie le* 
bensoolle Slant*Hüfte ermorben, bie 
Gmanuel Harbou 171)8 gefdj affen 
bat (fipbe bie beiben Hbbiloitngcn 
unten). Harbou, ein geborener Has« 
ler, mar feit 1775 "Dtobelleur an ber 
Herliner fgl. Horjellaumanufattur. 
Cfr bat b»er ben 74iäbrigen Hhtlofo» 
pben bargcftcllt, beffen Cöenius an bie 
"ilbbanbliing „Hon ber "Dlad)t bes 
©emüta, biird) ben blofcen Horfatj 
feiner frantboften ©efiible üReifter 
,ui fein" bie letzte öanb gelegt batte. 


Digitized-by Go». 'Sie 


Original frtfm 

PRINCETON UNIVERSITY 


























Seite 698 


3) t t QS o 6 e 


Stummer 30 



^ünefmer 

£urnfeft 

Mit fünf photographischen 
Aufnahmen 

® as 13. §eutfd)e Zivcn* 
feft in 3JUtnd)cn man 
fid)cr bic gewaltigfte unb 
eigenartigftcjeierlidjtcit, bic 
bic fdiöite, gaftlidje Stabt 
au ber 3fcir mit ßeben unb 
Colanj erfüllte. 2Ius allen 
Clauen, aus ben l)eute be* 
festen unb getnedjteten 
^aubcsteilen, ja felbft aus 
feruften llberfee = (£>egenben 
waren bie foeerfcbarcu ber 
beutfd)en Turner uad) 
9)tiind)en gefommen unb 
mit il)ncn ^Ibertaufcnbe t>on 
Sdjauluftigen, bie Beuge 
ber feltenen ftefilid)teit fein 
wollten, um einmal ber 
nagenbeu SRot ber &\t ent* 
riidt ,ui fein. *31bcr bas 


Auslanddcutschc 
im Festzug 

Phot Hoff mann 


im Oz>al: 

Dem Andenken der 
Gefallenen 
Um 12 Uhr gebot Ka¬ 
nonendonner dem Fest¬ 
zug Halt. Die Trommeln 
wirbelten, die bahnen 
senkten sich, und während 
die Glocken der Münch¬ 
ner Kirchen läuteten, 
sangen 300 000 Turner 
„Ich halt' einen Kame¬ 
raden" Phot Hoff mann 


Unten: Freiübung 

von 36000 Turnern 

Phot. Atlantic 



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Original from 

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Kummer 30 


SieJB o d> e 


6citc 6ö' 





Der Fahnenwald: Aufmarsch der Turner auf der Thcresienwiese Phot. Atlantic 


einenbe s Banb, bas alle, 
bie ©ebenben toic bie 
Otebmenben, umfd)lang, 
mar bie begeifterte Ein¬ 
gabe an bas ©efcbid 
S)cutfd)Ianb3,ber frei unb 
madjtüoU fid) äu&ernbc 
Cölaube, ba&©eutfd)lanb 
roieber l)eraiisgefül)rt 
toerben roiirbe aus beni 
©untel ber Otacbt, bas 
beute fo fdjtoer auf ben (Ge¬ 
mütern Iaftct. 3)ie beut* 
fd)e Surnerfdj.ift rnirb 
an ihren alten 3&ealcn 
feftl)alten; Tie roirb ber 
beutfeben 6ad)e beburd) 
am beften bienen, bafo 
fie in einem gefunben 
Körper Selbftbif^iplin, 
^öaterlanbsliebe, Breite, 
Opferfinn unb Eingabe 
an alles ©ute unb ©abre 
als bie £>aupttugeuben 
pflegt, bie beute allein bie 
©ntuntflung jum Seffent 
förbern tonnen. S, 

Blick auf die Tribünen: 
Bei sengender Sonnen¬ 
glut erwarten Zehn¬ 
tausende Schaulustiger 
den Fesfzug Phot. Atl mtie 





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Original frörri 

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Seite 700 


Kummer 30 


3) \ e <20 o d) e 



Ofe Sranäofcn at£ ,3J?ei'fferfaf>rer 

3<)re Xelfhingen im ß 5\ufjrgcbict 


Lokomotive eines Regie¬ 
zuges in der Treppenhalle 
des Euskirchener Bahnhofs 

Q^ye offiziellen franzöftfdjcn 
Mitteilungen über öic 
Srfolge bes im Ohthrgcbiet ein¬ 
gerichteten (Eifenbabnregimcs 
fucf)en ben (Einbrucf z» er- 
mecfen, 0 als fei bas auf beut 
Rapier errid)tetc Regime ein 
Mufter beroorragenber Orga- 
nifationslunft, eine Bebörbe, 
bie in fdjärffter Disziplin ltnb 
mit oollcn (Erfolgen malte. 
3u 2Birtlid)feit liegen bie 


Links, rack- und Personen¬ 
wagen nach einem Unfall 


•Dinge umgetebrt. (Eine offi» 
Ziehe franzöfifd)e Agentur 
ncrbreitetc eine Rechnung 

über bie (Ergcbuiffc ber 9legie, 
nad) ber bie 3 a bi ber SHeifen» 
ben mit 3ügcn ber franzöp* 
fdien Oiegie 55000 ^erfonen 
„crreid)t" habe. dagegen 

finb in ben meftlicbeu, beute 
befehlen (Eifenbububczirten 
im 3)urdjfd)uitt bes 9icd)-- 
nungsjabres 1921 runb 
000 000 gubrlarten täglich 
uertauft morbeit, mo= 

- bei nod) alle &\U, 

3Bod)eit* ufm. harten 
nur einfad) geredmet 
finb. Unb bie Bot» 
arbeite bie bas fran» 
zöfifd)c unb belgifdje 
Militär für bie nad)= 
folgcnben Sedptiler 
gelciftet bat ! Sic 
| mar fo griiublid), 

I baß au eiueu ge» 
orbneten mirtfrijaft» 
lidjeit '‘Betrieb in ab« 
febbarer 3eit über» 
l.aupt nicht gcbad)t 
m er ben ionnte. SMnf 
einer großen Beiße 
oon Bal)nl)öfen finb 
rcd)t grobe unb oer» 

1 ectcube (Eingriffe 
n bie Stellmcrlc oor* 
renommen unb babei 
bie Selcgrapbcn», 
Jyerufprcd)-- unb Be- 

Links: Hihrer der 
französischen Regie 
vor ihren Werken 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 


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Personenzug gegen Güterzug (Block Königsbach) 


leudjtungsanlngeu in 
einer 9lrt ^erftört wor¬ 
ben, bie ju ber 91 h* 
nannte nerleitet, ber 
granaofe glaube in 
6palen unb <5pit^^acfc 
bie geeigneten 2Bert- 
j^euge aur ‘©etjanblung 
biefer feinmed)anifd)en 
Slpparate gefunben au 
fjaben. 3)af)er bie 
aal)llofen unb meift 
fef)r fegweren Unfälle 
biefes „(Eifenbafyn- 
3iöilbetriebeö". Äaunt 
ein spreUbocf ift oor 
franaöfifdjen 3 il 9 en 
fidjer, ifnb bie 3<*bl 
ber Unfälle — non beuen 
auf beutfcfyer 6eite befannt 
Sie beigefügten öraftifd)en 
tönnte man in ber jafjrt 



Französischer Aufräumungsdienst (Bahnhof Brühl) 


naturgemäg bei weitem nid)t alle 
werben — gel)t in bie ipunberte. 
^Bilöer fpredjen für fid) felbft, faft 
mit einem franaöfifdjen Sftegieaug 


eine neue SRetfjobe bes 
6cIbftmorbes erbliden* 
$)as ^Regime weig 
bas unb fd)ämt fid). 
Staunt finb a^ei 3üge 
aneinanbergepraüt, fo 
wirb fofort bie Unfall» 
[teile in weitem Um¬ 
fang burd) basSDtilitär 
ber <£inbrud)smäd)te 
abgefperrt SRadj rechts 
ober littfs in bieSamm» 
gräben wirb bas ae*® 
borftene SJlaterial ge» 
wälat, um bie Strecfe 
freiaumadjeti, bie trog» 
bem oft tagelang ge» 
fperrt bleibt Söodjen» 


lang erinnern bann nod) bie umfjerliegenben SrÜmmerfelber 
an bie Stiftungen bes belgifd)=franaöfifd)en (Eifenbafjnregintes, 
beffen Säten bie gaitae 53eoölferung bes SRfjein» unb 9tuf)r» 
gebiets in bauernbem SUnbenten bemalten wirb. S. 



Gesperrte Strecke! 
Auffahrt eines Per¬ 
sonenzuges auf einen 
Trümmerhaufen, der 
durch einen Güter- 
^ zug-Unfall ent- 
standen ist 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



Geil* 702 


e 


Kummer 30 


© i c 


© o d) 



Ein freudiger Augen¬ 
blick: Briefe von Hause 

* 

iw Oval: Blick in 
den Ausgabesaal einer 
Wirtschaftsbaracke. 
Die Frühstücksporti¬ 
onen für 3000 Kinder 


Unten • Kinder, die 

tuberkulös verdächtig 
sind, beieinerLiegekur 


£tcf)t unö £uft 
für Die 3 u g e n E» 

Qluei juDDeutfcfjcn Ätnberbctmen 

3 n bem miirttembergifchenftlectcn 
foeitberg bet Tuttlingen unb in 
bem Ort ‘©egfeheibe bet 93ab Orb 
tu §effen--9taffau fittb ftiubcrhcimc 
eingerichtet roorben, bie fiir bie 
erholungsbcbürftige 3ugenb be* 
ftimmt fittb. Oie £>eimftätten befin* 
bett fiel) auf bett früheren Trup- 
pcnübungspläfceu itt ber ^ät)c ber 
genannten Orte, Um bie teuren 
Reitanlagen *u fparett, h at man 
itt praftifd)er 2öeife bie '©ararfen, 
bie einft Mtr Unterbringung ber 
Truppen bienten, tttoberit ausgebaut 
und mit allen nötigen gefunbheit« 
liehen (Einrichtungen oerfehen. 6o 
ift für bie SUnbcr in jeber Uöetfe 
aufs befte geforgt. 

Aufnahmen von 
J. Graudenz 


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% 


ÜWIWlr vpm 


ERÖFFNUNG 

DES 

* 

Oben :0 Blick auf 
den Hafen 
Der Hafen hat einen 
Flächeninhalt von 45ha, 
eine Kailängc von 
2800 Meter und eine 
Mittelwasscrtiefc von 
7 Meter Phot. Heplcc 


FLENSBURGER 

HAFENS 

❖ 

Im Oval-. Reichs- 
ininister Oeser (1), 
Ob.«Bürgermeister 
Todsen (2) und 
Handels = Minister 
Siering(3)besichti- 
gen die neuen An¬ 
lagen Phot. Hcpke 


wummmsA 


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Gelt* 704 © t e ® 0 4 c 9luntim>t 80 



Phot. Dührkoop thot. Andersen 


Direktor James Birnholz 

Mitglied des Vorstandes der A. E. G., 
wurde zum Dr.-Ing. h. c. der Technischen Hoch¬ 
schule in Darmstadt ernannt 


Graf Robert Douglas 

dem wegen seiner Verdienste um die badische 
Landwirtschaft von der Heidelberger Universität 
der Titel eines Ehrendoktors verliehen wurde 


Daniel Schmakeit 

wurde zum königlichen bulgarischen Konsul 
in Königsberg ernannt 

(Aufnahme während seines Berliner Aufenthalts 



Links: 

Geheimrat Prof. Dr. 
Max von Gruber 

der berühmte Münchener 
Hygieniker feierte seinen 
70. Geburtstag 

* 

Rechts : 
Geheimrat 
Bruno Wedding 

ist als außerordentlicher 
deutscher Gesandter und 
bevollmächtigter Minister 
zum Leiter der diploma¬ 
tischen Vertretung in 
Reval ernannt worden 




ä 


Dr. Ernesto Fricke Lemoine 
der neue bolivianische Geschäftsträger 
in Berlin 


Erzbischof Dr. Soederblom, Upsala 

Ehrenbürger der Universität 
Halle-Wittenberg 


rrot. Dr K. W. Wagner 
wurde zum Präsidenten des Telegrs 
technischen Reichsamts ernannt 


' Original from 

PRtNCETON UNIVERSITY 


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Kummet 30 


© { c TO o 6 e 


6cite 705 




Verlag helamann thol Loboda 

Die Oberkommandierenden der roten Armee; Muralow und Trozki 

NEUE BILDER VON DER PARADESTADT MOSKAU 


Ansprache Trozkis an die rote Armee in Moskau anlässlich einer Parade 


Verlag htldmann 


thoL Loboda 


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. Original from- 

PRINCETON UNIVERSITY 






















(Beite 706 


0 t e OB o cft e 


■«fW 1 

Kummer 30 




Die deutsche Flugindustrie hat in Brasilien einen grossen 
Erfolg errungen. Von den Dessauer Junkers-Werken wurde 
in Rio de Janeiro das erste Flugzeug vorgeführt, und zwar 
an der wunderschön gelegenen Bucht Botafogo, vor dem 
Gebäude des dortigen Kegattaklubs, das in liebenswürdiger 
Weise zur Verfügung gestellt worden war. Vor den Probe¬ 
flügen des Wasserflugzeuges vereinigte ein zwangloses 
Zusammensein die zahlreich erschienenen Vertreter der bra¬ 
silianischen Regierung und Wirtschaft und der deutschen 
Kolonie. Es wurden neun Flüge ausgeführt Während der 
Vorführungen konzertierte eine Militärkapelle,und mancher 
Trinkspruch auf das Wohl der beiden Länder wurde ge¬ 
wechselt Die deutsche Flagge hatte sich zum ersten 
Mal über Rio de Janeiro gezeigt Phot. Zentropa 


Unten : Gruppen¬ 
aufnahme der Teilnehmer. 

1. Verkehrsminister Dr. Francisco 
de Sä, 2. Dr. Carlos Faria Sonto, 
Vertreter des Justizministers 




Das deutsche Wasser¬ 
flugzeug der Junkers- 
Werke nimmt in Rio de 
Janeiro Fahrgäste an Bord 


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Gougle 


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PRINCETON UNIVERS1TY 








Kummer 30 


© I e 3$ o 6 t 


Seite 707 



Schlußbild Demetrius (Otto Blumenthal) und Zarin Maria (Else DalandsJ 
Entwurf der Bühnendekoration Anton Oldenburger 

URAUFFÜHRUNG VON ALBRECHT SCHAEFFERS DEMETRIUS-TRAGÖDIE !M AACHENER STADTTHEATER 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




































Seite 708 


i 


Kummer 30 


© I e <28 o 6) t 



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Original frorn 

PRINCETON UMIVERSITY 


Generalprobe in der Hundstagshitze 

(Schillers „Räuber“ im Berliner Central-Theater) 

Oben Bei 34 Grad im Schatten. Die Darsteller vor Beginn der 
Generalprobe. 1. Alexander Granach (Franz). 2. Heinrich George 
(Karl), 3 Robert Taube (Vater Moor), 4. Marija Leiko (Amalie) 
Rechts : Eine eigenartige Aufnahme. Keine Meisterringer, son¬ 
dern „Karl und Franz Moor oder das zärtliche Brüderpaar“ 
Unten Karl Moor (George) und sein Bruder Franz (Granach) auf 
der Kostümprobe 

Hervorragende Berliner Schauspieler haben sich zusammengetan, um den allerorts 
völlig verkitschten Sommerspielplan künstlerisch aufzufrischen. Als erstes Stück 
brachten sie eine befeuernde Aufführung der „Räuber“ heraus, mit der sie viel Bei¬ 
fall ernteten Bei den Proben machte sich allerdings die Hundstagshitze so stark 
geltend, daß sich Räuberhauptmann Karl Moor und die Kanaille Franz nicht an¬ 
ders retten konnten, als ihre weltberühmten Rollen in Badehosen zu sp eien 


I 

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(äfm# ta# ^fel^ingk^üban 

Äoman oon 3£arts Dominikj 

8. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H. f Berlin 1923. 


9ftit einem cnergifdjen 9iutf rifj ° n bn Älingel. 
Sange 3eit festen nietnanb gu Ijören. (Enbltcf) öffnete flcf) 
ein 6 palt in bem maffioen $or. ©as ©efic^t bes alten 
djineftfdjen SBoijs fam gum 5>orfdjein. 

„£>err Wittljufen?!" 

Wellington $05 [teilte bie ftragc, mäljrenb er gleidj* 
zeitig ben Suß in &ie Sürfpaltc fdjob unb mit einem 
fräftigen ©djulterbrutf ben fjlügel fo rneit gürüdbrängte, 
bajj fte cintreten tonnten. 

„$err Wittljufen ift nid)t gu §aus?" 

3 um groeitenmal unb nod) bringlidjer fragte < 50 %. 

©er ©fjinefe fdjüttelte oerneinenb ben £opf. 

„Unb gräulein Sß 3 ittf)ufen?" 

©as ©eftdjt bes C&elben fagte meljr als Worte, 

„Wo ftnb fte f)in?" 

Sfenbranbt mar auf ben ©eiben gugetreten. ©er fcf)iit* 
telte nur ben Slopf unb machte ratlofe ©ebärben mit ben 
£änbcn. 

Wellington fdjob ftd) gmifdjen ©eorg Sfenbranbt 
unb ben 93op. ©ine 9iote oon Ijofjcm ©epräge rafdjelte in 
ber ^yauft bes ©eiben unb oerfdjroanb gauberfjaft fdjnell 
in ber faltigen SUeibung. 

„Wo ftnb fte f)in?" mieberljolte fyoj;. „$&ann ftnb fte 
abgcrcift?" 

©er ©elbe friimmte ftdj oerlegen, ©eine $änbe tafteten 
naef) ber ©teile, mo ber ©djein tniftertc. 

„Wofjin fte ftnb, fjofjer $err . . . §ui=gdng tDciß es 
nidjt . . . ^orgeftern abenb in ber geljnten ©tunbe 
tarn ein $luto oorgefaljren. Smti Offiziere fliegen aus 
unb gingen gu bem öerrn . . . Unb bann . . . ©ann 
tarnen fte toieber heraus . . . HJlit iljnen ber £err unb 
fjräulein 9flaria fteoboromna unb . . . fliegen gu» 
fammen in bas Sluto . . . unb fuljren fort." 

„Woljin ftnb fte?" 

©eorg Sfenbranbt Tratte ^05 beifeite gcfdjoben unb 
ftanb oor bem ©fjinefen, ber ftd) unter feinem SBlicf gu» 
fammen friimmte. 

„Wofjin? . . . SBei ben ©eiftern beiner Wjnen!" 

©as gelbe ©eftdjt nafjm einen grauen ©djein an. ©eine 
klugen gingen an benen ©eorg Sfenbranöts unb tonnten 
nidjt los baoon. ©ann fanf er in bie Änie unb Ijob 
befcfjmörcnb bie §änbe. 

„Sdj meifj es . . . nidjt . . . fjofjer §errl 3 d) roetß 
es nidjt." 

©eorg Sfenbranbt taumelte gurüdf. Siefaufatmenb be* 
beefte er bie klugen mit ber 9ied)ten. Wellington 505 
fragte: „§at ber §err ettoas Ijinterlaffen? ... 93efefjle?" 

„9Iein! 9tid)ts . . ." 9tadj einer Weile fam es gögernb 
non ben Sippen bes ©eiben.. 

„©eftern in ber fytiilje mar 9Jir. ©ameron Ijier. ©er 
fagte, ber öerr ift oerreift unb fomrnt oorläufig nidjt 
toieber. Seber 9lrtn, ber etroas aus betn $>aufe nimmt, 
* toirb abgel>acft. SDtr. ©ameron Ijat alles oerfdjloffen . . . 
I;at alle ©d)lüffcl mit ftd) genotitnten . . ." 

9Us ber 9taine „©ameron" fiel, guefte Wellington 50.5 
gufammen. 

„Sft 9flr. ©ameron nod) in Slafdjgar?" 

„ 3 d) meifc nicht . . . ©idjer ... 3 dj glaube . . ." 

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©er ©elbe manb ftd) unter ber $rage, mäljrenb ifjm 
Wellington ©ort für Wort abrang. 

©eorg 3fenbranbt fufjr bagmifd)en. SDRit ber 9ted)ten 
I>atte er bas ©emanb bes ©eiben an ber 93ruft gepadt 
unb fdjüttelte i^n mie ein 93unb gliden. 

„Wo ift 9)tr. ©ameron?" 

„©er ©iener fagte, fein §err märe . . ♦" 

„Wo ift Sötr. ©ameron?" 

„ ... in ^efing." 

SOtit jäl)em 9tud marf ©>corg Sfenbranbt bas taumelnd 
©tmas in einen Winfel. 

„Homm mir Ijaben f)ier nidjts mel)r gu tun!" 

JJaft medjanifd) fdjlugen fte ben Weg gum ^Baljnljof 
ein. iDUnuten ^inburd) gingen fte ftuntm nebenetnanber 
Ijer. ©ann bracf) Wellington fjoj bas ©djmetgen. 

„Was tun?" 

©r erhielt feine Wttmort. ©0 fprad^ er felbft meiter. 
„SJUfo nad) ^3efing!" 

„Wer?" 

'' 3 d)! . . . mt bem nädjften ^oftfdjiffl" 

„©u mollteft?" 

„©elbftocrftänblid), ©eorg! SMn ber Quelle ift am 
meiften gu Ijolen. ©er felige Sßinferton foll fid) oor 
SReib über meine ©rfolge nod) im ©uabe umbreljen! 
©iefer ©ameron ift jetjt ein boppeltes Sagbobjeft für 
ntic^. 3 ^ merbe iljn finben . . . unb if)m bas $anbmerf 
legen . . . Was mirft bu tun?" 

©eorg Sfenbranbt fdjmicg. 

,, 3 d) mürbe bir raten, eine oertrautc ‘ißerfon auf bie 
©puren ber 9 }ernüf 3 ten gu fe^en. §aft bu nähere SBc=« 
fannte in ^afd)gar?" 

Sfenbranbt fdjüttelte ben ^opf. 

„%>in, 505 !" 

„©Iaubft bu beinern ©iener $lljmeb trauen gu fönnen? 
©r ift bodj ©fdjungane." 

„^Ijincb? ©r ift treu. Sa! 3t)n merbe id) fd)iden. 
©ut, ^ 05 ! Wann miüft bu fahren?" 

„©ofort!" 

„©ein ©epäd? . . . ©eine ©adjen?" 

„®ie liegen gut im ftogart*§aus. 3Jiit bem näc^ften 
^oftfdjiff." 

„ 5 os . . . bu guter fyreunb . . . bu mcifjt immer 
9tat . . . bu mirft mir 9iadjrid)t geben . . . aud) oon 
ber fleinften ©pur." 

©inen Sdtoment ftanben fte ftd) §anb in $anb gegen¬ 
über. 

„ftrifdj auf, ©eorg!" 

„£alt! 9to^ eins!" 

©eorg Sfenbranbt griff in feine $afd)e unb fjolte eine 
fleine ©lasröljre Ijeroor. 

,,©u fontmft md) geling, ©u mirft morgen friilj 
bort fein. Um bie SOfiittagsftunbe mirf bies Ijier oon 
irgenbeitter 53riide ins Waffer!" 

Weüington gog lieg bas ^töljrdjen in bie 5afd)e gleiten. 
,,9tod) etmas?" 

„Sa! Seoor bu es mirfft, mujjt bu ben Torfen öffnen. 
9lber aud) feine ©efunbe früher. Vergiß bas nidjt. 
©enfe an beine ©rfafyrungen an ber ßaminel"- 

Original ftom 

PRINCETON UNIVERSITY 



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0 i e gB o (6 c 


Kummer 30 


„©er Simmel ßat feinem erlaubten SoI)n bie S>e-- 
funbßeit miebergegebeit. ©ie oollenbete Weisßeit ift 
genefen* Sdjitfu, ber Su>angti, ber §erc unb .^aifer 
fef)rt in feine Refibena ^uriief." 

Seit 24 Stunben I;ieit biefe Racßricßt bie Remoßner 
^efings in Eltern. Seit ben frühen Rlorgenftunbeit be= 
gannen bie Rolfsntaffen aus bem Stabtinncren ßinaus* 
auftrömen unb bie Straße au umlagern, bie non Sd)eßol 
nad) ^ßefing füßrt. 3 U Sunberttaufenbcn umfäumten 
fie bie breite fianbftraße, lagerten ßier unb bort in 
Obruppen, begannen bie niitgebracßten fiebensmittel au 
oeraeßren unb befeßmaßten bas beoorfteßenbe (Ereignis, 
ben Sinaug bes miebergenefenen Stoifers auf ißre Rrt. 

©ie Stunben oerftrid)en bariiber. Sößcr ftieg bie 
Sonne unb näherte fid) ißrent l)öc^ften Staube, ©rüdenb 
ßeiß raurbe ber Rtaitag, unb bie Sünbler, bie mit Sr* 
frifd)ungcn erfeßienen, fanben reißenben Rbfaß für ißre 
Ware. 

Um «bie ^roölfte Stunbc marinierten oon ‘ißefing ßer 
auf ber fianbftraße bie (Farben bes Sdjanti ßeran. Racß 
Rusbilbuttg unb Rusrüftung Slitetruppen. ©ie an* 
marfd)ierenben Regimenter fdjmenften mit «ber ^räaifion 
eines Ußrmerfes nad) red)ts unb Iinfs gegen bie Straßen* 
ranber aus, brängten bie Rlenge, forneit fie bie Straße 
noeß befeßt ßielt, über bie Stäben au beiben Seiten &\u 
riid unb bilbeten einen gufammcn^ängcn^cn, non 
Rajonetten ftarrenben ftorbon. 

©ie Straße mar jeßt ßermetifdj abgefperrt. ©ie 
Rknge, aur Seite gebrängt, breitete fid) über bie gelber 
aus unb fud)te erl)öl)te fünfte, oon benen aus über bie 
Slöpfe ber abfperrenben Sarben ßinmeg möglid)ft oiel 
oon bem fomntenben Sdjaufpiel au feßen fein mußte. 

(Es maren nur feßt menige Weiße in ber Rlenge au 
feßcit, unb aud) biefe Wenigen fjielten fid) ftarf ^ueiief. 
(Es mar nid)t angebradjt, in biefer fanatifd) erregten 
Riaffe Ruffeßen %u erregen, benn nur allau leidet 
tonnten bie Rolfsleibenfdjaften esplobieren. 

Ruf einer fleinen Srßößung in einer gelben Sruppe 
ßatte Wellington fto£ feinen ^laß gefunben. ©ort ftanb 
er, martete unb faß, mie plößlid) Remegung in bie Rlenge 
tarn. Wie biefe ©aufenbe oon Stopfen fid) nadj einer 
Rid)tung breßten, mie ein Rhtrmeln unb Raufdjen burd) 
bie Rtaffen ging. 

©er Wagen bes Staifers tarn. Sine ber alten, fd)toer* 
ocrgolbeten Staatsfaroffen mit großen Cblasfdjeiben. 
Ron aeßt Sßferben geaogen. 3m Sdjritt, bie ^ferbe oon 
ben Rebientcn bes Rlarftalls an Slopfßalftern gefiißrt. 

©er Staifer aufreeßt auf bem Rüdftß, allein im Wagen. 

Wellington oerfeßlang bas Rilb mit ben Rügen. 
Sr faß, faß oiel, boeß er mollte nod) meßr feßen. 

Rls ber Wagen bie Straße gerabe oor ißm paffierte, 
tonnte er feine Reugier nid)t länger meiftern unb brad)te 
fein feßarfes Sßerfpeftio an bie Rügen. 3n greifbarer 
Räße erblidtte er jeßt bie martanten 3üge bes Staifers. 
©od) nur für einen furaen Rugenblid. 

Sr fitßlte, mie feine 5ü&e plößlid) naeß ßinten gcriffen 
mürben. Unfanft fd)lug er au Roben. Wiitenb bliefte 
er um ftd) unb faß in eine Reiße oon Rügen, aus benen 
broßenber Saß blißte. 

Reim Raßen bes faiferlidien Wagens ßatte ftd) alles 
Rolf bem alten Rraudje folgenb auf bie ftnie gemorfen. 
Sr allein ßatte in feiner Srregung nidit barauf geaeßtet 
unb mar fteßengcblieben. 3u fpät bereute er jeßt feinen 
fteßler. ©er Wagen mar ooriiber, bie Rtöglicßfeit, oon 
biefer Stelle nod) etrnas au feßen, nirfjt meßr oorßanben. 
Woßl aber erfeßien es ißm feßr angebraeßt, ficß aus ber 



Räße biefer Rlcnge a u entfernen, beren Ritenen unb 
Rüde menig Snttes propßeaeiten. 

Ss glüdte ißm, oon bem Raufen losaufomnten. Ruf 
einem Rid)tmeg amifd)en bebauten Jyelbern unb Wieien 
ftrebte er mieber ber Stabt au. Unb roäßrenb er baßin* 
fdjritt, jagten fid) bie Cbebanfcn in feinem Seßirn. 

Wie mar bas möglid) . . .? Wie fonnte bas fein . . .? 
Satte ißm nid)t Sfenbranbt auf bas beftimmtefte oer* 
fid)ert, baß bie ©age bes ftaifers geaäßlt feien . . .? £mUc 
er ißm nid)t gefagt, baß ein Sterbenber ftd) auf ben fei* 
benen Sliffcn in Sd)eßoi quäle ...? 

Unb roas ßatte er eben gefeßen . . .? War bas Wirt* 
lid)feit...? 

Unmillfürlidj griff er nad) feiner ©afeße. ©as ^eßlen 
feines ^erfpeftios bemies ißm nur au beutlid), baß bie 
Saene, bie er foeben erlebt ßatte, in Wirflid)feit oor ficß 
gegangen mar. 

Was ßatte er gefeßen . . .? Sinen Rtonn in militä* 
rifdjer Aleibung in ber großen Staatsfaroffe . • . ©er 
Slaifer . . .? ©er Slaifer . . .! 

War bas aueß ber ftaifer Sd)itfu . ♦ Oßne S^eifel. 
©ie Rilbcr bes 51aifers, bie er in ber Srinnerung ßatte, 
fonnten ißm bie ffrage nießt ficßer beantmortem 

Unb bod) ... es märe ... er ... er mußte es fein. 
Sicr einen anberen an bes Slaifers Stelle au ... 

Wer ßätte ben ungeßeuerlid>en Retrug magen follen ...? 

Rerfludßt bie Sanb, bie ißn im Eritifdßen Rioment au 
Salle brad)te. Rod) eine Sehmbe länger, unb er ßätte 
Semißßeit geßabt ... 

Wie fdjauten bie Rügen bes Riannes .. .? So ftarr . .. 
fo ernft ... fo tot ... tot ...? 

Rber ßatte er ftd) nießt bemegt? §atte bas Rntliß nießt 
teid)t genidt? Satte er bie Sriiße bes ißm ßulbigenben 
Rolfes nießt beutlid) ermibert? 

©ie Ooebanfen oon Wellington fprangen au 3fen* 
branbt auriid. Wie mürbe bas alles auf beffen Rläne 
mirfett? Wie auf biejenigen ber Sieblungsgefellfcßaft? 

Rod) nie in feinem fiebert ßatte er oor folcßent Rätfef 
geftanbeit. Rergebens fueßte er nad) einer fiöfung ... 
Sr fanb fte nid)t ... Unb boeß, mas 3fcnbranbt gefagt 
ßatte, mußte rid)tig fein. Sr flammerte fuß an bie 
Worte bes 3*eunbes. 

©er Weg füßrte ißn an einer ©elegrapßenftation oor^ 
bei. Sinen Rugenblid ärgerte er. Rerid)t an bie Sßi= 
cago Rreß geben ...? ©aß ber ftaifer in ooller S>efunb* 
ßeit in feine Reftbena eiitgeaogen fei . . . Rein . . .! 
Ricßts ...! Rtögen fie biesmal ißre Rerißte aus einer 
anberen Quelle feßöpfen. 

fteft entfßioffen fßritt er meiter ber Stabt au. Seine 
Sebanfen fonaentrierten ftß auf bie ^erfon, bereut- 
megen er ßierßer getommen mar. Sollin Santeron! 

Oßne große Sd)mierigteiten ßatte er bas Sotel aus- 
finbig gemad)t, in bem ber S>efud)te moßnte. Ruf bem 
Ummegc über bie Filiale oon llpßart Rrotßers ßatte er 
bas feftgeftellt. Rber als er ßeute fritß in bies S^tel 
tarn, ßatte er gerabe nocß bie Riidfeite oon Sollin Sa- 
merons Ruto gefeßen. ©er Sinaug bes Slaifers ßatte 
ißn oorübergeßenb oont meiteren Racßfpitren abgebraeßt. 
Ricßaitifd) oerfolgte er jeßt bie Straße nad) ber Stabt. 

Sin Rlißen in ber ft^ne cr i mw t^ jß n an 3fenbt*anbts 
Ruftrag, ©a blinfte über bie gelber ßer in ben ßeHen 
Straßlen ber Riatenfottne ber Spiegel eines fleinen 
Weißers. Wellington fßlug einen Seitenpfab ein 
unb fd)ritt barauf au. ©>ie Ooelegenßeit mar günftig. 
Weit unb breit fein Rienfcß au feßen. Was Reine ßatte, 
trieb ftd) an ber Straße nad) Scßeßol ßerum. 

Original from 

PRIINCETON UNIIVERSITY 



Kummer 30 


0 i e OB o cb e 


Seite 711 


Sr rief ftdj bic borfeßrift 3fcnbrünbts ins Scbäcßtnis. 
0ann griff er in bic brufttafeße. Sin furzer Auef, uni) 
ber pfropfen mar entfernt. 3n meitem bogen flog bk 
0ube in bas Waffer. Wellington $oj faß f ie öerfmfen 
unb fpurlos oerfeßminben. (Einen Augenblick zögerte er. 
0ann manbte er fid) um unb ging mit fcßnellen Sdjrittcn 
ber 6tabt §u. 0er plößlidje ÄniefaU oor einer halben 
Stunbe toirfte nod> nad) unb ließ ißm borfießt geboten 
erfeßeinen. 9JM)te Seorg Sfenbranbt ba für bie bemoß* 
ner ^efings zufammengebraut l>aben, mas er mollte, 
es mar {ebenfalls nießt angebracht, baß irgenb jemanb 
ßier Wellington ffo*; bei ber Ausführung biefes Auf* 
träges beobad)tete unb in 3ufamme>nßang bamit brad)te. 

(Er gelangte in -bie Stabt zurück. 3n einer 0eeftubc, 
gegenüber bem §otcl, in bem (Eollin Sameron abgeftiegen 
mar, naßm er an einem JJenffrer ^laß. 0er, auf beffen 
kommen er ßier lauerte, faß inbeffen im ^alafte bes 91c* 
genten bem Sd)anti gegenüber. 

„0as Wunber, 
bas an bem Soßn 
bes Rimmels ge* 
feßaß, mar unfaß* 
bar groß ... fo 
groß, baß es nie* 
manb glauben 
tarnt, ber es nießt 
gefeßen ßat, mie 
bie erleuchtete 
Weisheit ,in bie 
alte Äaiferftabt 
einzog." 

„Sic faßen ben 
Äaifer?" 

„Aein, Roheit. 

3d) martete ßier 
im ^palafte." 

(Ein leidjtes, 
faum merfbares 
Sädjcln glitt mäß* 
renb ber Antmort 
über (Eollin Sa* 
merons 3Ü9C 
„0er Etaifer 
Iebtl Weß bem, 
ber ... feine 
§anb mürbe ißn 
gu erreid>en miffen unb mürbe ißn furchtbar treffen . . " 
0ie Worte, jdjeinbar fo leießt unb beziehungslos ßtn* 
gefprodjeit, ließen (Eollin (Eameron innerlich erbeben. 

„0ie Welt mirb erzittern, menn bes fraifers Aame 
mieber ertönt. (Europa . . . biefes altcrsfdjmadje fianb 
mirb feinen ftlug nad) Often hemmen. Seläßmt merben 
feine Slitgel herabhängen, menn ihm ber Aame ber er* 
leuchteten Weisheit in bie Dßren bringt. Unfere ^einbe 
merben erbeben. Unfere greunbe in ben bereinigten 
Staaten merben frohlocfen . . . 3 u fammen mit ben 
Söhnen bes ßimmlifdjen Aeidjes . . 

(Eollin (Eameron hotte immer lauter unb fcßneller ge* 
fprod)en, um ben Sinbrucf feiner unoorfießtigen Worte 
gu übertönen unb zu oermifd)en. 0ie Stimme bes 
Scßanti unterbrach ißn. „Sie merben nod) heute nad) 
ben bereinigten Staaten faßrenl" 

0ie 3üge (Eollin Samerons blieben unbemegt, troßbem 
if)m ber Auftrag ßödjft unermiinfeßt fam. 

„(Es ift ber Wille unferes öerrn, bem bie Sötter fo 
raunberbar bic Sefunbßeit miebergefeßenft haben. 91m 


6. 3uli, bas heißt an bem Sage nad) ber Waßl 3ofua 
borbens, füllen bic ^länc ber ßöcßften Weisßeit zur 
Ausführung kommen." 

(Eollin (Eameron faß ben Regenten erftaunt an. Wagte 
bann bic (Ermiberung: „Unb menn bic Waßl nid)t am 
5. 3uli ftattfinbet?" 

„Audß bann!" 

Aiit einem Auck mar (Eollin (Eameron aufgeftanben. 

„Aud) bann?" 

0er Aegent nickte ftumm. 

„3cß oerfteße nidjt, (Eure $oßeit . . . 0ic Waßl 3ofua 
borbens . . ." 

„ . . . braucht nidßt am 5. ftattzufinben. 0er feeßfte 
3uli ift ber Sag . . 

,,3d) oerfteße nicht, goßeit." 

„0ie Waßl foll am fünften ftattfinben . . . Ss märe 
gut, menn es gefcßäße. 0od) es könnte fein, baß bie 
Waßl oerfeßoben mirb . . . 0as Cbeßeimnis fdjeint nid)t 

gut gemaßrt rnor* 
ben zu fein . . . 
(Es märe möglid), 
baß mau einen 
Stricß bureß alle 
$läne madjt, in* 
oem man bie 
Souoerneurs* 
maßl oerfeßiebt. 
Sin fold)er Auf* 
fdjub . . . unb 
ginge es nur um 
menige Wodjeit 
. . mürbe bie 
Abfid)tcn bes gro* 
ßen gerrn ftören. 
3ßre Aufgabe ift 
es, baßin zu mir* 
ken, baß bic 
feßmarze beme* 
gung unter allen 
Umftänben am 
fedjften los* 
bricht!" 

„goßeit! 0ic 
fdjmarzen ^iißrer 
baßin zu bringen, 
ift unntöglid)!" 

„0ann ift es 3ßre Aufgabe, bie bemegung aud) oßite 
bie ftiißrer zum Ausbrucß zu bringen. 0as „Wie" ift 
3ßre Sadje. 3ßre bodmaeßten finb unbegrenzt, Alittel 
aller Art fteßen in jeber Alcnge zur berfügung." 

0er Aegent ßatte geenbet. Sollin Sameron ftarrtc 
ftumm oor fid) ßin. 0er Sdjanti fpraeß meiter: „Sie 
merben bie Aufgabe anneßmen . . . unb ooübringen!" 

Aod) immer fdjmieg Sollin Sameron. Srft nad) einer 
geraumen Weile erßob er fiel). Sein Sefidjt ocrrict bic 
bemegung, bie in ißm arbeitete., 

„0er feßmerfte Auftrag, ben mir Sure goßeit je ge* 
geben. 3cß itberneßme ißn." 

„Sie fliegen mit bem ^oftfdjiff." 

Soüin Sameron oerließ ben Aaum. 3m borzimmer 
fiel ißm bas oerftörte Sefidjt eines Abjutanten auf, ber 
fid) fofort bem 3uumer bes Aegenten näßerte. Als 
Sollin Sameron ben boloft oerließ, faß er bie bliißenbcn 
Särten unter einer leidjten Sdjneebecfe liegen unb unaitf* 
ßörlid) fdjmere 5^ 0 ^n niebergeßen. Sincn Augenblick 
Zögerte fein JJuß. 



„Sommertag“, Radierung von Paul Schwertner 

Aug. Scherl G. m. b. H. Kunstverlag, Berlin 


□ igitized by 


Gougle 


Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 





Seite 712 


<D i e ^ o cb t 


Stummer 80 


Gcßncc ... 3n biefer 3aßresgeii ... 3n foldjer 
Wenge? 

©ie Gehanten an feine Steife ... an feine fcfjtoerc 
Aufgabe ließen ißn bas Slußergemößnlicße nießt ooü 
empfinben. 

Stegungslos, fo tüte ißn Göttin Gameron oerlaffeit 
ßätte, faf 3 ber Stegent. Geine §anb taftete naeß einem 
Globus unb ließ if>n meeßanifdß rotieren. 

„ ... Um bie gange Welt f pinnen fuß meine ffäbcn 
gu einem Steß . . . ftart . . . ungerreißließ ... ber 
6. 3uii . . I" 

Geine öänbe legten ficß incinanber. ©ic fyinger ber 
Sted)tcn griffen naeß bem Stinge bes ©fd)ingis*£lßan unb 
gogen il)n oon ber hinten. Wie oon felbft glitt ber 
Siing auf bie Slecßte. Wie im Gpiel mieberßolte ber 
Gcßanti bas §in* unb $erfd)ieben bes Slingcs. 

Gin Klopfen an ber Pür ließ ißn auffdjreden. §aftig 
fefjob er ben Siiitg auf bie Sinte gurüd. 

„Was ift?" 

Gein perfönlidjer Slbjutant ftanb oor il)m. ©effeu Ge* 
ficßt mar oerftört, feine Slugcn blieften irre. 

Stocß einmal rief ber Gdjanti: „Was ift?l" 

„(Es ift Winter gemorben, £oßcitl" 

„(Es ift Winter gemorben? . . . Wittft bu rnieß 
narren?" 

©er Slbjutant beutete nad) ben burd) feßmere Gcibcn* 
oorßänge oerßüüten fyenftern. Wtt einem Stud fprang 
ber Stegent auf unb riß bie Borßänge auseinanber. Gin 
fdjmeres, bießtes Gd)neetreiben oerbuntelte bie 2uft. 

Gine Ginnestäufdjung? . . . 

©ie Sted)te bes Gd>anti riß bie fycnfterfliiger auf, bie 
Sinfe ftredte fieß hinaus. Wie menn fle in ffeuer ge* 
faßt ßätte, fußr fie mieber guriid. ©ie Slugen bes Sie» 
genten ruhten barauf . . faßen, mie bie fyloden unter 
ber Wärme ber $anb tafd) baßinfdjmolgen, fal)en, mie 
eine an bem golbenen Siing länger haftete unb nur 
langfam fdjmanb. Gein Sluge glitt über bie Gärten, 
bie unter ben Gdjneemaffen mie unter einem Sekßentud) 
rußten. 

War bas Statur? ... Wenfd)enmert? ... ©ann ...!. 

3urücf! Goüin Gameron . . .1 

Gr rooüte es feßreien, als fein Blid auf ben Slbjutan» 
ten fiel, ber ftumm baftanb. 3nt Slugenbiid ßätte er fid) 
mieber in ber Gemalt. 

„Was millft bu? . . . Gs feßneit . . . Gs feßneit . . ♦ 
3a natiirlicß, es feßneit . . . $aft bu nod) teinen Gcßnee 
gefeßen . . . güreßteft bu bid) oor Gdjneefloden? . . . 
Geß!" 

* * * 

3n einer Baumlaubc bes Gxiroinparts in ftristo faß 
Wellington $o£. SMc Gönne mar längft untergegangen. 
Born Ogean ßer meßte eine fiißle Brife. ftröftelnb 
fdjlug ftos ben fragen feines Sadetts in bie §öße. ©ie 
$änbe in bie Pafdjen oergraben, legte er fuß bequem auf 
ber "Bant gurüd unb fd)aute ftnnenb bem Slaud) feiner 
3igarre naeß. 

„ . . . ©aß id) ßier als Stitter Poggenburg feit einer 
gcfeßlagencn Gtunbe fiße unb gebulbig auf bas kommen 
eines tleinen Wäbcßens marte ... unb, menn es barauf 
anfommt, bie gange Stad)t märten mürbe, ßätte id) mir 
oor ein paar Wonaten nid)t träumen laffen . . . 3d), 
Wellington ffos, ber mit feinen 35 Saßren bisßer ber 
Slnfidjt mar, baß bie Stofe menfeßlidjer Siebe oor ißm aud) 
nießt ein Blatt nteßr gu entfalten ßabe . . . deinen 
©uft, ben er nid)t eingeatmet ßätte . . 

Gin leifes Stnirfcßcn bes 5tiesmeges ließ ißn aus feinem 


Präunicn auffdjreden. Gdjnett marf er bie Starre auf 
ben Boben unb trat mit ber Gcßußfoßle barauf. 3nt 
näcßften Slugenbiid ftanb §elen Garoin oor ber Saube. 
Gie tat einen fd)neüen Blid rüdmärts unb beugte fieß 
bann laufdjenb naeß oorn. Unb feßrie leife auf, als fie 
fieß plößlkß an ber ^anb ergriffen füßlte unb mit fünfter 
Gemalt in bas ©unfel ber Saube gezogen mürbe. 

„Äontm, §elen. ©as bießte Blätterbacß feßüßt uns 
oor allen Gpäßerbliden." 

„Slß, Gie fmb es, $err fyoj? 3<ß ßätte boeß bie Banf 
auf ber anberen Geite bes Weges als Preffpunft be» 
geießnet. Beinaß märe icß umgefeßrt. ©a glaubte i d) 
ßier bas Glüßen einer 3i0^rre gu feßen." 

,,©as bid) an$og, mie bas ßid)t bie SJtotte." 

„öerr 5ojl 3d) geße fofort, menn Gie 3ßrc Stehens» 
arten nießt laffen. Stein, id) lonnte mir laum benfen, 
baß Gie es maren, ber ßier raueßte." 

„Warum, $clen?" 

„Weil cs fnß nid)t geßört, baß ein $err raueßt, menn 
er eine ©amc ermattet . . 

„ . . . ©ie mieberum ermartet, oon biefem ^>errn ge= 
tüßt flu merben", ooUenbete fjoj. 

3m Stu ßatten ftarfe Sinne $elens Gcßulter umfaßt 
unb eine fylut oon Stüffen oerfcßloß ißren SRunb . . . 

„3cßt ift es aber genug." SUemlos (lang bie Gtimme 
bießt an Wellingtons Oßr. 

„Bitte l Bitte!" 

Gie entmanb fid) Wellingtons Slrmen unb begann ißt 
oermirrtes §aar in Orbnung flu bringen. 

„Gd)ämen Gie pcß, Gie fd)cedlid)er SJtenftß. Gut, baß 
es bas leßtemal mar." 

„Wann mollen mir nun ßciraten?" mar Wellingtons 
ganje Slntmort. 

„heiraten? . . . Wir . . . ßeiraten?" 

$elen trat entrüftet auf ^u, ber fuß auf ber Banf 
niebergclaffen ßätte unb mit einer §>anbbemegung $elen 
einlub, neben ißm Bluß gu neßmen. 

„Grftens mill id) gar nid)t ßeiraten . . . unb jmeitens 
nid)t einen Wann mie Gie, ben allerunßöflitßften SJten* 
fd)en, ben icß je tennengelernt ßabe. SlUe anberen 
SRänner fmb ßöfließ unb guoorfommenb ^u mir. Be» 
fonbers bie, bie mir $ciratsanträge gemaeßt ßaben." 

„Gie ßaben bicf) aber troßbem nießt mie icß oiermal 
fiiffcn bürfen." 

„Biermal? . . . ipunbertmal!" rief §elen unb geriet 
bann in unbefdjreiblid)e Bermirrung. 

„Wenn bu mieß nid)t ßeiraten millft, tleine ^elen, 
marum ßaft bu bid) bann mit mir oerlobt?" 

„Ber lobt?" 

„G^emiß, $elenl Gine moßler^ogene junge ©ame füßt 
teinen Wann, menn fie nießt mit ißm oerlobt ift. Unb 
ift fie oerlobt, muß fie ißn boeß feßließließ ßeiraten . . 
Ginen Slugenblid ftanb $elen mortlos. 

„3a ... ja, bas mag feßon rießtig fein. Slber menn 
nun mein Bater nid)t bamit einoerftanben ift, eine 
Slbneigung gegen Gie ßat unb gar nid)t mit fuß reben 
läßt? 3d) liebe meinen Bater feßr, aber id) tann fein 
Borurteil gegen Seute, bie nid)t reid) ober oon ßoßem 
Slang finb, nid)t teilen, aber... gegen feinen Willen..* 
3cß bin besßalb ßeute gum leßtcnmal ßierßergetommen... 
unb mill 3ßnen fagen . . ." 

„©aß bu morgen um biefelbe 3^ü ßierßer . . ." 

„öerr 3cß geße jeßt unb fomme nießt mieberl* 
„Gnit!" 

$clen raffte ißr SUeib gufammen unb fd)idte fieß an 
gu geßen. (Fortsetzung folgt.) 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 




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Gougle 


• Original ffom 

PRINCETON UNiVERSfTY 




Phot. Hermann Boll 

„Kleinbürger“, Gemälde von Hans Baluschek 

ln der Großen Berliner Kunstausstellung werden gegenwärtig 33 Bilder von Hans Baluschek gezeigt 


Sftumtnet 30 _ © i c <30 o c& c Seite 713 

EIN MALER DES BERLINER VOLKSLEBENS 











0 t *l 30* o di ö 


‘Jhumn'i 30 


SeUe m 


aRegfJonffdje* Eotmeben 

Von Max Vollmberg. — Mit 7 Abbildungen nach Gemälden des Verfassers*) 

U m bas mepfanifdje Bolfslebcn fenncit 3« fernen, genügt es nid)t, oon Beta. 

cru} aus bie fdjone 5af)tt über bic Bierftnbt Ori}aba, iibcc attaltrato 
unb <£speran}n nad) fflfepto £>auptftabt }u machen, ftd) bort bie tjertlidje Satf)C» 
btalc unb ben „3ocalo" an}itfel)cn unb br.s gro&ftabtifdjc Sltaficnlebeu unb 
ben Sonntags» 
torfo im rnär-- 
djenßaften 
Bart oon (£f)(u 
pultcpec au 
genießen. 

"1011101011 einen 
and) nur ober* 
flcid)Iid)en 
©inbrud bie-- 
fes Gebens ge* 
roinnen, fo 
muß man auf 

bie ©Rärfte ber tleinen Stäbte gehen. ©eioöhnlid) liegt ber 
©Rarftplat) an ber 8ird)e, l)at in ber ©Ritte ben iiblid)en ©Rufif-- 
paoillon unb ift oon Käufern umgeben, an bie auf ber ©Rartu 
feite oft 'Bogengänge nad) 9lrt unfercr mittelalterlichen ßauben 
angebaut [mb. 3u biefeit fühlen, fdjattigen fiauben unb auf 
Dem freien ^Platj unter großen aufgefpannten Schirmen unb 
in 3 c lt eu ©erben bie ©Baren feilgeboten. ©ort fit$t eine alte 
3nbianerin unter einem Sd)irm, ber aus einem über ein plumpes 
©eftell gelegten „Betatc" (Binfenmattc) beftel)t. ©Itibere grauen 
oertaufen ©Rais unb ftalt, ber bei ber 3ubereitung ber ©Raistor* 
tillas. eines nod) oon ben steten ftammenben 3tationalge-- 
cid)ts, etne ©tolle fpielt. ©ort toerben „©inajGS" unb anbere 
Jöpferccaren engeboten. ©aneben ftnb fdjneetoeiße Vaffos, 
aus ©Rcguetjfafern hergefteüt, fcßöit auf ber Straße ausge= 
breitet. Beim Sattler hängen rounberfdjöne Bodfättel mit 
großer „©Ranaana" (Sattcltnopf), mächtigen Biigclricmcn unb 
mit üeberfd)uh oerfehenen Bügeln, filbergefticfte ©teooloer- 
tafd)en unb ©Urtel, aicrlidje Sßfcrbcgefchirre aus Bferbeßaai; 
laffos, Staites (Sanbalen), ©Rad)ete*Sd)eiben, filbcrne ©iab* 


Eine Seflora mit Kind 
und Bedienung 

fporen ufm. ©ort in 
ber luftigen ©hiuarna, 
einem ©erüft, bas mit 
Banancnblättern geberft 
ift, ift eine ©artüdje 
eingerichtet. Sarreteros 
unb ©Irrieros genießen 
ihre „©amales" unb 
heißen fchroaraen Kaffee, 
eine ©ortiUera flatfd)t 
unb bädt auf bem „<£o» 
mal" bie ©ortiüas, unb 
Die „©Rolinbcra" mahlt 
ben baau nötigen ©Rais 
in genau berfelben©Bcife 
mie bie ©iggpter oor 
4000 3af)i*n. Stroas 
abfeits beßnbet fid) bie 
Bulqueria, in ber bas 
herauf eßenbe mej£tta- 
uifcfje iRationa (getränt, 
bie Bufque, (gegorener 


*) :öcm Ucrtafier biefes 
Auffaties ift em Etappen 
wert „Amertfa Zentral" bei 
Alfreb 6tettmer. Berlin A3, 
ericfjienen, bas 40 Oteprobuf« 
tionen »m fraffümlebritcf nad) 
Aquarellen aon ibm enthalt 



Mark* er- Iebuantepec 




Der Verfasser. Selbstbildnis 


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Original ftom 

PRINCETON UNIVERSITY 


—V 






stummer SO 


© i e <28 o cft c 


Seite 715 




Saft ber 9lgaue) oerfauft rotrb. 3)od) es. riecht t)ier unb ouf bent 
gleifdjmarft nid)t befonbers gut 2)ie 3)acbränber ftnb mit gopüotes 
(Aasgeiern) befefct dagegen ber föftlid)e grud)tmarft! ©et^ tjerrlic^e 
Srbbeeren, 9lita-- 
uas, 9lnonas unb 
(Sbinniotjas. 

Tttand) 93aquero 
legt bie 3 a POtes 
unb SHronen, bie 
et für feine grau 
getauft bat, in bie 
breite Krempe 
feines §utes,benn 
3)üten giebt es 
nicht Sein fpentb 
bat feine Safdjen, 
in ber roten 
Sd)ärpe ftedt fein 
SLTCeffer, unb in 
bie $afd)en feiner 
eng roie eine 
ätoeite §aut an« 

Iiegenben (Ebarro-- 
bofeit gebt böd)- 
ftens ein 3isIabon 
(geuerfteinfeuer« 

Ein amerikanischer Ritter fleug) unb einige 

Sßefoftüde. Unbc- 

fd)reiblicb farbenprächtig ift bas (öernübb bas einen me£ifanifd)en SCUartt 
erfüllt: Ocbfenfarren mit plumpen SRäbero, 3nbianer, bie mic Stiere 
am Stirntragriemen fdjtoere Saften fdjleppeu, blenbettb fd)öne toeifcc 
SDtegifanerinnen im febtoaraen Siebojo, gefolgt oon einer Wienerin im 
bunten Umfcblagtucb, bie in ebenfo majeftätifeber Haltung tote bie §crrin Indianerinnen in der Tür ihres „Rancho“. Unten: 
eine Schale ober einen Storb auf bem Stopf trägt §ier fommt auf Vaquero mit dem Wurflasso 



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(Seite 716 


© i * 3Ö o cf> e 


Kummer 30 



fltnfem Meinen Faultiere eine Sonora geritten, fte ^ält ein 
5linb im 5lrm, bas ber baneben reitenbe Wiener ober 53er» 
loanbte mit bem aufgefpannten Sonnenfrfjirnt fcfjü^t. 9luf 
SJUirtten besSlibens, befonbers bcs 0ef)itantepec, 

fällt bet 9Raitgel 
an StRännern 
auf. 0erÄIetn» 
fyanbel liegt bort 
faft ausfd)lie&» 

Iid) in ben §än» 
ben bergrauen. 

0ie 0el)uanas 
fjaben aber nid)t 
nur 5Ruf burtf) 
iljre ©efd)äfts» 
tücfjtigfeit, fie 
(mb aud) be» 
fannt toegen 
if)ter 6d)önf)eit. 

53iele oon if)neit 
ftnb 53oüblut» 
inbianerinnen, 
bie meiften f)a» 
ben inbiamfefjes 
53lut, unb in 
biefer ifjrer 9Irt 
[mb es toirtlicf) 
bie fd)önften 
grauen, bie id) 
lernte. 0te iRe- 
probuttton eines 

meiner ©cntälbe (*5lbb. Seite 715) [teilt filblid/e Snbiunertnneit 
bar, bie in ber 0iir iljres „iRattdjos" fitjert unb SDtais ent. 
ternen. (Einen SJlbfcfjnitt für ftd) bilbet aud) bas mesitanifdje 


Mexikanisches Stadtbild 


^acienbalcben. 0er berittene £irt „53aqucro" holt mit ber 
„iRiata", bem SBurflaffo, einzelne 0icre, bie er braucht, aus 
ber frehoeibenbeu §erbe heraus. (5Ibb. Seite 715). 53icl 
Vergnügen giebt es nid)t auf ben §acienbas, aber oiel Arbeit. 

©uitacre unb 
Spijonograpt) 
ftnb bie £>aupt* 
mufÜinftru» 
mente auf bem 
Canbc. 9Rit ber 
©uitarre reitet 
ber Iänblidjc 
©harraftunben» 
roeit ftum §aufc 
feiner „iRoota", 
um biefer eilt 
5icinbd)cn au 
bringen, unb 
hei allen fröh¬ 
lichen ©eiegen» 
beiten, felbft bet 
ben „Glorios", 
2eid)enfeiern 
anläglid) bes 
Sobes eines 
Meinen äinbes, 
bie mit San$ 
ücrbitnben finb, 
fpielt bie ©ui» 
larre eine 91 olle. 
3um Sd)Iu& 

möchte ich bemerfen, baft trofc aller amertfanifefjen go£trotts 
beutfdje SDhiflt neben ber nationalen überall in SRegito be¬ 
liebt unb gefd)(itjt ift. 5chlu ff des redaktionellen Teils 


Kennen Sie schon die Bedeutung der Haarerweichung beim Rasieren? 

Herren mit sprödem Bnrthaar und reizbarer Haut empfinden das Rasieren oft als Qual. Das Haar springt unter dem Messer aus und Hinterlist 
empfindliche gerötete Hautstellen. Was ist die Ursache? Eine ungenügende Vorbereitung des Haares durch ungeeignete Rasierseife. Harte 
Stangenseifen (Natronseifen) erweichen sprödes Haar Im allgemeinen weniger gut, als weiche salbenförmige Kaliseifen. Auf Grund dieser 
Erfahrung hat das Laboratorium Leo in Dresden eine neue haarerweidtenöe überfettete Rasierseife „Leosira“ In öer Tube in den Handel 
gebracht die Ärztlich als ideale Rasierseife empfohlen wird, 1. weil sie hygienisch verpackt ist und gegen Infektion schützt (Übertragung 
der Bartflechte unmöglich). 2. In kleinen Mengen eine Fülle von dichtem Schaum gibt, 3. das Haar in kurzer Zeit erweicht und reizbare Haut 
in keiner Weise angreift, kurz das Rasieren zum Vergnügen macht Sie erhalten Leosira dort, wo Sie Ihr Chlorodont kaufen. 


Blendend weiße Zähne durch die erfrischende Zahnpaste 

Chlorodont 

gegen mißfarbigen Zahnbelag und üblen Mundgeruch. 


Laboratorium Leo 


Dresden u. Berlin 


Was darf auf dem Toilettentisch der vornehmen Dame nicht fehlen? 

Neben der Pflege der Zähne mit dem herrlich erfrischenden „Chlorodont“ ist die vornehme Dame bestrebt, ihrer Haut eine entsprechende' 
Pflege angedeihen zu lassen und gleichzeitig sich mit jenem Parfüm zu umgeben, das von alters her als unaufdringlich, erfrischend und 
andauernd bekannt ist Unter dem Namen Eau öe Cologne „Gold“ ist in allen Apotheken. Drogerien und Parfümerien ein Kosmetikum 
vorrätig, das eine glückliche Vereinigung von Hautkrero und Parfüm insofern darstellt, als es sowohl für die Hautpflege als auch als Parfüm 
benutzt wird. Es ist kremförmig weiß, fettet und klebt nicht, macht die Haut wundervoll weich und zart und kann andrerseits unbedenklich 
für das Taschentuch verwendet werden. Personen mit empfindlicher Haut, die Spiritus, wie er in der käuflichen Eau de Cologne enthalten 
ist, nicht vertragen, sollten dieses wundervolle Hautpflegemrttel und Parfüm in der praktischen Form dor Tube nicht missen« 


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Gck igle 


Original from 

PRINCETON UNiVERSITY 
















Hummer ü| 


iUmIU /% n««^..^ * -y ^ 


l*ct*Ktt, beit 4. 2liiauft 1925 


25* 3abraana 





,Michaels Kampf mit dem Drachen”, Ausschnitt aus dem Holzschnitt von Dürer (1498) 


ffielfnerbanb ber freien 3Bi'ffenf<f)off 

33on profeffor 2>r. 2Ba(bemarDel)lfc (pefing), 

23orilfeenbcm be$ ©cutfcf)*ßf}incf()d)en ^ulturocrbanbeef. 


er burd) $5 ran ^icb unb Belgien fortgefeßte Bogfott 
ber bcutfrfjcri ©iffenfebaft mirb beute rool)l ein¬ 
mütig uon ber ganzen übrigen ©eit nerurteilt b^m. uer* 
fpottqt. 0as (fingeftänbnis eigener ^Irmfcligfcit roirft 
auf feinem (Gebiet grotesfer nie auf bem ber ©iffenfd)aft. 
(Es finb burd)aus nid)t alle ftranaofen unb Belgier mit 
biefem ftleinfrieg einoerftanben; aber feljr in ber 
SRinbcrbeit, wagen fie nid)t, ftd) *u riibren, aus fturd)t, 
als Verräter an ber großen Gad)c ucrfdjiccn *u werben. 
<2lud) innere Grünbe liegen oor: ber Einfluß ber franaö* 

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fiid)en Kultur gebt in ber ©eit merflid) auriitf, naef) 
meinen Beobadjtungen etwa feit bem "Beginn * bes 
20. 3ül)rbunbcrts — <&runb genug, ber germonifeben 
ftultur l)agcrfüllt entgegen^utreten. ©eit fdjärfer nod) 
urteilt ftriß ßienbarb in feinem „bleuen ©eift - ': ,,©as 
bat biefe Berftanbes* unb fformennation ber Btenfd)* 
beitsfeele tiefes unb (Großes gefagt auf unferem ©ege 
burrijs ©eltall?" 

0as fran^öfifd)c Beifpiel folltc uns aber abfdjretfen, 
foldjc Bogfottroege ebenfaüs au betreten. 3u>ur l) ab cn 

Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 




























Seite 718 


5) i e <3B o cß e 


Kummer 31 


V 


fid) aud) anbere SWtglieber bcs {Jciubbunbes baoon nicf)t 
freigeßalten.*) ©ie Sctoegung begann -eigentlich feßon 
1915 in Sftatießcfter mit bet* „British Association for the 
Advaneement of Science“, bie fich im näeßften 3aßrc 
fortfeßte mit bet „Royal Society of Literature“, unb 
1917 mürbe bet SJMan, ©eutfd)Ianb not allem feine natur* 
tüiffenfd)aftiicf)e Hegemonie z u entreißen, non bem 
Stalienct Stignano in bet internationalen Sci^frhvift 
„Scientia“ begrübt. Offiziell rourbe bet S3oi)fott bet 
öeutfd)en SBiffcnfeßaft uerfiinbet auf bet „Conference 
interallide des Acaddmies" 1918 in ßonbon 
unter bem Sorftß Salfours, unb in Trüffel 
mürbe 1919 bet Seßlußftein gelegt: ©eutfeßlanb 
follte ausgefcßaltct bleiben oom internationalen 
£ebcn bet ffiiffenfcßaft. Son ben S)titglieberu bet 
bamals cingefeßten Kommiffion ift bet (Eitglänber ipale 
inzmifeßen zurüefgetreten. Smmerßin mürbe eine „(En= 
tente=3Biffcnfcßaft" begrünbet, bie fiefj für ootäufig gehn 
Saßte oon bet 5Biffenfd)aft bet SDUttelmäeßte losfagte. 

Kann es etmas £äd)erlid)crcs geben als ben Serfud), 
bie SBiffenfeßaft politifd) zu umgrenzen? SBie benebelt 
non £>aß ober ©ummßeit muß ein Kopf fein, in bem ein 
foldjer Sebanfc überhaupt Seftalt geminnen fann! Unb 
es märe nid)t meniget lächerlich, menn bie bcutfdjc 
SBiffcnfcßaft nun ißrerfeits mic ein troßiges Kinb fagen 
mollte: „So, jeßt mill id) nicht." Slnbererfeits muß fte 
fuß hüten, ben {Jeinbbunb non fieß allein aus zu fid) ein» 
Zulaben ober gar ßerüberzubitten. St mag bod) rußig 
btaußeit bleiben, folangc et fid) in feiner (Entente* 
SBiffenfcßaft mol)l fühlt unb folangc btefe non bet übrigen 
SBelt als SlBiffenfchaft feßled)tßin anerfannt mitb. 

©aß bie uninetfelle Slnerfennung einet politifd) be* 
fdjtäntten SBijTenfcßaft nid)t nur begrifflid), fonbetn aud) 
praftifd) unmöglid) ift, banon fonntc id) mieß nad) meinet 
Slusteife 1920 halb überzeugen. Sftit bet bloßen {Jeft* 
ftellung aber mar es nid)t getan. SJtan mußte ben 
Gd)leier zerreißen, ben $aß U nb Sereeßnung, leßtere 
butd)aus gcfcßäftlid)er SJrt, bet SBelt übet bie Slugen zu 
metfen bemiißt mar. ©er ,,©cutfd)=(£ßinefifd)c Kultur* 
oerbanb", beffen djinefifcße StRitglicber allen Serufs* 
fteifen angeßöten, riiefte zunäd)ft bie ©atfaeße ins Sicht, 
baß (Eßina {ebenfalls nid)t batan benft, jene ©orßeiten 
mitzumaeßen, unb 3apan ßat ebenfalls burd) bie S3c= 
tufung beutfd)er Selcßrter unb bie Griinbung einet 
,,©cutfd)=3apanifd)en Gcfellfd)aft" bemiefen, baß cs alles 
anbete tun mill, als bie bcutfdjc SBiffenfdjaft zu boi)* 
fotticrcn. Oftafien allein genügt aber nid)t, bet großen 
SBeltliige entgegenzutreten unb benen in bet feinb= 
Iid)cn (Gruppe, bie anbets benfen, zum SBort zu oetßelfen. 
SJiait mußte meßt tun, unb bas mar in ©eutfeßlanb nid)t 
möglid). Sulius £>arts ßiibfd)et ©raum oon bet Ser* 
fdjmelzung bet teils fiinftlcrifcß (Sellencn), teils ftaatlid) 
(9löiner) lebensbejaßenben Kultur bet europäifd)cn 
Slntife mit bet lebcnsoetneinenben bcs alten Elften (ein* 
fdjließlid) bes Gßriftentums) zu einet britten (Einßeit 
(„0et neue Sott", ßcipzig, ©ieberixßs) braud)t gar nießt 
in biefet {Jorm 3Bir fließfeit zu metben: flehet ift, baß mit 
bei allem, mas mit beginnen, oom Often auszugeßen 
ßaben. 

So cntftanb bet ^lan eines „SBeltoerbanbes bet freien 
SBiffenfd)aft", ben id) mit bem Staturpßilofopßen bet 

*) ©Öen tcoi fat Mc internationale Wffeflirfjaft für Gljirurflic 
ifiren «oitftrcü in S o n ö o it a&öetjattcn, ofjtic önfc man auf Me 
mirrunfl ber bcutföcn öclcfjrtcu SCcrt ßdcßt Oä»te. 

2>ie Sdjriftleitunß. 


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ßcipziget Unioerfität, ^rof. ©r. £>ans ©riefcß,nad) feiner 
Slnhmft in geling befptad). Slnbere mürben zugezogen, 
bie d)inefifd)en Kollegen bet ßieftgen Stational=llnioerfität 
unb bes ©fmg §ua (Eollege, beffen ametifanifeße ©ozen* 
ten fid) fogleid) zu uns gefeilten, ferner bet ametifanifeße 
^räfibcnt bes Snternationalcn Snftituts für (Eßina, 
©t. 'Iteib, bet ßollänbifdje 3urift ©t. oan (Es, bet baltifcße 
9iuffe 33aton oon Stael*$olftein, Vertretet bes Sansfrit, 
bet normegifd)e Senetal (Ejz- 93tunfe unb feine Sattin 
^llesanbta als miffenfd)aftlüße Sd)tiftfteücrin, eine 9tad)= 
fontniin unfercs Älaffifets gerbet. SOlit fünfzig Statuen 
oerfeßiebener Nationalität mürbe zunäd)ft in meßteren 
Sptad)en folgenbet Sluftuf oerfembt: 

„©et SBeltfrieg unb bie Slcoolution ßaben Kräfte ge* 
meeft, bie bet $öiffenfd)aft oetßängnisooll zu metben 
btoßen, ba fie zu feinblicßer ©tennung bet hälfet einet* 
feits, bet SBeltanfcßauungen innerßalb bcs einzelnen 
Golfes anbererfeits zu fiißten geeignet fmb. SSon natio* 
ttalem unb politifdjem §aß bie SBiffcnfdßaft freizußalten, 
foll bet 3mecf bes SBcltoerbanbes bet freien SBiffenfcßaft 
fein, ©utd) alljäßtlid)e ©>etfetibung bet SJiitglieberlifte 
mill et bie Sterbinbung unb gegenfeitige ^örbetung aller 
Sleicßgefmnten ctmöglid)cn. Sluf bem SBoben bes leiten* 
ben SBerbanbsgcbanfcns mitb et febes nationale unb 
politifd)C ^Bcfcnntnis ad)ten. SBct grunbfätjlid) geneigt 
ift, einen fo!d)cn S5ctbanb mit ins ßebett zu rufen, möge 
unoerbinblicß eine entfprcdjenbe Stflätung, bie nod) 
feinen Seitritt bebcuten mürbe, ober aueß nur bie 
Sifitcnfartc fenben an ^rof. ©t. Oeßlfe, geling, ©a 
{Jang <£ßta §utung 27." 

©et Sluftuf menbet fid) an alle Stationen oßne Slus* 
naßme. Singelaben fmb alle, gebeten mitb niemanb. SIb* 
fagen unb ^rotefte fmb bisßet nid)t erfolgt, fönnen aueß 
fauni erfolgen: bet Sebanfe fteßt ja oon Statur übet 
jebet ©isfuffion. Gobalb bie £ifte eine genügenbe Sin* 
Zahl miffenfcßaftliißet Sertreter aus ben ßauptfäcßlid)ften 
Kulturlänbetn oerzeid)net — ßeute fd)on fmb meßrete 
Uniocrfitäten aud) bet Seteinigten Staaten felbft, fogat 
Honolulu oertreten — metben bie S3titglieber bet ein* 
Zeinen ßänbet biesfeits in Setbinbung miteinanber ge* 
fetzt, unb bie {Jiißrer bet nationalen Stuppen fmb bann 
bazu berufen, bie internationale Organifation zu fd)affen. 

©ie SBelt ift ja bod) allmäßlid) fo flein gemorben. ©et 
Slefpeft oot ben friißer allmäd)tigen Slegietungen, 
Slemtent unb Stempeln fiiUt bas geiftige ßeben bet SBelt 
nid)t meßt aus. (Es mag nod) immer ©iplomaten alter 
Sd)ule geben, bie mit bem Segriff bes Staatsbürgers 
nur ben bes alten Untertanen oetbinben fönnen. SBie 
bie ©inge liegen, fann bet Staat als foId)er in geiftigen 
Slngelegenßcitcn bet SBelt nid)t meßt bie {Jüßtung übet* 
neßmen, oßne national ober politifd) irgenbmo anzu* 
ftoßen. 

SBit müffen mit rein perfönlidjcr Serantmortlid)* 
feit an feine Stelle treten ba, mo et oerfagen müßte. Slucß 
bet Sölferbunb unb feine intelleftuellen Slnßängfel 
feßeiben bieo oöüig aus. ©ie norbifeßen ßänbet, ferner 
Spanien unb Sübametifa ßaben fid) ja längft gegen ben 
Sntentc=Segriff „Snternational" gemenbet. 

Stießt eine Kampfanfage ift bet neue SBeltoerbanb, 
fonbetn ein 3nftrument bes Jytiebens, zugleid) ein un= 
triiglid)er ^>tiifftcin bet Seiftet, ©ie SBelt liegt in 
Ketten, oot allem mirtfd)aftlicßet, bemnäcßft po!itifd)er 
Slrt. 

©ie SBiffenfcßaft aber ift frei unb mirb frei bleiben, 
ober fie oerbient ißten Slamen nießt. 

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Kummer 31 


® i e ^ o d) e 


Seite 719 



^)amBltrger Jefttage * S3ort Äorücttenfapitän ®ai>oro 


Der Kommandant 
des argentinischen 
Schulschiffes Fre- 
gattenkapitänBra- 
na (x) schrcitetmit 
dem Kommandan¬ 
ten des deutschen 
Kreuzers „Berlin“ 
v. Loewcnfeld die 
Front der argenti¬ 
nischen Mann¬ 
schaft ab 

fhoi. Atlantic 


F hot. 


Das argentinische 
Schulschiff „Presi« 
dente Sarmiento“ 
im Hamburger 
Hafen 


ImOval: Deutsfch- 
argentinische Ver¬ 
brüderung: Die 

Matrosen des„Pre- 
sidenteSarmiento“ 
beim Tanz mit den 
Kameraden vom 
deutschen Kreuzer 




er Vefud) bes argcntinifchen 
Sd)ulfd)tffes „^refibente Sar« 
miento" im Hamburger ipafcit uom 
21.-24. 3uli ift eine cjlücflid)e 3Uu- 
ftration ber 3 tr>ifchen ben beiber« 
fertigen Nationen burd) alle Jäh ? 3 
niffc bes ütricgeö binburd) aufrcd)t 
erhaltenen freunbfd)aftlid)cn Ve« 
Ziehungen. (fs bleibt in ®eutfd)= 
lanb uuuergeffen, ba§ Argentinien 
bie angeftrengten Bemühungen ber 
(Entente, bas £anb in ben "Hing ber 
feinblichen Bläd)te cinjubcaiehen, 
ftanbhaftabwies. Obgleich beibe^ciu« 
ber fid) materiell oiel 311 ocrbanlen 
haben — es fei nur an beit Anteil 
bcutfd)er Arbeit am Colonialen Auf¬ 
bau bes Raubes itnb bem ftctcu 
regen &aubelsaustaufd) erinnert 
— unb obgleid) gerabe Argen« 
tinien mit feiner ftarlen Hohftoff« 
probitttion heute ein Icbensroid)« 
tiges 3 ntereffe am AMcbcraufbau 
bes beutfdjen Hlarftcs bflt, fo be« 
ftcht bod) aud) eine erfennbare 
"Befensgemeinfchaft amifchen bcu 
beiben Böllern. Oie fpanifdie 
Haffe l)at im Stolonialgebict Siib« 
amerifas, nor neue itnb gewaltige 
ftulturaufgabcu geftellt, bie inert« 
nollfteu Seiten ihrer reidien Ver¬ 
anlagung 311 entfalten gciuuf 3 t. 

Links :Ehrensalut bcimEintrcffen 
des Reichspräsidenten. Phot. Wolter 


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Sette 720 


0 i c o cft e 


Flimmer 31 


Der Beiud) bes Schif¬ 
fes, Das fid) auf einer 
Belebrungs* unb &rcu,v 
fahrt in eutopciifdjen Cf>e- 
toäffcrn befinbet, nerlicf 
in ben t)eralid)ftcn gor- 
men. 0er Sdjulfreuacr, 
ber ben Flamen bcs 
großen argcntinifd)cn 
Staatsmannes trägt, lief 
am 21. 3uli in fpamburg 
ein, rooi)in bic beutfdje 
Regierung ^um (Empfang 
bas bentfdje Sd)ulfcf)iff. 
ben Strenger „'Berlin" 
nnb bie 1. Jorpebo- 
boots-$>albflottiUe ent- 
janbt butte. 0er örtliche 
(Empfang nnb bie Be- 
mirtung bei roiUtom- 
tnenen (öäftc lag in ben 
ipänben bes £>ambnrgei 
6cnats nnb ber Blarine. 

Beicbspräfibeut gr. 
(Ebert naljm am Sonn¬ 
tag, 22. 3uli, (öclegcn-- 
beit, in Begleitung bes 
(Ebefs ber'JÜiarineleitnng, 
^Ibmirals Bebnde, foroie 


Rechts: Begrüßung des 
Reichspräsidenten 
durch die argentini¬ 
schen Offiziere. Kom¬ 
mandant Brana stellt 
die einzelnen Herren 

VOr Fhoi Senncckc 



bes Staatsfefrctärs oon 
SDlaltjabn bas Sdjiff 
befucben, oon beffen oor* 
äiiglid)er Berfaffung 
itnfereBilbcrScugnis ob¬ 
legen. 0ie Bcfafcung bes 
„SJkefibentc Sarmiento" 
ftanb in Burabe, & as 
Scbiff batte über bic 
Joppen geflaggt, unb 
beim 9ln= unb Bon* 
Borbgeben bes Beid)s= 
präfibenten rourbe ber 
äuftänbige Salut oon 
21 Sdjub gefeuert. 9ln- 
fd)licfrenb befidjtigte ber 
Bräfibcnt ben ftreufter 
„Berlin". 3nr toeüeren 
Berlauf cntroicfelte ftd) 
ber bcr^licbfte Berfebr 
,Uoifd)en ben Schiffen 
beiber Nationen, ber 
boffentlid) in abfebbarer 
3eit feine gortfefcung 
finbeu roirb, rocun ein 
beutfd)cs Kriegs) d)iff ben 
freunbfcbaftlicben Befud) 
in argentinifd)en £>äfcn 
enoibert. 


Unten : Die argentini- 
schenMatrosen winken 
bei der Ankunft ihren 
deutschen Kameraden 
zu. Links: Der deut¬ 
sche Kreuzer ,,Berlin“ 

hhot. Ruqc 



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iWlwf t>pm 


PAof Dilles 

Der Gastwirt Max Fladt in Kehl hat zwei französische Soldaten, die im Rhein bei einer Pon¬ 
tonübung ins Wasser gefallen waren, unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens 
errettet. Auf die Aufforderung des Delegierten der Rheinlandkommission, einen Wunsch zu 
äußern, erbat Fladt die Begnadigung der im Ruhrgebiet zum Tode verurteilten sieben Deutschen. 

EHRE EINEM WACKEREN DEUTSCHEN MANNE 


Herr Fladt macht der Schriftleitung der „Woche“ folgende in- 
verressantc Mitteilungen: 

„Seit drei Tagen erhalte ich aus den verschiedensten Teilen 
Deutschlands Schreiben mit anerkennenden Worten über die 
Rettung der beiden französischen Pontoniere und über mein bei 
der französischen Behörde eingereichtes Schreiben um Begnadi¬ 
gung der sieben zum Tode verurteilten Deutschen. Selbst aus 
Böhmen und England habe ich heute Briefe bekommen, die das¬ 
selbe besagen Nur eine Karte, jedoch ohne Unterschrift, ist mit 
der Rettung nicht einverstanden Der Betreffende hat eben eine 
andere Ansiebt darüber wenn es gilt, Mitmenschen in Not bei- 
zuspnogen 


Von einem Breslauer Bankhaus und dessen Angestellten sind 
mir zwei Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden, die ich 
dem hiesigen Bezirksamt für Tuberkulosenfürsorge und sonstige 
mildtätige Zwecke habe überweisen lassen. Eine Frankfurter 
Firma hat sich mit einem Heilmittel für hilfsbedürftige Kinder er 
kenntlich gezeigt. So kann ich auch hier noch helfend eingreifen 
was mir große Genugtuung und Freude verschafft hat. 

Die Rettung ist mir als ehemaligem Her Pionier und späterem 
Kriegsleutnant in der 1. Landw.-Pi.-Komp 14. A. K. nicht allzu 
schwer gefallen, da ich sehr guter Schwimmer und Sportsmann 
bin und die Wasserverhältnisse am Oberrhein genau kenne. Denn 
an der gleichen Stelle haben wir in vergangenen Zeiten schon 
unsere Brücken geschlagen." 


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Seite 722 


® i c TO o d> e 


Kummer 31 



Die Wirtschaftskrise und der dam.t verbundene grosse Geldbedarf haben in 
Berlin einen ungeheuren Ansturm auf die Reichsbank in der Jäger¬ 
straße zur Folge gehabt. Die Boten mußten oft stundenlang warten, um die 
Banknoten für ihre Firmen zu erhalten Phot. Graudem 


Phot. 


Fernstädt 


Die jugendliche Pilotin Carola Drehmann beim 
Start in einem Hängegleiter in der Fliegerschule 
auf der Wasserkuppe im Rhön-Gebirge 


MIT KÖRBEN UND SÄCKEN VOR DEN KASSEN DER REICHSBANK EINE 15JÄHRIGE ALS SEGELFLIEGERIN 



1. Freiherr v. Bibra, Adjutant des Reichskanzlers, 2. Esteban Repeito, Korvetten-Kapitän der argentinischen Schul- Phot Mocsigag 
schiff-Fregatte „Presidente Sarmiento“, 3. Kapitän zur See v. Loewenfeld, Kommandant des Kreuzers „Berlin“, 

4. Frau Reichskanzler Cuno, 5. Exccllenz Molina, argentinischer Gesandter in Berlin, 6. Reichskanzler Dr. Cuno 

DEUTSCH-ARGENTINISCHER MARINEBESUCH IM HAUSE DES REICHSKANZLERS CUNO IN AUMÜHLE 

Siehe den Artikel „Hamburger Festtage“ auf Seite 719 und 720 


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PRINCETON UN1VEF 
























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PR1NCET0N UNIVERSITY 


s 





























Seite 724 


<9 f * 


Kummer 31 




Der Dampfer, der die Ausgewiesenen aufnehmen soll 


Die aus ihrer Heimat Ver¬ 
triebenen gehen an Bord 

❖ 

Im Kreis: Das notdürftige Ge¬ 
päck der Ausgewiesenen, das 
im Freien aufgeslellt ist. 

❖ 


Links. Kinder der Ausge¬ 
wiesenen in Remagen, die so 
plötzlich aufbrechen mußten, 
daß sie nicht mehr reisefertig 
gemacht werden konnten. 
Daher sind die meisten ohne 
Hut und Mantel 

die leiden der 

AUSGEWIESENEN 


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p 


In Mexiko wurde bei 
einer Veranstaltung des 
dortigen Frauenvereins 
Ernst Lissauers Drama 
„York“ zum erstenmal 
aufgeführt. Der Rein- 
ertrag(rund 1000 mexik. 
Pesos) floss in dankens¬ 
werter Weise der Deut¬ 
schen Ruhrspende zu 

Von links: Friedrich 
Wilhelm III (Dr. Trau¬ 
gott Boehme, Direktor 
der Deutschen Schule 
in Mexiko), Koekeritz 
(Wilhelm Boerner, Leh¬ 
rer an der Deutschen 
Schule), Ancillon (Univ. 
Professor Kurt Doeh- 
ner), York (Alex Sauter) 

Eine deutsche 
Uraufführung 
in Mexiko 


im Kreis. Kapellmeister 
Maximilian Albrecht, 
der Dirigent des Zwei¬ 
ten Oberbadischen 
Musikfestes, das in Frei¬ 
burg i. Br. veranstaltet 
wurde 


Rechts : Elise von Ca- 
tÖpol und Hans Batteux 
im Turteltaubenduett in 
Robert Winterbergs 
„Günstling der Zarin“ 

Phot Becker & Maass 

Sommer -Operette 
im Charlotten¬ 
burger Deutschen 
Opernhaus 


AUS DEM 
THEATER- UND 
MUSIKLEBEN 


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Unten: Start zum Grossen Preis von 
Berlin im Stadion. Der Sieger 
Thomas (X) PW. Gross 


6eite 720 


Kummer 31 


hn Kreis: Major Carganico (X) der Sieger im Ersten 
Flugzeugrennen im Stadion Fhot. Graudens 


Unten. Weinspach-Reimann Sieger im Doppelkanadier- 
Rennen bei der Regatta in Grünau Fhot. Riebickc 


'VOao fid) an widrigen Gportereigniffen in bcn 
letzten 3Bod}en barbot, ioirb hier imiilbe feftge* 

halten. der9iennfportftehtbiefes3ahrganaim3eic&en 
bes Stalles ber Herren 9t. u. ( i. u. ©einberg. Sie 
befifcen in 9lugia$ nnb (£>anelon bie unftreitig heften 
dreijährigen biefes an fid) glän^enb geratenen 
G^hrgangs. 3”i Stabion brad)te allerbings bei un» 
gilnftigem ©etter ber „Coroße "preis non Berlin" 
lieben bent)d)e nnb fd)iuei*er danerfahrer an ben 
Start. Sieger blieb nadi einigen 3un[d)enfällen ber 
bcntfd)e TRcifter Thomas. OMcid^citig faitben hier 
bie erften Fliegerrennen ber Sportscinbecfer ftatt, 
an benen and) Antonius 0\aab teilnahm, ber erft 
fürftlirf) bitrd) feine i/anbung Unter ben Siinbcn 
'Inffehen erregte. 3nm Srfjlnß [ei nod) bie (örünauer 
Maiiuregatta ermähnt, bie fiir ben mobernften, meil 
billigten ©afferfport merbenb eintrat. st. 


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Stummer 31 


S t e 30 o & e 


Seite 727 



SPIEL IM SPIELE 

(Das lebende Schach) 

Der Arbeiter-Schachverein Harburg an der Elbe ver¬ 
anstaltete ein Schachtunier im Freien mit lebenden 
Figuren, das viele Zuschauer angelockt hatte 

Oben: Das Königspaar erscheint mit seinen Trabanten 
zum Spiel. Vor dem König ein Springer. Rechts die 
beiden Türme 

❖ 

im Kreis: „Matt!" Der König übergibt dem Läufer, der 
ihn mattgesetzt hat, seine Krone 

Unten: Ein Bauer schlägt einen feindlichen Springer 

Aufnahmen von Frankl 


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Gttte 728 


® 1 1 o (& e 


SRummet 31 







Die Krüppelanstalten „Johanna- 
und Helenen*Hcim" in Volmarstein 
in Westfalen haben vor kurzem 
ein Haus gebaut und seiner Be¬ 
stimmung überleben, das in Deutsch¬ 
land einzig dasieht. Es handelt sich 
um ein Heim für die Schwerstkriegs- 
beschädigten, die dauernd Anslalts- 
pflege nötig haben und im werk¬ 
tätigen Leben sich nicht mehr be¬ 
schäftigen können Die Ärmsten der 
Armen unter den Kriegsbeschä¬ 
digten, die entweder infolge ihrer 
schweren Verletzung ganz an das 
Bett gefesselt oder auf den Fahrstuhl 
angewiesen sind, sollten ein Heim 
erhalten, das nicht im kalten An 
staltstil gebaut ist, sondern ihnen 
eine gemütliche Heimat bietet 


Vom berühmten Domschatz in Münster i. W.: Die goldene 

Gcilensche Sonnenmonstranz, die Milliardenwerte darstellt, wurde aus 
dem Gotteshaus entwendet 


Das Kriegsinvalidenheim in Volmarstein i, W. 
Phot. Watzulik. Witten-Ruhr 


Neuyorker Luftpolizei: Seit einiger Zeit besitzt Neuyork meh.ere 
Patrouillenflugzeuge, deren Hauptaufgabe es ist, darüber zu wachen, dass 
die Stadl nicht unter einer Mindesthöhe von 2000 Fuss überflogen wird. 
Ein Verstoß gegen diese Vorschrift kostet 500 Dollar 


Eine Meisterm im Sattel 

Die Mexikanerin Ruth Roach eine der besten Reiterinnen ihres Landes.- ala 
„Miss Texas" beim Cake-Walk zu Pferde 


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Kummer 31 


Geite 729 


0 1 e 9B o cfr e 

(Sptu* bt& ^fdßi«gk Äban 

«Roman, oon CKaris Dominifo 

9. Fortsetzung. .— Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


31m 9lusgang ber Soubc breßte Helen fiel) nochmals 
um. „9lbieu, Gie Sßapagei • . . Gie Ungeheuer . . . 
Gie, Gie . . ." 

SÜlit brei Gd)rittpn ftanb fie oor Wellington F°£ unb 
l)iclt il)m bic fleine geballte F au ft uors <S>cjid)t. 0a 
füllte fic fid) plößließ neben fißen, unb ein anbereu 
SDlunb oerfd)loß ben ißren. Grft nad) geraumeu Weile 
Hang bie Glimme Wellingtons mieber. 

„Glaubft bu mirflid), meine liebe fleine Helen, Welling» 
ton Fos ließe fid) bas (ölitcf feines Bebens entgegen, rocil 
ein alter ßarter 9Jlann ißn feines fd)malen SBeutels 
falber nießt für miirbig ßält? 3ßn unb alle feine Gcßäße 
mag ber Teufel . . ." 

„Wellington! Gs ift mein SVater." 

Reiber, $elen! 0od) Gebulb. Wir toollen feßen, 
meffen Gkßäbel auf bie 0auer ber härtere ift." 

„9ld), Wellington! 0u ßoffft ißn zu zwingen. Stenn 
roerbe id) nie im Beben bie Steine merben. 9ld), toenn 
bu müßieft, mie grenzenlos unglücflicß id) bin." 

Sränen erftieften §elens Glimme. Weinenb barg fie 
ißr Gcficßt an Wellingtons 33ruft. 

„Gebulb, Gebulb, fleine Helen! ’3d) weiß, toie man 
Beute oom Gcßlage beines Stoters auf feine Seite zwingt. 
9ftan muß etmas tun, mas ißnen imponiert, u>as ißnen 
9iefpeft beibringt. Unb marum follte bas nid)t aud) 
beinern Wellington gelingen? 9lod) einige Wod)cn. 0ann 
ift bie 6aat reif, bann . . . 

S)ie mcitereit 'Worte gingen in einem unoerftänblidjen 
Gemurmel unter. 

„0u fpricßft fo geßeimnisooll, Wellington, mas meinft 
bu?" 

„9iid)ts, nid)ts, Meine §elen. 0o<ß nod) eins, ßicbfte. 
Gs tonnte fein, baß bu mid) in ben nädjften Sagen oer= 
geblicß ermarteft. iBielleicßt faitn id) fogar oor eurer 
91breife nad) 9lficn iiberßaupt nid)t meßr ßierßerfommen." 

„Warum nid)t, Wellington? Was follen biefe 3ln* 
beutungen? Was l)aft bu oor?" 

$elen brängte fid) ungeftiim an Wellingtons 93ruft. 

„9iid)ts 53efonberes, liebe Helen. Sökin SBeruf zmingt 
midj Ijäufig zu unoorßergefeßenen Reifen ... Gs 
lönnte fein, baß id) morgen . . . roid)tige Gefcßäfte . . . 
auf ein paar Sage uerreifen müßte. 0as ift alles. 
Wünfcße mit mir, baß biefe 91eife guten Grfolg l)at. 
Gie mirb uns aud) unferem Gliüf näßerbringen. 3lm 
SBalfafcßfee treffen mir uns beftimmt mieber." 

* * * 

(Es mar eine Meine, gutbürgerlidje Seeftube, bie 
Sfd)ung Fu in ber Gßina tomn oon ^yrisfo t)ielt. 5?eine 
Hafenarbeiter, feine Wäfd)er, 5töd)e ober bergleicßcn 
SBolf oerfe!)rte l)ier. 9lur bas beffere ^ublifum, Slauf» 
Ieute, Hänbler unb jene gelben Mnftler, bie mit unenb» 
licßem Gefcßicf unb nod) größerer 3lusbauer bie Erzeug» 
niffe d)inefifd)en Gemerbefleißcs, bie munberbaren Bacf» 
unb Filigranarbeiten ßerftellten, bie in ber Hauptftraße 
oon Gßina tomn in ben SBafaren oerfauft mürben. 

3lber biefe folibe Seeftube mar nur ber S^orßang oor 
fd)limmercn 0ingen. S)ie gelben unb meißen (Säfte 
Sfcßung F u $ fonfumierten nid)t nur ben buftigen Sranf 


ber ^eccobliite. Gie ßulbigtcn aud) bem Genuffc beo 
Opiums, liefern 3u)ecf bienten bie ßinteren Flaume 
bes Seeßaufes. 

(Eine faum fid)tbarc Siir an ber Wanb ber Seeftube... 
Gin langer minfliger (Sang . . . Gin S^orßang . . . 
9tod) einmal ein Gtiict Gang . . . Gin zweiter 'Horßang, 
unb man mar in bem 9taum, in meld)em Sfcßung F u 
feinen (Säften, aber nur moßleingefüßrtcn unb unbebingt 
Ziioerläffigen Gäften, bas oerbotenc 9larfotifum oerab» 
reid)te. 

Gin großer, nur burd)' fünftlid)e 93elcud)tung erßellter 
31aum. 3ln ben Wänben fleine, burd) 33orl)änge oer* 
fd)ließbare 3Hfd)en. 3m 9iaume felbft nod) z a ßl re ^) 
jene niebrigen, meicßgepolftertcn Bager, auf benen bie 
Opiumraud)er ben Genuß ißres 9iaufd)es mit gelöfteit 
Glicbern ausfoften tonnten. 

3n ben 9>orl)ängen, im Holzmerf ber Wänbe, ja im 
ganzen 9iaumc ßaftete unoertilgbar ber fiißlid)e, fiii 
ben Ungemoßnten miberlid)e ®uft bes falten Opium» 
raudjes. 

Gs mar um bie britte 9fad)mittagsftunbe. Gdjon ßatte 
bas ßofal Sfdjung Fus reicßlidjen 3ufprud) geßabt. 9111c 
9fifcßen bes ßinteren Raumes maren belegt, alle ^0 Ift er 
unb ftiffen im 9iaume felbft befeßt. Gelbe unb audj 
einzelne Weiße lagen ßier. S)ie meiften bereits im tiefen 
9taufdj. 9fur einige menige nod) fäßig, bie pfeife zum 
SOiunb zu fiißren ... bie letzten 3 üge zu tun, bic fie 
in bas ßanb gliicflid)er Sräume bringen füllten. Sfd)ung 
Fu mar zufrieben. 3 cbe ßier geraueßte pfeife brad)te 
ißm ein blanfes Golbftüd oon ben bemäßrten allen 
Gäften . . . oiel größere Beträge oon benen, bic zum 
erften 9flalc famen, bie erft eingefüßrt mürben ober jid) 
felbft einfüßren mollten. 

3eßt begleitete ber Wirt bienernb unb frieeßenb Gollin 
Gameron unb beffen Begleiter, ein gelbfcßmarzes $alb» 
blut, in ben 9iaum. 

„Gs tut mir feßr leib, 93tr. Gameron . . . alle STojen 
ftnb befeßt . . ." 

Gollin Gameron blieb zögernb mitten im 9iaume 
fteßen. Gin ßalbunterbriicfter Fludj fam über feine 
Sippen. Gein 33licf glitt über bic Gäfte, bie ßier als bic 
miüenlofen Gflaoen einer 3)roge unb einer Beibenfdjaft 
auf ben Riffen lagen. 

„ . . . Sterbammtes ^aef! . . . SBerfoffeitts flumpen» 
gcfinbel . . ." 

Gr maeßte eine 93emegung, als ob er ben näcßftcn mit 
einem Fußtritt oon feinem Bager ßinabfcßleubern molle. 

0er Wirt beutete einlabenb auf einen unbefeßten Sifd) 
in ber 9Ritte bes Raumes. Gollin Gameron fragte: 
„Wer ift ßier?" 

„9hir alte 33efannte! Gidjerc Beute! . . . Gie 
fdjlafen alle. Ginb im fiebenten ^arabiefe. 9)iau fönntc 
fie ßinaustragen, oßne baß fie es merfen." 

9iod) einmal ein furzes Überlegen. Stomt ließ fid) 
Gollin Gameron an bem SUHtteltifd) nicber unb lub 
feinen ^Begleiter burd) eine Hanbbcmegung ein, bas 
gleid)e zu tun. 0er Wirt brad)tc ißnen felbft beit 
frifd)en See. 0ann 30 g er fid) feßeu zuriief. 


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© i C ®ocfec 


Kummer 31 


6eite 730 


Golliit dameron fd)toicg. SDTit oerä<gtIid)cm £nrf)clrt 
beobaegtete er einen ber SRaudjer, ber es nod) einmal 
oerfud)te, bie pfeife an bie Sippen 3 U bringen, ©ie 
Kräfte bes Cannes reichten niegt megr aus. Seine 
klugen, grog unb glafig, ftarrten empfinbungslos in 
ben Sftaum. 3 egt Heg er bie pfeife fallen unb fan! ber 
Sänge nad) auf ben ©iman guriief. ©ie öligen fcgloffen 
fid), unb ein gliidlicges ßäcgeln niftete fid) in ben aus= 
gemergelten 3ügen bes SHaucgers ein. 

(Eollin dameron martetc gebulbig, bis auef) biefer legte 
SRaud)cr fteger in bent $afen ber SBerougtlofigfeit ge* 
lanbet mar. ©ann eröffnet« er bie Untergattung. 
„Was SNeues?" 

„Sftein, SDtr. dameron. Sie gaben mogl bie legten 
$lrtifel in meinem SBIatt gelefen. Waren fie nidjt gut?" 

„Sie maren gut. Qlber non nun ab mug ein anberer 
©on angefdjlagen merben." 

„STCod) fegärfer? SBergeffen Sie nidjt, bag iliein SBlatt 
fegon fegt in defagr ftanb, unterbrüeft gu merben." 

,,©ic Wagl 3ofua SBorbens ift ocrfd)oben!" 
„SBerfcgoben! Warum? . • . din böfes 3cicf)ea . . • 
SBcrrat?" 

„ds !ann niegt anbers fein." 
din fd)merer ftlud) tarn aus bem Sttlunbe bes anberen. 
©anad) feine groge. 

„Was nun?" 

,,©as frage icg Sie." 

„©ann mug eben ätfe* anbere aud) uerfdgoben 
merben." 

„^lusgefdjloffen!" 

©er anbere pfiff leife burd) bie 3 ögne unb tniff bie 
fcgmalen Scgligaugen nod) enger gufammen. ^riifenb 
bliefte er in bas deftd)t dollin damerons, in bem fid) 
ftarfe drregung malte. 

„3gre Worte fmb bunfel, SDtr. dameron. ©as eine 
fällt mit bem anberen." 

„Steinl ©as barf es niegt!" 

„Wgl . . . Wegt ber Winb bager? • . . Silber unfere 
gitgrer merben nid)t mitniacgen." 

„©ann merben anbere bie gügrer fein! • ♦ • diner 
baoon Sie!" 

©er anbere fan! in feinen Seffel gurüd. ©ie fleine 
gigur oerfegmanb faft in ben Sßolftcrn, mägrenb er bie 
Hanb an bie Stirn legte. 

„ds mirb nid)t gegen, SDk. dameron. ©ie Waffen 
merben uns nid)t folgen." 

„ 3 u 9 e 9 e ben! ©ie groge STRaffe ber Sdjmargen nid)t.. • 
bas geigt, niegt fogleid) . . . Silber fmb Sie fug ber 
Hafenarbeiter fieger? . . . SHuf alle gälle?" 

din übles drinfen lieg bie üüqe fdjmarggelbcn 
Halbblutes nod) abftogenber als gemögnlid) erfdgeinen. 

JäJttt genügenb . . . fo etmao . . ." feine Hänbe 
mad)ten bie SBemegung bes delbgäglcns . . . „unb bem 
nötigen Wgisft) . . . 3a!" 

„Wie ftegt’s mit ben SDTorton=Werfen?" 

„©as !ann id) niegt fagen. Silber ... ber gitgrer . . . 
ift empfänglid) für . . ." Wiebcr ooUfiigrten bie Singer 
bes Spred)enben bie SBemegung bes delbgäglcns. 

„ 3 d) merbe mit igm reben. Wie ftegt’s mit ber 
fd)margen Unioerfität? 3 gre Organifation ift bie befte. 
3gr SBeifpiel mürbe groge Wirfung gaben." 

„©ie jungen Hiftföpfe mügten fteg bei gmetfmägiger 
SBeganblung mogl gebrauegen laffen . . . din gefdgieft 
infgenierter Streit mit ben meigen Stubenten . . . dut 
ausgemalgt unb fräftig breitgetreten . . . Dilles im 
ciegtigen Moment . . . ©as bürfte genügen." 


„All right! ©ie Arbeit in Sri 5 * 0 lege id) in 3g?e 
Hänbe." 

©er anbere fd)mieg. Silber feine Sllugen blinzelten be= 
gegrlid) nad)- ber Stelle, an ber fid) dollin damerons 
SBrufttafcgc befanb, unb feine SDliencn fpraegen eine 
berebte Spradjc. dollin dameron rig ein Sdjecömd) 
geraus unb reichte es feinem degenüber. 

„Wie goeg?" 

„ 3 n jeber Höge!" 

©as drinfen auf ben 3 ügcn bes anbere;:. lecbrefterte 
fug. Seine ginger umflammerten bas SBucg, unb im Situ 
mar es oerfdjmunben. 

,, 3 d) fagre geute naegt nad) ßouifiana, um bort meiter 
3 Ü arbeiten. SDleine ^Ibreffe fennen Sie." 

din liefen bes anberen. 9tod) einmal lieg doüin da= 
meron einen SBlicf auf ben. SRaum unb feine trunfenen 
3 nfaffen gleiten, ©ann fegritt er mit feinem ^Partner 
bem SHusgang 3 U. 3 gre <5d)ritte oerflangen auf bem 
Slur. 

Spiöglid) blieb dollin dameron ftegen unb fcgltdg leife 
mieber bem eben oerlaffenen demad)e gu. SDlit unenib* 
lieget* SBorfid)t fdjob er ben Vorgang um menige SDlilIi= 
meter gur Seite, bag fein SJluge eben ben Süaum über= 
bliefen tonnte. Dilles mar noeg genau fo, mic er es oer= 
Taffen gatte. SHls er fid) umbregte, ftanb ber gelbe TOrfc 
fagenbucfelnb oor igm. 

„Sülles in Orbnung, Sülr. dameron. ©ie ©oten auf 
bem $tird)gof gaben feine tauberen Ogren als meine 
däfte." 

^Bägrenb dollin dameron bem SHusgang ^ufdjritt, 
fegrte ber SIBirt in bas demaeg guritef. Sein SHuge blieb 
an einem ^Beigen gängen, ber in tiefem Sd)laf ber 'Banb 
^ugefegrt balag. 

,,©u Sogn eines Scgafals! . . . ©einctgalben gat 
©fegung Su eine böfc Stunbe gegabt. ©u bift ja feiner 
oon meinen Stammgäften . . . für bie id) mid) oerbürgt 
gäbe ... ©u folift es mir besagten." 

Ungörbar feglid) er auf feinen SHjfoglen auf ben 
Sd)läfer gu. sprüfenb glitten feine Hänbe über bie 
Äleibung bes ©aliegenben unb tafteten nad) ber degenb 
ber SBrieftafd)e. 

SBon einem Sauftfdjlage getroffen flog er bis in bie 
SERittc bes Raumes ^uritef. 

,,©u Sogn einer gelben H^nbin, begaglt bift bu ftgon 
im ooraus!" 

ds mar Wellington 505 , ber bei biefen Worten oon 
bem ©iman auffprang. ©od) beoor ber SBerid)terftattcr 
ber dgicago Sßreg ben Ausgang erreid)en fonnte, gatte 
fid) ber Wirt fegon mieber aufgerafft, din ©ifeg flog 
Wellington goj empfinblid) gegen bas Scgienbeiru 
Scgon mar ber Wirt braugen unb lieg einen gellenben 
spfiff ertönen. 

Wellington fioic ftürmtc igm naeg. Silber es mar nidjt 
ber dang nad) ber oorberen ©eeftube, fonbern ein 
anberer, ein oiel längerer unb minfliger dang, in ben 
er geriet unb bureg ben er bis auf ben H°f gelangte. 
Hier fag er fid) plöglicg oon allen Seiten umringt. 

Wellington ft°£ mar gut gebaut unb gut trainiert 
SRad) red>ts unb Iinfs teilte er folibe fjauftfcgläge aus, 
brad)te gier unb bort einen Söteiftergriff bes ©fcgiubfcgitfu 
gur SHnmenbung unb bagnte fid) über taumelnbe unb 
ftögnenbe gelbe Körper feinen Weg. 

^ilber er mar in einer SDie ©ür gum SBorber^ 

gaus mar oerfd)loffen. dine Sölöglid)feit, fie aufgu^ 
bred)en, nid)t oorl)anbcn. SBon allen Seiten fcglojfen 
[teile Wänbe ben Hof e * n - ^ ur ari e ^ ner Stelle fiigrte 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



Kummer 31 


0 i c gB o d) e 


SetU 731 


an ber Wanb bes STCebenßaufes eine fcßniale Stiege 
empor. (Er ftürmtc fie f)inan unb lanbete atemlos auf 
bem flauen ©aeß bes 9tod)barßaufes. (Eßinefifdje 
Wäfcßer betrieben ßier ißr (bewerbe. 

^usgefpannte ßeinen ... mit 3öäfd^eftliefen be= 
ßängt . . . allerlei 3 u ^ r unb 93ottid)e . . . 

(Einen Slugenblicf blieb er feßnaufenb fielen unb 
blicfte fid) orientierenb um. ©er Wiblidf eines gelben 
Kopfes, ber ftd) über bie ©aißfantc feßob, mahnte ißn 
an feine Cbegner. 93or einem plößlicßen träftigen ftuß* 
tritt widj biefer Stopf 3 urücf. *3lber ein SBltcf über ben 
©aeßranb belehrte Wellington $o£, baß bie Stiege bis 
hinauf gum ©ad) bereits bief^t mit (Selben befeßt mar. 

Sudßenb faß er fidj naeß einer geeigneten Waffe um. 
6 ein SBlidf fiel auf einen jur $älfte mit Waffer gefüllten 
Wafdß 3 uber. 

3n ber näcßften Sefunbe ßatte er jene 3 toeite ©gno* 
tßermtube 3 fen- 
branbts ßeraus» 
geriffen unb in 
ben 3 ubcr aus* 
gefcßüttet. 6 o 
fcßnell toie mög* 
lief) 3 errte er ben 
3 uber über bas 
©ad) bis 3 ur 
6 tiege ßin. Sdjon 
ftiegen gewaltige 

©ampfwolfen 
aus bem SBotticß, 
feßon trafen eini* 
ge Sprißer bes 
fiebenben Waf» 
fers feine $änbe 
unb oerurfaeßten 
an ben ©reff* 
fteHeit große 
SBranbblafen. 

©ann war es 
geglücft . . . ©er 
Snßalt bes SBot* 
tießs über bie 
6 tiege ßinabge* 
goffen. 

(Ein Scßrei bes 
(Entfettens . . ein 
tierifeßes brüllen 
oermifeßt mit bem Zimmern Sterbenber . . . belehrte 
ißn, wie bas ©gnotßerm gewirft l)atte. 6 d)on war ber 
gan 3 e §ofraum in feiner ©iefe ein einiges wogenbes 
©ampfmeer, in bem fid) nichts mel)r erfennen ließ. Sd>on 
ftrömten bie ©ampfwolfen weiter empor 3 ur hoppelten 
unb breifaeßen §öße bes Kaufes, wäßrenb bort unten 
bas Ießte Wimmern erftarb. Scßon mifeßte fid) bren 3 = 
Iid>er Qualm in ben Wafferbampf. Scßon ^uefte es 
feurigrot aus ben wogenben weißgrauen SJiaffen. 

©as Saus, auf beffen ©aeß Wellington ftoj ftanb, war 
nießt aÜ 3 U ßod). Wit fcßneüen (Griffen ^attc er bie 
Wäfcßeleine gelöft unb um einen Sßfoften an ber Korber* 
feite bes Kaufes gefeßlungen. Seßnell glitt er an ißr 
auf bie 6 traße ßinab. 

(Er faß fid) um. (Ein Heines, ißm unbefanntes Seiten* 
gäßdjen. ^lufs Seratewoßl lief er barin entlang unb 
erreichte bie £auptftraße. 9facß einen ©lief rücfwärts. 
Jyeuerloße feßlug 3 um Simmel, wo bas ©eeßaus ge* 
ftanben batte- 


ßangfam glitt bas Scßiff Sfcnbranbts flußabwärts 
ber SJlünöung bes 3li &u. Scßon 3 ogen fid) bie mäeßtigen 
Scßilfßorfte 3 U beiben Seiten bes Stromes weitausein* 
anber, unb unmerfließ oermifd)ten fid) bie Wellen bes 3Ii 
mit ben Waffern bes ©talfafcßfees. 

Streifcßenb ftiegen gan 3 e Schwärme oon Wafferoögeln 
empor, bie ber Sturs bes Scßiffes in ißrer ^Ibenbruße 
ftörte. 9tofig flimmerte bas ßelle Sefieber ber taufenb 
unb aber taufenb ©ögel in ben Strahlen ber finlenbcn 
Sonne. Wie bießter grauer ©unft ftanben Wgriaben 
oon Sflücfenfd)wärmen ba 3 wifcßen unb broßten bie 
Sonne 3 U oerbunteln. 

Cbeorg 3 fenbranbt ftreefte bie £anb naeß einem $ebel 
aus. (Ein tuqer ©ruf barauf, unb automatifcß fcßloffen 
feine Sa 3 efenfter bie Sabine. 

(Er leßnte fid) rußig in feinen Seffel 3 urücf. 9toa) 
trug er ben Sefellfd)aftsan 3 ug, in bem er ben gan 3 en 

©ag bie offi» 
3 ieHen (Empfänge 
ber 3 aßllofen 
(Säfte aus allen 
Weltteilen mitge* 
mad)t ßatte. 
Seine dienen 
oerrieten (Ermü* 
bung unb 3 eig» 
ten, baß bie 9In* 
ftrengungen bie* 
fer 5 «ierlid)feiten 
felbft für feine 
eifernen Heroen 
reefjt reießlid) ge* 
wefen waren, ©a 
er außer ben 
wid)tigften euro* 
päifcßen aueß 
meßrere afiatifeße 
Spracßen be= 
ßerrfdjte, war 
feine ^erfon bei 
biefen (Empfängen 
gansbefonbersbe* 
anfprueßt worben. 

So war er gern 
bem 93orfd)lage 
oon Wellington 
fto£ gefolgt, eine 
Slbenbfaßrt oon Wicrnp 30 m ©alfafeßfee 3 U unter* 
neßmen, um ßier in rußigen Stunben wieber 
(Erßolung unb Stärfung für bie Strapa 3 en bes fommen* 
ben ©ages 311 finben. ©enn bie ßeutigen (Empfänge 
waren ja nur ber Qluftaft für bie großen fteierlicßfeiten 
bes morgigen ©ages. 

$on morgen ab foDte ber mädßtige, oierßunbert 
Quabratmeter große ©alfaf<f)fec ein neues widriges 
Colieb in ber ft'ette ber Unterneßmungcn ber (E. S. (E. 
werben. 3 n feierli^em $Ifte, im ©cifcin oon fiißrenben 
SDtännern aller Staaten ber Welt follte bem See bie 
©pnotßermmenge einoerleibt werben, bie feine Waffer* 
mengen in ©ampfform in bie ßiifte jagen mußte, ©er 
^lan ging baßin, bie oielen ßunbert 9ftilliarben ^ubif* 
meter Waffer, bie ßier bie Scßale bes Sees füllten, als 
frueßtbaren liegen nad) 9torben unb 9iorboften 3 U 
fenben. 3 n feiner gansen Sröße fonnte er ni(ßt aus* 
gefüßrt werben, folange bem See bie oerftärften 3uftüffe 
aus bem cßinefifdjen (Gebiete feßlten, bem Slibreiecf. 



„Sommerglut“, Originalradierung von Max E. A. Richter 

Mit Genehmigung des Kunstverlages B. Fröhlich 


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PRfNCETON UNIVERS1TY 



«Seite 732 


0 i e gs 0 cb e 


„©eine Einrichtung mit bicfen Vtiicfennetten ift 
3 wcifellos ohne ©abcl, Seorg. Vteine 3^ arrc ift macht¬ 
los gegen fold)e Vtosfitomcngen . . . Steh nllr / mie 
bie Jenfter fd>on baoon bebeeft finb . . . Eine ganje 
Sd)icht . . 3a . . . bas h^ßt • * • auf biefc Weife 
fehe id> ja nichts mehr . . . unb um 311 fel)en bin ich 
bod) hierhergetommen. 

Öeute nad)t noch muß mein erfter Veridjt nad) Ehicago 
gehen. W 03 U hätte id) benn ben Manager bes (langen 
3 um ftreunb, wenn id) nid)t fd)on heute als gefd)ef)en 
melbcn fönnte, was morgen erft gefebieht. ©ie Vtanu- 
ffripte ber Sieben I>aft bu mir ja fd)on 3 ur Verfügung 
gefteUt." 

„Saft bu esfamotiert, mein ßieber", warf 3 fenbranbt 
irotfen ein. 

„ftehlt mir nur nod) bie Kenntnis ber Stätten, an 
betten [ich olles abfpielett wirb . . . Vbct by Jove, cs ift 
wirtlich toum nod) uxts 311 fel)cn. §ol ber Teufel bie 
Vtiicfenbrutl" 

Wieber griff 3 fenbranbt ttad) einem Sd)alter unb 
fprad) non feinem ^laft aus leichthin ein paar Worte, 
ftaft im gleid)en Vtomcnt hob fid) bas Schiff leidit oon 
ben fluten ab. Währenb bas Waffer nod) oon feinem 
Kiel tropfte, reefte es 3 toei meite Schwingen aus unb 
ftrich uüc ein gewaltiger Vad)toogel über bie Sccfladje. 
Sd)nell oerjagte ber frifd)e ftahrwinb bie umoillfom* 
menen Säfte. 3n freiem Vusblicf tonnte Wellington $o£ 
ben See unb feine fiiblid)en Ufer Uberfchauen. 

„Ein wunberbares Söilb, Seorg. Wir fehen es heute 
bas leftte SCRal. 3 d) fattn begreifen, baß bu ben ftlug 
hierher fd)on öfters 3 U beincr Erholung gentad)t l)aft. ©ie 
bunfelnbcn $luten mit ben rofigen Sichtern ber Vbenb» 
fonnc. 3m Often bie unabfehbarett Vohrl)orfte. Ein 
Vilb, bas jebes Vtalerauge ent 3 ücfcn muß. ©aju bie 
wohltätige Vul)e einer unberührten Vatur. Wie fdjabc, 
baß bas alles uerfdjwinben muß! Sd)on morgen werben 
es ewige 9tebel unb Kämpfe oerhüllen . . . ©od) eins, 
Seorg. ©ie ftrage brennt mir fd)on feit langem auf beut 
Se^eit. Was id) bei itnfcrer lebten Jyahrt in ber Steppe 
erlebte . . . Was id) in geling fah . . . ift battad) bas 
alles hier nod) notwenbig?" 

,,3d) habe bid) einen tiefen Vlicf in meine harten tun 
laffen, alter ftoj, roeil id) beitte Verfdjmiegenheit fettne ... 
©eine ffrage ift att fid) bered)tigt. © 0 dj anbere Srüitbe 
fpielen mit, bewegen ntid), bas gefd)ef)cn 31 t laffen, was 
morgen gefd)iel)t." 

Währenb Cncorg Sfenbranbt fprad), fd)ien alle Vbfpan= 
nung oon ihm 3 U weichen. Er erhob fid) unb fdjritt in 
ber Sabine hin unb her. 

„©as Programm für ben morgigen ©ag würbe früher 
erbadjt als bas, was bu gefehen. ©as Programm auf* 
3 ugeben, wäre in boppefter öinfid)t oerfehrt. So gut 
fommt bie (Gelegenheit nie wieber, bie klugen bes Vtutter* 
lanbes Europa auf uns 31 t rid)teit, bie wir hier im fernen 
Often als Pioniere ber weiften klaffe tämpfen. öter 
werben feine Vertreter mit eigenen klugen feften, wie 
groft bas Wert ift, weld)e Vebeutung es für Europa 
hat. Serabe hier fallen bie öerren ©iplomaten fehen, 
wie wichtig bie 3lifrage für uns ift. Unb bann ... bie 
(Selben . . . mein lefttcr ©rümpf mufi bis 311 m Icftten in 
meiner öanb bleiben. 3 ft ber einmal ausgefpielt, bann 
mag auch ber See fein altes Vusfehen wieber gewinnen!" 

Währenb E>eorg Sfenbranbt fprad), ging bas Sd)iff 
wieber bis auf ben Seefpicgcl hinab, Sangfam näherte 
es fid) einem gewaltigen, bojenartigen Körper, beffen 
yiaffiger stumpf fief) filbergrau oon ben fluten abl)ob. 


Unheimlich, frembartig unb brohenb wirftc ber iKJj^ 
Vtetallförpcr an biefer Stelle. Wellington <Joi; 

3 werft. 

„«Ifo hier fdhwimmt ber Vtorber bes Sees." Sdjon 
hatte er ben photographifd)cn Apparat gerid)tet. Eine 
Seud)tfugel entfd)webte feiner £xtnb, ftieg empor unb 
babete bie Sanbfdjaft für ben taufenbften ©eil einer Se= 
funbe in einer überfülle ultraoiolctten Siebtes. 

„Slud) esfamotiert, mein lieber E>eorg! Vun weiter, 
31t ber Stranbtan3cl hin, oon ber jte morgen bie Seichen» 
reben holten werben." 

Coeorg 3fenbranbt lad)te. „©eine ameritanifche treffe 
wirb hier beffer oon bir bebient als bamals in geling. 
Übrigens, unter ben amerifanifchen Säften ift aud; Wr. 
JJrancis Saroin." 

„Vebft ©oeftter!" 

„W), bu weiftt fd)on, fflauer 5ud)S?" 

„Verabrebetermaften." 

„SÖiit ihm ober ber ©od)ter?" 

„Wo benfft bu hin. ©er 9 Ute oerhält fidj bauernb ab» 
Ichnenb. Vielleicht werbe id) hier einen Speed) mit ihm 
haben, burd) ben bie Sache enblich eine anbere Wenbung 
befommt." 

„(Gehört er nid)t bem Weiften Orben an?" 

„Seiber neinl Sonft würbe er jeftt fdjon anbets oon 
mir benfen. Sein ali3u reger Sefchäftsfinn Iäftt ihm feine 
3 cit für 3 bcale. Sonft wären feine Sieblungen an ber 
Sierra Veoaba nid)t 3itm ©eil in fcftwar3e §änbe ge¬ 
raten." 

„Vrnter gbj!" 

/ „kleine Urfad)e ba3U. Keine Vange um mid), (Georg! 
Vlit bem eilten werbe id) fertig. Vber bu? öaft bu 
9 tad)rid)t oon Vf)meb über Viaria?" 

©ie 3 üge Sfenbranbts oerfinfterten fleh* Schweigenb 
fd)iittelte er ben Hopf. 

„Vhtt, ö)eorg! Übermorgen fmb bie Sadjen hier 311 
Enbe. ©ann gehe id) fclber für bid) fud)en." 

* * * 

9 lm fteilen, fd)ilffreicn Siibufer bes Sees erhob fidj* 
oon nüid)tigcn, blumengefd)miicften ©ribiinen umflanft, 
bie Hai^el für ben Jefttag. ©ie Roggen aüer europäi- 
fd)en Staaten unb bie Embleme ber E. S. E. 3ierten ben 
hochragenben Valfenbau. 

Wie cinft um ben ©urm oon Vabel, fo wogten auch 
hier alle Voller unb Sprachen ber Erbe burcheinanber. 

Ein El)aos oon korben! Vunt waren bie ©rad)ten, 
bunt bie E>efid)ter. Reiter ber Fimmel unb heiter bic 
SOMenen. 

©en gröftten ©eil ber Vefud)er ftellten bie Siebler 
aus ben Holonicn ber E. S. E. 3 U ©aufenben umbran- 
beten fie bie ©ribitne. 

Weiter 3uriicf SDlaffcn ber alten öerren bes ßanbes, 
ber Hirgifen. ©ie Veugicr trieb fie wol)l hi er ^, bod) 
il)re finfteren Sefiri)tcr oerrieten, baft fie wenig 5 r€U ^e 
an biefer 5 e i e ^‘ hotten. 

Um bie elfte Stunbe beftieg ber Vräftbent ber E. S. E. 
bie S?an3el. 3 c hwtaufenbe laufd)ten feiner Vebe. 

3 n fur3en, fnappen 'Worten fd)ilberte er bic Arbeiten 
ber Sefellfd)aft oon ihren Anfängen am Vralfee bis 
3ur Vtauer bes ©hian Sd)an. Er fprad) and) oon ben 
oiclen Sd)wierigfeiten, bie öimmel unb Erbe, Waffer 
unb ßuft, 3 citen unb Winbe unb nid)t 3uleftt bie Vien« 
fd)en felbft bem Werfe bereitet hätten. Er betonte ben 
frieblirfjen 3 ai ccf ber Arbeiten. Wie fie beftimmt feien, 
allen, aud) ben früheren Vewol)nern biefer ehemaligen 
Wiiftcn nur Vu^en 31t bringen. (Fortsetzung folgt.) 


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Original frn-m 

PRINCETON UNIVERSITY 




Radierung von Ludwig Hesshaimer 

Aus der Radierungs-Mappe von Ludwig Hesshaimer „Der Weltkrieg — ein Totentanz“. Wiener literarische Anstalt „Wila“ 


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^Gougle 


Original frn-m 

PRINCETON UNIVERSITY 





cnr>an hat frfjon 9ttenfrf)en 
mit einem SUffen ge« 
fehen, an beffen Stelle fpäter 
ein ^ater trat, aber ein 
$unb mit einem Lffen, 
menn es aud) nur ein a* 
uian ift, ift fcltener. 3nt 
allgemeinen galten fid) bie 
Stere, bie im ©egenfafc zu 
ben Lienfd)en gänzlicff un* 
ncrbilbet finb, alfo ibr 
bi§<f)en angeborene Klugheit 
fief) reftlos bemahrt haben, 
mciftens an ihre Lrtgenoffen, 
aber nid)t immer. Unb bas 
gibt, tDouon ftef) hier jeber« 
mann überzeugen fann, 
bübfdje SBilbcr. ©äfjrenb 
man bas oon ben s Dtenfd)cn, 
meun ungleiche Äameraben 



mL MW&> ; 

" * -- :!r 


Gegensätze (Küken und 
Frosch) fhot. Kate Hecht 

bigcr£anbftra&e mit „Riffen" 
unb ,.£narre" auf betn 
dürfen in ber 3nfanterie» 
tolonne marfdjiert ift, mirb 
aud) feine 3n>eifel haben, 
ob ber Lolfsmunb immer 
bas Nichtige trifft 
üttan mu§ bie Stere lie¬ 
ben. "IBcnn ftc fich unter» 
einanber auffreffen moHeit 
— unb etliche mollen es 
beinahe fo häufig mie bie 
SJlenfdjen — bann machen 
ftc feine Lebensarten babei 
oon Lölfcrocrföhnung unb 
Humanität unb ziehen feine 
^rofefforen za ber (5e- 
fd)id)tc zu. 6ie mollen auch 
fchliefclid) nicht mehr als 
fatt toerben. brauche ich 
erft zu fagen, ba§ cs bei 
ben 9Jtenfd)en anbers ift? 
3ch möchte mal fehen, 
, r . c- .. menn unter uns ein ßebe» 

fT kei ? F T u l terncid , toefen, bas einer ßömin oer» 

(Junger Lowe und aIcid)faat mäte( unb ein 

r oxtemer) £>„„& beim tfuttenmpf g«. 

fantmenfommen mürben — 
id) glaube, ber^unb mürbe nicht oielLrocfen erhalten, 
felbft aber halb auf ber Speifefartc feines unglcU 
cheu .^ameraben ftehen. (Es fann aud) ber Sräitfeimer 






6nie. 735 


stummer bi 


tho Käte Hecht 

Unerwartete Begegnung (Igel und Dohle) 


fein. Cf Icfcml unb (fiel 
leinten in größter $\anterab- 
fd)aftlid)fcit. Bir tüiirbcn 
bas oielleicht für buntm fjfll-- 
ten unb ben (Siefanten einen 
„(ffel" nennen. 9lbcr id) 
glaube, n)ir hätten unrecht, 
bettn es fd)iuerft beiben unb 
xnirb ihnen mol)l and) gut 
befontmen. Unb mehr [oll 
eine 3Ral)4eit unb ein 
Druttf aud) nicht. Bir foll- 
ten uns oiellcicht fogar ba-- 
ran ein 'Betfpiel nehmen, bie 
Böller unb bie 3 ubioibucn. 
Slber mir hüben es leiber 
nod) nicht fo roeit gebracht 
roie bie Dicrc. Unter ben 
SDRenfchen barf ttod) immer 
nicht bas junge ütel) mit 
ben Jpunben jufammen fein 
unb frieblid) fpicleu, es 
lönnte fonft mas erleben — 
ftehc iRuhrgebiet. 

Bonn roir Benfdjen bod) 
nicht fo fchrccUich cingebilbet 
toären auf (Sifenbahn unb 
Telegraph, auf SRabium unb 
2 uftmafd)ine, auflanfs, gif¬ 
tige (f>afe unb roas fonft 


grofjc (frfinber ge [.haften ha¬ 
ben. Benn mir lernen moU* 
ten auch üon ben Vieren. 

ber bas fällt uns nid)t ein, 
baflu finb mir oiel au 
bodjuäfig. Bas mögen tool)l 
bie Diere oon ben iüenfehen 
halten, bei benen fie fo aller* 
Iiebfte Svenen, mic mir He 
hier fehen, nur fel)r, [ehr 
feiten beobadjteit? 'Das 
heißt, id) bin nicht neugierig, 
fd)ön mirb es bod) auf teilten 
Jyall fein, (fs ift gut, Cafe 
fte ihre (bebauten, meint fic 
meld)e haben, für firi) bchal 
ten, id) oermute beinahe, fie 
tuu’s, meil fie oon altershcr 
ben SOIenfchen fo tennen, mie 
mir il)n erft in beit leßteit 
fahren tentten gelernt haben. 
'Bit Hab bod) 311 uttgleid)c 
ftanterabeit. 

Dr. Max Pollaczek 


Links: Der Afte als 
Kindcrfräulein 


Herzliches Hinvernehmen (Eleiant und Esel) 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 


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(Seite 736 


0 i c * 8 $ o cb c 


Kummer 31 



Prunkwagen König Ludwigs II. 1870/1871, nach dem Entwurf von Franz Seitz in München gebaut 



AUS DEM NEUEN MARSTALL-MUSEUM IN MÜNCHEN 

ln der früheren Holreitschule in München, dem. stattlichen Monumentalbau Klenzes, wurde ein neues Museum — die 
Hofwagcnburß und Sattelkammer — eröffnet, das wegen seiner Reichhaltigkeit an historischen Wagen, Schlitten und 
Geschirren nach der Ansicht der Kenner die umlangreichste Sammlung dieser Art in Europa ist. 


Jagdschlitten mit Diana, aus der Zeit des Kurfürsten Karl Albert. Reitausrüstung, vermutlich zum persönlichen 
Wahrscheinlich Arbeit des J. W. Straub um 1740 Gebrauch des Kurfürsten Maximilian I (1597-1651) 


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Original frorn 

-.ERINQETQN UNIVERSITY 


wLi 















Stummer 31 


© { e <38 o ch e 


Seite 73' 



(Ein tnÖt'amfcf)e£ Safyretffeft 

Mit liint ühotoqranhischcn Aufnahmen 



Ein T rommelschlä= 
ger der Tänzer 

Rechts oben : Auf¬ 
marsch zum 
Festtanz 

Rechts: Der Flö¬ 
tentanz der Ind - 
anerfrauen 

C^rofc bes fteten 
^ Vorbringens ber 
Reiften, ber„Vleid)-- 
gefidjter", fjaben 
ftd) einige 3nbiaiter= 
ftämme im 3mtern 
bes Qmcritanifcfjen 
fteftlanbcs it)re al*- 
ten Sitten unb ©e» 
motjnfjciten be= 
roafjrt. Sje tjängen 
au ifjreu ©öttern, 
an bcu Vräud)cit 
ihrer Vorfahren 
unb feiern bie üb-- 
Iidjen fteftc in 
hertömmiiefjer 3öei= 
fe. So begeht ber 
Smoti--Stamm 
aüjätjrlid) ein Som* 
merfeft, bas aus 





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Original frarri 

PRINCETON UNIVERSITY 

















ceitc 738 


W \ C <2)6 o CD e 


Kummer £* 



Bei der Verteilung des Kornbranntweins 
Rechts: Der Priester eröffnet das Fest mit einem 
Schlangentanz 

mehreren ocrcmonicu beftebt ©en ipauptteil biIbenoerfd)icbeite 
Scin^c. ©er eine foll ben Sraurn bcs meinen Cannes non ber 
Eroberung bcs neuen Weltteils barftellen, ein weiterer ift ber 
"Bitte um Siegen unb ftrud)tbartcit getuibmet uftu. (Ein ^riefter 
eröffnet bie fteftlicf)teit mit einem Schlangentanz, unb ©rommcl-- 
fd)läget begleiten bie län^c ber nermummten Cöeftaltcn. Sind) 
bie inbianifdjen grauen unb SDiäbdjen beteiligen fid) an biefen 
©arfteUungeiu ©en jpöbepunt't bes Heftes bilbet bie Verteilung 
bes „SeuertDaffcrs", eines ziemlich harmlofen ftornbrannt* 
metns, mit öefien Cbenub bie allgemeine „ftibelitas" beginnt. 

Schlup des redaktionellen Teils 



ALS FLÜGEL oder PIANO 
MIT 3 SPIELARTEN.* 
TASTEN-PHONOLA" 
ELEKTRISCH 



BERLIN W. LEIPZIGERSTR.IIO 

HAMBURG • LEIPZIG • DRESDEN- 
CÖLN • WIEN - AMSTERDAM • HAAG 


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Original ftorri 

PRINCETON UNIVERSITY 




Umttm«* 32 




Berlin, ])« 2iuaufi 1923 


2 5* 3<i br<um<i 



, Im Sumpf“, Lithographie von Karl Sturtzkopf 


öetn äfbarunb enfaeaeti 


33on ©eh. :ftaf prof. 

s toirö gemiinfd)t, ich möcf)te mich über bie Sage aus» 
fprecfjen. 3d) glaube, biefem üBunfchc willfahren 
gu fallen; hanbelt es ftd) bod) um bie Slot bes ükiter* 
lanbes. 

3ebermann fühlt biefe Ütot. S)ie greife ftetgen ins 
Hngemeffene. S)ie Üteidjsrcgicrung forgt für bloten. (Es 
fteht aber bie 3 e ^t uor ber Siir, wo man aud) mit ben 
fdjönften ütoten, unb wenn fle nod) fo utel Ütullen auf= 
weifen, uergebens bie Säben betreten wirb. S)ie 3nl)aber 
werben erflären, baß fie nicht uerfaufen fönnen, weil 
fie ÜBaren nicht mehr haben. S)enn wir fönnen uns aus 
(Eigenem nicht ernähren unb nid)t fleiben, im ÜBinter 
aud) nicht oor ber Stätte fd)iißen. Üttir fönnen uns aud) 
nicht mit Ütußlanb tröffen; Üiußlanb uermag bas. Uns 
fehlt es an $orn, an gleifd) unb ftett, an ÜJfild) unb 
(Eiern, an Seber, Baumwolle unb Üöolle, feit ber Ütuljr= 

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£>r. ©ietrid? <5d)äfer 

befeßung unb bem oberfchlcftfd)en Ülberlaß aud) an tfohle 
unb (Eifen. ilnfere Bahnen fahren mit englifcher 5tol)le. 
üöomit fallen wir zahlen? 'iBor bem Kriege beefte unferc 
3nbuftrie ben Sebarf an unentbehrlichen üluslanbs» 
waren, beefte ihn reichlich- 6ie ift jeßt rcblich bemüht, 
bie uerlorcnen ültärfte wicbcr zu gewinnen; aber außer* 
orbentlich erfd)werter üiohftoff bezug, bie nad) aüen 
Ütichtungen l)tn zerrütteten ^Irbeitsuerhältniffe, bie $ef* 
felung ber Ü$ertragsfreil)eit burd) ben ^erfaiüer ^rieben, 
bie unheimlich fid) fteigernbe $lol)lcnfnappheit unb fonft 
Hemmungen aller Ülrt feffeln ihre Sätigfeit. Wxv führten 
3ucfer aus; wir erzeugen jeßt mit üftiihc genug für ben 
eigenen Ü3cbarf. $on unferen ^alifcf)äßen ha^en wir 
einen wefpntlid)en Seil uerloren, wie non unferen (Erzen. 
Slann man bas Unentbehrliche nont Ühtslanbc faufen mit 
bem Sßapicr, bas man jeßt in 5>eutfd)lanb (Selb nennt? 

Original from 

PRIiNCETON UNIVERSITY 






«Seite 740 


© I e 38 o cb e 


9? ummer 32 


(Ein Riinifterfoüege verlangte in biefen ©agen ootn 
Rcicßsfanzler, er möge ©eoifen begaffen, „kann id) 
Armeen aus ber (Erbe ftampfen? SS>äd)ft mir ein Horn* 
felb aiif ber fladfjen §>anb?" 

©as alles ift fo flar, baß man benlen füllte, jeberntann 
müßte cs begreifen unb ftd) banaeß ßalten. ©ir mären 
unter ber Sofung: „Haifer unb Reidj" ein woßlßabenbes 
Rolf geworben unb ßatten uns gcwößnt, entfprecßcnb zu 
leben. ©ir finb jeßt Rettler unb oerßalten uns wie 
oerarmte heieße, bic fieß in bie Rettberung ißrer Rerßält* 
niffe nid)t zu feßiefen wiffen. Unferc Regierungen — im 
Reid) wie in ben Sänbern — feßaffen Stellen über 
Stcüen, feßen in Rußeftanb naeß Sd)ema F unb ergeßen 
fid) in meßr ober minber foftfpieligen „Reformen", bie 
bewäßrten (Einridjtungen ben daraus maeßen. 3n alles 
foU ein „neuer (Seift" ein^ießen; wer non „Rergefell* 
feßaftung", oon „Rrbeitsgemeinfd)aft" fprießt, feßießt ben 
Rogel ab. Rls wenn nießt non jeßer jebe auszekßnenbe 
Sciftung auf ber Rerfönlicßfeit berußt ßätte! ©er (Ein* 
Zeine, ber burd) bic Umwälzung emporgeßoben würbe, 
ftellt ftd) möglicßft breit an bie Strippe, wäßrenb ber 
Rtaffe, als beren ftiißrer man emporgefomtnen ift, jebe 
^orberung bewilligt wirb. Ron ber gcmößnlicßften 
§anbarbeit ausgeßeitb feßt ftd) bie Soßnftcigerung bureß 
alle Reamtenf laffen bis zur ßöcßften fort; baß biefes Rer« 
faßren unoermeiblid) zur nölligen (Entwertung unferer 
3aßlungsmittel fiißren muß, fießt man nid)t ein. Rtan 
begegnet ben Röten bes Rugenblicfs. ©abei ftnfen Rtil* 
lionen unb aber Rtillionen ber beften Rngeßörigen un* 
feres Rolfcs unrettbar ins (Elenb ßinab unb mit ißnen 
bic oorneßmften Präger beutfeßer Rilbung unb Seftttung. 
©ie 3^ftreuungen unb Rergnügungen, bie feßt befon* 
bers gangbar ftnb — jebermann fann fte aufjäßlen — 
beweifen bie zuneßmenbe Rerroßung. Rtaßgebcnb ift ber 
(Sefcßinacf breitefter Rtaffen. ©ie fönnen jeßt ja aueß am 
eßeften be^aßlen. ©ent Rublifum wirb geboten, womit 
(Selb oerbient wirb. (Es ßat immer (Elemente gegeben 
unb wirb folcße immer geben, bie auf bas (Scmeine im 
Rtenfcßen fpefulicren; fte ßaben ftd) nod) nie fo in ben 
Rorbergrunb gebrängt wie nad) ber Reenbigung bes 
Hrieges. ©ie Unfid)crßeit bes Rcftßes ßat eine Spefula* 
tionsfudjt geweeft, bie oergiftenb wirft. 

Unb bäs alles, wäßrenb bas ©cutfcße Reicß ausgefcßal* 
tet ift aus ber Reiße ber felbftänbigen Staaten. Sein 
Recßt wirb mit fyiißen getreten halb oon biefer, halb oon 
jener großen ober fleinen Rtad)t; antworten fann es nur 
mit Rrotcftcn. granfreießs Rrutalität feßreit zum £>iin* 
mel; ©eutfd)lanb flagt es aller ©eit unb erhielt im beften 
{yoüe ein teilneßmcnbes Rdjfelzudfen, für nietnanben 
iiberrafrijcnb, ber oon (Sefd)id)te unb Rolitif etwas weiß. 
(Es ift nießt bie Rufgabc einer gefunben Staatsleitung, 
ben 3 en 1° r 3 U fptclen. ©ec Unred)t leibet, ntöge ftdt 
felber ßelfen; ein dritter fann nur eingreifen, wenn ißm 
jelbft Racßteil broßt. fyranfrcidß weift, nms es will, nid)t 
nur fein Staats* unb fein Riinifterpräfibent, fonbern 
fein Rolf. (Es ift betn beutfdjen unenblicß überlegen 
an ftaatlid)er unb nationaler Reranlaguttg unb oater* 
länbifd)em (Entpfinbcn. (Es weiß, baß es ißm nidjt ge* 
wad)(en ift, wenn wir uns ungeßinbert entwicfcln fön* 
neu. Rtit einer Stellung zweiten Ranges wiü es fid) 
aber nid)t zufriebengeben. So muß ©eutfeßlanb ge* 
fd)wäd)t, feine (Einßeit oernidjtet werben, Roincare er* 
erflärt, baß er beutfeßes Coebiet räumen werbe, wenn 
Sranfrcid) be^aßlt fei. ©as ßeißt: Riemais! ©enn er 
weiß, baß ©eutfeßlanb ben gorberungen, bie ftranfreid) 

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auf Srunb bes Rerfaillcr ftriebens ftellt, niemals wirb 
genügen fönnen. Ob ber paffioe ©iberftanb uns rettet, 
wirb woßl fdjon eine nießt allzuferne 3ufunft Icßren; 
welcße £>inbcrniffe bem aftioen entgegenfteßen, weiß 
jeber. ©em Teufel werben Rosßeit unb Sd)laußeü $u= 
gefd)ricben; ber ftriebe oon Rerfailles ift ©eufelswerf. 
©ir finb burd) feine Reftimmungen oon abgefagten 
Seinbcn eingefreift; abgefeßen oon öfterreieß, ber Scßweiz 
unb ben Riebcrlanben reeßnen aüe unfere Rad)barn mit 
beln weiteren 3 G *full unferer Rlad)t. Heine ift mit bem 
erlangten Rnteil am Raube jufrieben. ©er auf ein 
wirffames (Eingreifen Rmerifas ßofft, ift ein ©or. (Eng* 
lanb weiß, was es wagt, wenn es ernftlicß für uns ein* 
tritt; aueß ßat es woßl ein Sntereffe baran, ftranfreieß 
ßinabflubriiefen, aber nießt baran, ©eutfd)lanb bau* 
ernb zu ßeben. ©as füllen fid) bie (Englanbfreunbe bei 
uns gefagt fein laffen. 

Sibt es einen Rusweg aus biefer fureßtbaren Sage? 
©as weiß Sott allein. Rber zwei ©ingc tollte fid) jeber 
©eutfdje, oom erften bis zum Ießten, einprägen. Unfcr 
Rolf muß zunäcßft feine fittlicßen Hräfte zur ßöd)ften 
(Entfaltung bringen. (Es ift üblid), barauf ßinzuweifen, 
baß Rreuften nad) 1806 ftd) bemüßte, ben materiellen 
Rerluft bureß geiftige ftörberung zu erfeßen. Unfere 
fulturellen, unfere wirtfcßaftließen, unfere gefcllfd)aft* 
lid)en Rcrßältniffe finb entfernt nießt fo refonnbebürftig, 
wie es 1806 ber fyall war, bie fittlicßen Srunblagen un* 
feres Sehens aber unenbließ oiel meßr. 3eber oon uns 
ßat Rnlaß, fieß bas gegenwärtig au ßalten. (Ernftefte 
Sebensauffaffung, ftrengfte Sebensfitßrung, gewiffen* 
ßaftefte (Erfüllung aller Räeßftenpflidßten fmb Rnfor* 
berungen ber 3^it an jeben ©eutfdßen, ber nießt ein un* 
niißes Slieb am Hörper feines Rolfes fein will, ©aß 
im Streben naeß folcßer §altung cßriftlicße Seßre feftefte 
Stüße fein fann, ift eine ©aßrßeit, ber fieß feiner ocr* 
feßließen follte. Sie ßinbern, ßeißt ftd) an unferent Rolfe 
fd)wer oerfünbigen. 3 ur fittlicßen (Ertiicßtigung muß 
aber in gleicßer Hraft ber oaterlänbifcße Sebanfe treten. 
9®enn ber Sozialismus ftd) nod) ßeute unter bem fyelb* 
gefcßrei„3nternationale unb Hlaffenfampf" betätigt, fo 
arbeitet er offenfunbig am Ruin unferes Rolfes. (Es ift 
fd)wer zu oerfteßen, wie troß aller entgegenfteßenben 
(Erfaßrungen es immer noeß ©eutfeße geben fann, bie 
eßrlicß an bic Snternationale glauben. Rictnals fann 
bie Snternationale bie Scßranfcn, bie bureß bie ftaatlicße 
Slieberung gefeßt ftnb, nieberlegen. Rllein in unferetn 
Rolfe finb weite Streife oon folcßem R>aßn betört ober 
laffen ftd) bureß gefeßiefte §eßer zu ißm oerfitßren. Rlle 
gefunben Rolf er entpfinbcn zunäeßft national unb bann 
foziar. 

(Entmcber genefen wir oon biefer Hranfßeit ober 
wir geßen an ißr zugrunbe. Unb erft noeß in Rerbttt* 
bung mit ber Sofung „Hlaffenfantpf"! (Es ift rud)los, 
inneren Hantpf z u prebigett, wo allein gefd)loffenfte 
(Einigfeit uns nod) retten fann. So lange es noef) Rar* 
teien gibt, bic bas nid)t anerfennen, ift bie Rusficßt auf 
Rettung gleid) null. R3ir ftiirzen ßinab in beit Rb= 
grunb, betn wir in ralenber Jaßrt entgegenfaufen. ©ann 
ßat es einmal ein beutfd)es Rolf gegeben, wie einft ein 
folcßes ber Hellenen. (Es ßat gebaut unb gebid)tet, aber 
bie 3 G it b\e es oon ftriebrid) bem Sroßcn bis auf 
Risntarcf burd)lebte, war eine (Epifobc. ©ie Sriedtcn 
würben Sflaoen ber Römer. 

©offen Hnecßtc wir zu werben beftimmt ftnb, fann 
jeber feßen, ber feßen will. 

Original fro-m 

PRIiNCETON UN1VERSITY 



9iummcr 32 


^ I f <7^ o ch 


ecitc 741 


'Burg* 
fptel t>on $u f* 
ftein 


Qf uf ber ftolaeit gcfte 
v*’ ^(öerolbsecf, ber 
ntalerifcßen über 700 
3ol)re ölten Burg ober« 
l)alb ber bat)rifcf)«öfter= 
reidjifdjen (örenaftabt 
uffteitt, toerbenin bie« 
fern 3oI)te prächtige ' 

Burgfpielc aufgefüßrt, 
beren Beittgetointt bem 
Anlauf ber Burg burcf) 
bie 6tabt unb beren 
(Erhaltung getoibntet 
toerben foll. 

(Eine 5Un^aj)I fitnft« 
begeiftertcr Bürger unb 
BürgerinnenSlufftcins, 
bie aucf) über eine rerf)t 
anfetjnlicße Softs Sße» 

Qterblut oerfügen, ßa= 
ben fid) in aufopfent-- 
ber ©eife, auf 2ltt« 
regung bes Sirettors Ansicht der Feste Geroldseck, auf 
bes grentbenoerfeßrs- Unten: Szene aus dem Burgspiel , 
oereins Remter unb 

unter ber artiftifdien Leitung bes Bcgiffeurs am 3»nsbrucfer 
Stabttßeater S>r. Blacfat), bereitgefutibeit, bas uom C&öttinger 
UnioerfitätsleftorBubolf ßoretta gcbicf)tcte oaterlänbifd)c Burgen» 
fpiel „£>err ©altßer ooit ber Bogeltucibc", au bem Jpeina 6d)ioier 
eittel)übfd)c, paffeitbeBluft! fompoitierte, im Burghof jeben^ioeiten 
Sountag jur ‘äluffüßrung au bringen. 91 n bie 150 Sßcrfonen — 
Blättner, grauen, ftittber — unb über 30 "^ferbe bringen auf 


biefe©eife neues ßebett 
in bie alte gefte, unb 
eine 6cf)ar oott 3 U = 
f cfjauem ftrömt oon nal) 
unb fern regelmäßig 
ßerbet, biefes 6piel au 
betounbem, ftd) an bef« 
fen in ben gegentoär« 
tigen Sagen ber beut« 
f eßen Bot b oppelt toeiße« 
ooüent, nationalem unb 
patriotifeßem (E>eift au 
erbauen. 

®er Burghof, um« 
ringt oon romantif d)en 
Baftionen, überragt 
oon Blauem unb 3t» s 
tten, im Wintergrünb 
gefrönt oon fdpteebe« 
beeften Bergen, bietet 
eine gerabcau ibeale 
greilidjtbüßne unb ei» 
nen bequemen ßufdjau» 
erraum. (öefpielt toirb 
oortrefflid), obiool)I nur 
ber Sräger ber Sitel» 
rolle — ber fdjott er« 
toäßnte betannte 2)r. 

der die Burgspiele veranstaltet werden fAöu?nieIcr 

.Herr Walther von der Vogelweide“ ^S'eren feilet fl.vb 

Amateure, oott betten 
mattere jeßt fogar aunt erftett Blale überhaupt „Sljeater fpielett". 
9lbcr faft alle bieten feßr anerfennenstoerte ßeiftungen, unb aüe 
oerbienett ehrliches ßob. Bortrefflid) unb feßr toirfuttgsooll 
fpiclen ittsbefonbere Boftbircftor gabuttt als Bater bes Burg« 
ßernt, bie fd)öttc Burgfrau (grau Btlbi ©eitfeßan) unb bas 
feßeinbar febr talcntooüe gräuleitt SUtttta 6appl als 3nngarb. 
9lttd) bie Busftattung läßt nichts au müttfcßeit übrig. 




Seite 742 


® i e Qö o cb c 


Kummet S2 



< 2öte Zünftler 
ftdf) felBft Öarftellen 

3)on ftranj ©eroactf 

(TXer Zünftler ift fid) felbft 
^) bas bequemfte SDtobell. 
Sr ift immer *ur Stelle, 
immer gebulbig, immer citt-- 
oerftauben unb immer in« 
tereffant. Slu&erbem beait* 
f prucf)t er fein «ponorar. 
törilnbe genug, bäft Äiinftler 
ficf) felbft mit Vorliebe bar- 
ftellcn. 93efonbcrs nad)bem 
ein fo erlaubter < 2lt)nc rote 
SRembranbt itt ausgiebigftem 
'üJtafce oorangegattgen unb 
Derlei S>epflogenl)cit oom 
nafjeltegeitben Sorrourf ber 
SelbftgefäUigfeitunb allauper- 
icnlidjer Siteltett befreit i)at. 

Sind) nufere mobernen 
Waler. oott üiebermann unb 



Oben. „Selbstbildnis“ 
von Max Beckmann 

Mit Genehmigung des Graph. Ka¬ 
binetts J. B. Neumann, Berlin W 

Links: „Selbstporträt mit 
Frau“ von Oskar Kokoschka 

Mit Erlaubnis von Paul Cassirer, 
Berlin W. 


(Sorintf) bis $u £>ecfel unb 
gelismüller, freuen oor bem 
•©lief in ben Spiegel feines- 
roegs aurüd, roenn fie bas 
Cöelüfte erfaßt, ein befonbers 
eigenartiges 93ilbnis au fd)af= 
fen. Sie rtnb oielmetjr über« 
geugt, bas auf biefem Söegc 
am trefffid)erften guftanbe 
■$u bringen. ftünftlerifdje 
Obriinbe bilrfen bemnad) ge- 
roifj als ausfdjlaggebenb an¬ 
genommen roerben. ‘Slud) 
ift jeher erufte unb f)od)ftre* 
bettbe Zünftler fid) felbft ein 
•ißroblenu So ober fo fudjt 


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Original ftom 

PRINCETON UNIVERSITY 



9himmer 32 


© \ * ® D Ac 


Seite 743 



Selbstbildnis“ von Willi Jaeckel 


Stilleben mit Selbstbildnis“ von Max Pechstein 



Links: „Selbst¬ 
bildnis mit Dä¬ 
monen“ von Karl 
Hofer 

(Hofer-Ausstellung 
in der Berliner Aka¬ 
demie der Künste) 
Mit Genehmigung der 
Galerie t lechtheim 
in Berlin 


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Original fram 

PRINCETON UNiVERSITY 






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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 




iWIWTiwii 


Die furchtbare 
Eisenbahn¬ 
katastrophe 
in Kreiensen 


Am 31. Juli 4 Uhr 
14 Minuten mor¬ 
gensereignete sich 
in Kreiensen, dem 
Haupteisen¬ 
bahnknotenpunkt 
im braunschweigi¬ 
schen Kreis Gan¬ 
dersheim, ein ent¬ 
setzliches Un¬ 
glück, bei dem 
46 Fahrgäste ihr 
Leben einbüssten 




und eine grosse 
Anzahl Personen 
schwer verletzt 
wurde. Die Kata¬ 
strophe wurde da¬ 
durch herbeige¬ 
führt, daß der 
D-Zug Hamburg- 
München mit 
voller Gewalt auf 
den in Kreiensen 
haltenden Vorzug 
auffuhr. Unsere 
Bilder von der 
Trümmerstätte zei* 
gen die Wirkung 
des Unglücks in 
der ganzen Furcht¬ 
barkeit f-hot. Rum 


f- 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 


















Beite 746 


$) t c OB o cfr e 


9?ummer 32 



Die Kartoffelnot: Ein 1 ransport Kartoffeln, der unter 
Polizeischutz auf dem Markt eintrifft, wird von den 
Frauen gestürmt Phot Atlantic 

Links\ Das wertbeständige Theaterbillett. Das Steg¬ 
litzer Schloßpark -1 heater macht den Anfang mit einer 
neuen Preisberechnung für die Eintrittskarten, Danach 
kostet der billigste Platz zwei Eier, der teuerste ein 
Pfund Butter Phot Atlantic 


DEUTSCHLANDS NOT: 

Der Lebensmittelmangel 
in Be rlin 

Im Oval: Wie wenig man heute 
für eine Million Mark kaufen 
kann. Die Aufnahme stellt die un¬ 
geheuerlichen Preise für Lebens¬ 
mittel dar Fhot. Atlantic 

* 

Mitte: Anstehen nach Kartoffeln 
in der Markthalle. Wie im Kriege 
müssen sich die Menschen an- 
stcllen, um Kartoffeln oder Mar¬ 
garine zu erhalten Phot. Runge 


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r —* - - • 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




















Kummer 32 


®ie ® ocb c 


6cite 747 



Von links : Halli v. Sittmann, Ilse Dearneborg, Anita Rocamora, 
Therese Schubert 

Das auch in Berlin bestens bekannte Schubert-Quartett tritt eine 


Kammersängerin Marie 
Gutheil-Schoder (Wie¬ 
ner Staatsoper) wurde 
zum Professor ernannt 

Hhot Hetzer 

Eine Vermählung in 
der Berliner Bühnen¬ 
welt : Emil Jannings 
und Gussy Holl nach 
der in Charlottenburg 
vollzogenen standes¬ 
amtlichen Trauung. 
Rechts: Generaldirek¬ 
tor Davidson 

Emil Jannings, einer der ge¬ 
feiertsten deutschen Schau¬ 
spieler, hat sich durch seine 
Bühnenrollen („Wehrhahn" 
im „Biberpelz", „Adam" im 
„Zerbrochenen Krug", „der 
alte Glasbläser Huhn" in 
„Pippa tanzt", „Lechat" in 
„Geschäft ist Geschäft“) 
einen großen Namen ge¬ 
macht Noch weitergreifend 
waren seine Erfolge als Film¬ 
darsteller (als „Heinrich der 
VIII.**, „König Pharao", „Dan¬ 
ton* ' und ,,Peter der Grosse**.) 
Gussy Holl hat als Vortrags¬ 
künstlerin einen eigenen pa 
rodistischen Stil geschaffen. 
Auch auf dem Theater in der 
Rolle der „Oeffentlichcn 
Meinung** („Orpheus in der 
Unterwelt") erwies sich ihr 
starkes Talent 

AUS DEM 
THEATER- UND 
MUSIKLEBEN 



Auslandsreise nach Italien, Polen und Russland an Fhot. Craudens 


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PRINCETON UNIVERSITY 










Seite 748 


S) \ e ^ocjte 


Kummer 32 



Geh. Konsistorialral 

Dr. Ferd. Rahlwes, Berlin 


DIE REDNER AUF DER 
RELIGIÖSEN KUNDGEBUNG 
GEGEN DAS FRANZÖSISCHE 




Rabbiner 

Dr. Baeck, Berlin 


VORGEHEN AN RUHR. 
RHEIN UND SAAR IN BERLIN 
AM 29. JULI 1922 


Warrcn G. Harding 

37. Präsident der Vereinigten 
Staaten (4. März 1921—25) 

starb im Alter von 59 Jahren 


/-hot. Becker & Maaß 

Dr. Eugenie Schwarzwald 

bekannte Wiener Wohltäterin, die es ermöglichte, daß von 
einem österreichischen Komitee das Kurhaus Lobenstein in 
Thüringen angekauit wurde, wo deutsche geistige Arbeiter 
gegen geringes Entgelt Aufnahme finden sollen 

EIN FREUNDESGRUSS AUS ÖSTERREICH 


Wilhelm Severin 

Vorsitzender des Reichsbundes deut~ 
scher Feldeise nbahner-Kriegsteilnehmer 
der in Regensburg seinen Haupt* 
vertretertag abhielt 


Die feierliche 
Grundstein¬ 
legung füi die 
deutsche Kirche 
in Malmö 
(Schweden] 

thot Öhm 



Von links. Bürger¬ 
meister Urodift, Vor¬ 
sitzender der neuen 
deutschen Kircben- 
gemeinde Herr Jaep- 

E elt, Pfarrer der 
ünftifen deutschen 
Kirche Herr bpel- 
meyer, Hauptpfarrer 
Lampe von der deut¬ 
schen Kirche in 
Kopenhagen 


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PRINCETON UNtVERSITY 








Kummer 32 


Das neue Stadthaus in Stockholm, das kürzlich eingeweiht und seiner 
Bestimmung übergeben wurde. (Fhot. Rosenberg). 

Im Oval : Der Spielteufel in den Bädern. Beim Baccaratspiel in dem 
Ostseebad Zoppot. (Phot. Rüge) 

Links: Eine schwierige Pose. Die amerikanische Tänzerin Evelyn Law 
beim Studium eines neuen Tanzes. 

Untenc Eine Parade der Dicken. Die schwersten Männer Wiens. 

(Phot. Uttenthaller) 

BILDER AUS ALLER WELT 


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PRINCETON UNIVERSITY 




Seite 750 


© I e o cfr c 


Kummer 82 



Der wohnliche Raum von Maler Eugen Schüfitan und Bildhauer Wilhelm Herzog 


Ohne plastische Gliederung durch eine starke Schräg zur Decke überleitend In e.ner Ecke ein.Kamm, über dem vor der 

leichter! plastischer Schnörkel schwing Die Farbe auf schwerem Gelb, mit gelb- und[rotbraunen .blauen und grünen Tonen, zu einem vollen beruhi- 
denden Akkord vereinigt. Über die Wände sind pflanzliche Formen, SträucKer und Bäume verteilt. Obftn ist alles scharf gebunden durch bestimmte 

Wagerechte auf der Deckenschrägung. 


NEUE RAUMKUNST IN DER GROSSEN BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 

In den ausgestellten drei Räumen, die alle gleich groß sind (5X5 Meter im Quadrat) wird das Problem der Wohnlichkeit, der Feierlichkeit und ^er Festlichkeit 
unter Ausnützung neuer architektonischer, malerischer und plastischer Möglichkeiten zu eigenartigen Losungen geführt. Leitung: Architekt Leo Nachtlicht. 


Unten: Der feierliche Raum von Maler Willi 
Jäckel und Bildhauer Wilhelm Herzog 

Die Farben sind ernst, unten von roten Tönen ausgehend, über 
Braun, in der Decken'liederung in hellen blauen und grünen 
Tönen aufleuchtend. Im oberen Wandteil wird die Gliederung 
der Eckpfeiler in der Farbeneinteilung rhythmisch variiert 


Unten: Der festliche Raum von Maler Cesar Klein und Bildhauer 
Wilhelm Herzog 

Der Raum hat eine reich gegliederte Decke. Die Farben sind freudig. Ein helles 
Chromgelb ist der Grundton. Scharfe rote, blaugrüne Töne in den fest umgrenzten, 
architektonische Formen darstellenden Wandbildern und auf der Deckengliederung 
werden unten von einem schwarzen Sockel und rotem bußboden aufgefangen 



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Original frorn 

P m N C Eio N JJ N [_v ERSJrt 






















S tummer 32 _ ® I« $0 o & « ___ 6*»* 751 

0jmt* bi# &k*n 

Äoman oort DCarts Dominifej 

10. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H. ( Berlin 1923. 


Socß gor mancher Hopf unter ben 3 u ^örern manbte 
ficß ber Siplomatentribiine gu, auf ber bie Vertretungen 
ber afiatifdjen Nationen ißren ^laß Ratten, als er fort* 
fuf)r: 

„©enn bies 3^1 heute noeß nießt 00 U erreid)t ift, fo 
bebauern mir bas. Unoerftanb unb Vlißtrauen haben 
in Verfennung unfern Vbficßten manchmal bie frieb* 
lid)e (Entmicflung unferer Arbeiten geftört. Unb" — 
hier manbte er fteß gu ben Vertretern ber Kolonien — 
„oft toerben eure klugen mit Vangen nad) Sonnen* 
aufgaitg geblicft l>aben. öeut fann id) eueß fagen, baß 
bie SOiutter, bie eueß aus ißren binnen entlaffen hat, 
ftets hilfsbereit f)inter eud) fteßt. ©ie einft bas alte 
Vom hinter feinen Hinbern, bie als ver sacrum in bie 
JJrembe gogen . . 

Seine weiteren Säße gingen unter in bem tofenben 
Subei unb ben braufenben Vcifallftiirmen, bie bei biefen 
©orten in allen Sprad)en Europas aüs ben Hehlen ber 
Holoniften brangen. 

5>er Veifallfturm mod)te bem Vebner toohl etroas 
überrafd>enb fommen. Um bie Spiße, bie unoerfennbar 
barin enthalten mar, abgubreeßen, fchritt er gum Hafter, 
ber bie Junfenftation auf ber Tribüne betätigte. 

(Ein furger Srucf feiner £>anb auf bie Saften . . . 
ein Vab begann ftd) feßnurrenb gu brehen. Vuf sUther» 
mellen flog bie Sprengbepefdje über ben See hin. 

Von SRenfcßen oerlaffen, unbemannt, lag bort bie 
Viefenboje. ©ber in ihre ©ntenne fingen fid) bie 3etcßen 
ber Sepefcße. (E^aft arbeiteten ihre Velaismerfe unb 
begannen ißrerfeits gu fcfjalten unb 50 mirfen. 

Vod) tobte ber 3ubel ber großen SDlaffe. Scßon aber 
ridjteten bie Sribitnenbcfudjer, meldje bie Veroegung 
bes ^räjibenten aus näcßfter ©äße gef eben unb richtig 
gebeutet hatten, ihre Släfer auf bie meite Seefläeße. 

3eßt fal) es aud) bie Vlengc. Vufe bes Staunens, 
ber Überrafdjung in allen Sprachen. 3ft’s feßon fo meit? 
Sel)t es feßon los? ©irb feßon gefallen? 

3m Vu mar ber Vlaß uni bie Sribiinen geleert. (Ein 
Seil ber SOlaffen ftrömte fo nah i^ie möglich an bas 
Seeufer heran. Ster anbere größere eilte bie £>ößen 
empor, bie ben See hier umfäumten. ©uf Reifen unb 
ipängen fueßten fie bie beften ^ßläße, um fooiel mie 
möglich oon biefem bisher nie erfd)auten Scßaufpiel gu 
erhafeßen. Viele Saufenbe oon fdjarfen Släfern maren 
auf bie Seefläche gerichtet. 3n allen Sprachen (Europas 
unb ©fiens feßrien fie einanber gu, mas jeber ba braußen 
gu fehen meinte. 

Sie Viefenboje, eben nod) bureß fdjarfe Släfer beut* 
ließ ftd)tbar, mar oerfeßrounben, fpurlos in bie Siefe 
oerf unten. 

©ber rot Ieudjtete es aus biefer Siefe. (Einen glühen* 
ben Vacßen glaubten oiele bort unten gu feßen, bem 
gräßließe Strubel entmießen. 

Sann fam bie ©irfung. 

Unter Sönnern unb Hrad)en ftieg aus bem See ein 
riefiger Seifer in bie £>öße. ©ber ein Seifer, beffen 
©affer nid)t mieber in bie Siefe gurücffielen, fonbern 
frei in ber Suft foeßten unb gu Sampf oerfprüßten. 

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Sd)on mürbe aus bem Seifer ein anberes Sebilbe, 
bas an ben ©usbrudj eines Vulfans erinnerte, ©ie 
eine gigantifd)e Sampfpinic ftanb es auf ber Secfläd)e, 
ein enormer Stamm, beffen ©fte fid) in ©olfenform aus* 
breiteten, als ©olfen ben bisher ftaßlblauen §immel gu 
bebeefen begannen. 

Unb mie fieß bas ©ellenfpiel um einen in bas ©affer 
fallenben Stein naeß allen Seiten ausbreitet, fo begann 
bie ©irfung biefer fod)enben, fiebenben SDlaffe nad) allen 
Seiten hin über bas ©affer gu manbern. 3mmcr 
breiter, immer maffiger mürbe ber Sampfftamm, ber 
biefen Sampfbaum trug. Sd)on fliegen Ieid)tc ©olfen 
aud) in ber ©äße bes Seftabes oom Spiegel auf. Sie 
SJtoffen, bie bas Ufer umfäumten, brängten fid) begierig 
oor. Saufenbe oon $änben taueßten in bie ©eilen . . . 
prüften, fühlten . . . ftellten feft, baß bas Scemaffer 
aueß hier am Seftabe feßon marm mürbe. 

3 eßt bebeeften bie moifigen ©fte bes gigantifeßen 
Sampfbaumes bereits ben halben §immel. Sie Vtaffen 
am Seftabe faßen, mie bie fjifcße bes Sees, oon ber £> ße 
getrieben, an bie Oberfläd>e tarnen, ©elfe oon uner* 
ßörten ©bin eff ungen, bie erft bie Hraft bes Spnotßerms 
aus ißren buntlen Scßlammlagern cmporfd)eud)tc, £ed)te 
unb Harpfen, mas alles ber See an fyifd)en unb an 
anbercin Setier barg, fueßte fieß in oergmcifelter $lud)t 
gu retten, fprang unb frod) ftnnlos oor Vngft an bie 
Seftabe, fomeit bie Seiber nid)t feßon tot unb gefotten 
auf ber Obcrfläd)e trieben. 

Unb bann . . . beinahe fo piinftlid), als ob es aueß 
auf bem Programm ge ftanb en ßätte, begann ein frifeßer 
Süboftminb gu meßen. 3n immer fd)ävfcrem 3 u Ü e 
jagten bie Suftmengen über ben See. Sie pacften ben 
fanatifeßen Sampfbaum unb gerbraeßen feinen Stamm. 
Sie ergriffen feine breiteten fie meiter aus mtb 

trugen als fd)mere regenfeßmangere, frud)tbringenbe 
©olfen in norbmeftlid)er Vid)tung oon bannen, mo bas 
burftenbe junge Sieblungslanb feit ©oeßen feßnfücßtig 
auf bas foftbare Vaß martete. 

3eßt mar bie gan^e Seeflädje nur noeß eine einzige 
gleichmäßige Sampfquelle, unb mie ber Sampf empor* 
ftieg, ergriffen ißn giinftige unb bereitroiüige ©inbe, um 
ißn einem gemoliten 3 i c ^ gu^ufüßren. 

Scßon lenften bie taftmäßigen Hlänge militärifcßer 
Sütärfcße bie Vufmerffamfeit ber Vtaffen naiß einer 
anberen Vicßtung. Vuf einer großen, freien Jyläcße am 
Sübufer begann bie Varabe ber Hompagnietruppen. 

Vües, mas aueß nur irgenbmo innerhalb ber meiteu 
Sieblungsgebiete oon Streitfräften ber Hompagnie ent* 
beßrlid) mar, hatten bie großen Sransportflieger hierßln 
gufammengebraeßt. Siefe Varabe mar nid)t nur als 
unterßaltfames Scßaufpiel für bie Säfte ber ftner 
gebaeßt. Sie follte benen, bie es angtng, aud) geigen, 
baß bie (E. S. (L über feßlagfräftige Vtittel oerfügte* 

©ar aud) bie 3 aßl biefer Sruppen nid)t imponierenb 
groß, fo mußte bod) jebes militärifd) gefcßulte Vuge 
feßen, baß bas Vienfcßenmaterial unb bie Vusriiftung 
oon einer bisher nie erfd)auten Süte maren. 

Sic ftußtruppen eröffneten bie *$arabe. 3ßre Vus* 

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PRIINCETON UNIVERSITY 





Gcitc 752 




Kummer 82 


rüftung mar gletcgmägig für bie (Ebene unb bie ^odgalpero 
geeignet. Wie bie Regimenter I)tcr im <£>Ieicf)fc^ritt t>or 
ben Tribünen mit ben biplvmatifd)en Vertretern (Europas 
unb Afiens vorübergogen, modjten fic mogl äugerlid) an 
bie»Snfanterie vergangener 3 c i ten erinnern. ^oeg 
ber je^ige lommanbierenbe (General Wiilom bem ^rä|t* 
benten ber Kompagnie bie einzelnen Vatailione melbete, 
fo gätte man gunbert 3agre frltl>er nod) gange Korps mel= 
ben müffen. «Denn im Srnftfalle vcrmanbelte ficg jeber 
einzelne biefer ausgefud)ten Leute in eine Kampfmafcgine, 
von beren ^urcfjtbarfeit ficg nur c * n mc J^ cn 

fonnten. (Ein §eer bes vorigen 3agrgunberts ^citte biefen 
Gruppen etma gegeniibergeftanben, roie ein £>aufe nadtcr 
Kannibalen einer fleinen Rlafdjinengemcgrtruppe. 

©ie Artillerie, bie nun folgte, geigte aud) äugerlid) 
bie groge Veränberung gegenüber vergangenen 3 e |ten. 
©ie Rogre mit igren Lafetten tvurben gier von fleinen 
©pnotgermtraftoren gegogep. Aber es hätte nur eines 
furjen Kommanbos unb einiger meniger ejaftcr (Griffe 
ber Wcbienungsmannfdjaften benötigt, unb jebc biefer 
unfegeinbaren 3 u 9 ma fc^inen redte Sdjmingen aus unb 
erhob ficg in bie Lüfte, ibr (5>cfcf)iife unter fug, mie mogl 
ein Abler ein 3idlein in ben Rängen bavonträgt. 

(Es gab meber in ber (Ebene nod) in ben öodjalpcn eine 
Gteüung, bie nid)t fd)neüftens von biefer Artillerie be* 
fegt toerben fonnte. (Eigentliche tecbnifd>e Gruppen I)attc 
bie Kompagnie nicht. 3eber ihrer Solbaten tvar in allen 
6ätteln ber Kriegsted)nif gered)t. 

Rfögrenb bie Regimenter unb Batterien vorübergogen, 
bie Rtufiffapellen ihre Rtärfdje febmetterten, lagen bie 
6d)iffe ber Luftflotte, bie fie gebradjt bitten, in tveitem, 
aebtunggebietenbem Vogen auf bem anfd)licgcnben Vlacg* 
felb. Als ber legte Rtann ber Truppenparabe vorüber* 
gegogen mar, ging ein Rucf burd) bie F^ 0 ^* Wie eine 
6<gar von Krägen erhoben fid) aüc ^lugf^iffe mit einem 
oleicf) 5 citigen Sd)tvung vom Woben unb gogen gunäd)ft 
in gefcgloffenen Reiben über bas V<nu& e fclb. 

Auf ein neues Kommanbo teilte fid) ber Schmarrn in 
ätoei ^rteien, bie fid) voncinanber entfernten. 3n ra* 
fenbem giuge fd)offen fic bann mieber gegeneinanber. 
So unvcrmeiblicg fd)fen ber 3ufammenftog, bag mand)em 
ber 3ufd)auer ber ^ergfd)Icig ftodtc. ^Dod) im legten Rio* 
ment ■ miegen bie fd)mergepangerten Luftfreuger elegant 
unb ficger bem 3ufammenftog aus unb eröffneten gleid)* 
geitig aus allen Rohren ein rolienbes Sdjnellfcuer auf* 

einanber. _ _ . YA 

Wägrenb nod) bas Sd)eingefed)t in ber Luft tobte, 
hatten bie Gruppen in einer eigentümlichen, fcgad)bcett* 
artigen Auffteüung bas sparabefelb befegt. 

(Ein neues Rlanöverl, T)ie Luftflotte orbnete fidj in 
neuen Formationen, äbnlid) ber Truppenaufftellunq auf 
bem Felbe. (Ein neues Kommanbo, unb bie Scgiffe gingen 
fenfred)t nad) unten. Scgon ftanb neben jebeni Gruppen* 

förper ein 6d)iff. _ 

lieber Kommanbos! 3m Augenbltcf maren bie -i.rup= 
pen in ben Kreugern verfebmunben. Sd)on erhob fid) ber 
Sd)tvarm mieber unb trug bie Streitfräfte ber Kom= 
pagnie in fd)neücm film nad) ihren vcrfd)iebenen Sta* 
tionen innerhalb ber meit ausgebegnten Sieblungsge* 


3n bas fräftige Veifallflatfdjcn, bas ben gelungenen 
RRanövern folgte, ftimmtc aud) Wellington F°E lebhaft 
ein. Rtit ben anberen Spreffevertretern gatte er neben 
bem Abjutanten Lombalc, ber für biefe §erren ben Cicc* 
rone mad)te, bas Sdjaufpiel von bevorjugter Stelle ans 
niit angefegen. 


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Seine Kollegen ftürgten fegt fdjncllftcns nad) ben Tele* 
grapgenfojen. Wellington fio%, ber a conto feiner guten 
Wegiegungen alles foeben Scfegene fegon längft als ge* 
fegegen berid)tet gatte, blieb rugig bei bem Abjutanten. 

„3cg mug geftegen, §err §auptmann, bas, mas id) gier 
gefegen gäbe, bleibt um feinen Sd)ritt ginter ben fulmi* 
nanten Sd)ilberungen ln meinen Telegrammen gurücf. 
3egt märe nur noeg gu unterfliegen, ob aueg ber Kräng 
von fegönen «Damen, ben id) unter ben Saften ermägntc, 
in Wirflid)feit vorganben ift. Regmen mir aueg gier bie 
'iparabe ab." 

(Er rid)tete fein ^erfpeftiv auf bie Tribünen, unb 
lädjelnb folgte igm Lombalc. 

„Ag! ^ §ierl ... T>a gäbe idg gmeifellos niegt ge* 
logen . . ." 

(Er gog aus feiner Tafcge ein Tücglein unb lieg es 
minfen. 

„Akts fagen Sie bagu, §err Abjutant?" ' 

„Og, eine «Dame 3grer Vefanntfcgaft . . . 0g, fclbft* 
verftänblid), eine feiten fegöne Vlume in 3grem Kräng..." 

3nt gleicgen Augenblicf burd)fugr Wellington F°5 *tti 
falter Scgrecf. §inter ?>elen Sarvin, ber alle feine Ve= 
trad)tungcn galten, mar eine 0ame aufgeftanben, bie er 
bisger nid)t fegen fonnte . . . Florence «Demep. 

Langfam lieg er bas Sias von feinen Augen fmfen 
unb fd)aute verftoglen naeg feinem Begleiter. Rlit abge* 
manbtem Sefid)t, tiefahnenb ftanb Averil Lombale ba. 
Fos fud)te nad) Worten. . . . -Was fagen? . . . Was 
tun? Stumm fag er ben Kampf ber Sefügle, ber in 
jenem tobte. 

S)a . . . . Averil Lombale bregte fug um unb manbte 
fteg mit einem leiegten Läd)eln gu Fo£. Kampf mar 
vorüber. Riit bemunbernsmerter Kraft gatte er bie Se* 
malt über ^u Riienenfpiel guriidgemonnen. 

„Racg ber Stichprobe gu urteilen, Rlr. F<>S, trifft 3gv 
Verid)t aud) in biefer Vegiegung gu." 

Weüington F°£ mugte nid)ts anberes gu tun: Sr er« 
griff bie $anb bes Abjutanten unb brüdte fic ftarf. 

„3gr T>ienft ruft Sic jeigt gu anberer Stelle. 3d) goffe, 
mir gaben uns niegt bas legtemal gefegen. Rieinen 
gerglid>ftcn T>anf für 3gre befonberen Vemügungen um 
mid). Wenn bie (Egicago V^eg bei biefer Selegengeit in 
ber fcgnellen Veri^terftattung ben Vogel abfd)iegt, fo 
banft fie bas Sgnen." 

Rlit febernben Scgritten, ben eben gehörten Kompag* 
niemarfd) pfeifenb, ging Wellington fioz ber Tribüne gu, 
mägrenb Averil Lombale bie entgegengefegte Rid)tung 
einfcglug. 

* * * 

<3>er öögepunft ber FeftHd)feiten mar iiberfdjritten. 
Sine Rcige von raufd)enben Tagen, mägrenb ber 
fod)enbe See unaufgörlid) unenblid)e Wolfenmengen 
nad) Rorbmcften entfanbte. 

T)ie offiziellen Säfte maren abgereift, bie Siebter gu 
igren Fernen gurüdgefegrt. <Das fportliebenbe Reife* 
publifum benugte bie Selegengeit, §ocggebirstouren gu 
unternehmen unb Sd)neefport an ben Rängen ber Ko* 
gartberge gu treiben. s 

5)ie Riitglicber bes T)ireftoriums ber S. S. S. uno 
bie biplomatifcgen Vertreter ber europäifd)en Staaten 
meilten nod) in Wierni). 3n ben legten Rtaitagen 
traten bie <Direftoren gier gufammen. Ss mar ein be* 
fonberer Wunfd) 3fenbranbts gemefen. 

3fenbranbt fprad) in biefer Sigung. Sr inupfte an 
bie Salgung bes Valfafcgfees an. irbergeugenb mies er 
nad), bag bies Unternehmen nur teilmeife Wirfuuj 

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PRINCETON UNIVERSITY 



Kummer 32 


Oie ® o 4 e 


haben forme, folange bic politifdje Src^e bie Sdpitel* 
gungen im oberen Slitale unmöglich madjc. 

Coeorg Sfenbranbt fprad) roeiter. 

„0ie 0ämpfe, bie ber Sec jet)t ^ergibt, reid)cn eben 
aus, um ein (Gebiet oon 3 ehntaufenb Quabratnteilen 
bauernb 3 U befristen, C>an 3 anbers roäre es, rocnn mir 
im ganzen Quellgebiet bes 3Ii fcfjmelgen fönntcn. Biele 
taufenb Quabratmeilen ßanbes mürben bann für Sieb* 
lungen neu gemonnen merben. 

3 d) berühre bamit ein 3 f)uen menig angenehmes 
Schema. 0 ie SBefxöf^croc bes 3 li^teiecfes. . . 

Cin neroöfes 6 ummen ging beim fallen biefer BJorte 
burd) bie Berfamntlung. (Einen Bugenblicf mar es ftill. 
0 ann fprang ber fran 3 öfifd)c 0 ireftor mit romanifdjer 
£ebf)aftigfeit auf. 

,, 3 d) begreife nid)t, mie biefe 5 rö 9 c öwobe jeßt aufs 
Tapet gebracht merben fann, ba fie bod) bem Sd)iebs* 


„BJic fönncn 6 ie es magcn, uns fold)c Btärd)cn auf* 
3 utifd)en?" 

Über bas Stimmengeroirr erhob fid) bie fdjncibenbe 
Stimme bes grausen. 

„BMe fönnen Sie ableugnen, mas taufenb klugen 
gcfehen hoben?" 

lieber trat Stille ein. 30tan martetc auf bie 9iedjt= 
fertigung 3 fenbranbts. 

„iaufenb klugen I>aben gcfehen, baß ein SOlann oon 
Sdjchol in einem OMasroagen nad) bem Haiferpalaft in 
^ßefing gefahren mürbe." 

3 fcnbranbt h^It einen Bugcnblicf innc. Blit einem 
ßiidieln pal) er auf bie Ccfid)tcr, bic gefpannt 3 U ihm 
aufblicften. 

,,3d) leugne nicht, baß biefer Blann ber tfaifer Sd)i Tfu 
mar .... aber . . . ." 

§ier oertiefte fid) ber lad)enbc 3 ug um feinen Süiunb. 


gericht unter* 
liegt, bas in 
nä(hfter 3 e ^ 
feinen Spruch 
fällt. SRad) 

meinen Snfor* 
mationen ift ein 
für uns giinfti* 
ges (Ergebnis 
ju erroarten." 

„ßeßteres ift 
mir* neu," fag* 
te 3 fenbranbt. 
„BSäre es roaf)r, 
mürbe bie^rage 
nod) oiel brin* 
gcnbcr fein." 

90Ut unoer* 
hohlenem (Er* 
ftaunen blicftcn 
bie Teilnehmer 
auf Cbeorg 3 fen* 
bratjbt. BMe 
mar bas ge* 
meint? 

„Sie fel>en 



„ 0 er Btann 
mar tot! .... 
^omöbic mar 
alles!" 

B3ie eine 
Bombe mirften 
bie BSorte 3 fen= 
branbts. deiner 
blieb auf feinem 
Blaß. Bon al= 
len Seiten um* 
ftrömten fie ben 
Spred>er unb 
beftiirmtcn ihn 
mit fragen. 

„SOteine £>er= 
ren," begann 
Gfenbranbt nad) 
einer flcinen 
B>eile. „ 0 ie 
3 eid>en 3h^^ 
Berrounberung 
fommen mir 
nid)t über* 
rafd)enb. Btas 
bie 3Belt, mas 


mich fragenb 

an, meine §er* „Hafen von Swinemünde", 
ren. BMe ber 

Sd)icbsfprud) aud) ausfallen man, nutmiüig mirb China 
biefe ftarfe Bofition nid)t aus bc 1 .Oänben laffen." 

„Bber ber feierlid) bcfchroorcrc Vertrag?" 

Bon oerfd)iebenen Seiten flang ber (Einmurf. 

„0er Sd)iebsgerid)tsoertrag mürbe 3 toifd)en (Europa 
unb bem tfaifer Schi Tfu gefchloffen.^ 

„Unb roeiter?" fd)allte es ihm entgegen. 

„(Er mirb feine (Geltung hoben . . . für bes &aifers 
9iad)folger!" 

(Einen Bugenblicf h^We abfolute Stille. 0ann 
famen bie fragen oon allen Seiten. 

„Btas? . . . Bkts? . . . Bkts geht uns bes ftaifers 
9?ad)folger an, ba er felbft lebt .... in ooller Cefuitb* 
heit Ieot?" 

„0er Slaifer Sd)i Tfu ift tot. Sd)an Ti ... . Toghon 
^hon oon 0 obraja ift Regent!" 

0er (Einbrucf ber Btorte auf bic Berfamntlung mar 
nicht 3 U befchreiben. (Einige fuhren überrafd)t auf. (Ein 
anberer unb nid)t ber fleinfte Teil gab feinem Unmillen, 
ja feiner (Entriiftung lebhaften Busbritcf. 


gan 3 China ge* 

Radierung von Carl Hachez glaubt hot, roes* 

halb füllten Sie 

es nid)t aud) geglaubt hoben mie alle anbern?" 

lieber bie fdjneibenbe Stimme bes ftrait 3 ofcn. 

„Unmöglid)! Cine berartige Blasphemie! 0as märe 
ber gröbfte Betrug, beit bie 3Belt je gcfehen!" 

,,Bt) 3ooe!" fant cs ladjenb aus bem Btunbc bes Cng* 
Uinbers. „Cine Slomöbie ber 5BeItgefd)id)te, bie id) beit 
geriffenften aller Schaufpieler, ben Celbcn mal)rhaftig 
3 utrauc . . . ha h a • . • bas Stiicfdjen märe nid)t übel!" 

Cr fcf)lug fid) behaglich Iadjcnb auf feine prallen 
Sd)enfel unb brad)te aud) einen Teil ber C>efellfd)aft 
3 U 111 2ad)en. 

„Bieine öerren!" bie Stimme bes ^räfibenten burd)* 
brad) bas Stimmengeroirr. „3d) bitte Sie, roicber Bloß 
31 t nehmen. $err 3fenbranbt mirb feine Behauptungen 
begrün ben." 

0 er ftanb einen Bugcttblicf finnenb ba. 

„Begriinben? . . . BBie foll id) bas begrünben? 0en 
toten ftaifer fann id) 3hnen nicht oorfiiI)ren. 3d) fann 
3hacn nur folgenbes ocrfichern. Bei meiner Cl)re . . . 
kleine Ceroöhrsleute 3 U nennen ift unmöglid) . . . 



Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




Seite 754 


0 f <? ^ o di c 


Kummer 32 


SIm 5. SJtai um bie feeßfte Slbenbftunbe ift Reifer 
Scßitfu in Scßeßol an feiner Scßußmunbe geftorben. Slm 
4. SJtai ernannte er ben H^ r 8°9 non 0obraja, ben 
Scßan Zi, zum Regenten. 0er ominöfe Sling bes 
0fd)ingis=5thon ift am Ringer ö ß5 ®ü) an 33« 

(Glauben 6ie mir . . . ober glauben 6ie mir nid)tl 
5ür mich |Yeßen biefe Satfacßen feft." 

„JJür mich aud)!" bekräftigte ber (Englänber. „Stur 
nod) eine Jrage, SJlr. 3fenbranbt. 3 U welchem 3®^ 
mürbe biefe göttlicßftc aller Äomöbien in Szene gefegt 4 ?" 

„0ie (Erflärur.$ ift einfad), (Eßina ift ferneren inneren 
(Erfd)iitterungen ausgefeßt, menn ber £ob bes Äaifers 
betannt mirb, beoor eine fräftige Jyauft bie Sügel öcr 
Regierung feft in ben Hönben ßot. Stergeffeit Sie meßt, 
ber tobbringenbe Schuß tourbe oon ber §anb eines Sic* 
publifaners, eines Sübd)inefen, abgefeuert. 0ie §err* 
fcf)aft bes Eaifcrs mar $u jung, ber (Einßeitsgebanfe noch 
nid)t allgemein genug geroorben. (Ehrgeizige SJtacßthaber 
ber früheren $t\t fmb nod) am Seben, itjre Hoffnungen 
nicht begraben. Silles beffen ift fief) 6d)an $i bemüht. 3d) 
fennc ben SJtann! Sein (Ehrgeiz ift unermeßlich, (fr mar 
in jeber S3cziefjung bie redjte Hanb bes oerftorbenen $ai* 
fers. SJtein 3ntereffe l>at fid) if)m besßalb befonbers zu* 
gemanbt, meil er gerabe unferen Unternehmungen oom 
Slaifer als (Gegenpart an ber d)inefifd)en S&eftgrenze ent* 
^egengeftellt mar. 3n mancher ^Beziehung ift ber Scßan Zi 
oicUeicßt fogar oorausfehauenber unb großzügiger, als cs 
ber tote S^aifer gemefen. SOtit (Entfetten mirb einft bie 
meiße SBelt feine furd)tbare (Gegnerfcßaft ernennen." 

(Georg 3fenbranbt fd)mieg. 3um 3^d)en, baß er nicht 
gemillt fei, nod) meitere (Erflärungcti zu geben, nahm er 
auf feinem 6tuhl ^laß. SBie in (Erz 9 e 9 °ff cn lehnte er 
ruhig in feinem Seffel, unberoegt oon ben oielen fragenb 
auf il)n geridjteten SBlicfen. 

SBieber ein 0urd)einanbcr oon Sieben unb (Gegenreben. 
0ann ber ^räfibent. 

„SJteine Herren! SJtag ber Slaifer ober ber Stegent in 
(El)ina ßerrfeßen. 3d) für meine ^ßerfon bin geneigt, ben 
itbcrrafchcnben, aber gutbegriinbeten SJtitteilungea bes 
Herrn Sfenbranbt Oblauben zu fdjenfen. Slber ich tann 
nid)t glauben, baß eine neue d)incfifd)e Stegierung nid)t 
bie oon ber alten Unterzeichneten Verträge halten follte. — 
0er 6prud) bes Sdjiebsgericßts ift beftimmt in furzet 
Seit zu ermarten. SSMr müffen ihn abmarten, bis bal)in 
bie (Grenzen refpeftieren. 3<ß bitte bie Herren, bie meiner 
Meinung fmb, aufzufteßen." 

0ie bei meitem größere Slnzaßl ber SInmefenbcn erhob 
fid). Sfenbranbt mar überftimmt. 

„domarbsl" murmelte ber (Englänber, ber ftßen geblie* 
ben mar. „Sluf bie Spanier hätten mir bas englifdje 
Söeltreid) nie zufammengebrad)t." 

* * * 

0er S3afar in SBiernt) geigte unter bem (Einfluß ber 
ftcftlicßteiten ein befonbers lebensoolles Söilb. 6eit 
SJtenfdjengebenfen litten bie $taufleute, bie hier mit ben 
(Erzeugniffen Slfiens hanbelten, nid)t foId)en Umfaß ge* 
habt, Saft jeber SBemoßner glaubte, oon hier ein Sin* 
benfen mitnehmen zu müffen. 3u buntem Strom zogen 
ftrembe unb (Einßeimifd)e burch bie fd)male Stofar gaffe. 

S$or einer Sluslage mit feinem, djinefifdjem Porzellan 
ftanb &lin (Saroin mit ihrer JJreunbin ftlorence. 

„0 ftch, frlorence, ba, bie munberootlen, zarten Sltufter! 
Stodj feßöner als bie oon ^afdjgar, bie mir ^ßa in einer 
böfen Saune oerbarb." 

„Stod) nicht genug, H*Ien? 0u faufft ja, als ob bu 
eine Slusftattung taufen müßteft. 0ein armer 0iener 

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feud)t bereits unter feiner Saft. £ann bein Skiter fo böfe 
merben, baß er . . . bas (Eigentum feines Sieblings z^r* 
fdjlägt?" 

„Sich, 5f° rc uce, nur bann, menn ber Stame SBeOington 
Joj fällt. 0amt t'ann er fehr, fel)r böfe merben." 

„Söer ruft hier SBcüington ttang es hinter ihnen, 

„Sich . . . bu? . . . Sie? . . ." SOlit einem fleinen 
Sd^rei öreljte H e i c n Oxiroin fid) um. 

„Sie? . . . H 6 ^ • * • ^enn man ben $ud)S 

ruft, fißt er hinter ber Hccfe." 

93lit einem freunblid)en Sädjeln begrüßte Jylorence 0e* 
mei) ben 3ournaliften. 

„(Es bebarf mol)l feiner S3orftellung nicht, meine Oönä- 
bige. 33iiß H^itn mirb Shnen oon mir erzählt h Q äen, 
mic ftc mir oon Shnen fprad). Sie merben es mir nicht 
übel nehmen, menn id) bie (Gelegenheit benuße, einige 
SBorte mit S3liß H e l cn zu fprcd)cn. Über bas ^refäre 
unferer Sage bürften Sie rnoßl unterrichtet fein." 

„Ol), fehr mohl, S3ir. Qaj. SOleinc Sympathien fmb 
ganz bei 3hnen beiben., 0od) id) glaube, aus ben paar 
SBortcn merben oiele merben. 0u mirft oerzeihen, liebe 
Helen, menn id) mid) eine Steile entferne. Slm (Enbe 
ber Straße fal>en mir einen fleinen füllen Sßarf. 0ort 
fannft bu mid) fpäter mieber treffen." 

SJtit flüchtigen Sd)rittcn eilte glorence ihrem 
2ief aufatmenb trat fie in bas fühle (Grün. 0ie Stille, 
bie in bem parfartigen (Garten l)errfd)te, legte fleh bcrul)i a 
genb auf il)r erregtes Herz. 0as Siebesgliicf ber Jyreun- 
bin hotte bie alten SBunben ihrer Seele fcßmerzlid) bc» 
rührt. 

3n einem füllen Scitenmeg fanb fie eine ®anf, auf' 
ber fie fid) nieberließ. Seltfame Schauer liefen über ihr 
Herz. Kämpfen um bas (Glücf? fragte fie fid) bang. (Ein 
leifes auffd)lud)zenbes Stöhnen fam aus ihrer S3ruft. 

SSkir’s nid)t aud) ber tiefoermunbete Stolz ber 5l° 3 
rence 0emei) gemefen, ber il)r ben leßten SBrief an Sloeril 
Sombale biftierte. Sie fud)te in ben oerfteefteften galten 
ihres H^zens. 

Stein! 0er Spiegel ihrer Seele mar rein. 0ie Siebe 
ZU Sloeril mar größer als alles gemefen. 

Sie fdjloß bie Slugen unb oerfanf in unruhiges £räu-- 
men . . . Sßlößlid) mar’s ihr, als fei ein Sdjalten oor 
fie getreten. Stocf) zögerte fie, bie Slugcn zu erheben, ba 
llang bas SBort „ftlorcnce" an ihr Ohr. 

90tit einem leichten Sluffd)rei faunielte fie empor. Sfjrc 
Hänbe griffen an bie Schläfen. „Sloeril!" 

Halb of)nmärf)tig fanf fie auf bie S3anf gurlicf, bie Sinne 
mie zur Slbmchr oon fleh grftreeft. 

,,3d) bin*s, giorence." 

„Stein! . . . Stein, Sloeril! Saß mid), gel) fort!^ 

(Ein töblid)er Sd)rcden flcmg aus ihren Söorten. 

„Oh, fei nicht fo praufair. ^lorence. Höre mid) an . . , 
SBas tat id), baß bu meine Siebe zurüefmeifeft? . . . 6oH 
id) büßen, mas mein Skiter bir antat? fylorence! S3ei 
ber (Erinnerung an bie feligen Stunben unferes (Gliicfs ... 
mar es S9ai)rl)cit, mas bu in beinern S3rief feßriebft . . . 
ober mar es gefränfter Stolz, ber bid) fo feßreiben ließ? 
Sprieß, 5i° rence - Slntmorte mir!" 

(Er beugte fid) nieber unb berührte ihre Honb. Sie 
Zudtte oom $opf bis zu ben ftußfpißcn. Sic fal) il)n an 
mit meitgeöffneten Slugen. 0ann fenfte fie bie Siber. 

„Sloeril!" 

Sie hotte ben Stauten !aum hörbar gefliiftert, unb boeß 
tag in biefem fterbenben Houcß aus ben Heießen Sippen 
meßr als in bem lauteften Scßrei. 

(Fortsetzung folgt.} 

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PRIINCETON UNIVERSITY 



Hummer 32 


© l e <28 o 6) & 


6citc 755 



„Le bon bock“, Gemälde von Edouard Manet (1873 74) 
DAS SCHICKSAL EINES MEISTERWERKE 


Das berühmte Gemälde von Manet, einem der Mit¬ 
begründer des Impressionismus, ist gegenwärtig bei 
Agnew in London zum Verkauf ausgestellt, wo es eine 
außerordentlich starke Anziehungskraft auf die Kunst¬ 
freunde ausübt; hat man doch hier ein oftzitiertes und 
vielbewundertes Meisterwerk aus jener Zeit vor sich, 
die eine neue Art des Sehens und des Malens einleitete. 
In den Berliner Kunstfreunden weckt das herrliche 
Bild, in dem Frans Hals so diszipliniert ins Moderne 
umgewandelt erscheint, wehmütige Erinnerungen, denn 


es war bis vor kurzem die Zierde einer der schönsten 
Privatgalerien der Reichshauptstadt, der Galerie Eduard 
Arnhold. Jeder, der es dort gesehen hat, trug von der 
edlen und vergeistigten Malerei Manets einen unaus¬ 
löschlichen Eindruck mit fort. Welche Gründe den 
deutschen Sammler bewogen haben, sich des merk¬ 
würdigen Bildes zu entäußern, ist nicht bekannt. Tat¬ 
sache ist, Geheimrat Arnhold hat das Werk nach Parir 
verkauft, von wo es bald den Weg nach Amerika fand 
Von Amerika kam es kürzlich in die englische Hauptstad 


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PRINCETON UNIVERSITY 





Getto 756 


© i C <50 0 ei) c 


Kummer 32 



Festnahme eines Kenitenten. im Kreis: Anhalten eines 
Radfahrers. Rechts: Verfolgung flüchtiger Verbrecher 

In der alten Bischofstadt Meißen ist eine Landcspolizeischule eingerichtet 
worden, die gegenwärtig rund 300 Anwärter zählt und den Bedarf an Polizei' 
beamten für den Freistaat Sachsen decken soll. Die Ausbildung der An¬ 
wärter liegt in den Händen besonders bewährter Lehrkräfte. 

EINE LANDESPOL IZE I SCHULE 




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Original frorn 

- • PltlWCETO N4J NIV-E-R SITY 


























Kummer 32 


0 < e 


6eite 757 



©er ©anbenfrteg in £^tna 

Mit 4 photographischen Aufnahmen 


U m bem ^Bonbenunmefen in (Ebrna gu 
fteuern, bas immer größeren Umfang 
annimmt unb namentlich Scbcu unb (Eigen- 
tum ber 9teifenben foroie ber gremben be- 
brofjt, bot ficb bie Regierung in geling gu 
au&erorbentlicben SJlafj- 
itabmen entfdjloffen. ©er 
frühere Sßräfibent ber 
cf)inefifct)en 9tepublif unb 
gegeuroärtige ©enera-- 
liffimus ©r. 6un ?)at 
Sen ift beauftragt rnor- 
beit, afle SÖtittel angu- 
metiben, um beit Räuber- 
banben bas §anbmert 
gu legen unb toieber ge- 
orbnete 3uftänbe gu 
fdjdffen. ©er oolfs- 
tiimlicbc Sun 'gat Sen 
bat ben Oberbefehl über¬ 
nommen unb ein ganges 
§eer regulärer ©rupen 
aufgeb oten, um feine 
febmierige Aufgabe burd)-- 
gufübren. (Es ift gang 


GeneralFan, ein Unter¬ 
führer des Generalissi¬ 
mus Dr. Sun Yat Sen 


Ein General wird in der landesüblichen Sänite „zur Front“ getragen 



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PRINCETON UNIVERSITY 


Reguläre chinesische Truppen auf dem Marsch 












Seite 758 ®lc ®0$t Kummer 82 



Sogar Maschinengewehre werden gegen die Räuberbanden aufgeboten 


wie im Kriege. 3)er Oberfclbf)crr Jjat feine ©eneralc, bie in aufaunebmen unb *u pflegen. §offcntlid) gelingt es ben 
ben einzelnen Bbfcfjnitten befehligen. 3)ie Solbaten finb friegs* Gruppen, bie gefährliche •'Bewegung 3 u erftiefen unb bas un» 
mä&ig nusgeriiftet unb führen fogar Blafd)inengewef)re mit glücflicfje 2anb oor ben Schreden bes Bürgerkrieges 31 t bewahren, 
ftd). Sine Bote ftreu 3 » 6 tation ift beflimmt, bie Berwunbcten Schluß des redaktionellen Teils 



Kennen Sie schon die Bedeutung der Haarerweichung beim Rasieren? 


Herren mit sprödem Barthaar und reizbarer Haut empfinden das Rasieren oft als Qual. Das Haar springt unter dem Messer aus und hfnferläBt 
empfindlich« gerötete Hautstellen. Was ist die Ursache? Eine ungenügende Vorbereitung des Haares durch ungeeignete Rasierseife. Harte 
Stangenseifen (Natronseifen) erweichen sprödes Haar im allgemeinen weniger gut, als weiche salbenförmige Kaliseifen. Auf Grund dieser 
Erfahrung hat das Laboratorium Leo in Dresden eine neue haarerweidtende überfettete Rasierseife „Leosira“ in öer Tube in den Handel 
gebracht die Ärztlich als ideale Rasierseife empfohlen wird. 1. weil sie hygienisch verpackt ist und gegen Infektion schützt (Übertragung 
der Bartflechte unmöglich), 2. in kleinen Mengen eine Fülle von dichtem Schaum gibt, 3. das Haar In kurzer Zeit erweicht und reizbare Haut 
in keiner Weise angreift, kurz das Rasieren zum Vergnügen macht Sie erhalten Leosua dort, wo Sie Ihr Chlorodont kaufen. 


Blendend weiße Zähne durch die erfrischende Zahnpaste 

Chlorodont 

gegen mißfarbigen Zahnbelag und üblen Mundgeruch. 

Laboratorium Leo Dresden u. Berlin 


Was darf auf dem Toilettentisch der vornehmen Dame nicht fehlen? 

Neben der Pflege der Zähne mit dem herrlich erfrischenden „Chlorodont“ ist die vornehme Dame bestrebt ihrer Haut eine entsprechende! 
Pflege angedeihen zu lassen und gleichzeitig sich mit jenem Parfüm zu umgeben, das von alters her als unaufdringlich, erfrischend und 
andauernd bekannt ist Unter dem Namen Eau öe Cologne ,,Oolö“ ist in allen Apotheken, Drogerien und Parfümerien ein Kosmetikum 
vorrätig, das eine glückliche Vereinigung von hautkrem und Parfüm insofern darstellt, als es sowohl für die Hautpflege als auch als Parfüm 
benutzt wird. Es ist kremförmig weiß, fettet -und klebt nicht, macht die Haut wundervoll weich und zart und kann andrerseits unbedenklich 
für das Taschentuch verwendet werden. Personen mit empfindlicher Haut. cLie Spiritus, wie er in der käuflichen Eau de Cologne enthalten 
ist. nicht vertragen, sollten dieses wundervolle Hautpflegemittel und Parfüm in der praktischen Form der Tube nicht missen. 


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Original ffo-m 

PRtNCETON UNIVERSITY 
















hartwig & Vogel-a-g 


f>ie7Tracke 

f aparte! 


Stummer 32 


11. gucmft 1R23 


JN'Wcct, 


ist das Kennwort der vollkommenen Körperpflege 
ein regelmäßiger Gebrauch der Nivea- 
Präparate wird Dich hiervon überzeugen. 

Nivea-Creme schützt Dein* Maut ge- Nivea-Puder beseftiqt tettiaep 
gen die Einflüsse der Witterung, macht Glanz und gibt DeinerHaut das 
6le geschmeidig, weifl u. sammetweich. ansprechende.stumpfe Agsschfifl 

Nivea-Seife Ist Oberaus milde» 

Stark schäumend u. wohlriechend. 


Original frnm 

PRINCETON UN1VERSITY 


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© i e 


91 ummer 3Z 


11 , 9 fitguft 1923 


Dcite 


| 6)0 || RSiselecke. || fcmj 



Silbenrätsel* 

a _ a - barz - bra - bran - bus - chou - ^us^-der 

^ c d i _ ga d u 0 - - ge I ge"-«- - *>«- han - in - 
kra - la - la - le - U - Heb - lin - man - mant - mer - 

ta _ ta - tah - te - ten - tber - U - tied - ting - 

_ vcl — VO — vus. 

91 ns bieten Silben [mb 27 üBöctet }n bilbcn, beten ülnfongs* 
unb Cnbbudjftobcn, leitete non unten nod) oben gelefen, emen 
ilnnfptud, ergeben. 1 . «mpi)tbie, 2 . Stauenname 3 ■ 

emeritanifefje gvalbinfcl, 4 . iKouboogcl, 5 . Stabt int 9 H)einlanb, 
6 . gigut aus bem „Sommcrna<f)tstraum", 7 . f^mebt^et Staats, 
mann bet ©egenmart, 8 . »örfenbenennung, 9 . $anbelsftabt m 
China, 10 . Stabt in 3 nittclbeutfd)lanb, 11 . Dlannetname, 12 b - 
rühmtes Saumcrt in ffrantfurt a. 9 ) 1 , 13 . Klamennrtuofe 

bet ©egenwart, 14 . mobernes ©lucfsfptel, 15 . Serntonum » 
Siorbamctita, 16 . ©r a äI)lungsform, 17 . Wonnetname 18 Slufe 
in Oftptcajjen, 19 . Stabt in Scf>lc[ien, 20 . Sturort uii 9 ).tttelbeuM- 
Ianb, 21 . ©bclftein, 22 . Sprengftoff, 23 . Stabt »n Stalun, 
24 . biblifdjc ©eftalt, 25 . Stabt in bet edjwttj, 26 . ©tugmott, 
27 . beutfeber ®id)tet bes nötigen 3 af)rf)unbcrts. 

■ch am Anfang unb ©nbc bes SBottes = 1 '»udjftabc. 

Sie fdjöncn Sünfte. 

Soppelt bient cs bet Sanft: roenn in bet es ettlingt, 

SBtnn es 3 u fdjöncn Sonnen geftaltet bet btlbenbe Sunftlet. 


— Triumph der Parfümerie • Industrie! 


„Kitrperduffo“ - „Bllfano“ 

patenlamllicti öeschülzl 


„Biltano“ ist eine neue Erfindung und 
von bezaubernder Wirkung. Der 
Körper wird mit „Biltano“ befeuchtet, 
der Dutt von der Haut aufgesogen und 
allmählich, nach und nach wieder ab¬ 
gegeben; also von lang anhaltender 
Wirkung. Jeder unangenehme Geruch 
des Körpers, Schweiß. Tabakrauch usw\ 
wird beseitigt. „Biltano“ paßt sich 
dem Geschmack einer jeden Dame 
und jedes Herrn an, da von unbe¬ 
stimmbarem, fiußerst erfrischendem, 
unaufdringlichem Wohlgeruch. „Bil- 
tano“ erfrischt und kräftigt den Körper 
belebt erschlaffte Ncrvenf „Biltano 4 
ist bei Sport nnentbehrlich. „Biltano* 
kann auch dein Bade- und Wasch¬ 
wasser zugesetzt werden. Von „Bil¬ 
tano“ ist jeder, der cs einmal gebraucht 
hat entzückt und will es nicht mehr 
entbehren. „Biltano“ ist sehr ergiebig 
und sparsam im Gebrauch. In allen 
einschlägigen Geschälten erhältlich; 
wo nicht zu haben, vom alleinigen 
Fabrikanten. 

Hermann Schellenberg 

Parfümeriefabrik 

Düsseldorf 222, Florastrafee 11 
Berlin 222, Lüneburger Strafee 6. 

. . . ^ st ui r r t T c 1 f CM 


== EXPORT NACH ALLEN WELTTEILEN = 



Kurmittel: 1. Ausser der Lahmannschcn Grundkost 
sieben Diättonnen (Zucker-, Korpulenten- vegetarische, 

Magen-, Halbtrocken-, Trocken- [Schroth-], Breidiät) und 
individuelle Ergänzungen (salzfreie.Rohkost,Entsauerungs- 
diät nach Lahmann-Berg usw.l 2. Drei aus ^ ch , nte A ^“I 
hirfnnarks für Sommer u. Winter, Sonnenbad. 3. Aktive 
und passive Heilgymnastik, Mensendiek, Schönheitskultur, 
Krafttraining Zandersaal. 4. Hydrotherapie jeder form, 
Daunpf duschen und Kompresse^ Luftperlbäde^ Fango 

elektrische Bäder jeder Form. 5. Hohensonne. U , 
Quarz. Blau-Rot-Licht, Radiumbestrahlung, Rontgentiefen- 
und Oberflächentherapie. 6. Elektrotherapie jeder ‘ • 

Arsonvalisation. Diathermie, Tlicrmopenetration^ Franklin 

sation, Kondensatorbett. 7. Inhalatorium mit Sole. Medi¬ 
kamenten. besonders wechselwarm nach!Bret sehne der, 
Kammersystem und Ronkarz. 8. Ausgedehnte Frciluft- 


ler rrui. o. - 

Wald-Liegehallen. 9. Alle Hilfsmittel der modernen Medizin 
in individueller Anwendung, z V c, . ei ? en ?,P^ a n tl n , ?^o: 
physikalische, chemische, serologische. Rontgen-Diagno 
stik. 10. Psychotherapie jed. Form (a. Entziehungskuren). 
AerztUch: Abteilung für Zucker- und Stoffwechsel- 
kranke San.-Rat Dr. Beyer. Frauenklinik 
Prof Dr Küster-Breslau. Innere, Magen-, Darm-Krank 
heiten Facharzt Dr. Lehmann (langjähriger Oberarzt von 
Herrn Geheimrat Kutter-Berlin. Innere und Krcislauf- 
krankheiten Facharzt Dr. Ambrosius. Innere und Haut¬ 
krankheiten Facharzt Dr. Frohwetn. Nervenleiden und 
Psychotherapie Prof. Dr. Schullz-Jena, Facharzt in Frau 
Dr! Reichmann, Facharzt Dr. Berkovitsch Innere Blut 
krankheiten und Lichtbehandlung Dr. 

Krankheiten u. Atmungsorgane Dr. ErK a “S- 1 hysikalisch 
diätische Heilverfahren Dr. Biehn. 


Alle Leute, Ule man Irillf, 

Loben „Paustians Lustige Snrachzeilschnll 

GiuÄiaartiae Metljobe jur Slufftiftfjung unb C^r- 
fficitcrunfl Shtcr eugltfdjen unb framöfifdjen16pra*- 
icuntnifie. ySutnoruoU, anregenb, leicht nerftanblid). 

— SBrobe«'JSiertelialjr nur 45000.— UJlarf lebe 
Gpradjc. Sl>robefetten (and) fpanifd» toitcnlos. 
0)cbr. Waultian, «Berlaa, Hamburg 80, 
Sllfterbamm 7. S^oftfdject 1Ö9 (Hamburg). 


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Original frorn 

PRINCETON UN1VERSITY- - 




















































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Peter Jessen m Der Ornamen^stich ", Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 


0er ©fubenf unb ber Zob * 2Jon IBalfer 23(oem 


U nter ben Stuben promenierte ber ©ob. 

(Sr jpiirte ©atenbrang in ben Slnochen, 
batte, trofc all ber ferneren 9Iot, 
feit ben oier ergiebigen ©rntejahren, 
bie nun fo lang fdjon verftrichen waren, 
leine bcutfdje 3 iinglingsbliite mehr gebroden. 

©a ftrömten aus einem ^od^ragenben ©or 

Junge ©efellen in SAaren hervor, 

auch SDtäbels bajwijchen, helläugige ftinber, 

aber bie intereffierten ihn minber — 

et ftanb mie gebannt unb prüfte bie SWienen 

ber Surfdjen, bie meift ettoas jdjmädjtig erjehienen, 

viele bebrillt, mancher unterernährt, 

aCe non ©rnft unb Sorgen befchwert — 

aber bamit wollte nicht ftimmen 

in ihren Bügen ein heimliches ©limtncn, 

in ihrem s 2 öejen ein trofeig Sid)ftraffen, 

mie Älirren oon ©eifteswaffen — 

in ben 3 ügcn, gepubert oom ©rbenftaube, 

ein verhohlener £inunelsglaube. 

©a befchlofj ber ©ob, ben JaH gu ftubieren 
unb einem ber Sünglingc nachäufpa^iercn, 
ihm furzet $anö auf bie Sube gu fteigen 
unb ihn $u prüfen auf §er$ unb Vieren. 

(Sr mäblte ftdj einen langen Äumpan 
mit 3 ügen, ernfthaft, gefchloffen unb eigen, 
ber halb, gelöft aus bem fchwafcenben Schwarm, 
ein Rädchen §efte gellemmt unter’n Srrn, 


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Gougle 


einfam ^Introttete feine Sahn 
unb an ber 91derftrage Sanb 
in einer 9Wtetsfaferne verfchwanb. 

©er ©ob ftieg nach* ©reppab ben 3 meien 
ftclperte junges ©dichter entgegen, 

Surfchen mit 3 ügen, gemein uno verwegen, 
aber Krawatten unb §üte pitfein. 

©ie $errfchaften hotten fchott um viere 
Seierabenb gemacht — 
unb ftürjten ftef) nun in bie fficltftabtnadjt. 
hellauf lachten bie ©almi4tavaüere: 

*©et is’n mieltiger SÖtiefepeter, 

’n armet Suber, ’n 3eiftesarbcetcr, 

hodt 'n ganzen ©ag in be Univerfität 

un lernt, bet ihn Seh’n unb §ören vajeht 

un bet Nachts, um nich Jüngers 51 t fterben 

un bifclen $inle ^inle ju erben, 

fpielt a ins (Safe &um ©anj uff mit 2But, 

unb nich mal fehlest, 

bis a vor SRiebigleet Umfallen bhut — 1 " 

Sprach ein anbrer: „Sefdjieht’n Jana recht, 
foH er uff ehrliche Srbeet jeh'n! 
benn lann er befteh’n.* 

©er Sange fehwieg 
unb ftieg unb ftieg. 

Schnurrten btei SWäbels an ihm vorbei 
mit ©ejuchft unb ©efchrei: 

Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 
















(Seite 760 


® i c 3ö o 6 c 


Kummer 33/34 


„Su, 9Jlieae — bet mär’n freier fot bir - — 
„9tee, icf banle fot bet Rieftet, 
bei bem langt’s ni4 mol ju’n Srefterfänaps! 
3d holt’ mit an meinen 3cps! - 


Set Sange fdjmieg 
unb ftieg unb ftieg 

jum oieiten ©tod. Sie Süte IteMte f^tilL. 
ein 3RefPngf4ilb: „spiefede, ©4uhma4ermeifter. - 
Stüber ein Seltenen, angeflebt mit Steiftet: 
„Cri4 9Rüller, stud. phil. - 

Sa flingelte bet Sob unb ftanb foglci4 
in bes ©tubenten bi’uftigem 9lei4 
bet auf einem fettigen 9loßhaarfofa faß, 
ein holb Sot ftorntaffee abmaß 
unb ein Spiritusmajcf)ind)en anftodte. 

9lun erhob et ß4 langelang unb ßredte 
bem Sftentben freunbli4 bie §anb entgegen. 


©tets me4felnbe 9Waslen angulegen, 
bas toat fo re4t bes Sobes Clement, 
biesmal fah et aus mie ein sprioatboaent, 
alfo blaß, ©erhungert, netoös, 
feelif4 ein biß4cn taptijios, 
hoffnungslos, überarbeitet, etbenbütbig, 
futj: oolltommen ©ertrauensmürbig. 


©turnrn ftagenbe klugen. Ser ©oft begann: 

„34 lege autseit eine Vbhanblung an, 

bie fidj mit bet Sage, bie Ja nicht feht hoffnungsooll, 

unfetet atabemifchen 3ugenb befaffen foll, 

unb ihren beraeitigen 9lbP4ten unb Sitten. 

Übrigens gana prinat unb leinesmegs als Offfatofus. 
Sarf ich ©ie mohl um einige 3nfotmationen bitten? - 
„©telje a«r Verfügung - , fagte ber ©tubiofus. 

-„©inb ©ie glüdli4?* fragte bet Sob. 

©tufcte bet ©tubent, in Staunen unb 9iot: 

,,3^ bin ein Seutf4er. - 

„914 ja — ©ie oetaeih n - 
ein Seutf4er, bas heißt ein Unglüdli4er fein. 

§at troßbem bas Seben für ©ie einen Sinn? - 

— „©ie miffen bo4, baß 14 ein ©tubiofus bin! - 

— „914 fo, - fagte bet Sob mit helmlt4em §ohn, 
„©tubent fein, nun ja, bas ift eine Vtifßon. 

Slber biefe Vttffion, mas hot bie füt einen ©imt? - 
„9hnt eben bie, baß i4 ein Seutf4er bin. - 

Sa f4munaelte bet Sob: „Sas ift bo4 leine ©enbung, 
bas ift hS4ftens ein ©tunb, fi4 umaubtingen. - 

— „Cs ift ebelftes 3iel füt Setnen unb Gingen, 
füt btennenbes ©tteben empot aur Voüenbung. - 

— „CrHären ©ie mit bas! - 


Ser ©tubent fann na4 

einen 9lugenblid unb fpra4? 

„Sie muffen in mein bef4eibenes 9te©ier 
auf bet Steppe bicht hinter mit 
emporgeltommen fein. Cntfinnen ©ie ffd) 
bes Völlleins, bas ba mit entgegeuftti4? 
unb mie fie mi4 höhnten, ©id)t um ©i4t? 
bas alles maten Seutf4e — unb miffen cs ni4t, 
tonnen es ni4t miffen. - 


3ufeßte bet Vcfu4: 

„©ollen es ni4t miffen. - — „Sas ift ja bet 5lu4! 

©ie moUcn’s ni4t miffen. Srum muß i4 pes lehren, 

muß fie ju ihrem Seutf4tum befehren. - 

— „Sie la4en ©ie aus. - — „Ob pe la4en ober hoffen — 

batauf muß i4 es antommen laffen, 

meil fte, ob au4 oerftoeft no4 unb blinb, 

meine beutf4en Vrüber unb ©4mcftern Pnb. 

©oll bcutf4es ©efen miebet etfteh’n — 
ohne bie 9Jtaffe mitb es ni4t geh’n. - 

Ser Sob lä4elte mclan4olif4 

unb ein bißchen biabolif4 

unb fagte: „Sie hoben ©penglet gelefen 

unb glauben bo4 no4 ons beutfdje ©efen —? 


Sie 9Raffe — ©ie hoffen auf ihr Crma4en — 

ift fie ni4t liingft f4on im ©tabium bet „geüa4en - —? 

9Ki4 büntt, 3hr $eutf4lanb nähert P4 Won lange 

bem bemußten „Untergänge - — - 

„©ie itten - , fagte bet 3üngling f4U4t* 

„©enn ©ie bas glauben, bann tennen ©ie’s ni4t 4 — 

„•Übet go4 unb ^oineat^, 

ber blodierte 9thetn, bie oetfpetrte ©ee, 

unb bas Interalliierte 9tän!ejpiel 

unb bie aroanaig SDUHionen 93o4es anoiel 

unb bie 0eutf4e Valuta total auf bem $unb 

unb im Jintergrunbe bet ©ölletbunb — 

unb ba tarn* 3hr 93atetlanb miebet empor? 

Sefter, mie fteUen ©ie P4 bas oor? - 

„®at ni4t - , fagte bet ©tubent benommen. 

„Cin SSunber tnup fommen, 

mitb fommen — ein 9ftann mitb oom §immel fallen, 

ein SRuf erbtaufen, ein Sieb etf4aUen, 

alle Seutf4en merben einanber etfennen, 

metben in ®tubetfchnfu4t entbrennen — 

es tagt ein feliges ^luferfteh’n — 

Seutf4lanb mitb ni4t untergeh’n. - 

„Unb matum ni4t? - Sa fagte bet 93utf4e ftiH: 

„Söeil 14 ni4t mill. - 

„9lha, alfo bas ift ber große erfüllet: 
bet ffiille bes $ertn ©tubiofus 9HüUet! - 
Sa ftreefte bet 93utf4 P4 lohcm ©eP4l : 

„§err, la4en ©ie nid^t! 

3a, ich bin bet ©tubiofus 2RülIer bloß; 
aber i4 bin einer oon oielen taufenb — 
hinter mit fteht gärenb unb btaufenb 
ein 9lntäus, erhaben unb grog: 
bie beutf4c 3ugenb! 9io4 ift Pc aerrifien, 
mie bas 53oll in taufenb Parteien acrjpliPcn — 
pe hot P4 no4 oi4t gcf4out unb etlannt, 
aber eines f4on fühlt Pe: bas 9Jatetlanb — 
benfen ©ie, an ©aar unb 9thein unb 9luhr 
litten unb ftritten Sllabemifet nur? 

§ot4en ©ie in bie ftabtifen hinein, 

tief in bie ©4a4te beim ©rubenli4tf4 c in — 

flauen ©ie, mie bie Cifenbahner, 

unfete ttoßigen beutf4cn ©partaner, 

ohne mit bet 9Bimpet au auefen 

bie Verbannung hinunterf4luden — 

ba Pnb, troß allem Verheßungsgef4rei, 

überall au4 bie 3ungen babei! 

Unb ob pe auf ÜJiars unb auf 9Wosfau po4cn — 
beutf4 pnb Pe bo4 — bis in bie Äno4en! 

3n allen glüht ein ©ollen, ein heißes, 

ein beutfdjes ©oüen — bet gtanamann, bet meiß es! - 

Set Sob fah ooH SRefpeft 

auf fein ©tubienobjeft 

unb fagte mit leifet Führung: 

„Vieüei4t hoben ©ie re4t — 

oieüei4t mä4ft mit!H4 ein junges beutf4es ©ef4le4tf 
au4 in ben SWaßen — 

aber eu4 Vfabemifet merben Pe meitet hoffen, 

Pe pfeifen auf eure ftührung! - 

Ctl4 9Wüflcr fpra4: ^©enn Pe nut mit uns aufammen- 

[geh’n, 

menn Pe nut in flammen fteh’n — 

ein beutf4er ©iöe, eine tettenbe Äraft, 

bann pfeif i4 felbet auf unfre 5yührerf4aft — 

Sann metben $ammerhanb unb ^ebethanb P4 finben, 
^opf unb gäufte merben p4 oerbtnben, 

©iffenf4aft mirb ni4t mehr in lüfper Seme 

übet bem 3ammer bet 91iebetung f4meben, 

ihre f4idfolethellenben ©tetne 

metben herniebetmirlen ins Seben, 

unb aus biefet ftöhnenben, fteifenben ©egenmatt ©eh'n 

mitb ein neues Seutf4Ianb, mitb eine neue 9Wenfc&beit 

[erfteh’n! - 


Sa grinfte bet Sob, fahl unb f4rill: 

„Unb — menn i4 — ni4t miÜ?! - 

©taunte ber ©tubent — jpürte ben lauetnben §ohn — 
aupadte fein Vlid — 


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Gougle 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 




$iwrd)ift —? (Sntentefpion —? 
ein 3mr wohl gar? 

9Borf ber $rembe ben Spatel ins ©enid, 

burd) bie 9Masfe bes ©rbenpilgers 

ftarrten grauenooll !lar 

bic Inöchernen 3ugc bes Slttoerttlgers — 

u J*b e ! n ? »i* iöngften ©ages ^ofaunen erllang: 

*3<h befehle ©eutfcßlanbs Untergang! 4 ' 

©er Stubcnt hatte fid) gefaßt 
Cr reefte ficf> auf, fo hoch wie fein ©oft: 

*3Ib — nun hab’ ich Sie erlannt — 

Ungebet’nem «efud)c gefcheh’ nach ©ebühr —* 

Unb er ftredte bie ncroige ‘öurfdjenhanb; 

„Sitte — ba ift bie ©ur!" 


3n Verblüffung unb $aß 
ber ©ob ftanb totenblaß 
unb Inirfdjte unterbrächt: 
ir$err — finb Sie oerrüeft? 4 ' 

Sber bann redt’ er bie raffenben Tratten 
unb (reifste; „Sube — bu bift mir oerfaücn!* 


©a lachte ber (SefeH immer heHcr unb ferfet: 

*6ie finb nur eines höheren Wittens Vottftreder — 
geben Sie ficb meiter leine ttttüh’ — 
bei mir — unb bei ©eutfdjlanb tommen Sie oiel gu früh! 
ttoß Spengler unb (Slemenceau, troß ©elften unb 

[Sriten — 

olfo nochmals — barf ich bitten?! 4 ' 

Weltenßoch oufredte fich ba ber ©ob, 
oon fahlen Sichtern umloht, 

bie Hleiber fchmolgen, bas Sleifdj tropfte oon Wangen 
. [wnb Sippen, 

gahnefletfchenb, blidlos ftarrte bas ©erippe. 


©er Stubent ftanb unbeweglich babei 
unb fagte gelaffen: „3<h gaßle bis brei!* 


Sber auf brei warb er munter, 

paefte bas Slelett um bie burre Statur, 

fchleppts burch §errn ^iejedes leberbuftenben giur 

unb warf ben Sefuch bie ©reppe hinunter — 

lachte trußiglich hmterbrein: ) ' 

„©a liegft bu, Älappergebein — 

wer will fich fürber unterwinben 

mit bem beutfehen Stubenten augubinben?!" 


' i. 

Oer 1. internationale ßfreefenffug 

(fiberlanbflug iRofterbam-Sremen —^openfoogen-tSoffyenburg). 

?Gon ©la or a. £). t? ©fd)ubi, refd)äftöfüf)rer.>cm 33i$epräfibenlen be$ Sleroflubä oon ©euiid)!onb 



Blick auf den Bremer Flughafen. Ein sechssitziges Junkers-Verkehrsflugzeug 



3 um erftenmd nach bem 
großen Kriege ift 
©entfcfjlanb offtaiett au ei¬ 
nem internationalen Jlug- 
Wettbewerb augelaffen, 
nachbem bie internatio¬ 
nalen Vorfdjriften im 
oergangenen 3af)re auf 
einer ©agung ber Fede¬ 
ration Aeronautique 
Internationale bahin ge- 
änbert worben waren, baß 
es Sache ber Seranftalter 
fei, gu beftimmeu, ob 
©eutfchlanb — bas ber 
Federation noch • nicht 
angehört — eingelaben 
werbe ober nicht. Ser¬ 
geblich war ber Wiber» 
ftanb Belgiens unbftranf» 
reichs gegen biefen Se-- 
fchluß, ber eine ©atfad)e 
legalisierte, bie £ollanb 
unb 3talien burch be- 
ftimmungswibrige 3ulaf= 
fung beutfeßer glugaeuge 
au ihren Wettbewerben 
nefchaffen batten. Sicher¬ 


lich oh^te barnaIs nie- 
manb, baß nun auf bem 
nächften glugwettbewerb 
©eutfchlanb in einem Um¬ 
fange wie fein aitberes 
Sanb oertreten fein würbe. 

3u ben ©ottenburger 
Wettbewerben finb insge- 
famt 41 giuggeuge ge¬ 
nannt worben, bcoon 
feitens ©eutfchlanb 17. 
Suf bie 4 injrage fom» 
menben Wettbewerbe — 
mit 3ioiIflugaeugen lom- 
men 33 beutfehe Snmel- 
bungen, 9 fcfjmebifche, 
2 norwegifche unb 5 fran« 
aöftfehe. Seiber finb einige 
beuifche ftlugaeuge nicht 
mehr rechtaeitig fertig ge¬ 
worben, mehrere haben 


H. Hemming und Prin¬ 
zessin zu Löwenstein- 
Wertheim (die einzige 
Dame, die am Flug teil¬ 
nahm) auf der englischen 
De Havilland-Maschine 
Original fro-m 

PRINCETON UN1VERSITY 


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6eite 762 


3) t c 933 o cb e 


Kummer 33/34 




Links: Am hol¬ 
ländischen Fok- 
ker-C VI-Flugzeug 
wird der Motor 
angeworfen 

Im Kreis: Eine 

Zuschauergruppe 
auf dem Startplatz 

VON DER 
ZWISCHEN¬ 
LANDUNG IN 

BREMEN 

lärttjpen fcnnenlcr» 
nen, bic jetjt nur in 
ihufjlanb gebaut 
mürben. 

©ie$atfad)e, baß 
faftnurbeutfcbeBe- 
merber an bem 
Btettbemcrb mit 
6port-5Iugjeugen 
teilnebmen, I)f tocr* 
blüffenb gemirlt. 

©ie fdjmebifcbe 
Bestimmung über 
unfer Verbot bes 
Überflugs unb ber 
ßanbunguüDeutfd)- 
lanb für bclgifdje 
unb frun^öftfebe 
glugseuge auf bem 
Jluge nach ©oten» 
bürg bürfte burd) 
ben Umfang ber 
Beteiligung 
©eutfdjlanbs unb 
beffen Seiftungen 
mol)l belieben mor- 
ben fein. 

Unten: Start der 
schwedisch. Tum- 
meiisa - Maschine 


it)r3icl©otcnburg 
auf bem Suftmege 
nicht erreicht, bas 
binbert aber nicht 
unfere aablenmä- 
feige Überlegen^ 
beit. ©ic eng- 
Iifcbe $ad)prcffe 
äufeertc fid) fetjr 
gilnftig über bie 
beutfebe Beteili¬ 
gung, im befon- 
beren aud) an 
ber rubenben 
9lußfteHung beut« 
fdier giug^euge. 
Uber biefesSob ift 
man in Jrantreid) 
febroerftimmUu- 
malibmgegeniiber 
eine ungiinflige 
Slritif Sranfreid)3 
ftebt. „©s ift tö¬ 
richt," fo fagt ein 
feanabfifeberffed)- 

fcferiftfteller, „bafe 
mir Beutfcfelanb 
3 U ben Sparifer 
9lusftcllungen 
nicht aulaffen, 
aber," fo fährt er 
fort, „es bot feine 
guten ©riinbe, 
mir mürben 
neben ©eutfefe* 
lanb fd)Icd)t ab- 
fdmeiben." 

©in englifeber 
Jacbmann bebau» 
ert, bafe Beutfd)- 
lanb ber Btilitär- 
giugaeug-Bau 
ocrboten.Bnbern« 
falls mürbe man 
b'cbeutfcbenÜJtili- 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 





Kummer 33/34 


0 i e <20 o cfc c 


Seite 763 




Die Schuhe 
nach dem Tanzrekord 


£r\te Sorgen 9lmerifas fotlten mir hoben. ©ann roärc 
Ä' uns geholfen, SBas mar es früher für eine SRot, 
toenn ginn ©eburtstag ber ©ante ein ©efd)ent fällig mar. 
„9Bas foü id) meiner ©ante ßhenfen?" Unlösbares Sßrob-- 
lern. ©ie ©ante hotte Phon immer alles. So gefjt’s 
heute nod) ben qliicflichen unglüdlichen 9lmcrifanem. 
3öas für einen SReforbljumbug foüen pe P<h ousbenten? 
Sie haben fdjon alles. Sie haben bie prominentefte 
©eHerfpillerin ber 5öelt; pe hoben bie grau, bie ihr 93abp 
im ©rab unb im ftinbermagen ^uubert Kilometer meit 
phob. Sie hoben bie grau mit ben phönften deinen; 
pe hoben ben iüuftreftcn 9tiggerbojer; pe hoben bas 
SDtäbchen mit ben blaueften klugen. Sie hoben bas 
©ippfräulein mit ber 
höchften Silben^ahl; pe 
haben — oott ©eutfd)-- 
Ianb — Öas größte Sd)iff 
ber 9öclt; pe hoben 
ben 9teforb im 9tähma* 
fepinetreten. 3cßt hoben 
fie — ©ott fei ©aut! — 
bie ©cltrctorbftrumpf« 
ftriderin, unb oor allem 
pnb pe enblicp feit 93to» 
naten babei, in einer 
großen nationalen ©au* 
ertana * 93emegung ben 
SBeltreforb im ©auer* 

Shimtnt) an bas ©anner 
ber Sterne unb Streifen 
3u binben. 9111c 3n» 
fünfte bes nationalen 
©hwi^es, oüe ftopfeei» 
lentünftler ber Spreffe 
mären tut 3eit ber 
braoen Patriotin juge-- 
manbt, bie mit gepßmol» 
lenen gingern unb faum 
noch fähig, bie mährenb 
ber 9lrbeit ihr einge« 
flößte Nahrung 311 fid) 

3u nehmen, bennoef) bis 
3umpegeubcn(SrIiegen an 
bem National» unb Söelt» 
reforbftridftrumpf meiter 


Eine Dauertänzerin in einer Stadt in Texas, die 27 Stunden 
lang ununterbrochen tanzte und lünf Partner „verbrauchte** 


Die „Marathon - Tän¬ 
zer“: Im Verlauf die- 
sesWetttanzens brachte 
es ein Tanzpaar auf 
60 Stunden 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 











Seite 764 


*3) t e OB o cf) e 


Stummer 33/34 



Dauer-Wettstricken in einem Club für Handarbeiten 
in dem Seebad Atlantic-City. Die Teilnehmerinnen 
müssen gefüttert werden, da sie ihre Tätigkeit nicht 
unterbrechen dürfen 

Im Oval: Moment aus einem „Non stop-MaVathon- 
Stricken“ 

[triefte, — alle Sinne rnciren ihr augemanbt, rnenn nicht 
öoef) noch mehr her f)eroifcf)e Stampf um ben 3)auertana e 
retorb bie Station in Sltem l)icltc. SJtitStiefcntritten ftrebt 
man bem Sieg au. Srciulein Cuntmings 50 Stunben 
St)immr); fträuleiu SJtcijer 52 Stunben 11 TUinuten; 
Jtciulein Söilliams 65 Stunben, neue Sterne im Sternen« 
bannet. Ooipsmobellc ihrer ftüfte follten auf bem &a= 
pitol in s Ba[t)ington aufgcftellt toerbeu. Oie Stefte ihrer 
Schuhe unb Strümpfe follten als Steliquien oerroahrt 
inerben, ebeitfo bie Swangsjacfen, bie man ihren Sßart* 
nem enblid) aulegen mußte unb bie 'Barthaare, bie fte 
[ich als echte (öentlemcn roähreitb bes Oanaes abrafiert 
hatten. Oie Schuhe hin; bie Strümpfe hin. Ob nod) 
etmas $>irn übrig geblieben fei, mühte man burd) Bini* 
fet'tion feftftellen. - n g 


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Go», gle 


Original frorn 

PRINCE TON UNIVE RSITY 

















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: 


m CoiUmenlal ttiotu 

Maler Wassilij Kandinskij (1), Reichskunstwart Dr. Edwin Redslob (2), Kultusminister Greil (3) 

| Eröffnung der Ausstellung im Weimarer Staatlichen Bauhaus 

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Original ftom 

PRINCETON UNiVERSITY 







Seite 766 


0 i e «TO 0 cb e 


Stummer 33/34 



SCHWEDISCHER FLOTTENBESUCH 
IN SWINEMÜNDE 



Empfang des schwedischen Schulschiffes „Najaden“ 
am Bollwerk in Swinemünde 


Links: Der Kommandant des deutschen Minensuch¬ 
bootes „M 60 “ im Gespräch mit einem Offizier der 
„Najaden“ 

Unten : Oie schwedischenBlaujackenmachenRein-Schiff 



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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




































Stummer 33/34 


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Seite 767 



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PRINCETON UNIVERSITY 






Seite 768 


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Stummer 33/34 



DEUTSCHE NOT 

Oben. Kohlen sind zu teuer; man holt sich Holz aus dem Walde. 
Verstauen der kostbaren Schätze im Vorortzug Phot. Gross 

im Kreis: Eine alte Frau, die einst bessere Tage gesehen hat. 
beim „Mittagsmahl“ auf der Treppe eines Berliner Geschäftshauses 

Unten: Berl ner Arme werden auf dem Alexanderplatz durch die 
Heilsarmee m*t warmer Mittagskost versorgt Phot Henke 


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PRINCETON UNIVERSITY 




















Kummer 33/34 


© f * <2ö o d) c 


Gelte 76Ö 



im Oval: Hochsprung mit Rückenbeugung 


Neue Wege zur körper¬ 
lichen Volkserziehung 




Ausdrucksgymnastik (System Dr. Bode): Gruppenübung auf einer Treppe 


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PRI 


Original from 

ETON UNIVERSITY 















Seite 770 


© i e <3® o 6 ) e 


Kummer 33/34 



Kopie der Wirklichkeit. Sie 
ist eine ganz neue Well (für 
jedes Werk eine andere, ihm 
nur eigene), eine Welt, die 
durch die schaffende Einbi- 
dungskraft des Künstlers er¬ 
richtet wird, die ihren be¬ 
sonderen Gesetzen unterliegt, 
die nur insofern real ist, als 
sie überzeugend wirkt, inso¬ 
fern phantastisch, als sie das 
Produkt der mcnschlicnen 
Phantasie bedeutet." ..Phan¬ 
tastischer Realismus“ so be¬ 
zeichnet W'achtangow seine 
Richtung. „Prinzessin Turan- 
dot“ ist die letzte Arbeit 
Wachtangows. 

Oben im Kreis: 

Marco Großkopf, 
Intendant des Tilsiter 
Stadt-Theaters feierte 
sein 25jähr. Bühnen- u. 

Dirigenten -Jubiläum 


Links: Franz Herterich 
wurde als Nachfolger Paulsens ml 
der provisorischen Leitung des 
Wiener Burgtheaters betraut 

Phot b esidenz-Atcl er 


Unten: Kalif zückt 

den Dolch, um sich 
zu erstechen 

Prcss-F hoto-News-Service 


Der Begründer des in die¬ 
sem Stück neu geschatfenen 
Bühnenstils war E. Wachtan- 
gow, ein Schüler Konstantin 
Stanislawskys der im Mai 
vorigen Jahres gestorben ist. 

„Die Bühnenwelt“, sagte 
Wachtangow, „ist keine 


Das MoskauerKünstlcr- 
theater im Berliner 
Lessing-Theater 
Carlo Gozzis Märchen 
„Prinzessin Turandot“ 

Rechts: Die Weisen 

des Diwans 









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1 

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Original from 

PRINCETQN UNlVrr TlÜ 




























tummer 33/34 


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Seite 771 


^cliftnen f fl {eine KunJH Eupigeö p c ei $ o u $ f dj c c i 6 c n flcc „morijc'/ 


tcftec JUceiö 

s macht oiclen SJlenfcfjert Spaß, ein btßcfjen &u aetdjnen 
unb luftig tu frißeln, ofjnc gleich auf ^ünftlertum 
Anfprud) au ergeben, ©er tagsüber oon berufnen 
unb anberen Sorgen eifiillt ift, toirb gelegentlich in einer 
folgen fpielerifchen Tätigfett Ablenfung unb (Erholung 
finben; unb 511 biefetn 3\x>:d fcfjreiben to.r für unfere 
öefer unb $reu be einen luftigen ©ettberoerb aus: 

Jcidjnen ift (eine ßunft', fuej ,^itV genannt. 

Bebiitg ungen: 

1. Bi e nebeuftehenbe Sü^S^ur foH in eine 3 e iä)nung 
umgemaubelt merbeu; es ftef)t ganA im Belieben bes (Sinfcnbers, 
roas ec aus biefer ftigur mad)t, ob (befielt, (£>cftalt r ßcnöfchaft 
ober eine 6flcne. 3ur Ausführung bec 3*icf)nimg lann Blei« 
ftift, Tinte ober Botfel benutjt merben, boef) barf fie nur in 
fchmarA-meiß f)ergefteUt merben, farbiges 3eid)nen ober ©alen 
ift ausgefd)loffen. 

2. Breisgelrönt toirb bie befte 3ift*3bee. (Es fommt nicf)t auf 
bie ttinftlerifcf)e Bollcnbung ber 3e ; rf)nung an, fonberu auf bie 
luftige, oerblüffenbe ober tomifdjc 3bce, bie in ber 3eicf)nung 
geftcltet coirb. (Es genügt, fie mit toenigen Strichen ausAufiihren, 
aud) unbeholfene unb bileitantifd)e Stilen fmb jugelaffeit, 
toenn fie eine gute 3bcc barftcUen. ©au beachte bie gegebenen 
Beifpiele, bie aber nicht abgegeichnet merben bürfen. 

3. Bie Seicpnung muß aus ber beigegebenen Siff-Sigur (§alb* 
freis) Ejergeftellt merben; mer mehr Baum jum 3ci<hnen braucht, 
toirb gut tun, ben 3ift jS £orbrurf auf ein größeres Stücf Bapier 
Au lieben. 3ebecmann lann beliebig oiele 3itl'Berfuchc ein» 
fd)icfen, hoch muß jebe 3citf)nung auf bem nebenftchcnbat Bor« 
bruef gemacht fein, ©er alfo mehr als einen „3itt* Acichnen 
will, beiorge pd) weitere Bummern biefes Heftes. Kopien uuf 
Bonspapier unb bergleicßen finb nicht gültia. Ben (Einfenbungeit 
bürfen ©itteilungen, Anfragen ufro. nicht beigefügt merben. 

Ber Borbrucf ift in ber angcbeuleten ßinie ausgufchneiben 
unb unter Ausfüllung bec Anfcßrift au fenben an: 

^rfftlftleitung der „Woche', prcteausfrfjtcibcn, 

Berlin 41058, 4rf)cclhau$, 

Alle (Einfenbungett muffen bis fpäteftens 15. September b. $8. 
hier einlaufen; biefen Bebingungeit ließt cntfprechenbe Sen« 
bungen tonnen nicht berüdfid)tigt merben, mit Strafporto 
belaftete Salbungen merben nicht angenommen. 

4. Bie Bebaltion ber „©od)C" bilbet bas Breisgericht. Bie 
für ben Bcrlag ber „©oeße" tätigen Äünftler fmb oon ber 
Beteiligung ausgefcßloffen, ebenfo lann bas Breisgericht (Ein» 
fenbungen betanntcr SUinftler ausfeheiben. „ 3 ^* foll ein 
luftiges Breisausfehreiben für bas Bublifum unb 
feine Zünftlerfonfurreng fein. 

Bie (Entfcheibungen bes Brcisgeridjts finb enbgültig, jeber 
Teilnehmer erflärt fid) burd) bie (Einfeubmtg mit biefen Be¬ 
engungen einoerftanben. 

(Es merben folgenbc roertbeftänbige Breife aus« 
gefegt: 

igm 1. peetö: l golöcncfi* 10»MIarf»4tütf 
igln 2. PcrifiS: 1 filbccncö 5»Jttarf»4ftürf 

Otci weitete Ptcife: Jt 1 fllbctnCS 3 » HlflCf * -StUlf 


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ein (Soldftuif! 

Bicfe (öelbp reife merben Anm Beidjsbanfturs 
oom 29. September in Bopiermarf umgerechnet 
unb ausgeAahlt. 

ferner lomtnen noch Troftprcife in gorm oon Büchern bes 
Berlages Auguft Scherl in grage. Über bie Angaßl ber Troft» 
preife entfeheibet bas Breisgcricß*. 

Bie beften 3üf*3richnungen merben oorausfichtlich in ber 
„©oeßc^oom 29. September b. 3$. abgebrudt, in ber gleicßgeitig 
bas Breisausfchreiben mit einer neuen 3üf s Aufgabe fortgefefct roirb. 


$ier ausfdjneibcn! 



iU»inc beo (Jmfenbecs 


Ort unb Strafte 


§ier audfeftnetben! 



Original from 

PRtNCETON UNIVERSITY 












© i c 


Kummer 33/34 


Seite 772 


<5B o * e 



In Atlanta im Staate Georgia in den Vereinigten Staaten 
wurde jüngst eine Parade abgehalten, bei der die Teilnehmer 
in der einen Hand blau-weiss Gestreifte Sonnenschirme und 
in der anderen riesige Nationalflaggen trugen 

Ein merkwürdiges Paradebild 


Soweit ist cs bei uns gekommen: Eine Berliner Firma verte t 
auf der Strasse Hundertmarkscheine, auf der ein Reklame¬ 
zettel klebt, um sich so Beachtung beim Publikum zu sichern 
Phot. Atlantic 

Der Hundertmarkschein als Reklamezettel 


BILDER AUS 
ALLER WELT 

Oben: Calvin Coolidge, 
der neue Präsident der 
Vereinigten Staaten, im 
Kreise seiner Familie 

im Oval: Der amerika- 
n sehe Schwimmer Sul- 
livan, der den Kanal 
zwischen Dover und 
Calais (33 Kilometer) 
in 27 Stunden und 23 
Minuten durchschwamm 
phot. Atlantic 

Unten- Das mit zwei Dicsel-Gros>motoren der Deutschen Werke ausgerüstete Tank 
sch.H ■„Uran' ist der erste derartige Bau der Deutschen Werke. Das Schiff wurde 
auf Reparationskonto für Italien gebaut 

Bau eines Dieselmotor-Tankschiffs auf der Werft der Deutschen 
Werke in K cl 


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PRINCETON UNIVERSITY 































Kummer 33/34 


g) i c o cfr e 


Sette 773 


„ff ein Sri'cbe auf bem Salfan" 

Jleue Silber au« bem u n 3 u f r i e b e n e n Sulgariett 



„Für die Befreiung Mazedoniens“: Die bulgarischen „Irredentisten“ protestieren vor der Hauptkathedrale in Sofia 

Continental bhoto 


0 lauge bic (Erbe um bic Sonne treift, ift bie Stbfidjt, um 
bereu SBiüen ein Skieg geführt morben ift, noef) niemals 
in einer für bie Ieitenben Staatsmänner fo befd)ämcuben 'JBeifc 
gerabeju oernid)tct toorben, roie ber oon ben gütjrern ber (Entente 
immer roieber oerfiinbigte 3roed: ber tperftellung oon 91uf)e unb 
grieben auf bem fd)Iad)tburd)uriU)Itcn < 53obett Suropas burcf) 
bie Verträge, bie folgen 3 u f tau ^ l)erbeifüf)ren foüten. 53er= 
nidjtct ift nad) einem neuen blutigen Skiege ber Vertrag oon 
Seores, bis $u feinen Sruubfeften crfdjiUtcrt ber Vertrag oon 


53erfailles, Millionen oon 9flenfd)en finb burd) ben Vertrag oon 
Srianon unter eine tpcrrfdjaft geraten, unter bie fie fid) nie beugen 
loerbcn, unb fd)on beginnt auef) ber Vertrag oonSReutUt) nad) ber 
enbgültigeniBefriebiguug ber 3öilufd)e ber gtirtei foftarfe ^3oXfs= 
ftröntungen in bem oon if)m betroffenen ^Bulgarien au entfeffeln, 
baß oon einem ^rieben auf bem ‘Salfait nid)t bie Shcbe fein fann. 

3)as neue ^Bulgarien, bas aus ber iHeoolution gegen ben 
fran^ofenfreuublichen iBauernpräfibeu'en Stambolisft) f)eroor= 
gegangen ift, ift eine Schöpfung, bic nur mit §ilfe ber maje» 


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Seite 774 


© I e <20 o <b e 


Stummer 33/34 



bontfcßen ft^eitstompfer möglich mar. ©aß Tie einen be* 
ftimmenben (Einfluß auf bie Regierung gemimten mußten, mar 
unoermeiblid). ©as 
THiniftcrium 3antoff ßot 
amar erllärt, baß es bie 
i teunbließen "Begießungen 
aur (Entente unb au feinen 
Siacßbarn aufrecßterßalteu 
t»oUe, aber, bieje Slbftcßt 
laßt fteß nießt oerroirt* 
ließen. 3n ber Jnuptftabt 
bes Canbes ftnben unter 
ber Leitung ber fiir bic 
politifeßen Bcmegungen 
ber griecßifcß.fatßolifcßen 
Beoölferungen noeß im* 
mer ungeßeuer mießtigen 
©eiftlicßfeit leibenfeßaft* 
ließe Äunbgebungen unb 
feierliche ©ottesbienfte 
au bem S^ecte ftatt, 
bie bureß ben ^rieben 
oon Stcutlli) oon Bub 
garien getrennten, jum 
ameiten mal oerlorenen 
©ebieie Blaaebontensau* 
riief^ugeminnen. Slnf 
ben Spiataten, bie ben 
©em onftr attonsa ii gen, 
an benen fteß aUc 
Scßicßten ber Beoölfe- 
ruug beteiligen, ooran» 
getragen merben, lieft 
man bie SBorte: „ft ein 
Triebe auf bem Ball an 


oor ber Befreiung Blaaebontens". Sluf bem Baifan ßaben 
alle Kriege mit folcßen Boltsbemegungen angefangen, Bulgarien 

märtet nur auf bie ©e* 
Iegenßeit, ben Bertrag 
oonSteuilli) au zerreißen, 
mie bie©ürtei benjrieben 
oon Stores aerriffen ßat 
©ic e 3eit ift freiließ noeß 
nießt getommen. ©emt 
bieSJteinungsoerfeßieben» 
ßeiten ^mifeßen ben an» 
beren Baltanoölfcrn unb 
;,mifcßen ben spolen unb 
ben Ungarn fmb noeß 
nießt fo rneit gebießen, 
boß fie 3 U einer fioefe* 
rung ber tleinen (Entente 
unb aum offenen Slus- 
brueß ißres ftonflittes 
mit bem fteß in gleießer 
$2age mie Bulgarien be« 
ftnblicßen Ungarn gefiißrt 
ßaben. Slber biefe Blei« 
nungsoerfeßiebenßeiten 
finb auf ber Ießten 3u» 
fammenfunft ber SÖtinifter 
3ugoflaoiens, Stu* 
mäniens unb ber ©feßeeßo. 
flomatei feßon autage 
getreten. Überall brennt 
im näßen Often bas Jeuer 
unter ber Slfeße. Un- 
ameifelßaft roirb bic &\i 
fommen, in ber es aujlam- 
men emporlobert. Mg. 


Der Bischof von Mazedonien und die Geistlichkeit von Sofia beim 
Gebet für das Andenken der Gefallenen 



Demonstrationszug in den Straßen Sofias: Im Zuge wurden t ahnen der mazedonischen Fre.schärljr und bekränzte Bilder 
der in den Länderkämpfen Gefallenen mitgelührt, sowie Tafeln mit der Inschrift „Kein Friede auf dem Balkan, ehe 

nicht Mazedonien frei ist“ 


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Shrrnmet 59/34 


4M e 48 o A e 


L 


bt# Ältatt 

Äoman oon 3£ans DotniniJo 

11. Fortsetzung. —Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


Bttt bcr Berügrung igrer £änbe festen fic fteg umge» 
gemanbelt au gaben. 3cbcs Hemmnis fanf auf ben 
(örunb, oerfegtuanb in enblofcm 0unfel. (Eine Bor» 
l'teüung bes (ölücfs glitt bureg if)re Seele, ein unbe= 
fd)reibiicges Sädjein ging über igre 3üge. Rücfgaltlos 
gab fte fieg in biefem einen gingegauegten Sort. 

„ftlorence!" 

Roeril fniete nieber unb fügte bie £>änbe, bie fie igm 
miüenlos überlieg. 

„Hann Siebe fo graufant fein? . . ." 

(Ein Suttfcg fegien fid) in igr au regen, ben fte niefjt 
ausbrüefen fonnte. SCRit aager Bemeguttg nagnt fie feinen 
Rrm unb legte ign um igren £>als . . . fd)lang igre Rrme 
um feinen Racfen. 0a 30g er fte an fteg unb fügte fie 
auf ifjren Rtunb. 

,RUes ift nerfunfen . . . alles ift oerfdjmunben. Rur 
unfere Siebe ift geblieben . . . 0ag id) ign je roieber 
fügen mürbe, beinen fügen, reinen Rtunb!" 

(Ein Scgauer rann bureg igre (^lieber. 

„0as ift er niegt tttcgr . . . ber reine Blunb", fagte 
fte mit leifem St lagelaut. 

„ftlorettce! £)u! . . ." 

Roeril mar aufgefprimgen. Stcudjenb famen bie Sorte 
aus feiner Bruft. 

„Silift bu ntieg mieber aus beut göcgften £>immel in 
bie tieffte §öüe ftüraen?" 

(Er ftanb ba . . . in bem gebrodenen Sdjatten bes 
Baumes, jeber Straft beraubt . . . oerirrt mie in einer 
Süfte. 

Slorence gatte bas (fteftegt in ben £>änben oergraben ... 

0er Sties fnirfegte unter einem Scgritt. 

SCRit jägem Rucf bliefte fte auf. 

„0u millft geben? ... 3a, geige . . . gege. (Es ift 3U 
fpät, 3U fpät. 3d) bin einem anberen oerfproegeit!" 

61c taumelte unb märe au Boben geftiir^t, gätte er fte 
niegt in feinen Firmen aufgefangen. 

„ftlorence! (Es ift niegt magr. 3cg bitte bieg. (5prid)!" 

(Er fegrie es faft. 3itternb lag ftlorencc an feiner Bruft. 
3gre 3ägne feglugen aufeinanber. 3gr war, als oerfänfe 
fte in einem eiftgen 6tront. 

0a füglte er bie Sagrgeit. (Es mar fein leeres Sort, 
bas in fein Ogr geflungen. 

Regungslos ftanb er, fog mit bebenben Rtemaiiqen 
ben Suftftrom ein unb ftarrte in ben meiten Raum. 3 qv -- 
btoegen, gcrfcgcllt lag alles am Boben. 

„0u liebft ign \ . . ben anberen? . . . Rein! 0u 
liebft ign niegt . . . Stannft ign nidjt lieben. Unb bod) 
miüft bu igm folgen! . . . Unb id)?" 

(Er löfte igre Rrme unb brängte fie aurücF. 

„Unb icg? . . . 3cg foll jugrunbe gegen ?\* 

„Roeril!" 

Jylegenb fam es oon igren Sippen. Rüc Rraft fegiett 
oon igr gemiegen. 6cgmad) unb gebroden fanf fie auf 
ber Banf aufammen. 

Unenblicgcs Rtitleib mogte im $craen Roerils. (Er 
gätte fte in feine Rrme negmen, fte tröffen, fte gegen 
mögen. Unb trogbem bemegte er ftd) nieftt, fprad) er 
niegt, mad)te er feinen Berfucg, biefe Qual au füraett. 


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0er Stlanq einer Slocfe, ber aus roeiter Jyerne au igm 
brang, lieg ign aus feiner (Erftarrung ermaegen. (Er gob 
bie Spattb unb fugr igr mit linber Bemegung über bas 
Spaar, bie Sange, bas Stinn. Unb als ob biefe £>anb igr 
bas Spera aerfpalte, brad) fie in galtlofes 6cglucgaen aus. 

(Er fegte fid) au igr, gob tgr tränenüberftrömtes ©eficgt 
unb legte es an feine Bruft. 

„(Eraägle, frlorcitce!" 

Rtit fcgmeralicger Rnftrengung entroanb fte fteg feinen 
Rrnien. 

„Roeril . . ." 

3gre bebenben Sippen fud)ten oergeblid) naeg Sorten. 

„Senn icg bir meg tat, JJlorence, oeraeige mir!" 

Roeril ocrfud)te igre £anb au negmen, fte burd) bie 
Beriigrung au berugigen. 

0a plöglid) gob fie ben Stopf. 3gre Rügen blieften 
mit totengafter Starrgeit ins Seite, als fügen fte ettpas, 
roas • niegt ba mar. 3gte troefenen Sippen begannen 
au fpredjcn. 

„3cg mar franf . . . . id) gatte nur ben einen Sunfcg 
au fterben, um bie Qual au füraen. 3d) gatte bieg oon 
mir gemiefen unb fag unb baegte niegts anbercs, als bieg. 
0u marft in mir, mie eine Qual .... ein £r cu er . . . 
ein Sagnftnn .... (Ein mejifanifd^r Sefcgäftsfreunb 
meines Baters befuegte uns. 3cg fannte 0on SRanuel 
Oregon feit meiner frügeften 3ugenb. Oft gatte ign 
mein Bater als meinen älteften unb treueften Beregrer 
geneeft .... 3d) fag in igm nie megr als einen liebe» 
oollcn oätcrlidjen ftreunb. (Es mar für# oor meiner 
Rbrcife mit Speien Ooaroin .... (Er marb um mieg . . . 
(Er fag meine Seelennot unb fegaute ginein in mein 
audfenbes ftd) abringenbes Sera, als ob es offen oor feinen 
Blicfcn läge. (Er nagm meine £>änbe unb fpraeg liebe» 
ooll .... bemütig au mir. Unb boeg lag in feinen 
Sorten bcr SiUe unb bie Straft, ntieg au befreien . . . . 
mir bas Slitcf au geben, für bas mein §cra noeg Raum 
bot. Unb .... icg gab igm meine §anb." 

„Unb bu mirft igm folgen .... biefem Btanne? . . . . 
Sicbelos?" 

Rlles geifie Sünfcgen, alle Seibenfcgaft, (Empörung unb 
Stlage fprad) aus Roerils Sorten. 

„^lorence! 3cg laffe bieg niegt. Rtein bift bu . . . . 
allen aum 0rog. 0ir felbft gum 0rog!" 

(Er pregte fte an ftd) unb fügte igre Rügen, igre 
6tirn, fiif3te bie 0ränenfpur auf igren Sangen unb oer» 
fd)loß bie miberftrebeitbcn Sippen mit glitgenben Stüffen. 

Sie oerfud)te ign au berugigen, fieg losaumaegen. Se» 
maltfam befreite fie fteg aus feinen Rrrncn, fprang oon 
ber Banf empor unb toid) oor igm aurücf. 

„Sei gut au mir, Roeril! Sd)oite ntieg. (Es fann niegt 
fein ... 0u ntugt nun gegen, oergig tttid)!" 

,,3d) bid) oergeffen? ... 3d) gegen, mo icg meig, bu 
liebft ntid) . . . liebft mid) ttod)!" 

„3a, Roeril! . . . Soge, id) bitte bid). Sas uns ba» 
ntals trennte, trennt uns geute aud)." 

„Unb meigt bu, rnogin bu mid) fdjicfft? 3cg gege au» 
gruttbe ogne bid)! . . . JJ loccn cel -r 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 



Seite 776 


$ i e Oft o cb * 


Kummer 35/34 


©eine klugen rangen mit ißr in ftummer Verzweiflung. 
5>a fcf>ritt fte auf ißn zu unb legte bic §änbe auf feine 
Scßultern. 

„Pueril! 3cß habe bieß lieb ; . . bis in ben Sob." 

©ine fcßmerzlicß felige Vlilbe lag auf tßrem ©efießt. 

„Wenn meine Siebe bid) bittet, z u gehen, wirft bu 
es tun?" 

(Ein Vebeit ging burd) bie ©eftalt bes Cannes. Alles 
Vlut wieß aus feinem ©efid)t. Staum oerftänblicß, nur 
ein raußes {Jlitftern mar fein: „Scb woßl!" 

* * * 

Staum ßatte Wellington {Jos feinen Flamen genannt, 
als ißn ber Wiener in bas Arbeitszimmer (Kamins führte. 
(Ein großes, oon angenehmer Mßlc burdjweßtes ©emad). 
Scßwere Vorhänge oerßiillten bic ^enfter unb feßufen ein 
leid)tes Steimmerlicßt. 

An einem fleinen Scßreibtifd) faß {Jrancis ©oroin, oon 
£opf bis zu {Juß in blenbcnbcs Weiß getleibet 0as ©e= 
ficßt oerfd)loffen unb eijlg fühl. 

Vlit einem furzen Äopfnicfen beantwortete er bie adj= 
tungsooüe Verbeugung oon {Jos. Aod) ct>e biefer auf 
einem Seffel ‘ißlaß genommen hatte, begann er bie Un= 
terhaltung. 

,,3d) höbe Sie zu einer Unterrcbung gebeten, um 3ßnen 
bas münblich z u fügen, was 6ie fieß bei einiger übcr= 
legung felbft hatten fagen fönnen." 

(Er ßielt einen Augenblicf inne. Seine bürten, grauen 
Augen fahen {Jos burchbringenb an. 

„S)aß id) meine (Eintoilligung zu einer Vetbinbung 
Ztoifchen 3ßnen unb meiner Socßter £>elen nidjt geben 
werbe." 

{Jos nidte Ieicßt zuftimmenb. 

„Seßr woßl, Vir. ©aroin. 3d) habe batiiber feinen 
ßtoeifel gehabt." 

©aroins Vrauen zueften fragenb empor. 

„3)ann barf icß woßl fragen, wesßalb Sie fid) meiner 
STocßter $elen in fo unzarter Weife genähert hoben? 
£elen ift ein Slinb. Sie haben eine feßwere Scßulb 
auf fid) gefaben, als fie $elens 3)anfbarfeit für bie ©r= 
rettung aus bem Scßncefturz in einer Weife ... in einer 
Weife ausnußten, bie ben Seelenfrieben meines ftinbes 
tief ftören muß." 

Wellington {Jos fd)Iug beßaglicß ein Vcin über bas 
anbere unb leßnte fid) bequem in feinen Seffel zuriief. 

„3ßr Vorwurf trifft mieß nicht, Vir. ©aroin. 3unäd)ft 
ift §>elen fein Slinb meßr. Sie ift feit einem Saßr ooll» 
jährig. 3ßre (Einwilligung za unferer Verbinbung ift 
baßer oßne Velang. Wenn $clcns Vatur oiel oon ber 
Unbefangenheit unb {Jrößlicßfeit eines 5linbes beßalten 
ßat, fo fel)c id) barin ein ©efeßenf ©ottes, für bas icß 
ißm oon ganzem §erzen banlbar bin . . . aber 3ßrc 
(Einwilligung ... bie brauche id) nicht. Vir. ©aroin." 

(Es fd)ien einen Augenblicf, als wolle ©aroin auf» 
fpringen, um bem unoerfeßämten ©aft bie $iir zu weifen. 
®od) er beßerrfeßte fuß fcßnell. Seine ftaßlßarten Augen 
boßrten fteß broßenb in bas gleichmütige ©cfid)t Welling» 
tons. (Er feßludte einige Viale. Veoor er reben fonnte, 
fprad) {Jos mit unerfd)ütterlid)er Vuße weiter. 

,,3d) bin 3ßrer (Einlabung gefolgt, weil id) inicß, wenn 
irgenb möglich, mit bem Vater meiner {Jrau gut ftellen 
möcßte." 

{Jrancis ©aroin leßnte fteß tiefatmenb in feinen Stußl 
Zuriief. (Er preßte bie öänbe incinanber unb feßaute zur 
£tede empor. Seine 3ü9 c blieben unbewegt, unb boeß 
faß man an bem {Jlacfern ber Augen, wie fd)wer ber 
Stampf war, ber in ißm tobte. 


Wellington {Jos faß mit einem gemiffen Vlitleib auf 
ben Vater £>elens. 

Armer alter Sterl, baeßte er bei fidß, meine leßten Worte 
ßaben bir ben Stnodout gegeben. 

{Jrancis ©aroin fpraeß: „Sie wollen alfo, Vir. {Jos, 
oßne meine (Einwilligung eine (Eße mit §elen eingeßen?" 

„0as ztoeite ganz Qetoiß. Ob aud) bas erftere, hängt 
oon 3ßnen ab." 

„§aben Sie aueß baritber nad>gebad)t, wie Sie £>elen 
ftanbesgemäß ernäßren unb flciben werben? 3d) tasiere, 
baß öclens §utbubget 3ßc 3aßresgehalt beträeßtlid) über» 
fteigt." 

Wellington {Jos suefte bic Ad)feln. Wäßrenb er mit 
feinet Antwort zögerte, ging es ißm flar burd) ben Stopf, 
aßa, alter {Jreunb! Stein Wiberftanb läßt nad). (Es fällt 
bir nur zu fd)wer, bid) offen gefeßlagen z u befennen. 

S>ann fpraeß er: „Sten Cusus oon ©aroins Palace 
$elen zu bieten, bin icß felbftoerftänblicß nießt in ber 
ßage. 0ocß mein (Einfommcn genügt bureßaus, einer 
{Jrau ein beßaglid)es, glüdlid>es £>eim zu bieten, bie ißre 
Anfprüd)e nid)t allzu ßod) ftellt . . ." 

,,©Iüd ift in ber fleinften £>iitte", warf ©aroin ein, 
boeß ber $oßn, ber barin liegen füllte, war matt. 

„Unfer zufiinftiges £cim wirb im Verglei(ß zu ©aroins 
^alacc eine £>ütte fein, gewiß, Vir. ©aroin. Aber es 
ftänbe fcßliinm um bie Vlenfd)ßeit, wenn bas ©lüd nur 
in ben Sd)löffcrn ber Veid)en zu finben wäre." 

{Jrancis ©aroin maeßte eine wegwerfenbe ©ebärbe. 

„Verliebte ßcute feßen ben £immel ooller ©eigen. Ster 
Staßcnjammer bleibt nid)t aus. 3dj will mein $inb baoor 
bewaßren. 3d) möd)te unfere Untcrrrebung bamit be» 
enben, Vir. {Jos, baß id) 3ßnen für 3ßre aufopfernbe Sai 
bei ber Vettung §elens meinen ßerzli(ßften S)anf aus» 
fpredje. 3d) wollte Sie zum Vefißer ber (Eßicago *ipreß 
mad)en, um meinen S)anf aueß tatfräftig zum Ausbrucf 
Zu bringen. Sie ßaben mein Angebot zuriiefgewiefen. 
Wir finb quittI" 

„3cß nid)t!" 

Wie ein Wirbclwinb war ein weißes (Etwas aus bem 
Vebenzimmer ßereingeflattcrt. Vir. ©aroin war plößfidß 
unter einer Wolfe oon ßellem Vatift oerfd)wunben. 

©in {Jlüftern unb Vaunen, fo zärtlicß, fo innig, brang 
an bas Oßr oon {Jos, baß er bie 3ößue aufeittanberbeißen 
mußte, un^ feine Vewegung zu unterbrUcfen. ©r faß 
ben grauen ^opf ©aroins über §elens blor.be Coden ge= 
beugt, faß, wie beffen Arme fein Stinb feft umfd)loffen, 
unb oerließ leifc bas Siutmer. 

3m Vorraum feßritt er rußelos auf unb ab. Saufenb 
3been fd)offen burd) fein §ir.n. ©ine Welt oon {Jcinbcn 
witnfeßte er zu ßaben, nur um £elen fd)iißen zu fönnen. 
Stnirfd)enb preßten fid) feine 3oßne aufeinanber, feine 
{Jäufte ballten fid) gegen anbere nod) unficßtbare {Jäufte. 

Alle Strafen bes Rimmels unb ber JpöHe mögen mieß 
treffen, wenn id) bteß, mein ßiebling, nid)t eßren unb 
feßüßen werbe bis zum Ießten Atemzug. 

Unb bann ging es ißm plößlid) wie Vir. ©aroin. Wie 
burd) einen Scßleicr faßen feine Augen eine weiße ©e= 
ftalt auf fid) zucilcn. 3^ci Iiebeoolle Arme umfd)loffen 
feinen §als, unb ein träneniiberftrömtes ©efid)td)eu 
leßnte ftd) an feine Vruft. 

©in Stammeln ... ein Weinen ... ein Cacßen. 

„Wie glüdlid) bin i<ß, Wellington!" 

Vad) einer Weile brang bie Stimme ©aroins in ben 
füllen Vaum. 

„Vir. {Jos, Sie ßaben geftegt. Selens Wille war ftärfer 
als ber meine ... ©s fällt einem alten Vlann fd)wer. 


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PRtNCETON UN1VERS1TY 



Stummer 33/34 


0 1 t lüdie 


Sette in 


fein einziges flinb . . . fein Dilles roegaugeben . . . 3cf> 
merbe alt, ißr müßt Scbulb mit mix haben . . . 0et 
Sebanfe quält mich, baß £>elen in ben oeränberten Vet= 
ßältniffen ißres neuen fiebens hoch gar manches £icb= 
geroonnene aus bem Vaterhaus oermiffen mirb . . . 

3<h bitte Sie, Wr. $oj, mir au erlauben, 3ßre Stel« 
Iung in irgenbeiner Weife au oerbeffern. 0er Sebanfe 
ift mir unerträglich, baß . . . Wr. ffoj, Sie bürfen nicht 
roeiter ein einfacher SBerid)tcrftatter bleiben ... 3<h 
merbe 3ßnen entfpreeßenbe, id) hoffe, Shnen auch a Ul 
fagenbe, Vorfcßläge machen. Sie müffen 3ßre ^ofitionen 
oerbeffern." 

ftrancis Saroin mar bei ben leßtcn Worten auf 
Wellington ftoj ftugetreten unb brüefte ihm bie Hänbe. 
Wellington $o£ 
hatte feine oolle 

Selbftbchcrrfchung 
toiebergemonnen. 

„0aß Sie mir 
3 ßre §elen nicht 

gern geben, meiß ich 
. . . miH es 3ßncn 
auch nicht oer- 

benfen, obmohl Sie 
als freier Amerifa- 
ner oon ben Vor- 
urteilen oon Aang 
unb Reichtum un¬ 

abhängiger fein foH- 
ten. Weine ^ofition 
gu oerbeffern? . . . 

3ch habe frßou l an 9 c 
baran gebacht . . . 
unb baran ge¬ 
arbeitet. 3d) fennc 
bas alte Wort, baß 
man bei ber treffe 
alles merben fann, 
oorausgefeßt, baß 
man nicht babei 
bleibt. Unferc 
Wünfcße begegnen 
fuh alfo. 0ocß bie 
Vorfcßläge für eine 
Verbefferung über- 
laffen Sie bitte mir. 

3cf) habe rin <S>cfd)äft im Auge ... ein Sefdjäft? . . . 
. . Stein! . . . Wein Sefdjäftsfinn ift alle 3rit feßmad) 
genug gemefen, Sott fei’s getlagt. 

(Ein Wer! . . . (Eine große Sat habe ich oor. 3ur 
Ausführung gehört Selb . . . oiel Selb. So oiel, roie 
oieüeicfjt auch Sie nicht haben. Aber bas Wer! roirb 
gelingen, unb bas Selb mirb ßunbertfaeße 3lnfen 
bringen. Wenn bie 3rit getommen ift . . . halb . . . 
feßr halb mirb fie fommen . . . merbe ich 3ßnen meine 
Spiänc entmideln, merbe 3ßnen bas Sefdjäft antragen." 

grancis Saroin hatte ber langen Vebe ruhig augcßört. 
Stun fprad) er: „3ßre Hoffnungen nehmen einen !ül)nen 
glug, Wr. 505. Sie geftatten, baß ich Sßrem Se- 
fchäftsfmn, ben Sie felbft als fcßroach bcacichneten, fchr 
ffeptifcß gegeniiberfteße." 

„3d) nehme es 3hnen nicht übel, Wr. Saroin. Sie 
haben mich bisher nur als einfachen 3ournaliften fennen- 
gelernt. Sie miffen nichts . . . meniger als nichts oon 
meinen fonftigen klärten unb . . . Unternehmungen." 


„Unternehmungen?" 

gragenb unb ameifelnb mar bas eine Wort oon ben 
£ippen Saroins gefommen. 

„Unternehmungen, Wr. Saroin. Sie merben onbers 
oon mir benfen, menn einige Wochen ins ßanb gegangen 
finb. 3ch mödjte Sie bitten, Wr. Saroin, meine Ver¬ 
lobung mit Helen nicht oor bem Auguft öffentlich befannt» 
augeben." 

Verrounbert unb fragenb bliefte grancis Saroin auf 
go$. (Eben erft hatte ber mit Semalt feine Verlobung 
burdjgefeßt, hatte ben Wiberftanb bes Vaters gebroden, 
unb jeßt bat er felbft, biefe fo müßfam erfämpftc Ver¬ 
lobung bis aum Auguft noch geheim au halten. 

„Warum nicht? — 3<h oerfteße Sie nicht, Wr. goj;." 

„3n menigen 
Wochen merben Sie 
mich um fo beffer 
oerftehen. Sic mer= 
ben bann, bas hoffe 
ich [t<her, bie Ver* 
öffentlidjung unfe» 
rer Verlobung nidjt 
mehr roie jeßt unter 
Vebenfen unb 3mei* 
fein, fonbern mii 
roiöigcm Heraen 
oornehmen. Sie 
merben an biefem 
Sage miffen, Wr. 
Saroin, baß ber 
Verlobte 3ßrcr 
Socßter etroas meßt 
ift als ber einfadje 
Veridjterftatter, für 
ben Sie ißn jeßl 
nehmen, für ben bie 
Welt ißn oorläufic 
nehmen muß." 

* * 

Seorg Sfenbranbi 
befanb fid) in fei¬ 
ner Station a u 
Wierng. Seit jener 
Ießten Sißung bes 
©ireftoriums ber 
(E. 6. (E., feitbem bie 
maßgebenben H crren ber (E. S. <L ben Vefdjluß gefaßt 
hatten, ben Spruch bes Sd)icbsgerid)tes abaumarten, 
bie ftrittige 3lifrage bis baßin in ber Sdjroebe au laffen, 
mar ec in gebrüefter Stimmung. 

• 0ic (Ercigniffe bes heutigen Soges roarett in ißrer Se« 
famtßeit nicht geeignet, einen Stimmungsumfcßmung bei 
ißm ßerooraurufen. 3*0^ ber Vormittag ßatte ißm eine 
große, faum ermartete greubc gebracht. 7 Sin Selegramm 
in oerabrebeter Sprache oon Wellington 505. Scorg 
Sfcnbranbt ßatte es Wort für Wort beeßiffriert, ßatte 
tiefaufatmenb bie gute Aadjridjt gelefcn, baß ber treue 
goi; btc Vermißten, 3oßannes Wittßufcn unb Waria 
geobororona, in Urga entbeeft ßabe. 0as Selegramm mar 
nur fura« 0ie erfte fnappe Aadjridjt oon ber gliicflidjen 
(Entbecfung bes Aufenthaltes ber Vermißten. Akr aber 
505 unb feine Art fannte roie Seorg 3fcnbranbt, ber 
fonnte noch mandjerlei amifchen ben 3rilen ßerauslefen. 

Aun befcßäftigte Sfeubranbt eine ganae Steiße oon 
fragen. 3n meffen Semalt maren bie Vcrfcßlcppten? 



„Skiläufer 1 *, Gemälde von Alfred Bemert 

Groaac Berliner Kunalauatellung 1923 


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Original frorri 

PRiNCETON UNIVERSITY 










(Seite 778 


i f QS o (b e 


Kummer 33/34 


Wie mürben fic gehalten? Würbe es 5°£ gelingen, mit 
ignen in Serbinbung gu treten? Würbe es igm glüefen, 
fie gu befreien? 

0 ie roenigen Worte bes Telegramms Hangen guoer» 
fic^tlicf). Sfenbranbt fannte Sd£ <Hs einen ent» 
feg [offenen, tatfräftigen Stenn, bem in fritifegen Sagen 
aueg Sift unb (Erfindung in roeitgegenbem SO^oße gu Se= 
bote ftanben. 6 o burfte er rool)l goffen, bag Wellington 
halb meitere gute Sacgricgten fenben mürbe, unb 
jenes Telegramm aus Urga märe roogl geeignet geroefen, 
bie Stimmung 3fenbranbts gu geben. 

$Iber anbere 9tecgrid)ten maren geeignet, fie roieber 
ginabgubriitfen. Seit groölf Stunben liefen unaufgörlid) 
Öocgroaffermelbungen aus bem oberen Slitale bei feiner 
Station ein. Son Stunbe gu Stunbe ftiegen bie 3 U = 
fliiffe bes Stroms aus bem d)inefifd)en Sebiete. 0as 
gange Quellgebiet bes Jluffes fegien in Sufrugr geraten 
gu fein. 

0ie Sonne fan! ginter bie Serge. ©ämmerung feglid) 
bureg ben Saum, in bem Seorg Sfcnbranbt an feinem 
Srbeitstifcge fag. 0er Telegrapgenapparat gu feiner 
Seegten begann gu titfen. Seue Reibungen oon ber 
Terefftation. 

0 ie Vermutung, bie igm fegon in ben Sadjnüttag* 
ftunben burd) ben Äopf gegangen mar, mürbe jegt gur 
Seroiggeit. 0as mar niegt megr ein gufäUiges Statur» 
creignis. Seroig mar im ftrügjagr mit ooriibergegenbem 
§od)roaffet gu red)nen. Sber bie Waffermengen, tie 
gier non allen Seiten bes Quellgebietes gemelbet mürben, 
überftiegen bas normal gu (Erroartenbe in einer geroalü» 
gen unb unertlärlidjen Weife. 

.(Er oerbartb fiel) bireft mit ber Station oon Teref. 0ort 
gatte er ben gemaltigen Staubamm anlegen laffen, um 
plöglicg einbred)cnbc Waffermengen fieger auffangen unb 
fpeiegern gu fönnen. 0 urd) bie Unfägigfeit eines Sau» 
ieiter «5 l>atten bie Arbeiten fid) ftarf oergögert. (Erft in 
ben legten Wochen l>atte Seorg 3fenbranbt mit eiferncr 
£>anb bagroifegengegriffen, gatte bie tiiegtigften 3 nge» 
nieure an biefe Stelle gefegt unb bie Sollenbung bes 
riefigen Setonbammes mit allen Mitteln betrieben. 

(Erft geftern gatte er bie Sauftelle befud)t. 0er 0amm 
mar jegt fertig. Sber bie legten Teile ber gemaltigen, 
bergegogen Staumauer maren erft oor 48 Stunben in 
bie §oIgformen eingeftampft morben. 0 iefe 3 cit mar oiel 
gu turg, um ben Seton fegon ergärten gu laffen. tarnen 
jegt plöglid) bie fegroerften §ocgroaffer, pregten bie ge» 
[tauten Sicngen mit ooliem 0 rucf auf ben noeg frifegen 
Teil ber Stauer, fo mar ein 0amntbrud), eine fdjroere 
Stataftropge gu geroärtigen. 

(Er fragte burd) ben Apparat unb erftfjrat über bie 
Sntroort. 0as Waffer fegon gmei Steter unter bem 
frifeggeftampften Teile. Stieg bie ftlut in bem bis» 
gerigeit Tempo meiter, mugte fie in fiirgefter fielt bie 
frifegen Teile erseidjen, unb bann begann bie fdjmcre 
Sefagr. 

Seorg Sfenbranbt fprang auf unb lief unrugig im 
Saume gin unb ger. (Einen Sugenblicf ermog er ben 
Sebanfen, felbft naeg ber Terefftation gu fagren, um ign 
bann fofort roieber gu oermerfen. (Etroas anberes . . . 
ctmas Srögeres mugte gefd)egen. Wägrcnb er gin unb 
ger manberte, fiel fein Slicf auf bie Apparatur, in ber 
igm neulieg bas Helium erftarrt mar. 0 a . . . greifbar 
oor igm lag bas Stittel, alles gu oerginbern, mas er 
befürchtete. Stugtc er es nid)t auf jeben ftall anroenben? 
Sang abgefegen oon bem gemaltigen, mit Sidjergeit gu 
ermattenden Statcrialfdjabcn — maren nicht aueg 

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§unberte oon Stenfd)cnlcben auf bas fd)merfte bebrogt, 
roenn bie §ocgmaffer bes 0ammes oon Teref §err 
mürben? 

0 ie Serantmortung mar fürcgterlicg fegmer. Sugelos 
lief er bureg ben Saum. 

Was tun? Was maren bie Sten fegen leben, unb mären 
es aud) Jpimberte, gegen bie Taufende unb Sbertaufenbc, 
bie igr Seben laffen mugten, menn er fein Spiel gu früg 
aufbeefte? 

0ann mar alle Wirfung feiner moglburcgbacgten spiäne 
oerloren. 

0as Stittel einmal anroenben, gieg eine oollfommen 
oeränberte Sage fegaffen, gieg bie beften Waffen oor- 
geitig fegartig merben laffen. 

(Einen Susmegl 0as Uebel fam oon ben (ginefifegen 
Sergen . . . 0 as Ungeil an ber Quelle oerftopfen... 
Sollte bas möglicg fein, ogne bas Segeimnis preisgu- 
geben . . ? 

Sielleicgt . . ! 8 b£ mar ber eingige, ber auger igm 
um bas Stittel mugte. Wäre er gier, märe es feiegt 
ausgufügren geroefen. Wen fegt fenben? . . . Wen 
einrocigen . . ? 

0 er alte Scgmelgmeifter ^ranfe trat ein. 0er gaufte 
jegt feit einigen Wocgen unten am Salfafcgfee. (Er 
fam, um fieg Snftruftionen gu golen. 0 ie gemaltigen 
Waffermengen, bie ber 3 li feit groölf Stunben in ben 
See trug, beeinflugten dort bie 0ampfentroitflung. 0er 
Site roollte roiffen, ob neues 0pnotgerm in ben See 
gegeben merben foüe. (Er melbete, bag bie Sogrgorfte am 
fübliegcn Seeufer fegon gum Teil überflutet feien, unb 
er flurfjte grimmig auf bie Selben. (Ebenfo feft mie 
Sfenbranbt mar er baoon übergeugt, bag biefe plögliegc 
fflut nur auf Scgmelgungen im cgineftfcgen 3 ltgebiet 
guritefgufitgren fei. 

Scgon immer gatte er ignen einen folcgen Streicg gu» 
getraut. 

(Es mar ja gang befannt, bag aueg bie Selben über 
groge 0 pnotgermoorräte oerfügten, menn fie aueg bas 
neuefte Präparat 3 fenbranbts noeg niegt befagen. Seit 
langem puberten fie auf igren Sergfämmen gerum. 
Sisger mar bas aber immer nur in tlcinem Stagftabe 
gefegegen unb immer fo, bag bie erfd)molgenen Waffer¬ 
mengen ben cginefifcgen Strömen gugute tarnen unb bie 
Sacgbarn jenfeits ber Srenge nicht meiter bebrogten unb 
gefägrbeten. 

3 fenbranbt mar noeg im 3 ®cifel, ob bas Ungeil mit 
3ibfid)t oerurfad)t ober ob es bureg einen unglüefliegen 
3ufall, bureg eine unoorftegtige 0ofterung bes Scgmelg* 
pulocrs geroorgerufen morben fei. 0 er alte gwmfe 
mar unerfd)iitterlid) baoon übergeugt, bag es ein purer 
Scgabernacf ber Selben fei. 

3fenbranbt unterbraeg ben Sebeflug bes Segntelg- 
meifters. 

„Qb ber 0 amm nod) gu retten fein roirb, ift fraglich, 
‘iüber bie Stöglid)feit beftegt, ben Segrecfen gu fürgen, bie 
3eit ber 5^cgt unb ber Sefagr gu oerfleinern." 

Serftänbnislos blidttc ign ber ^llte an. 

„Wie follte bas möglicg fein, Sfcnbranbt? 0ie 
Selben gaben in igren ^Bergen gepubert. 0as ift mir 
abfolut flar . . . unb ba mug es im Saufe ber näd)ftcit 
Stunben unb Tage boeg immer nod) fd)limmer unb ge- 
fägriidjer merben." 

Seorg Stenbranbt ging gur Tür unb feglog fie ab. 
0 ann ging er gu bent eilten unb legte igm bie §änbe 
auf bie Scgultern. 

(Fortsetzung folgt.) 


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PRINCETON UN1VERSITY 



DIE SCHÖNHEITEN DES LICHTBILDS 



„Schloßblick mit Schreiberteich in Wernigerode“, Aufnahme von Dr. Adalbert Defner 
Ausstellung im Deutschen Kunstverlag, Berlin 


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s 

Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 






Ankunft eines Kinder-Sonderzuges 

* 

Im Oval: Revierzimmer 
im Krankenhaus 

❖ 

Unten . DieFreuden des Erntefestes 

Phot. Staab, U 'ürzburv 


Stummer 33/34 


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PRINCETON UNIVERSITY 








Von links: Dr. Kempski. Herzog 
Adolf Friedrich, K.ü. R. ßosscha. 
von Schubert 

Herzog Adolf Friedrich von 
Mecklenburg vor dem Her¬ 
renhause derBosschaschen 
Teeplantage auf Java 

3nbien unb als Ijcroorragcnber 
uolfsroirtfcbaftlicbcr SdjriftiteUer. 
3m 3)lai reifte ber £>er$og nad) 
Sumatras Ofttiifte unb burd)» 
querte bie $nfel non ©eli bis 
•Üabang. "Hon öumatra aus er» 
lolgt b;e iHiicftetji nad) 3nna, um 
miiitel» unb Oftjaua ju bereifen, 
)lad) Oftjaua unb ber angrensen« 
ben 3nfel Hali roerben nod) bie 
iOiolutten aufgefudjt merben, 
$>ann fall bie £>cimtel)r erfolgen, 
üttit ©rünbltcfeteit merben alle 
fragen ftubiert, unb bas 'üBid^ttpe 
roirb im 'IHlbe feftgebaltcn roerben. 
Überall ift ber JöcrAog, ujie uns 
aus 3<roa gefcfjrieben toirb, (ße» 
genftanb t)«äÜd)er £>ulbigungen. 


Unten: Ein Weizenfeld in 
Poerbasari auf Java in 
1600 m Höhe 

Der Weizenbau wurde in Nieder- 
ländisch-Indien durch 2 Deutsche 
eingeführt: Kurt Opolski und 
seinen landwirtschaftlichen Sach¬ 
verständigen Dr. Kempski 


3nDt|d)e ©tuötenretfe 
ÖefS iperjog^ Qlöolf 
^riebnet) oon , 37lccf= 
lenburg 

Verflog ^Ibolf tJricbrid), ber be* 
fanntlio) früher 'ilfrifa burdjquert 
unb unfere Kolonie 2ogo als 
ihr ©ouoerneur geleitet bat, bat 
fid) bet feiner neuen Sluslanbreife 
bie Aufgabe qeftellt, bie oorbilb« 
lidje Cntmidlüng ber tropifebeu 
ftulturen in Stieberlänbifd) * ?n« 
bien, insbefonbere in 3axm unb 
Sumatra, eingebenb $u ftubieren. 
Stad) feiner ‘äntunft in iBataoia 
im SJlarA 1923 begleitete ibn Cmil 
£elf?ericb,ber3)irettorbes Straits« 
unbSunba»Si)nbilats in'&atama, 
belannt als eifriger prberer bes 
$eutfd)tums in SUcberlänbtfd)» 


Im Kreis: Der Herzog 
von Mecklenburg auf der 
deutschen Weizenfarm 
Poerbasari 

Von links: Erste Reihe: Kurt 
Opolski (Besitzer von Poerbasari), 
der Herzog, Dr. Kempski (Land- 
wirtschaftlicherSachverständiger). 
Zweite Reihe: von Schubert, Ad 
ministr. Goofers. Pauly 


-* 


* . 




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PRINCETON UNIVERSITY 






(Seite 782 


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Kummer 33/34 


e 



Fhot. Ztlnik-Maw-F Um 

Lya Mara und Ern$t Hafniann in „Fasching“ 



ros regiert feit Hrge* 
beuten in allen Sän. 
bem unb 3onen. (Er fcfjUr^t 
bie Änoten im ernften unb 
heiteren Spiel auf ber 33ühne, 
infpiriert heimlich unfere 
dichter unb geiftert mit 
SRaturnotmenbigteit auch 
burd) alle gilmftreifen, oft 
fogar bann, menn fie rein 
belehrenben 3 ®eden bienen 
foüen. 

(Er roirlt in ber Stille, 
tniipft feine feine gäben 
heimlich unb Ieife, faft un. 
merfbar, unb macht es ba. 
rum gerabe ben gilmleuten 
fo ferner, feine Säten im 
Sieben fein unb gefällig auf 
bas iBilb au übertragen. 

(Es gab eine 3*iL 
ftanb (Eros au fehr im 
'Borbergrunb bes gilrns. 

Sas roaren bie turnen Sage 
fener „‘Jluftlärungsfilms", 
bie roohl am meiften oon ben 
tünftlerifch ernftijaft ftrebeu- 
ben Stinoleuten bebauert 
roerben. 

Unb babei ift es eigent« 
lieh t>od) fo leicht, gerabe 
bie Siebesftimmungcn im 
gilm einaufangen. Ser 
grühling, bas 9Jtcer, ber 
3Jlonbfchcin, bas alles fteht 
bem gilmregiffeur in ber 
Statur gemiffermaßeit ori« 
ginal aur Verfügung, roährenb ber* Sichter erft in SBorten 
nachfchaffen unb geftalten muß, min er bas miebergeben, roas 
ber gefd)idtte 9Bilb«usfrf)nitt oon felbft oerrät* 


9lud) üov ber Sühne hot 
ber gilm oieles ooraus. 
Sie Sdjmeben mären es mol)l 
auerft, bie ben feelifchen 
Vorgang burch Staturbilber 
erläuterten. 3uSeutfd)Ianb 
griff Starl SJtaper biefe 
3 bee auf. 

Senn Siebe unb Siebes, 
glücf burch hos Schicffal 
aerftört mirb, aiehen am 
§oriaont ©emittermolten 
auf, toben Stürme über bie 
iüteeresfüfte, entblättern ftch 
"Blütenbäume, mährenb um- 
gelehrt, menn 3 ®ei fid) io 
glüdlicf) befeligter Stunbe 
fürs Seben finben, bie 
Sonne h*ß über bie fd)öne 
blumenbefäte Sanbfchaft 
fcheint. 

(Eros, im gilm — bas 
fpiegclt ftrf) in allen Situ, 
ationen — mirb heute gezeigt 
am s 33eifpiel bes ftolaen 
Königs unb morgen an 
bem (Erlebnis ameier fchlidjter 
tfinber aus bem 33 olt. 
Unb hoch ift es immer bas. 
felbe. Sas Streben aroeier 
Jperaen aueinanber, bas 
nur bann aum mähren 
(Slücf führt, menn es aud) 
bas Streben ber Seele ift. 

Sie Siebe macht alle 
gleich blinb, führt 311 Sra- 
göbien im §aus bes £attb« 
merfers mie in ben ^aläften ber (öroßen. Sie mad)t beit 
tlrrnen reich 00 b ben Reichen arm. Sas ift vielleicht bie 
größte Sehre, bie niemanb einbritiglidjer prebigett fann als 


Phtjt. Muxirm 

Henny Forten und Harry Liedtke in „Die Liebe einer Königin“ 


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Original ffom 

PRINCETON UNIVERS1TY 


Stummer 33 34 


Sic®o cfr c 


Seite 783 



Asta Nielsen und Grigory Chmara im Film „Der Absturz“ 


Redxis : Fern Andra und Emilio Ghione»in „Za la vie's Traum“ 

Fhol. E. Hamm 


im Kreis: Diana Karenne und Ossip Runitsch im Turgenjew-Film 
„Frühlingsfluten“, Phot. Churitonoff-Ulm 


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PRINCETON UNIVERSITY 













flRRFU 


S) t c 3g o cfr e 



Kummer 33/34 



ber gilm, meil er es 
beinahe greifbar oor Au¬ 
gen führt in einer Sprache, 
bie tu aller 98elt oer= 
ftanben tntrb. 

Barum ift bie Siebes» 
facne nielleicfjt, rein 
•fdjaufpielerifd) betrautet, 
bas Seidjtefte, obrool)! 
fic — fo parabos cs 
Hingen mag — bie 
l)öd)ften Anforberungen 
[teilt. 

Aus bent Siebesfpiel 
im SBilb ift fefjon rnand)» 
mal (Ernft gemorben. 

9Bir haben oicle gliitf» 
liehe Jilmehcn, bie im 
Seben fortfefcen, tnas 
einft im Spiel begann* 

Aber cs gibt aud) 
eine Äehrfeiie, an bie 
man oor einiger 8«t 
erinnert tmtrbe, als man 
eine unferer beften Sd)au= 
fpielerittnen gufammen« 
breebett fal), meil fie 
roenige Btonate ttad) bem 
Berluft bcs eigenen Jtm* 
bes für fünf ober äel)tt 
SDlinuten „glürflicheBUtt* 
ler" fein follte. 

(Eros ift manchmal bas Sorgenlittb bes SRegiffeurs, einmal, 
toeil bismeilen Antipathien itn Seben ftd) htnbernb ber reft» 


lofen Burchbringung 
ber Bolle im Atelier in 
ben 2öeg fteHen, bann 
aber aud), meil bie 
ftrenge 3enfur ™ ben 
Angelegenheiten, bie bie« 
fen lofeften aüer (Söttet 
angehen, befonbers ftreng 
ift. 3n Uberfec hat 
man fogar bie Sänge 
eines Muffes auf Bieter 
unb ßentimeter feftgelegt. 

(Er felbft, ber ja meift 
pfeilbemaffnet unbmenig 
befleibet auftritt, ift oft 
genug ber Schere bes 
amtlichen Sbritifers gum 
Opfer gefallen. (Es gibt 
Janatifer, bie ihn mit 
Slurnpf unb Stil oer¬ 
tilgen rnollen unb bie 
fich nicht belehren laffen, 
ba§ fie einen groecflofen 
Stampf führen, toeil 
(Eros au ben 3Jläcf)icn 
gehört, bie burch fein 
©efefc unb burch feine 
Beoolution ju oer» 
brängen fmb. 

(Es ift eine alte un» 
umftöfeliche ASeisheit, 
ba& bie Siebe eine 
§immelsmacht ift, bie uns mehr ober roeniger alle einmal 
in ihren "Bann sroingt. A R. 


Fhot. National-Film 

Maria Jacobini und Walter Janssen in „Boheme“ 


Schluß des redaktionellen Teils 



CREME 

MOUSON 

v 

Cjr/> e unvergleichliche Wirkung der Creme Mouson beruht auf ihrer 
‘^"eigenartigen, unnachahmlichen Zusammensetzung. 

Creme Mouson heilt rauhe, rissige Haut fast augenblicklich, fchaffl 
jugendliches Aussehen und einen gleichmäßig fchönen, zarten Teint. 

Der wohltätige Einfluß der methodifchen Creme Mouson-Haut¬ 
pflege auf den ganzen Körper ist von zahlreichen Ärzten anerkannt. 

Eine angenehme Beigabe bildet die feine dezente, jeden Geruch dei 
Transpiration überdeckende Parfümierung. 

Creme Mouson reibt sich unsichtbar in die Haut ein und ist dahei 
zu jeder Zeit anwendbar. 

Creme Mouson-Seife * Creme Mouson-Rasierseife 


FABRIKANTEN J.G,.MOUSON£,C2 GEGR.1798 IN FRANKFURT *M. 


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PRINCETOM UMIVERSITY 1*=-- - 


r ^ 











©er Äampf 6er ßauäfrau * 

eriaf rat im ei d> 

U ttfcrc Großmütter pflegten geringfcßäßig gu läcßeln, 
inenn Söcßter unb Gntelinnen über bie Saften bes 
£ausßalts ftößnten. 0u lieber §immel, toas bebeutetc 
ber £>ausßalt in einem $aufe mit SBafferleitung, eleftri» 
feßent Sicßt, Gasl>erb, ^onferoen, fo oiel man ßaben 
roollte, bem 0elitateßgefcßäft an ber ©traßeneefe für bas 
Slbcnbbrot, ber SBafdjanftalt ein paar §äufer rociter — 
toas bebcutete ein folcßer £ausßalt gegen früher! 0a 
mar es nod) eine Slunft ober ein gelerntes £anbtoerf. 
3eßt ift es ein ©piel. 

0ie beutfeßen Hausfrauen bes Saßrseßnts 1914—1924 
roerben ruieber geringfcßäßig lächeln tonnen, roenn es 
einmal bem 0eutfcßlanb ißrer £öd)ter unb (Entelinnen 
beffer geßt, fie aber bennod) — benn bas forbert bie 
menfrijlicße Statur! — fieß mit ber Saft unb SJüiße ißrer 
Slrbeit roießtig mad)en. Unb fte roerben oielleid)t nod) 
meßr Stccßt bagu ßaben, benn ißre Sttüßfal ift, toenn nidjt 


25on 0r. ©erfrub 23aeumer 

mini jterium beef 3nnern 

größer, fo gan$ fießer aufreibenber als bie ißrer Groß* 
mütter. 

§at überhaupt fc^on einmal jemanb gan^ richtig er= 
meffen, toelcße neroöf° Qual für bas ganje bcutfcfyc S3olt 
biefe fließenbe SJtarf ift? Sille Startern bes Tartarus: 
bas bobenlofe gaß, in bas bie 0anaibcn feßöpfen, bie bem 
biirftenben Tantalus immer toieber toegfdjnellenben 
ftriießte, ber 6tein bes ©ifgpßus, ber ben Sterg ßtnauf= 
gerollt toirb, um im leßten Slugenblicf hurtig mit 
0onnergepolter" tiidtifd) flu entrollen: bas ftnb bod) alles 
gerabe^u aufs §aar treffenbe Stnribilber beffen, mas bas 
beutfeße S>oIf im Söettlauf mit ber SDtart ausl)alten muß. 
(Es ift einfad) fabelßaft, baß aus biefem erfeßöpften SSolt 
nocß einmal mieber bie ©pannfraft, Sntelligenj unb 
Gebulb ßerausgepreßt roerben tann, bie für biefe immer 
neuen, immer toieber oergeblicßen Sted)ene£empel not= 
toenbtg ftnb. 


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Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 











(Seite 786 


0 i e ® o cb t 


Kummer 35 36 


Unb es muß einmal ausgefproeßen ©erben, baß bie 
Hausfrauen biefe Sifppßusarbeit in ißrer oerätocifeltftcn, 
aufreibenbften gorni machen mliffeni 

(Seroiß, ber SRann, ber im (Sefcßäft jeben Sag neu 
fallulicren muß, trägt oieIleid)t eine größere 3$erantroor* 
tung. SHbcr im (Scfd)äftsleben redßnet man feßneü, fiißl 
unb fad)licß mit ben Satfadjen, unb roas fein muß, muß 
bann eben fein. 3n ber §äuslid)feit aber tommen bie 
unfacßlid)en 3)icnfd)lid)feiten ba^u. (Es ift nämlid) mert* 
toitröig, baß ber Hausherr, ber als (öefcßäftsmann ober 
in feinen (Scßaltsfämpfen ben Snbej feßt genau im 
Stopf hat, fid) 31t S)aufe bod) immer reicher rounbert, 
roenn bas (Selb fo fdjnell 3U (Enbe ift. (Er tonnte feßr 
moßl berechnen, baß es nid)t roeiter rcid)t; aber er toun* 
bert fid) eben bod). Unb ba es ein unangenehmes 
SBunber ift, bas il)tn bas Hausßaltsbud) oor klugen fiil)rt, 
fo oerftimmt es il)n aud). 0as ift fef)r ntcnfcßlicß. 3cber, 
bem (Selb abgeforbert roirb, oon beffen 33ertoenbung ec 
feine bis in alle (Einaelßeiten reidjenbe 33orftellung mit 
fid) herumträgt, roirb ben 33ebarf immer inftinftio 
unterfd)äßen. 

0iefe 9}tenfd)licßfeitcn ftnb bie Sltmofpßäre, in ber bie 
Hausfrauen ihren Stampf mit ber Sttarf fämpfen. iXBeit 
hinter ihnen liegen bie gefegneten 3<üten, in benen 3aßre 
lang bas 33rot basfelbe foftete unb bie einmal aus« 
probierte (Einteilung fid) bauernb beroährte. H eu te iff 
jeber Sag ooll Abenteuer. StRit ben beften Hausfrauen, 
ben fgftemaiifdjeit, forgfamen, getDiffenßaften, bie ficß ben 
ganzen fleinen Organismus bes Haushalts liebeuoll $u 
überlegen pflegten, fpiclt bie SBillfiir ber greife am 
graufamften. Unb bie ieicßtfinnigen, bie nießt burd) alt* 
ßergebraeßte (Eßrfurdjt oor bem fleinen (Einmaleins (auf 
beffen Slefpefticrung übrigens tooßl bie roirtfd)aftlid)e 
33liite ©eutfeßlanbs nießt 311m roenigften berußte!) belaftet 
finb, fommen oerßältnismäßig nod) am beften bureß. 0er 
Verlauf ber 0ingc gibt bem reeßt, ber aus ber Hanb in 
ben 9Jiunb lebt, unb fpottet ber Sugenben, in benen cl)e* 
mals ber Stußm ber guten Hausfrau beftanb. 

33ei oieleit oerlegt ficß bie ßausßältcrifcße ^Begabung 
nun auf bas ODeßeimnis ber „SBertbcftänbigfeit", alltäg* 
lid) ausgebrüeft: auf bas S^amftern. Silber bie meiften 
0inge, bie ber Haushalt braud)t, finb feine „0auerioarc", 
unb roeld)e Hausfrau fann roiffen, roicoiel (Selb fic in 
roertbeftänbige Vorräte oerroanbeln barf, unb toieoicl fic 
bisponibel beßalten muß? 3n toic oielen Haushaltungen 
finb bie (Sasrcd)nungen biefer Sage toic ein 0onnorfdjlag 
in alle 33ürausfcßungen gcfd)lagcn! 3lud) bei biefer 3agb 
nad) ben 6ad)ioerten fommt bie Hausfrau aus ber 6orgc 
nießt heraus, ob fte rießtig falfuliert hat. 


i?üßl &eßt ber 2Jiorgen. 2\.egen[eß$ocrc Stacßt 
£)at autfgclofcßt beS ÖommcrS leßtc flammen. 

©er S5 cc fyt ßat feine ©orc aufgemaeßt — 

©u fccbft, mein £)cü 3 , unb froftelft leicßt jufammen. 

©u flcßft ein ©anb öcr)infcn ßlntcc bir 
23lit blauem ijimmel über Äornfelbfrcltcn 
5lnb SBälbergtün unb blumiges' ^vcöicr, 

©ureß bas? bie 2ßa)Jcr blanf unb jartltcß gleiten. 


0as sHngftlicßc babei ift, baß biefer gan^e Hcjcnfabbatß 
ber Sßreisbilbung bod) nur ein Sßcater ift, bas fid) bas 
beutfdje SBolf oorfpielt, um fid) nod) über feine Hanger* 
armut $u täufeßen. Hinter bem Sanj ber großen 3aßlcn 
ooll^ießt ficß ber ^ro^eß ber Verarmung. (San^ unaus* 
rocicßlicß, gan# fid)er, 6d)ritt für 6d)ritt. 

Unb oon biefem oerborgenen Vorgang erlebt bie Haus* 
frau immer bie erften unb fcßmer^Udßftcn SBirfungen. 
(Eins nad) bem anberen „fann man fid) nießt meßr 
leiften". Unb oor jeben Süß, ber in ber v gctooßntcn 33c* 
biirfnisbefriebigung eiitftcßt, tritt bie Hausfrau mit 
irgenbeinem Sßlus an SDU'tße, bie auf fic fällt. 

Hat fd)on jemanb barauf geachtet, baß bie 3öafcß= unb 
^lättercibetricbe, oon benen friißer in ben (Sroßftäbten 
in jeber Straße einer toar, ^um großen Seil oerfd)tounben 
fmb? 0afiir ßängt bie Sß3äfcßc auf ben 33alfons, aud) 
fogenannter „guter" Häufer. 56er ßat fie geioafcßen, roer 
roirb fie plätten? 3öer roirb ißre SRiffe unb Söcßer 
ftepfen? 

0ie (Ernährung bes beutfd)cn Golfes, unb befonbers 
ber 6d)id)t, bie noeß (Selb für Stulturbebiirfniffc übrig 
beßalten toiU, ift an ber (Srcn^e bes pßpfifcß Stotroenbigen. 
Unb baß fie nid)t unter biefe (Sren^e finft, ift 6ieg ber 
Hausfrauen. Selber es liegt in ber Statur ber 6ad)C, baß 
biefes fämpfenbe 3nrütfroeid)en oor ber Slrmut eine 
fd)iner3lid)c unb unbanfbare Aufgabe ift. 

0ic bcutfdje Hausfrau ift heute im unbegrenzten Sinne 
„SDtäbcßen für alles" im 33oltsßausßalt — fic ftcLlt fid) 
jeben Sag oon neuem an jebe fleine 33refd)e, bie oon ber 
fteigenben ftlut in ben 0eid) oon SJiiUionen (Ejiften^cn 
geriffen roirb. 3ßt felber geßt babei Stüd für Stiicf ber 
ted)nifd)en (Erleid)terungcn toieber ocrloren, bie ißr bie 
Süohlßabenßeitsperiobe in 0eutfd)lanb noeß nießt einmal 
feßr reicßlicß befd)ert ßatte. Unb fic muß bies auf fid) 
neßmen oßne oiel geiftige Hilfe unb feelifeße (Erquicfung. 
0enn für bie (Erhebung über ben Sllltag feßlt ißr bie 3cit 
unb bie Straft, unb oon außen bringt heute in bie Häufer 
tuenig Heiterfeit unb Sroft unb oiel 5$crftimmung unb 
neue Slngft. 

Skßer ift ber ^ampf ber SJiänner um bie Slufrcdjt* 
erßaltung ber beutfeßen 56irtfd)aft müßfam unb auf= 
reibenb. Slbcr oon bem füllen, ^äßen Stampf ber Jeauen, 
ber ißn begleitet, ßeißt es toieber mic in ben 3eitcn oon 
Hermann unb 0orotßea: 

„Sioan^ig Sftänner oerbunben ertrügen nießt biefe 33c* 
fd)ioerbe. // Unb es ift nid)t 3U oiel oerlangt, baß fie fid) 
aud) ßeute roieöec oon 0orotßca fagen laffcn: 

„Unb fie füllen es nid)t. 0od) [ollen fte banf* 
bar es cinfeßen." 


^aul ^canf 

©ein ©onnenfeljnen iuarb noef) nießt geftidt; 
ilnS toaß hu ©icbe^ ;ann)t auf keinen SBi-gen, 
Mnk mand^c^ offen, fid) nießt erfüllt, 

SSllßt ku noeß nießt 311m Welpen ©autc legen. 

i)ab? 3 tut mein Her?! i^or klr liegt ncuc^©ank, 
5 lnenk(ieß toclt Ift, ü'enn ku fueßft ka^ ©eben. 

3 n jebe bi)t 8u als' Älnk gefankt, 

Jlnk jeke §clt ßat Stellet klc 311 geben. 


21n bes 1 ^jßcbftcs > ©cßä:>el(e * 25on 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



9?ummct 35/36 


©Je ® »4« 


Seite 787 



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Original frorn 

PR1NCETON UNIVERSITY 


Ara Eingang zum Schacht 


Beim Anbohren im Quarzstollen 
Oben Das Gold berg werk Fich tel- 
gold bei Goldkronach im Fichtel¬ 
gebirge 


*olö! ©cld)e ‘iBebeutung hat 
nid)t biefee "Bort angefichts 
bet heutigen Sßapicrgelbftut ge* 
raonnen, ltub roie lebhaft brängt 
es ftd) uns auf, menn rate und) 
einem feften iütaöftab fuchen, mit 
bent mir beit bauernb fehmanten* 
bett 5öcrt all nuferes "Bcfi^es uer= 
gleidicu tonnen, $>abei fragt fich 
raobl mancher, ob bemt bem beut-- 
fc'oeu Boben biefes Gbclmctall ocr-- 
fagt geblieben ift. 3)em ift nicht 
fo, aber mir muffen 3ahihuubcrte 









Seite 788 


® i e ® ocje 


9? ummer 35 36 



Am Schmelzofen: Das gewonnene Gold wird in Barren gegossen 



in ber C5cfcf)icf)te aurüdgehen, um au bcn 3*tten au tommen, 
in benen bcr beutfehe ©olbbergbau in Glitte ftattb. Bus 
bem 15. unb 16. 3ahrhunbert toirb oon ©olbroäfchereien in 
ben ©ebirgsflüffen bes fäc^ftfcfjen ©ragebirges berichtet, in bas 
14. unb 15. 3af)rhunbert feint ber §öhepuntt bes Bergbaues 
bei ©olbtronacf) im gidjtelgebirge; bei ©orbach unb im ©bertal 
mürbe nachmeislich um 1250 ©olb gemonnen, unb in bem 
lieblichen Berglattbe non ©olbberg, Siömenberg unb Bifolftabt 
in Sd)Ieften fomie bei Beichenfteitt am guße ber Subeteit 
reicht bie Shtttbe baoon bis in bie 3*tt ber erften germanifchen 
SBieberbefteblung fjiuab. 3Ms ins frühe Büttelalter oerliert 
fich bie Spur ber thüringifchen ©olbgeminnung, am roeiteften 
aber ift fie an ben Statten ber älteften Kultur in ©eutfeh-- 
Ianb, bem Büttelrhcin au oerfolgen, mo ©olb fchon im 9. 3cthr* 
hunbert aus ben Sanben geroafchen mürbe, ja oielleicht fchon 
au ben 3*ü cn / als römifche Sruppen noch um Bheitt ftanbetu 
3n ben meiften gällen maren es tleine ftöntchett unb gilter» 
chen im Sanbe ber glüffe, bie bie Bufmerffamfeit auerft erregten. 
Born ©ebirge h*t touren fie oon oermitterten ©olberagätigen 


aufammengefchmemmt, unb tonnten leicht aus bem Sanbe 
herausgemafdjen merben. Btt Bhein unb ©ber mürbe ©olb 
gemafchen, man finbet bie Befte alten Bergbaues biefer *31rt 
in ^Thüringen mie in Schlefien. Sehr halb aber manbte man 
fich bem ©olbe auf urfpriinglicher fiagerfteitte, bem Bcrggolbe, 
au, unb lernte fchnell, es aus bem feften gelsgefteitt graben 
unb pochen, ©s maren ftattliche Btengeit oon ©olb, bie im 
ßaufe bcr 3aßrhunberte aus biefen beutfehen Bortommen ge» 
monnen mürben; au Beichmannsborf im füböftlichen thüringer 
2Balbe maren es in 40 3ahren 10 Sonnen, au ftorbach in 
einem 3af)re 7 Kilogramm, au Beicheitftein i. Schl. 6 Sülo» 
gramm. Sie oerfchminben aber, menn man jte an ber ge» 
roaltigen fpäteren görberung ber überfeeifdjen ßänber mißt, 
bie a» im 3ahre 1915 mit über 700 Saufenb ftilo einen 
3Bttrfel ergäbe, ben ein Btenfcf) mit ausgeftreeftem Brote bei 
meitem nicht abreichen tonnte. Bach einer 3*tt ber Blüte ift 
ber eigentliche beutfehe ©olbbergbau überall mieber erlofchen, 
menn auch noch bis ins ©nbe bes 19. 3ahrhunberts bie Bhein» 
Ianbe ausgebeutet mürben. Unb heute? ©a mir geamungen 
finb, auch bie unbebeutenben 
Schöße unferes Bobens au nutzen, 
heute geht man mieber bcn Spuren 
ber alten fräntifchen Bergleute 
nach, über mit größeren Bütteln 
unb tieferem Söiffett. Bus Schleften, 
oon ©olbtronad), oon ©orbach, 
überall her bringt bie Jtunbe oon 
ben Berfuchen einer 2Bieberbelebung 
bes Bergbaues, unb heute menbet 
.matt ftch nicht nur ben Bortom¬ 
men au, in benen bas feine ©olb 
bem bloßen Buge ftd)tbar ift, 
fonbem auch betten, bie es infolge 
©ureßtränfung mit toüoiben 2ö* 
futtgett in feinfter nicht ftdjtbarer 
Bertcilung enthalten, unb aus 
benen es nicht gepocht unb ge» 
mafchett merben tarnt, fonbem 
betten es auf chemifchent SBege ent- 
aogen mirb. So möge ber beutfehe 
©olbbergbau nach langer Buhe au 
einem neuen Sieben ermaßen. 

Links: In der Goldwäscherei 


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PRfNCETON UNIVERSITY 





Kummer 35/36 


<2) i c 08 o d> e 


Seite 789 


Eine originelle Nummer des Festprogramms: 


Reiterpolonaise von Schülern der oberen und mittleren Klassen 



<Sin t> e u f f d? e $ <5 ch u I f e ff in 3Jt e f i' f o 

Mit fünf Dhotoqraühischen Aufnahmen 


Sf>or bem Kriege tonn- 
ten bie pflanz- 
ftätten beutfdjer Bilbung 
im ^uslanb mit einem 
beträchtlichen 3ufd)u& 
non feiten ber beutfehen 
91eid)sregierung regnen, 
um ifjre mistige Kultur¬ 
arbeit im fremben Uanbe 
erfolgreich burchzufetjen. 
9luch in ben erften Saften 
nad) bem Kriege l)at bie 
beutfdje ^Regierung im¬ 
mer noch jährlich für ihre 
bamaligcn Berhältniffe 
fchon beträchtlich hohe 
Summen ben beutfehen 
Schulen im ^luslanb 
als 3ufdju& übermiefen. 
Seiibem aber bas finan¬ 
zielle unb bamil bas all¬ 
gemeine Slenb besBater« 
Icnbes mehr unb mehr 
gemachfen ift, haben bie 
beutfchJn^lusIanbfdjulen 
oon felbft auf bie Bei¬ 
hilfe bes Reichs oerzichlet. 

2öie nun auch eine 
beutfehe Schule im ^us- 
lanb organifiert fein 
mag, fte mirb immer — 
felbft bei befefjeibenfter 



Der berühmte mexikanische Nationaltanz „Jarabe“, von zwei mexi¬ 
kanischen Knaben der deutschen Schule getanzt 


Bezahlung ber Cehr- 
fräfte — ihr 3ahres- 
bubget mit einem Btinus 
abfd)lie§en, unb ift immer 
barauf angemtefen, biefett 
Fehlbetrag auf irgenb 
eine ^rt zu beeten. Se» 
rabe in ben 3ahren feit 
1919 finb bie Sinnahmen 
ber beutfehen Schule in 
Blejito baburch gemin« 
bert, bafj eine grofcc An¬ 
zahl Sluslanbbeutfdjer 
mit ihren fchulpflichtigcn 
Kinbem für längere Seit 
nach Bcutfd)lanb gegan- 
gen ift. 3)c gegen tom¬ 
men oiele neue Sin. 
maitbcrcr mit ihren Kin« 
bem ins 2anb, Sintoan« 
berer, bie nod) nid)t in 
ber £age finb, bas mo¬ 
natliche Schulgelb zu ent« 
richten, beren Kinber aber 
felbftoerftänblid), um bem 
3)eutfd)tum erhalten zu 
bleiben, oon ber Sd)ule 
aufgenommen merbetu 
3öic foU nun bie Sdjule 
ihren Fehlbetrag becfcit ? 
3um großen Seil natür¬ 
lich bitrch Sammlungen 


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Q rigigaj from . - . 

PRINCETON UNIVERSiTY 
























6eite 790 


Kummer 35 30 


innerhalb bec Kolonie. 
Um nun bie ©eher in 
gemiffer SBeife für ihre 
©oben ju entfd)äbigen, 
tarn bic ©eutfd)e Schule 
in StUcgifo vergangenes 
3 of)r naef) bem Vorgang 
auberer beutfdjer 9Xus» 
Ianbfd)ulen auf ben ©e= 
bauten, eine 9Xrt 6 d)ul-- 
feft jugunften ber Schule 
felbft au feiern. 60 unir* 
ben vor jmei 3 at)ren ju 
ber groben Sftesifanifchen 
Uuabhängigtcitsfeier 
am©eutfd)cu©age einige 
©denen aus Schillers 3Tell 
in fpanifcher Übertrag 


ficren. — Sieben bem 
3ntereffe, burd) einScfjuI. 
feft möglichft viel ©elb 
aufaubringen, t)at aber 
eine berartige 33er» 
anftaltung noch ben 
3mecf, ben ©Item ber 
SUnber unb ben ©ön» 
nerit ber Schule auf 
bem ffeft fo^ufagen 
eine fichtbare Siechen» 
fd)aft abgelegen über 
bas, mas, in getoiffer 
£>infid)t roenigftens, in 

Theateraufführung: 
Szene aus demMärchen 
„Dornröschen" 


Original frnm 

PRINCETON UNIVERSITY 


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Gch iglf 


Links. Stabübungen 
der Zöglinge imFreien 


Eine Gruppe vom 
mexikan. Volkstanz 


gimg vor hohem metf« 
lanifchett ^ublitum 
unter großem allge-- 
meinen ©eifall aufge= 
führt. Ober ber bra-- 
matifche 33erein ber 
6chule gab mehrere 
33Uird)enfpicIe, bereu 
©rlös bann irgenb 
meinem roohltcitigen 
3u)C(f in ©cutfchlaub 
äuflojj. Sluf biefc 'Ü3eife 
hat fid) in ben lebten 
vier 3ohreu eine fd)öne 
Ambition an ber beut* 
fd)eu Schule in SDiejito 
herausgebilbet, bie es 
oerfteht, mit geübter 
ipanb ein 5eft $u orgaui* 


ber Sd)ule gelciftet 
ruirb. ©s ift oerftänb» 
lid), bafe oiele ©Item, 
bie einmal ihre Äinber 
im Schulleben hoben 
auftreten fchen, aud) 
mehr Slnteil an ber 
Schule felbft nehmen. 

So fr.nn man fagen, 
bah rin Sdjuffeftßcben 
in bie Kolonie bringt, 
bah es — roie bie 
Schule überhaupt — 
ein einheitliches unb 
eiitigeubes 3 utereffc 
fdjafft über alle ©egen» 
fcit^c hintoeg, bie auch 
unter ©eutfehen im 
Sluslanb herrfchen. 







I 




Xitotr 


Phot. A. B. C. 

Der bekannte Segelflieger Martens, der auf den großen deutschen Herbstsegelflügen in der Rhön einen 
Rekord von 12 Kilometer Langstreckenflug aufstellte, im Gespräch mit General Ludendorff 

Ein neuer Weltrekord im Segelflug 




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PRINCETON UNIVER! 













Seite 792 


$ i e «2B o d> t 


Stummer 35 36 



Links : Riesen-Drei¬ 
decker, der mit 4X400 
P.S.-Motoren ausge- 
gerüstet ist und mit 
seiner enormen Trag¬ 
fähigkeit zur Zeit das 
größte Bombenflug¬ 
zeug der Welt sein 
dürlte 


Fhot. 

Scnnccke 


Unten: Elektrifizie¬ 
rung der österreichi¬ 
schen Bundesbahrfen: 
Eröffnung der ersten 
Teilstreckelnnsbruck- 
Telfs der Arlberglinie 


Englands 
Rüstungen für 
den Luftkrieg 

Ein Sanitätsflugzeug. 
Der Krankenraum mit 
großer Einschiebtür 
für die Bahren befin¬ 
det sich in der Spitze 
desMittelrumpfes zwi¬ 
schen den beiden Luft¬ 
schrauben, während 
der Mittelteil des 
Kumpfes die Räume 
für Aerzte und Schwes¬ 
tern, Medikamente 
usw. enthält 



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Gen pgle 


Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 










































Kummer 35/36 


0 t e OB o d> e 


Seite 793 



Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 


Rechts: Praktische 
Nothilfe der Ju¬ 
gend: Schulkin¬ 

der als Helfer beim 
Umzug ihrer 
Mädchen - Schule 

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Obdachlose über¬ 
nachten auf den 
Stufen zum Alten 
Museum in Berlin 


Oben rechts: Nach 
dem Schlaf auf 
harten Steinflie¬ 
sen: Morgenwä¬ 

sche am Straßen¬ 
brunnen 








r/Kf 

fff 1» * 











Seite 794 


® \ i <28 o 6 « 


Kummer 35 ; 36 





Präsidium d, Weltkonvents 

Von links. Bischof Raffay, Budapest, 
Generalsuperintcndcnt Hoppe,Hildesheim, 
Erzbischol Söderblom, Upsala, Landes¬ 
bischof Ihmcls, Dresden, Bischof Pölchau, 
Riga, Präsident der Vereinigt. Luth. Kirche 
Knubel, Neuyork, Präsident der Norwcg. 
Ljth. Kirche Amerikas Stubb, St. Paul 
Fhot, Heinemann 

VOM LUTHERISCHEN WELT¬ 
KONGRESS IN EISENACH 


Links: Prof. John A. Mandel 

von der „New York University" wurde von 
der Landwirtschaftlichen Hochschule in 
Berlin zum Ehrendoktor promoviert 

Rechts: Freiherr v. Rheinbaben, 

der neue Chef der Reichskanzlei 

Unten : Der Führer der irischen 
Rebellen De Valera im Gefängnis 

Das Gefängnis von Montjoy, wo der vor 
kurzem verhaftete Irenführer De Valera 
untergebracht wurde. (Fhot. Atlantic) 






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ftumnuT 35/3(5 


© le <30 o c6 e 


(reite 7S6 


AUS DEM BERLINER THEATERLEBEN 



fugen Szenkar 

der neue musikalische Leiter der 
Großen Volksoper in Berlin 


Leo Blech mit seinem Orchester bei der Probe zu den „Meiste.singern“ 

Zum Amtsantritt Leo Blechs als Generalmusikdirektor des Charlottenburger 
Deutschen Opernhauses 



Das Bühnenbild der bchlusszene. Recäe und Bühnenbilder: Hermann Krchan 
Erstaufführung von Hugo Wofgang Philipps grotesker Tragödie „Der Clown Gottes“ im Theater i. d. Königgrätzerstraße 


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Seite 796 


0 i c o cf? e 


Kummer 35 36 



Sport im ncuenRußland: Vor 
führung der staatlichen Sport 
schule in Moskau: Start zi 
einem Übungslauf 


Rechts oben : Geh. Baurat 
Carl Otto Schrey, Ehren¬ 
mitglied der Deutschen 
Maschinentcchnischcn Gesell¬ 
schalt, feiert seinen 70. Ge¬ 
burtstag Phot. Hünsc Herrmann 




Links: Eine gefährliche Ge- 
schicklichkeitsprobc: Frau 

Barret, die englischen 

Mädchen Unterricht im 

Säbelfechten gibt, halbiert 
auf dem Nacken ihres Mannes 
eine Kartoffel 




Neue deutsche Briefmarken mit 
Darstellungen derWartburg und 
des Kölner Domes 




JOOOO'ttWfi 


Links: Pferderennen in Frankfurt 
a M.: Moment aus dem Feist-Ca- 
binet-Jagdrennen Phot. ZinsU 


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Original ftom 

PRINCFT OIM UNIVFRSIBt 
































Bummer 35/36 


i e 3B o cb e 


Seite 797 


Jlomart oon D€arts Dominikj 

12,'Fortsetzung. —- Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G m. b. H., Berlin 1923 


Sfenbranbt ftanb oor bem alten 6 cf)inel$meiftet unb 
begann: „Sören Sie, alter 5 r cunb! ©s gibt ein Mittel, 
um bas Unheil au befämpfen. 3cß habe es!...Bber id) 
fann es nid)t felbft tun, unb id) meiß feinen anbcren 
unb beffercn als 6 ie, ber fid) fd)on fo lange 3 aßrc als 
treu unb 3 Uoerläfftg im ©ienftc ber ©efellfcßaft ermicfen 
hat. 3d) meiß feinen beffcren als Sie, bem icf) bas 
©eßeimnis biefes Slampfmitte's anoertrauen fönnte. 
Btein ©eßeimnis ift es! $lein Btenfcß, auch feiner ber 
Herren oon ber ©. S. ©. meiß barum. 3ßnen mill id) es 
in biefer 6 tunbc ber Bot 3 U treuen Särtben geben. ©f>e 
id) 6 ie aber frage, ob 6 ie bereit ftnb, bie ©at gu tun, 
mill id) 3 ßnen’ fagen, mas 3 U tun ift . . . meld)e ©e* 
fahren bamit oerbunben ftnb. ©s mitg jemanb mit 
einem bas er felbft fteuert, bie d)ineftfrf)en 

^ätnme abfliegen unb an allen, roenigftens an ben $aupt= 
ftellen, mo bie ©eiben gefallen haben, bas ©egengift 
ftreuen." 

„©egengift? ©egen unfer ©pnotßerm?" 

„ 3 a, {Jranfe! gibt ein Mittel, unb id) I>abe es. 
Blirb es auf bie "Jluberfteüen geftreut. fo toirb bie 
Blirfung bes ©gnotßerms gebunben . . . Bber bie 6 ad)e 
ift nid)t oßne ©efaßr. 6 ie müßten nocß jeßt in biefer 
Bacßt mit einem 6 d)iff, oon bem alle iten^eießen ber 
©. 6 . ©. entfernt ftnb, ben frlug unternehmen . . . 

Sie bürfen feine 2id)ter führen . . . Sie muffen feT)r 
tief fliegen . . . Sd)on bas ift nicht oßne ©efaßr . , . 
©a 3 U foinmt, baß oon gelber Seite . . . oielieidßt auf 
Sie gefeßoffen toerbcu toirb . . . lieber legen Sie in 
aller Buße . . 

,,©a ift nichts 3 U überlegen, $err Sfenbranbt. Blas 
follte id) ba ned) überlegen? Sd)on bas freut mein altes 
§erj$, baß Sie mir fo oiel Vertrauen feßenfen, mir 3ßt 
©eßeimnis fagen. Unb bann nod) bas Vergnügen, bzn 
oerbammten ©eiben einen Streif 3 U fpielen . . . ©aß 
id) benen ißr §anbtocrf legen fann . . . bas mad)t n^ir 
einen §öüenfpaß . . . ba fommt’s mir feinen Bugenblicf 
barauf an, meine alten Slnocßen 3 U risfieren." 

,,3d) mußte, lieber ftranfe, baß id) mich auf Sie oer« 
laffen fann, unb banfe Sßnen oon ganzem ^erjen . . ." 

©r fd)iittclte bie £>anb bes alten ©>efäl)rten mit fräfti« 
gern ©ruef. 

„Beßmen Sie meine Btafcßine! ©ie Beränberungen, 
bie an bem ftlugfcßiff 3 U treffen ftnb, tnad)en Sie am 
beften felber. Sie merben bas am beften ein ( ^urid)ten 
roiffen. 3cß mad)e 31)nen Ü 13 mif djen ben Streutanf 
fertig, ©en mollen mir bann jufantmen unter bie Bto-* 
feßine ßängeti." 

©ine fnappe f)albe Stunbc fpäter fd)cß bie fd)neüe 
Blafcßine, oon bem alten Scßmelflmeifter gefteuert, in ben 
buttflen Bbenbßimmel unb oerfeßmanb nad) Offen 311 . 

©eorg Sfenbranbt l)üt bie Btofcßine unb ben Eliten nie 
mieber gefeßen. ©r blieb ooit biefer Stunbe an oer* 
fd)ollen. ©s ift aud) niemals befannt gemorben, ob ber 
Blte bei ber Scßlcichfaßrt bttrd) bie bunflen Berge gegen 
eine Selsfcßroffe rannte ober ob er mit feiner Btofcßine 
bas Opfer ri)inefifd)er Slugein mürbe. Niemals aud) 
mürben irgeitbtoo irgenbmclri)e Spuren oon ißm gefutu 
ben. Bber es muß il)m bod) gelungen fein, ben Auftrag 


Sfenbranbts 311m mcitaus größten ©eile aus3ufüßren. 
©rft gan§ am ©nbc feiner abenteuerlichen ftaßrt er 
3ugrunbe gegangen fein, benn feßon am übcrnäcßften 
©age ließ ber plößlid)c 3 uftront aus ben d)ineftfd)en Bcr-- 
gett nad), unb bereits am ©nbe ber Blocßc ßerrfeßten 
mieber normale Blafferoerßältniffe im 3 litale. 

3n jener erfteti ftlutnacßt ging es freilich befto ftür= 
mifd)er 3U., 

©er Staubamm bei ©eref bot ein milbromantifdjes 
Bilb. 93rüllenb unb gurgelnb ftauten ftd) bie SBMIbmajfer 
hinter ihm au einem 9tiefenfee. ©ie mächtigen, millionen» 
fertigen Scheinmerfer ber Bauleitung beleuchteten bie 
brobelnbe 9BafferfIäche oon ben Ufern aus. 

9 ln eine fo fdjnelle unb plößlid)e 3nanfprudjnaljmc 
jenes großen, eben erft oollenbeten Staubecfcns l^i^ 
nientattb gebad)t. 9 tod) maren bie jeßt fdjon überfluteten 
flächen mit Baugerät, mit Käufern, ja mit gatt3en, rnentt 
aud) noch unbemohnten ©örfern befeßt. 

©as alles hatten bie milben Blaffer aufgemiif)lt unb 
mirbelten es in gigantifeßem Spiel burdjeinanber. §ier 
trieben abgeriffene Sd)inbelberfen . . . ba Prähme . . . 
bort Sftüftjeug aller Brt. Unb 31t bem, mas hier feßon 
gemefen, fam bas, mas bie ^tttten uittermegs mitgenont* 
men hatten. 

. . . ©an3e Serben oon ertrunfenetn Bieß . . . ©eile 
3ertriimmerter Brüden . . . ^erftörtc Beßaufungen . . . 
itnb ba3roifcßen in erfeßreefenber Btengc bie ßeießen oon 
Btenfdjen. ©ie Blaffer mußten fd)on auf eßineftfeßent 
©ebiet furchtbar gehäuft haben. 

3cßt ftanb bie Oberflädje biefes ßölüfcßen Blirbels 
faum noeß einen Bieter unter ber ©ammfrone. Stieg 
bas nod) meiter, fo mußten bie ftliUen über bie Slrone 
ßinmeg in breitem Scßmaü 3U ©ale ftüqen . . . Boraus= 
gefeßt, baß ber ©antm hielt. 

$ier lag bie ©efaßr. ©er ©amnt mar in ben 3uleßt 
gefertigten ©eilen nod) nicht feft abgebunben. ©ie Blög= 
licßfeit mar oorßanben . . . mar nur aÜ3u groß, baß ber 
gefteigerte ©ruef ber aufgeftauten Blaffcrmengen biefc 
neuen ©eile aus bem ©amm ßerausbraeß ... unb bann .. ? 

Sd)oit auf bie erften Badjrid)ten oon bem bebroßlicßcn 
Steigen ber hatte ©eorg 3 fcnbranbt bie Siebter 

im unteren Sfitale telegrapßifd) rnarnen laffen. Sobalb 
ißn ber alte Sd)mel3meifter oerlaffen, beftieg er felbft 
ein fflugfcßiff unb fußr nad) ben ©crefanlagen. 

©r fam, faß . . . unb fanb feine fd)limmften Befiirdj= 
tuugen übertroffen, ©ie ©ammfrone mar tnenfdjenleer. 
©as ßatte bie Bauleitung in ©eref bereits aus eigenem 
aitgeorbnet, benn unmöglich tonnten bie frifeßen ©amm* 
teile bem enormen Blafferbrucf nod) lange ftanbßatten. 
3 eber Bugenblicf fonnte bie Slataftropße, ben ©amm« 
brud) bringen. 

Schnell gab 3fenbranbt feine B^efeßle. ©r ließ alle 
Sirenen talabmärts aufheulen ... er gab nodpnaligen 
bringenben telegrapßifcßen Blarm, ben ganzen 3 li‘ftrom* 
abroärts bis 311 m Balfafcßfee . . . aber 3fenbranbt faß 
noeß weiter. Bur ein BUttel gab es nod), ber broßenben 
Hataftropßc 3 uoor 3 itfommen. So fcßnell mie möglich 
mußte man bie neuen, nod) meidjen ©eile bes ©arnmes 
oon bem Blafferbrucf entlüften, ben Staufee abfenfen. 


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PR1NCETON UNtVERSITY 



(Seite 798 


* f 91* o eh 


Jllumwr 35 36 


Stas rnar nur möglicß, menn matt einen Sinfeßnitt 
oon gehöriger SSiefe unb Vreite in ben alten, gefunben 
SSeil ber Staumauer einfprengte. Start mußte es ge* 
fd)eßen, benn ber neue, noeß fd)toacße unb fd)on über* 
laftete Seil ber Vtauer ßätte bie Veanfprudjung einer Sg* 
plofton nid)t ertragen. Sr märe jtcfjerlicf) fofort in feiner 
gangen $Iusbeßnung gu Vrud)e gegangen. 

Vur mit ben fd)ärfften Sprengmitteln unb mit großen 
Mengen baoon ließ ficß aber bie Sprengung in ben granit* 
garten Stantmaffen bes alten Seiles bemertftelligen. Se* 
lang fie, fo mürben fd) freiließ feßr gemaltige Waffer* 
mengen bureß bie gefprengte ßücfe talabmärts ergießen. 
Sie mürben ftcßerlicß bcträcßtlicßen Schaben anricßteit. 
Vber biefer Schaben unb biefe Sefaßr blieben immerßin 
in überf eßbaren Wmteffungen. Unb ber Spiegel bes 
Staufees mußte fid) bann fcßnell fenfen. Star Stand auf 
ben fd>mad)en Seil bes Stammes mußte fofort nad)laffcn. 
Stas Scßlimmfte mar bann iibermunben, bie feßmerfte 
Sefaßr oermieben. 

Vad) ben 9lnorbnungen Sfenbranbts lief bas Spreng* 
fommanbo über bie Stammfrone nad) ber anberen Verg* 
leßne hinüber. 3m mittleren Seil mar bie frifd)e Stelle. 
91m 9torbufer, im garten alten Seil, follte bie entlaftenbe 
Scßarte ausgefprengt metben. 

3m tagßeüen 2id)te ber Stßeinmerfer faß man oom 
Ufer aus bie Viannfcßaft über bie Stammfrone eilen. 
Sie modjte etma bie VUtte erreießt ßaben, als ein Vliß an 
biefer Stelle aufguefte, ein frad)enber Stanner bas Soben 
ber Slemente übertönte. 

<2ln ber fd)mad}en Stelle bes Stammes mar eine fernere 
Sprenglabung egplobiect. (Einen Vtoment ttocß ftanb bie 
Vtauer bort gitternb im Strubel. Stann riß fie breit auf, 
neigte fid) gu Sale unb braeß in Viefenbrocfen auseinan* 
ber. 

3n mütenbem, ftoßenbeni Scßmall ftür.den bie ent* 
feffelten gluten mie ein eingiger ftarrer SBlocf gu Sale. 

Verfcßmuttben mar an biefer Stelle ber Stamm . . . 
Verfeßmunben bie 2eute bes Sprengfommanbos auf il)m. 

(Ein Scßrei bes Sntfeßetts aus nieten taufenb Sfeßlen. 

3fenbranbt felbft ftanb unter ber Wucßt ber 5!ataftropße 
mie erftarrt. 

Wie mar bas möglicß gemefen? . . . Wie fonnte bas 
gefd)cl>en? . . . Star Sprengftoff trug nod) feine 
bung. $lud) menn einem ber Sräger eine Stifte entglitt, 
fonnte fte boeß nießt egplobieren. 

(Ein Verbrechen? . . . Vur ein Verbred)en fonnte es 
fein, Von mem . . ? (Es beburfte feiner grage. 

3Jttt fd)roeren Stritten manbte er fid) gum Ufer unb 
begab ftd) in bas Vureau ber Werfleitung, 

„War unter bem Sprengfontmanbo ein Selber?" 

(Einer ber gngenieure beantmortete bie grage. 

„Samoßll SUltbeg! Sin firgiftfeßer Vorarbeiter . . . 
(Einer, ber ftd) burd) befonbere Vnftelligfeit ausgeießnete." 

Sin $elb! bad)te 3fenbranbt bei fid) . . . fteßer ein 
gelber Sngenieur, ber fid) ßier unter falfdjer flagge als 
Werfntann nerbingt ßat. 

S>ann manbte er ftd) an ben Stationsleitcr. 

,,3d) feßre nad) Wiernt) guriief. Wie Vacßricßten für 
mid) bitte bort ßitt! £ier ift Vtcnfd)enßilfe oergeblid). 
Vertrauen mir auf Sott." 

Vocß einmal marf er einen Vticf auf bas Sal, in bem 
bas entfeffclte Sletjtent baßinfdjoß. 

Weße alle betten talabmärts, bie unferc Warnung nießt 
befolgen! 

3n biefer Vacßt flooen bie Selegramme gmifd)eit Wierup 
unb Verlin l)in unb ßer. 


3n Urga, ber alten ßeiligen ^auptftabt ber Sßalfa« 
Viongolen, I>atte Wellington gog mit §ilfe bes getreuen 
Vßntcb bie Wittßufens ermittelt. Viele Wod)en ßinburd) 
mar 3Ißtneb in ber Sftasfe eines fartifeßen $änblers burd) 
bas tnongolifcße 2attb gegogen. £>atte mit großem Sefcßicf 
unb nod) größerem Sliidf ßier gefragt unb bort geforfd)t, 
bis er enblicß bie Spur ßatte, bie nad) Urga mies. 

Stann mar Wellington gog gu ißtn geftoßen. Star fam 
als ruffifeßer Seeßänbler mit einer großen §anfcelsfura* 
matte aus bem näßen $ljad)ta über bie ruffifeße Srenge. 
Vorgüglicß ßatte er es oerftanben, fein äußeres ber Volle, 
bie er l)ier fpiclen mußte, angupaffett. Statt Vtanael feiner 
ruffifeßen Spracßfenntniffe oerbarg er gefeßidt unter 
einem freiließ reeßt I>olpcrigcn Sßineftfd). Solange aber 
fein allgu feßarfes Vuge ißn beobad)tete, fein allgu fd)urfes 
Oßr ißn ßörte, fonnte er ßier moßl unbeßeHigt feinen 


Plänen nad)geßcn. 

3n einer ber großen Verbergen ber Stabt, in ber bie 
ftaramane Quartier naßnt, ßatte er fein Unterfommen gc* 
futtbett. S)aß er ßier ßäufig mit einem fartifeßen §änbler 
gufatttmenfam, fiel bet ber SOtannigfaltigfeit unb Unübcr* 
ficßtlid^feit afiatifcßer Sfaufmannsgefdßäfte nießt meiter 
auf. 1 


Ss mar um bie Vbenbbämttterung. Wellington 

fjog faß in bem primitio einfachen Vaum, ber ißm in ber 
^aramanferet als Unterfunft biente. 

Sin Ieifes Hlopfen an ber Sür. S>ie eingelnen Sd)läge 
in ber oerabrebeten ffolge. Wellington 5°E f^ßob ben 
feßmeren §olgriegel guriief. Star Sarte trat in ben Vaum. 

„Vift bu ba, Vßmeb? ... Wie fteßt’s?" 

^Sut, ^ert! Suer Rapier ift in ben $änbcn bes alten 
meißen $ertn." 

„Will er cs tun?" 

„3a, £>err ... er mad)te bas oerabrebete 3^^^^ . . ." 

„So mirft bu alfo um neun Ußr mit ben Sefangetten 
bas §aus nerlaffen. Vift bu ftd)er . . . gang ftd)er, baß 
ber Wärter feinen Verrat übt?" 

„Sr ßat gefd)morett... bei ben Seelen feiner Vßnen..." 

„Sin Sd)u>ur? . . ." 

„Sr mirb feinett Scßrour falten, £>err. Wirft bu ißn 
aber aueß itn 5lugfd)iff mitneßmen, mie bu oerfproeßen? 
Sr füreßtet bie Strafe, menn bie fti uc ß* entbeeft ift." 

„3cß roerbc ißn mitneßmen . . . fantt feinen fünf» 
ßunbert S)ollar. Sr mag fte in fjricben in ^ja^ta uer» 
geßren." 

„S>cr Weg oom £aus bis gutn Vrunnen ift furg. Um 
neun Ußr merbe icß bort unter bem Sd)ein einer 9tot- 
lanbung niebergeßen." 

„Wenn bu ba bift, mirb alles gut fein, £err!" 

Vßineb oerließ ben Vaum. Wellington mit 

feinen S>ebanfen allein. 3tn Seifte faß er bas Sliicf ber 
Serettcten ... bie 3fenbranbts, menn er mit 

ißnen in Wiernt) lanben mürbe. Vocß einmal überlegte 
er alle Sßancen. Ss mußte gelingen. 


Ss maren ein paar ßelle freunblicße Väume, in benen 
bie Wittßufens bie Sage ißrer Sefangenfcßaft oerbraeßten. 
S)er alte §err faß feiner Socßter gegenüber. Sin Scßacß* 
brett, bas ißnen bie enblofcn Stunben ißrer $aft fürgte, 
ftanb gmifdßen ißnen. Vber feitbem bas Vopter bes far* 
ttfeßen $änblers burd) ben beftocßcneit Wärter in ißren 
Öänben mar, ftanöen bie Figuren unberüßrt auf ben 
Jyelbern. 

0ie lange §aft ... bie Ungemißßeit über ißr Scßicffal 
ßatten bie bliißenben 5 ar ^ cn ®taria geoboromnas ge- 
bleicßt. 3cßt ßatte bie Srregung ber Srmartung bas alte 


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PR1NCETON UNIVERS1TY 



Sflumntcr 35/36 


0 1 e %oc6 e 


Seite 799 


9tot auf if>tc langen guriicfgegaubert. 2lu<h Sfyeobor 
VMttljufcn hatte bie £etljargie ocrlorcn, bic bisher auf 
ifjm lag. (Es roar mehr bic Sorge um Vtaria, fein ein* 
giges, fo fcf)r geliebtes Slinb, als bie um if)n felbft, bie 
ihn niebergebrüeft f)attc. 

3Jtit gebämpfter Stimme . ♦ ♦ faft flüfternb fprachett 
fie. 

t „0ie ftreunbe, Vtoria, an bie ich guerft gebaut, haben 
nidfjts für uns getan... t)ielleicf)t nichts tun fönnen... 
0er Slonful... roie oft mar 
er in unferem £aufe . . . 
nichts . . . 

(EoIIin (Eameron ... am 
'Jage oor unferer (E>cfangcn= 
nähme fud)te er mid) nod) 
gu beruhigen . . . rühmte 
jlcf) feiner guten Vegiehun* 
gen . . . auch er . . . 
nichts . . . 

0ie betben jungen 0cut* 
fcfjcn . . . eine flüdjtige 
'Veifebefonntfchaft oon bir 
. . . an bie hätte id) guleßt 
gebadjt . . . 0ie 9tot geigt, 
mo bie magren fjreunbe 
ftßen. §err fommt ja 
gmeifellos im (Einoerftänb- 
nts . . . mit Unterftüßung 
feines ftreunbes 3fen- 
branbt." 

„Slaubft bu, Vater," 
bas leichte 9lot auf Marias 
^Bangen oertiefte ficf), . . 
baß §err 3fenbranbt bei 
feinen oielcn großen 21rbei* 
ien nod) 3 c *t *)at, P*h uin 
uns gu !ümmern?" 

,/2öürbe fonft fein 0iener 
mit l)ier fein? ... 3h n felbft 
mögen feine Arbeiten feft= 
galten, aber er benft aud) 
an uns/' 

„(Er f)at uns früh genug 
gemarnt. .. 0u ließcft bief) 
burd) Vtr. (Eameron be* 
fdjmicbtigen. 3$ toeiß nicht, 

Vater ... xd) fann bein 
großes Vertrauen in Vir. 

(Eameron nicf)t teilen . . . 
fein ganges SBefen . . . fein 
überfreunblidjes Venehmen 
beuten auf unb ftoßen mid) ab." 

„Vcf), Hinb, bas fmb unfontrollierbare Sefüf)ic . . . 
3d) fennc il)n feit 3ah ren unb habe nie Einlaß gehabt, 
an ihm gu groeifeln." 

dr gog bie Uf)r. 

„9tod) gmei 6tunben ... roie langfam bie 
fd)leicf)en! . . . §eute noch langfamer als fonft." 

din Klopfen an ber Siir unterbrad) if)r Sefpräd). Sie 
glaubten, es roäre ber VSärter, ber ihnen um biefe 3 ß tt 
bie Vbenbmahlgcit gu bringen pflegte. 

dollin dameron ftanb oor ihnen. 

„Vh, §err dameron! . . . V3o fommen Sie her? . . . 
^Bringen Sie dutes?" 


3Bittljufen roar aufgefprungen unb reichte bem Ve-- 
fucher bie §anb. 

„Soeben noch tat id) 3h nß n unrcd)t. VMr fpradjen oon 
ben fjrcunben, auf beren Veiftanb mir oergcblich h°f= 
fen . . . unb barunter roaren auch 
„Vuch ich . . . unb roas roaren es fonft noch für 
fjreunbe?" 

„Oh, alle aus Stofdjgar * • • 0ßt ruffifefje £onfuI . , . 
bie Upharts . . . oiele anbere . . . aud) fonft noch . . 

dr brad) feine Vebc jäh 
ab, unterbriiefte bie tarnen 
5os unb Sfenbranbt, bic 
ihm fchon auf ber 3 u nge 
lagen, dine Spur jenes 
Vtißtrauens, bas Vtoria 
oorhin geäußert, hatte P<h 
ihm mitgeteilt. 

„^Bringen Sie gute 9tocf)= 
riefjt?" 

„9Benn nicht heute, fo 
bod) balbl 3d) freue mid). 
baß Sie mich unter 3hre 
greunbe gählcn . . . 91ud) 
3hnen, {Jräulein Vtoria, 
meinen 0anf, baß Sie 
meiner in ftrcunbfdjaft gc= 
bad)t haben." 

(Eoflin dameron nahm 
auf bem Stuhle VSitthufcns 
am Schad)tif<h *ißlaß. 

„O h/ ffräulein Vtoria, 
3hr Spiel fteht gut. 0er 
arme ftönig ... ein 3ug oon 
3hrer $anb, unb er muß ftd) 
3huen ergeben." 

^heobor 3Bittf)ufen *Jte= 
berholte feine f^rage. 

„^Bringen Sie gute iRad)= 
richten, §err dameron?" 

„dute SRadjrichten? . . . 
$räulein 9}iaria . . ." 

Seine ‘iUugen oerfenften 
fleh brennenb in biejenigen 
SOIarias. 

„3d) hoffe, baß es meinen 
guten SBegiehungen halb ge= 
lingen roirb, 3hrc 5rei s 
laffung burchgufeßcn." 

„deshalb fmb mir iiber= 
haupt gefangen?" 

ÜBitthufen unterftüßte unb 
jerftärfte bie ffrage feiner Tochter. 

„‘©ic tonnte man es roagen, uns bei Stocht unb Siebe! 
roie Verbrecher aus unferem §aufe gu holen unb roeg- 
gufcßleppen?" 

,,3d) erfuhr 3hre Verhaftung Ieiber erft am anberen 
Sflorgen . . . konnte nicht fofort feftftellen, rool)in Sie 
gebracht roorben roaren. S3iit oieler 3]iühe brad)tc id) 
heraus, baß Sie oerbächtigt ftnb, mit dhinas ffeinben 
in Verbinbung gu ftehen." 

Söitthufen fiel ihm erregt ins SBori ^einben? . . . 
Söer finb dhinas fjeinbe? . . . SJiit roem liegt dßina im 
^rieg?" 

„dhina liegt im 5lrieg . . . freilich nicht im offenen, 
fonbern im geheimen Ärieg mit ber d. S. d. 3hr Ver 



Zeichnung von Olaf Gulbransson 

Dies Werk des großen Münchener Zeichners, das jetzt zur Bekräftigung 
des deutschen Willens zum Durchhalten überall in Deutschland 
öffentlich verbreitet wird, soll wie ein Symbol wirken: vergeßt nicht, 
wie die Franzosen unsere deutschen Brüder und Schwestern an Ruhr 
und Rhein quälen und demütigen, vergeßt nicht das Leid, das dadurch 
über Deutschland gekommen ist, und lindert die Not, indem ihr zum 
Deutschen Volksopfer gebt! 

Spenden nimmt der Verlag der „Woche“, Verlag August Scherl G. m. b. H., 
Berlin SW 68, Zimmerstraße 36-41, entgegen 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



Seite 800 


© i e 30 o cf> e 


Shim-met 3J5'30 


lege mit bem Sngenicur Sfcnbranbt gat 6ic in bcn fal* 
fegen Berbacgt gebraut." 

„©esgalb biefe Geroalttat!" SOtarias fleine ftauft fcJ)Iug 
fräftig auf ben 3:ifrf) . . . „3cg fann es nicht glauben! 
©ie gelben Spione arbeiten nicht fo f<glecgt, bag ge aus 
eiitfct flüchtigen Bcifebctanntfcgaft eine Berfcgroörung 
machen." 

„Unb bod) ift cs fo, Fräulein Biaria . . . bod) Gebulb! 
©er ©ag roirb (ommen, an bem Sie, gereinigt oon allem 
Berbacgt, in bas alte $aUB in Rafcggar guriieffegren 
tonnen." 

„Aach Stafcggar?" 

Btaria crgob gd) unb roarf mit einer brüsten §anb* 
beroegung bie Sd)ad)figuren buregeinanber. 

,,9tad) ftafeggar? . . . Aic roieber fegre id) nad) tfafeg* 
gar guriief! Bergagt ift mir bie Stabt, Bergagt bas 
Sanb, roo folcge Geroalttat gefd)el)en tonnte!" 

„Og, nidjt bod), ^räulein 9ttaria! Seien Sie nicht fo 
fegroff! . . . Beruhigen Sie fid)! . . . Solle Genug¬ 
tuung roirb 3gnen getoägrt roerben. 

3gr £>eim in tfafeggar roartet auf Sie, fo rote Sie es 
oerlaffen I)aben. Als id) 3gte Bergaftung erfuhr, lieg 
id) mir Boümacgt geben, über 3gr (Eigentum gu machen, 
©ie Scglüffel bes Kaufes ftnb in meiner §>anb. 3n Syrern 
Stübd)en ftegt alles, rote Sie es oerlaffen gaben. Aicgts 
entfernt . . . nichts gerüeft! ©er groge 9Jianbelbaum 
oor Syrern F cn f* cr geht miß aüe 3agrc um biefe &\t in 
einem Blütenmeer. Gebenfen Sie ber fegönen Stunben, 
bie Sie bort oerbradjt. Serfen Sie nid)t alle erfreulichen 
Erinnerungen um eine Unerfreulichfeit oon fleh! 

Faft möd)te id) bebauern, roertn Sie, nun roieber frei, 
ftatt nad) ^afd>gar gurüefgufegren, bas Sanb oerlaffen. 
©ann roärc auch mir 5tafcggar oerleibet. Sie öbe mürbe 
es mir oorfommen, menn id) 3gr oerlaffenes Jpaus bort 
fef)etr . . . Sie entbehren miigte . . ." 

„Sein! 9)taria l)attc recht! Sie roieber fehren mir in 
bas alte $aus nad) Stafcggar guriief. Ser gibt uns Ge* 
roähr, bag mir nicht jebergeit auf irgenbeinenr ungnnigen 
Berbacgt hin neue Seiben erbulben miiffen." 

Goüin Gameron big gd) auf bie Sippen. Unocrroanbt 
hatte er Siaria mit ben Augen oerfd)lungen. 

„Säre es nur bas §aus? . . . Sürbe es auch fo 
fein, roenn Sie es mit einem anberen oertaufchten, F*äu» 
lein Biaria?" 

Gr roarf einen Seitenblidf auf Sittgufen, ber am F cn * 
fter ftanb unb in bie Sad)t ginausblicfte. Such Gollin 
Gameron erhob ftd) jegt unb trat bid)t an Staria heran. 

„9Jtit einem anberen?" fragte ge. 

„3a, mit bem meinen!" 

Gr hatte ihr bie Sorte ins Ogr geflüftert. 3egt beugte 
er gd) oor unb fud)te in ber roadffenben ©ämmerung 
ben Ginbrudt feiner Sporte auf ihren 3ü9eu gu lefen. 

Einen Augenblicf fal) ihn Btaria oerftänbnislos an. 

„Unter Gamerons Sd)ug roäre jeber geborgen." 

„3n Sgrent £>aus . . .? 3ch in 3grem §aufe . . .?" 

„Als mein Seib!" 

Gin jäher Sd)recf guefte über Btarias 3üge. Eine tiefe 
Bläffe gog über ihre Stangen. 9Jkcganifch roid) ge oor 
Xollin Gameron gurücf. 

„Sie! Sir. Gameron!" 

„O Fräulein Btaria . . . lagen Sie unfere Starte un« 
gcfprod)en fein! . . . 3d) oergag bie Sage, in ber Sie gd) 
befinben. Bergeigcn Sie mir! Es roar töricht, oon Siebe 
gu fpreegen, roo es gd) um bie Freiheit ganbelt." 

Gr trat auf ge gu unb oerfuegte il)re £>anb gu faffen. 

„Bergeigcn Sic mir, bitte, oergeigen Sie mir, fyräulcin 


Blaria. Sur um ein kleines möd)tc id) Sic bitten. Sagen 
Sie mich nid)t ohne jebe Hoffnung oon hier gehen. Sie 
roiffen nid)t, roas Sie für mich un ^ mein Seben bcbcutcn. 
3 n befferen Klagen roerbe id) roieber gu 3 h n cn fommen ... 
Unb roäre es bann nur ftafeggar ... ich mürbe es oer¬ 
laffen . . . gur fclben Stunbe, gu ber Sie es roünfchtcn." 

Sittgufen trat oom Fünfter ^uriief an bie beiben l)eran. 
9 flaria brängte geh an ihn, fegob ihren Srm unter bcn 
feinen. 

„Unb roann benten Sic, Str. Gameron, bag mir biefes 
Urga oerlaffen . . . roieber frei fein bürften?" 

„Sas an mir liegt, foll gefd)chen, um 3h ncn Frei¬ 
heit 311 oerfchaffen. 3 d) fomme morgen nach ^ta^ing. Slle 
Serbinbungen, bie mir bort aur Verfügung gehen, roerbe 
»ch für Sie ausnugen. Senn es bas Glücf roill, bin id) 
in roenigen ^agen roieber fym unb hoffe oon 3 hnen 
frohen Empfang . . . auch oon 3h n e n > F r äulein Staria." 

Gr ergriff ihre §anb unb brüefte einen ^ug barauf. 

Satcr unb Sodger roaren roieber allein. Sie fpradjen 
über ben unerroarteten Sefuch Gamerons. Sber bas 
Gefpräd) fcglid) mühfelig bahin. 

Sangfam oergingen bie Siertelftunben. ©er Särter 
brachte bie Stahlst. Sie blieb unberührt gehen. 

©ie Erregung bes Slommenben nahm ge gan$ befan¬ 
gen. Sie ftieg aufs hödffte/ ols bie Uhr bie neunte 
Stunbe geigte. 

Segungslos oerharrten ge beibe. 

Gin Klopfen an ber Xür lieg ge auffagren. ©er Särtec 
trat ein. ©as Siegt feiner Äerae fiel auf ein oergörtes 
Gegcgt. 

„Sas ift?" 

„. . . Sgmeb ging foeben oorbei ... er roinftc oer- 
ftoglen . . . nid)ts! . . . Sidjts! . . . §eute nichts . . ." 

Staria fant auf ihren Segel. Serhaltenes Sd)luchgeit 
erfegütterte igren Körper, ©er 9Ilte trat auf ge gu unb 
legte ben 9lrm um ge. 

„Sei gefagt, Staria! . . . Senn nicht l^ute/ bann 
morgen! . . . Gib bie Hoffnung nicht auf. ©ie Fxe ur i&* 
roerben uns nid)t im Stieg lagen . . ." 

So fudge er igr Sroff gugufpreegen unb oerbarg feine 
eigene ftarfe Befürd)tung, bag ber ^Ian oon Foj ent« 
beeft fein fönne. 

Sittgufens Befürchtung roar leibcr nur allgu be¬ 
grünbet. ©urd) eine eingige Unoorgcgtigleit... ein un¬ 
nötiges Sagnis h°ita Seüington F°S f° 9 u i oor- 
bereiteten Sion in ber legten Stunbe geftört unb bie 
eigene Fmgeit ocrloren. 

©ie Ungebulb goto if) n aus feinem ffegeren Serfted 
oorgeitig in bie 9täge bes Kaufes getrieben, in bem bie 
Sittgufens gefangen gegolten rourben. 

So gefegag es. 9lls Gollin Gameron bas $aus ocrlieg, 
erfannte er Seüington Fo? trog beffen Berfleibung. 3nt 
9lugenblicf roar Gameron in ben Sdjatten getreten. Sei- 
lington ftos gatte ign niegt erfannt. ©er roar gang mit 
ber Ausführung bes Fladgplanes befegäftigt. 

©ie 3 e ft oerftrieg barüber. Stagrenb er gier nod) 
fpägte, roaren bie §äfcger, bie ign fangen follten, bereite 
auf bem Segc. 

Gnblid) begab er gd) in bie Verberge ^uriief, um Agmcb 
bie legten Befehle gu geben, flurg oor ber STararoanferci 
in einer engen bunflert Gmffc fitgltc er fid) oon einem 
©ugcnb ftarfer Arme umfdilungen. Gin ©ud) pregte gd) 
auf feinen Btunb, bas jeben Scgrci erftiefte . . . feine 
Sinne betäubte. 3m Augenblicf roar er gcfcffelt unb oer« 
fegrounben. 

(Fortsetzung folgt.) 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS 



Kammer 35 30 


*J) i e o d> c 


Seite 801 



■i!j. ’;!!!; WM 

'Mi !li 


LAUFSPORT 


IN DER ZEITGENÖSSISCHEN KUNST 






Stafettenwechsel 


Radierung von Erich Büttner 


vo/i Bruno Cassircr, Berlin 


Mit Genehmig 


Wettläufer“, Gemälde von Max Slevogt 




1 liiilltlltl 


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Original from 

PRiNCETON UNIVERSITY 



















Seite 802 


©ie *2ß o cb c 


Kummet 85/36 



Der Millionär von 1913; Der Herr von Tattershusen auf Juchtenhöven fährt zum Rennen 



Der Millionär von 1919: Herr Nauke, Damenkorsetts 
sofort greifbar und Sohlenleder en gros freibleibend 


©er neue proteu^ oöer Öte ©er* 
tnanblungen Öe3 < 27ltlltonär3 

Mit drei Zeichnungen von Fritz Koch-Gotha 

as mar bas noch für eine fd)öne 3 ei t, als bas 2Öort • 
Blillionär mar mie ein Schuh durch biden 9tebel! 
ging mof)l eine Sage, bah es irgenbmo hinter dem 9tebel fo 
etmas gab, aber bah man biefes ©tmas je mürbe $u fehen be= 
fornmen, damit rechnete man nicht. ^Millionär — bas mar non 
amerifanifdjer gerne umbiinftet ober non fürftlidjem Höhenfcuer 
ungemih umleud)tet — „©i, fo h°ä)/ man fteF)t es faurn." 
SRillionär mar ein nager Begriff aus hemmungslofcr 9toman* 
phantafie. Sebenfalls mar ber SJtiüionär ber Borfriegsseit nom 
größten Beig ber Seltenheit, uitb mit feinem Flamen nerbaitb 
fleh jede Borfteflung non ©rlefenhcit unb Bornehmheit, bie Bor* 
fteüung, menn nid)t gerabe non einem §eiligenfd)ein, fo boef) non 
einem grauen 3olhtberl)ut, non unglaublich feinen §anbfchuhen 
unb einer aoelig Ieifen Stimme. (Gefahren tarn ber Millionär 
non 1913 immer mit fpiegelblanfen felbftgefiihrten 3urfern, mo= 
möglid) mit einem Biereräug. Unb an ber betreffenden Stelle 
im Vornan hiefj es: „3n elegantem "Bogen fuhr ber Baron au 
ber Bampe bes <perrenl)aufes nor; bie perlgrau $art bef)anb= 
fd)uhte Einte brachte mit unmertlichem, aber eifernem ©riff bie 
fchäumenben Halbblüter l^art nor ber Komtefj jurn Stehen, mcih= 
renb bie Rechte ritterlich ben grauen 3othiber sum ©ruh h°&*" 
©as mürbe anders, als Krieg unb Benolution bie neuen 
§errengefd)led)ter ber Neureich, bie untöniglidjen Kaufherren nom 
Kettenhandel, ben ©enifenabel, bie Balutaariftotratie, bie „fofort 
©reifbareu" unb „greibleibeitbcn" gefchaffen hatten, ©ie Btillio- 
näre mürben jefct fehr häufig unb fehr ftchtbar. 3h r * ©rfchei= 
itung gemamt etmas fehr Handgreifliches; ftatt ber grauen 



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PRINC 


Original from 

ETON UNIVERSI 






















Mummer 35 36 


Q) t e locbe 


©eite 803 


3glmber Schirmmütjen; ftatt ber Tdjmalcn Mriftofratenhänbe 
Hanbfdjubnummer 9*/2. 0as Sieblingsfubnoert Pee Millionärs 
oon 1919 tourbe bas Muto mit Hupe, ftrach unb Stanl. 
(£r oertoccfjfelt gern nur unb mich roie mein unb betn, ift 
feiten Vegetarier, aber immer zulunftsfidjer unb guten 
Mutes. (Er toeife genau, bafj ber 0recf nad) oben frnnrnt, 
toenn ber Tümpel umgerübrt toirb. 

Snztoifdjen bat bie 3^it ber Sdjeibemannfchen 0reieinbeit 
„greiheit, grieben, Vrot" ben neuen Sßroteus fdjon toicber 
oerroanbelt unb jablteicb toerben Iaffen roie 6anb am Meer. 
0er Millionär oon beute läuft in allen (baffen, fitjt in allen 
0acbfammem unb roirb aus allen Hintertüren geroorfen. (Er 
ift eine leere Hülfe, ein 0ing ohne 3nbalt, eine gefprungene 


Saite. Mid)ts oon bem Mimbus bes Meunzebnbunbertbrei» 
Zehners, nichts oon ber Mnrüdjigteit bes Meunzebnbunbert» 
neunjebners; ein 0ing, an ficb toeber gut noch böfe. (Ein 
0ing oon ben unbegrenzten etbifeben unb tulturetlen Mög» 
liebteiten. Mur toer ficH toanbelt, ift mit ibm oenoanbt. (Er 
erfebeint als Mafcbfrau, als bilbenber Äünftler, als (belegen* 
beitsarbeiter, als Mrjt ohne Sßrajis, als Strafcenbänbler mit 
(bummibofenträgern, als ßiterat, als Obbad)lofenafglift, ah 
oierzebnjäbriger ßaufjunge unb als fünfzigjähriger geiftigei 
Arbeiter, ber für bie tDiffenfcbaftlidjen Mühen oon fünfoierte) 
3abren anbertbalb Millionen erftaunt einftreiefjt unb bann 
noch erftaunter bemertt, bafj es nicht für ein ^funb Suppen» 
fleifcb reicht. ne. 



DerMillionär von 1923: Ein Werk für die Ewigkeit und ein Stiefelabsatz für den Winter 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 























Seite 804 


0 t t 08 o cfr c 


Kummer 35/36 




auf bic (Öemüter ausiibte. 
3hm l)abeu fid) bic 3eiten ge* 
manbelt, bie SWenfdjen felbft 
bes tleinften Dorfes fmb 
anfprutfjsooller geioorben, 
lennen oon Stabtbefudjen 
l)er Sfyeater unb Äino . ♦ • 
oon benen in ber (£>ro&ftabt 
gan^ *u fdjiocigen, bie 33ufd) 
unb Schumann unb Sarra» 
fani mit it)ren pt)antaftifd>eix 
^Pantomimen 9ibenb ftic 
3ibenb in Söunberlanb oer* 
fetjen. Unb bod) ift bent 
'ffianber^irtus, auef) menu 
feine mobernen 9ttefemoageu 
jefct mit ber Sifenbafjn bc* 
förbert roerben, ßaftautos 
ben ftunbus an Sctapcrf* 
haften unb (öligertuIiffeit 
burd) bie Straften fdjleppen, 
jeber mit eigener £otomobile 
unb eigenem 3)t)namo fein 
eigenes 52id)t probujiert, bie 
alte SRomantit geblieben, bie 
nod) immer erregenb roirtt. 
Ss ift bas Ungeu)ötjnlid)e, 
bas lodt. So locft, baft erft 
jiingft nodj ein 0id)ter, 

Links : Der ZirkuswageD 
als Künstlergarderobe 


©te ©aufler 
fommen! 

^ou £ubu)icj Sfevnmiv 

(TNic (Emittier tommen I" 
„ 'S J So ging es einft, 
rnenn erfter 3ufall bic tun* 
terbunten 2Botjntarren auf 
ber £anbftrafte gefidjtet batte, 
frotjlorfenb im 2>orf oou 
3)hmb au 9Jiunb, fo fdjoll 
es tnabenlaut burd) bie engen 
(Öaffen ber ^leinftabt. 3)enu 
jebermann, ob groft, ob flein, 
ermartete ftd) ba, mie aud) 
(öoetbes Sfjeaterbirettor im 
„Sauft" nur au gut meift, ein 
Scft. Unb mer fid) beffen nid)t 
mel)r erinnern tann, ber 
lefe Storms „^ole ^3oppen-- 
fpäler", oertiefe fief) bei 
Kiefens im „9iaritcitenlaben" 
nod) einmal in bie tounber-- 
fant-traurigen Sdjicffalc ber 
tleinen Stell: ba toirb itjn 
ber ganae3auber umfangen, 
ben 2ebctt unb Treiben ber 
fabrenbeit teilte einftmals 

Unten. Der Herr Direktor 
bei einerProbe seiner Frei¬ 
heitsdressuren zwischen 
den Zelten Phot Sennerke 

f 


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Gougle 


Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 

















%tmmer 35 30 


© I e ® o 4 e 


Seite S05 



glieder der Truppe 
machen sich für 
ihr Auftreten fertig 

Phot Stnnecke 

3ungnidfel, ftcf) für 
lange ©odjen folcf) 
einem ©anberairfus 
minberen langes an« 
gefdjloffett utib aus 
bem, ums er ba t)eU* 
äugig gefel)en unb er¬ 
lebt, einen bunten Vo¬ 
rnan gemacht t)at. 

•Jluf Reifen begeg-- 
net man ja biejen feit-- 
famen Darren mit ben 
grünen ftenfterläbeu 
unb ben Sreppcfjen, 
bie in if)r gebeimnis-- 
oolles £ellbuntel füh¬ 
ren, unb bem SDtini» 
aturfd)ornftein oft. 
Manchmal gleiten fte 
in (öüterjiigen, toic 
SRöbelroagen auf 2o» 
ren geftellt, langfam 
au einem oorbei. 3 ll= 
toeilen finbet man fic 
aber auch in frember 


h^X 


Atlantic-Fhot. 

Naturalien als 
Zahlungsmittel 


Wertbeständiges 

Eintrittsgeld: 


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Gelte 806 


3) t e ® o4t 


Stummer 35 r 36 


Gtabt, fo üor ben Soren auf freiem Spion: als SBagenburg 
im §>albrunö um bas 3*ft gerürft unb umlungert oon neu¬ 
gierigen Kinbern, bie auf bie GröffnungsoorfteUung roarten 
ober äufdjauen, roie bie Sßferbe geftriegelt merben, ber 
Glocon mit feinen ^mn«- 
ben übi:, S01arjiella, „bte 
fd^ioebenbe 3ungfrau<7 
ftd) igre Gpringteifen 
Hebt, ber §err Sireltor 
Kartoffeln fdjält, 9fla- 
bame amSBafcßtrogfttfjt, 
biefelbe, bie abenbs 
bann in Gamt unb Geibe 
an ber Kaffe fifct .... 

SMn bie ©ro ßftabt fjeran 
toagt jtef) berlei befdjei- 
beites 93oIl nic^t 3)ie 
bleibt bem großenßirfus 
oorbeßalten, ber über 
ätoanjig unb meßi 
3öagcn oerfiigt unb im¬ 
merhin irgenbtoie, unb 
fei cs auch nur für bas 
anfprudjslofere Sßorftabt- 
publifum, bieKonlurrenj 
ber SBufd) unb Gdjumann 
unb Garrafani aushalten 
fann. 3)a toirb jtoifchen 
^Neubauten ein freier Sßlajj gepachtet, unb toenn bas 3itfus*elt erft 
fteht mit feiner giißtigen Gingangsfaff abe, bann hebtfürbie^ntool)» 
ner bortein buntes ßeben an: fie fehen oon ihren ftenftern aus, toie 
bort Herren in graef unb 39^^ $ot)e Schule reiten, auf farger 
©rasttarbe erblüht ein Gtücf SBilbtoeft, unb gtoifchen ben 3clt- 
baracfeit unb Karren tollt fattellos auf toilbem Sßottp „Sflaffuba, 
bas Kinb ber 9öilbnis", oerfolgt oon Iaffofdjtoingenbcn Goto- 


bops. 91uc£ toaepft toopl aus ber Gebe eine Knabenppramibe, 
bie auf ben Gchultern eines römifd)en©labiators fcfjaufelt, ober 
ber „berühmtefte (Seiltänzer ber 2öelt" überquert einen Sütiffif- 
ftppi oon SBafferbottidjen, bertoeilen fief) in ber 

SRüdöffttung bes nächften 
Söagcits bereits ein paar 
Gplphiben in glitterröd- 
d)ett ooripanbfpiegeln für 
ben SUbettb fdjminfen... 

Unb bas alles ift eilt 
SBlitf in eine anbete 2öelt, 
bie Söelt, in bieQlnbre- 
jetos itamettlofer „Jpccr, 
ber bie Sftaulfdjcllett 
friegt", untertaudjen 
tooUte, um SBcrgeffen 
ftuöen, toeil ihmoor 
ber toirtlichen graute. 
©ieSEBelt auch besSobias 
SButtljchuh, ben bie ©ich- 
terpfjantape Garl §aupt» 
manns mobelliert hat. 
Unb ein Gtücf oon ber 
2Belt SBebefinbs: Sraum 
unb Abenteuer, fo lang 
man nicht hinter ben Kn- 
Mffen ftanb. S)enn 
bie oerbergen nur, fo 
romantifch auch oieles noch hinter biefen Kuliffen anmutet, 
einen 'Beruf unb ein ©efdjäft toie taufenb aitbere Berufe unb 
©efd)äfte. 

23erid)tigung. 3n 9tr. 32 bec „©oche" rourbc in bem Slrtifel 
„9leue SRaumfunft in ber (Großen berliner ÄunftausftcUung" irrtiimlid) ber 
93ilbt)auer 38ilt)elm fcerftog genannt C£e muß richtig beißen Oßroalö 
£eraog. $ie 6djr iftl eitung. 

Schluß des redaktionellen Teils 



Szenenprobe im Freien 


Kennen Sie schon die Bedeutung der Haarerweichung beim Rasieren? 

Herrin mit sprödem BarthaAr und reizbarer Haut empfinden das Rasieren oft als Qual. Das Haar springt unter dem Messer aut und hinterläßt 
empfindliche gerötete Hautatellen. Was ist die Ursache? Eine ungenügende Vorbereitung des Haares durch ungeeignete Rasierseife Harte 
Stangenseifen (Natronseifen) erweichen sprödes Haar Im allgemeinen weniger gut als weiche salbenförmige Kaliseifen. Auf Grund dieser 
Erfahrung hat das Laboratorium Leo in Dresden eine neuo haarerweidienöe überfettete Rasierseife „Leosira" in der Tube in den Handel 
gebracht die ärztlich als ideale Rasierseife empfohlen wird, 1. weil sie hygienisch verpackt ist und gegen Infektion schützt (Übertragung 
der Bartflechte unmöglich), 2. In kleinen Mengen eine Fülle von dichtem Schaum gibt. 3. das Haar In kurzer Zeit erweicht und reizbare HaiS 
io keiner Weise angreift kur* das Rasieren xum Vergnügen macht Sie erhalten Leosira dort, wo Sie Ihr Chlorodont kaufen. 


Blendend weiße Zähne durch die erfrischende Zahnpaste 

Chlorodont 

gegen mißfarbigen Zahnbelag und üblen Mundgeruch. 


Laboratorium Leo 


Dresden u. Berlin 


Was darf auf dem Toilettentisch der vornehmen Dame nicht fehlen? 

Neben der Pflege der Zähne mit dem herrlich erfrischenden „Chlorodont” ist die vornehme Dame bestrebt ihrer Haut eine entsprechende 
Pflege angedeihen zu lassen und gleichzeitig sich mit Jenem Parfüm zu umgeben, das von alters her als unaufdringlich, erfrischend und 
andauernd bekannt ist. Unter dem Namen Eau öe Cologne „Oolö“ ist in allen Apotheken. Drogerien und Parfümerien ein Kosmetikum 
vorrätig, das eine glückliche Vereinigung von Hautkrera und Parfüm insofern darstellt, als es sowohl für die Hautpflege als auch als Parfüm 
benutzt wird. Es ist kremförmig wei6, fettet und klebt nicht, macht die Haut wundervoll weich und zart und kann andrerseits unbedenklich 
für das Taschentuch verwendet werden. Personen mit empfindlicher Haut, die Spiritus, wie er in der käuflichen Eau de Cologne enthalten 
ist, nicht vertragen, sollten dieses wundervolle Hautpflegemittel und Parfüm In der praktischen Form der Tuba nicht missen. 


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PRINCETON UNIVERSITY 


















Summt« 37 


Sttlitt, den ^5. &ej)tcmb«u 1943 


25. 3&?*dMt9 


nnrcrruK ar^emti 


Allegorische Darstellung des Münzschlages. Titelkupfer aus dem Jahre 1706 


[fiütffefjr g u r ©olbmdhrung 

Gin #orfd?Iag sur Grricfyfung einer prioaien ©olbnofenbanf ber beufffl)en 3Birffcf?off. Q3on 2Ba(fl)er Junf 


De 93orfd)läge gur 3öieberaufrid)tung ber beutfefjen 3Bäf)- 
rung muffen erfolglos bleiben, bic oort ber ^ßapiermarf 
ihren Ausgang nehmen, Siefc Sßapiermarf übt nämlid) 
Iängft nid)t mehr bie ftunftion einer 9Bal)ntng aus. Sie ift 
Iebiglid) ein 3ahl l ingsmittcl, bas nur fo lange angenommen 
toirb. als man bas Vertrauen hat, burd) if)re Eingabe einen 
einfalfulierten Saufdjmert gu befommen. Sabci ift es tljco» 
retifd) oöllig gleich, ob biefe T'apiermarf ben millionften ober 
ben gchnmillionftcn Seil ber früheren ©olbmarf ausmad)t. 
931it biefer hat fic nichts gemein als bie 3 ö bl«ngsmittel* 
funftion unb ben tarnen. 9lbcr ftc ift feine Valuta, feine 
Währung unb fein C5>elb im rechtlichen Sinne. 5Benn mir uns 
baher eine neue Währung fd)affen mollcn, müffen mir uns 
gunächft eine neue Valuta unb neues ©clb fchaffen. Ellies, 
mas mir heute mertbeftänbig ober ,,©olb"mcrt nennen, ift 
eine Sifdon, benn in einer 2Birtfd)aft mit unmertbeftänbiger 
Währung gibt cs feine Söertbeftanbigfcit. Sie 5rage ift nun, 
ob unb mic fönnen mir gur ©olbmährung guriteffehren. 

hierbei mirb erftens gu unterfuchen fein, ob bie ölten 
$üter ber Währung nach ben 2Banblungen ber lebten 3af)rc 
nod) für biefe Aufgabe gu brauchen finb. ^>iefe ftragc ift gu 
oerneinen. Sas ©runbübel unferes Söährungsoerfalls ift ber 
Staat, ber ftd) burd) Schaffung einer ©elbinflation an feinen 
Bürgern unb an ber 5ß3irtfcf)aft bereichert hat. Sics muß ihm 


unmöglich gemacht merben, b. hv ker ftinangminifter muß 
baran gehinbert merben, mit feinen ^apiermarfmcchfeln bei 
ber iKeid)sbanf gu pumpen unb gufäididjc Äauftraft gu 
fdjaffen. Sa bic 9tcid)sbant biefem ©ebaren bcs iHeid>es 
feinen ©iberftanb entgegengefeßt hat, fich alfo nom 9teicße 
hat mißbrauchen laffen, [o ift fie ebenfalls nicht mehr mert, 
bic Hüterin bes mcrtoollftcn ©irtfdjaftsgutes bcs fianbes, ber 
5ieid)smährung, gu bleiben. Sic ift überbies für bie Rapier» 
marf mitoerantmortlich. 

3mcitens: Sic Währung eines ßanbes baftert auf Ver¬ 
trauen. Sas Seutfchc 91cid) hat feine Währung oerloren, meil 
bas 51eid) im 3n- unb 9luslanbe jeben ilrebit oerloren hat. 
ÜJlan muß fid) baher, menn man eine neue Währung fchaffen 
mill, nach einem Ärebitmürbigcn umfehen, in beffen Ärebit 
fich ber 5Bert ber ©äßrung ausbriieft. hierfür foinmen in 
Seutfchlanb nur bie prioaten ©irtfehaftsfreife in 93etrad)t, 
bie, folange ein 'ffiirtfcßaften nod) möglich ift, bie güfdgfeitcn 
unb bic 9Jtittel haben, ‘Jöirtfdjaftsmcrtc, unb gmar ©olbmerte, 
gu fd)affen. 

Sie praftifd) gu ergreifenben SÖlaßnaljmen ftnb folgcnbe: 
Unfere letzte 2öährungsreferoc, ber Iängft nicht mehr forgfam 
genug gehütete ©olbbeftanb bes Reiches, unb bie mobilen 
©olbmerte ber SBirtfdjaft, in ber §auptfad)c alfo bie Seoifen 
oon 3nbuftrte, §anbel, kanten ufm., merben in eine ©olb- 



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Original fro-m 

’RINCETON UNiVERSITY 








Seite 808 


® i e © o d) e 


9htmmer 87 


marfbanf Öer beutfegen ©irtfegaft eingebraegt, Me oom Staate 
bas ^riüileg ber Ausgabe oon ©olbnoten ergält. Bht biefen 
de jure unb aucg praftifeg in ©olb einlösbarcn ©olbnoten 
bezaglt bie Banf bie in igren ©inriegtungen aufreegtzuer» 
galtene Beicgsbanf (mit ber ein Vertrag gefegtoffen mirb) für 
igr ©olb unb ebenfalls bie (Einlieferer non ©eoifen. ©as 
Bftienfapital mirb auf etma 100 Blitlionen ©olbmarf z u 
bemeffen fein, ©ie Bftien gegen an bie beteiligten, alfo eoen» 
tuen aud) auslänbifegen greife über unb bleiben feft in beren 
Beptj. ©ic Seitung ber '•Bant liegt in ben ipänben ber gcroor- 
ragenbften beutfcf)en ©irtfegaftsfiigrer unb Jinangmänner. 
©as Beicg crf)ält non ber Bcicgsbanf einen Slrcbit in neuen 
©olbnoten gegen ©olbfcgatjanmeifungen. Bht biefen Boten 
fegafft cs pcg fofort greifbare, mertbeftänbige 3aglungsmittel. 
©iefe ©olbnoten finb bas erftc, roabrbaft roertbeftänbige 
3aglungsmittel, bas mir uns fegaffen tönnen. 9tacg einer fo 
langmierigen unb fo gartnäcfigeit ^apicrgclbfrifc, mie mir 
fte in ©cutfcblanb in ben lebten oier 3agren erlebt haben, 
fann pcg nur ein 3aglungsmittel bas ooüe Bertrauen mieber 
ermerben, bas ftd)tbar unb fubftantiell burd) ©olb ober reine 
©olbmerte gebccft ift. ©ie neuen ©olbnoten fliegen in bie 
©irtfegaft, unb bas Beleg bört gleichzeitig auf, Bapiergelb 
ZU brucfen, mozu cs ber ziemlich reichlich zubemeffene ©olb- 
trebit befähigt. Braucht ber Staat über biefen ftrebit hinaus 
SOtittel zur (Erhaltung ber Staatsgemeinfcgaft unb ber öffent¬ 
lichen Orbnung, fo muß er fte burd) Steuern (natürlich ©olb« 
mertfteuern) ober burd) Bcrfauf bzm. Bcrpfänbitng oon Sub» 
ftanz ftfh befchaffen. 

©er Busgangspuntt für bie Schaffung einer neuen Wäh¬ 
rung auf ber oorgefd)lagenen Bafis mufj bager aud) bas Ber¬ 
trauen fein, ©ic prioaten ©irtfegaftsfreife, insbefonbere bie 
grogen 3nbuftriefonzcrne in Bgeinlanb, ©eftfalen unb bie 
©ropbanfen fomic ber Überfecganbcl bringen, menn fte fid) zu 
meinem Spione betennen, oor aller ©eit ficgtbar zum Bus- 
bruef. bag pc auf bie 3ufunft ber beutfegen ©irtfd)aft unb 
bes beutfd)en Staates oertrauen. ginbet aber eine folcge 
Bertraucnstunbgebung ftatt, fo mirb aud) bas Bertrauen bes 
Bitslanbes zu ©eutfdjlanb zuriidtehren, unb es mirb auch 
bas auslänbifege Kapital, mas notmenbig erfegeint, 
an ber prioaten Botenbanf ber beutfegen ©irtfd)aft beteiligt 
merben fönnen, mas mieberum einen bebeutfamen äugen* 
politifcgen Scgug für bie neue ©olbmägrung bebeutet. ©ie 
©olb« bzm. ©eoifenbepots merben im Buslanbe o e r t e i 11 
aufbemagrt merben rnüffen. 

©ie Sprioatmirtfd)aft bebarf zur Bufrecgtergaltung igrer 
Betriebe ergeblicger Betriebsmittel, ©iefe merben gefegaffen 
bureg ©olbmecgfel auf bie neue ©olbmarfbanf, bie natürlich 
in einer beftimmten §öge zum ©olb- unb ©eoifenbeftanb 
bleiben rnüffen. ©ic ©olbmartbanf barf ©ecgfel unb golb- 
pegere ßombarbs geben bis zu ber £öge, bag felbft an ben 
Sagen ber fegärfften Bnfpamtung bie ©olbbeefung minbeftens 
Vi beträgt, ©ie ©olbmecgfel merben, menn ber Blan in ber 
gefcgilberten Bidjtung burcggcfügrt merben lann, alsbalb 
aud) im Buslanbe ein oollmcrtiges 3aglungsmittel merben. 

©ie Befürchtung, bag bie ©olbnoten, bas ©olb unb bie 
©eoifen biefer Bant naeg bem Buslanb abfliegen fönnten 
ober eine neue Busfaugung im 3nlanb unb eine neue ©nt* 
mertung ber ©ägrung ftattfinben tonnten, begeht nicht, menn 
bie ermähnten Borbebingungen gefdjaffen merben tönnen. 
3m ©egenteil, es merben ©olb unb ©eoifen ber Bant fofort 
reichlich zuftrömen, ba heutzutage jeber Unternehmer in 
©eutfcglanb Pcg auslänbijcge 3aglungsmittel über ben augen- 
blictlicgcn Bebarf hinaus galten mug, um bei ben garten 
Scgroanfitngen ber Bapiermarf Betriebsmittel zu haben unb 
bie Subftanz erhalten zu tönnen. ©ir haben gerabe in ben 
jüngften tritifegen Sagen ber 3aglungsmittelnot bie (Erfah¬ 
rung machen fönnen, bag bie Betriebe, bie über bie nötigen 
aitslänbifcgen 3aglungsmittel oerfügten, fo gut mie gar feine 
Scgmierigfeiten gegabt gaben, ©enn man *in ©eutfcglanb 
für ©olbmarf 8, 10 ober 12 Prozent 3iu[en ergält, mirb fein 
Bienfd) baran benfen, pcg auslänbifcge 3aglungsmittcl im 3u- 
ober Buslanb ober auch ©arenoorräte aufzufpeiegern, bie 


niegt nur feine Berzinfung, fonbern Berlufte bringen, ©ie 
Unbeftänbigfeit ber ©ährungsoergältnige bringt es mit pcg, 
bag geute oielleidjt nur 10 B r °gcnt bes oorganbenen Kapitals 
in ben Betrieben arbeiten, ©er Beft mug zum ßwed ber 
Subftanzergaltung feft unb brach liegen. 

©iefe Überlegungen fügten uns zu bem &ern bes heutigen 
©eoifenproblems im allgemeinen, ©ine Stiigung ber B a ' 
piermarf mit ©eoifen ift ein frucgtlofes Bemügen, meil biefc 
©eoifen fofort mieber burd) Btartoerfäufc aus ben oben ge* 
fd)ilbertcn ©rünben befdjafft merben rnüffen. ©ie Beicgsbanf 
fauft auf biefe ©eife für bas Bcicg ftets nur igre eigenen 
©eoifen zurütf unb mirb per Salbo tmmer noeg naeg jeber 
Stiigungsaftion ein ©efizit aufzumeifen gaben. 

9hm bas Bugcnganbelsbefizit. ©ic Statigif über bie 
©in- unb Busfugrmcrte, mie fic bas Statiftifcge 9ieicgsamt 
gerausgibt, ift falfcg, meil fpcziell bei ber Busfugr ein Um- 
red)nungsmobus ftattfinbet, ber z u falfcgen ©nbergebniffen 
führen mug. ©s gegt aber feg, bag trog ber Bugrbefegung 
bie Spafpoität ber £anbclsbilanz in ben legten Blonaten ab¬ 
genommen gat. ©s ift barüber ginaus aber bie Bermutung 
berechtigt, bag mir eine aftioe 3 a glungsbilanz 
gaben! ©csgalb merben mir aud) bie notmenbigen ©olb-- 
(©eoifen)merte aufbringen fönnen. ©ir merben bie Busfugr 
mit allen Bütteln forcieren rnüffen, auch auf bie ©efagr gin, 
bag mir nod) ärmer merben, unb bie ©infugr fomeit als 
irgenbmöglicg zu broffcln oerfuegen. ©s mirb aud) fegon aus 
mirtfcgaftspftjcgologifcgen ©rünben ganz oon felbft eine 
©infegränfung bes Betbraucgs eintreten, bie noeg baburd) 
gefördert mirb, bag bie ©elegengeit zum Sparen unb z u 
golbzinsbringenber Bnlage burd) bie UmfteÜung auf ©olb- 
mägtung mieber gemonnen ift. gitr eine Übergangszeit 
fann übrigens ein befonberer ©eoifenfonbs zur Berfügung 
gefteüt merben. 9htn liegt es aber ferner aud) in unferer 
Btacgt, oieles zu tun, um burd) Brabuttionsfteigerung 
bie ßciftungsfägigfeit ber ©irtfegaft zu geben unb oon 
biefer Seite aus bie tpanbclsbilanz zu oerbeffern. ©en 
Beginn rnüffen mir beim Brbeitsprozep maegen. ©enn auf 
ber einen Seite bas Kapital im 3ntereffe ber ©rgaltung bes 
Staates eine groge fieiftung ootlbringt, fann man auf ber 
anberen Seite biÜigermetfe aucg eine entfpreegenbe Ceiftung 
ber Brbeit oerlangen. Bon bem ©olblogn ift bie ©olbleiftung 
nicht zu trennen, ©ie ©rfüllung biefer gorberung mirb ge* 
mig niegt ogne garte innerpolitifcge Kämpfe abgegen. Bber 
mo gegobclt mirb, fliegen auch Spägne. Btan foO and) niegt 
oergeffen, bag ber gefamte, oon mir aufgeftellte Blau auf 
eine ©ntpolitiperung ber ©ägrung, alfo gerabe auf bas ©e* 
genteil oon bem ginausläuft, mas oon gemiffen politifcgen 
Barteien jegt bureg bie Bufgebung bes Butonomiegefeges ber 
9ieicgsbanf unb ben 9tücftritt bes Beicgsbanfpräpbcnten be- 
Zmccft mirb. 

Bleiben als legtes Bebcnfcn bie granzofen. Bbcr biefer 
©inmanb miberlegt pcg felbft. Btan fagt, bie granzofen 
merben bie Banfnoten unb bas ©olb fteglen. 3n bem oben 
gefcgilberten Sifftem allein liegt eine ergeblicge ©rfegmerung 
für ben ©rfolg folcgen ©icbftagls. Bber menn granfreieg 
aucg biefen rabifalen unb meittragenben Santcrungsoorfcglag 
©eutfcglanbs zuriiefmeift, ber bas gefamte Beparations» 
Problem oor eine oötlig neue ©atfad)e fteUen mug, menn alfo 
granfreieg offen befunbet, bag es felbft niegt an beutfege 
9ieparationsleiftungen glaubt unb es igm nur an ber reft- 
lofen 3 er görung ©eutfcglanbs gelegen ift, bann fönnen mir 
mit bem cgrlicgen Berougtfein, alles, aucg bas legte getan zu 
gaben, ©eutfcglanb feinem Scgicffal überlagern ©ann ift 
jebes biplomatifcge Berganbein nuglos, bann bleibt nur bie 
oerzmeifelte Bbmcgr bes geinbes mit ©emalt. ©as bebeutet, 
mie man geute gemeingin in ©eutfcglanb zu glauben fegeint, 
ben Bolfdjeroismus unb ben Untergang. Bber menn es 
granfreid) fo münfegt, ift es eben bas Scgicffal, unb biefes 
Scgiifal befcgleunigen alle biejenigen, bie geute niegt ben 
Bhit für eine oollfommene innere ©rneucrung ber politifcgen 
unb fozialöfonomifd)en Strömungen in ©eutfcglanb auf¬ 
bringen. 


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„ ijh 






stummer 37 


< £) t e (£ r fc> e 
bebt.. . 

3u Der Crrbbebenfata* 
ftropfye tri 3apan 

(TNas japanifche 
3nfelreici)ift non 
einer furchtbaren S?ata= 
ftrophe heimgefuchtmor-- 
ben, bie als bas größte 
berartige Ungliicf ber 
Söeltgefchichte bezeichnet 
mirb unb ber gegen« 
über alle ähnlichen 
'Dtaturereigniffe feit 
9ftenfchengebenfen oer- 
blaffen: felbft ber 

‘Bultanausbritch auf 
SRartinique im Sahre 
1902, bem bie 6tabt 
St. ^ierre unb 30 000 
^erfonen junt Opfer 
fielen, unb bas erfte 
Seben non SJteffina, 
bas an 80 000 ßeben 
oernichtete. ‘Slußer zahl« 
reichen anbern Stabten, 
Ortfchaften unb 5)ör^ 
fern ftnb namentlich 
bie §auptftabt Sotio 
unb ^ofohama aum 
großen Seil aerftört 



Die Theaterstraße in 
Yokohama. Links: 
BlickvomFujijama auf 
den Yamanakasee 

roorben. ^Bicle bebeu« 
tenbe 3Berfe nnb 5a= 
brifen, toie bie am guß 
bes „heiligen Berges" 
ftujijama gelegenen, 
ftnb nur noch roiifte 
Srümmerftätten. $$on 
ber großen Springflut, 
bie bas Srbbeben be« 
gleitete, ftnb ganze 
Sieblungen oom SBoben 
in eggefegt roorben. üBie 
bie iUtenfchcnleben, bie 
bie entfetjliche ftate» 
ftrophe forberte, nicht 
äu wählen finb, ebenfo 
toenig laffen fich bie 
ungeheuren Söerte aud) 
nur annähernb ab= 
fehlen, bie biefes bei= 
fpiellofe Ungliicf oer= 
fchlungen h Q t* 3m 
©egenfaß gu bem U\u 
heil non SDlefftna unb 
San ftranzisfo, & as 
foinohl auf bie politifche 
tnie bie roirtfd)aftlicf)e 
Stellung 3taliens unb 
Slmerilas feinen nen.. 



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Kummer 37 


<5) i c o d) c 


Sette 811 


grauen 


tm ‘Stlbe * 23 on £ubtotg ©ternauj* 

Mit vier photographischen Aufnahmen 



Frau Prinzessin Adalbert von Bayern. Gemälde von Gustav Schneeli 
Ausstellung im Münchner Glaspalast 1923 


CD rauen zu malen — 

Ö i<h nutß geftchen, 
toettn id) Äftnftler 
toärc, cs tolirbc mich 
am meiften reizen. 

Ober ich tann ja er* 
freulichertoeifc fagett: 
au cf) am meiften rct= 

Zeit. ©eitn bic grau 
ift, rate jebc neue 
Stunftausftellung be= 
toeift, immer noef) unb 
immer roicber bas 
SJtobcll für ipunbertc 
oon Malern, ob fie 
nun, roie et um ber 
greife greihert oou 
$abcrmann, barin 
Spezialität geroorben 
fittb, ober ob fie, 
toie ber uitglcid) mo= 
bernere unb fd)tocr* 
blütigerc Starl £ofer, 
in ber Bcbrängttis 
bämottifd)er ©efichte, 
bie fie zu ^infel unb 
Sßalette zmingen, nur 
ttorübergehenb eiit= 
mal eingraueitiächelit 
feftl)alten. ©er immer 
iegenbroie erotifd)c 
Steiz ber grau, fei cs 
nun äinb, S)täbd)cn 
ober reifes 2öeib,tnuß 
ben SJtann im ftünft* 
lerfeffelnjeine^ljan* 
taftc befd)äftigeit,uub 
bie (Sntfpannung ift 
bas Bilb. 3Boz u nod) 
fommt, baß bie grau 
in ihrem oielfältig 
fi)iUernben SÖefett 
neben ber Statur in* 
tereffanteftes fünft* 

Ierifdjes^roblem unb 
S)totio ift unb bleibt 
unb, roie aud) bie 
Statur fdjließlid) z« 
jebem fpricfjt, im far¬ 
bigen Bilbe aud) im 
Stid)tfünftlcrbeimBe= 
tradjten ocnoaitbtc, 
im Unterbetoußtfein 
inttnrirgenbioie leicht 
erotifefje Sltaitncs-- 
empfinbungen roedt. 

Söcldjer Slrt bic 
grau ift, ift für bei= 
bes im ©ruttbc gleid)-- 
gültig, fofem fie nur 
nod) für berlei Smp= 
finbungen überhaupt 
in grage tommt. Söo* 
mit nicht beftritten fein foü, baß aud) bas Porträt einer alten 
©ante l)öd)fte Steize haben fann — man bentc nur an bie 
oninberooUcn Sttutterbilber geuerbaebs unb Sößiftlcrs. Stur 
erforbert folcf) ein Porträt atibere (Einfteüung bes Zünftlers, 
anbere aud) bes Beobachters. Slber locuit man ftd) bic uicr 
Bilber anfteht, beiten biefe 3*ifcu nad)beittlid)cs ©elcit geben, 
fo ift es toirtlid) gleid)giiltig, ob bie grau toie bei bent Porträt 
bes SJtündjeuers Sd)tteeli eine Sßrin^efftn ober toie bei bem bes 
Berliners §ofer eine fimple Buhtitacberiit, bei bem ipabermattns 
unoerfennbar eine „©ante ber ©efellfd)aft‘‘, ocrntutlid) aus ber 
baprifdjen £od)ariftofratic, ober bei beut 3uIo get)rs bie junge 
Bourgeoife. < äfthetifd) s tünftlerifd) ohne Unterfd)ieb, toie gleich* 
gültig auch für beit, ber oor ben Bilbern ftcht. SKatt fragt 


ja auch bei ben Sflabonncit eines Staffacl unb SJturiflo nicht 
nad) ben SJtobellen (bic befanntlich aües anbere eher toareit 
als SJtabonnen). Ss fittb eben grauen. Unb bas §errlid)e, 
bas faft unbegreiflich iperrlidje ift, baß Statur immer toieber 
aus bent Unbefaitnten biefe garten, großäugigen, oon frcmbcnt 
©uft umfpieltcit ©efd)öpfc attfblühen läßt, bie bann, zur grau 
getoorbett, SJtannesfchidfal fittb unb etoiges Stätfcl. 

ßebett . . . bas ift es! Sticht tote garbc auf toter ßeintoatib 
unb in totem Stahmett. Uttb grabe bas muß mau £>abermann, 
, bettt nun Bieruitbrtcbzigiährigcit, laffett, fo frentb, fo ton* 
üctitiouell, fo überholt feine SJtalioeife manchen jeßt and) fdion 
berühren mag: feine graueitporträts h a & cn eine ftnttliche ©lut, 
bie il)tten unmittelbares Nebelt gibt Sluch bics neue Bilbttts 


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Kummet 37 


m Münchner Gla:pnlast 1^23 

Hugo Freiherr v. Habermann; „Dame 


Aussitllun\ 


Julo Fehr: „Dame mit roter Tasche 1 


einer Unbekannten aus bcin SOUinchner ©laspalaft l)aitd)t mieber 
ein eigenes, befonberes Parfüm aus, bas umoilltürlid) betört. 

Seljr oiel feine Kultur oerrät bas sporträt ber sprinjeffin 
SUbalbert oon Sägern oon Sdjneeli: biefer aarte, blonbe grauen* 
fopf ift oon tjödjfter Delifateffe, 
unb toie fehr bafür aud) bas 
gepflegte SDtobeÜ SBebittgung fein 
mag, es ins Dgpifdje %u tjeben, 
aus einer Gin^elerfMeinung ben 
Seittppus ber grau $u geftalten, 
fo bah bas Stoben als foldjes 
gegenftanbslos toirb, bas fpridjt 
für ein grobes fituftlerifd)cs 
SBermögeit. &ier ift eine oon 
ben grauen, benen unfer §era 
jefct fcfjlägt, tote einftmals alle 
bergen für SEßinterhalters ftai* 
feritt Sugcitie fdjlugen, unb bies 
Spmptomatifdje in ijSaartracht, 
ö>efid)tsausbrucf, Haltung ber 
Schultern, gibt bem pretiöfen 
SBilbe einen gatta befonberen 
SReia, gibt ihm eine gefiiljls* 
mäßige SBebentung, bic gegen* 
über ber fiinftlerifdjen beiite nur 
au oft uutcrfdjäfct toirb. 

C&emalt a- SB. ift £>ofcrs Sput)* 
macherin, ein Söilb aus ber bies* 
jährigen SBerliiter SJlfabcmie* 

SUusfteflung,glänaeitb. Unb bod) 
läfjt es etrnas talt. (öetoib ift 
es fehr bübfd), toie biefes Stäb* 
d)ett bafit^t, bic SBcittc in ben 
Hellen Strümpfen iibercinanber* 
gefdjlagen, unb mit fdjlattfen 
gingertt an bem §>ütd)en auf 
ihrem Sdjoh hentmbaftclt. S}lber 
cs oerntag nid)t futitlid) au 
fcffeltt, es fehlt bent Silbe ber 
odeur de femme ... 'Da ift uns 
beim bas oierte Silb, gef)rs 
tleine Silrgersfrau, ebenfalls 


aus bem Stiind)encr (ftlaspalaft, feelifd) erheblich näher. Das 
ift eine reiaettbe Sooellc unb allein burch bas feefe Drotteur* 
hiitchcn, bas Stabame trägt, ein pitantes Abenteuer. 'Jlud) 
hier fpiegelt ftd) in einer einzigen granengeftalt ein Stücf 3eit, 

unb bic garbett toeefen St« 

■ ittnerungen. Unb fo toettig bas 

mit fünftlerifdjer SEBertung unb 
Stritit au tun haben mag: ich 
habe immer gefunbett, bah ’Bilb» 
itiffe, bie uns berlei erzählen, 
uns feelifd) mehr bebeuten als 
manche oirtuofe Stalerei. 


Ausstellung rtkadenue der Künste, Berlin 

Professor Karl Hofer; „Putzmacherin“ 


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t>pm ^ul}% 




Geh. Regierungsrat Fellinger, Vortragender Rat im Preuß. Ministerium für Handel und Gewerbe 
wurde zum Kommissar für die Erfassung des Devisenbesitzes ernannt 

KAMPF FÜR DIE DEUTSCHE WÄHRUNG 


W///////////MMWMW///////M/^^^ 




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PR1NCETON UMIVERSITY 







6ettc 814 


0 i e <3® o cb e 


Kummer o7 



Die Aufstellung der Schützenvereine mit ihren Fahnen vor dem Festhaus. //l0 '- Ctichuthek 

Jubelfest in Kufstein: D i e V i e r h u n d e r t j a h r f e i e r der S c h ü t z e n g i 1 d e 



Auf dem alten Matthäi- 
Fr.edhof in Berlin wur¬ 
de jüngst das Denkmal 
Minna Cauers, der be¬ 
kannten Führerin der 
Frauenbewegung, ent¬ 
hüllt, das Freunde und 
Verehrer ihrem Anden¬ 
kenerrichtethaben. Das 
Werk ist eine Schöpfung 
des Bildhauers Kurt 
Kroner 

Sonderauf nahmen der n U^ocAc.“ 

EIN DENKMAL FÜR 
MINNA CAUER 


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Kummer 37 


0 i e <2Ö o d) e 


(Bette 815 



iowcfa 


Bubis/ 


Dukdh 


flrem/nab 


Errikusa 


OuarsntM 


Das Achilleion, das frühere Schloß des deutschen Kaisers auf Korfu, 
in dem sich der Generalstab der italienischen Besatzungsarmee eingerichtet hat 

ZUM GRIECHISCH-ITALIENISCHEN KONFLIKT 


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PRINCETON UN1VERSITY 


General Tellini 


italienisches Mitglied der Festsetzungs- 
kommission für die griechisch-albanische 
Grenze, der mit seinen 4 Begleitern auf 
der Straße Janina-Santi Quaranta er 
mordet wurde 


Übersichtskarte mit den von den Italienern besetzten Inseln Korfu, Paxos und Antipaxos 


*jot- 




"> -T 


ADRiATISCHES 


-—— oMazarafa'a 


nh'pöros 

















(Seite 816 


®lc®o <b t 


Kummer 37 



Zum Besten 
der 

Ruhrkinder 

❖ 

Ueberall in deut- 
schenGauen nimmt 
man sich derarmen 
vertriebenenRuhr« 
kinder in werk¬ 
tätiger Liebe an. 
Grosse Organi¬ 
sationen haben sich 
für die praktische 
Ruhrhilfe gebildet 
und sorgen u. a. da¬ 
für, daß die bedau¬ 
ernswerten Klei* 
nen in deutschen 
Familien Unter¬ 
kunft finden, so¬ 
lange fremde Ge¬ 
waltherrschaft sie 


fernhält von ihrer 
Heimat 

Links: In Verbin¬ 
dung mit dem her- 
kömmlichenSchüt« 
zenfest wurde in 
Pegau (Sachsen) 
eine Ruhrkinder¬ 
feier veranstaltet, 
deren Glanzpunkt 
der große Umzug 
durch das alte 
Städtchen bildete 

❖ 

Unten: Ruhrkinder« 
tag inGandersheim 
(Braunschweig). 
Der Festzug pas¬ 
siert den schönen 
mittelalterlichen 
Marktplatz der 
Stadt 

Phot . J. hisstn 


/ 


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SRummer 37 


Während des Kampfes 


Unten: Aus dem Sattel geschlagen 


Kühlung während 
einer Kampfpause 


Oben : Ein gutge 
zielter Stoß 


Original fro-m 

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9lummer 37 



Das erste Turmhaus in Dresden 

Das Stadtbild Dresdens ist um ein baukünstlerisches 
Wahrzeichen reicher geworden: den Neubau der Erne- 
mann-Werke A. G. im Striesener Fabrikviertel, Der 
Bau ist das gemeinsame Werk der Architekten und 
Professoren der Dresdner Technischen Hochschule 
Dr. Ing. E. Hoegg und Dr. Ing. R. Müller 


Unten: Eine interessante 

Fliegeraufnahme: Die Nia¬ 

garafälle aus der Vogelschau. 
Im Hintergrund links die 
Grand-Insel, von der aus das 
Wasserbett die Form eines 
Hufeisens annimmt 


Ehrengabe für einen deutschen Mann 

Dem von den baszisten abgesetzten hochverdienten 
Oberbürgermeister von Bozen, Dr. Perathoner, ist von 
den Münchener Bürgern eine Ehrengabe in Form einer 
hochwertigen Bronze überreicht worden. Der Entwurf 
stammt vom Architekten Willi Erb, München, 
PlaV*ik vom Bildhauer Ludwig Sonnleitner, W'ürzbur 



Original frorn 

’RINCETON UNIVERSI 


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Sftummer 37 


Gelte 819 


Die 3P o d» » 

6fm* b$& gk „^übatt 

Äomau Don JCarts Do mini io 

13 Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H. # Berlin 1923. 


(Eine briiefenbe Stimmung Iaftete über ^cfing. 6d)on 
halb mar ftc auf Die Jreubentage beim Ginauge bes 
tt'aifers gefolgt. 

Niemals l)atte feit biefen Tagen ein Auge ben £>err* 
fdjer mieber erblicft. Die Vufletins ber ‘Sir^te blieben 
aud) jeßt nid)t immer giinftig, fprad)en oon Vul)e unb 
Gd)onung, bereu ber Soßn bes Simmels nod) bebiirfe. 
Der abnorme Sdjnecfall am Tage bes Ginauges mar oon 
Aberglaubifdjen als ein böfes Seid)cn gebeutet morben. 

Die I)ennetifd)e n?lbfd)liegung bes ftaifers gab oielen au 
benfen. Gbenfo, mie bic Veränberungen in ber baupt* 
ftäbtifdjen Garnifon. 3mmer neue mongolifdje Vegi* 
menter aogen in bie Veftbeua ein unb löften bic alten 
d)inefifd)en Vefaßungen ab. 

Sie bamals gleid) nad) bem Attentat, fo mürben aud) 
jeßt mieber oon neuem cnergifd>e Gebritte gegen alle 
republifanifd) Gefinnten unternommen. Vadjrid)ten aus 
bem Giiben bes Veid)es, bem alten Serbe ber republi* 
lanifd)en Veroegung, eraä^lten oon neuen Verfolgungen. 

So;$u? . . . deshalb? fragte ftdß bie große Senge. 
So mar bie Gefahr, ber man burd) fold)C Saßnabnten 
entgegentreten mollte? 

3m ftaiferpalaft batte ber 6d)anti feit ber Viicffebr 
bes Slaifcrs feinen ftänbigen Soßnftß genommen. Sic 
bie Bulletins fügten, mar ber Slaifer nod) nid)t fo meit 
erftarft, um bie 3ügel ber Regierung mieber felbft au 
führen. 

3n bem alten faiferlidjen Arbeitsaimmer faß ber 
Regent. Um il)n fein enger Vat. 

Songolifd) mar hier bie Sprache. Gin geübtes Auge 
fonnte mol)l aud) aus bem Sd)nitt ber Geficbtcr erfennen, 
baß fein Gl)inefc bem Streife angcl)örtc. Vur bie treueften 
feiner (betreuen, bie beften ber mongolifeben G>enerale 
unb Gtaatsmänner batte ber Gdjanti in biefen Vat be* 
rufen. 

Damals, als er oon Sd)eI)ol auriieffebrte, ben Ving 
bes Dfd)ingis=5U)an am Ringer, ben nal)en Tob bes Stai= 
fers oor klugen, ba batte er beffen mongolifd)c Valabine 
aufammengerufen. Gr mußte, baß fie ibm nid)t alle blinb* 
Iings folgen mürben, baß mand)cr bem Staifcr treu Gr* 
gebene in i()m nur ben Vioalen fab- 

Sit ben fünften bes genialen Staatsmannes batte er 
ftc für ftd) au geminnen gemußt. Sol)l gab il>m ber Ving 
an feinem Wiug cr bic Autorität bes Vegcnten, bem fie 
ben Geborfatn nid)t oerroeigern fonnten. 

Aber TogI)on*$lban rnoüte mehr. Seine Klugheit oer= 
bot ibm, biefe Sad)t bebingungslos ausaunußen. Vid)t 
ft ummen Geborfatn molite er. Sit 2eib unb Seele mollte 
er fie geminnen, unb es gelang ibm. 3mmcr mel)t maren 
fte ber Guggeftion unterlegen, baß rtid)t TogI>an*5U)an es 
fei, bem fte ge()ord)ten, fonbern ^ubclai=Stf>an, ber Sroang 
Ti, ber $err unb ^aifer felber. Vur ber Präger unb 
Vollftrecfer ber ^läne unb bes Sillens bes faiferlidjen 
Iperrn mar ber Vcgent. 

Aud) roenn ber Staifer oon bannen ging, blieben fte alle 
bie Wortführer feiner Gebanfcn unb Abftdjtcn, blieben 
fie ibm nad) mie oor Vecßenfcbaft fd)ulbig. 

Damals batte er ftc aud) mit ben kleinen bes Staifers 
^befannt gemad)t. 3n einer Seife, bnß'alles, mas jeßt 

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auf feine Attorbnung gefdjal), unmittelbar auf ben 93e-- 
fehl bes Sfaifers au gefd)el)en fd)iett. Sebent oon ihnen 
batte er große Aufgaben übertragen, bie nid)t nur Arbeit, 
fonbern aud) Gf)rc unb Sadjt brad)tcn. 

Als bann ber Tob bes ftaifers mirflid) eintrat, fonnte 
er cs magen, im Ginoerftärtbnis mit ihnen jenen unge* 
beuren ^Betrug au unternehmen ... ber $auptftabt . . . 
ja ber gattaen Seit ben toten ftaifer als lebenbig ... als 
genefen au a<ugen. Daburd) aber batte er fte nod) oiel 
fetter an feine eigene ^erfon gefcffclt. Die Sänner, bie 
jetat mit il)nt au Vatc faßen, maren il)tn mit £eib unb 
Seele ergeben. 

„Sie meit ftnb bic Truppenberoegungcn an ber rufft= 
fd)cn Greife burd)gefül)rt‘?" manbte ber Vegcnt ftd) an 
ben G>eneralftabsd)ef. 

„Sic ftnb nod) nicht meit gebießen. Die lltngruppie* 
rung nimmt fcl)r oiel faxt in Anfprud), meil fte oer* 
fdjleiert burcbgefiißrt merben muß. Sie fonnte fd)tteller 
oonftatten geben, roenn id) bie Vollntad)t befänte, bie 
Verfeßrsmittel a u befd)lagttal)men. Die Silitärfd)iffe 
fönnen bie Soffen nid)t fo fcßnell beroältigen." 

Der Gcßanti mehrte ab. 

„Unmögüd)! 3e-bc auffäüige Saßnabnte muß unter* 
bleiben. Gs genügt, roenn auerft bie Gruppen in Sünnatt 
unb ^roangft ausgemed)felt merben. Die aitberen Ve* 
megungen fönnen fpäter erfolgen. Die Sagaatnbcftänbe 
an ben Seftgrenaen ftnb bod) ooll aufgefüllt?* 

„Gs ift gefd)el)en, öerr." 

Der G>eneralftabsd)ef fprad) mciter. 

„ßeiber ift es nod) nicht gelungen, hinter bas Ge* 
beintnis ber $?ompagniefd)iffe au fommcti. Unfere Agen* 
ten bradjten uns bic Vad)rid)t, baß ftreuaer mit Streu* 
oorrid)tungen ausgeriiftet merben, oon bereit 3*aecf mau 
nod) feine Kenntnis bat." 

Die Walten auf ber Stirn bes Vegcnten oertieften ftd). 

„Der 3ngenicur 3fcnbranbt! ... Gr ift bas öaupt 
unferer Gegner. Sie ted)nifri)en Teufeleien fommen oon 
il)m! . . . 3eßt ift es au fpät. ßängft hätte er unfd)äblidj 
gemacht merben mitffen. 

Gebt es einmal oont 3li los, muß Sierttt) bas erfte 
3iel fein . . . Vcirt! . . . Siernt) muß früher fallen. Den 
Sd)iebsfprud) beantmorten mir fofort mit bem Aufftanb 
ber ruffifeben Hirgifcn. Sie meit ift er oorbereitet?" 

Der G)eneralftabsd)ef antmortete. 

„Gs bebarf nur eines Wunfcn, um ißn auflobern au 
laffen. Unfere Gmiffäre l>aben bie Äirgifen feft in ber 
öanb. Die 3rrebcnta arbeitet gut. Die Sprengung am 
Terrefbamnt acigt, meffett bic firgiftfd)cn Vriibcr fähig 
ftnb." 

Die ßinfe bes Vegenten ballte ftd) aufammett. 

„Die Sd)melaarbeit mar fd)led)t! Sie ift bic Sd)erereicn 
nid)t mert, bie mir jeßt baruitt haben . . . 

San oerlangt oon uns Gntfdjulbigung unb Sieber* 
gutmad)ung. Sir bel)anbeln bie Angelegenheit bila* 
torifd). 3d) habe antmorten laffen, baß unfer Ved)t, in 
unferem Gebiet au fdtmelaen, unamcifelbaft ift. 

Da man uns oon ber Grridjtung bes SÜbammes bei 
Tercf offiziell nid)t benad)rid)tigt bat, fonnten mir if)n 
als nid)t ejiftierenb bctrad)tcn. Damit entfällt für uns 

Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



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Kummer 37 


bie BfUd)t, allen Sdjabcn gu erfeßen. Oßne ben Stamm* 
brud) märe bie Kataftropße nid)t fo bebeutenb ge* 
mcfeit . , ." 

, Gin grimmiges £äd)cln ßufd)te über bie 3 üge bes 
Sd)anti. 

„. . . Unfere Sdjmelgarbeiien merben jeßt in einem 
Blaßc fortgefeßt, baß ber BMeberaitfbau bes Stammes nur 
mit größten Sdjmicrigfeiten oonftatten gci)en fönnte. 

Bbcr oietleid)t mirb bie Compagnie ißn ... er mar 
ja nur ein moßliiberlegtes Bbmeßrmittel biefes 3fen= 
branbt ... gar nießt mieber aufbauen . . . ba fie il)n 
bei einem für fie günftigen Sdjiebsfprud) nießt meßr 
braudjt. 

Sas Scßiebsgeridjt ... bas mill über unfer altes 
Bccßt urteilen! . . . Unb mirb es oergemaltigcn . . . 
allen gcfd)id)tlid)en Satfad)cn 3 um ipoßn. 

Sicfes £anb merben mir fcftfjalten. Blien Sd)iebs* 
fpriidien gum Sroß . . . unb menn bie Götter es molien, 
aud) alles £anb uns oereinigen, in bem unfere Söriiber 
moßnen . . . Unfere trüber, bie gu uns molien. 

Sas man bas 3^1 bes faiferlüßen £>errn . . . bas 
follte fein großes B$er! frönen. 3 n feinem tarnen rufe 
irf) cud) gur Sat. SHUes, mas fid) bent entgegenftellt, muß 
befeitigt merben. Ser Kämpfer im Bteften barf hinter 
fid) feine geinbe ßaben." 

Ser Gouoerneur oon Sünnan gab feinen Berid)t. 

„SJUIe midjtigen Bläße bes Sübens finb mit Regimen* 
fern aus bem korben belegt. 3eber Berfucß eines republi* 
fanifeßen Bufftanbes mirb fd)citern. Sie gitßrer merben 
ftänbig beobad)tet. 2Benn nötig,. fönnen fte fofort er* 
griffen merben. Sie Umftcllung ber Junten ift bis 
aufs fleinfte oorbereitet. Sie Busrüftung ber §äfen ift 
uolienbet." 

Ser Regent fragte mciter. Seber mar feiner Aufgabe 
nadigefommen. Gs fehlte nid)ts, als ber Sag. 

Gin Sußenb Bugenpaarc rußten fragenb auf bem Be* 
genten. Ser Sd>anti fprad). 

„Sie miffen, baß alle Golfer ber BJelt einen tiefen öaß 
gegen bie meißen "Barbaren im £>ergen tragen, baß if)rc 
Spmpatßien auf unferer 6 eitc finb. 

Überall I)at fid) ber Bteiße ßingefeßt als . . . £>err. 
Überall l)at er fid) £anb unb Bcd)tc angemaßt. Überall 
erntet er oon ber Arbeit ber anberen. 

Unfer Beifpiel l)at gemirft. Unfer fafferlidjer §crr 
nmd)te bas £anb oon feinen Blutfaugern frei. Bnbere 
merben bem Beifpiele folgen. 

Ser 6trcit gmifeßen ben Bbenblänbifcßen unb uns geßt 
bie gange Btelt aii. B>as baraus folgt, mirb fid) balb 
geigen. 3nt Kampf merben mir nid)t allein fteßen. 

Sie fd)toarge SHaffe l>at eine alte Bedjnung mit ben 
meißen Barbaren ... in Bmerifa unb in Bfrifa. Sie 
merben nid)t bie £>anb bagu bieten, ben Guropäcrn 
Kriegsmaterial gu liefern, mie es gmeifcllos bie gange 
meiße B3elt tun mill . . 

Betreiben Sie 3ßre Lüftungen unb Borbereitungen fo, 
baß gum 6. 3uli • • • erfolgen fann, mas min." 

Ser Bat mar auseinanber gegangen. Ser Begent faß 
allein in feinem 3i m ™er, als ißm Gollin Gameron ge* 
melbct mürbe. Ser Sd>anti bliefte auf ein oor ißm 
liegenbes Bftenftiicf, bas bie Telegramme Gamerons ent* 
ßiclt. ,,3d) ßabe gefeßen, baß Sie bie Bufgabe in ben 
Staaten gclöft ßaben." 

„Gs ift gegliidt, §oßeit . . . beffer als id) gu ßoffen 
magte. Sogar ein Seil ber giißrer ßat fid) bereit finben 
laffen, auf meine Borfd)läge eingugeßen. Gs ßat oiel 
Blitße gefoftet unb . . . oiel G>clb." 

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„Sas ift oßne Bebeutung . ♦ ♦ Ginen Becßenfcßafts* 
berießt oerlange id) nid)t oon 3 ßncn ... am 6 . 3 ulil . . . 
merben Sie brliben fern? . . ♦ 3d) lege Btert barauf . . . 
£aben Sie fonft nod) etmas B5ict)tiges in Dreier Bnge* 
legenßeit gu fagen?" 

„3a, Gure Jpoßeit! Gs gab Berräter . « . Unfer ^lan 
in feiner erften gorm ßatte feinbiieße Blitmiffer . . 

„BKeoiel?" 

„3cß meiß es nidjrt. Giner ber gefäßrlicßften ♦ . . einer 
ber mir perfönlicß eifrig nadjgefteüt ßat . . . ber gmeifel* 
los meine Bermittlertutigfeit ausgefpürt ßat . . . ift in 
Gßina gefangen." 

„Bter ift bas?" 

„Gs ift ber greunb Sfenbranbts, ber amerifanifeße 
Bertreter ber Gßicago ^reß, BMington go£." 

„BMe mürbe er gefangen?" 

„Gr tarn in ber Blaste eines rufftfeßen Seeßänblers 
oon .Kjad)ta nad) Urga. ©ollte bort eine gamilie be= 
freien, bie ber Gouoerneur oon Kafd)gar megen Kon* 
fpiration mit ber Kompagnie oerßaftet ßatte. 3cß ßabe 
alle Berfonen ber größeren Sicßerßeit ßalber nad) Kara* 
forum bringen laffen." 

„Gut! £aben fie irgcnbmeldße Geftänbniffe abgelegt?" 

„Bein, §oßeit." 

„So müffen fie bagu gebraut merben!" 

Gollin Gameron erfd)rat bis ins 3nncrfte. Bn eine 
fold>e Bknbung ber Singe ßatte er nießt gebaeßt, als er 
bie Bngclegcnßeit bem Begenten oortrug. Blit Grauen 
unb Gntfetjen baeßte er an bie Btittel ber djineftfeßen 
golter. Blaria in ben §änben ber gelben goltertned)tc. 
Sein Blut erftarrte. 

„^Bollen Gure $oßeit mir bas übertragen?" 

„3a • . . Sie miffen am beften, mas gu fragen ifl. . . 
jebenfalls, bie Gefangenen merben Karaforum nie 
mieber oerlaffen!" 

* * * 

Ser Streit im Btinengebiet bes algerifcßen Btlas tarn 
iiberrafd)enb. Btan ßatte nid)t ermartet, baß bie Gr* 
ßößung ber Scßicßten um eine Stunbe täglid) bei ber 
feßmargen Beoölterung auf fo!d>cn 3Biberftanb ftoßen 
mürbe. 3®ar ßatten fid) bie fd)margen Brbciter bereit 
ertlärt, bie eine Stunbe meßr gu oerfaßren, aber nur 
gegen hoppelten £oßn. Somit ßatten fuß bie Unter* 
neßmer nießt einoerftanben erflären fönnen. 

Sic Brbeitsniebcrlegung mar bie Bntmort ber feßmar* 
gen Bergleute. Sie Belegung bes Beoiers mit Btilitär 
ßatte baran nid)ts tinbern fönnen. 

Sic Unterncßmer befanben fieß in einer S^angslage. 
Statt, mie bie Begierung oerlangte, erßößte görberung 
311 liefern, ftanben bie Sd)äd)te fd)on feit einer BSocße 
ftill. Sie frangöfifcße Begierung brängte gu einer Gut* 
fdjeibung. Sie mar mit Bücfficßt auf bie oermicfclte Sage 
in Bfien oerpflid)tet, bem europäifeßen Staatenbunb be* 
triid)tlid)e Biengen afrifanifd)er Grge gu liefern. Sabet 
mar ber Breis fo feftgefeßt, baß bie Unterncßmer bei bem 
oerlangten hoppelten 2oßn oßne Geminn arbeiten 
mußten. 

Sie ßatten geßofft, ber B^iberftanb ber Brbeiter mürbe 
balb in fid) felbft gufammenbredjen. Bber gmeifcllos 
maren frembc Gmiffäre unbefannter öerfunft am Bterf, 
bie jebes Bad)geben ber Brbeiterfd)aft oerßinberten. 

3eßt mar es fo rneit gefommen, baß fogar bie Berrid)* 
tung ber Botftanbsarbeiten oerßinbert mürbe. Sie Unter* 
neßmer faßen barin einen beqrünbeten Bnlaß, ein 
fd>arfes Borgeßen bes Blilitärs gu oerlangen. 3öoßl ober 
übel ßatte bie Begierung nad)geben miijfen. 

Original from 

PRIINCETON UNIVERSITY 



0 1 t o * e 


Gelte 821 


*rr:r 37 


Auf bem 3aur£s*Gd)acht !am es gum crftcn 3 u f Q m« 
mcnftoß. 

0er Sauptmann Alddjin oon bcn Atoroffofdjüßen ließ 
feinen 3ug anlegen. 

Aod) einmal eine Aufforberung an bie fdjmargen (Gru¬ 
benarbeiter, auseinanber gu gehen . . . ben ^latj gu 
räumen. 0ie badjten gar nid)t baran, ber Aufforberung 
ffolge gu leiften. Gie fühlten ftch in ihrem guten A:i)t 
unb rooüten ber ftorberung ber meinen 0irettoren nicht 
nadjfommen . . . 0as mar ein gang regulärer unb reeller 
2of)nfampf, mie es beren Diele Saufenbe im ßaufe ber 
lebten l)unbcrt 3al)re gegeben hatte. 

„(Gerechtigfeit! . . . Arbeit! . . . Srotl . . . tfeine 
Ausnutzung!" fdjalltc es ber Gruppe aus bcm Raufen 
entgegen. 

„$euer! . * ." 

6d)arf unb abgehnett fiel bas tfommanbo Don ben 
Sippen bes Sauptmannes. 

#ein Ringer frümmte \\d), fein Gdjuß fruchte. 0ie 
(Eingeborenen¬ 
truppe ftanb, als * 
ob bas Äomman- 
bo nicht ihr ge¬ 
golten hätte. 

0er Saupt- 
mann ftürgte nach 
oorn ... bie ge- 
fpannte Sd)U§- 
roaffe in bec 
Sanb, entfd)lof- 
fen, bie erften 
Meuterer nieber« 
gufdjießen. 0a 
faf) er bie (Gefich- 
ter ber fdjmargen 
Golbaten, fah in 
bie klugen ber 
beiben meißen 
Offigiere unb be¬ 
griff, baß feine 
Atodjt l;ier für 
heute unb immer 
gu (Enbe fei. 

9Bon feiner Gruppe oerlaffen ... als Offigier ent¬ 
ehrt ... mit feiner ffqrriere fertig . . . 

(Ein lurger Augenblidf . . . bann ridjtete er bie Gdjuß« 
maffe gegen fid) felber. (Ein ftnall. Gterbenb fanf er 
nieber. Aur bie beiben meißen Offigiere eilten gu ihm, 
bemühten fid) um ben Serfd)cibenben. 

Aber ber turge fcharfe ftnall roirfte audj meiter. Auf 
bie Gruppe, bie jeßt gu begreifen begann, baß bas Slut, 
bas bort in ben Ganb rann, oiel anberes Slut forbern 
mürbe. Auf bie ftreifenben (Grubenarbeiter, unter benen 
itnoerfcnnbar (Emiffäre tätig maren. 

6d)on fprang einer oon benen auf eine umgeftiirgte 
Sonne unb hielt eine bonnernbe Anfpracße. 3 um $eil 
an bie Arbeiter . . . mehr nod) an bie Golbaten gerichtet. 

„Sraoo! . . . Sraoo! . . . 0er meißc Gultan moüte 
Sunbertc oon eud) ermorben . . . (Eure fdjroargen trüber 
fmb ihm nid)t gefolgt . . . gu uns gehören fie . . . in 
unfere Aeihen . . ." 

Sahnen mürben gefd)mungen. Aeucs (Gefd)rei erfdjoll 
aus bem Raufen. Siele ljunbert Arme ftreeften fid) ben 
Golbaten entgegen. 

3m Augenblicf {am cs gur Serbrüberung. 0ie ein« 


gclncn Golbaten mürben umarmt, auf bie Gdiultern ge¬ 
hoben. §ilfreic^c Sünbe nahmen ihnen bie fd)mcren (Gc- 
mehre, bie läftigen Satronentafchen ab, unb im Au 
maren bie ©affen in ber Arbeitermenge fpurlos ocr« 
fdjmunbcn ... in bie Sänbc gang anberer Seute über- 
gegangen. 

(Ein fdjroarger Korporal fdjmang fid) im Augenblicf 
gum Befehlshaber ber füfjrerlofen Sruppe auf. 3n einer 
furgen Anfprad)c mies er bie Gdjüßen barauf t)in, baß 
il)r Blut nid)t ben meißen Ausbeutern unb beren fclbft- 
füd)tigcn 3werfen, fonbern ben fdjmargcn Brübern 
gehöre. * 

0ie flirrenben 5 cn f^rfcf)cibcn bes Scrmaltungsgebäu« 
bes lenften bie Aufmerffamfeit ber Stenge oon feinen 
©orten ab. 0ürd) bie fjenfterljöhle tonnte man fdjon 
cingelne Arbeiter beim ^piünbern beobad)ten. 

Unroiberftehlid) rcigte ber Anblicf bcn gangen Raufen. 
(Ein paar große Gdjnapsfäffer, aus ben ftantinenräumen 
auf ben $of gerollt, ‘ genügten unb taten bas übrige. 

(Eine halbe 
Gtunbe fpätcr er¬ 
goß jtd) ein joh» 
lenber unb brül« 
lenber Saufen 
oon Arbeitern, 
gemifdjt mit Gol¬ 
baten, in bas 
fleine Bergftäbt« 
d)cn. 3m Au mä¬ 
ren hier bie fämt- 
lidjen Säben, fo- 
mcit fte nicht 
Gcßmargen gehör¬ 
ten, ausgeraubt. 

0ie tfunbe oon 
bcn Sorgängen 
auf bem 3e<hen* 
I)ofe mar bereits 
oor ber Anlunft 
bes Haufens in 
bie Gtabt ge¬ 
langt. 0er ©ajor 
bes Gdjüßen- 

bataiüons, bas auf ber £mf) c oor ber Gtabt lagerte, hatte 
üerfudjt, bcn Akuterem gmei anbere Äompagnien ent« 
gegengufdjicfen, bod) mar, roie oon unfid)tbarcn Sänben 
ausgeftreut, bie Gaat bes Aufruhrs auch fchon unter 
biefen Sruppcn aufgegangen. Um cs nicht guin Gcßlimm« 
ften {ommen gu laffen, gab ber Atajor ben Sefehl/ gur 
(Sarnifon gurücfgumarfchicren. 

(Er felbft hatte an bie 6piße bes SataiUons 
geftellt. (Er gab bas tfommanbo gum Abmarfdj, bod) 
niemanb folgte. (Ein paar Offigiere, bie mit gegogener 
©affe bie ßcute gu groirtgcn ocrfudjtcn, mürben felbft 
nieber gef d) lagen, fobalb fie bie ©affe gebraudjten. 
9lnbere roeiße Offigiere, bie ihren Äamcraben gu Silfe 
fommen rooüten, erlitten fofort bas gleiche Gdjicffal. 

3n biefem Augenblicf gog ber betrunfene Saufe non 
ber 3^d)e hw in bie Gtabt ein. ©ie fid) gmei ölflecfe auf 
einer ©afferfläche berühren unb im Atoment eins fmb,» 
fo fluteten bie beiben Atoffen gufammen. Unter ihren 
fjiißen bic gertretenen Ceid)cn ber meißen Offigiere.- 

0rei Sage maren bie europäifdjen 3eitungcu mit auf* 
regenben Aachrichten aus bcm norbafr»fanifd:cn Aiinen« 
gebiet gefüüt. Am oierten Sage melbcte ber offizielle 



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Original frorri 

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0 i c <33 o 6 e 


Rntr~*?r 37 


Telegraph, baß cs mit öilfe meiner Gruppen gelungen 
fei, ber finge $err zu toerben. Sd)on am erften Sage 
f)atte bie fran^öfifrf)e Regierung mit Silfe aller oerfiig* 
baren ftlugfdjiffe bie nötige Truppenmaan über bas 
Rteer gemorfen. SOtit riidfichtslofer Energie hatte man 
bie Aufftanbsbemegung niebergcfd)lagen unb ben Streif 
beenbet. 

0od) taum Ratten ficf) bie (Gemüter'beruhigt, als neue 
Siobspoften aus Afrifa tarnen . . . biesnnl aus bem 
Sambefigebiet. 

Ster mar um bie nad) ^Millionen oon Sßfcvbcftärfcn 
Zählcnben Aafferfräfte ber großen Sambefifälte l)erum 
feit einem fjalben 3ahrhunbert eine gemaltigc Snbuftrie 
entftanben. 9Rit Silfe ber in unerfd)öpflid)er Stenge zur 
Verfügung ftefjcnbcn elettrifdjen Energie mürben bie 
reidjen $Bobenfd)äße, bie Grzc unb Gbelcrben t)ier an 
Ort unb Stelle burd) europäifdje Spnbifate oerarbeitet. 

Ster mar eine ber öauptquellen, aus benen bie Airt* 
fdjaft bes alten (Europa neue Kräfte fd)öpfte. öicr, mo 
bas tropifd)e Stlima bie 3at)t ber zeigen Vcoölferung 
oon oornf>erein niebrighiclt, bilbeten bie Sdjmarzen 
naturnotmenbig ben $auptträger ber inbuftricllen fiei* 
tung. Ol)ne fte märe bie Ausbeutung ber Rlincn, bie 
Verarbeitung ber geförberten Sd)äßc troß aller tedpti* 
fd)cit ftortfdjritte unmöglid) gemefen. 

3n biefem (Gebiet mar es bisher nie zu Ausftänben ge* 
tommen. 0as Rioeau ber bortigpn fd)toarzen Arbeiter* 
fd>aft mar bebeutenb niebriger als bas ber norbafrifa* 
nifdpnu Sie mar gemol)nt, mibenftanbslos allen Anforbe* 
rungen ber meißen §crren zu folgen, modjten biefe aud) 
nid)t immer gerecht fein. 

3eßt mar aud) l)ier bie fiage bebenflid). Auf eine un* 
ert(ärlid)e Aeife maren Junten bes eben in Algier aus* 
getretenen Vranbes bis I)ierf)cr geflogen unb hatten ge* 
Zünbet. 

3cßt meigerten fid) bie Sdjmarzen I)ier ganz plößlidj, 
bie größere Arbeitszeit, bie fte bisher ruhig angenommen 
I>attcu, meiter zu leiften. Aud) hier mürbe bas AMrfen 
fretnber Gmiffärc zweifelsfrei feftgeftellt. 

Schon maren bie Unternehmer unter betn 0rucf ber 
Regierungen bereit, ben Sbrberungcn nachzugeben, als 
bie 0inge eine fd)litnmc Aknbung nahmen. 3n einer 
Rad)t maren bie ftabrifen unb Afcrfe im Tfd)otigebict 
oon Ausftänbigcn befeßt unb bie meißen Akrfleitcr 
maffatriert morben. 0ic Sefahr, baß bas ganze bortige 
Snbuftriegebiet ben Akißen oerloreit ging, mar riefen* 
groß. Sd)on fal) man bie fiage als hoffnungslos an. 

0a zeigte fid) bie 3al)rf)unbertc alte englifdje Slunft, 
Slolonialpolitif zu treiben, in heüftem fiid)te. Rüt 3utfer= 
brot unb ^eitfd)e, mit oielen Verfpredptngcn itfib (fr* 
leid)terungen auf ber einen, mit brutalftcr (Energie auf 
ber anberen Seite mürbe bie Orbnung mieberhergeftellt. 
0od) maren es mieber bange Aod)eit, bie (Europa fdjmer 
bebriietten. 5^ a uunenzcid)cn maren aufge^ueft. (Ein Akt* 
tcrleud)ten hatte plößlid) bas Gemölf erhellt. Aber nod) 
tonnten es bie menigften oerftehen, ja nur alpten, mas 
biefe oorzeitig losgegangenen Signale z u bebeuten 
hatten. 

(ftmas anberes ganz Uner!lärlid)es ereignete fid) in 
biefer 3eit an ben europäifdjen Vörfen. Sangfam, aber 
unaufhaltsam fant ber $lurs ber Afticn ber (E. S. G. 0ic 
Vörfen schienen bas gemaltigc Unternehmen ber europäi* 
fdten Sieblungs*ftompagnie plößlid) mit einem gemiffeu 
Rtißtrauen zu betradjtcn. 

0as 0irettorium mürbe mit Anfragen beftiirmt. Seine 
Slusfünfte ocrmod)ten bie Sad)C nid;t zu Hären, feinen 
*_ 

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begreiflid)en Srunb fiir bas Sinfen ber Rapiere zu 
geben. 

Gins ftanb feft. 0er Anftoß zu biefer ganzen Vaiffe* 
bemegung mar non Atnerifa getontmen. 0as curopäifri)C 
Vublifunt mar bann mit Angftoerfäufen gefolgt. Aus 
bem Voll brol)te eine fiamine zu merben. 

0a fant ein Tag, an bem ber Sturz zum Stiüftanb 
tarn unb ber .(fürs fogar einige fünfte gemaitn, unt fid) 
oon nun an ganz langfam zu erholen. 

Akts mar gefdjehen 4 ? Am Abenb uor biefem Tage 
hatte um 10 Uhr eine Sißung bes 0ireftoriums ber 
G. S. G. ftattgefunben. 3um allgemeinen Grftaunen ber 
meifteit Teilnehmer mar furz uad) ber Gröffnung ber 
Sißung G>eorg 3fenbranbt in bas 3tmmer getreten. Gr 
folgte einer bringenben Ginlabung bes ^räfibenten 
Reinharbt. 

Gine fnctppe Stunbe hatte er gefprod)en. Aar im An* 
fd)luß baran fofort nad) Afiett z uriief gef ehrt. Als bie 
Rtttglicber bes 0ireftoriums nach ber Sißung bas Ge* 
bäubc oerließen, zeigten ihre G>efid)ter nichts mehr oon 
ber Sorge, bie bis bal)in auf ihnen gelaftet hatte. 

3hre ^af)Ircid)en d)iffrierten Telegramme, bie nod) fit 
berfelben Rad)t hinausgingen, zeigten, wie anbers bie 
fiage jetzt oon ihnen angcfeheit mürbe. 0er Vefucf) 3fen* 
branbts mürbe ftrertg geheimgehalten.- 

Atittagsglut laftete auf ben Ruinen oon .(laraforum. 
Unbarmherzig brannte bie Sonne auf bie taufenbjäf)* 
rigen Überrefte ber alten Rtongolenftabt nieber. 3 er 1 
fallen maren bie alten ^ktläfte, in Trümmern lagen bie 
Säufer. 9iur nod) menige ärmliche Anftebler häuften in 
ben Überbleibfein ber einftigen großen $>auptftabt. 

Außerbent noch bie Gefangenen Gollin Ganterons. 

Als öantals Acllington in Urga auftaud)te, mußte 
Gantcron fofort, baß ber Aufenthalt ber At3ittl>ufens ent* 
beeft fei, baß fy^eunbe am Akrfe mären, fte zu befreien. 
Gin anbercr ftd>crer Ort mußte fiir fte gefunben merbeiv 
unb Ganteron oerfiel auf bie alte Thingftätte ber Rton* 
golen, auf Slaraforum. öier, in ber Scf>amomüfte, fein 
oon allen Stabten, oon allem Verfeljr . . . bes mar er 
fid) fidfer . . . mürbe fie fo leid)t niemanb fud)eit unb 
finben. . n 

Rod) in ber Rächt nad) ber Gefangennahme oon Akt* 
lington war eine 'Slaramane aus Urga nad) bem 
Sitbmeften aufgebrod)en, mar oicle Tage hiuburd) nad) 
bem Sitbmeften gezogen unb hatte bie Gefangenen nad) 
Slaraforum gefd)afft. 

Seit oielen 3af)tl)unberten mar bic Stabt ein Triint* 
merl)aufen. Aber unter ben Ruinen gab es and; weniger 
oerfallene, unter ben meniger oerfaileneit einige menige, 
bie nod) erhalten unb zur Rot bemol)nbar maren. 
Ginen fold>en Vau hatte Gollin Gameron für feine G>e= 
fangenen beftimmt. 0ie ®ärter, bie er ihnen mitgab,' 
bie mürben fid) aud) nicht befted)en laffen. 0effeu 
glaubte er ficher zu fein. Satte er fte zur größeren 
Sid)erheit bod) erft nod) ben frfjmerzooiicn Tob jenes 
beftochenen Aärters in Urga mit anfehen laffen, beoor 
bie Äararoaite aufbrad). 

AkIJington gincg mit langen Schritten raftlos in 
bem oon einer h°^ e U' Rlauer umgebenen ö°f^ ihres 
neuen Gefängniffes im Greife entlang. Gr hätte ben 
Aeg aud) mit gefdpoffenen Augen finben fömten, fo 
oft mar er i!)n in biefeit letzten Tagen fd)on gelaufen. 

Sunbcrtfiinfzig Sd)rittc in beu einen Rid)hmg, menn 
er Iinfs herumging . . . huirberteinunbfitnfzig Schritte 
in ber anberen Richtung, menn er ben Jtreis an ben 
Rtauern unb Aänben rwßts herum lief. 

Original from 

PRIINCETON UNIVERSITY 



Stummer 37 


*5) i e OB o d> e 


Seite 823 



(?\r. Herbert Stiiljn, ber 
Berfaffer bcs oiclge= 
nannten Buchs „Die Malerei 
ber Cisgeit", tritt jefct mit 
einem neuen, nid)t minber 
mertnollen Buch heroor „'Die 
,$unft ber primitioen" 
(Delphin-Berlag,Blümchen). 
Dies Buch ift bie erfte gc= 
fd)ict)tUcf)c^ufammenfaffcnbc 
Darftcllung bes ungeheuren 
Stoffes ber prähiftorifdjeu 
tfunft unb ber Shmft berBa-- 
turoöltcr.'^usgchenb non ben 
mirtfd)aftlid)en Bcbinguu-- 
gen ber Hölter fommt $>er-- 
bert Kühn 311 gang neuen 
Stilgcfid)tspunltcn, bie niefjt 
nur für bie bchanbeltcn 
(öebicte, fonbern für bie ge- 
famtc SUmftgefd)id)te grunb- 
ftürgcnb fein biirften. Der 


Unten: Indianerin (Holz, 
bemalt). Insel Vancouver, 
Nordwestamerika 


Har getriebene Dejt gibt 
einen tiefen Sinblid in bie 
Anfänge ber Sunft bis 311 
ben t)od)cntmicfcIten SluI» 
turuölfern ber Kreter, ber 
Seute non Benin in *2lfrUa, 
ber Btej;ifancr unb Peru¬ 
aner. Debiete, bie bie $lunft= 
gefehlte bisher oergeffen 
hatte, toerben hier gum 
erften Blalc im 3 u tarnen- 
hang aufgefchloffcn, unb 
ein reiches, forgfältig aus-- 
gemcihltes Slbbilbuugs-- 
matcrial geigt bem £efer 
unb bem Befchaucr, meld)e 
unenblidjc Jiillc feltcnfter 
Shmftrocrte bisher faum 
beachtet morben ift. Das 
"Buch ift eine roefentliche 
Bereid)eruug unfercr Shmft» 
Iitcratur. 


Unten: Frauenfigur (Bron¬ 
ze). Etruskisch 700—600 
vor Christi 


Weibliche Tonfigur. 
Tatar Patardschik bei 
Philippopel. Neolithisch 


DIE KUNST 
DER 

PRIMITIVEN 


Unten: Gefangener 
(Ton). Calchicomula, 
Mexiko 


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PRINCETON UNIVERSITY 

























Gcitc 824 


<$> I e ©od)t 


Kummer 37 


3)iefe Siffcreng Dort einem Gd)ritt gmifchen ben beiben 
Weitungen fcf>uf ifjm unaufhörlid)es Vad)benfcn . . . 
unb biefes 5)enfen gufammen mit ber förperlidjen Vt* 
roegung öes Vunbganges hielt if)n frifd), bemahrte if)n 
oor jener troftlofen Grfchlaffung, ber Sl)cobor Wittl)ufen 
gu erliegen brotjte. 

§eiß unb immer heißer brannt« bie Gönne. Sn einem 
feßattigen Winfel bes §>ofes f)atte fidj Wittl)ufen einen 
5 elbftul)l hingerüeft, faß bort unb hämmerte oor fief) t)in. 

Wellington fto£ fpagierte unb gäf)lte habet. 

„ . . . §unbertneununboiergig ... fjunbertfiinfeig . •. 
Ijunberteinunbfünfgig . . . $errgottsf)immelbonner* 
metter, toie ift benn bas möglid) ... es bleibt bei her 
unerflärlidjen Siffereng oon einem Gdjritt. .. Allright 
. . . oerfueßen mir es nod) einmal in ber anberen Vid)» 
tung." 

Vuf bem Iinfen Vbfaß oollführte er eine energifd)e 
5M)rtmenbung. Sod) beoor er ben Vtorfdj in ber 
anberen Vid)tung micber antrat, blieb er erft furge 3eit 
ftehen, 50 g bas Sud) unb trocfnetc ftd) ben ftrömenben 
Gcßmciß oon ber Gtirn. 

Skmn ging er mieber los unb begann medjanifd) bie 
6 cßritte gu gählen. 

„ . . . Gins . . . gmei . . . brei . . ." 

Gr blieb nid)t lang beim 3ählen. Beine Gehanten 
begannen mieber gu arbeiten. 3m Gelbftgefprädje mur* 
melten feine Sippen. 

„Gefdjieht bir gang redjt, ftoj! Warum bliebft bu 
niefjt ruhig in beinern Verftecf? . . . Warum mußteft bu 
oorgeitig gu bem ipaufe laufen? . . . Warft bu babeitn 
geblieben, hätte hieb ber Gdjuft, ber Gamcron, nicht ge» 
fel>en . . . alles märe gegliieft." 

Wäbrenb er bie Worte mütenb beroorftieß, !am er auf 
feinem Vunbgang gerabc an ber Gtelle ooriiber, an her 
• Wittbufen im Gd)atten faß. Gr blieb ftel)en unb troef* 
nete fid) oon neuem bie Gtirn. 

„Gine fd)auberl>aftc $iße, Öerr Wittbufen . . . Vefferc 
Vorbereitung für bie £>öile . • . Wie erträgt 3b« 
Socßter bie tropifdje £>iße?" 

SÜRit einer matten Vemegung hob Wittbufen ben Stopf. 

„Gie bleibt faft be.. gangen Sag in ihrem 3immer. 
Gie leibet unb hofft . . ." 

„$offt?... §offt fie audj,baßSfenbranbt unsfdjließ* 
fid) aud) hier entbeefen unb bem gelben Geftnbcl ent* 
reißen mirb?" 

„Gie hofft, $err ... mir alle hoffen . . . aud) 
anbere 5«unbc bemühen fid) um uns. Vir. Gameron 
ift in geling unb mirb alles tun, um unfere grei* 
Ioffung . . ." 

„Vir. Gameron! . . ." 

Gdiarf unb hart mar $Jor bem Viten ins Wort gefallen. 

„Vir Gameron! . . . Gie glauben, baß er . . .?" 

3äl) brad) ‘Wellington feine Vebe ab. Was batte 
cs» für einen 3®ccf, fid) mit Wittbufen über Gameron 
311 unterhalten. Vlodjte ber alte Viann bie Hoffnung 
hegen . . . eine Hoffnung, bie il)n immerhin aufredjt* 
hielt, ben feelifcßen unb bamit aud) ben förperlid)en 3 u* 
fammenbrud) gum minbeften auffd)ob. 

„9lIfo hoffen mir, £>err Wittbufen! . . . hoffen mir. 
Seher Sag fann fcßließlid) bie Befreiung bringen." 

Wellington mad)tc fid) mieber auf ben Vlarfd). 
Gr marschierte, er fluchte auf bie §ißc, auf bie Gelben, 
auf Gollin Gameron, unb er erhielt fid) burch biefe bop* 
pelte Vemegung eine gute Glaftigität. 

Seßt blieb er ftehen unb bctrad)tete topffchüttelnb ben 
£>immel. ©effen ftahlblauer Glang begann einem oer* 


mafd)enen Grau gu meinen. Gdfjon feboben fid) Ieid)tc 
Gd)leier oor bie Gönne unb milberten bie £>iße. 

Wellington $05 marfchiertc meiter. ©ie Vicrtclftunben 
oerrannen unb funimten fid) gu einer Gtunbe. 3eßt mar 
ber gange §immel nur nod) ein eingiges bunfles Grau. 
Gin leichter Suftgug bemegte bie Steige ber wenigen 
halboertrocfneten Väume jenfeits ber §ofmauer. 

Vor Witthufen mad)te Wellington ftos lieber halt. 

„Gehen Gie ben £immel, §err Witthufen?" 

©er VUe bliefte empor. 

„3cb fel>e . . . Vegenljimmet? . . . Wolfen! . . . Sn 
biefer 3 ß tt • • • Wolfen über Slaraforun . . . Wolfen 
hier in ber Wiifte, in ber es oft jahrelang nid)t regnet... 
bas oerftehe id) nid)t, £>err ffo£." 

Wellington Joj ftreefte bie §anb aus unb martete. 
Gr martete, unb feine Sippen murmelten: ,,3d) glaube, id) 
oerftehe es ... Wolfen über Slaraforum... Wolfen über 
ber Gobimiifte . . ." 

©ie erften Sropfen maren it)m auf bie öanb gefallen. 

„Vcgen, §err Wittl)ufenl . . . ©iefe Sropfen! Gs 
regnet in her Wüftc!" 

Vecftänbnislos bliefte Wittf)ufen auf bie §anb oon 
$o£. 

„Vegen . . . Vegen, hier in her Wiifte . . . id) meiß 
nid)t, mic es möglid) ift . ♦ . id) meiß nicht, mas es gu 
bebeuten hat." 

Wellington $05 ftredfte beibe §änbe in bas ftärfer 
fallenbe Vaß. G)ann oollfiihrte er einen Suftfprung, her 
bem alten Slafdjgaricr Witthufen ein Sädjeln entlocftc. 

at 3h n en ber Wüftenbranö fo gugefeßt, baß her 
fühle Vegen Gie gu fold>en 5« uJ)cn fP r ängen oer** 
anlaßt?" 

Wellington ftoj fonnte nicßt fofort antmorten, meif 
er burch einen neuen 5« u &cntang ooüfommen in Vn* 
fprud) genommen mar. 

„£>urra! . . . Vraoo! . . rief er abmcchfelnb ein 
über bas anbere mal. 

„S)er Vegen! . . ." fagte er enblich, erfdjöpft ftehen* 
bleibenb. „. . . Vtann . . . Witthufen! . . . Wiffcn Gic 
aud), mo ber Vegcn Ijcrfommt?" 

Witthufen bliefte ihn ftumm fragenb an. 

„Von Sfenbranbt fomrnt er! . . . 3fenbranbts Werf 
ift bas!" 

„Sch oerftehe Gic nicht, Scrr $o£." 

„. . . Unb id) möchte Shnen oorläufig nicht mehr 
fagen . . . Vur bas eine noch, Sfenbranbt ift auf unferer 
Gpur!" • 

Gtärfcr raufdjte ber Vegen jeßt herab. Bin ftarfer 
fträfjniger Sanbrcgcn, mic ihn bie Wüfte hier feit Vien* 
fd)engei)enfen faum gefei)cn hatte. Gr grnang bie Vtän* 
ner, bas fcf)üßenbe Skid) aufgufud)cn. 

Wellington trat als erfter ins ipaus. 

Vtaria Witthufen lag auf einem bürftigen Vul)cbett. 
Sh^e Gefangennahme ... ber mißgliicfte Vefreiungs* 
oerfud) ... ber entfeßlidje Vufenti)alt hier unter ben 
gliihenbcn Gtraßlen ber Wüftenfonnc . . . bas alles hatte 
ihre Wiberftanbsfraft untergraben. Gtunben oollfom* 
mener Vpathie mecßfelten mit Vusbrüd)cn ber Ver* 
gmeiflung. 

„Gs regnet, ^äulcin ^arta! fühlen Gic nicht bie 
munberbare ftrifchc, bie ins 3 i™ m cr bringt?" 

Ginen Vugcnblicf fd)icn Vtaria JJeoboromna aus ihrer 
Vpathie gu ermad)cn. „3a! . . . Gs regnet?" 

Gie manbte ben Stopf unb hörte bas Vaufchen bes 
immer ftärfer merbenben Vegcns. 

(Fortsetzung folgt.) 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



Stummer 87 


0 i e o d) t 


Cseite 82f> 





Auf der Hühnerjagd 

Originalzeichnung von .Frtfz Koch-Gotha 


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Gck gle 


Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 
















Seite 826 


© i f o eh e 


Kummer 37 




Die Kolonie Kinnereth am Genezareth-Scc 

© a 3 neue Paläfttna 

Von D r. Georg Blumenthal — Mit sechs photographischen Aufnahmen 



£7yr 13. 8^ 
^^/niftentongrefj, 
ber in <ftarlsbab 
tagte, Ienlte bas 
Slugenmert auf bie 
Sßeubilbung bes jü-- 
bifrfjeti ©emeitu 
roefensinSpaläftina. 
$iefiiebc ber3uben 
, ? ,u ihrem ner lotenen 
Stammlanb führte 
bereits in ben ocr= 
gangenen 3ah*> 
hunberien $ur Sil= 
bung Heiner ©e-- 
ineinben, bie fid) 
aber infolge ber bc 
toegten ©efehiebte 
bes 3orbanIanbes 
nicht entroidteln 
tonnten, ©inen grö¬ 
ßeren „iRücfyug" 
(teilten bie aus Spa* 
uicn (1492) unb 
Portugal (1495) 
üertriebenen3uben, 
benen anbere aus 
Mittel- unb Oft¬ 
europa folgten. (Sine 
umfaffenbe Sloloni- 
fation begann aber 
erft, als um bas 
3ahr 1880 3uben- 
ücrfolgungen in 


Links: Herzlstraßc 
in Tel-Awiw 


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Gck igle 


Original frörri 

PRINCETON UN1VERS 
































9himmcr 37 


® tc <2B o * e 


6citc 827 







>> 




Strandlcben am Mittelländischen Meer in Tcl-Awiw. Links 
das Strandkasino. Rechts die Badehäuser 


im Oval : Das hebräische Gymnasium „Herzlia" in Tel-Awiw 


Steiniger unb uer< 


‘iRufjlanb unb Oft« 
curopa bern £cnb 
neue Slräftc au= 
führten. Sin poli« 
tifrf)es9lntlit} erhielt 
bie Beroeguttg burd) 
Sinberufung bes 
erften 3wnifteit» 
tottgreffes int 3ctl)ve 
1897 burd) ihren 
genialen Organi= 
fatorSheoborö^L 
3m 3cthr 1917 ocr-- 
fprach (fitlgaitb 
burd) bie fogennntc 
s BaIfour*$etlara-- 
tion bett Slufbatt 
einer jübifd)itatio-- 
italen ^cimftcitte in 
spalöftina ju för* 
bern unb erhielt 
in 6an 9iemo bas 
SOianbat über biefes 
£attb übertragen. 

$>ie jübifdjeit fto« 
Iottien, bie fiel) in 
bett letjten 40 3nh» 
ren cnttDirfclten, 
geigen einen 9luf» 
föamng, toie er auf 
{'einem attbereit (be= 
bict in ^aiäftina 
attgetroffcti rnirb. 


Baumschule der 
Lehrfarm Mikwc- 
israei 


mahrlofter Bobeit 
imirbe non bett juit« 
gen jiibifdjett Bio» 
liieren in frud)t* 
bares ßattb oer» 
manbelt. (betreibe, 
'©ein, Sabaf tour* 
bett angebauLOrait» 
gen«, Biattbel-*, 3*’ 
trottengärten enge« 
legt,(bartenbau uttb 
Bieh*ud)t getrieben, 
(Shauffcett unbipäu» 
fer gebaut. §eute 
fittb über bas gait^e 
£anb blühcitbe fto» 
loitieu aerftreut, 
bereu 3 a fyl ftäitbig 


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Go ugle 


Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 


/ 

















© < e 


<2B o cb t 


Kummer 37 


Seite 823 


u)äd)ft. 3)asftübti= 
fcf)c Segenftüd ftu 
biefer rapiben Ianb» 
mirtfcfyaftlidjenSnt» 
toicflung bilbet bie 
inbeti letzten 3af)ten 
aufgebaute ^Billen» 
ftabt Sel-SImim, bie 
uörblid) dou Saffa 
am9Jtitiellänbifcf)eu 
iUieer liegt unb fid) 
mit StoU „bie erfte 
bebr cif d)e Stabt ber 
3Belt" nennt 3n« 
folge ftarfer Sin» 
roanberung fdjtcfjen 
hier Käufer toic 
$i4e aus ber Srbe, 
unb eine Strafe 
entfielt neben ber 
anbcm. §ebräifd) 
ift bie Sprache, bie 
jübifdjen Bedungen 
unb 3eitfd)riften 
toerben ausfd)lie&» 
lid) in il)r neröffent» 
lirf)t.£ebräifd)iftbic 
Unterrid)tsfprad)e 
in bcn Sdjulen unb 
Jpod)fd)uIen. Sin 
totes 93oIf ermadjt 
ju neuem ßeben 

Schluß des redak¬ 
tionellen 1 eils 




xijuij'it' 

<£djtec alte: 




Die Perle 
der Liköre 



E.LKEMPE &t» 

AKTIENGESELLSCHAFT 

OPPACH VS. 


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Google 


Original ftom 

PRINCETON UNiVERSITY 





« ötfrlftt. Äctt 22- t*i2^ * 2£V 


Hummet 58 Ucrltit, öcn 22. September 1925 


2 5« Jahrgang 



O ne Ju pMttrej'eldtir JepWrailt yt lujhiMU'C 


^rd,et turnt tour vne tnwes 


De vär / Metprefant Jet yahet 


IC t/i mrtiJu ite fiuet •'ire !e p.ufiint 


Die Schrecken und Leiden des dreißigjährigen Krieges 
Aus einer Stichfolge von Jacques Callot 


33erf(egenbe Srunnen * 

id)ts bitterer als int (Elenb oergangenen Sliides ftd) 
erinnern. Uns, bie mir in einem anberen, einem 
gliicflid)eren 0eutfd)lanb aufgemaeßfen ftnb — mas 
feßlte uns an unferem Reichtum, als baß mir uns fein 
mären bemußt gemefen? B 3 ir maren reid), oßne es 3U 
miffen. Uns gehörten Hleinobiett, bie mir faum je an- 
faf)en; mir befaßen Sd)aßfammern, bie mir taum je öff= 
neten. 

Blir glaubten 31t barben, inbent mir Überfluß’ ßatten. 
(£s mar, mie bie Bifton bes 0 id)ters es faß: 

Speicher rneiß id) über jebem §aus, 

BoH non Horn, bos fliegt unb neu fid) ßäuft; — 
deiner nimmt . . . 

Heller unter jebem £of, mo fiegt 

Unb im Sanb oerftrömt ber (Sbelroein; — 

Heiner trintt . . . 

Tonnen puren Solbes, nerftreut im 6taub: 

Bolt in Cumpen ftreift es mit bem Saum; — 

Heiner fiel)t . . . 

Unb mo mir bod) naßmen unb tränten unb faßen, ba 
genoffen mir Hoftbarftes unb ßielten es für nießts. B*o= 
für ßielt es ber ''Berliner, menn er an bie Oftfee fußr? 
üßofiir ßielt es ber 0eutfcßc, baß ißm bie '©eit offen 
ftanb? nießts, für eine Selbftoerftänblid)teit. Unb 
tjeute? 0 ie Bklt uns oermauert, bie §eimat felber eine 
0cßaßtammer, 3U ber mir ben Scßlitffel oerloren ßaben. 
Unb bas Scßlimmfte; Selbft bie leßte ^Jrcißeit, bie JJrci- 

Digitized hy Google 


2$ott Sriebri'd) ftuffong 

ßeit bes Seiftes oerengt, oerfd)ränft, oerbumpft; felbft 
ber bitterfte junger, ber töblid)fte, ber junger ber 
©eifter unb Seelen nid)t meßr 3U ftillen. 0 iefc ftillfte, 
unfid)tbarfte beutfeße Sragöbie ift bie tieffte. Sic ift bas 
gefäßrlidjfte troß Butterfcßlangcn unb Hartoffelpolo- 
naifett, troß öofenböben unb Stiefelfoßlen. (Es mar 
uttfer OMaubc: Blas ßiilfe es bem Blenfcßen, mentt er bie 
gan3e Btelt gemäntte unb näßnte boeß Scßaben an feiner 
Seele? 

So mar cs uttfere Suoerfußt, baß nid)ts (Entfdjeiben- 
bes oerloren fei, folange mir uns getröften tonnten, 
aus bem Seifte alles mieber 3U feßaffen, mas 3 c tt 
unb fteinb, 0 ummßeit unb Bosßeit uns 3erftörten. (Es 
mar unfere 3uoerfid)t, baß noeß alles mieber 3U geminnen 
fei oon .ber Ießten beutfeßen Burg, oon ber Burg bes 
Seiftes aus. 

Bbcr nun ift aud) bie in Sefaßt. Bun freffen bie 
Biäufe ber Neuerung aueß i ß r bas leßtc Horn oom 
Spcid)er; nun bebroßt aud) f i c ber mit Bus- 

ßungerung; nun merben aud) ißr bie Brunnen ab- 
gegraben. 

0 a s ift bie furcßtbarc Bebeutung einer fo troefenen 
$atfad)e, mie bie allmöd)entlicße, faft alltäglicße $erauf- 
feßuitg ber Scßlüffeßjaßl für ben beutfeßen Bucßßanbel. 
Blie ben Ießten Bnfpriingen eines gemaltigen Baub- 
tiers auf ein mcßrlofes Opfer, fießt man ben Sprüngen 
biefer oerßängnisoollen Scßlüffel3aßl 3U. Bon brei Btil* 
Xioncn auf fed)$ Büllioncit, auf neun Btillionen, auf 3trölf 

Original ffom 

PRINCETON UNIVERSiTY 






Seite 830 


<3) i e <20 o d) e 


Kummer 38 


- 


Blülionert. Unb jcbc Nennung fdjoit micber hinfällig in 
bem Slugenblicf, ba fic gefeßießt. 

Grabe bic Brunnen bes (^ciftes, bic im Bud) ent» 
fpringen, floffcit uns mit einer Bcid)lid)fcit unb ftitlle, 
bie uns if)ren beliebigen Gebraud) unb Genuß faft jo 
felbftoerftänblid), fo mühelos unb fo billig mad)tcn mie 
ben G>enuß unb G>ebraud) bes Gaffers. Gin Beclam* 
fatalog roar eine unerfd)öpflid)C Brunnenfammer. Unb 
trem mären beren Sd)äße nid)t ^ugänglid) gemefen 4 ? 3 U 
allen 6älen bes Kiffens, au allen ©empeln ber Scßönßcit 
maren ßier aud) bem sHrmften unb ©iirftigften bic 
Sd)liiffcl flu Jpänben. Jyitr ein paar Pfennige befaß man 
Sd)äße. gür smei Grofcßen manbeltc man, fo oft man 
molitc, mit $auft üom $immel burd) bie Seit ^ur $öllc. 
ftiir ein paar Blarf befaß man bas §öd)fte unb ©ieffte, 
6d)iller unb Goetße, Hant unb 6d)openßaucr, bie Hlafft* 
fer ber Nation unb ber Seit, ©ie bitrftigfte Kneipe 
tonnte fid) bie Sanb mit bem gemaltigen Bad)fd)lagc* 
mert eines Honoerfationslesifons gieren. 

Unb ßeute? ©as fdjmalfte, ungebunbene £>eftd)cn 
einer Unioerfalbiicßerei foftet Millionen Blarf; eine 
Goctßc=Busgabc magt man fid) faum 311 benfen; ein 
Honoerfationslesifon ift ein BliUiarbenmert unb mirb 
balb 3U ben ©entmalen einer untergegangenen 3toili* 
fation gehören, ba fein Verleger meßr magen fann, es 
3U erneuern für eine Nation, bie cs nid)t mel)r beftaßlcn 
fann. 3n breiten 6trömen, in ftarfen ftlitffen, in taufenb 
Bäd)cn, aus Bliüionen Brunnenquellcn burd)tränftc bis* 
ßer bas Saffer bes Sehens, geiftigen, miffenfcßaftlicßen, 
fünftlcrifd)en Sehens aus bem 1 eutfd)cn Bud) alles 
beutfd)e Scfen, alles geiftige Scfen ber Seit, ©as foU 
jeßt gu Gnbe fein, ©as beutfeße Bud) ftirbt; bie 
Brunnen oerfiegen. © a s ßeißt es, menn oon einem ©ag 
auf ben anberen bie 6cf)Iiiffcl^a^l bes Bud)ßanbels um 
BüUioncn in bie §ößc fpringt. © a s ßeißt cs, menn bic 
Bereinigung miffenfdjaftlicßer Berleger crflärt, fünftig 
feine Biicßer mel)r oerlegen 3U fönnen. 

Öerrn Bcurcid) geniert’s nidjt. Gr fauft bic Biidjerci 
eines oerßungernben 6d)riftftellers auf. Gr läßt fid) 
I)intcr bie 6d)eiben feines gemaltigen Benaiffancebitcßcr* 


feßranfs eine fcßmcinslebernc Attrappe mit golbenen 3n* 
fd)riften nad) Blaß cinarbeiten. SIber roer ba meiß, morin 
bic Größe bes öeutfd)en Samens berußte, mer ba meiß, 
mas bie Gßre bcutfd)er Bergangcnßeit mar, unb moraus 
aüein eine beutfd)e 3ufunft mieber aufroaeßen fann, ber 
meiß aud), ein mic furd)tbares bas ßeißt: Heine neuen 
beutfd)cn Büd)cr meßr. ©as bebeutet ctmas gan^ 
anberes, etmas oiel ^ataftropßaleres als bas Grlicgen 
irgenbeiner 3nbuftric, als bas Bbftcrben irgenbeines 
nod) fo mid)tigen Sirtfdjafts^mciges. ©as bebeutet bas 
Bbfterbcn ber Sehens murmeln felber. Heine neuen 
Biid)er — bas ßeißt, unfere Siffenfcßaft foll in einem 
luftleeren Baum arbeiten, mo feine Btntung möglid) ift, 
mo feine Stimme meßr oon einem Arbeiter 3unt anbern 
ßeriiber unb ßinüber bringt, ©as ßeißt: Unfere ©id)tuug 
mirb ftumni. ©as ßeißt: Unfere Blufif mirb nid)t meßr 
geßört; bie Stimmen unferer Seßrenben tragen nid)t 
meßr über ißre 6tuben ßinaus, bic bod) fonft burd) bic 
gan^e Seit trugen; unfere Scrnenben merben in naefte 
3 cllen cingemauert. ©ie Seit mirb ftumm für uns; mir 
merben ftumm für bie Seit. Sic mir fic nid)t meßr auf 
uns fönnen mirfen laffen, fo fönnen mir nießt meßr auf 
fie mirfen. ©ie fd)minbelnb ßoße 6tufc oon ben fremben 
Balutcn 3U ber unferen fteßt mie eine Gefängnismauer 
aud) um bie Seit bes beutfeßen Bud)es. S i r fönnen’s 
nießt faufen; bie 5 rein ^ e will es nießt faufen; benn 
cs ift, aud) am Golb gereeßnet, aueß für ben Buslänber 
um ein Bielfad)cs teurer als früßer. 

©ie Brunnen oerfiegen. Hein ßpftcrifdjer Särm, feine 
tofenben sprotefte, feine ßirnlos fpeftafelnben Hunb= 
gebungen auf Blößen unb Gaffen, in 6älen unb Hnei* 
pen erßeben fid) bagegen. — Gin großes ftilles Sterben, 
©ie Blaffen in ben Gaffen fd)iert’s fo menig, mie ben 
£>crrn Beureid) in feinem Hlubfeffel. Bber ber Siffcn* 
ben trauriges Borred)t ift bie Grfenntnis, baß es fid) 
ßier unb ßier erft um töblid)c Bebroßung ber allerleßten 
unb allerfeinften Simpeln alles beutfd)en Scfens ßan* 
beit, um bas Berfiegen ber Brunnen beutfd)cn Sehens, 
um bas Berfiegen ber Grunbmaffer alles beutfd)en 
Sefens. 


O e g e n 8 c r.51 o t $ Q] o n 

2lun laßt bic Slot in euren ©celen ßämmern, 

'-Daß eure Ijcr^cn hart uüe (Jrifen werben, 

Mnb ßarrt in '-Demut, bis Sie £age Kammern, 

£)a Trcncn cucß Sie Meißen unb S3cfcß&crben. 

Slocß [eßreiten fcnr bureß Slacßt unb §inftcrni)Te 
ilnb mäßen taftenb uns um 5Beg unb §icl, 

Sllef feien aller Sr ben S5ittcrni)Jc 

MniJ ^ugebaeßt in Söaßn unb uürrem Cpicl. 


SB i (ß e (m £ enne m a n n 

Stnb ün)]cn boeß, co' Serben Svofen blühen 
£?luo Öorncn, bie un^ (cßmc^licß eingebrüeft, 
itnb aueß bie tiefften ?^ale ioerben blühen, 

Söcnn ßoeß bic S^littagfonnc in )ic blieft. 

5lnb gingen Öcißcl un^ unb Ö'f(ai , »cnfcttcn / 

SBir gehn ben SBcg ber ©"reue unb ber ^fließt, 
ilnb soipen uno 1 in einen §orn j;u betten, 

Oer bic Tijrannitf ade ein @la^ jerbrießt. 


Sum glauben toir unb ßarren jener ©tunben, 
öa toelfdßer Söaßn 5bie aurrc 0prcu öertoeßt 
Slnb au ß ben Ordnen unb ben blutigen Söunbcn 
Ser ©cift ber §rcißcit unb be^ 2\ccßt£ erfteßt. 


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V 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 



Kummer 38 


SH e SB o d) e 


6citc 



lildnis eines alten Juden , üemalde von Kembrandt van Ki 
Auf einer Versteigerung im Haag wurde um den Besitz eines Werkes von Rembrandt, das einen alten Juden 
darstellt und im Jahre 1654 entstanden ist, ein erbitterter Kampf geführt. Schließlich wurde das wert¬ 
volle Gemälde, das aus der Petersburger Eremitage stammen soll, von einem Berliner Kunsthändler für 
36000 Gulden erworben. Diese Summe entsprach Mitte September einem Markwert von rund einer Billion 


Original from 

PRINCETON UNfVERSITY 


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Seite 832 


0 i e ©od)e 


‘Kummer 38 


S3on S o f t o biß J3 

©ie Slufjcicfjti ungen Öce: f a p a n i f cf) c n €rt>bcben«( burefj Öen ©ettfmograpben 
Bon Diuöoff 'Berger, Qtfflftent am gcoöätifcfjen Onffttut in PotefÖam 

Mit fünf Zeichnungen für die „Woche“ von Paul N e u m a n n 


| 3*^9 mn. | Frstc I ^weita ] Äiginn • 

jacr crs^ru-Vorlpuf*f JKef£ikKo«4 ^«flcWion- ^ * ar *W«»ten Vorlawffcr 

-—,---^ W i ^ 

-- AAV^V VKV.i 

zweites Eintreffen 

HauptwelUrv HstuptwelUn- 


Abb. 1 Seismogramm vom japanischen Erdbeben 




Seismogramm vom Erdbeben in Chile (11. November 1922 morgens). Der Ausschlag der auizeichnenden Schreibspitze 
des Seismographen war, wie ersichtlich, fünfmal so stark wie jetzt bei dem Erdbeben in Japan 


genannten Vorläufer, gef)cn im fladjen Bogen burch bas Srb-- 
tnnere Ipuburd). 6ie fchmingen tongitutinal b. f). in Bid)= 
tung ihrer Fortpflanzung. 6ie roerbeit als erfte Vorläufer 
bezeichnet. Bcrben pc einmal ober toieberf)olt an ber (Erb* 
oberflätfie gebrochen, fo entfielen refleltierle BeUett. Auf bem* 
felben Bege, aber ettoas langfamer pflanzen ftrf) auch ©raus« 
oerfaltoelleu b. h* quer fd)toingenbe Bellen, bie fogenannten 
Zweiten Vorläufer fort. 

Aus ber 3rit zroifd)en bem (Eintreffen ber erften unb zweiten 
Vorläufer tann mi.n bie (Entfernung bes herbes oon ber 
6eismometerftation ermitteln. Dlertlid) fpäler treffen §aupt« 
mellen ein, bie an ber Oberfläche entlang laufen unb bie 
ÜKajimalbemegung bes Gebens ocrurfachen. ©a pd) bie 
"Bellen nach allen Dichtungen hin ausbreiten, fo tonunen auch 
bie Bellen, bie burd) beit Antipobcnpuuft ber Station imb 
ben (öegenpuntt bes herbes gelaufen pnb, auf bec 6tation 
an unb roerben hier als fogenannte Antipobemoellen aufge« 
Zeicpnet. Aud) bie nach ?afperen ber Station uub einem 
meiteren ooUeu Umlauf um bie (Erbe zum Zeiten SDlale an 
ber Station anfommenben §auptmellcn merben ootn Seismo« 
graphen aufgezeichnet. 

Sine fdjentatifche ©arfteüung bes Biechertfchen horizontal« 
Seismographen gibt Abbilbung 3. Sr ift ein umgetehrtes 


(früher ds ber Telegraph berichten lann, melbet überall, 
Q roo ein Seismograph aufgeftellt ift, biejes feinemppnb» 
lid)e 3nftnunent jebes Srbbeben, bas ein üanb heimfnd)t. 
©ant ber eigenartigen Konftruttion biefer Apparate ift es 
möglich, unter "Beobachtung ber ocrfchiebenen burd) bas Beben 
entftanbenen Bellen, bie pd) burch bie Srbe unb um pe 
herum fortpPanzen, ziemlich genau feftzuftellen, mo pch ber 
Ausgangspuntt ber Bemegungen bepnbet. 

©er Seismograph gibt ferner genaue Aufzeichnungen, aus 
benen mau bie Ipeftigteit ber Srbftöfje berechnen tann. Sehr 
intereffant ift beshalb ber Bergleich zmifchen ben beibcit hier 
in Abb. 1 miebergegebenen Seismogrammen oon ben Srb= 
beben in 3t*pun (September 1923) unb in Shile (11. Do-- 
oember 1922). Bährenb bes Bebens in Shile zeigte bie 
aufzeichneitbe Scpreibfpihe bes Seismographen einen fünfmal 
ftävferen Ausfchlag als bei bem in 3apun. 

3n Abbilbung 1 bieten mir unjeren Sefern eine Depro* 
buftion ber Oft *Beft = Komponente bes Seismogrammes, bas 
am Bteupifchcn Ooeobätifchen 3nftitut bei ^otsbam oon bem 
Biechertfchen Seismographen aufgezeichnet morben ift. 

©ic zweite Abbilbung ^cigt einen Schnitt burch Öen 
Srbtörpcr mit ben Begen ber Bellen, ©ie erften Bellen, bie 
üom Srbbebetiherb zur Beobad)tnngsftatiou tommen, bie fo= 


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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 
































9lummer 38 


g) i c 35 o cfr c 


6eUe 833 


SPenbeL Sine 1000 
Kilogramm fd)toere 
Sifenmaffe A ftef)t 
mit einer Spifce 
auf einer Unter-- 
Iagsplatte B im 
labilen (Sleicbge- 
roiibt. 93or bcm 
Umfallen toirb bie 
9)taffc baburd) ge* 
fdjütjt, ba& fie bnrrf) 
bie Stange C mit 
bem ftnieijebel DE 
oerbuitben ift, ber 
feiuerfeits ant9ifd)e 
F befeftigt ift. 9ltn 
oberen Snbe bes 
ftniebebcfs DE ift 
bie Stange G an« 
gebracht, bie eine 
Scbreibfpifce II 
trägt, bie auf be» 
ru&tem Rapier 
fdjreibt, bas auf 
ber fid) bref)enben 
Trommel J aufgc« 
fpanntift.9er92ilE 
bes ftniebebels be* 
ftefytauseinerSMatt« 
feber, bie in ben 
9ifd) F feft einge« 
fpannt ift* 

ftonunt ein Srb* 
beben oon rechts, 
fo betoegt ftd) ber 
Srbboben unb mit ihm bie Unterlagsplatte B, ber 9ifcb F 
unb bie Trommel J nad) Iints feittoärts. 9ie SOlaffe A toirb 
nidjt bctoegt, toeil fie ja auf einer Spifce balanciert. 9telatio 
au 9ifd) unb Trommel aber, bie mit ber Srbc mitgeben, lippt 
jie nad) red)ts unb ^ictjt babei mittels ber Stange C am änic« 
I)ebel DE. , 

9iefer §cbel tann nacbgeben, inbem fid) bie 33Iattfeber E 
triintmt unb ber Stab D fid) nad) rechts neigt, 9iefe s Be* 
toegung toirb bitrd) G auf bie Spifce H übertragen, bie in» 
folgcbeffen einen 9lusfcblag auffdjreibt. 9ie getriimmte geber E 
fud)t toieber in bie fpannnngsfreie gerabe Stellung aurücf» 


aufebrett unb ^ieljt 
babei bie SUlaffe A 
aUmäbltd) toieber in 
bie aufrechte Stel» 
lung aurüd. 9a bie 
Sftaffe aber fefjr 
fd)toer ift, bauert 
Das lange 3eit unb 
unterbeffeit fmb 
fd)oit roieber Srbe, 
9ifd) unb Trommel 
in ihre alte Stel¬ 
lung auriidgetebrt 
unb neue ^Bellen 
oorübergegaugeu, 
bei benen ficf) bas 
Spiel roieberl)olt 
bat. 

9ie Übertragung 
burd) bie Stange G 
ift nicht fo einfach 
toie gegeicbnet. Ss 
ift noch ein Shtie-- 
bebel eingefdjaltet, 
fobajg bie relatioe 
^etoegung oon A 
atoeibunbertmal 
oergröfcert auf ber 
Trommel J aufge» 
aeicbnet toirb. Sent» 
red)t jur 3*^^= 
ebene ift eine amcite 
ebenfolcbe §altc» 
unb Sd)reiboorrid)= 
tung oorbanben, 
fobafc man bie Srbbetoegung in ber 9ft--3Bcft*9hcbtung unb 
jugleicb in ber 9torb«Siib*9hd)tuug betommt. 

9ie feitlicbe iöobenbetoegung beim japanifcben Srbbebeit 
betrug in ^otsbarn ettoa 1 mm, beim d)ilenifd)en Srbbeben 
ooni SRooentber 1922, beffeu Seismogramm ebenfalls auf 
ber Horfeite abgebilbet ift, ettoa 5 mm. 

9a bie beiben §erbe nabeau gleid) toeit oon Spotsbam ent¬ 
fernt finb, ergibt fid), baft bas d)ilenifcbe 33eben oon ben 
beiben bas härtere toar. 9ajj bie tataftxopbale 'ffiirfung bes 
japanifcben ^Bebens größer toar, ertlärt fid) einfach aus ber 
9atfad)e, bafe fein §erb in betoobnten (öegenben liegt 



Abb 2. Schnitt durch den Erdkörper mit Darstellung der durch die Erde 
und um sie herumlaufenden Erdbebenwellen 




Schematische Darstellung 
des Seismographen im Ruhezustand 


Abb. 3. Der Seismograph während der Erschütterung 
(siehe Zeichenerklärung Text) 


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Original fram 

PR1NCET0N UNIVERSITY 







(Sette 834 


© i e <2ö o d> c 


SJummer 38 



Freilichtaufführung von Schi lers „Wilhelm Teil“ durch Schüler des Deutschen Realgymnasiums in Tiflis (Kaukasus) 


©eutfcfye -Kulturarbeit tm u d a n t) 

H^ähreitb tm ringenben T>eutfd)Ianb Varteihaber unb Va- orgtem, Rumänen, zinnernem unb Tataren, bie Sollen maren 

^ lutalauneit ihr Spiel treiben, geht braufieit im fernen alle gut befefct unb mürben mit (Eifer unb großem Verftänb« 

internationalen Ofteit beutfehe Kulturarbeit bcharrlid) ihren nis burchgefiihrt — Unter Leitung bes Oberlehrers Vaumhaucr 

erfolgreichen ©eg. T>as beutfd)e Stealggmnafium in Tiflis fattb aud) bas erftc 6d)auturnen bes beutfehen Vcalggmnafiums 

(Leiter 3)ipl.»3ng. 3aetel) mirb ooit etma 150 6d)ülern unb in Siflis ftatt (Eltern unb ftreunbe ber beutfehen Sache maren 


Schülerinnen oer- 
fehiebenfter "llatio« 
nalitcit befud)t unb 
fteüt einen Kultur* 
faftor erften Van* 
ges bar. 3n ben 
lebten 3ahreit hat 
bas Vcalgqnma- 
fium Vusläitber- 
flaffeit eingerichtet, 
bie befottbers oon 
gcorgifchett Schü¬ 
lern befuchtmerben. 
3n ber Va SUaffe 
(unferer UII ent* 
fpredjeitb) mürbe in 
biefem 3ahrc ©il» 
heim $ell gelcfett, 
unb bie Schüler be* 
funbeten ihre Vor- 
liebe für bie beutfehe 
Sprache burd) eine 
Freilichtaufführung 
bes III. Aufzuges 
non ©ilhelm £cll. 
3nfoIge befonberer 
Vcrhältniffe fattb 
bie Aufführung im 
eitgftcn Nahmen 
ftatt 2)ie Schau» 
fpieler festen fid) 
zufammen aus (£>e- 



Eine machtvolle Kundgebung des Deutschtums in Böhmen: Die Jahreshaupt¬ 
versammlung des „Bundes der Deutschen in Böhmen“ in Karlsbad 


zahlreich erfreuen. 
Unter ben (Ehren- 
gäften bemerfte man 
ben (Seneralfonful 
Uegationsrat 3)r. 
oon ©efenbonf, 
VizefonfuI Schrö« 
ber unb ben Ver- 
treter bes fernes* 
fonzcrits §cinrid) 
Vuft. ^luch Vertre¬ 
ter ber georgifd)cn 
Surnorganifation 
„Spartat" maren 
zugegen. (Es mür¬ 
ben Freiübungen 
nach SOtufi! oorge« 
führt,Varlauf,©:tt- 
fpiele ber SDlcibchen 
unbKnaben folgten, 
eine Viuftcrriegc 
turnte am hohen 
Vecf; für bie Schü¬ 
ler ber oberen 
Klaffen fanb ein 
'Preifampf ftatt, 
Kugelftofjen, §och» 
fprung unb 400 m- 
£auf. Sumerlicbcr 
ertlangen unb be¬ 
zeugten ben beut¬ 
fehen Sumergcift 


Digitii 


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PRINCETON UN1VERSITY 




Generalkapitän F. Primo de Rivera Marqu's de Estella, 
der nach erfolgreicher Militärrevolte die Leitung eines Direktoriums übernahm 

ITÄRREGIERUNG IN SPAN 


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PRINCETON UNIVERSITY 











Seite 830 


g) i > 38 o e 


Kummer 33 



Vor dem Russischen Obersten Gerichtshof des Verkehrswesens fand ein groLier KorruptionsprozeU ('egen eine ganze Anzahl 
von Eisenbalindirektoren und Beamten statt, die der Verschiebung von Bahnmaterial und der Bestechung angeklagt waren. 

Fast alle wurden schuldig befunden und verurteilt, mehrere zum Tode. Unsere Aufnahme zeigt die Bank der Angeklagten. 

In der zweiten Reihe der zweite von rechts der zum Tode verurteilte Vizedirektor der Nikolai-Bahn. Continental hhoto 

EIN SENSATIONSPROZESS IN SOWJET-RUSSLAND 




Zinaida Jurjevskaja Schloß-Atelier 

das neue Mitglied der Berliner Staatsoper, als Königin von Schtmacha 
in Kimsky-Korsukoifs Oper „Der goldene Hahn" 


Vermählung Gabriele Lenbachs Wörschimt 

der Tochter Franz von Lenbachs, m t Kurt Neven du Mont, dem Sohn des 
Kölner Kommerzienrats, in München 


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Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 














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Seite 837 


SRummer 38 



Zur Neueinstudierung der Operette von Millöcker , t Der Bettelstudent 
im Großen Schauspielhaus in Berlin. Bühnenbild des Vorspiels. Entwurf 
von Hermann Krehan 
Links: Zwei Figurinen für das Vorspiel 

'!* 

AUS DEM BERLINER BÜHNENLEBEN 

❖ 

Unten: Schlußbild aus dem neuen Manegeschauspiel im Zirkus Busch 
„Der Blumen Rache". Phantastische Impressionen nach Freiligraths gleich¬ 
namiger Ballade von Paula Busch 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 




















































Seite 838 


© i e ® oie 


Kummer 38 



Phot. J Staudt 

Der Lyriker Maximilian Bern 

starb infolge körperlicher Erschöpfung 
im 74. Lebenswahr 


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Graf Andreas Szeptycky, 

ukrainischer Metropolit von Lemberg, wurde 
von den Polen in Posen interniert 


Phot. Mocsigay 

Pastor Schmidt, Tondern, 

der einzige deutsche Abgeordnete im 
dänischen Reichstag 

Original fram 

PRiNCETON UNIVERS1TY 


Phot. Bassano 

Kommerzienrat 

W. Dederich, 

der die Expedition nach Tibet 
(Lhassa) organisierte und finan¬ 
zierte (vgl. Seite 848) 


Links: Prinzessin Viktoria 
Margarete von Preußen, 

Tochter des Prinzen Friedrich 
Leopold, starb im 33. Lebensiahr 
Phot. Mörtiner 


Phot B. J. C. 

Geh. Rat Prof. Dr. Julius 
Hirschberg, Berlin, 

einer der bekanntesten Augen¬ 
ärzte unserer Zeit, beging seinen 
80. Geburtstag 


Oben Mitte: Marschall 
Hermes da Fonseca, 

der frühere Präsident von Bra¬ 
silien, starb in Rio de Janeiro 
h hot. Bieber 




Kummer 38 


g) t * gs t> efe c 


Geite 839 



Vom Kinderfest im Berliner Zoo Ein Skizzenblatt von Fritz Koch-Gotha 
Am 9. September veranstaltete der „Berliner .Lokal - Anzeiger“ ein Kinderfest im Berliner Zoologischen Garten, das 
e ne Besucherzahl aufwies, wie sie seit Bestehen des volkstümlichen Gartens nicht zu verzeichnen war 


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Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 













(Sette 840 


© it OB o d> t 


Kummer 38 



Filmvorführung auf Ozeandampfern: Die elegante Halle des Hapagdampfers 
„Albert BaUin'* wird abends in ein Burdkmollieater verwandelt. Links: An Bord 
des „Albert Ball in“. Von links: Dir. Schlesinger (Ufa), F. von ZobeltUz Isitzeud 
i rau Dr. Votlbchr zwei bekannte Mitarbeiter unseres Verlages, Kapt. Hefele, Dr. Vollbeuc 


Lin Flieger dcnkmal auf der Wasser¬ 
kuppe in der Rhön: Das Denkmal des 
Ringes deutscher Flieger am Tage der Weihe. 

(Aufgen. mit Zeiß-Tessar) 

BILDER AUS ALLER WELT 

Rechts: Ein Dienstbriefkuriosum. Die 
Behörden benutzen, da nicht rechtzeitig durch 
Überdruck der kleinen Postwertzeichen ge¬ 
nügend hohe Werte geschaffen worden sind, 
bogenweise die alten Marken. Der hier ab- 
gebildcte Eilbrief eines Reichseisenbabn- 
werkes war, um das Porto von 250000 Mark zu 
erreichen, mit einem Paket Marken umhüllt 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 

















9iummct 38 


0 t C <23 o d) f 


6citc 841 


bt# 

Aomau oon J£ans Domini Jo 

14. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


Söfaria fattf rutcbei: in ißrc alte Scilnaßmsloftgfeit 
3 uritcf. ftoj; überlegte einen 9lugenblicf, mie er ißt bic 
ftoßc 9tad)ricßt betbringen fönnc. Sr fürdjtetc, baß ein 
all^u jäßet Untfcßmung ber Smpfinbungen il)r Sefaßt 
bringen fönntc. 

0 ic ffeine firgiftfcf)e Wienerin Marias ßufd)te an il)m 
oorbei uitb beugte fid) 3 U ißr. 

„Sin gutes Mittel für bic tränte §errin! Sin Mittel 
gegen bic ftopffcßmet 3 cn. Sin burcß 3 ießenber fartifrfjcr 
Öänbler gab cs mir . . . Ss mirb ber öerrin I>elfcn. 
Sr fagte, es muß fo gebraud)t merben, toic es babei ge= 
fd)riebcn fteßt." 

StRit einer tniibcn §anbbcn>egung mehrte SDiaria bic 
Wienerin ab. 

93ei ber Nennung bes fartifdjen öäitblers l)atte Wel* 
lington fto£ aufgeßoreßt. Sr feßritt an bic 9tußeftättc 
ßetan unb naßnt ber ftirgiftn bas ^äctd>en aus ber $>anb. 

„Seß! 0eine öerrin ift miibc. 3cß merbc cs ißr 
fpäter geben!" 

Äaum ßatte bic Wienerin ben 9iaum uerlaffen, fo 3 er= 
riß er mit fieberhaften öänben bic Umhüllung, (fine 
Subc non ber ißm fo gut betannten ffornt fiel if)m in bic 
Öanb. SDiit fd)ncllcn Stiffen Iöfte er ben 3cttel, &cr P c 
umhüllte. 

„9ln Wellington o&cr &ie, bie es befommen! 

öeutc nad)mittag um 5 Uf)r 30 Minuten müßt ißr ben 
Snßalt ber $ube in ein Waffergefäß in eurem 3intmer 
feßütten." 

0er Settel in SRafcßinenfcßrift. Hein Stauten bar= 
unter. 

Sd)on rnollte Wellington $o£ feiner ftreube } n netten 
6 priingeit Suft rnadjen, als fein SMicf auf Sttaria fiel. 
Öallo, alter goj! Stießt 3 U ftitrmifcß. Sriitg es ihr 
langfant bei. 

„C^in ooqiiglicßes Sic 3 ept! . . . (Sin brillantes Stc 3 ept!" 

„Was ift’s?" 

0 er alte Wittßufcn tnar 3 U ißnett getreten unb ließ 
ftd) auf beut Staube non SJtarias Säger tticber. (Sr ergriff 
ißre $änbe unb ftrcid)elte fte leifc. 

„Was ift, S>ater? 0u feßauft fo froß?" 

„ 6 pred)en Sic ineiter, öerr ftoj; * . . 6 ic merben cs 
beffer fagen tonnen. 3 d) . . . id) . . . fann nur aßnett 
. . . bie froße S 3 otfd)aft ... bie 6 ic fagen tnerben." 

,3110 gräulcin Sltaria! . . . öicr ift bas befte SJtittcI 
gegen 3ßre Stopffcßnter^en, bas es in ber Welt gibt." 

„Sic tennen bas Mittel?" 

„3amoßl! . . . Stur 3 U gut, ffräulcin SJtaria . . . (Ss 
roirb l)ergeftellt unb oertrieben . . non meinem ftrcuitbe 
Seorg 3 fenbranbt!" 

Sltaria crßob ftd) halb non ißrem Säger. 3ßre klugen 
toanberten ^toifeßen ftoj: unb ißrcitt 'Batet ßin unb ßer. 

„Bott 3 fcnbranbt? ... Was iffs", brängte fie. „Sagen 
Sic es, öerr ftoj! . . . Was fdjicft uns Seorg 3fctt= 
branbt?" 

ftos lächelte fpißbübifd). 

„0as Mittel, um Sie non 3ßrcn ftopfftfjmcqen 
unb . . . uns aus ber Sefangenfcßaft gu befreien . . . 
(Sr fclbft ift gefommen." , 

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SJtit einem bittet erßob ftd) SJtaria Jcoborotona oo(I= 
ftiinbig non ihrem Säger. 

„(Sr ift gefommen? . . . Seorg 3fenbranbt ift ba?" 

Slüe SJtübigfeit . . . alle (Srfcßlaffung mar non ißr gc= 
mid)en. Sic eilte 311 t $iir. 3ßre klugen fueßten for* 
feßenb burd) bas fahle Stau. SJtit gierigen ^temjügen 
30 g fte bic frifdje ftüßle in ißre S3ruft ein. 

„Sein SBote! . . . 0er liegen!" fagte Wittßufen. 

Sötaria breßte ftdj um unb feßaute ißren 'Jkiter fragenb 
an. 

„Wann fomntt er felbft?" 

Sin freubiger Oblan# lag in ißren ‘SMugen. Sin leichtes 
Slot bebeefte bie blaffen Wangen. 

„‘iBalb, Hinb!... 33alb fommt er unb bringt uns ftnü 1 
ßeit." 

Sin 3rttern ging burd) SOlarias ©eftalt. Wittßufen 
naßm fte in feinen $lrnt unb fiißrtc fte 3 U ißrem Säger 
3 uritcf. 

„ 3 uoicl bes ©uteix! S)htt, .^inb! . . . SOlut!" 

W^oIfenbrud)artig ftrömte jeßt ber liegen ßerab. Sd)on 
bilbetc ber gan 3 C $of eine einzige Sadjc. 3tnntcr biU 
fterer, jeßt nid)t nteßr grau, fonbern faft fd)mar 3 , 
ballten fid) ntafftge Wolfen unb goffen ben fcßroereti 
Stur 3 regen auf bas Sanb. 

„O Sott, mas für ein Unmetter!" 

„Sin Unmetter, bas uns bie Rettung ... bie ftnü* 
ßeit bringt." 

„ . . . Slann ein ^ölenfd) Sturm unb Wetter fenben, 
mie er mill? Winb unb Wetter fd)icfeit? . . . (Erinnern 
<5ic ftd), §err Wir fprad)cn auf ber ftaßrt oon 

Orcnburg nad) ^ergßana bariiber. Ss mar ber ^unft, 
an beut bic fünfte 3 ßres 5 reun ^ cs oerfagten." 

„ 0 amals, ^räulein Farial" 

„Unb ßcutc?" 

„Unb ßcute ift cs . . . oielleicßt anbers." 

Sine fur 3 e ^aufe bes 6 d)mcigens. Unterbrod)cn burd) 
fd)merc 0 onnerfd)läge unb guefenbe ^Bliße. Snmittcn 
ber ftrömenben liegengüffe tarn ein Semitter oon itner= 
ßörter Störte 311 m ^lusbrud). Ss gab dJUnuten, in beneit 
ein ^Bliß bent anbereit faft unmittelbar folgte, in benen 
bas Sollen unb ©rollen nid)t 3 ttr 'Diuße tarn unb jebe 
iRebe unmöglid) mar. 

3n einer ^aufe bes Kobens ber Slementc fprari) 
9)iaria. 

„0as SBlatt in bent ^äefeßen trägt feine Unterfdjrift.. 
feinen kanten . . . finb Sic fo fteßer, baß es oon Sßrem 
fjreunbe fommt?" 

„Äein 3 ^^^!^ 5 r ^ulcin Sölaria." 

„Warum ßat 3ßr 5 reun ^ feinen Planten itidßt baruntcr 
gcfd)ricben?" 

„Weil es nicht gut . . . nicht flug ift, bett tarnen 3fen* 
branbt in bas Sanb ber Selben 31 t tragen . . . 9iid)t gut 
für beit Präger ber "Botfd)aft . . . aud) nid)t gut für 
bie, an bie bie 93otfd)aft gerießtet mürbe . . ." 

Sin neuer 0onnerfd)lag unterbrad) feine 9tebe unb 
ließ bas gan 3 e Sebäube bis in bic Srunbfeften er 3 ittern. 
Srfcßrecft brängte ftd) SOftaria an ißren "Bater. 0ic flcinc 

Stirqiun tarn micber in ben 9taum. 9krftört unb ßiife= 

ö Original fren J 

PRIINCETON UNIVERSITY 



Sette 842; 


® I e o 6 e 


STCummct SS 


fucßenb. ©as Unmctter fd)ien ben Weltuntergang cin- 
guleiten. 

3 cßt mar es gang bunfel in bem 3 i mm er. 9tur bie 
'©li^e marfen burd) bie fleinen, f)od) unter bcr ©ecfc lic= 
gcnben Jcnfter it)re jäl)en, bläulichen Sicflc^e. 

Wellington Jo£ allein blieb ruhig unb äußerlich me= 
nigftens unbcmegt. lieber gog er bie Uhr. 

„3n>angig Minuten nad) Jünf." 

Sn einer ‘ißaufe groifd)en gmei ©onnctfcßlägen Hangen 
bie Worte burd) ben 9iaum. 

©er Stegen begann jeßt milber gu fallen, Slus bem 
Wolfcnbrucß mürbe ein einfadjer Sanbregen. 

Sing bas Unmetter feinem Snbe entgegen? Sollte 
ber 91 ufruhr ber Slemente cbenfo jäh gur 9Uil)e fommen, 
mie er ausgebrod)en mar? 

Seltener mürben bie ©onnerfd)läge, feltcner bie 
guefenben 93liße. 9lber bic £>elligfcit im 9taume mürbe 
nid)t geringer. 9lud) jefet nod) fiel Sicht burd) bie 
Jenfter. 

©er £>intmel felbft festen gu leuchten. 

Wellington Jos lief bis an bie $oftiir. Sr ftreefte 
bie £>änbe in bcn liegen unb gog [ic mit einem 9lufid)rei 
guriief. Slochenbes Waffer mar lf)m barauf gefallen unb 
hatte ihn oerbrüht. 

Sr fel)rte in bas 3innncr ^urücf unb rieb fid) bie 
fdjmcrgenbe öanb. Spürte babei, mie bic Wärme aud) 
im 3 i™nier gunal)m. 

9?ad) ber Sonnenglut bes £ages hatte ber erfte fd)mere 
Wolfcnbrud) angenehme Fühlung gebracht. 3eßt be= 
ganneit bic Jlutcn gu fteben unb gu fodjen. 

Wellington Jog fah au f bic Uhr. 

„halb fed)s!" 

9)tit fdjncllcm Sriff löftc er bcn 9>erfd)luß ber £ubc, 
fd)iittetc ben ganzen Snljalt in ben Stntg, marf aud) bie 
Sube nebft ©ecfel hinein. Srat bann mieber gu ben Witt* 
l)ufens. 

Ss mar jeßt fyU im Spinner. Wie Jener leuchtete ber 
Simmel burd).bie Jenfter. Someit bas Firmament burd) 
bie fleinen Öffnungen gu überfein mar, fd)ien es in 
Slammen gu ftel)en. 

9tod) einmal magte Wellington Jot; ben S>ang bis gur 
Softiir. Sd)on auf bem Jlur oom 3tnuner bis gum $ofc 
fd)lug if)m briiefenbe Sitje entgegen. 

©ann ftanb er einen 9lugenblicf an ber geöffneten $ür 
unb fal) ... mie aus bem Waffertegcn ein Jeuerregen 
gemorben mar. 

9tid)t mel)r Waffertropfcn . . . aud) nid)t mcl)r fod)en= 
bes Waffcr ... bas !lare Jeuer fiel in 9iegenform oom 
Simmel l)erab. Soldjcn 9lnblicf mod)ten bie 93cmol)ner 
Pompejis gehabt hüben, als bcr SBefuo ihre Stabt begrub. 
Sold)en 9lnblicf bie 93emol)ner oon Sobom unb S>o- 
morra, als ihre Stabte im Sd)mcfclregen gugrunbe gingen. 

©ie brennenbe hifcc trieb ‘Wellington Jo£ ^uritef. Sr 
fd)lug bie fdjmcre 93 ohlentür hinter fid) gu unb eilte über 
bcn Jlur toieber in bas 3immer. 

Srfrifdjcnbe Stühle umfing ifjn hier. Sr bliefte nad) 
bem Sifcf). 

Wo er oor turpem nod) bcn Strug gefcl)cn hatte, lag 
jeßt ein gemaltiger nraffioer Sisblocf. Sraue 9tebcl um* 
mailten ihn, liefen über bic £ifd)plattc, fielen fd)mcr gu 
93oben unb mogten burd) bas 3i nune r, um an ben Wän* 
bcn langfam eniporguftcigen. 9?ebel, bic eine l)erbe Stätte 
burd) ben ganzen 9taum uerbreiteten. 

Wellington Jos gcbad)te bes Sagcs, an bem er Seorg 
Sfenbranbt oor einem äljnlidjcn ^roftblocf in Wiernp 
engetroffen fjatte^Sr bachtc- an bic Srflärung 3fcn= 
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branbts bantals, baß hier nid)t nur bas Waffcr, fonbern 
bie 2uft felbft gefriert, ©aß Weltraumfälte oon biefer 
Stelle ausging . . . unb er begann bcn ^ßlan bes 
bes j$u begreifen, ©a braußen tobte bie Wut bes ©pno* 
tl)erms, ließ Jener oom Simmel fallen unb oernid)tete 
alles ßeben, fouicit es in ben Ruinen oorf)anben mar. 
Sier brinnen bei if)ncn in biefem flcincn ^Raunte arbeitete 
bic 93iad)t bes 9lntibi)notf>erms ber CSlut entgegen unb 
fcfjitßte ihr ßeben. 

Sr trat an bic Jenftermanb unb berührte fie. Sie mar 
brennenb heiß. $on außen t)er brang bic Slut burd) 
bic ftarfen dauern, bis fie l)ier burd) bie Jroftfdreier 
gebrod)en mürbe. 

93lit munberbarer genau abgemeffener S>enauigfeit 
ooll^og fid) bas Spiel unb Scgcnfpicl ber 9 äefenträftc 
unb ließ in ber brennenben unb oergliibenbcn Ruinen* 
(labt l)ier allein einen Ort, an bem bas ßcben bauern 
unb ben allgemeinen Untergang übcrftel)en fonnte. 

93iit Staunen unb Srauen faben bie Singefd)loffenen 
bas furd)tbare Sd)aufpict. 3l)tc Sippen maren längft 
oerftummt. 9lud) bem fonft nie um Worte oerlegenen 
Jojq fehlte bie Sprad)e. 

öätte bas SBlatt mit 3fcnbranbts Worten nidßt oor 
ihnen gelegen, fie f)ättcn geglaubt, ber jiingfte Za$ brädje 
t)ercin. 

Sie faßen unb fat)cn mie gelähmt bas Jurdjtbare fid) 
ooll^iel)en. 

Wann mürbe cs enben. 

llnabläffig fiel bas Jener bis es nad) langer 
3 cit fd)mäd)er mürbe. 

9iur nod) matt glänzten jeßt bie Jenfteröffnungen. 
S>an^ allmäßlid) ging bort ber gelbe Sd)immer in einen 
grünlichen über, tiefer mürbe bas Srün unb fpielte ins 
^LMau hinüber. 

Sine 9 $iertelftunbc . . . unb bann nod) eine. 

Sin S>cräufd) fd)rcdftc fie aus il)rer Srftarrung empor. 

Sin staffeln an ber 9lußentiir. Sin foltern, als ob 
fie in Krümmern ^ufammenftiir^te. 

©ann Sd)rittc auf bem Jlur. 

©ic ^iir ^ura 3 i mill ^r mürbe aufgeriffen. 9lotgolben 
flutete bas £id)t ber 9lbcnbfonne in ben 9taum. 93 or 
ißnen ftanb S>corg 3fenbranbt. 

„hurra! S^ercttet!" fd)ric Wellington Jo£. 

SCRit erhobenen Firmen eilte Sßeobor Witthufen auf 
bcn fetter gu. 

©od) ber fah fic beibc nicht. Seine klugen maren auf 
90taria gerid)tet, bie jeßt mie unter einem inneren 3 u>angc 
auf ißn gufeßritt. 

3h^e hänbe oerfd)langen fid). 3h^ 33Iicfc oerfenften 
fid) fcfunbenlang ineinanber. 

„9)Iaria! . . . ;/ 

„Scorgl . , /' 

* . * 

* 

9)ir. Saroin ftreiftc nad>ben!lich bie 9lfdje oon feiner 
3igarre. Sein 93licf glitt über bic 9Ibl)änge bes 9Ratteo* 
ftoefs unb bic blaue Jlut bes Stillen Ogcans, um bann 
an ber S>eftalt oon Wellington Jo£ l) a ßcn gu bleiben, 
beffen profil fid) fd>arf gegen ben agurfarbenen §immcl 
abl)ob. 

9lnbers als bamals in Wicrnt) blidte Jrancis Saroin 
heute auf ben Sournaliften, ber in Iäffiger Haltung auf 
ber fdjmalcn 93aluftrabe faß unb oergniigt mit bcn 
deinen fd)lcn!ertc, als hätte er eben irgenbeine Gelang* 
lofigtcit gum beften gegeben. Sd)on bcr gute Junior, 
mit bem J 05 feine Abenteuer in ilrga unb $?araforum 
crgäßltc, h^tte bem füßlen Sefchäftsmann gefallen. Sin 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



Kummer 88 


^ I e o (b 


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Mann, ber mit folgern Sleicgmut oon fd)rocrftcn 2cbens» 
gefahren fprad), muffte bod) etmas anbercs fein, als Sar* 
oin bet betn erften §ören non beffen tarnen gefürd)tet 
Tratte. 

„Unb niemanb gat auger 3gnen beizeiten bic fegmere 
Sefagr ernannt unb entbeeft, bic unfer 2 anb bebrogt?" 

„fteine Seele! id) bem Mcifter unferes Weigen 
Orbens gier in Srisfo bie nötigen Mitteilungen maegen 
molltc, feierten fte gerabe bas goge $eft bes §oUunber* 
marfs . . 

Saroin fegaute ign fragenb an. 

,/3Bas? . . . Was ift bas?" 

„9ßas bas ift, Mr. Ooaroin. (Ein $umbug in 9tein= 
!ulhtr, ber aber non ber an ftd) guten unb gefunben 
Organifation niegt ju trennen ift. 3>er Meifter gatte 
gerabe bie 3«emonie beenbet, als icg ign um eine Unter» 
rebung bat. 

3 cg gäbe feiten ein fo erftauntes Seficgt gef egen, mic 
bas non . . . parbon, icg barf 3gnen ben tarnen nid)t 
nennen, ba Sie 
niegt Mitglieb 
ftnb . . . (Ein fo 
erftauntes Seficgt 
bei einem Manne, 
ber bod) fonft als 
!luger unb euer* 
gifeger Spolitifcr 
befannt ift." 

Saroin Iacgte. 

„Unb meiter?" 

„3dj mugte es 
bemunbern, rnie 
fcgnell unb riegtig 
er bann aber bie 
6 ad>e anfagte 
unb feine Mag* 
nagmen traf, 3)a 
mar es im^lugen* 
bltcf mit all bem 
fomif egen 9Sei* 
mer! aus." 

„Würben 6 ie 
ni(gt baraufgin 
um brei^egn unb einen galben (Srab gtnauf beförbert?" 

„Stopp, Sir! Wenn Sie geut in fed)s Wod)en noeg ftnb, 
mas Sie geute ftnb, merben Sic es nid)t in Iegter 2inie 
bem Weigen Orben unb feinen $olIunbermännern oer* 
banfen. Wer unferen Orben mit ben alten £u=$lus* 
£lan* 2 euten oor gunbertfünf^ig 3 ogren oermcd)felt, ber 
befinbet ftd) in einem ferneren 3 ^rtum. 3)ie Carole: 
„iReingaltung ber roeigen SHaffe" ift biefelbe geblieben, 
^lucg oicle oon ben mittelalterlid) anmutenben Se* 
bräud)en unb 3 cremonien gaben ftd) noeg ergalten. 9lber 
ber (Seift ift ein gan$ anberer gemorben . . . unb anberc 
SBegc ocrfolgt er 31 t feinem 3n ben fommenöen 

Wocgen mirb er bic {Jeuerprobe beftegen . . ." 

Saroin miegte in leifem 93ebcnfen bas meigbufd)ige 
£aupt. 

„ 3 cg bc^meifle bie 9iid)tigfeit 3 gtcr Mitteilungen niegt, 
lieber {J 05 . 0od) möd)tc es mir fd)einen, als ob Sic bie 
(Sefagr boeg als 3 U grog anfegen . . ." 

Wellington {Joj beutete mit ber £>anb auf bie blaue 
Stufte. 

„Meine 9lnfid)t ift bie, Mr. (Saroin, bag cs fteg emp* 
feglen bürfte, 3 g*e 3 acgt fagrbereit Sag unb 9tad)t gier 


benn, bag 3 gte 2 iebe ju §elen nid)t fo grog märe, als 
meine . . ." 

„Was ift mit $elcn? . . . Was foll ipelen? . . ." 

Mit einem Sprunge mar £>clen über ben Marmor» 
hoben gin auf bie beiben flugeeilt. {Jo£ glaubte, fte molle 
igm um ben §als fallen, füglte fteg aber mit einem energi* 
fegen 9\ud nad) oorn gezogen, bag er beinage mit ber 
9tofe ben 93 oben berügrte. (Ein fräftiger ft'laps oon §eleits 
Heiner öanb bemies igm no<g näger, bag er mit feiner 
erften Vermutung im 3 rrtum gemefen mar. 

„Wellington! . . . Was bift bu für ein fiircgterlicgcr 
Menfcg! . . . £>u figt ba auf ber 93aluftrabe mie in einem 
Stlubfeffel, mägrenb es ginter bir fünfzig Meter in bic 
Siefe gegt. Unb bu, Spa, fiegft bas mit an?! . . 

5)er alte (Saroin fd)mun^elte. 

,,3d) gälte Mr. {Jos für oiel 3 U Hug, um gier l>erunter* 
3 ufaUen . . . Unb menn er's täte, mürbe es igm magr* 
fd)einlicg aud) nid)ts fegaben." 

„?al . . Hang es oormurfsooll aus §clens Munb. 

„S)u bift gäglid)! 
Wie tannft bu fo 
etmas fagen. 3 d) 
meine, bu foütcft 
boeg jegt anbers 
über Wellington 
benfen." 

„Sue id) aud), 
meinliebes£inb! 
Meine £>ocgacg» 
tung ift, bas ge» 
ftege id) offen, 
immer megr ge* 
ftiegen, je länger 
id) ign fennc. 
3 egt bin icgfd)on 
beinagc fo meit, 
bag id) aud) bas 
groge (Sefd)äft, 
bas er mir ba* 
mals in 9lusfid)t 
ftcllte, nid)t megr 


Kunstverlag August Scherl 0. m. b. H., Berlin. 

„Pflügender Bauer“, Radierung von Erhardt Erdmann 


für eine {Jata 
•btorgana gälte." 
(Einen Slug für 


unten 3 u 3 gter ükjfügung Iie^cfi 

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^enugung Ite^en 3: 

Gougle 


3 U gaben ... (Es fei 


„Og, mic freue itg mid) bar über, ^3a! 
bid) unb 3 mei für Wellington!" 

„§elen! Cbib beinern iBater aud) nod) ben 3 meiten unb 
bitte aud) bu ign, bas 31 t tun, um bas icg ign gebeten 
gäbe." 

„Was mar bas?" 

„9Ud)ts für bid), Heine §elen!" 

„Og, fegon Segeimniffe oor mir? Slber §elen ift nid)t 
neugierig.- *?>a! S)u mirft es tun, um mas Wellington 
bieg bat." 

,, 3 d) roerbe es tun!" 

§elen fiel igrem ^ater um ben £>als. 

„ 2 icbfter, befter ^3a! 0 afiir befommft bu nod) 3 mci 
Slüffe." 

* 

3n ber 9lcbaftionsftube bes Jrtsco 93lac! §eralb fag 
bas fd>roar 3 gelbc Mifcgblut, ber 9\ebafteur 3ognfon, in 
einem oon ben Motten reid)licg angefreffenen ^olfter* 
ftugl. 3gm gegenüber ftanb (EoIIin (Eameron, ber es oer* 
fd)mägte, fid) ber 3 tocitcn ägnlid) üblen Siggelcgengeit 
3 U bebienen. 

„Sut, bag Sie fommen, Mr. (Eameron! §ie Arbeit 
in ben legten Wod)en mar fiircgteT.pd^. Sic gat oiel 

PRI1NCETON UNIVERSITY 





SeUTTii 


® i c ^ d d) C 


9?ummcr 38 


Seßmeiß geduftet . . ." (Er fußr fid) mit einem außer* 
gemößnlid) fdjmierigcn CEafdjcntud) über bie naffe 6tirn 
. . . „Hub (Selb . . . oiel Coelb . . ." 

0abei marf 3ttr. Soßnfon eine fdgabßafte ®ricftafcf>e 
auf ben £ifd), ber bie abfolute £eere aus allen £öcßern 
gäßnte. 

„Sdjon gut!" 

(Eoüin (Eameron gog ein Sdjccfbudj aus ber £afd)C, 
riß ein Formular heraus, füllte es mit einer ßoßen 
Summe aus unb legte es t>or fid) ßin. 

„Berid)ten Sie! Bber oermciben Sie jebe . . . aud) 
bie fleinftc Unricßtigfeit." 

Blr. Soßnfon oerrenfte fidj faft bie klugen, um bie 
Summe auf bem Sd)ecf gu lefen. 0ocß ocrgeblicß. ÜNit 
einem Scufger lernte er fid) in fein Stußlmracf guriicf. 

„0as Programm, bas mir bei Syrern leßten Befuri) 
auffteüten, ift erfüllt, 9lud) bie früßrer . . . Smitß uon 
beit Blortonmerfen, Beffcls neun öafen unb Bauen) finb 
gemonnen . . . mar feßr foftfpielig . . . fcl)r foftfpielig." 

/ ,‘2öirb 3ßr Bnßang biefen Jyüßrern aud) unter oer* 
iinberten limftänben folgen?" 

„01) . . . menn Smitß, Beffels unb Bauen) rufen, 
bleibt feiner guriicf. 0cneu folgt bas ^3olt burd)s fteuer." 

„0ic Waffen?" 

„Unferc Säger finb gefüllt . . . fönnen jebergeit auf 
bie SBe^irfe oertcilt merben. 0as öafenoolf befiijt fd)on 
genügenb Baffen." 

„3ft mas oom 'Beißen Orben gu fiirdjten?" 

(Ein Cbrinfen uergerrte bas Coeftdjt 3oI)nfons. 

„0er Beiße Orben? . . . 0er feiert feine ftefte . . . 
Sein Blarf'ift nießt fefter als bas bes öolJunbers, feines 
Bappenbaumcs ... (Er rnirb mie afle anberen über* 
rumpelt merben." 

„0er '$lan für ben 6. 3uli ftel)t feft. (Erftes $\d ift 
ifiob £>ill. 0as locft aud) bas meiße Cbefinbel . . . binbet 
Blilitär unb ^3oli^ci . . . 

0ie $auptmaffe bcmäd)tigt fid) mäßrenbbeffen ber 
5ffentlict)en (E>ebäube unb ber glugftation. Sie haben 
bie Siftc ber prominenten Seute, bie fofort als (Geißeln 
gefangengufeßen fmb." 

3oI)nfon niefte guftimmenb. 

„Bo Biberftanb geleiftet mirb, fein 3 ö gern unb feine 
Schonung!" 

„Allright, Sir! . '." 3oI)nfon zögerte einen Bto= 
ment. . . . „Bie ift’s mit ben Sd)iffcn unb Jyluggeugen, 
Bfr. (Eameron?" 

„Sic fennen bie £aftif. 3nuner meiße Coefangcne unter 
bie Trupps nehmen! 0ann mirb man nid)t mögen, gu 
fd)ießen." 

„Allright, Sir!" 

„3ft fonft nod) etmas?" 

„3a, OTr. (Eameron." 

„Bas benn?" 

„0as Coelb!" 

(Eoüin (Eameron beutete auf ben oor ißnt fiegenbeu 
5d)ed unb griff tiad) feinem öut. 

„6icr, 9Jtr. Soßnfon! 3d) gel)e nad) Souifiana. Bor 
bem Baßltag bin id) nod) einmal I)ier." 

Ol)ne (£>ruß oerließ er bas ftimmer. Bod) eße fid) bie 
Sür gefcßloffcn ßatte, fd)oß Soßnfon auf ben Sd>ecf gu. 
vOiit gierigen klugen überflog er bie Summe. (Eine ge* 
miffe (Enttäufd)ung malte fid) auf feinem ©efidit. 

Blr. 3ol)nfon ßatte bie fefte Überzeugung, baß fein 
B»rfcn beffer gu beloßnen fei. 3unnerl)in fdiob er bas 
Rapier befriebigt in bie S13rieftafd}e unb fd)miebete babei 
oufunftspläne. 

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Gougle 


„Bfit bem übrigen gibt es eine l)iibfd)c runbe Summe, 
bie langt, um ben SBlacf $eralb gu taufen . . . menn bie; 
Affäre oorbei ift." 

Bur ber Coebanfe, baß (Eoüin (Eameron an berfelben 
Affäre mal)rfd)einlid) oicl, oiel meßr oerbiente als er, 
bebriiefte Bk. 3oßnfons fonft fo meites (öemiffen. 

. * 

0ie Baßlfampagne um ben Cöouoerneurpoften oort 
Suifiana mar feit Bod)cn im Coange. 3c näßer ber 
Baßltag fam, befto erregter mürbe bie Stimmung, fließt 
nur ßier, fonbern in allen Staaten ber Union. 

(Eine entfdjcibenbe mußte bei biefer Baßl gum 

Bustrüg fommen. (Es ßanbelte fuß biesmal nid)t einfaeß 
barum, ob biefer ober jener Stanbibat bas Bmt bes 
Cooitoerneurs erßalten füllte. 0ic 5 ra 9 e bie . . . 
Biirbe ein fd)marger Bürger ber Union bas ßöcßfte Bmt 
eines (Eingelftaates erßalten unb aud) ausiiben fönnen? 

Bor breißig 3aßren ßatten Kongreß unb Senat bie 
ftarf umfämpfte 3efferfon=BiU burd)gebracßt, bie ben 3en=- 
tralparlamenten ber Union bas Beftätigungsred)t für bie- 
Obouuerneurspoften ber eingelnen Staaten oerließ. (Es: 
mar ein mid)tiger Scßritt auf bem Bege oom ftöberatio* 
gum 3entralftaat gemefen. 0ie BiU gab ben 3 c ntraf* 
Parlamenten bas Bed)t, Baßlen gu beanftanben, gegen 
bie ein mcfentlid)es Staatsintereffe geltenb gemadjt 
merben fonnte. 

0ie näcßftliegenbe ffrage mar bie: Biirbe ber feßmarge- 
Hanbibat 3ofuaß korben bie Stimmcnmeßrßeit erßalten?' 
0as ftanb auf bes Keffers Sdjneibe. 0ie 3 a ßl ^cr 
meißen unb fdjmargen Stimmbered)tigten bes Staates 
mar faft genau gieieß. Jyür Parteien mußte es 
barum geßen, ben leigten SÜlann an bie Baßlurne gu 
bringen. (Ein ungemößnlid) fdjarfer Baßlfampf mußte 
fid) baßer mit Sidjerßeit entmicfeln. 

Sd)on jelgt arbeiteten bie Parteien mit $od)brucf. 3unt 
erftenmal in ber (öefd)id)tc ber Union mar bie ßofuitg; 
Sie rneiß, ßie feßmarg! 

^ln fidj märe bas oorausfid)tlid)e (Ergebnis ber Baßl 
aus ben 3 a ßlenoerßältniffen ber beiben Waffen in 
ßuifiana abgulefen gemefen. '^Ibcr es blieb bie grotle 
iöienge bes SJlifcßblutes aller Oorabe. ^lußerbcm bie 
^Ingeßörigcn ber gelben 91 affe unb ißre SOUfcßlinge. 0iefe 
reeßt bebeutenbe 93lenge bilbete bas Objeft für bie “iBe* 
arbeitung oon beiben Seiten. Sie fonnte unter ben 
obmaltcnben 'Berßältniffen ben 9lusfd)lag geben. 

0ie ^ropaganba ber Beißen unb ber Sdjmargerc 
arbeitete mit riefenßaften Summen. Seitbem bie 
Hatnpagne begonnen ßatte, mar mand)es half cast nod> 
nießt niid)tcrn . . . unb immer nod) nid)t flar baritber 
gemorben, ob es meiß ober fdjmarg mäßlen mürbe. 3m 
SBemußtfein ißrer plößließen politifeßen Bicßtigfeit geigten 
biefe 9)Ufd)linge eine Iacßerlid)e Anmaßung. 9lber bie 
Parteien naßmen alles mit in Häuf. 0od) maneßec 
Beiße, ber bas unoerfd)ämte 'Betragen faß, gcbad)te 
moßl bes Sprid)mortes, baß Cbott bie Beißen unb bic 
Sd)margen, aber ber Teufel bas Btifdjblut gcfd)affen 
ßabe. 

3n 9iero Orleans, ber §>auptftabt bes Staates, tobte 
ber Stampf am ßcftigften. Jäglid) bemegten fieß große 
3iige ber Parteien burd) bie ipauptftraßc. 9ln ber Spiße 
gcmößnlid) als Brunfftücf unb Beuermerbung ein Srupp 
Biifcßlinge. (Es gab amüfante baß mand)er ant 

Bormittag bei ber einen unb am 9iad)mittag bei ber 
anberen Partei prätenbierte. 

Fortsetzung^ 

PRINCETON UNIVERSITY 



9hnnmer 38 _ <D i c OB o cb t Seite 845 

DAS PHANTASTISCHE IN DER MODERNEN GRAPHIK 



Kunstverlag August Scherl ü. rn. b. 11., Berlin, 


, ; Der Schatzgräber“, Radierung von Max Schenke 

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Seite 846 


® i c ® o A « 


Stummer 38 


< 23erltner 55ettelmufifa*nten' 

Sechs photographische Aufnahmen aus dem Großstadtleben unserer Zeit 


tr haben alle einft auf ©affen unb §öfen geftanben unb 
in anbud)tigem ©enug gelaufdjt, menn bie ©tragen» 
muftfanten cuffpielten. 9XIs mir nod) J^inber maren, bamals 


in ber guten, alten 3*it. 9Bir Ratten alle liebe, gute SJtiitter, 
unb fte hatten alle biete Portemonnaies, bie fo oerfüljrerifd) 
nad) Leber unb nad) ©elb rodjen. Sie maren alle aurücf. 

haltenb gegen unfere 




S&rfdjmenbungsfudjt, 
bie nad) günfern unb 
3et)nem trad)tete,unb 
fte hatten bod) alle 
blante Stupfer- unb 
Sticfelftücte für Pettler 
unb SJhrfttanten. 

Sefottbers frei¬ 
gebig für bie 9Rufi. 
tonten, ©ie gehörten 
äu unferen ftänbigen 
Lieferanten. SleÜien 
fid) aur gemohnten 
Stunbe ein unb be¬ 
tamen ifjren Lohn für 
ihre Arbeit. Unbeine 
fdjmerc Arbeit mar 
cs, oon $of au $of, 
oon ©affe ju ©affe 
au Riehen mit bem 
ferneren Leiertaften 
ober mic ber famofe 
„ftapeUeitmaun* gar 
noch mit bem ganzen 



Stummer 33 


0 i c ^ o cb e 


Seite 847 



Schlagzeug behängt. 9tun, cs mar 
ihr Peruf, fic mären felbftänbig, 
niemattb tat ihnen ctmas, unö 
nenn fte einen SBanbergemerbe- 
f<f)citt batten, refpettierte fte fogar 
bie Polizei. 9öir hob™ He nie als 
Bettler angefehen, mettn mir ihnen 
ibr „Honorar* aus ber Plutter 
Portemonnaie bringen burften, fau« 
berlirf) in ßeitungspapicr gemidelt, 
bas man bamals nod) nid)t tilo- 
meife oertaufte. ©antt tarn auf 
bie gute, alte 3 eit unferer ftinber-- 
jabre eine neue, mit Phonographen 
unb Placieren in jeber 5Bol)nung. 
©ic £>ausmirte brachten tafeln an, 
auf benen bas SJlupsiercn im 
£ofe oerboten mürbe, unb ber por¬ 
tier ber mobcrneit ©rofjftabtf)äufer 
oertrieb ben ßeiermann aus bem 
parabiefe unierer 3 ugenb. 331 and) 


ber großen Pettlerjunft, bie bie 9tachtriegszeit ent- 
fteben ließ. Sie gehören nicht mit Harmonium unb 
töeige, mit felbftgefertigten Streid)inftrumentcn unb mit 
ber ©rehorgel auf bie $auplftraf}en, roo ihnen falfcf) 
angebrachtes 9Jlitleib in menigen Stunben Summen 
znträgt, bie mand)er Jamilienoater in fd)merfter ©ages» 
arbeit nicht oerbient. ©ie (öriinen finb i neu nid)t grün 
unb biben eine rafd)e §unb. 9lber zumcileit hoben fte 
ciud) Peffcres ^u tun. ©amt tönen hier Shimmgflänge, 
bort bas SJargo, gleid) oon jmei SOiauu bem p. t. PublU 
tum oorgetragen. Ober einer oerfichert auf feinem 
3 nftrumcnt: 5öir fahren jeßt uad) 2 iUiputl unb in- 
touiert bann uedifd): „3o meint bas ber Petrus müßte \ d 
SUch, her Petrus rneiß nichts. (fr rneiß ja gar nicht, 
mic es uns geht. Unb ihm märe es glcid)gültig, ob 
mir mch ßiöiput fahren unb bort im ftingerhut 
fdjlcfcn, ober ob man uns nad) (Sapettne fd)idt, mo 
)ür Jyeonlrcid) ber Pfeffer mäd)ft. C. Rh — . 


einer mußte feine ©rehorgel oerfaufen. ©0 er mit 
feinem Saften nid)t erfd)eiueu burfte, faub er 3ntritt 
als „armer tteifenber". 60 gab er feinen ehrlidieu 
Peruf auf unb mürbe SBcttlcr. 9iun ift jene neue 
3 eit uns aud) fd)on eine gute, alte gerooibeu — 
bie gute, alte 3 ^it oor zehn 3 of)ren. Sttpfer-- unb 
9 iidelftüde finb oerfdjmunben, liebe, alte gütige 
SDhittcr, mir hoben gelernt, ©aufenbmarlfdjeiitc 
bünbelmcife ausjugeben, unb finb bod) teilte 
Perfdjmenbcr. Silber* unb (fmlbntarl, bie iu 
eurer §>anb zum 3 ail bcrmittel mürben, finb 
abgelöft burd) (£>elbfd)citie mit Phllioncnbeträgeu, 
bie für uns nid)ts mehr bebeuten. 9lber ihr, SOliittcr, 
aus oergaitgcncr 3 f d, merbet nie ganz oerlernen, 
biefen 9 hefeufummeu einen 9 icipett 31 t geigen, bie 
ein Permögeu maren, bas ihr in euren beften 3e'iten 
nicht einmal 31 t erträumen magtet. 3 hr left faffitttgs-- 
loo: ba l)ot men 150 SJiillionen bei einem Pettler 
gefuitbcn. 3 hr fcht unb fd)iittclt ben alten, miibcu 
Sopf, baß beit Straßcumufitanteu oon heute 3<d)n- 
tav.fcubcr unb größere Sdicine zuftiegen. SJiitglieber 


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Gck igle 


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PRINCETON UNIVERS1TY 


Seite 848 


9 ! c *50 o dh c 


Kummer 38 



Ein tibetanisches Rasthaus 

©er -Sperrfeuer be$ verbotenen £anbe$ 

€ f n 33 e f tt di beim £> a 1 a t £ ain <1 in £ b a f a 



CV^>ur feiten gelingt es einem europciifehen 
< l SReifenben, in0ibeteinzubriugen,betin 
biefes fonberbare, auf bem Hochplateau 
ber inuerafiatifchen (öebirge gelegene 
Üanb fdjlie&t fid) hermetifd) gegen 
bie Umwelt ab. Buch din= 
geborene anberer ücinber, toic 
b B. 3nber, Buthanefen unb 
Bepalefen biirfen nicht nad) 

Sibet hinein. Bur bie (£iit-- 
geboreneit bes Staates 
Siftim am Himalaja, bie 
tibetanifchen Urfprungs 
finb unb erft in neuerer 
Reit in bas Staub Sittim 
einwanberten, werben von 
beit Sibetaitcrit als Stanbs= 

Ieute anertaunt unb fön» 
neu baher tiad) Belieben 
im Staube umhetreifen. 

0iefe $Röglid)teit hot fid) 
e ; n eitglifd)er Jorfdjer, ber 
Stanboner Univerfitäts» 
lehrer 0r. 9BiUiam Sülc 
Coovern, zunutze gemad)t. 

(£r hielt fid) einige Rett 
in Sittim auf, lernte, vor» 
bereitet bitrd) Kenntnis bes 
(Shinefifcheu unb 3opanifchcn, 
bie Staitbesfprad)e, tuad)te fid) mit 
beit Staubesfttteu bis ins tleiuftc 
vertraut itub wanberte, von einigen 
eingeborenen Sittimefen begleitet, als 
geioöhnlid)er Staftenfuli nach Sibet. 0ic 
Hcmt mit 3obtinttur unb Btaluujifaft braun 
gefärbt bie verrrterifch hellblauen klugen 


Der Dalai Lama von Tibet 


mit Ritroucnfaft gebeizt unb mit Ceim bc» 
fchmiert, mit einer buntlen Brille ntas» 
tiert, fdunutjig unb oerlauft rnie ein 
ed)ter Sibetanerfuli, tarn er glüeflid) 
in S^hafa an. 0iefe Stabt (aud) 
Siboffa gefdiriebeit) ift als Sit) 
bes 0alai Stama bie eigentliche 
Hauptftabt bes Staubes. 0a* 
neben gibt es noch eine 
zweite Befibettz, Schigatfe, 
in ber ebenfalls ein wich¬ 
tiger Stama (S^rieftcr) unb 
Bbt eines bebeutenben 
ftlofters herrfcht, ber ooit 
vielen Sibetanem fogar 
als ber eigentliche ftir» 
djenfiirft angefehen wirb. 
0a aber ber 0alai Stama 
auch bie politifche Btacht 
ausiibt, ift er ber Herr- 
fdjer bes Staubes, etwa 
wie früher bie ^cipfte in 
Born bie höchfte tirdjliche 
Beacht unb gleichzeitig bie 
Herrfchaft über beitRird)Cit* 
ftaat ausübten. 

0er englifche Sorfcher, ber 
fid) in Styafa feiner Berfleibung 
entlebigte, waubte fid) an einen 
fortfd)rittfreunblid)enBtinifter, beit 
bie Onntft bes Sdjicffal^ vom ein* 
fadien Bauernjungen zum Bertrauten 
bes 0alai Stama hotte emporfteigm Iaffeit. 
Hub biefer Staatsjetretcir ober tibetanifch 
Shi.pc (wörtlid) „Statosfufj") vermittelte ihm 
mehrere Bubienzen beim 0alai Stantr- 0r. 3Jtc 


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Go< gle 


Original from 

PR1NCETON UNIV 


wcd citV 






















Kummer 38 


(Die *2ß o cb c 


Seite 849 



Teulelstanz 
der Lamapricster 


in einem embeten menfcf)lid)en Söcfen wicbergcboren 
Tie ^riefter bes $offtaates ftclicn feft, mer biefes Talai 
£ama geworbene $Befen ift; mand)mal gibt ber fter* 
benbe Talai i?ama funb, baß er in biefer ober jener 
gamilie ober in einer beftinnnten ^rooin^ bes Raubes 
wieberaufcrftchcu wirb — bas erleid)tcrt bann bie 3öat)L 
(Sin 3nbrl)iinbcrt lang finb bie Talai Hainas mit 
großer Sdinelligfeit „wicbergcboren" worben ober mit 
anberen Porten: fobalb bie Sinaben, bie flum Talai 
Cama erwählt würben, fid) bem iltanuesaltcr näherten, 
fürchtete bie ^riefteruingebuug ihren (Einfluß 311 ucr-- 
liercn unb befeitigte bie nngliidlidjen <poI)epricftcr. 
(Srft ber je^xge Talai £ama, ber im ©egenfat} au feinen 
Vorgängern nicht einer oornehmen JyrtwWe bes Sanbes, 
fonbern einfadieu Vanern entflammt, hat es uerftanben, 
am Sieben unb an ber Jperrfchaft 31 t bleiben. 9111er 


Tibetanische Jugend vor dem Kurbclkastcn 
Rechts: Masken für den Teufelstanz 


(Tonern befdjreibt ben Talai lfama r.ls 
einen mittelgroßen, in einfache JJtöndjs^ 
trad)t gefleibeten Sftann, beffcit ganzes 
5Öefen große geiftige Vuhc unb Über* 
legenheit ansbriidt. Ter Talai ßanta lebt 
ehelos unb genießt weber ©ein nod) Ta-- 
baf — Vorfchriften, bie awar ber ganzen 
Vricftertafte in Tibet auferlegt finb, aber 
burchuus nicht immer fo ftreug gehalten 
werben, (fr betrachtet fid), wie es and) 
ber ©laubc bes Raubes lehrt, als „Veiit-- 
faniattou" bie ©iebcrfleifchwerbintg bes 
Cöottes Vubbha unb glaubt feft an feine 
göttlid)e Seubuug. Das binbert ihn aber 
nid)t, politifd) tlug unb gefd)idt bas L'anb 
jiu leiten. Ta ber Talai l'ama bie VJieber- 
erftehung eines ©ottes ift, fo taun er 
aud) nicht im gewöhulidieu Sinne fterben; 
feine Seele wirb halb nad) feinem Tobe 


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Got gle 


Original frörri 

PRINCETON UNIVERSITY 



















Seite 850 


i c 'JBod)? 


Kummer 38 


bings übt er audj 
bie nötige Sorfid)t 
aus, er ift mit 
einer ftarfen fieib. 
mache umgeben unb 
nimmt nie SRafjrang 
au fid), bie fein£of-- 
ftnat nicht in feiner, 
©egenmart nortjer 
gefoftet t)at. 

0er politifd)e©e-- 
gcnfpieler ift bie 
ftirebenpartei, ber 
aunäcbft alle mid> 
tigeren- Sßrieftcr= 
unb ^löfteräbte an- 
geboren unb bie 
englanbfeinblid) 
unbd)incfenfreunb-- 
Iid) ftnb. x 
9lucb ber eng* 
Iifcbe Jorfcber ® r * 
SOtc ©ooern bclam 
auerftbenjrcmben-- 
bag ber Stöncbe au 
fühlen; gerabe als 
er in Cbafa cintraf, 



Das Justizgebäude in Lhasa 


©efebrei unb eini- 
genSteinmürfen be« 
menben. 0er eng. 
lifcbcgorfcbcrfcbeint 
bie Scd)c übrigens 
aiemlicb fühl ge-- 
nommen au haben, 
beim er mifdjtc Heb 
unbemerkt in feiner 
$hiIi*Serfleibung 
unter bie SJienge, 
bie uor feinem tpaufe 
bcinonftrierte. unb 
marf, um bie Sache 
gana ed)tau machen, 
einige Steine gegen 

fein eigenes Softer. 
0abei traf er ein 
ftenfter, toobei bas 
in S*bofc febr loft» 
bare ©las in Stüde 
ging. 9lad)bem bie 
Aufregung besten* 
jabrsfeftes oorbei 
mar, betam er bie 
(Erlaubnis, fid) frei 
in öbofa *u be» 


mar bort bie geier 

bcs tibetauifd)en 9ieujabrsfeftes. 0ie öffentliche ©emalt mar 
für biefe brei üöoeben lange geier an bie Siöncbe übergegangen, 
unb es gab einige frembenfeinbliche 0emonftrationen oor feiner 
38ol)uung, bis fich bie Soltsftimmung beruhigte. Siel trug 
auch baau ber Schuh bei, ben ber fortfdjrittliche Sbape Sfarong 
ihm angebeiben lieg, unb ba biefer Staatsfefretär bie Gruppen 
in ber ©emalt hotte, lieg es ber Spöbel oon übofa bei feinblicbem 


megen unb ein» 

gebenbe gorfebungen über bas 3öefen bea 0alai Öamatums 
unb über Sitten unb ©ebräuebe bes Raubes anauftellm. (Er 
burfte fogar photographieren unb einen gilrn aufnebmen, ber 
bemnöchft oorausfiebtneb auch in 0eutfcbIanb gezeigt merbeu 
mirb. Slud) bie bi*t beigegebenen Silber finb oon 0r. 30lc 
©ooern perfönlid) in Sibet gemad)*. M. P. 

Schluß des redaktionellen Teils 



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Original fram 

PRINCETON UNiVERSITY 









Hummer 39 




| 

1 

1 


Hcrliit, ^eit 29. Sreptember 1923 


2~u 3atyraana 



©elbfd^eine u n b © d) e t n g e 1 b 

6ircif(id)fcr aus ber 2Bcffgefd>id)<e beet papiergelbeö * 55on Dberregierungtfrat ©r.«3ng. ^lifolaue 

i < 21'bbilbungen a u $ ben 6ammlun§en b e $ 23 c r f a | | e r $ 


ilflos, rote ein Sdjiff ohne Steuer in rafenber Strö* 
mung, treibt £)eutfd)lanb auf ber unheimlich an= 
fd)roellenbcn ^apiergelbflut bem — Snbe gu. 9Bas 
9Bunber, roenn bie unglitcflid)en SDiitreifenben, ba bem 
feljenben ^uge fid) fein rettenber 5 e ^P un ^ bietet, aller= 
l)anb gutgemeinte SRettungsoorfchläge rnadjen, um lic 
tolle Jyahrt gu bremfen. ‘Sftir biirfen nid)t glauben, bie 
erften gu fein, bie an bem Ungliicf ber ^sapiergelbroirt= 
fdjaft leiben. Sd)on feit taufenb 3at)ren oollgiehen fid) 
in ber $Beltgefd)id)tc äl)nlid)e Vorgänge, roenn fie aud) 
noch nie ein folches SHusmafc angenommen t>aben. $lls 
Inflation begegnet man ben Vorgang, roenn ^apiergelb 
in Mengen ausgegeben roirb, bie gu ber oorl)anbcncn 
0ecfung begro. gum 5ircbite bes ausgebenben Staates in 
einem fd)reienben SOiiftoerhältnis ftel)en. S)ie ftolge oiefer 
Überausgabe ift bann ein Slnfdfroellen aller greife, bas 
roieberum einen SOiehrbcbarf an 3 0 ^ un 9 5m ^icln erfor» 
bert, unb ber einmal ins ijxoüen gebrachte Stein raft, 
roenn fein $alt gebo ten roirb. bem Slbgrunbc 51t. 

Digitized by QOOQIC 


bereits oor taufenb 3af)ren rourbe in Sl)ina Rapier* 
gelb oerroenbet. 3)ie reifenben Üaufleute brad)ten Ooelb 
ober ßanbesprobufte in bie öffentlichen hänfen unb 
Öagerf)äufer, bie bafiir erteilten Quittungen rourben, 
ba fie C&egenroert eines roirflidjen ®efitges roaren, gern 
genommen. Söalb erfannte ber Staat, baß auf oiefe 
‘JBeife Ooelb gu oerbienen roar, unb er oerbot biefe Quit= 
tungsausgabe, um eigenes ^apiergelb in Umlauf gu 
bringen. 0ie (Einlöf ung ber Sdjeine erfolgte jebod) nid)t 
jebergeit, fonbern in 3 e itabfc^nitten oon je brei 3al)ren. 
S)ie ©eefung betrug guerft etroa brei Siebentel bes 
Wertes. S)ie (Einridjtung, bie guerft eine Wohltat für 
bie ^eoölferung roar, rourbe jebod) burd) bie Unoorf’.d)* 
tigfeit ber Regierung halb ins Gegenteil oerroanbelt: 
(Ef)c bie erften Sd)eine eingelöft roaren, rourbe eine neue 
SReilje ausgegeben. 33alb traten aud) bie erften Jäl* 
fd)ungen auf, bie mit ber road)fenben ^apiergelbflut 
immer häufiger rourben, obroof)! bie £obesftrafe für ben 
Jälfdjer unb I)ol)e ^Belohnungen für ben (Entbeefee iu 

Original from 

PRIiNCETON UNIVERSITY 







Seite 852 


0 i e % o cj) e 


Nummer 39 


Nus fid) t geftellt mürben. Nacß I)unbert Sauren mar bas 
^apiergelb auf ein 3 e h n *el feines Ncnnmertes gefunden. 
0ie Staatsfinan^cn maren in ber traurigften Nerfaffung. 
Sroßbem fußr man fort, ^apiergelb aus^ugeben. Obgleich 
man ben neuen Noten ßoeßtönenbe tarnen, mie (ftolb* 
unb Silberfcßaßanmcifungcn gab, meigerte fid) bas ^ubli* 
tum, fie anauneßmen. £>anbel unb Nerfeßr erftarben, bie 
Neoölferung tonnte faum nod) ißr Scben friften, nur bic 
dauern Ratten nod) ein einigermaf 3 en erträgliches Nus* 
tommen. SBaXb brad) bas gefd)roäd)te eßinefifeße Staats* 
locfcn unter bem (Einfall ber Nlongolen aufammen. 0en 
Ntongolenßerrfdjern blieb jeboeß aud) nießts anberes 
übrig, als gunäd)ft bie Napiermäßrung bciaubeßalten. 
„Speer f pißen bilben einen fd)led)ten öerrfcßerfiß, unD 
eine ftänbige Roft entmerteten ^apiergelbes ift nid)t nal)r= 
ßaft", fagt ber ipiftorifer. Unter ben Neoolten ber aur 
Nerameiflung getriebenen (Eßincfen ging bie Nlongolen- 
ßerrfdjaft in bic Nriidje, unb erft ber träftigen nunmehr 
aur §crrfd)aft gclangenben Nling*0i)naftie gelang es, 
bureß ineife fyinanamaßregeln bas Satib toieber in bie 
£>öf)c au bringen. 

3n anbercr Nid)tung cntmicfelte fid) bas Napiergelb* 
toefen in 3apan. 3 ur 3eit ber größten Scßmäd)e ber 
3 entralrcgicrung, oor etma breil)unbert 3 aßren, bilb^ie 
fid) in ben faft unabhängigen Serritorialfürftentümern 
eine eigene ©äßrung. 0 er oöllig unaureid)enbe Vorrat 
an Nletallgelb unb ber überbanbneßmenbe Sueus )et 
tleinen giften ^mangen gut Nermcnbung oon (E>elö= 
erfaß. 3 n fur^er Seit mürbe bas gefamte ginanamefen 
bes Sanbes berart oerfd)led)tert, baß bic 3 cn *ralrcgie* 
rung furaerßanb bas ^apiergelb uerbot, leiber erfolglos. 
(Ein erneutes Nnfcßmellen ber ^apicrgelbflut mar bic 
golge. Nlan tanntc nur nod) Spapiergelb, 3 um ^0eil auf 
Nietall*, 5 . 0. auf Neismäßrung lautenb, (frolb* unb Sil* 
bermünaen betam man überhaupt nid)t mehr au (E>efid)t 
(Es follen in ber Nlitte oorigen 3 af)rßunberts etma fünf* 
aeßnßunbert Sorten spapiergelb im Umlauf gemefen fein. 
0icfen ßaarffräubenben 3 u ftänben mürbe ein (Enbe be* 
reitet, als im oorigen Saßrßunbert eine ftarfe faiferlidje 
3entral=Negierung bas Sanb aur Coroßmacßtftellung erhob 
unb babei aud) Orbnung in bas oermal)rlofte Oöelb* 
mefen brad)tc. (Eine unferer Nbbilbungen aeigt einen 
japanifdjen Sdjein. 0as ftarte, faft unaerreißbare Rar* 
tonpapier hat biefe etma 200 3 aßre alte Note ooraüglidj 
erhalten. 

3n (Europa ftcl)t Sd)mcben unter ben Spapiergelb aus* 
gebenben Staaten obenan. 0er abgebilbete Sßanfaettel 
über 100 Silbcr=Salcr aus bem 3aßrc 1696 trägt als 
erfte Unterfrfjrift ben tarnen Spalmftrucßs, bes ungliicf* 
ließen erften 0 ireftors, ber Qoelb für eigene 3 u>ecfe aus 
ber Nanf ßerausaog unb bafiir aunt Sobe oerurteilt, 
fpäterl)in jebod) begnabigt mürbe. Schmeben hat faft eile 
möglichen formen bes Spapiergelbes in Nnmenbung ge* 
brad)t: einfad)e (Einaal)lungsquittungen, bann oorge* 
bruefte fyormulare, in benen bic ‘Weitergabe oon öanb 
au öanb fcßriftlid) befeßeinigt merben mußte, Heine 3 cttel 
mit aufgefd)riebenem ©ert, fogenannte Nlünaaeidjen, 
oerainslid)c Obligationen unb feßließlid) Sd)eine, bie in 
bantted)nifd)cr Neaießung unferm heutigen spapiergclb 
gleichen. 3cmeils entfpred)enb ber Not ber 3eit fanben 
Überausgaben unb große (Entmertungen ftatt; fünfmal 
mußte im Saufe ber Saßrßunbcrtc tonoertiert merben. 

0 ic franaöfifeße Rapiergelbmirtfchaft mirb gemöhnlicb 
mit bem ©orte Nffignat oerbunben, obgieid) feßon fiebatg 

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3aßre früher Sam ein Sftanfinftitut mit Notenausgabe 
grünbete unb burcf) einen maßnfmnigen Spefulations* 
taumel granfreid) ins iverberben riß. 0 ie miberfmnigften 
Cbefeße, ©ertßerabfeßungen, Verbot oon Nietallgelb, SBe* 
fd)lagnahme oon Sd)tnucffad)en unb Su£u$gegenftänben 
unter Nnbroßung oon Sobcsftrafe tonnten ben Nuin 
nid)t aufhalten. 0as hiuberte nicht, baß man beim Nus* 
brueß bet Neoolution mit bemfelben Seicßtfinri aur Rapier* 
gclbausgabe fd)ritt. Nlan gab bie berüchtigten Nffignaten 
aus, bie £>ppothefen auf befd)lagnahmte Nationalgüter 
barftellen füllten, unb aroar fo aügellos, baß bie Negierung 
jebe Überfid)t unb jebe $errfd)aft über bas (fteiömcfen 
ocrlor. 0 er Rurs fanf auf etma fünf sproaent; man 
oerfueßte eine Ronoerfion, inbem man an ihre Stelle ein 
anberes spapicrgelb, bie fogenannten Nlanbate, feßte, bic 
nun mirflid) burd) befcßlagnahmte Siiter gebeett merben 
füllten. 0as Unternehmen mar ^toccflos; nad)bem fid) 
bie Nlanbate einige 3 ß it im Rurfc über ben Nffignaren 
gehalten hatten, ftüraten fie gleichfalls ins ©ertlofc ab. 
(Erft Napoleon, ber bie überall a u f ainmcn 9 era ubten 
Silberfcßäße in Ntünaen untfd)lagen ließ, gelang es, 
mieber Orbnung ins franaöfifeße Ntünamefcn au bringen. 

3n (Englanb gaben auerft bie Solbfd)miebe Noten her* 
aus, bis bie madpenben (E>elbbebiirfniffe bes Staates aur 
Oöriinbung ber Nanf oon (Englanb führten, fyeft, mle 
bic Nanf ftehen nod) heute bie Cöriinbungsleitfäße ihres 
erften 0 ireftors ^atterfon: 3 cber Rrebit, ber leinen 
©ert lauter fid) ßat, ift eine fyälfcßung; alle Cöegenftänbc 
haben nur einen Nergleid)smert a um Nargelbe; jeoer 
Rrebit, ber nid)t burd) Nietall gebeett ift, führt au Ner* 
lüften. Nuf biefen (ftrunbfäßen unb burd) oorficßtige 
^apiergelbausgabe ßat bie 33ant oon (Englanb troß man* 
d)er Sd)mierigfeiten ftets ihre Neftimmung erfüllt: bas 
fid)erfte Selbinftitut unb Niidgrab bes Staates au fein. 

0 ie öfterrcicßifcße Napiergelbmirtfd>aft mar ein Nas* 
fluß ber ftänbigen Rriegsnöte um bas 3 al)r 1800. Nlit 
aäßer Nusbauer unternommene Nefferungsoer fudjc 
mürben burd) bie Rriegc immer mieber aunid)te gemad)t, 
bis ber Staat im 3aßre 1811 mit £>erabfeßung bes Na= 
piergelbes auf ein fünftel feines ©Wertes burd) enien 
Staatsbantrott bie öage retten mollte. ßeiber oergebens. 
0ie Srunblagen für eine Nettung fehlten. (Erft bic fieg* 
reid)en Jelbaüge gegen Napoleon ermöglid)ten es, bureß 
fluge fyinanamaßnahmen bas Sclbmefen bes ßanbes all* 
mäßlid) au fanieren, bis fcßlicßlid) ber ©elttrieg bic leiber 
allau betannten Nerhältniffe herbeiführte. 

Norbamerita erlebte größere ^apiergelbflutmellen aur 
3 eit ber Rolonial* unb Nürgertriegc. ,,©ir haben meßr 
unter biefer Urfad)e gelitten, als unter irgenbeinem an» 
beren Unglüct; es ßat meßr Nlenfd)en getötet unb meßr 
llnred)t angeftiftet als bie ©laffen unferer freinbe", fagt 
ein amerifanifd)er Sd)riftfteller, unb menn aud) mitunter 
(Entmertungen bis unter ein ^roaent auftraten — Ler 
Neid)tum bes Sanbes unb bie nationalbemußte Sehens* 
traft feiner Nemoßner ßat fcßließlid) au bem uns betann* 
ten enblid)en Siege bes Rönigs 0ollar gefüßrt. 

Preußen hatte im Saßre 1805 mit ber ^apiergclbaus* 
gäbe begonnen. 0 urd) ben Rrieg mit Jyranfreid) gingen 
bie Noten bis auf fed)S 'ilroacnt ißres ©ertes herunter. 
3n ber 3utunft befeßräntte fid) bas Sanb auf feßr fpar* 
fame %lapiergelbausgaben, bie fd)ließlid) naeß 1870 burd) 
bas Napiergelb bes Neidjes erfeßt mürben, oon bem moßl 
nicmanb anneßmen tonnte, baß es einmal unter ben 
aeßnmillionften Seil feines ©ertes ßeruntergeßen mürbe. 

Original fram 

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9hunmer 89 


3) i e gg o d) e 


Seite 853 



”< <i*no2H()itiuVJe>^^ü i»; 

Senat Crcdityf-tofl* miifbo'n'JnJc fcof. 

<s«octeoi«MlUoeofliN* i91- «eftte« 

irircr iJYynt, frfci «wr*o «f o| «W» twi« Coo^hUo«, 

tr *4 C . Trorc » fab C4 ^ m.tb Cvx ' ctr * 

« Sigacwr . 5 Jfc«l c<V fllW«i» 0 |rf »*)© «Kt<( Ctx 


Schwedischer Kredit¬ 
zettel über 100 Tale: 
Silber (1666) 


100 Käsch- 
Note aus 
der Zeit 
der Ming- 
Dynastie 
(China) 


Japanische 
10 Yen-Note 
(200 Jahre alt) 


Cinqcante Ii\re$ Tournoi: 


fion Oulomve |4r Arrcft <!o 2 . 5q>’<. »t. S re i 

yrcmtt mj er au Verteilt #i > u* 


ix inine trancs. 

i sur les Do m ajif.es f\ a tio na u \ Xp&iJ 


Tvuiueh en F/jkccs ei' Ar$ 
'tue Sejttmin mit fept etns v 
Ic f-Ynilion. 


Signi p* Ir S.’ Bourgeois. 
Dc/erv/ai^i . 

Controllc p.‘ leS. r Durevrfl. 
O rauet. 


ct'th' Ic 16 Niv<W Ihn ,>"" </<• tu Wki’UBI.iqi.k. 



Law’sche Note über 15 Pfund 
(Frankreich 1720) 


Assignat über 2000 Francs 
(Frankreich 1795) 


Zehn- '-<4/ 
Dollar¬ 
note aus 

dem Bürgerkriege 
(1864 Verein. Staaten) 


Preußischer 5-Talerschein (1805) 


Unten : Eine Pfundnote der Bank 
von England (1786) 


Wiener Bankozettel zu 100 
Gulden von 1800 
Rechts: Nordamerika: 12 Sh- 
Note von 1776 






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6eite 854 


$ i c 3Ö o cb c 


9htmmer 89 



Landung italienischer Truppen vor Korfu und Aufstellung der Geschütze kleinen Kalibers 


0 i e 3foliener auf S o r f u 


3 cf)n Siunben Sähet 
trennten 93riitbifi 
ober Tarent oon ber 
3nfel £orfu, bein ^er= 
li)ra ber Sitten, ber 
Sßerle ber 3ufehoett bes 
iötittelmeers, bem am 
bicf)teften bcoölferten 
(öebiet (&riedjetthttbs. 
Slm 31. Sluguft burd)« 
furchte ein italienifches 
(öcfchtoaber unter bent 
Stommanbo bes Slbnti-- 
rals Solari biefe SJteeres-- 
flcidje, um bie ^toet 3n= 
fanterieregimenter, bas 
9Jlatrofeuregimeitt, bie 
beiben SelbartiUeric» 
batterien uub ben au bie= 
fett Sruppeti gchörettben 
Sroft ttad) ber 3nfel ber 
^häufen au bringen, 3)ic 
Truppen foUten 3talicn 
bas ^fattb für bie Stfül* 
lung feiner Siihneforbe» 
rungett ftchern. SMeSluf* 



Admiral Simonetti, 

der italienische Gouverneur von Korfu, in seinem Arbeitzimmer 


forberung aur Übergabe 
tuurbe burd) ben äreu-- 
aer „^remuba* unter 
bem Befehl bes Kapitäns 
Sofd)iniüberbrad)t ®ic» 
fcs Schiff ift ber fdjneUfte 
Streuner ber italienifchett 
9Jtarine; aber cs ift an 
ihm feine italienifchc 
Schraube, beim esftammt 
aus ber bcutfchen^rhgs» 
beute. Sin ehemals 
beutfd)er ftreuaer hat 
bie erften Sdjüffe auf 
bie 3nfel abgegeben, oon 
beffett gelfcnftranb bie 
9Jtartnorprad)t bes faifer= 
Iirfjen SJlc^iUeion ittsiUlecr 
ragt. Slm Tage, att bem 
biefe Seilen erfd)einen, 
genau oier 2Bod)cn ttad) 
ber üatibuttg, oerlaffett 
bie italiettifchcn Truppen 
bas ßanb, nachbctn ihre 
ungeftörte Slnirefenheit 
faft einen neuen euro* 


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(Seite 855 


ü)iitmmer 39 


© i e o dj c 



päifd)en tfonßift ßer* 
beigefübrt tjätte unb 
ben ’Cölferbunbum ben 
lebten Oteft feines 9ln« 
fefjens gebracht f)at. 

6ie fjoben mäßrenb 
biefer nier ©oeßen auf 
ber fdjönen 3nfel ein 
geruhiges ßeben ge¬ 
führt. Denn bie $Be» 
üölfecung bat unter 
ber 33efaßung nid)t m 
leiben gehabt, fonbern 
oortrefflidje (6efd)äftc 
burd) bie (Sinßeimfung 
non fiireffeinen ge. 
madjt, bie ber Drachme, 
bem fdjmierigften ^a= 
piergelb ber ©eit, bas 
ber Storßote halbiert 
ftatt es au medjfeln, nod) 
immer überlegen ßnb. 

Die 93emol)ner ftor«- 
fus finb nämlich aum 
größten Seil treue An¬ 
hänger bes Königs fton» 
ftantin. Seinem '©ilb. 
nis begegnet man in 
allen ©irtsfjiiufern ber 
Stabt unb in uielen 
SpriüattDoßnungen. 

Das SDtinifterium (öo- 
natas, bas bie SDlinifter 

besnerftorbeneitKönigs Einmarsch d&r Truppen in die Stadt Korfu. Unten: Lager der Italiener nahe bei der Festung 
graufam hinricpten ließ, 

ift ihnen in tieffter Seele oerßaßt, unb ßo gönnen ifjm bie Sruppen juerft mit falter 3urütfbaltung, benn es fd)ien ihnen 
Demütigung, bie es erleibet. freilich mollen auch fie freie mie ben beforgten iöerbünbeten 3taliens, baß bie s Befeßung 
(Griechen bleiben, unb besßalb begrüßten ße bie italienifdjen ähnlich mie bie Ägyptens, bie ja aud) urfpriinglid) als Sßfanb 



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Sette 806 


© i e $6 o cft c 


Kummet 39 



Korfu mit der italienischen Besetzungsllotte von oben gesehen 
Von dem italienischen Luftschiff „F 6“, das der Besetzungsflotte voranging, wurde obenstehende Aufnahme gemacht. Das Luftschiff stand in radio- 

teiegraphischer Verbindung mit dem Flottenkommando 


gebaut mar, fcßließlid) 311 c 9hmegion führen mürbe. Es mar 
ihnen nod) ein ©ortommnis in Erinnerung geblieben, bas im 
Kriege, als bie 3 nfcl non frangöftfeben, englifeben unb italie» 
nifdjen Gruppen befeßt mar, große Aufregung unb lautes E>e= 
Iäd)ter erregt bat. Tantals, als bie englifeben unb fran^ö-- 
ftfdjen ©ruppen ftorfu bereits oerlaffen butten, bie italienifd)en 
aber, als bie lebten ftcb £ur Räumung nod) nicht bequemen moüten, 
ftanb ein italienifcbcr ©tajor mit einem ftorfioten im Scftungsbof, 
unb beibc erfreuten ftcb am ^Inblicf eines babaiftifcben£abns, beit 
ein italienifcber 6 oIbat mit treibe auf bie 3Jtauer gezeichnet 
batte, ©er ©rieche fragt ben ©tajor mit mißtrauifd)em “©lief, 
mann benn bie 3 taliener ftorfu oerlaffen mürben, ©er ©tajor 
ontmortetc: „Quande queste galle cantera“ (3öantt biefer 
§abn trüben mirb). ©iefes 2 öort 
lief mie ein Sauffeuer bureb bie 
ganze 3 nfel. SUIs bie italieuifcben 
©ruppen nun einige ©age fpäter 
bie 3 nfel oerlaffen butten, tönte 
ihnen bei ihrem 9lbmarfd) aus aQen 
Käufern unb auf allen Straßen 
ein lautes unb böbnifd)es ftiteriti 
entgegen, ftein SDtitglieb ber zal)I= 
reid)en italienifdjen Kolonie tonnte 
ftd) irgenbmo c.uf ber 3 nfel feben 
Iaffen, ohne mit einem boshaften 
ftiferift begrüßt zu merben. 

©er 6 onberbcrid)terftatter bes 
(öiornalc b’ 3 talia erinnert in feinem 
©rief oom 4. September, als er 
mol)I nod) im füllen bie Hoffnung 
hegte, baß bie 3 nfel, bie ben ft anal 
oon Otranto bef)errfd)t, italienifcß 


merben mürbe, an biefe (öefeßiebte unb fagt, baß bie auf 
ftorfu anfäfftgen 3 taliener ihre ©egeifterung über bie ©e» 
feßuitg ber 3 nfel in ihren iperzen oerfcblicßen, meil fie füreb» 
ten, baß and) bie biesmalige ©efeßung nur eine neue 
Seite flüchtiger unb eitler SRationalliteratur füllen merbe 
unb baß ihnen bann mieber bas ftiteriti ber ftorfioten in 
Die oergeblid) zugebaltenen Obren gefebriett merben mirb. 
©iefe gurd)t mirb heute zur ©ktbrbeit merben. ©enn bie 3 *it 
ift noch nidjt reif für bie Sinnesion biefes 3nfeltIeinobs, bas 
oier 3 abrbunberte lang unter oettegianifeber £>errfd)aft ftanb 
unb ber mid)tigfte Stüßpuntt ber ©ermaltung bes großen ©e= 
bietes mar, auf bejfen 3 nfeln unb in beffen 6 täbten überall 
im ganzen SDtittelmeer unb in ber Beoante ber Börne oon San 
©tarco auf feiner Säule ftanb ober 
in bie fteinigen ftelfen unb in bie 
©lauern gemeißelt mar. 

•Saft alle Straßen ftorfus tragen 
nod) heute italienifcßc Flamen. ©er= 

Zicßtet hat am menigften ©tuffolini 
barauf, bie unumfd)räntte tperrfcßaft 
über bie ‘Slbria ftcb babureb zu 
fiebern, baß 3talien in ben ©efiß 
ber 3nfel gelangt, bie ben ftanal 
oon Otranto fperren tann. ©arurn 
merben bie italienifcßen ©ruppen, 
rnenn ftc heute oon ben alten Öl* 
bäumen ber ©bäateninfel ^Ibfcßieb 
nehmen, bas forfioUfcbe ftiteriti mit 
ein „a rivederci" beantmorten, benn 
fte leben ber feften Ueberzeugung, 
baß fte eines ©ages roieberfehren 
metDen ... Dr. C. Mühling. 




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m*tr 




w 


Das ameiikanische Luitschiff Z. R. I bei einem Probeflug über der Luftschiffwerft Lakehurst. — Wide Worldihoto 

Auf der Luftschiffwerft Lakehurst baut die amerikanische Regierung jetzt Luftschiffe, für die der berühmte deutsche Typ des 
Schütte-Lanz-Luftschiffs S.fL. II. vom Jahre 1913 in Form und Anlage maßgebend ist. Das oben abgebildete neue Luftschiff hat 
etwa die Größe der letzten im Kriege erbauten deutschen Kriegsluftschiffe. — Auch in Friedrichshafen am Bodensee werden 
durch deutsche Techniker für das amerikanische Marinedepartement Luftschiffe gebaut. Das erste, Z. R. lll — ein Luftkreuzer 
von riesigem Ausmaß — wird im November über brankreich, die Azoren und die Bermuda-Inseln nach Lakehurst fliegen 

EIN TRIUMPH DEUTSCHER TECHNIK IN AMERIKA 


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* 


Getto 858 


© i e <333 o 6) c 


Kummet 39 



Am Schaduf (Brunnen) arbeitende Fellachen, im Hinter¬ 
grund ein mit Dyrrha (ägypt. Hirse) bestelltes Feld 


Die Pyram.den von Gizeh bei Sonnenuntergang zur 
Zeit der Nil-Überflutung. 

Unten: Auf Baumstämmen schwimmende Nubierknaben 
dicht unterhalb des ersten Nilkatarakts 

KRONPRINZ RUPPRECHT 
VON BAYERN IN ÄGYPTEN 

Cer frühere Kronprinz von Bayern hat auf mehreren ausgedehnten 
Studienreisen durch den Orient eine Fülle interessanter Eindrücke 
gewonnen, die er jetzt in einem umfangreichen Werke „Reiscerinne¬ 
rungen aus dem Südosten Europas und dem Orient" eingehend schildert. 
Mit Genehmigung des Verlags Josef Kosol und Friedrich Pustet, K.-G., 
München, bringen wir einige der zah'reichcn photographischen Aufnah¬ 
men, die als wertvolle illustrative Ergänzung dem Werke cingefügt sind 


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Kummer 39 


© f e OB o cöc 


Seite 859 



Minister K. Menning, Geschäftsträger der Republik Estland in Berlin 
AUS DER DIPLOMATISCHEN WELT 


Auf na fi me de. ,,Woche 11 



Vom V. Internationalen ärztlichen Fortbildungskursus in Karlsbad, an dem sich über 300 Teilnehmer beteiligten 

Die Vortragenden und deren Damen vor der Mühlbrun r .cnkolonade. Vun links: 1. Reihe: Frau Geheimrat Prof. Dr. Mattlics (Königsberg i. Pr.', Frau Prof, 
Dr. Loening (Halle a. d. S.). Geheimrat Prof. Dr. Matthes (Königsberg i. Pr.), Frau Prof. Dr. Veil (München), Dr. Edgar Ganz (Karlsbad) Geschäftsführer der 
Karlsbader Fortbildungskurse, Frau Prof. Dr. Villela (Rio de Janeiro!, Prof. Dr. Loening (Halle a. d. S.), Prof. Dr. Ehrströ r (Helsingfors). 2. Reihe: Prof. 
Dr. Moral (Rostock i. M.), Dr. Max Hirsch (Charlottcnburg), Generalsekretär der Baineologischen Gesellschaft. Prof. Dr. G. Singer (Wien), Obcrmedizinal- 
rat Prof. Dr. Rostoski (Dresden), Prof. Ür. Villela (Rio de Janeiro), Prof. Dr. Schlayer (Berlin), Prof. Dr. Hegler (Hamburg), Geheimrat Prof Dr. bk Strauß 
(Berlin), Prof. Dr. Noeggerath (Freiburg i. Br.), Privatdozent Dr. Nils Koppang (Kristiania). 3. Reihe: Kurdirektor Gitschner (Karlsbad), Prof Dr Hcimann 
(Breslau), Prof. Dr. K. Spiro (Basel), Prof. Dr. Veil (München), Prot. Dr. Wateff (Sofia), Privatdozent Dr. Kampe (Karlsbad), Prof. Dr. Walko (Prag) 


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6citc 860 


1 e 91W d) 8 


Kummer 39 



VON RHEIN 
UND RUHR 

Links: Begräbnis des sie¬ 
benjährigen Hans Hermes, 
des einzigen Kindes eines 
Hafenarbeiters in Düssel¬ 
dorf. Das Kind wurde 
beim Spielen durch einen 
französischen Soldaten 
erschossen 

Mitte links: Ruhrkinder im 
Prinzeß - Irene - Kinderheim 
in Albersdorf in Holstein 

Phot. Meyer 

Mitte rechts: Städtische und 
Staatsbeamte im Zuchthaus 
zu Werden, wo sie als Gei¬ 
seln festgehalten werden 


Ruhrkinder aus Altenessen in Rosengarten bei Ketschdorf Rückkehr von 400 erholungsbedürftigen Ruhr- und Berliner 
im Riesengebirge als Gäste des Kameraden-Vereins ehe- Kindern aus den früheren Ostseeprovinzen, wo sie die Berliner 
maliger 154er in Jauer. Phot. H. Dietze. Fürsorgestelle d. Baltisch. Roten Kreuzes untergebracht hatte 


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Ohunmcr 39 


0 i e OB o((e 


6eitc 861 



Von den politischen Ereignissen in Spanien: 

Begeisterter Empfang des von San Sebastian zurückkehrenden 
Königs durch die Truppen auf dem Bahnhof in Madrid 

^ Phot. Meurisse 

Rechts.- Manuel Teixeira Gomes, der neue Präsident der 
Republik Portugal, tritt im nächsten Monat sein Amt an 


Unten: Gäste aus dem asiatischen Rußland auf der „All 
russischen Ausstellung für Landwirtschaft und Heimindus’rie‘ 
in Moskau: Eine tartaris. he Musikkapelle 






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r- 


Seite 862 


© i e 5 Bo d) e 


Kummer 39 



Ion links: Liselotte Dcnera, Nora Gregor, Ernst Karchow, Kilty Aschenbach, fcnimy 
Förster, Magnus Stifter 

Hugo von Hofir annsthals Lustspiel „Der Unbestechliche“ im 
L?ssing-Theater 


im Oval : Ralph Arthur Roberts als Vetter Eduard in Fred Bob's 
Schwank „Mein Vetter Eduard" im Komöd.enhaus 


Unten: Hella Kürty ( ) als Charlie in Walter W. Goetzes gleich¬ 

namiger Operette im Theater i. d Kommandantenstraße. Hmt. Schneider 




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Stimmet 39 


0 i e OB o cft e 


Seite 863 



Aus der neuen Revue im Ber¬ 
liner Admiralspalast-Theater 
„Drunter und drüber“ 

Texte von Hermann Haller,Ri- 
deamusund Willi Wolff, Musik 
von Walter Kollo. Dekorative 
Ausstattung; Emil Pirchan 


Oben: Teepuppen. Die Tee¬ 
puppe: Marie Escher 

m dei Mitte: Im dunkelsten 
Berlin. Molly Wesselly und 
Harry Lamberts-Paulscn 

/ hot. Schloß-Atelier 


Unten links: Theo Modes, 
Leiter des St. Gallener Stadt¬ 
theaters, wurde zum Direktor 
der Grazer Bühnen ernannt 

Phot. Schmidt 1 


Unten rechts. Direktor Ernst 
Bach, Franz Arnold und Hugo 
Hirsch, die Verfasser der im 
Oktober im Berliner Theater 
zur Uraufführung kommenden 
Operette „Dolly“, während 
ihres Aufenthalts im bayeri¬ 
schen Gebirge 




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PR1NCET0N UNIVERSITY ' 
















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Shimmcr 39 


0 i e *30 t> eft * 


(Beite 865 


Äomatv oon Dia ns Domimfo 

15. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


Sieben unb Sterfammlungen mud)fen allmählich ins 
llngemeffene. Serien non Siebnern auf ben öffentlichen 
flößen iöften fid) ab. 

3)ie 3*itungen füllten ihre Spalten nur nodj mit 
SBahlnachridjten. Srotfbem bic Gdjmargen in 3 ofual) 
Sterben einen SOiann oon untabcliger Gefinnung unb 
Vergangenheit aufgeftellt hotten, tourbc feine S>crfon 
non ber meinen treffe nieberen Sianges in unerhörter 
SBeife burd) ben Scßmuß gegogen. 0ic befferen meinen 
3 eitungen begannen bereits mit ber Sefferfon =SöiII gu 
arbeiten. Sie miefen barauf hin, baß bas 3 e n tral= 
Parlament niemals bie Söeftiitigung eines fcfjmargen 
Gmuoerneurs ausfpreeßen mürbe, unb furi)ten auf biefe 
SBciie (Entmutigung in bie Steifen ber Cbegner 311 tragen. 

3n ben Vcrfammlungslofalen maren bie (Gemüter 
fd)on fef)r heftig aufeinanöer geprallt, unb es mar babei 
nidjt nur mit geiftigen Steffen gefämpft morben. Sluf 
ber Straße hotten fid) bie Verfammlungsbebatten häufig 
in einer SBeife meiter cntroicfelt, baß bic "Iteligei ein* 
greifen mußte. 0abei maren Stermunbctc unb Zote 
auf bem ^laßc geblieben. Vergeblid) oerfud)te man 
non SBaffjington aus bie Bei benfehaften au bämpfen. 
6 al) man bod), mie bic öffentliche Meinung in allen 
(Staaten ber Union in lebhafterer SBeife Partei ergriff. 

3nt großen Saale ber Gitg $all non Stern Orleans 
fprad) 3ofuah 93orben. 0ic Sterfammlung mar in erfter 
Binie einberufen, um bie nod) feßmanfenben §alfcaft* 
•mähler gu bearbeiten. 0 er riefige Staum mar bis auf 
ben leßten ‘ißlaß gefüllt. 

Sin einer beoorgugten Stelle innerhalb bes Komitees 
faß Gollin Gamcron. 0ie glängenbe Siebe 3ofual) 
Sterbens, bie häufig oon lebhaften VeifaUsbegeigungen 
unterbrod)en mürbe, ging mirfungslos an feinem Ohr 
noriiber, bas burd) bie oiclen Sieben biefcs Stel)lfampfes 
fchon abgeftumpft mar. 

Seine (frebanfen meilten in .(Taraforum. Steoor er, 
bem Befehl bes Siegenten folgenb, nad) ben Staaten 
flog, mar er nad) ber Siuinenftabt gegangen, um ba 
reinen $ifd) gu mad)en. 3 cnes leßtc 3 ufammentreffen 
mit SJiaria SBittfjufen in ilrga hatte if)n berart aus bem 
(E)leid)gemid)t gcbrad)t, baß er fo ober fo eine Gntfcßei* 
bung ergingen molltc. Gr fal) nur nod) gmei SBege. 
33iit SJiaria 31 t leben ober ohne fie gugrunbe gu gehen. 
Gr aiar innerlid) bereit, feine gange Vergangenheit ab» 
gumerfen, an ber Seite SJtarias ein neues Beben gu bc= 
ginnen, Güiicfte ihm bas . . . ließ fid) Sftaria bagu bereit 
finben, bann molltc er aud) bem 3ournaliften bas Beben 
fdjenfen. 

3n biefer Stimmung mar er nad) 5Taraforum gc= 
Tommen . . . unb fanb einen 5Tird)hof in ber SBüfte. 
S)tit gefträubtem £>aar fal) er bas feßaurige Vilb einer 
unerflärlid)en STataftropße. 

hartgebrannt bie Stefte ber alten ßeßmmaucrn. 3ebes 
ho lg . . . jeber Vaurn nerafdjt . . . jebes Beben crlo» 
fd)cn. hier unb ba fließ fein fyuß auf ben Siegen gegen 
meißgegliihte Knochen. Slud) innerhalb ber Sftauertrüm* 
liier nur oerbrannte Knochenrefte. 

Von feinen (befangenen feine Spur! SBaven fie mit» 


oerbrannt? Ober maren fie entfommen, benor bie STa* 
taftrophe eintrat? 

ftataftropße? . . . SBas mar bas für ein furchtbares 
Greignis gemefen? ... Gs lebte niemanb, ber ihm 
hätte Slusfunft geben Tonnen. Gine fjeuersbrunft üon 
ungeheuerer (bemalt mußte gemittet hoben. 

SIber mas mar benn Vrennbares ba? 0as menige holg 
fonnte eine berartige §ißc nie cntmicfeln. 

3rgenbmie mußte es non außen gefommen fein. Gin 
Grbbeben mit feurigem Slusbrucß? . . . Stein! . . . 0as 
hätte bie Sluinen utnftürgen . . . anbere Spuren hinter* 
laffen müffen. 

SBie fonnte es fonft gefeßehen fein? Gin STaturcreig* 
nis? STaurn benfbar! 

SJtenfd)enmerf? . . . Seit bem Slnblicf jener Stuinert 
lebte ein Verbad)t in ihm. Gr fonnte ihn nid)t begrün» 
ben unb mürbe ihn bod) nid)t mieber los. 0 er mar 
nodj ftärfer gemorben, als GoHin Ganteron in ftrisco 
non 3ohnfon erfuhr, baß bort fein alter Unterfd)lupf, 
bie Opiumhößle, auf eine gang rätfelßaftp SBeife ein 
Staub ber flammen gemorben fei. 

STaum ein Sftenfcß auf ber gelben Seite mar fo hinter 
bic G^eßcimniffc 3fenbranbts gefommen mie er. fyaßte 
er alles gufammen, fo brängte ftch ihm immer mieber 
ber Schluß auf: ein SBerf Sfenbranbts mußte bic Stata» 
ftrophe gemefen fein. 

Gr fämpfte bagegen. Gr fträubte ftdj gegen bie immer 
gmingenber merbenbe Grfenntnis. G>ut, baß ber SBaßl* 
tag nahe mar unb bamit bic Gntfd)eibung. Viel länger 
hätten feine Sternen biefe Spannung nid)t ertragen. 

Gine Stimme, fo feßneibenb unb fd)arf, mie er fe nur 
einmal gehört, riß ihn aus feinem Sinnen. Gr ftüßte 
bie hänbe auf ben $ifd), an bem er faß, unb ftarrte auf 
bie Tribünen. 0 ann fanf er guriief unb legte bic $anb 
auf bie Slugen. Stod) einmal ließ er fie falicn unb 
fd)aute auf. 

Gs mar fein 3®eifel. 0a ftanb er, ber 3ournaIift ftoj:, 
ben er tot geglaubt, bem er ben Zob gemünfeßt hotte, 
©er'ftreunb 3 fcnbranbts. Sluf ber Stebnertribiinc flanb 
er unb fprad) als erfter 0 isfuffionsrebncr gegen 3 nfual) 
Vorben. 

Gollin Ganieron hörte nid)t auf bie flugen, flingenben 
SBorte, mit benen SiMington ^og jeßt bem Skbner bes 
!Xages in bic Vorabc fuhr. Gr fal) nur bie oerfjaßtc 
Gieftalt feines 5°möcs. 

Seine Gebanfen überftürgten fid). SBie fam hier» 
her? ... SBo mar Sftaria? . . . SBer hotte bic G>e= 
fangenen befreit unb gerettet? 

S3tit hoßnergerrten SJHenen ftarrte er auf bie feften, 
gefunben 3öge feines (Gegners. 3n biefer Sefunbe mürbe 
fein "Verbad)t gur G^emißheit. 

Gr fenftc ben 5Topf, als höbe ihn ein fdjmerer Sd)lag 
getroffen. 0ie Vlänc bes Stegenten ... bic fd)marge 
Sad)e . . . Sflaria . . . alles, mofür er gefämpft hotte, 
fd)icn ihm bebrol)t . . . nerlorcn. 

0ann ftraffte er fid). Gine maßlofe SBut tobte in ihm. 
SJtit furgem Slugenblinfcn rief er ben fyüßrer bes fdimac» 
gen Sd)ußtrupps gu fid). Gin paar leife geflüfterte SBorre. 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 



Seite 860 


0 1 < 38 o cj> e 


Kummer 39 


3f)re Wirfung aeigte pd) baib. 33ei ber nädpten phar- 
feit Wenbung, bie Wellington 5°£ gebrauchte, brad) ber 
(Gegenfturm los. Sohlenbe unb fd)reienbe ^roteftrufe 
erphotlen oon allen Seiten. Sine Maffe Schmaraer ballte 
pd) plötpid) um bie Nebnertribüne aufammen. Ss mar 
flar: Man roollte ben Nebner mit (Gemalt oon bet Sri- 
büne reipen. 

Nod) fprad) Wellington ffoj unbeirrt meiter, obphon 
feine Worte faum noch non ben SRädjften gehört mürben. 
Sin Srinfglas, bas bidp an feinem köpf norbeiflog, gab 
bas Signal aum allgemeinen Eingriff. 

0er Nebner mar in höchfter (Gefahr. 0a brad) plötpid) 
aus einer anberen Scfc ein ^eil ... ein meiper Stop- 
trupp burd). Nodj ehe bie Sdjmaracn an ihn h^on- 
tonnten, mar Wellington non fehnigen, träftigen 
(Geftalten umringt, bie alle bas Maeidjen bes Weipen 
Orbens trugen. 

Minutenlang prepten bie Parteien gegenetnanber. 
Non beiben Seiten flogen müfte Schimpfreben. Wer 
mürbe mit Sätlichfeiten beginnen? 

Sollin Sameron hotte pd) f>alb bemupt non ber Strö¬ 
mung mitreipen laffen. Nur menige Schritte trennten 
ihn non feinem (Gegner. 0ie §änbe ber beiben Männer 
maren in ber btängenben unb mogenben Maffe feft* 
geprept. 0as Nuge Wellington $os’ aeigte feine Über- 
rafchung. Sr l)ielt ben Wutblicfen Sollin Samerons 
mit Iädjelnbem (Gleichmut ftanb. 3n biefem Moment 
gelang es ber Nerfammlungsleitung, rechts unb linfs 
Saaltüren au öffnen unb bie feinblichen Parteien lang- 
fam auseinanberaubrängen. 

Stauin fühlte Wellington bie $änbe frei, als er 
Sollin Sameron hödpt oergniiglid) auminlte. 

„Nuf Wieberfehen ein anbermat, Mr. Sameron. 0te 
(Gelegenheit mar biesmal nicht günftig, um Shnen oon 
ftaraforum unb feinen Säften au eraäl)Ien. Sh^e a^eifel- 
los berechtigte Neugierbe mirb baib befriebigt merben ..." 

Schon mürbe bie Sntfernung auüphen t>en (Gegnern 
gröper, aber Wellington gbj oerfügte über genügenbe 
Stimmfraft. 

. . Men ^Beteiligten geht es auperorbentlich 
mohl . . . 0 ie Rechnung mirb beglichen merben . . . 
Wir mipen alle, mas mir Shuen fchulbig pnb . . ." 

Sinen ^ugenblicf mar Sollin Sameron in parier Ner- 
fudjung, eine STugel in ben lachenben Munb au fehiefen. 
Sr beamang pdp. Seine Sippen blieben gefdpoffen. Mit 

einem SBlicf ooll $ap unb Nadpudp manbte er pd) ab. 
* 

Nom ^ßamir bis aum Nltai unb meftmärts bis aum 
Uralgebirge brach es faft gleichaeitig los. 0 ie alten 
Herren bes ßanbes, bie ^irgifen, rüttelten an ihrem 3 o<h- 
Nerbrängt oon ben alten Stätten ihrer Kultur, oer* 
brängt oon bem ßanbe unb ben Weiben ihrer Vorfahren, 
hatten pe, feit bas Sieblungsmerf beftanb, teils ben 
Sieblern als Unfreie gebient, teils maren pe in unau- 
gängliche, unmirilidje (Gegenben entmid)en, mo pe ein 
freies, aber erbärmlid)es 0 afein führten. 

Nom Often mar ber Nuf au ihnen gebrungen. Sei« 
fchenb unb oerfprechenb. 3n jahrelanger Arbeit hotte 
bie geheime Srrebenta bie Saat reifen laffen. 

3 eip ftürmten pe los . . . beraufdp oom 0 range, ihr 
(Gefdptf a u beffern . . . ihre alte Freiheit mieberauge- 
minnen . . . 0 ie JJremben au oerjagen. £offenb auch 
auf bie ftarte §anb im Often. 

0 er erfte Eingriff ging gegen bie ted)nifd)en Anlagen. 
£>ier mürben Kanäle aerftört unb Schleufen geöffnet . . . 
bort Staubämme gefprengt . . . bort Nrücfen unter- 

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miniert unb Wege ungangbar gemacht. Ss fing als eine 
planmäpige Sabotage an. 

Mer als bie erften Nachrichten tarnen, bap aud) 
0pnothermlager ber Compagnie aum Nrennen gebraut 
maren, ha mupte man, bap es mehr als Sabotage ♦ . . 
bap es Nufruhr . . . Sfrieg mar. 

0ie Siebter griffen au ihren Nerteibigungsmitteln. 
0ie ^oliaeitruppen maren Sag unb Nacht mobil. Wo 
pe Ipufamen, fchafften pe Orbnung. Sobalb pe ben 
Nücfen fehrten, ging es mieber tos. 

3m jahrelangen Nerfehr mit ben Sieblern hotten bie 
^irgifen oicl gelernt. Unter ben ted>nifchen Arbeitern 
maren anftetlige Stirgifen in Menge. 0ie fannten bte 
Einlagen unb ihre Nebeutung nur aHau gut. Wupten 
nicht nur, mie man biefe richtig au bebienen höbe, fonbent 
aud), mie man pe am beften ruinieren fönne. 

Unb es blieb nicht bei biefen 3erftörungsatten ein* 
aelner. Ss tarn aur regelrechten Nanbenbilbung in ben 
(Grenagebieten. 0ie Nusrüftung unb Organifation mar 
babei berartig, bap bie frembe Unterpüpung auper 
allem 3 ®eifel mar. 

Sogar ftlugaeuge panben ben Nanben aut 9Ser* 
fügung. Non ben (Grenagebirgen het ftiepen pe a uc 
Nachtaeit rneit in bas Sieblungsgebiet oor, richteten hto 
allerlei Sd)aben an unb maren bei Morgengrauen mieber 
oerphmunben. 

Äura nad) Sonnenaufgang tarn ber oom Naron 
oon ßoemen geführte Stompagmetreuaer in bas obere 
Nmutal. £>ier befanben pd) gemaltige Stauanlagen, bie 
bas überreichlich oon ben Nlpen tommenbe WaPer auf¬ 
fingen unb in einem gropartigen '^andlfpftem über bas 
Sieblurtgslanb im alten Surfmenengebiet oerteilten. 

$ier hotte bie S. S. S. oor au>anaig Sohren ihre 
Arbeiten begonnen . . . Nidpiger gefagt bie alten 
ähnlid)en Arbeiten ber rufpfdjen Negierung in grop- 
aügiger unb ted)nifd) oiel oolltommcnerer Weife fortge¬ 
führt. 0 id)t bepebelt mar bas ßanb h^ r - ßebens» 
midpig für bas (Gebeihen ber Sieblung mar bas gute 
Junftionieren bes ftanalfpftems unb ber Stauanlage. 

Mer fepon mehrmals maren bie Mlagen bas 3^ e ^ 
feinblicper Angriffe gemefen. 

(Georg Sfenbranbt mar feit beginn bes Mfftanbes 
Sag unb Nacht untermegs. 0er Streuaer bes £errn 
oon ßoemen mar feit Sagen fein ftänbiges Quartier. NIs 
bas Schiff jept an ber gropen Sdjleufe oon 5lula ^ut 
nieberging, tarn fofort bet Nbjutant bes (Generals 
SBülom, ber ^auptmann Meril ßombale an Mrb, um 
Napport abauftatten. 

Mit gefpanntem 3utereffe laufdpe Sfenbranbt bem 
^Bericht bes Offiaiers. Srft in ber oergangenen Nad)t 
hatte es hier einen fd)arfen ^arnpf gegeben. Sin über- 
rafchenb ftartes (Gefd)maber hotte nach Einbruch ber 
0 un!eIheii einen Nngriff auf bie Nnlagen unternommen, 
^auptmann ßombale hotte ihn mit gutem (Erfolg abge¬ 
mehrt. 0 ie Nnlagen maren nur Ieidp befdjäbigt morben. 

0er §auptmann mar mit feinem 93eridp an Sfenbranbt 
au Snbe. 

„Sie hoben recht, $err ^auptmann! Ss hot leinen 
3 mecf, hier ftänbig grope Kräfte au binben ... au lauern, 
bis ein Angriff erfolgt. Ss ift beffer, bas Übel bei ber 
Wurael au foffen. 

3hre Meinung, bap bie Eingriffe über bie gelbe Srenae 
herfommen, teile id) nicht. Sie mögen bie Unter¬ 
nehmungen oon bort aus unterftiipen . . . meinetmegen 
fogar oeranlaffen. Mer id) holte bie Negierung oon 
Sßefing für a u oorpcf)tig, pch eine berarttge SBlöpe au 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




Kummer 39 


Gelte 867 


geben. SBeridjten Gte in biefem Ginne aud) an ben 
Generaf. (fr möchte bie ijtcfigcn Grenggebictc burd) eine 
fdjnclic Hrcugerflotte grünblid) abfueßen Iaffen. (Es müßte 
bod) mit bem Teufel gugehen, menn bie 93urfdjen nidjt 
gu finben mären. 

S)ie Grengfiif)rung ift tjier freilief) außerorbentlid) 
fdjmierig. 9Sir ift fie non ben Arbeiten im (Gebirge her 
genau befannt. begleiten 6ie mid) bitte, um bas Terrain 
gu ftubieren. Gie biirften bann ber richtige Sianu fein, 
um bie Operationen felbftänbig gu leiten. Vielleicht 
haben mir Säger» 
glücf unb fpüren 
eins ber 5 uc hs* 

Iödjer auf." 

(Eine Viertel* 
ftunbe fpäter 
ftrid) ber Streuger 
in niebrigem 
ftluge langfam 
über bie Stämme 
berGrenggebirge. 

3 n ber 3e n * ra le 
ftanb$auptmann 
ßorobalc neben 
Sfenbranbt unb 
oerfolgte an ber 
§anb ber Starte 
unb ber Grflä« 
rungen Sfen» 
branbts bas un» 
ter bem Streuger 
langfam f)inglci= 
tenbe GeKinbe. 

Sctjt teilte fid) 
ber f)of)c Gebirgs* 
famm. Ser eine 
Süden ging 
nad; Sorboften, 
ber anbere nad) 

Often. iperr oon 
ßoemen ließ ben 
Streuger bem 
Sorboftfurs fol« 
gen. 

„§alt, £err 
oon ßoemen! SJo 
rooüen Gie f)tn?" 

„Ser Grenge 
folgen,$err3fen* 
branbt." 

„Sie Grenge 
läuft auf bem 
Oftfamm meiter." 

„Unmöglich, Sperr Sfenbranbt. §icr bitte, bie Starte!* 
„Sann ift bie Starte hier ungenau! Sehmen Gie auf 
meine Verantmortung ben Oftfurs.* 

3n fefjarfem 9Bin!cl bog ber Streuger auf ben be* 
fohlenen Hurs ab. Gebirgsmiifte behnte fid) unter ihnen. 
Hein Saum unb Gtraud), gefd)mcigc benn ein 3«td)en 
menfd)lid)en ßebens. öbe unb eintönig gog bie oon ben 
Gebirgsfämmen umfäumte Ganbroiifte unter ihnen hin. 
3eßt ftrid)en fie an bem (Eingänge eines nad) Güben 
Iaufenben Geitentales oorbei. 

SBährenb ber £>auptmann unb Saron non ßoemen oor® 
roärts blidten, fudjte Sfenbranbt bie Salmulbe mit feinem 
^erfpeftio ab. Sie Stämme ringsherum maren mit leid)» 

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tem ftirncis bebeeft. Sur an einer Gtellc brad) ber fahle 
JJels ohne jebc Gpur non Gis unb Gdjnce burd). 

SMe mar bas möglich? 9tach ber Gcbirgsbilbung mußte 
aud) h^r Gdjnee liegen. Sfenbranbts Sugc ruhte unoer» 
roanbt auf ber Gtelle. 

Sur Sienfchenhänbc tonnten hier gemirft haben. Sber 
mogu? 3 U welchem 3we<f? 

Sfenbranbt nahm bas Glas oon ben Sugen unb über* 
legte. Sugenfd)einlid) mar hier in Ießter 3 ß it mit Sgno« 
therm gefdjmolgen morben. Sou feiten ber Stompagnie 

tonnte cs nicht 
gefchehen fein. 

Von feinblichcr 
Geitc? Gs mar 
oicl gu menig, 
um irgenb» 
mcldjen Gehaben 
3 ngurid)ten. Gein 
Suge überflog bie 
traurige SJüfte. 

Gin Gebanfe 
juefte burch fein 
§irn. 

Sirgenbs mar 
eine Gpur non 
©aff er. ßebe« 
roefen, bie hier 
längere 3eit hau» 
fen molltcn, mu߬ 
ten (ich bas un» 
entbehrlidje Saß 
mitbringen . . . 
ober crfchmelgen. 

„SuberGteuer» 
borb!* tarn es 
fd)arf non feinen 
Sippen. Über» 
rafdjt fal)en ihn 
feine Begleiter 
an. Soch mäh® 
renb ber Streuger 
bas Hommanbo 
ausführte, folgte 
fein gmeitcr Se» 
fef)l: 

㤚henfteuer!* 
Sn fteiler 5al)rt 
ftrebte bas Gchiff 
größere^öhenan, 
inbem fein Sturs 
es über jene £al» 
mulbe hi n füf)rtc. 
„Vombe bereit." 
ftroljlodcnb fc^rie ßoemen bas Hommanbo in ben 
Apparat. 

„SSir haben fie, £err Sfenbranbt! Ser Seufel hätte 
fie hier fuchen follen!" 

Ser geübte ®Iicf bcs alten Gcbiffsführers hatte jeßt 
auch erfannt, baß biefe $almulbe einen mit raffinierter 
Stunft tafd)ierten Flughafen oerbarg. Sn geriefter ©cife 
mar ein Seil ber SSuIbe mit einem Ieidjtcn Geriift über¬ 
baut unb bie Vcbadjung, um bie Säufcßung noüftänbig 
gu madjen, mit einer biinnen Ganbbcde belegt. 

„Vombe ab!* ' 

Sod) ehe ber ßufttorpebo feinem Soljro entglitt, 
öffneten jid) mie oon Geifierhänben bemegt meite ßufer 

Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 


Die Stadt auf dem Berge“, Radierung von Erika v Roux 

Aus dem Kunstverlag von Amtier & Ruthardt, Berlin 













(Seite 868 


0 t * <3ß o cb * 


Aumi 


in ber Sanbfläcße. AMc ein Seßroarm aufgefd;euct)tcr 
Slräßen fdjoß ein ßalbes 0ußenb fd)ncllcr Heiner Sd)iffe 
baraus ßeroor, bie fid) fofort roeit auseinanber sogen 
unb ben $lompagniefrcuser eintreiften. 

(Eße rocitere Scßiffe folgen tonnten, errcid)tc ber 2uft- 
torpebo fein 3icl. Cf in Bliß! 9iocf) beoor ber Bonner 
ber Cf^plofion ben Sireuser erreid)te, faf) man oon bort 
aus bie furchtbare SBirfung. ASeit aufgeriffen Hoffte 
jeßt bie 0ecfe biefes heimlichen Spafcns. Bcrnicßtet mußte 
alles fein, roas barunter oerborgen toar. 

0ie Snfaffen bes Sireusers I)atten (eine 3cit, fid) roeiter 
um bie Srümmerftätte su fiimmern. 0ie Sd)ar ber An¬ 
greifer, bie fie mic §orniffen umfdjroärmtcn, bean» 
fprud)te ii)re oolle Aufmerffamfeit. 

Sd)on arbeiteten bie Batterien bcs Sireusers unb 
feuerten aus allen Aoßren. Aller A$aßrfd)einlicßfcit nad) 
mußte bas $lompagniefd)iff mit ben (fegnern fcßnell fertig 
roerben. Seine gute ^anserung bot ihm gegenüber ben 
ungepanserten Angreifern einen rocfentlicßen Vorteil. 
0iefe feßienen fid) aud) auf einen ernften Slampf nid)t 
einlaffcn su toollen. 6 ie fueßten bie (Entfernung smifdjen 
fid) unb bem Slrcuser ftänbig sw oergrößern, roobei fic 
naeß alter tatarifd)er Slampfesroeife abioed)felnb nad) 
red)ts unb linfs entflogen unb fliehenb feuerten. 

Sfenbranbt erfanntc bas Atanöoer. 3n forcierter 
JJaßrt fud)te er ißnen ben A3eg su ocrlegen. 0as 93ia* 
nöoer, rücffid)tslos ausgeführt, toar für bas Sriebrocrf 
ber Motoren su ftarf. 

(Eine ASelle braeß. (Es toäre an fid) nid)t fd)limm gc- 
toefen, ba ber Sireuser genügenb Acferoen hatte. Aber 
6 plittcr ber breeßenben Atelle gerieten in bie 3cntral- 
fteuerung. 6 ie tourbe ungangbar. 

Atit einem ftlud) gab §crr oon Socrocn ben Befeß! 
Sur Sanbung. 

„SBerflucht! 0ie Slcrls ßaben Slücf! 6 ie entroifeßen. 
0a sießen fic ab. Sie entfommen über bie ©rense!" 

Scßroerfällig feiste ber Sireuser auf bem Bo ben auf, 
nid)t roeit oon ben Krümmern bes serftörten $afens. 

Aläßrcnb §err oon ßoeioen fofort feine £ed)nifer an 
bie Reparatur feßte, oerließen Sfenbranbt unb ßorobale 
bas Scßiff. Aiit ißren ©iäfern oerfolgtcn fie bie am 
Süboftßorisont taum nod) fid)tbarcn 6 d)iffe. 

„Sd)abe, £>err Sfenbranbt, um bie ocrpaßte ©elegen- 
ßeit, ben Burfd)en einmal eine grünbliche ßeftion su 
geben. 0 as fd)eint ßier bas ipauptneft ber ßuftübcrfälle 
SU fein. 0cn Sorpebo eine Aiinute früher aus bcni 
Aoßr, unb bie ba ßinten lägen roaßrfcßeinlid) bei ben 
anbern ba brüben unter ben Krümmern ber Spalle. 3 d) 
toill mir bas fo gefd)ictt gebaute Aeft mal aus ber Aäße 
befeßen." 

Sfcnbranbt ßattc nur mit ßalbem Oßr sugeßört. Seine 
Cocbanfen folgten ben fliicßtigen 5 c iw&en in ber £uft. 
6 eine Augen hafteten an ber Steuerborbbatterie bcs 
Sireusers. Snfolge ber fd)rägcn Sage bcs 6 cßiffes sagten 
aueß bie ©efcßiiße eine anormale überßößung. (Es mußte 
möglicß fein, in biefer 6 tellung eine gans außergeroößn* 
lid)e 6 cßußioeite s u erreid)en. 

Sfcnbranbt hatte feinen (Entfdjluß gefaßt. Oßne fieß 
nad) bem Abjutanten umsufeßen, ber auf ben 3 er» 
feßoffenen Spafen sufeßritt, eilte er in ben Slreuser surütf 
unb ftieg in bie Batterie. 

0er Batterieraum toar oerlaffen. Aeben ben ©e- 
feßüßen ftanben bie bußfertigen Patronen. Aid)t oßne 
Anftrcngung fd)raubte Sfcnbranbt ben 3üuber einer 
Sdjrapncllpatronc ab unb entfernte bie ßabung aus bem 
©efd)oß. 0 ann griff er nad) einer in ber Aäße fteßen« 

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ben ASafferlanne unb füllte bas £>oß!gefcßoß mit bem Aaß. 
Seßt ließ er eine 3iwntube ßineinglciten unb fd)raubte 
ben 3üuber toieber auf. 

6 d)nell roar ein ©cfd)iiß mit ber fo oeränberten 
trone geloben. (Ein 0rucf auf ben fteuerfnopf. Slra« 
eßenb fußr ber 6d)uß aus bem Aoßr. 2eid)t feßroanfte 
ber Sireuser unter bem Aiicfftoß ßin unb ßer. 

ASäßreitb bas (Ed)o bes 6cßuffcs nod) oieltönig oon 
ben Bcrgroänben suriiefgeroorfen rourbe, ertönte plöß* 
Iid) taefenbes Atofd)inengeroeßrfeucr oon ben £>afen« 
ruinen ßer. 0er Äanoncnfcßuß ßatte bie Befaßung bes 
Sireusers fd)on alarmiert. Sic faßen Sfcnbranbt neben 
bem ©efcßiiß fteßen unb glaubten sunäd)ft, er ßättc naeß 
bem 5lugl>afen gefd)offen. 0as SAafd)incngeroeßrfeuer 
oon bort ließ fie oon neuem ftußen. Sfcnbranbt ftccfte 
bie llßr toieber ein, auf ber er bie Sefunbcn feines 
6 d)uffes abgelefen ßatte. 

Seßt naßm er fein (Eüas, um ben Urfprung bes Ata* 
f^inengeroeßrfeuers su erfpäßen. Unb faß mit 6d)redcn, 
toie Aoeril Sorobale in meiten Sprüngen über bie Sanb* 
flädje ßin auf ben Sireuser sueilte. (Er preßte bie ßippen 
Sufammen, faß Aoeril ßorobale sufammensuden. 

Saftig eilte er nad) unten. Aber als er bie Borb* 
tür öffnete, (am ißni ber Abjutant feßon entgegen. (Er 
preßte mit ber ßinfen ben reeßten Arm feft an. (Eine 
ftarfc Blutfpur beseidjnete feinen 3Beg. Sein Sefid)t 
mar blaß. Sleud)enb ftanb er an ber kreppe. Atit (räf- 
tigen Armen ßob ißn Sfcnbranbt ßinein. iBäßrenb er 
bie ^iir ßinter ißm sufd)lug, praffelten bie erften Coe* 
meßrfugeln gegen ben Sd)iffsrumpf. 

„Cöott fei 0an!, $>err §auptmann! 3d> fürd)tete bas 
6 cßlimmfte, als id) Sie ftiirsen faß. 0ie sertretene 
Biper fließt nod) . . . Slommen Sie! Sie roerben fofort 
oerbunben roerben. §offentlid) ift bie Berleßung nid)t 
alisu feßroer." 

(Er geleitete Aoeril Sorobale su $errn oon Socroen, 
ber bem Bcrrounbeten feine öilfe angebeißen ließ unb 
ben Arm forgfältig banbagierte. 

„Scß bin fein 0oftor oon ^rofeffion, §err §aupt* 
mann," fagte er lacßcnb, „aber id) tann Sßuen bod) mit 
einiger Sicßerßeit fagen, baß ber Sd)uß ungcfäßrlid) ift." 

Sfcnbranbt faß auf bie Ußr. 

„Sft ber Atafd)inenfcßaben noeß nießt beßoben?" 

„Sofort, Sperr Sfcnbranbt. (Es fann fteß nur nod) um 
Almuten ßanbeln." 

„Sn s^ci Atinuten müffen mir fertig fein!" 

„Alarum?" 

„Briefen Sie auf ben $orisont über ben Släntmcn im 
Siiboften! . . . Seßen Sie bie sudigen, gelben Sollen? 
... 0a braut fid) ein llnroctter sufammen. (Es barf uns 
nid)t am Boben unb manöorierunfäßig iiberrafd)en." 

0er Slommanbant fd)aute priifenb na^ ber angegebe¬ 
nen Aid)tung. 

„Oßo! ... Sic ßaben recht, §err Sfcnbranbt ... 0a 
braut fleh allerlei sufammen . . . 0er faßle SMmmel . . . 
bie gelben Adolfen ... bas bebeutet nid)ts Sutes . . ." 

(Er eilte sum Barometer. 

„Aid)tig! 0as (E>las ift plößlid) um sroei 3cntimeter 
gefallen . . . fällt ftd)tbar roeiter . . 

„fertig!" (am bie Atelbung oon unteru 

„Braoo! §öd)fte 3cit!" fagte £ocroen. „Sos!" 

Sangfam rid)tete fid) bas fcßrägliegenbe Sd)iff auf. 
0 ie B^°pcller gingen an, unb in glatter ocrließ 

es ben ßanbungsort. 

„BoDbampf nad) Aorben!" lautete ber Befeßl. 


x 


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PRINCETON UNIVERSITY 


Kummer 39 


$ \ e ©od)« 


Seite 869 


VOLKSBELUSTIGUNGEN IM BILDE 



„Rummelplatz”, Radierung von Julius C. Turner 

Aus dem Kunstverlag von Amsler & Ruthardt, Berlin 


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NCETON UNIVERS 








Seite 870 


0 i e ® od)e 


Bummer 30 


(Es mar fjolje &\t geroefen, bog ber ftreuaer bie Se* 
malt über fein (Element auriiefgemann. Schon jagten 
einzelne unregelmäßige Sturmftößc burd) bie ßuft unb 
mirbeltcn ben Süftenfanb in ferneren gelben Rolfen 
auf. Smmer fdjneller folgten fid) bie Stöße, unb bann 
brach ber Orfan los. 

Sin Sirbelftunn oon unerhörter Stärfe, gegen ben 
fclbft biefer ftarfe ^reu^er nießt bireft anfämpfen fonnte. 
Säßrenb bas Schiff in roeitem ‘Bogen über bas iran ; fd)e 
£od)Ianb geriffen rourbe, feßte |>err oon ßoemen feine 
gan^e Steuerfunft baran, fid) Bieter um Bieter oom 
3 cntrunt biefes Taifuns los$uringen, bas gana offen* 
bar hart hinten über ben Süboftfämmen jenfeits ber 
(Sren^e lag. Sr nahm es gunäd)ft als unoermeiblid) mit 
in Stauf, baß fein gutes Schiff babei oertrieben unb felbft 
in roeitem Streife herumgemirbelt rourbe. 

^IX fein Beftreben roar barauf gerichtet, aus biefer 
gefährlid)en Sturmjone hinaus an ben äußeren Banb 
bes Taifuns ^u gelangen. (Es roar nicht leicht. Sie 
burd)löd)ert fdjien bie ßuft <\u fein. Sieberßolt ftür^te 
ber ftarfe Streuner plößlich roie ein Stein in bie 0iefc, 
legte mehrere taufenb Bieter in fenfred)tem ftaüc ^uritef, 
beoor er roieber £alt in ber aufgeregten Btmofphäre 
fanb unb bie oerlorene $öhe roieber ju geroinnen oer* 
mochte. Sr märe Iängft auf ben Reifen aerfcßellt, roenn 
bie meifterhafte Steuerfunft bes £>crrn oon ßoemen ihn 
nid)t immer roieber ber gefährlid)en Bähe bes feften 
Bobcns entriffen unb babei Sdjritt für Sdjritt aus bem 
fchlimmften Sirbel hinausgebracht hätte. 

Bis ertiblid) bie (Srenje ber Sturm^onc erreicht unb 
überfeßritten roar, bis ber Streuaer mit ooller Biafdjtnen- 
fraft in einer ruhigen unb tragbaren Btmofphäre ben 
geraben Sturs nad) Borben oerfolgen fonnte. 

0 urd) bie großen §ccffcf)eibcn ber Sabine blieften 
bie beiben Biänner jurücf nad) bem Süben 
unb Siiboften. 0a ftanb es toic ein riefenhafter 
unb unf)eimlid)er 0 rid)tcr oon fahler fdjroefelgelber 
Sarbc über ben Bergen. Sie eine gigantifdjc Saug* 
pumpe hatte ber roirbelnbe Orfan ben Staub unb 
Sanb oieler Quabratmeilen emporgeriffen unb führte 
ihn in immer größere $>öl)en. Blies, toas in bieten 
Strubel gelangte, ihm nicht redityeitig mit eigener ftarfer 
Straft 3 U entfliehen oermochtc, rourbe gepaeft, in bas 
3 entrum geriffen, gerrieben unb jerfd)mettert. 

ßange bliefte §err oon ßoetoen burd) fein fdjarfes 
Sias. Sr glaubte Jeßcn, £rümmerftücfc oon gerriffenen 
5 lugmafd)inen inmitten bes §öllenroirbcls au ;el)en. 

„Sas mir nicht oermod)tcn, tut bie Batur. Bller Be* 
reeßnung nad) ftnb bie Selben mitten im Saifun. 0a 
fornrnt fein Jlügel Iebenbig jur Srbe." 

3 ‘fenbranbt niefte. 

,, 3 d) benfe auch- Unb bamit mirb h°ffentlidj für 
lange 3<ut h^r Buhe herrfdjen . . . 33i$ Sßefing neues 
Btaterial fehieft . . . ober bis . . 

* * * 

3n Sierni) hatten Sitthufen unb Blaria nad) ihrer 
Befreiung aus ber Buinenftättc STaraforums einen 
fieberen 3uflud)tsort gefunben, Buf ber nieberen Be* 
ranba, bie bas §aus umgab, faßen Sfenbranbt unb 
Blarias Bater. 

Bus bem fühlen Sd)atten bes $albbadjcs fah man 
meit hinaus in bie frud)tbarc ßanbfd>aft. 0ie Briefen 
prangten mie fchmeüenbe $eppid)c oon Samt. 0ie Se= 
treibefclbcr träufelten ftd) fd>on im Sinbe mie flutenbe 
Saffermogen, ließen bie §alme emporfd)ießen unb mud)* 
fen ber Sonne entgegen. 0ic Bäume ftanben hier noch 

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im Bliitenfchnce, trugen bort fd)on fdjmeren ftrudjt* 
anfaß. 

„Sin gefegnetes 3ahr!" fagte Sitthufen. „Ser mie 
ich biefes Surfeftan nod) oor einem halben Blenfd)en* 
alter gefannt hat, mirb es immer mieber mit Staunen 
fehen, mie Btenfdjengeift unb Blenfchenhanb bie Sanb* 
müften in ein fruchtbares, bidjtbefiebeltes ßanb ocr* 
manbelt haben. Sollte bas Barabies hier roirflid) ber 
Srisapfel amifeßen (Europa unb bem gelben Bcidjc 
merben?" 

3fenbranbt auefte bie Bdjfeln. Sr hatte bie Sorte 
Sitthufens nur halb oernommen. Sein Buge hing 
noch an ber 0ür, hinter ber Blarias Seftalt foeben oer* 
fd)munben mar. 0ie Srcigniffe ber Ießten Sod)en hatten 
bie £craen ber beiben rafeßer unb feftcr miteinanber 
oerbunben, als jebes roerbenbe Sort es fonft mof)l oer* 
moeßt hätte. 

Sährenb bie in ihrer ßchmhüttc Singefdjloffenen in 
Staraforum bantals unter Bangen unb 3ugen bas Snbe 
ber fd)recflid>en Stunben ermarteten, hatte 3fenbranbt 
hoch oben in ben ßiiften faft in ber gleichen Stimmung 
fein Serf ooübrad)t. Ss mar ihm jitmute geroefen 
mie einem Brat, ber einem Patienten gleicß 3 eitig feßme* 
res Sift unb Segengift oerabreießen muß. 

konnte nid)t ein ungliicflid)er 3ufaH bie Sefangenen 
bes rettenben Büttels nod) im Ießten Blomcnt berauben? 

. . . Sürbe »beffen Sirfung bie Slut bes 5 cu crregens 
paralpfieren? . . . Sürben bie Ssperimcnte unb Be* 
re^nungen, bie er im ßaboratorium angefteüt hatte, fich 
beim Berfuch im großen bemähren? . . . 

Someit, mie er es bamals aus ber §öhe feines 
fd)iffes beobad)ten fonnte, fd)ien alles planmäßig $u 
gehen. Bm Bormittag roarf Bl)meb bas Bntibpnoth:rm 
in ben Sec oon ^araforum. Biel früher, als Selling* 
ton oon feinem Sefängnishofe aus etmas bemerfen 
fonnte, fah Seorg 3fenbranbt aus feiner §öl)c bie erften 
Solfenbilbungen. 

Bis ber bicf)t unb immer bicfjter merbenbe Begen* 
fdjleier ihm bie ungefebene ßanbung geftattete, mar er 
an ber oerabrebeten Stelle hinter einem 0ünenfamm 
niebergegangen. Bad) ^mei Stunben erft mar Bhmeb 
hier au ihm geftoßen. 0urdjnäßt . . . burd)mcicht . . . 
geblenbet . . . faft ertränft oon ben molfenbrudjartig 
nieberftüraenben Saffermaffen hatte ber getreue 0iener 
ihn nid)t foglctd) finben fönnen. 0ann fam er unb 
brachte bie frohe Botfd)aft, baß bas Blittel ficßer unb 
unbemerft in bie §änbc ber Sefangenen gelangt fei. 

0 ann fam ber a^cite ... für Sfmibranbt ber f<f)roerfte 
0eil ber Bufgabc. Sieber ging fein Schiff in große 
$öhen, mährenb er bie nieberftrömenben Saffermaffen 
burd)fchnitt unb ftd) oom 3entrum bes Unmetters ent* 
fernte. Bod) einmal prüfte er mit bem ‘ißräaifionsmeffer btc 
Sntfernung oom Biittelpunft bes Setters. 0ann fuhr 
ein Sd)uß aus bem Bohr feines Schiffes. Sjaft arbei* 
tete ber 3 e ifyünbcr. Senau in ber Bdjfe bes Bk)lfen* 
bruches e^plobierte bas Sefd>oß. Seine ßabung 0pno* 
therm ber neueften fd)ärfften Sirfung ging in feinfter 
Streuung nad) allen Seiten in ben Begen. 

Btit bem Seleffop beobadjtete Sfenbranbt bie Sir* 
fung. 0a . . . inmitten ber grauen, bunftigen Begen* 
maffen fah fein Buge eine fleine, feßmarac Solfe ent* 
ftehen. Bad) einer Seile ein furaer Bliß, für bas un* 
bemaffnete Buge fauin fid)tbar. Sr legte bie $anb ans 
Oh^ unb aäl)lte. Bicraehn Sefunben! ©er leichte $aH 
eines ©onners brang an fein Ohr. 

Fortsetzung folgt . 

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PRIiNCETON UNIVERSITY 


Kummer 39 


® i c <20 o cf) c 


Seite 871 


Srangoftfdfje ©cf)recfen^^errfc^aft tn ©prten 

Mit drei photograohischen Aufnahmen 




gegen die Fran¬ 
zosen gerichteten 
politischen Organisation 


Qn 9tt)ctn unb 
SRufjr geht es in 
Serien. 9Xucf> bas 2anb 
im nahen Often, bas 
mir aus ber ©efdjtdjte 
fennen, feufjt unter 
bem 3 od) ber gran» 
^ofen. 9Us bie (Eng» 
Iänber im 3ah* 1918 
©amasfus befetjt Rat¬ 
ten, oerfuchten fie mit 
allen Mitteln ber Sßro» 
paganba, bas fprifd)e 
Bolf für ftef) 5 U ge» 
minnen. Sie hofften, 
es mürbe nom SBöIter- 
bunb bie englifcfjeOber- 
hoheit erbitten. ©och 
Srjrien brauchte feine 
Sdjutjmacfjtmefjr. 1919 
machte es fid) felbftän« 
big, mäljlte einen König 
unb begann fid) unter 
beffen Regierung juer* 
holen. 91ad) etma fedjs 
Monaten fteüten bie 
granjofen, bieftchfd)on 


Syrische Studenten 
in ihrer Gefängniszelle 

ber Kiifte bemächtigt 
hatten, bem König ein 
Ultimatum, ihnen einige 
Stabte unb bie<Eifenbaf)n 
$u übergeben. ©as be* 
beutete Krieg. ©od) 
tonnten bie Syrier mit 
ihrer jungen < 2 lrmce, bie 
in 6 SRonaten gefchaffen 
morben mar, nichts gegen 


Zu 15 Jahren 
Zwangsarbeit ver* 
urteilte Mitglieder einer 


Politische Gefangene während einer Arbeitspause im Gefängnishof auf 
der Insel Rouard. In der Mute: Minister des Äußern Dr. Schahbender (1). Dr. 

Hakim, Leiter des Postwesens in Syrien (2). Oberbürgermeister Dr. Haidar (3) 

bie Übermacht ber mit Sanfs, 9Jlafcf)inengemehren unb giugäcugcn aus« 
gcriifteten franjoftfehen Slrmce ausrid)ten. Jtad) einem furzen Kriege, in 
bem ber Kriegstninifter 3uffuf SBei) 9lsmc, oiele Offiziere unb Stubenten 
ben ipelbentob fanben, jogen bie granjofen in ©amasfus ein. ©amit be« 
ganit bie Setbens^eit ber Beoölferung. 32 ^erfonen ('Utinifter, Offiziere, 
Stubenten unb Sßartcif (Ihrer) mürben juni Sobe ncrurtcilt, unzählige 
mürben eingeferfert; bie 'llrmee mürbe aufgelöft; bie fran^bftfc^c Sprache 
mürbe obligatorifch in Schulen unb Bef)örben. (Es lägt fid) nicht micber« 
geben, in mie brutaler üßteifc biefe Kulturträger bie grauen auf ber Strafte 
beläftigten. Kein SBunber, baft fief) ber aufgefpcicherte £>aft unb bie 3But 
fchlteftlich in einer (Empörung ßuft machten. 3m Qlpril oorigen 3ahrcs brach 
in ganj Sprien ein Slufftanb aus, ber aber burd) Sanfs unb SJtafchinen» 
gemehre unterbrildt mürbe. 3n ©amasfus tobte ber furchtbarftc Straften» 
tampf. SDlänner unb grauen, Kinber unb ©reife hatten ju ben 2öaffcit 
gegriffen, unb bie fran^öftfehen 2 Rafd)inengcmehre richteten ein furchtbares 
Blutbab an. ©ie §auptführer mürben gefangen unb $um ©obe oerurteilt, 
einige mürben $u 15» unb 20»jährtgen ©efängnisftrafen begnabigt. 


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PRINCETON UNIVERSfTY 








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PRINCETON UNIVERS1TY 



Kummer 30 


© i € ® 06 c 


Seite 873 




„Welche Verschwendung, mitten in der Woche zu baden!“ — „Besser ist besser! 

ob man nicht polizeilich auf Devisen untersucht wird —?“ 

l)ot man fonft bie teu= 
reu “©ücfjer getauft?) 

Schillers ©ertc s Banb 7 
ober oon Sroers ber 
:Roman „9llraune*, ein 
alter §utfarton im 93o-- 
bengeriimpel. Unb fo 
fort. 3e unmöglicher, 
um fo beffer. ©er, fo 
meint ber biebere Satt* 
lermeifter Riefte, roirb 
barauf fommen, ben 
leeren ©urfentopf in 
ber Speifetammer auf 
©eoifenzuunterfuchen? 

9lber ba es, gerücht-- 
tocife, brenzlich roarb, 
oerftaute er ben bis 
Jtum iRanb gefüllten 
lieber hoch im Stahl* 
fafe im Schlafzimmer, 
übcrtlebtc bas ©iirchen 
mit Tapete itnb .... 
ftarb bariibenoeg, ohne 
bafc ftrau Riefle leibet* 
non benrBcrftcct untfttc. 

SPed)! 9lnno 2000 aber 
mirb spieftes cinftigcs 
fpaus abgeriffen, 9Jtou* 
rerhadc zertrümmert 
ben Steintopf in ber 
ÜBanb, unb iopffchüt. 


Weiß man denn, 


tclnb ftehen bie Seute 
oor einem Raufen merk 
Iofcn Spiers. 

ftomifd) ift ja auch, 
roas fich bei einer ber 
erften Razzien zugetra* 
gen hoben foü, als fie 
erft im ©ange roaren. 
Ort: bie93obentammer. 
©ie Sipo breht bas 
unterfte zu oberft. 3u 
ber ©efe ein §utfarton. 
©er Spürhunb toim- 
mert. ©rinnen piept es 
gottserbärmlich. ©iit 
rafcher ©riff, eincSJiaus 
entfleucht in roirrent 
Sprung, unb nieblich 
liegen in zerftiicfelten, 
zerfreffenen ©eoifen bie 
SÖtäufetinberchen, acht 
an ber 3ahl» ©er ©ol= 
lar aIs©ochenbett! (£s 
mar eine herrliche 3eu 
tungsnotift. Überhaupt: 
luas hot fich letzthin 

Ein Hausabbruch 
in 100 Jahren 
„Wat habta'n gefun¬ 
den?“ — „’n Schatz! 
Jngeweckte Dollar¬ 
noten von 1923“ 


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PR1NCE1 


























Seite 874 


© i t OB o d) e 


Kummer 39 


nicht olles ereignet. 

Sa toaren eines 
Bormittags bie 
Btenfdjen nid)t 

frf)Iecf)t iiberrefebt, 
alsplöfclid)in ihrem 
Biertel ein ganzer 
Sßlatj „abgertegelt" 
mürbe, jeher ‘jjkf. 
fant oon rauher 
Sipobanb abge* 
taftet, jebcs 9luto 
bettopft, jebes ©e» 
fd)äftsIofal abge* 
fud)t, jeber ©elb= 
fd)ran! aufgefuaeft 
mürbe. Caftautos 
mußten bie Beute 
gum ©ittator fcf)Iep= 
pen, ßaftautos, man 
benfe. 3n ben 
Strümpfen, ben fei« 
betten, butten fie 
bieSeoifen, bieS)a» 
mett; im BJeften» 
futter bie Herren; 
ein 9luto mar batnit 
gepolftert; einem anberen, es butte bie Kummer 587 633, mar 
alfo tinbifcb jung, plante oor Sdjrccf ber eine Reifen, aber ftattber 
£uft entminen bem ^neumatif bie fdjönften ^funbnoten . . . 

3a, es l)at ficb aUerbanb augetragen. Sin Sipomann 
mollte in einer ©rnnemalboilla feine Iiterarifd)e Bilbung er» 
meitern. Blätterte, nur fo aus 3ntereffe, in einer Cujusausgabe 
oon ©oetbes „Sauft". „9lm ©olbe f)üngt, nad) ©olbe brengt 
boef) alles. 9l<b, mir kirnten!" las er gerabe. Sr las an biefem 


Sag nid)t meiter, 
mie Betrarca unb 
£aura.Betin berBe» 
fißer biefes „Sauft" 
batte nur ben einen, 
ben erften Seit bie» 
fes 3ttots negiert. 
Sr t)atte gmifd^en 
bie Seiten, oer- 
mutlicb um bie Bit» 
ber au fd)üfcen, ©ul« 
bennoten gelegt. 
91$, ber 9lrme! 

BerBleitteibegar 
nicf)t au benten, bie 
bamals im boü)- 
notpeinli$en Se« 
oifetioffeiibarungs« 
oerfabren nach aus» 
ficfjtslofer iftaaaia 
gefebmorett mürben, 
©a ftanb a. 33. ein 
böcbft oerböebtiger 
Sbrentnann mit 
beiben Süßen faft 
bereits im 3 u cbt« 
baus. Sr jebmur 
unb fcbtmtr unb febmur, bei feinem 9lugenlicbt fogar unb bei 
(einem gefuttbett Btenfdjenoerftanb. Unb bod) fanb man au« 
guterleßt ben Sd)aß, gana oerborgen im §crblocb, ein 
febmeres Bünbel. Slbcr es marett lauter alte Saufettbmarf« 
febeine mit roter Stummer. Ser Btann, ber bei feinem ge* 
funben Bieitfcbcnoerftanb gefebmoren butte, butte fte für Se» 
oifen gehalten. Ss mar ein Berriidtcr .... 

Schluß des redaktionellen Teils 



Einquartierung der 2. Esk. Reit.-Regt. 6 in Hohenfelde bei Tempelburg 
(Manöver 1923 der 2. Division) 

Ein Manöverbild aus unserer Zeit 



RIPHONOLA 


FLÜGEL U. PIANOS öUtin 

drei 'Brücken 'zur 


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LUDWIG HUPFELD A? G< 

BERLIN W. IEIPZIGER.STR. IIO 

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Original früm 

PRINCETON UN!VERSITY 







Hummer 40 Berlin, den 6. Oktober Vt2il ' 25. 3<tbt-a<tng 



Mit Genehmigung der Photographischen Gesellschaft Chatlottenbutg 

„Fichte als Redner an die deutsche Nation" von Arthur Kampf 

Wandgemälde in der Aula der Berliner Universität 


Si'djfe unb He 31 o f unfercr 3 e i f 

23on £)r. Dtfo :Soefih, 3fiiniftcr für 2Öiffenfd)aff, ^unfT unb SSoIfebitbung 




reußens Srniebrigung oor ^unbert 3a^ren unb 
©eutfcßlanbs tiefer JaU, ben mir erleben — mir 
fommen nid)t los non bem Vergleich, unb es ift gut, baß 
mir nirfjt non ißm lostommen. SBenn unferc &\t nur 
bie Stuße fänbe, fief) gan^ in bie Saßre 8 U nerfenfen, bie 
bamals in Preußens fcßlimmfter Stat unfere reinften unb 
größten Männer ent^ünbeten für ben ^eiligen S)icnft 
am Volfe unb am Vatcrlanbe, menn nur ftärfer unb 
nachhaltiger auch h cu * c noc h bie Stimme $id)tes un * cr 
uns laut mürbe, ber bamals ben Schlaffen bas furcht» 
bare SBort non bem Sturm prebigte, ber bas S)iirre mit 
fief) fortreißt, ber aber ben £offenben unb Sehnenbcn 
3urief: „ftiirdjte bid) nid)t, glaube nur!" 

ftießte ner^meifelte nicht. Sr faß bie Morgenröte ber 
neuen SB 3 elt fchon angebrochen, „oergolbet fchon bie 
Spißcn ber Vergc unb norgebilbet ben Sag, ber ba 
fommen foll". 

$)iefer 3ufunftsglaube ^ar flacher Opti* 

mismus; ftidjte mar überzeugt, baß fein Menfd) unb 
fein SBunber unb feines non aüen im Sebiete ber Mög» 
licßfeit Iiegenben Sreigniffen bem Volte helfen tonnten, 
fonbern baß ein jeber fid) helfen miiffe, falls überhaupt 
geholfen merben fönne. 3 )arum forbertc er bie mann= 
hafte Kühnheit, bas Übel feft ins Sluge 3U faffen unb es 
ruhig, falt unb frei 3U burchbringen. Sr fal) bie 

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Selbftfucfjt im SBoIfe bis 31t ihrem ßöd)ften Srabc ent» 
micfelt, er fal) bie hinter auslänbifd)en tönenben SBortcn 
fleh oerbergenbe Schlaffheit, bas ^Betragen ohne SBürbe, 
er erfannte, baß feine Station, bie in Slbßängigfeit herab» 
gef unten ift, burd) bie gcmößnlidjen Mittel [ich aus 
fehmerer Stat erheben fann. 

Unb bod) glaubte er an bie 3 ufunft, benn er fanntc 
jenes große ßebcnsgefeß, nach bem eine gefunfene 
Station fich 3U einem neuen ßeben aufrid)ten fann. 

SBäre ftid)te heute unter uns, er mürbe unfer gegen» 
märtiges 3eitalter mit allen feinen moralifchen Übeln 
gan3 burchfehauen unb fd)onungslos jebem Stanbe unb 
jebem Sefchlecßt unb jebem ßebensalter bas mahre Vilb 
feiner felbft 3cigen. Slber allen §offnungslofen mürbe 
er 3urufcn: „3ßt kleingläubigen, marum feib ihr fo 
furchtfam?" 

®enn mir haben bie Sitter unb SBerte, bie $id)tc 
bamals faunt ahnenb erhoffte: eine große Sefd)id)tc, ein 
beutfeßes Stcid), ein größeres Srbc ber Vergangenheit. 
SBir haben bamit aud) eine größere VerantmortIid)feit 
oor ber beutfeßen 3ufunft unb oor ber SBeltgcfd)id)tc. 
3 )arum gilt uns noch nicßr als feinen 3 c ^9 c noffen fein 
furd)tbares Maßnmort: „Ss hängt oon eud) ab, ob ißr 
bas Snbe fein mollt ober ber Slnfang unb ber Sntmicf» 
lungspunft einer neuen, ßcrrlidjen ^eitl" 

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PRIiNCETON UNIVERSITY 



Seite 876 


0 i e 5Ö o 6 c 


Kummer 40 


SBem ober folltc moßl biefee SBort fd)mercr in 

bte Seele fallen als benen, bie mit $icßte als bas größte 
unb midjtigftc Mittel, bie beutfeße Nation 311 erhalten, 
eine bis in bie SBurzeln ber Lebensregung burd)grcifenbe 
©rzießung anfeßenl 

Sin junges ©efd)lecßt fall erlogen rnerben, bas 
förperlid), geiftig unb feelifcß in bie Stot ber 3 <wt ßinein* 
gcfcßleubcrt, in bem Taumel furdjtbarfter ©efeßeßniffe 
l)in unb ßcr gcmirbelt mirb, bas, in bem allgemeinen 
Sufammenbrud) fefter Lebensformen, fid) l)iiteingeriffcn 
ficl)t in bie 3 beologic eines alle Möglicßfeiten in Staat 
unb ©efcllfdjaft bisfutierenben ^arteilebens, in bie 
entfittlid)enben SBirtungen eines fid) gerfeßenben Söirt* 
fdjaftslebcns, in frühreife ©enußfuri)t unb in einen ßoff* 
nungslofcn Materialismus, ein junges unb neues Sc* 
fd)lecßt, aus beffen 3unerlid)fcit troß allebem bas neue 
Leben erblühen muß, bas uns allein retten mirb. 

©er ©rzießer muß barutn troß allebem an unfere 
3 ugenb glauben, ol)nc in ben SBaßn 31t oerfallen, baß 
bie Sugenb aus fid) allein bie neue Volfßcit geftaltcn 
tonne, freilid) aud) oßne ben SBaßn, baß er ober ber 
Staat ober bie Mctßobc ober bie Organifation Leben 
fdjaffen tonne. 

©er ©rzießer muß mieber zum ©rzießer im maßrften 
Sinne bcs Portes rnerben: er muß laufeßen tonnen auf 
bie ^ulsfdjlägc, bie uns bas tiefftc Leben ber Sugcnb 
beuten, er muß Icfen tonnen im Slugc bes Stinbcs, bas 
ißm, menn er 31t flauen oerfteßt, alles fünbet, mas in 
ber Stinbesfeclc oorgeßt; er muß jebe, aud) bie geringfte 
SBacßstumsmöglicßfeit unb jebe, aud) bie unfeßeinbarfte, 
SBadjstumsßcmmung flaren Vlicfs erfennen; er muß bas 
Skis cmporlcitcn, er muß es befd)nciben, er muß es 
ftarf unb mettcrl)art machen; er muß ben Stab löfcn, 
an ben bas feßmadje Stämmd)en gebunben mar; er muß 
cs bem Sturm unb SBetter ausfeßen unb muß fid) freuen 
fönnen an ber Straft bes eigenen Lebens, bas bas Stinb 
Zum Jüngling unb zur Jungfrau empormad)fen läßt, 
aud) bann, menn biefes eigene Leben ganz anbers ift als 
bas Leben bes ©rzießers fclbft. Sr muß eben bas Sieffte 
unb §crrlicßfte im Stinbe zur ©ntfaltung bringen, bie 
Seele, uon ©ott ißm gegeben. 3 U biefer ©iefe ber 
3nncrlid)fcit unfere Jugenb micbcr ßinzufüßren, il)r 
ben 3 u 9^ n 9 a u ben reinften Quellen il)rer Straft zu er» 
fri)ließcn, fic zu lel)rcn, baß oon biefer Snnerlicßfeit alles 
lebt, mas mert ift, baß cs lebt, unb baß alles anbere, 
mas beute begeßreusmert erfeßeint, fd)al unb mcrtlos ift, 
bas ift bie große erzießerifd)e Aufgabe, bie uns allen 
gefteilt ift. Sittlid)e ©rzießung im Sinne ftießtes, aus 
tiefftcr Jnnerlid)feit zur Sd)Iid)tl)eit, Selbfaudjt, SBaßr* 
I)aftigteit unb ©ßrfurdjt! Unb biefe fittlicße ©rzießung 
muß meitergreifen; fic muß ©rzießung fein zur ©emein* 
fdiaft, ©rzießung zur Volfßeit im Sinne einer unauf* 
löslichen Sd)icffalsgemeinfd)aft aller, bie mir burd) ein 
graufatnes ©cfd)icf z u eherner ©emeinfeßaft zufammen* 
gefd)mcißt fein folltcn, ©rzießung zum Staat, gum 
Staatsgefiil)l, zur Staatsgefmnung unb zum Staats* 
mollen! 

So mirb bie rettenbe ©rzießung, fo mie fie ftießte oor 
l)unbert 3 aßrcn ber beutfd)cn Station prebigte, Stational* 
erzießung im maßrfte# Sinne ip Portes fein muffen. 

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Sie mirb mieber Volt, Staat unb ©efellfdjaft als bie 
große Stulturfijntßefe aufzeigen, fic mirb aller Sinne 
mieber bafitr öffnen, baß feines ber Lebensgebiete 
unferes Golfes in ber Vereinzelung zerfalle unb fid) 
Zerfeße. Sie mirb bas aber nur bann fönnen, menn fie 
Staat, Volt unb ©cfellfd)aft mit bem Sluge ber ©migfeit 
betrad)tet; benn $id)tc l)at uns gelehrt, baß nur ber 
©laube, ber fein eigenes Leben als ein emiges Leben 
erfaßt, bas Vanb ift, bas zunäd)ft feine Station unb oct= 
mittels il)rer bas ganze Menfd)engefd)led)t innigft mit 
ißm felbft oerfnüpft unb il)rer aller Vebürfniffe eins 
fiil)rt in fein ermeitertes §crz. 

©a$ allein ift unfere Stcttung, baß mir unfere Sugenb 
an bas ©roige binben unb fte bamit zugleid) mit Staat, 
Volt, Menfcßßeit oerbinben. ©as allein ift bie Stcttung: 
„SBieberßcrftelluug bes Volfsgeiftes burd) eine nationale 
(Erziehung." 

Unb mir bürfen l)offen; benn troß aller Stot ßaben 
mir es lcirf)ter als bas 3 e italtcr ftußtes: mir befißen 
ben Steid)tum an 3been, bie jenes 3 eitalter erft feßaffen 
mußte, mir fönnen uns auf unfere großen beutfd)en Sr* 
Ziefjer beftnnen. SBo unfer Söort zu feßrnad) unb unfer 
§erz z^ matt ift, ba rnerben biefe ©roßen zu unferer 
3 ugenb fpred)en. Unb alles, mas in ber ©iefe ber 
jugcnblid)en Seele ißrer SBefcnßeit innerlid) oermanbt 
ift, mirb lebenbig rnerben unb emporbliißen. 

Unb bas ift bas ©roßc, baß bie oon allen Seiten oicl* 
ummorbene unb oielumfd)meid)elte 3 ugenb biefe Vcr* 
manbtfd)aft fpiirt, baß ber beutfeße Söealismus bie 
3ugenb geminnt, naeßbent mir uns lange oon ißm abge* 
manbt ßatten. 

Söir märten auf einen neuen ^ießte* ©enn bas miffen 
mir: im oollen Sinne mirb erft ber päbagogifd)e ©enius 
bie maßre Stationalerzicßung unb bamit bie SBieber* 
ßerfteüung bcs Volfsgeiftes oollenben. 3 nbes, ber päba* 
gogifeße ©enius ift feltener als ber bid)terifd)e unb ber 
fünftlerifd)e. (£r muß aus ber 5 :iefe unferes Volfstumes 
ermad)fen. ©r muß alle innere Stot früher erlebt ßaben 
als mir. ©r muß ben leßten Sinn unferes Lebens oer= 
ftanben ßaben als tiberminber unb Vollenber. Unb bod) 
muß er in ber Straft ber Liebe, in Urfpriinglid)feit unb 
Staioität ber 3 ugenb oermanbt fein, bamit er bas bunfle, 
feßlummernbe ©^eßeimc ber beutfd)cn Seele empfinbe 
unb alle SBacßstumsfeime z u m SBad)fen bringt. Sluf 
biefen ©enius märten, ßeißt ißm ben SBcg bereiten. Stur 
bie Seßnfucßt eines Voltes mirb ißn aus bem Mutter* 
fd)oß ber beutfd)en ©rbe ßeraufrufen. Silier Sturm unb 
©rang ber Schulreform, ber uns bebrängt, fagt es, baß 
mir biefen ©enius nodj nid)t beftßen. Sille Vetriebfam* 
feit ber Sd)uloermaltung bemeift es, baß ber Staat nur 
in 5 ormcn fcßöpferifd) fein fann. ©ie maßre Sd)ul* 
refornt mirb in ber Stille großen perfönlicßen Lebens 
geboren rnerben. 

©iefer Sdjranfen unb ©renzen fid) bemußt fein, ßeißt 
nießt, bie £>änbe in ben Sd)oß legen; benn große Vor* 
bercitungsarbeit ift zu leiften. Vorbereiter fein, SBcge 
baßnen, ©äler ausfiillen unb Verge abtragen, ift oolle 
Lebensarbeit. Unb eins oerbinbet jeben maßren ©r* 
Zießer mit bem päbagogifd)en ©enius, ber SBunfcß unb 
ber SBiUe, in ©ßrfurd;t ber 3ugcnb zu binnen. 

PRIINCETON UNfVERSITY 





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6eite 878 


® i e OB o cfc e 


Kummer 40 



Oskar Graf: Radierungen zu Goethes Ballade „Der Totentanz" 




Cf* *«01 ü* ttoracicr, jfe (Mfifl 
1 ©Stuft ■tfc-rc. Pr* 


£teb be£ 2obe$ * 33on ©r. ^rang @eroae£ 



e entt bie fchmargen gähnen nieber! ©er ©ob geht um in 
beutfeheu ßattben . . . Glicht biefer unb jenerj ift’s, ber 
ba ftirbt. SUn ©eutfchlanbs 
eigenes ßeben greift bie 
tnöcherne §aitb I ©a um¬ 
flort ftrf) all unfer ©eitlen. 

Unb tiefe Schatten fallen in 
uttfere §erg*it. ©otentang! 

©otentang I ©iefe SBiflon 
roerbeit mir nicht los. Sie 
Hämmert fid) an uns. Sie 
ocrfolgt uns bis in beit 
©raum utiferer Mächte . . . 

Unb mir beuten gurüd: 
toie beutfd)e SUinftler, oon 
gleicher 3bce befeffcn unb 
gefdjüttelt, beit ©ob als 
iperrit bes ßebeits gcfd)ilbert 
unb gleid)fam gefeiert hoben: 

©iirer in manchen (Eiitgcl« 
blättern; £olbein in feinem 
berühmten Splitts; bann 
jener unbetannte üfteifter in 
beit Sresten ber ßiibetfcr 
Vtacientirchc; unb fo oiele 
anbere noch; ols ber ßetjten 
einer Vlfreb SRcthel, ber bem 
©ob unb betn Vkthnftnn fo 
tief ins Vuge gefd)aut l)at. 

3huett allen tuar beutfehes 
ßeib gu Üttenfd)l)eitslcib ge- 
toorbeit unb biefes rnieber 
gu perfönlidjem ßeib. Unb 
bas ßeib untrbe frud)tbar 
in ihnen unb loaitbeltc fid) 
in Äunft. 0 muubcrfaiite 
©abe, bie bas ßeib oertlärt; 

3ft fie heute geftorbcnV 
©ies toärc erft ganzer ©ob. 

©od) nein, noch regt fic fid). 

9tod) ioagtfd)öpferifd)e^hon-- 
tafie, aud) in ititfcreit ©agett 
ber tiefftcu'Dliebcrgefd)lagen» 
heit, fid) an bas ©henta aller 
©hemen heran: an ©efid)te 
bes ©obes als Vegleiterfchei- 
itungen bes ßebeits. Viel¬ 
leicht toerbeit noch manche 






hr im 


Oskar Graf: Kadierung zu Goethes Ballade „Der Totentanz" 


Zünftler halb fo bitten. ftiir heute fittb mir in ber Sage, aus 
gmei lürglich oeröffeittlid)ten Sgtlen groben geigen gu tönnen, in 

benett Zünftler bie ©obes* 
majeftät erfcheinen laffen: 
Vmtinius £afeniaitit in ben 
gmölf <polgfd)nitten feines 
„(Eros ©haitatos" unbOslar 
©raf in ben Vabierungen 
gu ©oethes ©otcntangbal- 
labe. §afentattn, ein oiel- 
gemanberter junger Ver= 
iiner,fehrtnobern, intgithleit 
uttb im formen, manbelt 
bieVahneit ureigettfterphan» 
taftifdjer Singebungen, auf 
©ogas, SUiitgers unb Vu- 
bens Spuren. 3hu hat es 
gepaeft, mie ©ob uttb ßiebe 
einanber umfd)lingeit unb 
umarmen; mie eine höchfte 
ßebensbrunft unb gähefte 
©obesfehauer gufamnteit» 
Hingen. Vuf Sd)ritt unb 
©ritt offenbarte ihm bas 
Iranthaft gefteigerte Otaufd)* 
unb Vaffleben nad) bem 
Kriege (Einbrürfe foldjer iUrt, 
bie er mit (tarier oerfiitn- 
bilblidjenberJ^raft gu padenb 
tomponierten §olgfd)iiitten 
oerarbeitet hat. So hat er 
früher bereits „£>immcl uttb 
£ölle auf ber ßanbftrahe*' 
u. a. fpmbolifch unb phait» 
taftifd) geftaltet: gerabe ba* 
ritt ein ed)ter ©raphiter, 
ba& philofophifdje 3bec unb 
phantafiemähige ©cftaltung 
einanber gegeitfeitig befruch* 
ten. ©er peffimiftifd) -*bia* 
bolifche 3ug in feinem „(Eros 
©hanatos" berührt mand)e 
Saite utiferes mobentften 
Stitpfiitbens unb bringt fie 
gunt SUingeit. 

Ostar ©raf, ber feit 
langem beftens betannte 
VUinchtier Vabierer, bemegt 






I 






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Stummer 40 


® i e 5ß o ch c 


(Bette 879 



Oskar Graf: Radierungen zu Goethes Ballade „Der Totentanz“ 



ftd) in rninber ausfd)meifenben ODleifen. (£r l)at fid) t>on uorn» 
herein burd) ben $c£t ber ©octf)efd)cn ‘öallabe, bic er 'Bers 
für "Eers mit feinen "Silbern oerflid)t, eine gebunbeite "Dtarfd)* 
route auferlegt. 3)od) läfet biefe il)m mal)rlid) gettügenb grei® 
heit au eigener (trfinbung unb ju allerljanb pf)antaftiftf)en 91 ra» 
besfeit. (£s flappert auf feinen ^Blättern faft fiitnlid)--hörbar, 
non tän^erifd) gefd)ioungenen unb fpinnioebig ocrtraselten 
Sotcngebeinen. Unb bie magifdjc Spuf^eit ber ^Mitternacht 
mebt um bies alles gefpenftifdjc 6d)leiec. 9lud) magt ftd) burd) 


all ben (öraus unb Sd)reden bod) ein Heines giaderfcheindjett 
non Junior heroor, grotest genug geartet, um nicht als (£nt= 
gleifung enipfuuben ju rnerben. Üub bas ift immerhin ein 
gelinber Sroft; ein milbiges Üidjtlcin, bas fid) nid)t uerfd)eud)en 
laffen roiU. 9Btr ftttb bantbar bafiir, gerabe in unferen 
fd)meren "Bebriidungeit. Unb meint mir flum Sd)lufj bas 6d)red= 
gerippe am gu&e bes Turmes äcrfd)ellen fel)en, in taufenb 
6tiide auseinanberberftenb, fo mollcn mir erft red)t gerabe 
btefes als "Borausfidjt faffen unb bie Stunbe auch uttferer 
(trlöfung oon ber Turmuhr ber Seiten balbigft er® 
märten, meil ber Sob hoch ftets mieber 2eben gebiert. 

©ie fieben (Brai’fdjen 'iRabierungen finb bem neuen SSerfe ent» 
nommen: „©ocilje: Sotentanft unb &od)aeitlieb, ein rabiertco v ttud) 
mit 28 Stabierungen oon Osfar ©raf. Selbftoerlag SJiiludjen, 
©eorgenftrafce 30". ©ie beiben $>oläfd>nittc oon $lrminius £>afe> 
mann [mb groben auo bem neuerfdjienenen 'itfert „(Eros 51)<matos, 
Üotentanv Ciebe unb lob. $olafd)nltlc oon Arminius >>afe» 

mann, Verlag Otidjarb 6eiti, Berlin W. f , 3)taa&cnftra&e." 


Arminius Hasemann: „Der Tod als Veriührer" (Holzschnitt) 


Arminius Hasemann: „Der Geiger“ (Holzschnitt) 


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1 



n einem ungeheuren bieberbrueß nod) !ann Keim au neuer (Erhebung fein. 
Silber ben bieberbrueß befcßöniqen, heißt biefen Keim erftiefen. b$ir 


<%J Silber ben bieberbrueß befeßönigen, heißt biefen Keim erftiefen, 
müffen bie ganae (öröße unferer bieberlage erfennen, menn §offnung fein 
foli, uns je aus ihr au erheben. 

3)arum ift cs C&ift bes 6 elbftbetruges, menn uns jeßt, nach &em bieberbrud) 
bes bMberftanbes gegen bie franjöjifcßen bäuber an Der bußr, gefagt mirb, 
bies fei feine Kapitulation unb mtr hatten uns biefer bieberlage nicht 3 U 
fd)ämen, benn bie <Eßre 3)eutfd)lanbs gehe aus biefem Kampf unoerfeßrt ßeroor. 

3)as ift Cbift ber fchlimmften £ügc, ber £üge oor uns felbcr, bie ben in ber 
bieberlage felbft feßlummernben Keim fittlicßen bufftanbes töten muß, roenn 
mir es nid)t ausfpeien. (Es ift nid)t roahr, baß mir uns biefes bieberbrudjs 
nicht gu feßeimen hätten; benn er ift bieberlage aus unferer 6 cßulb. 6 cßulb 
ber begierenben unb ber Regierten, 6 d)ulb ber Trägheit unferer bergen, 
Scßulb "ber $albßeit. (Es ift nid)t maßr, baß bie (Ef)re 2 )eutfd)lanbs aus bem 
abgebrod)enen Kampfe unoerfehrt h erüor 9 e h e > c5 ift n ^uc Gdjanbe auf ben 
beutfeßen tarnen gefallen. 

(Es mar ber bbgeorbnete Strefemann, ber einft oor oerfammeltem 
Reichstag beutfeße Gcßulb an beutfdjer bieberlage befannte mit ben glüßenben 
$utten=3Borten (Eonrab ftetbinanb btepers: 

„biieß reut — id) ftreu mir bfeße auf bas Jpaupt — 

. i)aß id) nid)t fefter noch an 6ieg geglaubt." 

btöge nie ber Sag fommen, an bem ber beicßsfanaler 6 trefemann 
im biicfblicf auf bie bebingungslofe Kapitulation oor ^oincare fid) mit bem» 
felben befenntnis peinigen, fid) mit berfelben beuc an bie bruft fd)lagcn müßte. 

bebingungslofe Kapitulation, Vergebens fueßt man fid) unb uns es au 
oerßeßlen. (Es gibt feinen anberen bamen für bas, mas gefd)aß. bidjts ift 
erreid)t; alles ift aufgegeben; felbft um bie leßten armfeligften (Eßrenoorbeßalte 
nid)t einmal ber berfueß eines leßten bingens. (Ein neueftes, allcrncueftes 
„biemals" einer beutfd)en baeßfriegsregierung ßört man fd)mad) burd) ben 
£ärm bes 3 ufammenbrud)s tönen. 3Ber ßört ßin? bJem erßebt es ben bUtt‘? 
3öem ftärft es bas §era? 3öem meeft es eine leßte 3 Uüer f l ^t? bon feinem 
ber 3 *ele, bie unfer bMberftanb fid) gefeßt ßatte, mar feit b$od)en aueß nur 
noeß bie bebe, bießts oon allem, mas aur bebingung für ben bbbrueß bes 
bMberftanbes gefeßt mar, ßatte noeß irgenb etmas 311 tun mit bem, morum 
er begonnen mar. bber aud) biefe bebingungeit, bie nichts meßr mit ben 
3ielcn bes Kampfes au tun hatten, finb reftlos preisgegeben morben. dagegen 
ift jebc übermütige fforberung bes fteinbes erfüllt, jebes eßrlofe bnfinnen 
ßingenommcn. (Es ift bas (Gegenteil oon einer eßrenoollen Übergabe. 
3)er ftcinb ßößnt es uns ins (E>efid)t. Unb mir follten es uns befd)önigcn 
laffen? bMr follten jemanb ©anf miffen für fo unmaßren Sroft? £ieber bod) 
3)anf bem £>oßn $errn Sßoincares, ber es aus fcßminbelnbem 6 iegeriibermut 
ableßnt, irgenbmie £>ilfeleiftung für ein fo!d)es befd)önigungsinanöoer unferer 
neuen Offi^iöfen au leiften. (Er gibt uns hier — aum erften= unb einaigenmal — 
btaßrßeit. bus §aß; meil fte fo bitter ift. 

(Erfüllen mir uns ganj mit biefer Bitternis. btenn es nod) branei für uns 
gibt, ift f i e es. (Ermeffen mir bie triefe unferes bieberbrueßs bis in ißren tiefften 
ferunb. bur oon bort aus f a n n, aber oon bort aus muß aud) neuer 
beutfeßer bufftanb fein, bufftanb aller beutfdßen §eraen, bufftanb aller 
beutfeßen Gebanfen. bber mir müffen ltnferen bieberbrud) befennen, um 
unferen bufftanb molleti au fönnen. 3 m ©unfel bes bieberbrueßs müffen 
bie fjeuer beutfd)en £ebensmillens ßößer lobern, im 6 d)atten ber bieberlage 
merben bie flammen unferes paffes ßellcr brennen. F. H. 


MANNii ANKRP-' 


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PRINCETON UNIVERSiTY 





Regierungspräsident Dr. Gustav von Kahr wurde zum Generalstaatskommissar für Bayern ernannt 

Nach der Ernennung des Regierungspräsidenten Dr. v. Kahr zum bayerischen Staatskommissar wutde von der Reichs¬ 
regierung der Ausnahmezustand über ganz Deutschland verhängt 

BAYERN 


DER 


AUSNAHMEZUSTAND IN 


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PRINCETON UN1VERSITY 






Seite 882 


0 i t -OB o d) e 


Stummer 40 



Ein Verbindungsraum des Fernsprechamts in Tokio. Die Zerstörung des Amtes verhinderte den telephonischen Verkehr der 
Teilnehmer, wodurch die Verwirrung und der Schrecken während der Erdbebenstöße noch vergrößert wurden. Phot. Wide World 
AUS DEM MODERNEN JAPAN 





Die Stadt Angora, der Sitz der Nationalversammlung, in der die Ausrufung der Türkei als Republik unter dem Präsi¬ 
denten Mustafa Kemal Pascha beschlossen wurde. Phot. Wide World 

ZUR AUSRUFUNG DER TÜRKISCHEN REPUBLIK 


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PR1NCET0N UNIVERSITY 

















9iummcr 40 


^ ie o cf) t 


Seite 883 




Aus der Schreckenskammer: Bestandaufnahme der Papiergeldmauern 

❖ 


Unten: Die Geldscheinstapel in der Geldauflieferungsstellc 


GOLD¬ 

EBBE 

UND 

PAPIER¬ 

FLUT 


Bilder aus der 
Reichsbank 


Geldtransportwagen, die durch Hebezeug aus den Kraftwagen in die 
Tresors der Rcichsbank geschafft werden 
¥ 

Unten: Mit Scheinen gefüllte Geldtransportwagen in den Tresors 

Aufnahmen für die Woche“ 


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PRINCETON UNIVERSITY 


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Seite 884 


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SRumntsr 40 

BILDER AUS 
ALLER WELT 

Verhör in der Narkose 

Amerikanische Zeitungen be¬ 
richten von einer merkwürdigen 
Medizin, Skopolamin genannt, 
die die erstaunliche Eigenschaft 
haben soll, die Menschen, denen 
sie eingeflößt wird, zu zwingen, 
die Wahrheit zu sagen. Der Ent¬ 
decker dieser Wirkung des Sco- 
polamins Dr. House behauptet, 
daß sein Mittel auf das Hirn 
und auf die Sprechwerkzeuge 
des Behandelten in der Weise 
einwirke, daß er bei vollem Be¬ 
wußtsein sprichtund Fragen be¬ 
antwortet, obwohl er nichts da¬ 
von merkt. Zwei Insassen eines 
amerikanischen Gefängnisses, 
denen das Mittel eingefiößt 
wurde, bekannten nicht nur die 
Verbrechen, deren man sie be- - 
schuldigte, sondern auch solche, 
wegen deren man sie garnicht 
angeklagt hatte. Freilich hat 
Herr Dr. House auch seine Geg¬ 
ner in Amerika, die ihn einen 
Charlatan nennen. Jedenfalls 
würde das Mittel — darin müssen 
wir der „Tribuna Illustrata“ bei¬ 
stimmen, die das nebenstehende 
Bild eines Versuchs des Dr. 
House veröffentlicht —, eine 
vollkommene soziale Revolution 
herbeiführen, welche die furcht¬ 
barsten Folgen haben würde, 
denn cs wäre entsetzlich, wenn 
man jeden Menschen zwingen 
könnte, die Wahrheit zu sagen. 


Die Litfaßsäule im Zeichen der Zeit: Öffent¬ 
lich bekanntgegebene Milliardenbelohnungen 


Im Oval: Kriegerdenkmal in Bad Reichen¬ 
hall, das zu Ehren der 200 gefallenen Söhne 
der Gebirgsheimat enthüllt wurde 


Rechts: Ein amerikanisches „Vogelhospital“, 
dessen Leiterin ihren Patienten, die ihre 
Stimme verloren haben, die — Flötentöne 

beibringt 


V 


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Kummer 40 


© l e o cf) c 


6eite 885 



Beleuchtung der Kartoffel¬ 
felder durch Scheinwerfer 
von einer Mühle aus 


DER FELDZUG 
GEGEN DIE 
KARTOFFEL¬ 
DIEBE 


Im Oval: Verhaftung 
jugendlicher Kartoffel¬ 
räuber 


Unten rechts: Beschlag¬ 
nahmte Geräte und 
Säcke 

Aufnahmen der „ Woche“ 


Unten: Berittene Schutz¬ 
polizisten bewachen die 
Kartoffelfelder 


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(Seite 886 


$ i e 00 o cb c 


Kummer 40 



3cid)nen fjt feine &uit|U HuJHße* pceissauöfc^ceiftcn öet „Wotffc" 


ußerorbentlich gaf)Irei(f) ftnb bie 
^ Sinfenbitttgen gemefen, btc auf 
uttfer 3^ = ^teisausfd)reiben ein- 
gegangen ftnb. §unbert unb aber 
huitbert SBriefe liefen ein, bie bas 
Kennroort „ 3 iff"an ber Stirn trugen. 
‘Slber unoerjagt hat ftd) bie Schrift 3 
leitung ber ,,©od)e" burd) bie an= 
ftiinnenben 3iff s hinbitrchgefämpft, 
hat geprüft unb fortiert. fielen Sin- 
fenbern ift bas gleiche eingefallen, 
barttnt fallen ftd) alle Kiiitftler, bie 
aus bem §albireis ben ©od einer 
^Bauersfrau, ben unteren ©anb einer 
SBriicfe, bas ftenfter eines ©urg= 
oerließes, einen £>ut, einen £>ctm. 



£m 7. preis: Orei Silbcrmarf. 

S. Böttcher, ©remen. 


einen Schaufelpferbbaudj, einen spilj, 
ein Seftglas machten, bamit tröffen, 
baß fte als miiröige ©titglieber in bie 
„3if!=(&emeinbe" aufgenommen ftnb. 
3 )ie 3ei(^ttungen, bie nad) bem ein- 
ftimmigen Urteil ber Preisrichter bie 
beften marett, ftnb ^ier abgebilbet; 
es fei nochmals gefagt, baß nicht bie 
gute3eid)nung, fonbem bie ffhlagenbe 
3bee preisgefrönt tairb, bei ber bie 
aorgefeßriebene 3i^-'ßtnie reff- 
los unb ohne Scmaltfamfeit 
oermenbet roirb. 

3 )as große 3ntereffe, bas bie 3itt s 
Aufgabe gefunben hat, ift ein ©e- 
toeis, baß mir mit uttferer ©bftd)t, 
einige ©ugenblide oom forgenoollen 
©lltag jum ßarntlofen Spaß ab^u- 
lenfen, bas ©ichtige getroffen haben, 
©ir battfen allen Sinfenbern, unter 
benen ftd) mandjc befanben, bie fünf, 
äeßn unb gar nod) mehr 3^ = ®in- 
fenbungeit machten. Um allen benen, 
bie biesntal feinen Preis befomntcit 
fonnten, eine neue (Gelegenheit 311 
erfolgreichem ©ad)bcnfen 31t geben, 
oeröffentlichen mir auf ber nädfften 
Seite ein 3mcites preisausffhreiben 
gleicher ©rt 



1. preis: 3cf) n (Bolömocf. 

3oßann ©öbrntann, Cattau. 


©on ben Sinfcnbungen für ben 
erften ©etlbemerb mttrbm bie fol= 
genben mit greifen ausge3eid)net: 

1. p r e i s: 3 c h n (G 0 1 b nt a r f: 
3 ohantt ©öhrmann, §anau. 

2 . preis: ftünf Silbertnarf: 
Hermann Klippert, Seifersborf 
bei Sorau, ©.= 2 . 

3)rei greife 00tt je brei 
Silbermarf: 

S. ©öttchcr, ‘©reuten. — Paul 
(Großmann, Senfteuberg. — 
©las Scßolbad), Seip^iger §eil= 
ftätte bei ©borf i. ©ogtl. 

©ier Sroffpreifc, beffeßenb in 



,§u fer cl l t e 


2. preis: {fünf Silbermarf. 

§crmann Klippert, 
Seifersborf bei Sorau, 9t.--2. 



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J£in 7. Preis: Orcl Silbermarf. 

©las Scholbarf), ßetpäiger §eilftättc 
bei ©borf i. ©ogtL 


i6tn 7. preis: -Drei Silbermarf. 

Paul (Großmann, 
Senftcnberg. 

je einem ©ud)e bes ©erlages SUuguft 
Scherl (G. m. b. £>., erhielten: 

stud. arch. ^aitl Sprege, Karls¬ 
ruhe i. ©., 3. 3t. ©iga. — 
3 rene $ranfe=©ood), Sera, 
©euß. — ©iüi ©iffher, ©erlitt. 
— §>ans Heinrich 3 ^Pfcn, 
Hamburg. 

©ußerbetn merben bie3eid)nungen 
oon oier Sinfenbern abgebrudt, bie 
eine anerfenttenbe (Ermahnung mofjl 
oerbienten: 

2 )ora Köhler, 2cip3ig. — frrau 
0. Reiber, ftranffurt a. ©t. — 
©erner ©teper, ©lanfenefe bei 
Altona, (Elbe. — Slara oon 
Schmaitebad), Stralfunb. 

3 )ie (Gelbpretfe, ebenfo mie bie 
©iicher-Sroftpreife mttrbeit ben (Ge= 
minnertt burch bie poff iiberfanbt. 


v 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 


Aummer 40 


5 ) i e <353 o cfr e 


toctte 887 



Heues 
preis* 
ausfcfjtci&cn 

ie mir oer» 
fprochen Ijc- 
bett, geben roir in 
ber heutigen Aunt» 
tner eine neue 
Aufgabe" unb gleich* 
zeitig einen Auszug 
ber 3öcttbcroerbs» 

Bebingungen, um 
beren genaue Be» 
a$tung mir bitten. 

Bedingungen: 

1. ©ie unten» 
ftefjenbe 3ift-5igut 
(ein ungleichmcißi» 
ges ^Bierecf) foO in 
eine 3^icf)nung um» 
geroanbelt roerben; 
es fteljt ganj im 
Belieben bes ©infenbers, roas er aus biefer gigur macht, ©e» 
fid)t, ©eftalt, 2anbfd)aft ober eine Saeite. Ausführung ber 
Seidjnung nur in fd)roara*rociß. 

2. Breisgefrönt roirb bie befte 3*^-3bee. ©s fomrnt ntcf)t 
auf bie tünftlerifd)e BoUenbung an, fonbern auf bie luftige, 
oerbliiffenbe 3ei<hnung. ©s genügt, fte mit roenigen Strichen 
ausjufüt)ren, auch unbeholfene unb bilettantifche Stilen ftnb 
gugelaffen, toenn fie eine gute 3bee barftetlen. 

3. ©ie geidjitung muß aus ber beigegebenen 3iH-5igur her» 

gefteüt roerben; roer mehr Baum jum 3^ich n ^ braucht, toirb 
gut tun, beit auf ein größeres 6tüd Rapier 

ftu Heben. 3ebcrmann fann beliebig oiele 3ift st Be*fud)e ein» 
fdjirfen, bod) muß Jebe 3eichnung auf beni nebenftehenben Bor« 
brurf gemacht fein. 5Ber alfo mehr als einen „3Hl* zeichnen 
toill, beforge ftd) rocitere Hummern biefes §eftes. 

©er Borbrucf ift in [ber angebeuteten ßhtie ausgufchneiben 
unb unter Ausfüllung ber Anfcßrift ju fenben an: 

tfdjriftleitung Öer „ttJochc", prcisausfchtci&cn, 

Berlin tfHJdS, tftfjetlhaus, 

Alle ©infenbungen miiffeit bis fpeiteftens 10. BoPcmber 
hier cinlaufcn; biefen Bebingungen nicht entfprechenbe Seit« 
bungen fönnen nicht berücfftchtigt roerben, mit Strafporto 
belüftete Senbuitgen roerben tiid)t angenommen. 

4. ©ie Bebattion ber „A3od)e" bilbet bas Preisgericht, bas 
©infenbungen b$fcmnter SHinftler ausfeheiben fann. „3iff* 
foll ein IuiHges preisausfdjrcibeit für bas Pub» 
iifum unbyteine Ättitftler fonfurrenj fein. 


3cber©eilnehmer 
erflärt fich burch 
bie ©infenbung mit 
biefen Be bitigungen 
einoerftanben. 

©ie ©ntfeheibun» 
gen bes Preis» 
geridjts ftnb etib» 
gültig. 

©s roerben fol» 
genbe roertbe» 
ft än bi ge Preife 
ausgefeßt: 

lEitt 1. Preis: 
10 (Solömnc! 
£iti 2. Preis: 
5 Sübetmatf 
Drei tocticrc 
preife Don 
jc3Stlbctmatf 

©iefe ©elb» 
preife roerben 
üim Beicßsbantfurs oom 24. DJoPembcr ln Bapter- 
marf umgerechnet unb ausgejahlt. 

ferner fommen nodj ©roftpreife in gönn oon Büchern bes 
Berlages Auguft Scherl in Jrage. Über bie Anzahl ber ©roft» 
preife entfeheibet bas Preisgericht. 

. ..-.$ier ausfdjneiben! -.. 



SRcmte bes (ftnfeubetö 


Ott unb 6tra&e 





DesienUank im voraus 

©lara oon Sd)roanba<h, Stralfunb 



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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 








Seite 888 


3) i e t> d) t 


Kummer 40 



,Wanderer M 5/15 P. S. (Modell 3 S) 


Ein neuer offener Benz-10 30 P. S.-Sportwagen 


9/24 P. S. ,,Adler‘‘-Sport-Viersitzer 


28 95 P. S. Mercedes-Sport-Phaeton 


Links: 6 20 P. S. 
Brennabor-Wagen 

Unten: Elektrischer 
S. B. - Selbstfahrer 


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Original frt>m 

PR1NCETON UN1VERSITY 












































Stummer 40 


® i t qp o & t 


Seite 88b 


^k (spur ta# ingt* ^ühatt 

Aoman oon DCarts Dominito 

16 "Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


lieber richtete Sfcnbranbt bas Sias auf bic Stelle. 
Sah, tüte jene bunfle SBolfe immer geller mürbe, bis fie 
oerfdfmanb. 

SBeinaf)e hätte er in btefem ^lugcnblicf ben Swtd 
feines £>ierfeins oergeffen. 0aß alles fo genau nad) 
feinen Ermattungen unb Borausberedjnungen oerlief, 
erfüllte ihn mit ftarfer greube. Er nal)m ein mit 3ot)lcn 
bebeeftes Säfeldjen gur i^anb. SJ3rüfenb überflog er bie 
beiben einander gegenüberftetjenben 3ahlenreif)en. Bod) 
einen Blicf auf ben Entfernungsmeffer. 

Ein Sd)uß nad) bemfelben 3iel grrid)tet fuhr aus bem 
Bol>r. Ein gmeiter, ein britter . . . eine lange Beilje 
meiterer Schliffe folgten im fdjndlften Sempo. Eine 
rollenbe Kanonabe auf bas 3entrutn bes Unmetters. 

BMeber rid)tete er jeßt fein Sias. Sieffdjmarg lag es 
bort über Karaforutn. 0a, ein guefenber, greller Blitj, 
ber ben fd)marken Borl)ang gerriß. Bod) el>e ber erlofd), 
ein gmeiter . . . ein britter . . . unb oiele anbere. 

Saghellen Schimmer ftrahlten fte meit hinaus. Sau* 
fenb feurige Sd)langen fd)ienen ftd) in bem biifteren 
Ecmölf gu minben. 0ann fd)lug ber erfte Bonner 
bröhnenb an fein Ol>r, um nicht mcl)r gu oerftummen. 
Ein Konglomerat oon Seroittern tobte über Karaforunt. 

tiefer ließ er jeßt bas Sdjiff gehen, lieber fprach 
feine "Batterie. 0a lief ber fal)lmcißc Sd>ein ber Bliße 
in Bot über. Ein feuriger Trichter ftanb über Karo* 
!orum. Blit bem Slafe fal) er fd)melenbc Branbmolfen 
aus ber Buinenftabt auffteigen. Söas bort brennen 
fonnte . . . Blcnfdjen . . . aud) Blenfd)en, bas muf 3 te 
mol)l gu Bf che merbeit. 

Bebelnber 0ampf marfierte bie Srenge, mo geuer 
unb Gaffer fid) trafen. B$o bie beiben Elemente um bie 
£>errfd)aft rangen. Blit ber greube bes Bleiftcrs, ber 
bie Kräfte entfeffeln unb bänbigen fann, fah er auf bas 
granbiofe Sd)aufpiel. Sein B$erf! — 

0ie Spannung, bie il>n erfüllte, mid). Seine Seban* 
!en, bis jeßt auf fein B3erf fongentriert, begannen gu 
manbern. Bud) bort unten inmitten be5 feurigen Be* 
gens, in ber £>ütte ber Sefangenen, lämpften jene Kräfte 
. . . fämpften um bas Seben ber Eingefd)loffcnen. 

~Sd)mere Sorge fiel auf fein £>erg. B3iirbe bic Bedj* 
nung auch h^ r ftimmen? BSürben ^cuersglut unb 
SBeltraumfälte, nad) feinem Blanc unb nad) feiner Bed)* 
nung gegeneinanbergefeht, fid) an biefer Steüe oer* 
gehren, oI)ne bas Seben ber Scfangencn gu oernichten? 
Blit eifiger ipanb umfrallte bie Sorge fein öerg. Enblos 
lang fchien ihm ber Kampf ber Elemente. Smtner mieber 
bliefte er auf ben 3 c i9 cr ber Ul)r, ber ihm allgu träge 
oon ber Stelle gu rüden fd)ien. 

Bis entlief) bie &\t oerfloß. Blatter unb immer 
fd)mäd)er mürbe ber ‘Kampf ber Baturgemalten. 3eßt 
hatten fte ftd> in roilbem Bingen aufgegehrt. Ber* 
fdjmurcben mar ber 0antpf, gemid>en bic Slitt. Sd)on 
brad) bie Sonne burd) bie gerflattcrnbcn Sdjmabcn. 

Er riß fein Sias ans Buge unb fal) bie Stelle, mo 
Karaforum geftanben, in hellem Stange oor ftd) liegen. 

Bollbcnnpf ooraus! Buf äußerfte gal)tt ftelitc er ben 
£>cbel. B3ährenb bas Sdjiff mit rafenber Semalt burd) 

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ben Bther feßoß, hing fein Buge an jener Stelle. Scßt 
ging bie Blafdjine nieber. Blit einem Sprung mar er 
aus ber Kabine. Klopfcnbcn £>crgens eilte er an Bhmebs 
Seite ber ipiitte gu. Unter feinem Sriff brad) bic oer* 
fohlte Bußentür in Sritmmern gufamtnen. 0ann brattg 
er in bas innere. 

3n ber Sür erblidte er fte, bie brei . . . lebenb. 

0a ftanb Blaria, bleid), aber leud)tcnben Buges. Bur 
fie fal) er. BMe oon unftd)tbarer Semalt getrieben maren 
fie aufcinaitbcr gugefd)ritten. 

Bis oon ihren Sippen ber leife Buf „Scorg" erflang, 
hatte er fte im übcrfd>mang feiner Scfiihlc an ftd) reißen 
mollen. 0od) mit aller Kraft feiner Seele h a ^ e cr bte 
Begung unterbrüeft. Bod) burftc er’s nicht. Bod) ge* 
hörte fein ganges 0cnfen unb Sun bem großen Bterfe. 

Bod) erfüllte bic große Bufgabe, Sdjiißer unb Better ber 
bebrol)ten Sieblung, ber meißett Baffe unb ihrer Kultur 
gu fein, fein ganges 3d), gab ihn nid)t frei, bis bie Ent* 
fd)cibung gefallen. 

Sie hatten ftd) bantals bie £>änbe gereicht unb in öent 
ftiirmenben ^uls^lag, ber gu ihren $erg<cn überftrömte, 
hatte ftd) offenbart, mas ber Btunb nod) ocrfd)toieg . . . 
jet^t nod) ocrfd)meigcn mußte. 

3n B3iernt) hotte ftd) BMttf)ufcn alsbalb mit feinen alten 
Scfd)äftsfrcunben in Kafchgar in Berbinbung gefeßt, 
um ftd) fein Beftßtum unb feine B^arenoorrätc gu fidjern. 

Sie maren immer nod) oon ben El)incfcn befd)Iagnal)mt, 
unb cs beftanb rnenig Hoffnung, fie frei gu befomnten. 

3eßt, nad)betn bie Sefangcnen bem Brut ber d)ineft= 
fd>en Btachtl)aber entronnen maren, beeilte man fid), bas 
gemalttätige illegale Bcrfahren in ein gefeßmäßiges gu 
oermanbeln. Ein regelred)ter B^ogcß megen Sanbesoer* 
rates mürbe gegen BMtthufen cingcleitet. Bis cr beenbet, 
fonnten 3ah^ oergehen. 

0ie Sorge um feinen Bcftß unb um bie 3ufunft Bla* 
rias trübte ben Blicf 9öittl)ufens. So maren ihm bic 
feinen gäben entgangen, bie ftd) gmifdjen 3fenbranbt 
unb Blaria moben. Bin Enbe eines arbeitsreid)en Sehens 
fah er ftd) als Bettler, unb ber Sebanfe an bie 3u*unft 
ließ il)n bic greubc über bic Bettung aus ber Sefangen* 
fd)aft manchmal oergeffen. Bud) jeßt hatte cr mieber 
einmal feinen Sorgen Suft gemacht unb halb im Sd)crg 
unb halb im Ernft für Blarias 3ufunft ein menig roftges 
Brognoftifutn gegeben. 0a hatten bie beiben cinauber 
läd)elnb in bie Bugen gefehen, bis ein 3ucfen um Blarias 
Sippen fpiclte, bis ein Ieid)ter Sd)leier fid) oor ihre 
Bugen legte. Klopfenbcn §ergcns mar fie aufgefprungen 
unb in bas §aus geeilt. B3ie gebannt hing ber Blicf 
3fenbranbts an ber $ür, burch ^i^ fie gefchritten mar. 

„0aß id) oon Blr. Eameron fo furchtbar getäufcht 
morbett bin, fann id) immer nod) nid)t oerminben", fuhr 
SJBitthufen fort. „T9ärc er nicht gemefen, mürbe id) mein 
$aus in Kafchgar fchlcunigft liquibiert unb mid) mit bent 
Erlös red)tgeitig in Sicherheit gebrad)t haben. 3 U fpät 
muß id) einfehen, baß bas gange lächerlid)e Bcrfahren 
gegen mich nur auf bie 3ntrigen biefes Blenfdjen gu* 
ritcfgufül)ren ift. 

3d) fenne ihn nun fd;on feit oielen 3al)ren unb habe 

Original from 

PRINCETON UNfVERSITY ^ 



(Seite 890 


o d) c 


Stummet 40 


if)tx ftets für einen (Gentleman gehalten. 3cf) fannte feine 
S>efcßid)tc, unb fo ein gemiffes Vtttleib mit feinem ßarten 
(£>efd;icf ließ ben Verfeßr mit ißm enger merben. Sr ßat 
in ben erften Sauren unferer Vcfanntfdjaft ßäufig non 
feinem ^rogeß um bie englifcf)e ßorbfefjaft ergabt. 6eine 
Verbitterung mar mir bureßaus oerftänblid), unb id) 
ntad)te ißm feinen §cßl aus meinen Spmpatßien. ©aß 
er aber in feinem $aß gegen bie meiße Skiffe fo meit 
geßen fönnte, als SIgent ber d)inefifd)en Regierung tätig 
gu fein, ßättc id) niemals für möglid) geilten/' 

,,©ie Snglänber maren bureßaus im Stecßt, als fie bie 
Srbfdjaft Sombales bem reinraffigen (Erben gufpradjen." 

(Eine getniffe Scßärfe lag in ber (Ertoiberung 3fcn= 
branbts, unb in ber gleichen Sonart fußr er fort: „(Es 
mar falfd) unb leießtfinnig geßanbelt, menn früher unfere 
^ropßcten aücr SBclt bie S>lcid)berecßtigung oerfprad)en. 
Überall auf ber (Erbe rufen jeßt bie fd)toargen, braunen, 
bie gelben Stoffen naeß $reißcit. Jyreißeit für alle färben 
bes Speftrums . . . SBeße uns, menn mir ißnen ent» 
gegenfoinmen! Um unfere $crrfd)aft unb um unfer 
©afein märe es halb gef d)eßen. 6ie mögen Kultur unb 
Religion non uns anneßmen. Sroßbem bleiben fte, mas 
fie finb: ber befeßrte Sßinefe — Sßinefe, ber befeßrte 
Sdjmarge — Slfrifaner. 

Vetracßten Sie bie Verßältniffe in Slmerifa. Sic futb 
jeßt fomeit gebießen, baß es fieß für bie Meißen um Sein 
unb Sttcßtfein ßanbelt. ©ie emigen Slompromiffe ßaben 
aufgeßört. ©ie (Ereigniffe ber näcßften &\t merben gei» 
gen, mer meießen muß. 

Slueß bie Semifcßtraffigen geßören nießt gu uns. ©as 
ßat fd)on oor 150 Saßrcn ber Sraf Sobineau flar er» 
fannt, als er fagte, baß infolge ber Stoffenmifcßung nid)t 
nur bie Vorzüge, fonbern aueß bie fyeßler an Stärfe ein* 
büßen. ©ie Sd)mierigfeit, bas Sange in (Einflang gu 
bringen, ergeugt Slnard)ie, unb je meßr biefc Slnard)ie 
gunimmt, befto meßr büßt bie befte, reießfte, gliicflid)fte 
ßufußr an SBert ein. 

SBenn alfo bie SJMfcßungen innerßalb einer gemiffen 
Srcnge für bie SJtoffe ber SJlenfdjßeit günftig fmb, fie 
ßeben unb ocrebcln, fo gcfdjießt bies bod) nur auf Soften 
biefer SJlenfcßßeit fefbft, ba fie fie in ißren ebclften (Eie* 
menten ßerabbriiefen, entfräften, erniebrigen, entgipfeln. 

©arum ift es unfere oorneßmfte Aufgabe, unfere Stoffe 
rcingußalten. Stur bie reine meiße Stoffe fann bie Sluf* 
gäbe erfüllen, bie fie gu erfüllen ßat." 

„Sie ßaben rcd)t, £>erc Sfenbranbt. Unb bod) fann 
id) mieß bes Sebanfens nießt ermeßren, baß einftmals 
bie 3eit fommen mirb, mo ber Slaubc an bas Soan» 
gelium oon ber liberlegenßeit ber meißen Stoffe fd)minbet, 
mo mir anberen, fräftigeren Stoffen meießen müffen. Stießt 
immer mirb (Europa bie Vurg ber meißen Stoffe bleiben, 
©ie emige 5lleinftaatcrci oergeßrt gu uiel oon ißren 
Kräften. 

3d) fenne Sßina feit einem SJtenfdjenalter. ©er Sluf* 
fd)mung ber leßtcn Saßrgeßnte mirb anßaltcn. ©ie bureß» 
aus fonferoatioe Sefmnung ber (Eßinefen ßinbert ißn 
nid)t, fie beförbert ißn. Sroßbem (Eßina als Jnbuftrie» 
ftaat nod) jung ift, ift cs an mirtfcßaftlid)er Organifaticn 
feßon feßr meit entmicfclt. Sogiale ff ra Q en e^iftieren faft 
nid)t. Sroß feiner ungeßeuren Slusbeßnung ift oon 
einem (Enbc bes Stcicßes bis gum anberen bei ber ein* 
geborenen Stoffe ein unb basfelbc Verftänbnis für bie 
Kultur oerbreitet, bie es befißt. Vcrgleidjc id) feine 
3aßrtaufcnbe alte 3toilifation mit ber europäifd)en, fo 
tommt mir bie Ießterc oor mie eines jener auf 3 C ^ 
auftaueßenben Silanbc, mclcße bie Semalt unterfeeifdjer 

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Vulfanc über ben 9)teercsfpicgcl emporgeßoben ßat. ©er 
gerftörenben (Einmirfung ber Strömungen preisgegeben 
unb oon ben Kräften, bie fie guerft geßalten, oerlaffen, 
geben fie eines Sages nad), unb ißre krümmer oerfmfen 
mieber in ben ficgreid)en fluten . . 

„Silles ift im fließen, alles in ber (Entmicflung, Jperr 
SBittßufen. (Einmal mirb bie Viirbe bes meißen Vtannes 
oen feinen Sd)ultern genommen merben unb ein ftär* 
ferer . . . oielleicßt ein Scßmarger . . . oielleicßt ein 
Selber mirb fie auf fid) neßmen. Slber ber Sag liegt 
in grauer fterne. Stod) finb bie Kräfte ber meißen Stoffe 
nießt oerbraueßt. ©ie Sefaßren, bie ißr broßen, merben 
ein Jungbrunnen für fie fein. 

Sroße Säten, größer als bie SBelt aßnt, ßarren ißrer, 
unb ber Stommanboftab mirb fefter in ißrer £anb rußen 
als je. 

2Bas Sic in Staraforum faßen ♦ . . mar nießt mein 
SBerf . . . nießt in erfter Sinie ... es mar bas Siefultat 
ber S^eiftesarbeit oielcr meißer Sntedigengen oor mir unb 
mit mir. Vnbere merben baran meiterarbeiten, anbere 
merben neue ßeiftungen oon nod) oiel größerer Srag* 
meite oollbringen. Unb fie merben in ber |>anb bes 
meißen Cannes bleiben, ber fie ausmirfen läßt gum 
SRußen ber SOtenfdjßeit, gur Stärfung unb Srßaltung oet 
meißen Vaffe! ©er in bie Spur bes ©frfjingis ^ßan treten 
mirb, ift nod) nid)t gefommenl 

©oeß laffen mir bas, fommen mir gum 3u>ed meines 
ßeutigen Vefudjes gurücf. 3d) möd)te Sie mieberßolt 
bitten, 3Bierni) gu oerlaffen unb meiter im ©eften, jenfeits 
bes Urals, einen 3 u flucßtsort gu fud)en. ©ie (Ereigniffe 
ber leßten Sage ßaben gegeigt, baß ber Slufentßalt in 
Surfeftan mit Sefaßren oerfniipft ift. (Es fönnte fein, 
baß ber .^irgifenaufftanb oom Sliöreiecf aus neu gefeßürt 
unb geftärft mirb. ©ie naße Sage 2Bierngs gur Srenge 
biirfte bebenfließ fein." 

„Sd)on mieber ben 3Banberftab ergreifen?" 

Viaria fpraeß es. Ungeßört mar fie aus bem §aus 
getreten unb ftanb jeßt fragenb oor ißm. Sie mar in 
ein bunfles, ßod) ßinauf feßließenbes §ausgcmanb ge* 
fleibet, bas ißre feßlanfe, ebenmäßige ©eftalt oortreff* 
lid) ßeroortreten ließ. Sine mübe Vnmut lag über ißrem 
bleicßen Seftcßt, oerßaltene Srauer flang aus ißren 
^Borten. 

Sin Vucf ging buriß 3fcnbranbts Körper, ^lls er fie 
fo oor fteß fteßen faß, ßätte er fie in feine ^rme 
neßmen, fie an fieß preffen mögen, ©as Vlut feßoß ißm 
jad) in bas Seficßt. Sülit Semalt beßerrfeßte er fieß, gmang 
fieß gu einem Säd)eln. 

„©er ©anberftab ift nic^t oonnöten, 9ftaria fjeobo- 
romna. Viein fylugfcßiff bringt Sie naeß Orenburg." 

. . . Orenburg . . . Sein geiftiges 9luge faß in 
fcßnellcn Viibern nod) einmal bie Sgenen ißres erften 
3ufammentreffens. 

„Von Orenburg bringt Sie bas ^ßoftfcßiff fußer nadj 
Obeffa ober Vtosfau." 

ÜBittßufen fiel ißm ins 9Bort: „Vun, bann mag bie 
Steife aueß nod) ein paar taufenb Kilometer meiter 
geßen. ©ann faßren mir meiter naeß ©eutfcßlanb, ber 
§eimat unferer Vßnen. 3cß ßabe noeß Sutßaben bort 
ausgaifteßen, bie uns einen längeren Vufentßalt geftatten. 
Sinmal mirb ja boeß ber Sag fommen, mo ßier mieber 
Stuße unb ^rieben ßerrfeßen, mo mir ungefäßrbet gurücf* 
feßren merben." 

„Sr mirb fommen . . . halb!" 

„Sie fagen bas mit folcßer 3 u ^ß r r ic ^t Sf^n*’ 
branbt?" 

Original frnm 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



Kummer 40 


© t t ^ o (fe « 


Gelte 891 


„Valb . . . halb fommt ber Sag!" 

©eorg 3fenbranbt fagte es lächelnd. Aber es ©ar ein 
rätselhaftes ßädjeln, bas nur ben Viunb bewegte. 3n 
ben Augen darüber ftand etwas anderes, grau, eisfalt, 
unbewegt. 

(Er roaubte ftch 3 U Vtaria unb reichte ihr bie $anb. 

„So fei es bann f)eut ein Abfdjieb für 3^re SHeife. 
(Eine ©ebirgstour gu unferen Schmefyftellen hält mich 
eine 3 ^ttlang non l)ier fern. Sch ©erbe, beoor 6 ie 
AMernp oerlaffen, nid)t ^uriicffefjren fönnen. ßeben 6 ie 
©cd)l, Vtaria fyeoborowna. AKr fef)en uns halb 
wieder . . . halb." 

(Einen furzen Vto- 
ment ruhten ihre 
Sölicfe ineinanber, 
ihre Ringer um- 
fdjloffen [ich 3 ^ 
feftem ©ruef. ©ann 
©ar er fjinausge* 
feßritten.- 

Vor einem mit 
planen bebeeften 
Sifd) faß ©eneral 
Vitlow, neben ißm 
ber ruffifdje Oberft 
Popoff. AMe 3 ©ei 
Gdjadjfpteler beweg- 
ten fie fleine, bunte 
Aabelfähncßen auf 
ben harten bin unb 
ber. 3 b* lebhafter 
©isput bewies, baß 
fie fid) über bie enb- 
gültige Stellung ber 
fyäbncben feines* 
roegs einig ©aren. 

Seitbem bie ßage 
an ber djinefifdjen 
©ren 3 e fid) 3 U 3 U- 
fpißen begann, b a ^ c 
bas Hauptquartier 
in Petersburg ben 
Oberft mit einigen 
anberen Offizieren 
bem ©eneralftabe 
ber (E. 6 . (L Grup¬ 
pen attachiert. $ür 
ben Kriegsfall un- 
terftanben bie fämt- 
lid)cn militärifchen 
Streitfräfte ber 
(E. S. <E. ohne Aus¬ 
nahme bem oereinigten europäifeben Oberfommanbo. 

©er früher fo lange 3 eit h^nbur^ als Sbeologie ab= 
getane ©ebanfe ber bereinigten Staaten oon (Europa ©ar 
unter bem ©ruef ber Ateltgefcßehniffe ©enigftens 3 U 
einem Seil oerwirflidjt ©orben. 3roctt ©ar fein Staats* 
gebilbe im Sinne ber amerifanifd)en Union 3 uftanbe- 
gefommen. Aber bie Solidarität ber curopäifcßen Völ* 
fer fanb bei ooller Währung ber nationalen Selbftän* 
bigfeiten unb (Eigenarten ©enigftens baburd) Ausbrucf, 
baß bei fragen ber großen ASeltpolitif nid)t jeber ein* 
gelne fleine Staat, fonbern (Europa als gefcßloffenes 
©an 3 es auftrat unb handelte. 

Hinter ben Kuliffen ©ar freilich rin fteter Kampf um 
bie Stellung bes primus inter pares. Außlanb glaubte 


in erfter ßinie Anfprudh barauf gu hoben, ©abei fam 
ihm 3 uftatten, baß ber Sd)©erpunft ber militärifd)en An¬ 
gelegenheiten in Petersburg lag, ba Vußlanb mit Aücf- 
fidjt auf fein großes ©ebiet unb beffen hifiorifd) prooi- 
bcntielie Sage gegen Often bie numerifch größte H cerc5 * 
macht unterhielt. 

Sdjon unter bem Kommanbo bes ©enerals (Effingham 
©ar bas Verhältnis 3 um Petersburger H QU P tc l uar ^ cc 
nicht reibungslos ge©efen. ©er temperamentoolle 
Vülo© ©ar faft ftänbig auf Kriegsfuß mit bem Ober- 
fommanbo. ©effen Anordnungen erfolgten ftets unter 

bem ©ejidjtspunft, 
unbedingt bie ftbi- 
rifdjen ©rensen 3 U 
feßüßen, ©ährend 
Vülo© in erfter 
Sinte barauf be¬ 
dacht ©ar, die tur* 
feftanifeße ©ren 3 e 
3 U fuhern. 

$iir Rußland 
©aren die gewalti¬ 
gen ©ruben- unb 
3 nbuftrieanlagen 
im ©ebirgsftoef des 
Altai oon größter 
A$id)tigfeit. 3h*c 
Vernichtung durch 
etwa plößlid) oor* 
ftoßende Suftftreit- 
fräfte der ©eiben 
©ar daher mit 
allen Mitteln 3 U 
uerhindern. ©ie 
ftarfen Kriegsge- 
fd)©aber Rußlands 
©aren deshalb nad) 
den Anordnungen 
des Petersburger 
Oberfommanbos 
ausfcßließlid) gur 
Sidjerung der fibi- 
rifdjen Sübgren 3 e 
angefeßt und nur 
die fd)©äd)eren ©e- 
fdjwaber der anbe¬ 
ren europäifeßen 
Staaten 31 er Ver¬ 
teidigung ber tur- 
feftanifd)en ©ren- 
3 en beftimmt. 

©egen biefe 
Kräfteoerteilung fämpfte Vülo© feßon feit langem. 
Smmer ©ieber oerfudjte er es burd) 3 ufeßen, baß bie 
Hauptfräfte auf bie turfeftanifdjc ßinie fon 3 entriert 
©urben. 

©ie ©ebirg& 3 Üge bes Sian=Scßan, Alantau und Sar- 
bagatai boten an fid) eine gewaltige, faum iiberfeßreit* 
bare Sdjußmauer. Sebod) nur folange, als es gelang, 
die drei ©ureßgangspforten ab 3 uriegeln. ©er Übergang 
oon Kafcßgarien nad) ^erghana ©ar oerhältmsmäßig 
Ieicßt bureß Sprengung ber Kunftbauten an ber (Gebirgs¬ 
bahn Kafd)gar—Ofd) 3 U fperren. Viel größere Sd)©ie* 
rigfeiten bot bie bfungarifd)e Pforte, jenes Sor, burd) 
bas fuß feßon einmal im Vtittelalter bie mongolifd)en 
Sdjwärme über (Europa ergoffen h°ücn. ©er gefäßr- 



Geh. Rat Dr. Adolf v. Hamack, Gemälde von Fritz Rhein 

Ausstellung Berliner Akademie der Künste 1923 
Das Bildnis ist kürzlich in der Berliner Staatsbibliothek aufgehängt worden 


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©eite 892 


© i c o cfr e 


Ajjmmer 40 


ließfte ^unft aber blieb bie d^incjxfdjc Angriffsbaftion, 
bas Slibreiecf. 

(Sin großartig angelegtes Vaßnncß, bas oon Sßami 
aus ftraßlenfönnig zur Srenze führte, gab hier ben 
(Selben Selegenßeit, ißren Aacßfcßub fcßnellftens burd) 
bie offenen ‘ißäffe zu leiten. 

©er Stirgifenaufftanb im 6ieblungsgebiete I>atte 
(Europa notgebrungen ben Einlaß gegeben, feine Streit* 
fräfte im Often zu oerftärfen. Akißrenb bie ruffifeßen 
Abteilungen in Sibirien in oolle Vercitfcßaft gebrad)t 
mürben, fammelten fid) jenfeits bes Urals Seile ber oer* 
einigten mefteuropäifdjen Heere. 

Aber bie immer noeß biocrgiereitben (Einflüffe ber oer» 
fdjiebenen europäifeßen Kabinette ließen grünblicße unb 
umfaffenbe SAaßnaßmen, mie bie Lage jie erforbert hätte, 
nidjt zu. (Ein überrafeßenbet Angriff oon eßinefifeßer 
Seite nad) ASeftenßin hätte mit ben oorßanbenen Mitteln 
fließt lange aufgeßalten roerben fönnen. Viilom oer» 
langte baßer immer toieber, baß toenigftens bas Sros 
ber ruffifeßen Luftflotte zur Verteidigung ber turfefta* 
nifeßen Sren$e angefeßt mürbe. 

Seßt, nad) einem leßten langen Stampf mit bem Oberft 
rßopoff faf) er bas Vergeblicße feiner Vemiißungen ein. 

„9Aeine Meinung oon Sßnen, Herr Oberft, ift oiel zu 
I)od), als baß id) annehmen fönnte, Sie billigten bie 
^länc bes Hauptquartiers. Sßre (Gegenargumente 
trugen fo menig ben Stempel ber Überzeugung, baß es 
eines befferen Vemeifes für bie Aicßtigfeit meiner An* 
fußt nießt bebarf. Atenn nießt in furzer 3eit erßeblicße 
Verftärfungen aus AJefteuropa anfommen, fteße id) f>iec 
auf einem oerlorenen offen. Snabe Sott ben Sieblern 
unb ißrem Lanb!" 

„Sie feßen zu feßmarz, Herr (General", ermiberte ber 
Oberft, inbem er feine Verlegenheit nur fcßlecßt oerbarg. 
„3ft es bod) noeß ganz ungemiß, ob unb mann bie (Ge* 
mittermolfe zur (Entiabujig fommt. Übrigens finb, mie 
mir oor furzem gemelbet mürbe, ftarfe beutfeße Srup* 
penmaffen oom Ural her im Anfliegen, ©arunter oiel 
Spezialtruppen für ben (Gebirgsfrieg." 

„Aatürlicß! ©eutfd)e Solbaten allzeit oornemegl" 
brummte Viilom oor fieß l)in. 

„Sidjern Sie ßauptfäd)Iid) bas Slital, Herr (General. 
Sur bas Srtpfcßtal fönnen Sie im Folie ber Aot auf 
ru]Tifd>e Verftärfungen rechnen." 

,,©as Slital! Sehr feßön, Heer Oberft", entgegnete 
Vülom in bitterem, farfaftifdjem Oon. ,,3d) fönnte es, 
menn id) mehr Fiugfcßiffe hätte. So merbe id) ooraus* 
fid)tlich bas Siebenftromlanb preisgeben müffen." 

Sein Abfutant trat ein unb überbraeßte ihm eine 
Äarte. „Seorg Sfenbranbt" las er. Sing hinaus, um 
ihn zu empfangen. 

©er ftreefte ihm bie Hund entgegen unb begrüßte ihn. 

„Smmer noeß bie gefurd)te Stirn, Herr Seneral?" 

„Aian oerliert bie Luft, Herr Sfenbranbt, menn man 
immer mieber gegen Unoernunft unb (Eigennuß anrennt." 

„kommen Sie mit mir, Herr Seneral! 3u einem 
fleinen Sang ins Freie. Viellehßt feßen Sie banad) 
etmas freunblid)er aus." 

„Sern, Herr Sfenbranbt. Oroß ber fomnterlidjen 
Alarme fann es mir braußen aud) faum heißer merben 
als hier brinnen über ber Starte." 

Sie oerließen bie Stabt unb jkßlugcn ben A$eg z u 
einer fleinen Anßöße ein, oon ber man nad) allen Seiten 
einen freien Vlicf hatte. Akitßin fid)tbar beßnte fid) bic 
in ooller Früßlingsprad)t fteßenbe Lanbfd)aft oor ißnen 
aus. Aid)t umfonft galt bas Siebenftromlanb als bic 

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Aioiera Akftfibiriens. Lange rußten bie Vlicfe ber 
beiben auf bem gottgefegneten 5t c ^ cn @r&e Dor it)uen. 

„AMeber mar mein Stampf umfonft, Herr Sfenbranbt, 
biefcs ^arabies oor bem Untergang zu bemaßren. ©er 
Auffe roiU feine Vernunft anneßmen. Solange es geßt, 
merbe id) es zu oerteibigen fud)en. Ab:: icß meiß be* 
ftimmt, baß icß eines Soges bas ganze Sebiet bis zum 
See ßin räumen muß. Vei Seiet mill id) ben Selben 
ein Sßermopylae errießten. ©enn icß glaube nießt, baß 
id) es länger als eine A$ocße halten fann. 3ft bann 
nießt genügend europäifeße Hilfe ba, bann merben bie 
gelben Horben über bie Leicßen ber Verteibiger ßinmeg* 
ftürmen. ©ie Vemoßner müßten fd)on jeßt zur Aäumung 
oeranlaßt merben. Aian möd)te oerzmeifeln, menn man 
baran benft, baß bie ruffifd)en Luftftreitfräfte uns bas 
alles erfparen fönnten. Vermögen Sie nid)t noeß einen 
leßten Scßritt zu tun?" 

Sr bliefte auf unb faß, baß Sfenbranbt ißm faum 
Zugeßört ßaben tonnte, ©effen Auge hing mie melt* 
oerloren an ben fernen grauen Stämmen bes Sebirges. 
Atinuten oerftrießen. ©ann fielen bie Aknte oon 
3fenbranbts Lippen. 

„Aein, Herr Seneral! Aein! Aicßts mirb oon bem 
gefeßeßen, mas Sie befürd)tenl" 

„Sie fagen? . . . Herr 3fenbranbt! . . . Akts? . . . 
Atas follte es oerßinbern? Hoben Sie anbere, beffere 
Aad)rid)ten aus bem Houptquartier als icß?" 

„Aein, Herr Seneral! SCRit eigener Straft, oßne Hilf* 
ber anbern merben mir bas Lanb feßüßen unb ben fteinb 
abmeßren." 

Seorg Sfenbranbt fprad) nießt meiter, als müffe er 
ftd) beftnnen. ©en Seneral brängte es zu fragen. Aber 
ein Vlicf auf bie 3üge bes 3ngenieurs ließ bie ftntQe 
oerftummen. ©a begann biefer mieber zu fpred)en. 5 a ft 
befeßlsmäfjig flangcn feine Aborte. 

„Sie merben, H ß rr Seneral, alles, mas an fdfnellen 
Flugzeugen zu 3ßrer Verfügung fteßt, oßne Aiidfficßt auf 
bie Labefäßigfett ßier in 9Bierni) fonzentrieren unb zu 
fleinen Sefcßmabern zufammenftellen. An bem Oage, 
an bem es gilt ... id) merbe ißn beftimmen . . . 
merben Sie oon einem Orenburger Scßiff ber Stompagnie 
bie Labungen für biefe Sefeßroaber empfangen, ©ie 
Sefdjmaber merben bie Srenzc überfliegen. 3ebes S>e* 
fd)maber befommt oor bem Abflug fein beftimmtes 
3iel . . . unb bas 3^1 toirb fein . . . A^affer ... ob 
Sec ... ob Fluß . . . Aktffer überall bort, mo gelbe 
Streitfräfte in größeren Aiengen marfd)icren ober oer* 
fammelt ftnb . . ." 

„A3affer? . . . Atollen Sie bampfen? . . . ©pnotßerm* 
bampf?" . . . 

Sfenbranbt iiberßörte bie F^oge. 

„Kämpfe fmb nur anzuneßmen, menn es zur Sr* 
reid)ung bes 3i e les unoermeiblid) ift." 

,,©as bürften nießt oiele fein, bie gegen bic Heber* 
mad)t ißr 3^1 erreid)en." 

,,3d) redßtte z c ^ n Prozent", fam es falt oon ben 
Lippen Sfenbranbts. ,,©as mirb genügen." 

„Unb bann? . . . Akts mirb bann gefeßeßen?" brängte 
ber Seneral, in bem er an Sfenbranbt herantrat. 

„(Es mirb gefd)eßen . . ." 

(Einen Augenblicf ftanb Seorg Sfenbranbt mieber mie 
geiftesabmefenb. ©ann neigte er feinen Aiunb zu bem 
bßr bes Senerals unb fprad) zu ißm . . . fliifternb, als 
fiirdjte er, ber ASinb fönnc bie Laute an menfd;lid)e 
Oßren tragen. 

Fortsetzung folgt . 

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PRIINCETON UNIVERSITY 



Flimmer 40 


® i c ® 0 (^c 


Seite 893 


DER MODERNE VERKEHR IN DER RADIERUNG 



„Bahnhofshalle”, Radierung von Julius C Turner 

Mit Genehmigung der Kunstvi rlagsgesellschaft m. b. H. Wohlgemuth & Lissner, Berlin. 

Wie in der zeitgenössischen Malerei wird auch in der modernen Graphik das Thema des großstädtischen Ver¬ 
kehrs immer von neuem behandelt. Turner macht aus der nächtlichen Bahnhofshalle mit dem einfahrenden 
Zug eine Apotheose gleißenden Lichts. Mit außerordentlichem Geschick ist hier die technische Öde des Motivs 

ins Malerisch-poetische umgedichtet. 


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PRINCETON UNIVERSITY 







Seite 894 


© i e SB o <b e 


Flimmer 49 



poftaltfc^e freuten * Betonungen non ^rtt} Äoc^Öottja 


© ie Sßoft ift bas 
Iuftigfte 3u* 
ftitut, „wo wir ha« 
ben." 3»tmer be= 
reitet fic bcm Sßub* 
Iitum' eine lieber» 
rafdjung ober nedt 
fid) mit ifjnt. 9tech* 
lieft bu barauf, bafc 
ber Brief, ben bu 
heute in ben haften 
geworfen haft, ntor» 
gen im benachbarten 
Stabtoiertcl att-- 
tomntt, bann bift 
bu fdjön hinein» 
gefallen; er wirb erft 
am iibcrnckhftcn 
Sagebcftellt. 3)enfft 
bu, bafj er fdjonmit 
bercrftenBefteüung 
ausgetragen toirb, 
fo bift bu im 3n> 
tum, es gefd)iel)t crft 
bet ber ^weiten Be» 
fteHung. Sfi3iU irgcub 
ein bes Raubes» 
braunes Untuu» 
biqer ins Boftamt 
g:l)ett uuboer[prid)t 



Es war einmal eine Sehenswürdigkeit: ein Brief aus Sowjetrußland mit 
10000 Rubeln frankiert 


„in fünf Blinuten" 
äitrücf au fein, fo 
mettc fofort mit ihm, 
bafj cs fo fij; nicht 
gehen wirb. 3)u 
gaoinnft fidt)cr. Gut» 
toeberfmb oon allen 
Sdjaltern ameibrit« 
tel nicht geöffnet, 
ober ttachbem ftch 
ber (Eilige als letz¬ 
ter in bie Schlange 
bei einem geöffnet n 
geftclit unb eine 
Stunbe gewartet 
hat, Happt bie C&Ias» 
fcheibe herunter, 
unb bieBefeftigung 
wirb noch burd) 
bie bekannte Sßapp= 
tafel oerftärit „ge» 
fdjloffen". ©an« 
berft bu gar in ein 
Boftamt mit bem 
lühnen Borfafc, 
harten einaufam 
fen, weil bu in utt« 
erhörter Berfd)wen* 
bungfucht ein paar 
"Briefe fchreibeit 


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PRINCETON UNIVERSiTY 






















Kummer 40 


© I e o c& f 


Sette 895 


toiUft, fo roirft bu halb 
eines iBefferett belehrt, 
©ie SDtarfen ftnb ent« 
toeber ausnertauft, ober 
bie neuen mit ben er« 
höhten greifen fittb 
noch nidjt ba. Sie rner« 
ben and) morgen nid)t 
ba fein uttb über¬ 
morgen nicht, benn na« 
türlid) merben unter« 
beffett toleber bie ©e= 
biit)ren oeroierfadjt 
ober ö^rfedjsfadjt ober 
fonft multipliziert, 
lohnt fid) gar nicht, bie 
nur für ein paar ©ago 
gültigen SBcrte zu brut« 
ton. 3a, toas mod)t 
benn nun eigentlich bie 
$oft? SRuit, ba ft* 
ein SBerieI)rsinftitut ift, 
beförbert fte eine 'Sin- 
Zahl ^ofttarlen, ^Briefe 
ins 9luslanb unb amt« 
liehe Schreiben. 3un. 
Zmei en erhöht fte bie 
©crife, toas fie un= 
unterbrochen bcfchäf- 
tigt, zum britten be» 



Immer langsam voran: „DasTelegramm liegt ja noch hier!"— „Nur keene 
(Jffregung! Ich nehm’s heut abend mit — is ja in meine Jejend —“ 


rät fte mit beittfd)er 
©riinblicbfeit bas ^lus* 
fehett neuer harten, 
unb es gelingt ihr 
meiftens, merltoürbige 
©effitts h^auszulno« 
beltt. Sic brauchte fid) 
gar nicht einmal biefc 
ilübe zu geben, bettn 
bie 'Bilbchen merben 
gar balb hoch über« 
bntdt,fo ba& feinSJtenfd) 
erlcnneti tarnt, ob fte 
hübfd) toaren ober nicht. 
Unb zuttt Sd)Itt6 ton« 
troüiert fte, ob nicht 
in irgettbeiner Sett» 
bung Kapital itts 9lus« 
Iattb oerfchobeit toirb. 
©a& ber „‘Slbbau" ihrer 
(£ittrid)tungen auch 3<üt 
erforbert, foll gar nicht 
mal in ^Betracht gc= 
Zogen toerbett. Sooiel 
fteht feft, ba§ lein Siutta« 
part bent Sßublitum 
fo üicl Uberrafdjungen 
bietet toic bie Reichs« 
poft., * 

Dr. M. Pollaczek. 



Bei einem Wertpaket müssen die Siegel jede Prüfung aushalten können, bevor es als vorschriftsmäßig angenommen wird 


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(Seite 896 


© t e o d) c 


Kummer 40 


©te Sauberfraft 
ber Quarzlampe 

Mit fünf Auf nah men 

C\n ben Staatsbibliotfjefen ftubet 
(-O man eine ganze ©tzafjl non 
pergementurfunben eigener Brt. 
3n grauer Vorzeit mären ftc ein-- 
mal gefd)riebcn worben. Später 
hat man bann, mahrfd)cinlid) um 
Zu fpareu, ben erften Sejt mit 
Bimsftcin abgericben unb bas SJ3er= 
gaiuent mit neuer Schrift uer* 
feben. Bisweilen ift and) biefer 
Sejt fpätcr abermals entfernt unb 
bitrrf) einen anbern erfeßt worben, 
©iefe Pergamente nennt man 
palimpfefte. S)ie©iffeitfd)aftbringt 

Im Oval: Der photographische Ap¬ 
parat zur Entzifferung von Urkun¬ 
den durch ultraviolette Strahlen 






tf)nen ein befonberes 3utereffe entgegen unb bemüht fid), nid)t 
nur ben lebten, fonbern aud) bic norl)er gefd)ricbenen Se£te 
Zu entziffern, 2>as ift natiirlid) außerorbentlid) febwierig. Sie 
Beleuchtungs* unb Pbotograpbietecbnif ^aben aber f)ier ©ege 
erfd)loffeit, biebas (£in= 
bringen in bie (öef)eim= 
itiffe crleidjtcrn, mcl= 
fad) überhaupt erft 
möglid) machen. Sitrd) 

9lbbetfung mit far* 
bigen (frläfcrit l)at man 
es in ber £>anb, bie 
Iefete Setunbär* refp. 

Scrtiärfd)rift für eine 
pl)otograpl)ifd)e < 2Iuf= 
nabmc abzublenbett. 

"Bei Belid)tung mit 
giitorefzeuzlidjt treten 
bann bie urfpriing* 
lidjen, fpäter entfernten 
Sd)riftzcid)en für bas 
pl)otograpl)ifd)c 91uge 
Ziemlid) Har zutage, 
wäbrenb bei ber ge* 
möl)nlid)en Photo* 
grapfjie biefe 3^^cn 
ganz ober faft ganz 


pap/vW' tirr !>4 

T trrrpCm rffyd mülomn n? ptJrficrtWn 
r.fbcr ihy» rnrii fyc airrpTuT, ft 

factjurii-csLpcrrrd*& 
feu>6Cftu£nf Äc. c innfTunr 

tvn iiniimiiT >ifli i^m iÜjT^i 11 1 in 

U3rof niMfii .vicytT fc^fcrtsnt 
pfioy (uay ardtnem. *<Jno ylACurr- 

Al'öU •’UMi flOUUjT orr/o UHCndl JI1 
«muij pmrrfcrr cTo fetritrpnc 

mi mtnfn rrrv 

nn. ■ djrrfyonh d5 ofrmr 

cu/hxiirru/.i 

Ttme fL+cittc rflr Crrmp on'tö 
(orf AfACrrtionbi . 
TfrT' OtUnJnr {orf ♦HP 


Links. Aufnahme einer Urkunde 
nach altem Verfahren. — Rechts. 
Fluoreszenzaufnahme mit zwei¬ 
facher Abdeckung der Se¬ 
kundärschrift 

uerloren gehen. Unfere 
9lbbilbungen zeigen basfeht 
beutlid). Bielfad) ift es aber 
notwenbig für bas Stubium 
ber §anbfd)riften, ooit ber 
Photographie abzuf eljen unb 
bie Pergamente bireft zu 
unterfueben. §ier ift bas fo= 
genannte ultraoiolette 2id)t 
ein oorzüglic^er Jpelfer. (Es 
mirb in eigenartiger ©eife 
burd) einen finnreidjen^lppa* 
rat erzeugt, ben mir auf 
nebenft. 9lbb. fef)cn. Bon einer Quarzlampe erzeugtes 2id)t wirb 
burd) einen Sd)Iii} auf ein Prisma geworfen, bas nur auf 
einer ©anb ein breites Speftrum erzeugt. 3u biefern Spettrum 
bepnbet fid) ein unfid)tbarer Seil. 5)as ift bie Stelle, wo bic 

ultraoioletten Strahlen 
liegen. Bringt man Per* 
gamente ber gebuchten 
9lrt bortbin, fo be= 
ginnen fie zu fluorcs* 
Zieren, wäbrenb bic bar* 
auf bcfinblid)cn Schrift* 
Züge bunfel bleiben, 
aUerbiitgs in Schah 
tierungen, bie eine eige* 
ne Bebanblung jeber 
Schriftermöglichen. Jlir 
bie Qlltertumsforfchung 
ift biefe Srftnbung oon 
größter ©iebtigteit. ®ie 
Staatsbibliothct ift mit 
foId)etn Apparat aus* 
geftattet. C. J.M. 

Links: Gewöhnliche 
Aufnahme. — Rechts: 
Fluoreszenzaufnahme 
ohne Abdeckung der 
Sekundärschrift 


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Kummer 40 


® i c ^ o cS e 


Seite 897 



£tn Sropenfeft 
auf @ec 

Mit fünf Aufnahmen 

/^letjört fabelt wohl bie meiften 
vly üJieitfdjeit — bie ^iüiliflcr« 
ten" natürlich — fcf)on ooit bet 
„Äquatortaufe". 9lbcr tuet fie ein¬ 
mal mitgemaefjt f)at, bem ift fie eine 
uitoergefjlid)e (Erinnerung. Sie be« 
beutet beit (Eintritt in eine attberc 
SBelt, bebeutet, ba§ ber9farblänber 
jetjt eigentlid) anfängt, mit bem 
Kopf nach unten 3 u wanbslit. SOtait 
tomrnt itacf) ber unteren ober oberen 
$>älfte ber (Erbtugei, je nad) bem. 
9ftait ift fein eigener 9lntipobe ge¬ 
worben. 

0er Sropeitbut, bie wei&e Klei« 
bung finb benutsgefudjt. Sie berr- 
Iicbften Siibfrüd)te, riefengrobe 
Ananas, unbenf bar lange "Bananen, 
(Granatäpfel ooit Bleloneitgröfie, 
Bfirftcbe, wie Bälle fo grob, liegen 
überall umber, auf allen Sifdjen, 
in beit Salons, bangen in ganzen 
Biiitbeln, r.ud) Giften ooit beit 
‘Dkeliitgs bes Schiffes unb werben, 
wenn fie bis aunt Slbcitb nid)t 
oerfpeift finb, ins "Uteer geworfen, 
weil am nädtften SJfargen wieber 
frifdjc aufgelegt, aufgebängt wer¬ 
ben. 3n ber Sat: ber (Eintritt in 
eine neue, fd)öttere, üppigere 3Belt. 
Unb biefer (Eintritt wirb gefeiert. 
Sas ift bie Äquatortaufe. Söie 
Kinbcr freuen ficb bie Baffagiere 
barauf. Sie es ttoeb itidjt feinten, 
ftttb ooüer 9tcugicr. Unb für bie 
SOtatrofcn bebeutet bas Jeft eine (Er- 
bolung unb ‘Dlblenfung oont täg¬ 
lichen Sic nft. Unb wenn bann gar ein 
„‘Diener" unter ihnen ift, ber pm 
erftett 9Jtalc beit Äquator treust, 
baittt ift bie JJreube hoppelt groß. 
Senn bas fd)önfte ift, wenn je- 
maitb feine erfte Saufe erhält: 
eine Saufe ooüer Süden unb 
Überrafcbuitgcn. Sie „fteierlub- 
feiteii" beginnen fcboit am Borabcitb; 

Unten. Neptunmitscinem Gefolge- 


Lustige Äquatortaufe: Ein Neu¬ 
ling, der eingeseift und rasiert 
wird und dann ins Wasser purzelt 

mettigftens war cs fo auf bem 
Santpfer „9lImatt^ora" ber „9iot)al 
ifiail-ßinie". Dieptuit mit feinen 
©affertrabanten fteütc ftd) fdjoit 
beim Sitter bes Borabenbs beit 
(Säften oor. (Er ntarfd)ierte an ber 
Spitze feiner Sdjaar, bie bie Ste* 
warbs erfettte, elettrifd) erleuchtetes 
(Eis feroierte unb fid) angelegeitt- 
lief) ertuitbigte, wer morgen 311111 
erften ÜJtalc feinen „Btittelftridj" 


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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 
























Seite 898 


© ie 3Ö o eft e 


Stummer 40 



Phantastischer Maskenball an Bord 


freuten mürbe. Golefje S)3aff agiere erleben bann am folgenben Sage 
aKcrt)anb Uberrafjungen. 3 um ^eifpicl ein 6d)iffsarat, ber aum 
erftenmal ben Äquator treuste. (£in föfilidjes SBilb, als Neptuns 
$>aup'trabant ben SMr^t aus einem ftiibcl 6eifetifcfyaitm mit einem 


mäkligen 6d)iffspinfel „einfeifte" unb mit einem Sftafiermeffer 
„tapetle", als auf ein <$e\d)tn Neptuns ber Geffel in firf) au* 
famntenbradj unb ber Slrjt im Söaffer Ianbete. O. T. Sch. 

Schluß des redaktionellen Teils 



Kennen Sie schon die Bedeutung der Haarerweichune beim Rasieren? 


Herren mit sprödem Barthaar und reizbarer Haut empfinden das Rasieren oft als Qual. Das Haar springt unter dem Messer au« und hfnferläSt 
empfindliche gerötete Hautstellen. Was ist die Ursache? Eine ungenOgende Vorbereitung des Haares durch ungeeignete Rasierseife. Harte 
Stangenseifen (Natronseifen) erweichen sprödes Haar im allgemeinen weniger gut als weiche salbenförmige Kaliseifen. Auf Grund dieser 
Erfahrung hat das Laboratorium Leo in Dresden eine neue haarerweldienöe überfettete Rasierseife „Leosira" in öer Tube in den Hardel 
gebracht die ärztlich als ideale Rasierseife empfohlen wird, 1. weil sie hygienisch verpackt ist und gegen Infektion schützt (Übertragung 
der Bartflechte unmöglich), 2. in kleinen Mengen eine Fülle von dichtem Schaum gibt, 3. das Haar in kurzer Zeit erweicht und reizbar« Haut 
in keiner Weise angreift kurz das Rasieren zum Vergnügen macht Sie erhalten Leosira dort, wo Sie Ihr Chlorodont kaufen. 


Blendend weiße Zähne durch die erfrischende Zahnpaste 

Chlorodont 

gegen mißfarbigen Zahnbelag und üblen Mundgeruch. 

Laboratorium Leo Dresden u Berlin 


Was darf auf dem Toilettentisch der vornehmen Dame nicht fehlen? 

Neben der Pflege der Zähne mit dem herrlich erfrischenden „Chlorodont** ist die vornehme Dame bestrebt ihrer Haut eine entsprechend« 
Pflege angedeihen zu lassen und gleichzeitig sich mit jenem Parfüm zu umgeben, das von alters her als unaufdringlich, erfrischend und 
andauernd bekannt ist. Unter dem Namen Eau öe Coloqne „Golö“ ist in allen Apotheken. Drogerien und Parfümerien ein Kosmetikum 
vorrätig, das eine glückliche Vereinigung von Hautkrem und Parfüm insofern darstellt, als es sowohl für die Hautpflege als auch als Parfüm 
benutzt wird. Es ist kremförmig weiß, fettet -und klebt nicht, macht die Haut wundervoll weich und zart und kann andrerseits unbedenklich 
für das Taschentuch verwendet werden. Personen mit empfindlicher Haut, dje Spiritus, wie er in der käuflichen Eau de Cologne enthalten 
ist. nicht vertragen, sollten dieses wundervolle Hautpflegemittel und Parfüm In der praktischen Form der Tube nicht missen. 



ougie 


unginai Tram 

PRINCETON UNIVERSUM 


_ 

















Gemäldegalerie Braunschweig. fhot. F Bruckmann, A. G.. München. 


„Die Speisung der Armen“, Gemälde vom sogen. Braunschweiger Monogrammisten 


25 e r f 1 n e r $otf$fpei'fung 

2 Jon ©tabfraf Äufd?, öejernenf best ffäblifdjen 2 fasifd?uffesf für 23oIfetfpeifung 311 Berlin 


ie Coltsfpeifung, bic mährenb bes Krieges eine ber 
feßmierigften Aufgaben ber Kommunen bilbete unb in 
^Berlin bis jum heutigen Sage fortgefüßrt mürbe, ift bureß 
ben Aufruf bes preußifeßen 6taatsminifteriums oom 29. Sep* 
tember mieber in ben Corbergrunb bes allgemeinen 3ntereffes 
getreten. ’3Bic ber Aufruf ausführt, erforbert bie immer 
fdjneUcr gunehmenbe Ccrfcßlechterung bes ©rnährungsguftanbes 
unfercs Voltes außergcmöhnlidje Maßnahmen. Unter allen 
Umftänben muß jebem mirtlid) Darbcnbeit unb Cebürftigen, 
ben Aermften bes Golfes unb ben Angehörigen bes gugrunbe 
geßenben Sitte Iftan bes — befonbers ber freien Cerufc — 
täglich eine marme Saßlgeit gugefiißrt merben. Der Aufruf 
menbet fid) an bie ipilfsbereitfcßaft berjenigen Greife ber Ce» 
oölterung, beren Corratsfammern noch Qc füllt finb unb bie 
imftanbe finb, an bie abgugeben, beren ©efunbljcit unb Arbeits* 
traft oom ipunger untergraben mirb. Die ßcitung ber ‘Colts* 
fpcifungsattion liegt in ben §änbcn bes preußifchert ßanbmirt« 
feßaftsminifters; bie Durchführung ber Coltsfpeifung unb 


bie Tragung ber Stoften liegt ben ©emcinben ob. An biefe 
merben bie aus ben 6penben einlaufenbcn Sittel oerteilt. 

3n Cerlin liegen bie Cerhältnijfe befonbers günftig, ba bic 
im Kriege 1916 gefdjaffene Drganifation ber Coltsfpeifung 
noch gum größten Teil erhalten ift. Die Coltsfpeifung ocr* 
fügt in ©roß=Cerlin nod) über ad)t 51ücßen — bie gum Teil 
gefcßloffen finb — unb feeßgig Ausgabestellen, mährenb bis 
ipöcßftgaßl ber Äüdjen mährenb bes Krieges gehn unb bic ber 
AusgabefteÜen fiebenunbfiebgig betrug. 6ie ift in ber fiage, 
mit ben oorhanbenen (Einrichtungen gurgeit ungefähr 70 000 
Portionen ausgugeben. Diefc 3aßl tann burch Anglieberung 
oon Küchen prioater Organifationen noch oergrößert merben. 
©egen bie Cermenbitng fahrbarer fließen befteßen bie gleichen 
Cebenfen mie im Kriege. 3ßre ßeiftungsfäßigteit ift oiel 
gu gering, unb bei ftarter Cenußung finb Anfammlungen an 
ben Sagen unb Unorbnung nid)t gu oermeiben. Die 3aßl 
ber ^erfonen, bie biß Coltsfpeifung mäßrenb bes Krieges 
Gemißten, [eßmantte ftart. Aus ben 6300 Teilnehmer 



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(Seite 900 


3M e o cfc e 


crftcn 2Bocßc im Sommer 1916 feßwofl pe int trodfenen Srüß» 
(ominer 1917, in bem ©erlin weber Kartoffeln nod) ©emüfe 
fannte, auf 171 000, um roicber gegen Enbe bes Krieges auf 
48 000 ßcrunterzugeßen. 1920 betrug fte im 5rühjaßr 10- bis 
12 000, wäßrenb im September 1923 29 000 Portionen, baoon 
Zwei drittel zum ooüen greife, ausgegeben tourben. 

©ie ©rünbe, bie im Kriege zu ber ftarfen ©enußung ber 
©olfsfpeifung führten, finb ganz oerfeßieben oott benen, bie 
jeßt ein ftirfcs ©nfcßmeüen ber ©efucßerzaßl erwarten laffen. 
©amals bereitete bie ©eforgung oon Sebensmitteln bie 
größten Scßwierigfeiten; jai)lreid)e weibliche ©erfonen, bie 
ben ganzen Sag über befcßäftigt waren, Ratten feine &\t, um 
für pcß unb ißre $amilic ein warmes Effen gu bereiten, 
^cutc pnb burd) bie furchtbare Neuerung zahlreiche ©er» 
fonen nicht in ber Sage, bie Koften ber Reizung zu erfeßwingen, 
gefd)wcige benrt eine billige unb ausreichenbc (Ernährung fid) 
Zu feßaffen. 

Sieben ber ©olfsfpeifung bcftcht im alten ©erlin noch 
ber ©ercin für ©toßlfaßrtsfücßcn — bie frühere Firmen- 
fpeifungsanftalt. ©Soßlfahrtsfüchcn gibt es im ganzen oier- 
Zehn, bie in ber Sage finb, im $öcßftfalle 10 000 ©ortionen 
hcrzuftellcn. 3urzeit werben täglich 8000 ©ortionen gegen 
SJtarten ausgegeben, bie oon ben ©Soßlfahrtsfommifpons* 
oorfteßern ßauptfäcßlich an laufenb unterftüßte ©erfonen un¬ 
entgeltlich verteilt werben. 

2Bas jeßt oor allem nottut, ift, baß bie ©aben, fei es ©elb, 
feien es Sebensmittel, reichlich einlaufen. Scbcnsmittelfpenben 
finb an bie Sentralfücße ber ©olfsfpeifung, dorther Str.45, 
ZU richten; ©elbfpenben werben in ©erlin bei (amtlichen 
ftäbtifeßen Sparfaffen mit ihren 3weigftellen unb bei ben ©iro» 
taffen auf Konto „©olfsfpeifung" entgegengenommen. 

©teber Staat noch ©emeinbe finb in ber Sage, Sehens» 
mitteloorräte, bie im freien ©larfte zurzeit zu haben pnb, in 
größerem Umfange für ben ©Sinter einzufaufen, wenn nicht 
bie prioate Siebestätigfeit bie nötigen ©elbfummen aufbringt, 
©oppeit gibt, wer fcßnell gibtl 

* 

* 3u bemfcIOen (Stabtrat 93ufcfj 

tu uorftelKiibcm Huffatj belianöelt, rotrt» uns 
non mafißebetiber 3cite iiorf) ßc^ricbcn: 

3nfolgc ber ©bfperrung ©eutfchlanbs oom ©uslanbe mit 
feinen ©äßrprobuften jeglüßer ©rt mußten wir wäßrenb ber 
Kriegsjahre beftrebt fein, einem 70«SJlillionen*©oltc bie wieß» 
tigften ©aßrungsmittel in beftimmt bemeffenen Einzclrationen 
Zuzuführen. 3a, bie ©ertretcr burchgreifenber ©ttrtfcßafts- 
politif, wie ©ießarb Ealwer u. a., erblicftcn angeftchts ber Orb» 
nung ber ©aßrungsinitteloerteilung wäßrenb ber Kriegszeit 
in ber ©emeinfcßaftstüd)e unb ztuangsweifen ©taffenfpeifung 
ber ftäbtifeßen ©eoölferung bas einzige ©Uttel, bie Ernährung 
bes ©olfes pßppolcgifcß wieber auf eine ausreichenbe ©runb» 
Iage zu fteflen. Allein es fam nicht bazu, bie ftäbtifche ©e» 
oölferung allgemein in ©taffenfpeifeanftalten hineinzuzwingen, 
©ic ©olfs- unb ©Uttelftanbstüdjen ber Kriegszeit blieben oicl» 
mehr foziale £ilfscinrid)tungen, bie cs jebermann ermöglichten, 
fid) oon öffentlicher §anb bewirten zu laffen, ber gelblich 
ober aus fonftigen wirtfchaftlichen ©riinben nicht in ber Sage 
war, fich ausreießenb zu beföftigen. 

©ad) ©ccnbigung bes Krieges, als bie ©renzen bes Slus» 
lanbes pcß &ur Einführung oon Sebensmitteln nad) ©eutfeß* 
lanb wieber öffneten, atmete alles auf. ©er ©ollar, ber ba- 
mals eine oorßerrfeßenbe ©olle in ber ©Mrtpßaftspolitif zu 
fpielcn begann, ftanb auf bem Kursnioeau oon 8. Es war 
Zeitweife möglich, langentbehrte ©aßrungs-- unb ©enußmittel 
wieber zu erfcßwinglicßcn ©reifen z u taufen, ©ie ftreube 
bauerte inbes nidjt lange, ©ie ©eparationszaßlungen an ben 
{ycinbbunb unb leßten Enbes bie ©efeßu g bes ©uhrgebietes 
mit ihren ©egleiterfcheinungen haben urtfere ÜBäßrung nad) 
unb nach bem ^Ibgrunbe zugebrängt. 

©ie im großen Umfange broßenbe ©rbcitslofigfeit unb bic 
immer fortfeßreitenbe ©erfcßlecßterung bes Ernäßrungs» 

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©umnter 41 


Zuftanbes unferes ©olfes — cs fann als feftfteßenb gelten, 
baß weite Kreife ber ©eoölferung, insbefonbere in ben 
großen Stäbtcn unb 3nbuftriezcntren, nicht mehr in ber 
Sage finb, fich int eigenen £eim eine nahrhafte Koft unb 
eine wanne ©taßlzeit zuzuführen — inad)tcn außergewöhn¬ 
liche ©faßnahmen auf bem ©ebiete ber Ernäl)rungswirtfchaft 
erforberlid). ©ic preußifd)e Staatsregierung f>at fich bcsßalb 
mit ©eginn ber falten 3af)rcszeit oeranlaßt gefeßen, in einem 
Aufruf an bie ©eoölferung um Spcnben unb ©aben zu einer 
einßcitlid) organifierten ©otftanbsfpeifung für bie unter ber 
Neuerung am feßwerften leibenben ©olfsfcßicßtcn zu bitten, 
©fit ber Seitung ber ©otftanbfpeifungsaftion ift ber preu» 
ßifeße Staatsfommiffar für ©olfsernäßrung, Sanbwirtfcßafts» 
minifter Dr. ©Senborff, betraut worben, ©ie Einrichtung ber 
©otftanbfpcifungcn foll, wie bisher, fo auch jefet Aufgabe 
ber ©emeinben fein. Sic werben zu biefem 3u)ecfc bic aus 
ber Kriegszeit noch beftehenben Einrichtungen wieber auszu¬ 
bauen unb bort, wo folchc nidjt mehr oorßanben finb, wieber 
cinzuridjten hüben, ©fit ©iieffießt auf bic ungünftige finan¬ 
zielle Sage ber ©emeinben follen alle Quellen, welche für eine 
^Beteiligung an ben Koften in {frage tommen, in weiteftgehen- 
bem ©faße in $lnfpruch genommen werben. Es bleibt ben 
©emeinben überlaffen, ob pe beftehenbe eigene Einrichtungen 
hierfür oerwenben unb ausbauen, ober ob pc Organifationcn 
ber freiwilligen Siebestätigfeit, ©aftftätten unb fonftige be- 
flehenbe Kochgelegenheiten ausnüßen wollen. 3n jebem {falle 
foü ben ©emeinben aber bie Einwirfung auf ben ©efchäfts* 
betrieb unb bic $lufßd)t über bie Einrichtungen gewahrt 
bleiben. ©et)en bezahlten §ilfsfräften ift es erftrebenswert, 
ehrenamtlich tätige Jpilfsfräfte, bie insbefonbere feitens ber 
{frauenoereine unb fonftigen Organifationen ftets in banfens- 
werter ©3eife zur ©erfügung geftellt worben pnb, in weiteft- 
gehenbem ©faße heranzuziehen, ©ie Einrichtungen follen fo 
getroffen werben, baß genußfertige Speifen als Eintopfgericht 
täglich einmal zu mäßigen ©reifen abgegeben werben. 
©3äl)renb in ber Kriegszeit für bie ©otftanbfpeifungen in 
ber §auptfachc zugeteilte Söaren oerwenbet würben, wirb 
heute bie {frage ber freifjänbigen ©efdjaffung eine entfdjeibenbe 
©olle fpielcn. Sie erfolgt burch Ginfauf ober burch wohl* 
tätige 3uwenbungen. ©abei wirb mit ©ücfpdjt barauf, baß 
bie „©iüigfeit" für ben bebürftigften ©eil ber ©eoölferung 
— benn nur biefer fomrnt in ffrage — ben £auptzwecf ber 
Speifung bilbet, wieber bie Siebestätigfeit im ©orbergrunbe 
fteßen miiffcn. 9luf biefe 3öcife ift es bereits in einzelnen 
Sanbesteilen möglich gewefen, burch hochherzige 3uwenbungen 
©otftanbfpeifungen einzuridjten; es wirb nur ber Anregung 
unb ^lufflärung über ben fegensreichen 3wed ber Speifung 
bebürfen, um überall in Stabt unb Sanb ©littet bafür zu 
erlangen. 3nsbcfonbere ift es ©fließt aller in ©etradjt fom- 
menben Stellen, für bie weiteftgehenbe ©erbreitung bes oom 
preußifdjen Staatsminifterium ergangenen Aufrufs Sorge zu 
tragen unb bie ©eoölferung unter ©enennung ber Sammel- 
fteHen zur regen Beteiligung an bem Opfer aufzuforbern. 

Staatlidjc ©tittel fteßen leiber zurzeit nicht zur ©erfügung. 
©esßalb ift es nießt zu oerfennen, baß an bie ©emeinben unb 
an bie Opferfreubigfeit ber ©eoölferung große ^Inforberungen 
geftellt werben; biefe follten aber im 3ntereffc ber allgemeinen 
©olfswoßlfahrt gern erfüllt werben, ©elbfpenben fönnen 
fofort an bie ftaatlicßen Kaffen (©egierungsßauptfaffen unb 
Kreisfaffen) auf bas Konto „©olfsfpeifung" eingezaßlt werben, 
©ie ©emeinben hüten bei ißren Kaffen ein gleid)es Konto 
eingerid)tet. {yerner nimmt bie ©reußifeße Staatsbanf in 
Berlin (Konto „©olfsfpeifung") Spenbcn entgegen, ©ic zur 
©nnafjme oon Sacßzuwenbungen unb Sebensmittelfpenbcn be¬ 
rechtigten Stellen werben in jebem ©egierungsbezirf oon ben 
©egierungspräfibenten öffentlich befanntgegeben werben. 

©iemals ift, wenn es galt, für ein großes 3**1 Opfer gu 
bringen, ber ©uf um £>ilfe oergeblicß an bas beutfeße ©off 
ergangen; es wirb ißm auch folgen, um bie Sirmften bee 
Firmen oor ©ot unb Elenb zu bewahren. 

Original fra-m 

PR1NCETON UNilVERSITY A 


SRummer 41 


© i c <3© o d) c 


Seite 901 


ZEICHNUNGEN 


Die neue Ausstellung 


VON DÜRERS ZEITGENOSSEN 

im Kupferstichkabinett der staatl. Museen, Berlin 




Hans Holbein d. J.: Männliches Bildnis Hans Baidung Grien: Weibliches Porträt 

Wolf gang Huber: Landschaft. Aquarell aus dem Jahre 1532 


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* Original frorn 

1NCETON UNIVEF 


—*77- . ' ’ - 


_ 










6eite 902 


i c 1 o d) e 


Kummer 41 



© 6 n \) e 1 1 unti 57t a $ ? c 

53 o n Äarl ©treefer 

3 u m beginn b c v 53 c r (t n c r 2 P t n t c r f p t c (3 e 11 

CyOemt es brau&eti perbftelt, beginnt ber (hroftftabtfrüpling, bie 
>vs3 „Saifon" aufzublüpen. Slber nad) biefem 3^Qufe«bleib= 
Sommer burepbringenben SJtt&Dergniigens ift bas iperbfteln branden 
fepöner als bas Slufblüpeti brinnen. Unb bod) — nnb bod): id) 
tenne ein paar Stätten in biefem Stemlcbtjrintp, ein paar ©infei 
im berbftlid)en ftrüpling ber (öroftftabt, bie für ein ©cilcpeti nn-- 
zerftörbarc ftreube nnb mcltentrücftcs (£>lücf menigftens uortäufcpciu 
©enn eine ©eit bcs Scpeiits, ber I)oIben ©äufepung nut§ es fdjott 
fein, in ber ©irtlicpfeit pnbet ftrf) fein Staunt mehr für foldje §err= 
liepfeiten; Iaffen mir uns beim an ber SJtasfe, ber ScpÖnpeit nnb 


Lucie Höflich als FrauWarren 
in „Frau Warrcns Gewerbe“ 
(Theater am Kurfürsten¬ 
damm). Aufnahme der .Woche“ 

Links .-Hella Kürty als Charlie 
in der gleichnamigen Operette 
(Theater in der Komman¬ 
dantenstraße). Phot. Schneider 

Öeiterfeit ber Äunft genügen, 
©iefe Sterne leuepten über bem 
bIonben£>aarbcrftätpe©orfd), 
rnenn fie in Spams „^qg* 
ntalion" als bas S3Iumen» 
mäbepen Sliza burep ipre na» 
tiirlicpc Slnrnut unb natoe 
Scpclmerei bezaubert. Sigent» 
liep fann man pier oon einer 
SJtaste garniept fpreepen, beim 
bas maept ja gerabe bie uit« 
erreichte Sonbcrart ber ©orfd) 
aus, baft fie unmittelbar bie 
Stimme ber Statur fpreepen 
läfct unb baburep bie ftärfften 
©irfutigen auep als Slünftlerm 
erhielt ©unberbar, mie fie 
aus bem ungezogenen ftinb 
ber ©offe burep afle/brofltgen 
Uebergangftabten zum an» 


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PRINCETON UNIVERSITY £ 








Kummer 41 


© ic <3B o eft e 


6citc 903 



fteinbigen, armen uiib fein empfinbenben Btäbdjett 
fid) an bem fieberen 9lriabnefabcit meiblicbcit 3ttftintls 
hinauffühlt. Blatt hat oielfari) einen Berg leid) 
^mifd)en ber 0orfd) unb ber $>öflirf) exogen, Sind) 
foldje (Sleid)tüffe hinten, rocii fid) perfönlidje (£igen= 
tümlicf)leiten nid)t mic 3cl)lcnmerte gegeiteiitanbcr auf= 
rechnen Iaffen. ‘Slhttlid) ift bcibeit bie unoerfälfcf)te 
germattifdje Bloitbheit unb bie grafte 9tatürlid)feit 
ihres 6piels. 3ahrÄehntcIaitg mar Sucie ftöflid) ber 
ßieblittg ber "Berliner 'Ihcaterfreitttbe, unb fie ift es 
ttod). 9arutit gab es uns im erften Bugcitblid 
einen fleineit Stoß ins §er^ als mir 5 rau ßncie 
im Theater am ^urfiirftcnbamm jiingft grau ^Barrens 
(bemerbe treiben fatjen. Blatt muh fid) erft baran 
gemöhneu; ftatt bes Iid)ten §afcrbloubes rötliches 
StrubbcII)aac, ftatt be3 fd)öttcn Ebenmaßes ihrer 
3iigc ein (ber Bolle zuliebe) gebunfenes Obefid)t mit 
Bad)tfd)atten unter beit Gingen ju fcheit. Bbcr halb 
hatte bie §öflid) uns mieber in il)rent Banne, fie 
mar aud) als gealterte 5^‘ au SBarren bie ewig-junge 
ftünftlcrut, unb namentliri) in beit 9lttsciitattbcr= 
fetjungen mit ilirer £od)ter mud)s fie barfteOertfd) 
fo meit über übliche Blafte hinaus, bah man bie 
Blaste oergaft unb bie grofte ^ünftlerin Sitcie §öf. 
lief; tpieber in bem ftral)lenben 3auber ihres Söefens 


Margit Suchy als 
Lola in der Ope¬ 
rette „Casinogirls" 
(Metropol-Theater) 


Im Oval Johanna 
Hofer als Porzia im 
„Kaufmann von V e* 
nedig" (Die Truppe 
im Lustspielhaus) 


Rechts. CordyMil- 
lowitzsch als Laura 
in der Operette 
,Dcr Bettelstudent' 
(Großes Schau¬ 
spielhaus). 
Aufnahmen der „Woche“ 


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6eite 904 


S> i e o cft e 



Molly Wessely als Frau des 
Königs Tuthankamen in der 
Revue „Drunter und drü¬ 
ber" (Theater im Admirals¬ 
palast). Phot. Schloß-Atelier 

cor uns ftemö. Sticht gaua 
äur (Entfaltung ihres 5£e-- 
feits lam aud) 3oI)anna 
§ofcr als Spor^ia im „ftauf* 
manu non beliebig", ben 
bie Gruppe als (Eröffnungs* 
uorftellung gab. 0as lag 
aber nur an bei* eigen¬ 
willigen Berranutheit einer 
Elegie, bie ben 6lil bcs au 
fici) nortrefflidjeu „'Flauen 
Bogels" unmittelbar auf 
Shatefpcare übertragen au 
tönneu meinte unb and) 
eine fo lebeubige 9Jtäbd)en= 
geftalt wie Sßorftia burd) 
bie 'ßorfdjrift mariouetten- 
hafter Bcrfteifung am Slus-- 
truct beweglichen Gebens 
hinberte, namentlich in ben 
Svenen mit ben greiern. 
dennoch bleibt bie jarte 
SInmut unb ber TBohltlang 
in ber Stimme biefec 
©arfteflerin uuocrgcjjlid;. 


Uschi Elleot als Frau des 
KönigsTuthankamen in der 
Revue „Drunter und drü¬ 
ber" (Theater im Admirals¬ 
palast). Phot. Schloß-Atelier 

SBas fonft nod) in bem 
{leinen Bruchftücf bcs neuen 
Spicljchrs, bas wir bisher 
erlebt haben, unter ber 
Bereinigung uon Schönheit 
unb SJtasfe au betrachten 
wäre, liegt hauptfächlid) auf 
bem gelbe ber Operette, 
biefem mehr als je bebau* 
ten gelbe, 

greilid) liegt in ber 
ganzen Stimmung ber 3cit 
hierfür eine Gntfd)ulbtgung. 
immerhin : ba in ber Ope* 
rette fd]on bas gefprochcnc 
B3ort niri)t bas 2öefentlid)e 
ift, wicoiel weniger nod) 
bas gefchriebcnel SOtachen 
wir barum einen ^unlt 
unb Iaffen bem Bilbe bas 
Tl'ort. 

Käthe Dorsch als Eliza in 
„Pygmalion" (Deutsches 
Theater). Aufnahme der m Woche m 


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PR1NCETON UNIVERSITY 





", 


»Hfcsr 


Phot. W. Potter 

Paßkontrolle in Bonn a. Rh. durch weiße und farbige Franzosen 

RKEHRSNOT IM BESETZTEN GEBIET 

ren altberühmten Universitätstadt die Franzosen, 
em Joch anjTemaUler Fremdherrschaft leidet. 


mtj die hngländer aus Bonn abgezogen sind, ha 
Vom Ruhrgebiet her ist es die erste vollrheini 


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PRINCETON UN1VERSITY 





(Seite 906 


© \ e © o d) e 


Stummer 41 




£)te fcf)tt>abt|d)e 
3tpetjaf)rfyun&ert* 
fetcr in £emeöt>ar 

©as $eft, bas bas 
Banater Deutfd)tum 
oor einigen Sagen in 
Semesoar im bant* 
baren (öebenfen an bie 
(Einmanberung unb bie 
Säten ber Borfaßren 
beging, mar ein (Er» 
eignis. lieber 50 000 
Deutfcße marett aus 
allen 0egenben (öroß-- 
Shmtäniens unb ber 
angrenzenbeit beut» 
fcfyen 6ieblungsgebicie 
fyerbeigeftrömt; es mar 
bie übermältigeubc 
Shmbgebung eines Vol¬ 
tes, bas beutfef) bleiben 
miU troß bet oerfd)ic-- 
beitftcit Bebrttcfungen 
unb Bebtättgniffe. Die 
Saat, bie ein Slbam 
SDUlUer -- (öuttenbrunn 
ausgeftreut l)nttc, ift 
überall auf frud)t» 
baren Beben gefallen. 

Den Ipöfjepunft ber uttoergeß ließen Sage bilbete ein f)ifto= 
rifeßer Seftjug, an meldjent 30 000 SOteitfeßen teilgenommen 
ßaben. Den 3^9 eröffnetc unb bcfcßlofj ein Stciterbanberium 
oon 300 „Bittern". Uniiberfeßbar mar ber Bufmarfd), ber 
über eine unb eine fjalbc Stunbe bauerte, unzählbar bie 
nielen SftufitfapeUen, unb eine unerroartete Seßensmürbigteit 


Im Hintergrund das Hunyadi-Schloss 

bie Sd)önßeit ber fteftmageti, bie fumbilblid) bie (Einmanberung 
Zur Schau führten, unb bie Dielen ctßnograpßifchen (Sruppen: 
all bie Scßmabenmäbcben mit ißrett meißgeftärften ober blumen» 
beftidten Strinolinenröcfen, mie fie entmeber in beit §ocßzeits» 
ober in bett $tird)meißgrtippen ernft unb mürbig bal)infd)ritten, 
gefolgt oott ben bänbergefcßntiidteu Buben. (Ein ßerzftärfenbes 

(Erlebnis für ben, ber 
Sinn für beutfeße 
Sradjten unb alteSitten 
ßr.t, bie ftd) hier troß 
ber entfigen SJtabja* 
rifterungsbeftrebungen 
ber lebten Saßrzeßnte 
erhalten ßaben. 

Derfteftzug miinbete 
in beit alteßrmürbigen 
Doittplaß ein, auf bem 
ftd} bie ßiftorifcßcDoni= 
tireße ergebt, bie^ifeßer 
oott (Erlacß erbaut ßat. 
3itntitten bes großen, 
Diererfigeit^laßesftanb 
ein Slltar, an bem bas 
5ßontifUaIamt zelebriert 
mürbe. (Es mar ein 
Bilb, bas fid) unoer» 
lierbar in bas (&e* 
bäditnts einprägte. 

Dasfteftmar als Be* 
fenntnis zum Deutfd)» 
tum non unfcßäßbarer 
Bcbeuluttg. F. E. G. 


Der Fostzug: Der Hochzeitswagen der Biedermeiergruppe. 


Während der Fest¬ 
messe auf dem Dom¬ 
platz Phot . Kossack 


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PRINCETON UNIVERSITY / 















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Original fro 

PRINCETON UNI 


Seite 907 


w$mi : 

Kummer 41 


Köln gegen die Landesverräter, die gern die rheinische Republik ausrufen möchten, eine Kundgebung statt, an der ungeheure Menschenmassen teilnahmen. 

ln der von den Versammelten einstimmig angenommenen Entschließung heißt es u. a.: „Das Rheinland fühlt sich unerschütterlich mit dem deutschen Mutterlande verbunden. 
.. w ^ rc ^ allen Versuchen, irgendeine Änderung seiner staatlichen Zugehörigkeit durchzusetzen, leidenschaftlichen Widerstand bis zum letzten entgegenstellen.“ 

FÜR EINHEIT DES DEUTSCHEN REICHES: TREUSCHWUR DER RHEINLÄNDER IN KÖLN 






















(Seite 908 


© i e <53 o eft e 


9htmm?r 41 



Die beiden ersten der drei in Klasse B siegreichen N. S. U.- 
Wagen. Vorn der Sieger Georg Klöble 

lm Kreis: Der in Klasse A siegreiche Alfi-Wagen des Ingenieurs 
Heinz Erblich Tachyphot. 

Kleinwagen-Rennen auf der Avus im Grunewald 


VOM 

DEUTSCHEN 

SPORTLEBEN 

Unten: Herbst¬ 

wettfahrt desDeut« 
sehen Motor- 
Jacht-Clubs auf 
dem Seddinsee: 
Start der Deut- 
schen2-Literklasse. 
Vorn der Sieger 
„Sigrid“ (Direktor 
R. C. Krüger) 

Phot. Hohmann 



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PR1NCETON UNIVERSITY / 













Kummer 41 


© f e < 3ß o d) e 


Seite 909 



DIE ERSTEN AUFNAHMEN VOM ERDBEBEN IN JAPAN 



Die Trümmer der ehemaligen Fuji-Baumwollspinnerei in Koyama am Fuß des Heiligen Berges 
Oben: Der Brand des kaiserlichen Theaters in Tokio 


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PRINCETON UNIVERSITY 




























Seite 910 


3) t e 'S? o eft e 


Kummer 41 




Hofrat'Dr. Josef Nevinny f 

Prof, für Pharmakologie und Pharmakognosie 
an der Universität Innsbruck 

Oben links: 

Dr. Emil Georg von Stauss 

Direktor der Deutschen Bank, beging das 
25 jährige Jubiläum seiner Zugehörigkeit 
zur Deutschen Bank 
Oben rechts- 

Geh. Komm. Rat Georg W. Büxenstein 

eine der markantesten Persönlichkeiten im 
deutschen Buchdruckgewerbe, leierte sein 
50jähriges Berufsjubiläum 
Links: 

Wirk!. Geh. Rat 

Freiherr Heyl zu Herrnsheim 

der bekannte Großindustrielle. Politiker und 
Kunstfreund, starb im 81. Lebensjahre 
Rechts: 

Lala Lajpatrai 

ein hervorragender Führer der indischen 
Nationalbewegung, 18 Monate in englischer 
Gefangenschaft, wurde jetzt wegen Tuber¬ 
kulose entlassen 



Ein Gartenfest beim Marquis Masayuki Naruse in »Japan: Der Marquis (1), die Marquise (2), Fritz Kreisler (3), 

Frau Kreisler (4J, Michael Raucheisen (5) 

DEUTSCHE KÜNSTLER IN OSTASIEN: FRITZ KREISLER UND MICHAEL RAUCH- 
EISEN AUF EINER KONZERTREISE DURCH CHINA UND JAPAN 


- 


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PRINCETON UNIVERSITY 


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SRummer 41 _ $) { « ^Qg o dfr e _ Seite 911 

EIN VORLÄUFER DES DRAMATISCHEN EXPRESSIONISMUS 



In Szene gesetzt von Leopold Jessner. Oberes Bild: Von links: Agnes Straub, Gerda Müller und Hans Heinrich v. Twardowski. 
Unteres Bild: Das Paar vor dem Tisch: Maria Paudler und Max Schreck. Dahinter: Ernst Gronau und Agnes Straub, 

HERMANN ESSIGS TRAGÖDIE „ÜBERTEUFEL” (1912) IM STAATL. SCHAUSPIELHAUS. BERLIN 



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Seite 912 


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Stummer 41 



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Professor 
Dr. H. Driesch 


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Goug 


le 


derinChinaneun 
Monate philo¬ 
sophische Vor¬ 
träge hielt, mit 
den chinesischen 
Gelehrten Dr. 
Carsun - Chang 
und Dr. Chu-Shi- 
Jing vor derUni- 
versitätinPeking 


Original fram 

PRINCETON UNIVERSITY 


BILDER AUS 
ALLER WELT 


Links: Die aus ihrer 
Kirche widerrechtlich und 
gewaltsam vertriebene 
Jakobigemeinde in Riga 
hält ihren sonntäglichen 
Gottesdienst' auf dem 
Jakobifriedhof ab 


Durch Beschluß des lett- 
ländischen Parlaments ist die 
uralte, seit der Reformation 
von den Evangelischen be¬ 
nutzte Kirche St. Jakob in Riga 
hren Gemeinden entrissen uod 
ren Katholiken übergeben 
worden. Durch einen Gewalt¬ 
akt hat sich die Polizei in den 
Besitz des Kirchenschlüssels 
gesetzt, die Kirche ist gegen- 
wärtig gesperrt und militärisch 
bewacht. Die beiden auf die 
Straße gesetzten evangelischen 
Gemeinden — eine lettische und 
eine deutsche — sind obdachlos 
und müssen ihren Gottesdienst 
unter freiem Himmel abhalten. 


Unten: Denkmal für die Opfer der 
Explosionskatastrophe von Oppau, 
ein Werk des Bildhauers Steinei, 
München, das jetzt auf dem Fried¬ 
hof von Oppau errichtet wurde 







Kummer 41 


^ i e OB o <b e 


Seite 913 


Äoman oon JCans Do mini fo t 

17. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


©ägrenb Sfenbranbt fpraeg, trat ein Srauen in bie 
klugen bes (Generals. 6ein $ug auefte, als toollc er ^urücf« 
roeiegen oor biefem Blannc . . . biefem Unheimlichen. 
Sein §era fchlug, roie es in ber fegroerften Sd)lacgt nie 
gefcglagen. (Er fühlte, roie ein 3tttcrn non feinen gitgen 
nadj oben flieg, roie feine £nie roaitften. 

Sein Buge ftarrte auf bie frühlingprangenbc Banb* 
fchaft, als fähe er bie fürchterlichen Silber ber Ber* 
nichtung, bes Tobes . . . bes rocigen Tobes . . . unb 
bann toar es ftiH an feinem Ohr. 

9Jtit Seroalt raffte er ficg jufammen. ©ar bas ein 
Blenfdj, ber au ihm gefproegen? . . , ©ar es ein 
Sott? . . . Sin Teufel? . . . 

Sr toarf einen fchrägen SBlicf hinüber au bem anberen. 
0er ftanb ftarr. ©ie aus Blartnor gehauen bie bleichen, 
fantigen 3üge. 0ie klugen regungslos in bie {ferne 
gerichtet. 0ie ftgmalen Sippen feft aufammengepregt. 

„Ss toirb gefegegen, rote Sie cs befehlen", fam es 
ba oon ben Sippen bes Senerals. 

„Bocg heute! Sofort! Saffen Sic bie Befehle hinaus* 
gehen! kommen Sie!" 

Sie fdjritten ber Stabt au. Srft im Sehen getoann 
ber Seneral feine alte Buge toieber. ©as ihm im erften 
Bugenblitf fo unfagbar, fo furd)tbar erfegien, bas unb 
feine folgen gatte fein Seift jegt ooll erfaßt. Sein 
Schritt tourbe fcgneüer, je näher fie ber Stabt tarnen. 
3egt brängte es ihn, bas befohlene ©erf au beginnen. 

„3a, £err Sfenbranbt, jegt fann ich ja unbeforgt bie 
Kräfte hier am 3li oerftärfen, um enblicg bem Banben* 
roefen ein Snbe au machen. 0ie Äirgifen tocd)feln hin 
unb her, als ob es teine Srenae gäbe. 0as foll jegt 
aufhören." 

„Sie tonnen bas unbeforgt tun . . . Unterfliegen Sie 
bie Sefangenen recht genau! Stellen Sic feft, toieoicl 
reguläre cginefifcge Truppen unter biefen irregulären 
Banben fmb. 3cg fliege in einer Stunbe nach Oren* 
bürg . . . bas geigt offiziell. 3grc Telegramme er* 
reichen mich unter meiner alten Segeimabreffe in 
Berlin." 

* * * 

„0er ftaifer ... ber Sogn bes Rimmels . . . tot." 

Um bie Biittagftunbe roar es bem cgineftfcgen Bolfe 
funbgegeben toorben. Bis in bie entfernteren Teile bes 
Banbes gatte ber Telegraph bie 9iad)ricgt oerbreitet. Sin 
fchtoüles 3ucfen toar burd) bie Slieber bes 9iiefenreid)es 
gegangen. Unb roägrenb nod) bie öeraen ber BiiHioncn 
unter bem Sinbrucf ber Sreigniffe ftanben, fam bie 
aroeite Botfcgaft: „Sdjatt Ti, Toggon=S!gan, ber Jperaog 
oon 0obraja, ift Begent." 

T)a regte es fid) ftärfer, lauter imBanbe. Berafcgte Slut 
roollte fid) toieber entfachen. Sefeffelte $änbe jerrten 
an igren Banben. Sefeffelte 3ungen mollten fpreegen. 
Unb bann toar es toieber ftiU roie am Tage juoor. 

3n ber Bacgt, bie baaroifegen lag, gatte bie {yauft bes 
Scgan Ti fdjon augegriffen. ©as gegen ign roar, be= 
fanb fteg in ben §änben feiner $äfcger. 0ie Stimmen 
ber fügrcrlofen Scfolgfrfjaft mürben fd)toäd)er, unb bann 
oerftummte alles oor ber ©uegt ber neuen Sofuitg. 

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„51rieg ben (Europäern!" 

©ie ein Steppenfeuer lief cs burd) bie mciten (Ebenen 
bes Beicges unb entflammte alle Seifter. 

©er gatte bie Baroie ausgegeben? Biemanb mugte 
es. 0ie neue Regierung fegmieg. Sd)mieg aueg, als 
bie Bertreter ber fremben 9Jläd)tc fie interpellierten. 

Unb bann fegalltc es rociter unb fanb fein (Ecgo auf 
ber ganaen Srbe . . . ftrieg!? 

Ss roar um bie feegfte Blorgenftunbe bcsfclben Tages. 
Toggon=$tgan fag im grogen Beratungsaimmer bes Ba^ 
laftes. 0ic fenfterlofen ©änbe roaren bebeeft mit grogen 
unb fleinen harten. 0ie langen, niebeten Tifdje iraren 
oerborgen unter ben Stögen oon Spieren unb Bläuen. 

0ic fleine Seftalt bes Regenten oerfd)roanb faft in 
bem grogen Scffel, in bem fie aufammengefunfen lag. 
Sr fegien au fcglafen. 0ie klugen roaren gefcgloffen, bie 
Bippen feft aufammengepregt. 0ie ganac Bad)t gatte er 
allein in bem Baume augebraegt. Bugelos roar er non 
einer $!arte aur anberen gefegritten, immer toieber bie 
Stellung ber fleinen Babelfägncgen priifenb unb oer* 
gleicgenb, immer toieber 3aglcnfolonnen aufamnten* 
fteHenb unb gegeneinanberfegenb. 

Bis enblicg bie ©orte ficg oon feinen Sippen löften. 

„ ... So mug cs gegen! ... So roirb cs gegen . . • 
So geht es!" 

0ann gatte er ficg in ben Scffel geroorfen unb oer* 
fuegt, in furaern Scglaf Srgolung au finben . . . Um 
geben Ugr roaren feine Senerale au igm befohlen. 

0ocg oergeblicg fuegte er ben Scglaf. 0ie {flut ber 
raftlos arbeitenben Sebanfen lieg ign niegt aur Buge 
fommen. 0er 0rucf ber übermenfcglidjen Berantroor* 
tung peitfegte feine Heroen immer oon neuem auf. 3n 
igm roar bas Beben, bie Btacgt, bie 3ufunft bes grögten 
Boltes ber Srbe oerförpert. 

Biit galbgefcgloffenen Bibern bliefte er oor ftd) gin. 
0er Scglaf roollte bie £>errfcgaft über ign geroinnen. 
Bur nod) unbeutlicg fag er bie Bapiere auf ben Tifcgen 
. . . roeige ^yiäcgen . . . roeite rocige {fläd)en ... 

0a . . . feine £änbe umframpften bie Begnen, fein 
Oberförper beugte ficg oor. 

Scgneel . . . Sd)nee? . . . 

Sr fiel in ben Scffel aurücf unb pregte bie §änbe auf 
bie klugen. 

©as roar bas bamals’am Tage bes Sinauges be3 
ßaifers? Scgroerer Scgnee aus lidgtem {yriiglingstag ... 
Öatie er niegt felbft bie Sl°tf cn auf feiner £>anb aergegen 
fegen? Bis auf bie eine, bie am 5Ringc bes 0fd)ingis* 
Hgan folange gaften bl v ieb . . . unb feinen Slana trübte. 

©ar es ein 3ciü)^n bes §imntels? ®ar alles Bceit* 
fegenroerf? . . . ©erf biefes einen ba briiben? 0ann ... 

9Jtit jägem 9lucf rig er ficg empor, bie klugen roeit 
geöffnet. 0as ©eige oor igm getoann fefte Seftalt, es 
roaren bie roeigen Bupiere, bie bort auf ben Tifdjcn 
lagen. 9kroös fugr er ficg über bie klugen. 

Öinroeg mit ber fturegt! > t SOtcnfcgenroerf? . . . 9?cin! 
^cin Blenfd) roiirbe jemals fo tief in bie Segeimniffe ber 
9tatur einbringen . . . ^ein Bienfeg jemals bie ftolgc 
ber 3eiten oeränbern tönnen. 

Original fram 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



6eite 914 


0 f e o cb e 


Kummer 41 


V 


„3uoicI ßabe id) gearbeitet in ben letzten 3Bod)cn . . . 
guniel mar es, mas meine fernen fpannte. Vuße braudje 
id) . . . bie Vitße mirb fontmen, menn ber Würfel gc= 
fallen ift." Geilte 5 au f t feßlug auf bas ^ctpicr. „üöcg 
bamit! . . . 3ur Sat!" 

Gr brüefte auf ben Vrongefitopf. Gin Vbjutant trat 
ein. 

„0ie Generale!" 

Gie traten in ben Vaunt. 0tc in fo oiclen Kämpfen 
erprobten ^iil^rcr. 0ic 5 cI ^ crr c n ^ cö Ötoßcn Hubclai= 
Hßatt. Geine Äampfgenoffcn. 

Gie oerneigten ftd) tief.. . oor betn Vingc bes Sfd)in- 
gis=Hßan, ber auf ber öanb bes Regenten gleißte. Sog= 
I)on=5\^an fetjte fidj. Gdjmeigcnb nannten bie anberen 
ißre ^slätje ein. 

„llnfer großer $err, ber allmädjtigftc S^aifer ... bic 
Stinber feines Veidjes merben bie Huitbc oerneßmen, baß 
er gu feinen Vßncit gegangen ift. Vüe Sergen ber Guten 
merben trauern unb meinen . . . uitb tlagcn." 

Sautlos neigten bie Generale bie §>äupter. 0er Ve* 
gent fußr fort: 

„0ie menigen Vöfcn, fie biirfen bic Trauer ber Guten 
ttießt ftörcit. 3ßre 3unge muß oerftummen. 3ßre £>änbc 
muffen banieber geßaltett merben . . . $abt ißr bafiir 
geforgt?" 

Gein Vlicf glitt priifenb über bic Vcrfatomeltcit. 

„Gs ift gefeßeßett!" tarn bie Vittmort. 

„Go ftnb unfere Sänbe frei, um bas große Vkrf, bas 
ber Hubelai='Hßan begann, gu oollcnben?" 

„Gic ftnb es!" 

„0as Gd)iebsgerid)t über bas Slibreiecf ßat gegen uns 
entfeßieben! . . . £eutc nad)t fallt bie Vad)rid)t gu meinen 
Sänbcn. 0aß es fo fomnteit mürbe, mußtet ißr alle. 
Gin teures Glich bes Veidjes, ein Sanb unferer Gtain* 
litesgcnoffen, umftritten in taufcitb Kämpfen, foll oon 
uns gcriffen merben. 5Bit merben bas nießt buloeit!" 

Gr maeßte eine ^aufc unb bliefte in bie Vuitbe. Vur 
bas JJuttfeln ber klugen oerriet ißm bie Vemeguttg, bie 
in allen lebte. 

0er Regent fußr fort: 

„0ic Vntmort an Guropa, in ber mir bent 6d)iebs= 
gerid)t bic Vnerfennuitg oermeigern, liegt bereit. 3öir 
fönnten cs barauf anfontmen taffen, ob fie cs magen, 
ficß ißre Veute mit Gemalt gu ßolen. 3cß begmcifle es 
feßr. 0ie Hompagnietruppen mären gu fd)road). 0ie 
Muffen allein benfen nießt baran .. . unb bas vereinigte 
Guropa?" 

Gin biinnes Sädjeln umfpielte feine Sippen. 

„0er große Haifer tat biefe $ragc ftets mit einer 
öartbbcmcgung ab. Gr, ber bas feines Sebens 
bariit faß, alte oerftreuten Hinber ber gemeinfanten mon= 
golifd)ert Butter gu oereinen. 

Geine Vläne maren gur Gntfcßeibung reif, als ißn bie 
Hügel traf. Vis er auf feinem Gtcrbcbette lag unb um 
bie 3ufunft bes Simtnlifcßen SHeicßes bangte, ba fud)te 
er itad) einem, ber ftarf genug märe, fein V$etf gu ooll= 
bringen. Unb er fprad) mit mir . . . unb er gab mir 
ben Ving . . . unb icß fdjmur ißm, bas Vterf gu tun. 

0ie 3 ß U ift gefommen! Vtorgcn fällt bie Gntfcßei= 
bung in Vmerifa. Gie mirb bas Gigital fein für ben 
Stampf aller Waffen gegen bic Meißen. 3Bir fteßen nidjt 
allein. 

0ie Guropäer ßaben cs gemagt, uns eine ©roßnote 
gu fdjicfen, meil trüber oon uns ben um ißre leßten 
Scbcnsntöglidjfeitcn fämpfenben Hirgifen gu $ilfc ge= 
eilt/mb, 3dj ßabc ißnen geantmortet, baß bas Uitredjt 

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auf ißrer Geitc liegt, unb meinerfeits gebroßt, auf bic 
Geite ber Unterbriieften gu treten, menn bie graufamen 
Verfolgungen nießt fofort aufßören. Vis Vntmort ßat 
man geftern über gmeißunbert biefer Jreißeitsfämpfer 
an ber Grcnge bes Hulbfdjagebictes crfdjoffen. Vetter 
£>oßn gu altem £>oßn! 

Unfere Gcbutb ift erfeßöpft! 9Bir merben ntarfeßieren!" 

Unbemegt, oßite bas gcriitgfte Vlicnenfpicl ßatten bie 
Generale ben Porten bes Regenten gelaufcßt, ßatten jebe 
Vegung, jebe Vemeguttg unterbriteft. 

0ie leßten VJorte „V$ir marfeßieren" gerbradjen alle 
biefe Vanben einer gefiinftelten Vuße. 

Saute Vufe ber 3 u fUmmung fd)allteu beut Regenten 
entgegen. 3m 9hi mar er umringt. 

„0u bift logßon, ber große ©iener bes Haifers . . . 
ber Vollbringet feiner ^piäne ... mir folgen bir, moßiit 
bu uns füßrft ... mir geßen, moßin bu uns gu geßen 
befießlft . . ." 

Gin unmerflidjes Säd>eln ging über bic 3“9^ 
genten. 0er erfte Gcßritt mar gelungen. 0er Ving 
an feiner Sinfen regte fid). Gr mürbe am Sage bes 
Gieges an bie Vecßte gleiten. 

0er Vegent martete füll, bis mieber Vuße im Gaalc 
ßerrfeßte. 0ann fprad) er meiter: 

„Unfere feßmargen Vunbesgenoffcn merben Hräfte unb 
Vlittel unferer geinbe feffeln. Guropa mirb reicßlicß in 
Vfrifa gu tun bekommen. 0ic amerifanifdie 3ubuftrie 
mirb in ben näd)ften V3ocßen rußen ... bie rufftftße 
ein 3iel unferer Suftträftc fein. 0as mingige Guropa 
mirb gegen Vften allein fteßen. SBcr fann ba am Giege 
gmeifeln?" 

0ie ftegesfunfelnben Vugcn ber Generale gaben ißm 
Vntmort. 

„Vlorgen mirb Guropa eine Votfd)aft übergeben, b ; e 
alles Gebiet bis gunt Vral unb Ural für unfer Sanb 
ertlärt!" 

Ginen Vugenblicf mar es ftiU. 0ie Größe bes planes 
ließ bic §örer erftarren. 0aitn brad)cn fie los. Gie 
brängten ficß um ißn. Gie tnieten oor ißm. Gie tiißten 
fein Geroattb unb feine §änbc. 

Vlit gefd)loffenen Vugen ftanb Sogßon--Hßan, beraufeßt 
oon bent Gehanten an ben Glang her 3 u ^ un f^ ®cmn 
fd)ritt er gunt Sifcß unb griff einen Gtoß her Vapiere. 

Gs maren bie Opcrationsbefeßle. Vlit furgen, fnappen 
Sßorten gab er jebent feine Vefeßle. 3n gmei gemaltigen 
$eeresfäulen foüte bic gelbe Vlacßt bureß bas 3ütal unb 
bie bfungarifeße Pforte in bas Gieblerlaitb einbredjeit, 
mäßrenb eine brittc nad) Vorben in Gibiricn einfiel, 
unt bas rufftfeße 3^buftricgebiet ant Vltai abgufd)nüreit. 

0ann gog er fie oor bie Harten, erläuterte ißnen bic 
Gtellungen ber Vabclfäßneßen, geigte ißnen alle Gtellun= 
gen unb Gd)mäcßcit her Gegner, bis jeher feine Vufgabe 
genau ertannt. 

0er große ^lan mar in feinen Grunbgügen oott einer 
!laffifd)cn Ginfad)ßcit. 0ie tompligiertcit ©etails gu 
feiner Vusfüßrung maren bis aufs fleinfte oom General 
ftab ausgearbeitet. 

„3eßt fentten Gie 3ßrc Aufgaben unb Vefeßle. 0ic 
Gtäbe merben bas mcitere oeranlaffen. Übermorgen, am 
8. 3uli, fteßen Gie in 

♦ * * 

3n beit Vlorgenftunbeit bes fcdjftcn 3uli ßatte her 
Vktßlfampf in Souiftana begonnen. 3c meiter her Sag 
fortfeßritt, befto größer mürbe bie Grrcgung. Vod) nie* 
mals feit bem Vefteßeit ber Union ßatte eilte V3aßl bic 
Gemüter fo aufgepcitfcßt unb in Gpaitnung oerfeßt. 

Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 




Stummer 41 


© l « Qö o cb c 


Seite 915 


Smrner bießter [tauten fid) bie SOlaffen not ben ÜBaf)I= 
Totalen. Bon allen Seiten tourben bie neu Bnfommen* 
ben oon ben ^Berbern ber beiben Parteien umringt unb 
bearbeitet. 

3 n ben Sofalen felbft Rauften fid) bie 3 ro ifcßenfäflc 
unb ^rotefte. £unbertmal tarn cs oor, baß SBäßler mit 
falfcßeit Segitimationen aurüefgemiefen mürben, Bber 
©aufenbe oon Btalen mochte bie ©äufdjung gegliicft fein. 

(Protest fomifcß maren teilmeife bie Btege, auf benen 
bie Cegitimationen ifjre ©efißer gemedjfelt Ratten, ©aß 
feßr oielc längft Berftorbene perfönlicß an ber 9Baßl» 
urnc erfdienen, mar nocß bas SBenigfte. Biele anberc 
lagen ^mar nießt unter ber (Erbe, aber in irgenbmeld)en 
Rneipen bemußtlos unter ben ©ifeßen, nadjbem fie oorßer 
freimiüig ober aud) nacßßer unfrcimillig ißren Baufdj 
mit ißrer ßegitiniation be^aTjlt Ratten. 

Bucß 3 aßlreid)e ftällc, in benen bie BJäßler gemaltfant 
an ber Busübung ißres Bkißlrecßts aerßinbert maren, 
mürben betannt. SBo es nießt gelingen moüte, fid) ber 
fremben ßegitimationen für bie eigenen ß^cefe 3 U be» 
mäeßtigen, maren 
Btäßler fuqer* 
ßanb ißrer ftret» 
ßeit beraubt 
morben. 

Bllebicfe©inge 
maren in ber 
politifeßen Se* 
feßießte ber Union 
teinesmegs neu. 

Bber fie traten 
biesmai mit einer 
©reiftigfeit unb 
in foldjer 3 a ßl 
in bie CErfd)ei=* 
nung, baß bas 
Btaßlcrgebnis 
oon oornßerein 
bic Bnfedjtung 
ber unterliegen» 
ben Partei ßer» 

ausforbern 
mußte. Stur eine 
ungeheure Stimmenmeßrßeit für eine ber beiben Parteien 
I)ätte biefer mirflid) einen einmanbfreien Sieg bofumen* 
tieren tonnen. 

Bis bie feeßfte Bbenbftunbe bie ®aßl abfeßloß, mar 
gan$ Bem=0rleans auf ben deinen, um fo halb mtc 
möglid) etmas oon ben (Ergebniffen bes Btaßlfampfes 3 U 
erfahren. 3n bem 3eitungsoiertel ftauten ftd) bie Blaffen. 
Söie bic Befultate aus ben einzelnen ©eilen bes Staates 
cinliefen, mürben fie in leucßtcnbcn ©arfteüungen fo* 
fort 3 ur allgemeinen Kenntnis gebracht. 

Bis bie elfte Stunbc ßcrannaßte, unterfeßieben fid) bie 
Stimmen^aßlen für ben feßroarjen unb ben meißen Ran* 
bibaten nur um menige £>unbertc, bie mecßfelnb halb 
auf ber einen, halb auf ber anberen Seite meßr maren. 
©er „ßoulfiana Bbocrtifer" ßatte für feine ©arfteüung 
bie Bilber fltoeier "Barometer gemäßlt, in benen je eine 
meißc be^ießungsmeife feßroar^e Säule ben jcmciligen 
Stanb ber Stimmen^aßlen an^eigte. ©er „Bltffiffippt 
£eralb" geigte ^mci galoppiercnbe Bennreiter, bic auf 
einem Scßimmel be^ießungsmeife Bappen faßen, ©iefc 
©arftellung ber mit ooller Rraftentfaltung rennenben 
©iere roirfte nod) aufregenber als bic erftgenannte. 

Balb lagen bie ^ferbe §als an §als, halb blieb bas 

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eine, halb bas anberc etmas 3 uriicf. 3eber Borfprung 
mürbe oon ben Bnßängent mit taufcnbftimmigen Bei» 
fallsrufcn quittiert, jebes 3 ur ^^^^ cu niit mütenbem 
©efeßrei begleitet. 

fyinbige Untcrncßmer ßatten fid) fofort als Bucßmadjer 
aufgetan unb tonnten riefige (Einnaßmen oer 3 ei(ßnen. 
3e näßer bie Stunbe ber (Ent[d)eibung tarn, befto größer 
mürben bie (Einfäße, befto größer bie (Erregung über bic 
Ungemißßeit bes Busganges. 

Bon 11 Ußr 30 Blinuten an ßatte es ben Bnfcßein, 
als mürberes ein totes Bennen, fo bießt ftanben bie 
beiben Beiter im Bilbe nebeneinanber. ©a, 11 Ußr 
45 Blinuten, fiel gan^ unermartet bic (Entfdjeibung. Blit 
einem gemaltigen Bucf fd)ob ficß ber Bappe oor bem 
Scßimmel bureßs 3iel. Stos 3icl n>ar burd) bie Hälfte 
ber gefamten SBaßler^aßl bes Staates gegeben unb in 
biefer bilblkßen ©arftellung burd) einen leueßtenben 
Bfoftcn marfiert. 9Ber es überfeßritt, mußte bie abfolutc 
Blajorität ßaben. 

©ie Spannung ber oieltaufenbföpfigen 3 u fä)ciuer» 

menge entlub fid) 
3 uerft in einem 
orfanartigen (E>e* 
brüll, ©as leb* 
ßaftere Blut ber 
Scßmar 3 enmad)tc 
fid) in afrifa* 
nifeßer Urmalb* 
meife ßuft. Sic 
tankten, fangen 
unb ocrßößnten 
bie Segner. ©a* 
3 toifcßen mifd)tcn 
fid) (Eßorälc unb 
laute ©anfgcbetc 
oon gläubigen 
fdjmaraenSeelen, 
©ie Meißen 
blieben bic Bnt* 
mort auf bie §er* 
ausforberung 
nießt fcßulbig.Buj 
BJorte folgten 
6 cßlägc. £>ier im 3 eitungsoiertcl blieb es bei cinfacßen 
öanbgemcngen. 3 m £>afcnoicrtel tarn es 3 U rießtigen 
Straßenfcßlacßten mit Bermunbeten unb ©oten. 

©ie menigen, bie nod) meiter auf bas £id)tfpiel aeßt» 
gaben, faßen, mie ber Bappe gleiri) nadj ber (Erreidjung 
bes fteßcngeblieben mar, mäßrenb ber Sd)inimel 

noeß meiter bis unmittelbar an bas 3 iel ßeran aufrücftc. 
Bis in bie fpäte Bacßt ßinein bauerten bie Siegesorgien . 
in ber aufgeregten Stabt. 

©er Btorgen bes näcßften £ages braeßte bie (Erniicß* 
terung. 3 eßt lagen bie genauen offiziellen 3 Qßlenergeb= 
niffe oor. ©er Sieg 3ofua Borbens grünbete fid) nur 
auf eine äußerft geringe Bteßrßeit. Baßm man bie offen* 
funbigen Unregelmäßigfeiten bes Blaßlaftes ba^it, fo 
blieb fein 3®eifel, baß ber nod) in ber Bacßt abgegan* 
genc "^roteft ber Unterlegenen große Busficßt auf (Erfolg 
ßatte. Bei ber aufs äußerfte gereiften Stimmung bes 
ganzen ßanbes fonnte bie Begierung, felbft menn fie ge* 
mollt ßätte, nid)t baran benfen, biefe Blaßl 311 beftätigen. 

BJenn fie troßbem bie B>aßl nid)t fofort faffierte, fo 
lag es baran, baß bic Bertrcter ber fcßmaqen Beoül* 
ferung in einbringlicßfter, ja broßenber 3Beife auf bie 
ernften folgen einer Bicßtbeftätigung ßinmiefen. 

Original from 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



Honore Daumier: „Die Satire züchtigt die Börsianer“, 1838 

Aus td. Fuchs: Honore Daumier. Holzschoitte 1833—1870. Albert Langen Verlag, München 






«eite 916 


0 i e o d) e 


Kummer 41 


0ic (Erregung hielt btc Ntaffen auf ben Straßen. 2Bo 
immer 3£ttungstclcgramnte zu lefen maren, mürben fie 
oon Scharen Neugieriger umlagert. 3n ben Nußen» 
nierteln erneuten fteß bie Schlägereien bes oergangenen 
Tages. Nber maren fie geftern fpontan entftanben, fo 
geigte fteß jeßt ganz unoerfennbar eine auf beiben Sei* 
ten oorßanbene Organifation. 

Nocß milber mürben bie Svenen, als in ber 6tunbe 
bes (Gefcßäftsfcßluffes Scßrecfensnacßricßten aus Nfrifa 
in bie Ntenge planten. 3ßre NMrfung mar am größten 
auf bie Scßroarzen. 

Nufftanb ber feßroarzen NUnenarbeiter im Naab* 
gebiet! .... Nufftanb ber Scßroarzen im Snbuftrie» 
gebiet bes 3 am bcjt! .... Neue Nufftänbe im norb* 
afrifanifeßen Ntinengebiet!. 

0iefe erften lafonifcßen NIarntnad)ricßten mürben 
feßned burd) ausführliche Ntelbungcn oeroodftänbigt. 

3m fübafrifanifeßen Nanbgebiet mar es guerft los» 
gegangen. 0ie feßroarzen (Grubenarbeiter Ratten ftd) um 
einer geringfügigen Urfacße miüen zufammengerottet 
unb bie an 3ußl icßroäcßeren Nkißett oertrieben ober er» 
fdjlagen. 0ie aufftänbifeßen Raufen hatten erft einmal 
bie (Grubenanlagen bemoliert. 0ann maren fie in bie 
näcßften fleineren 6täbte gezogen. £>icr mar es ißnen 
gelungen, bie oerßältnismäßig fd)road>en iPoli^citruppen 
ZU oerjagen. 0anacß Ratten fie bort eine roaßre 
Schrccfensßerrfcßaft etabliert. Nur bie (Großftäbte maren 
bisher oon ißnen oerfeßont geblieben, aber aueß fte 
feßtenen bebroßt. 

3n Nlaroffo hatte ftd) ber oor furzent ausgetretene 
Nranb plößließ mieber entfalt. < 2Bic im Nu hatte bas 
Jeuer fleh oon jenen alten fünften aus über bas ganze 
norbafrifanifeße NUnengebiet oerbreitet. 3n Niaroffo, 
in Tunis, in Nlgier, überall roo bie eutopäifeße 3n= 
buftrie mit feßroarzen Arbeitern bie Nobcnfd)äßc för= 
berte, Ioberte ber Nufftarub. 

3ebe Stunbe brachte neue §iob$poften. Nernid)tung 
oon (Gruben, oon Jabrifen .... oon gcmaltigen bort 
aufgeftapclten Noßftoffwicngen. Ntaffenbefertionen 

feßroarzer Truppen .... Übergang ganzer Negimenter 
ZU ben Nufftänbifcßen .... Sd)mere Kämpfe mit ben 
meißen Gruppen, bei benen biefe faft aufgericben 
mürben. 

0ie Jeucr, öie im Norbcn unb 6üben Nfrifas auf» 
loberten, feß lugen im 3 am Mi9 c &t c * jufammen. 0ic 

großen ftraftroerfe gefprengt!.0ie (Energiequcde 

für bas ganze Snbuftricgebiet oerfdjüttet. 0ie rieftgen 
Turbinen zerftört, in betten bie flcljn Nftdionen ^ferbe» 
ftärfen ber 3 am befifäUe zur Nußarbeit ge^roungen tour* 
ben. (Eine gemaltige, ben (Europäern bienftbare Subuftrie 
auf unabfeßbare 3^it lahmgelegt. 0ie geringe meißc 
Neoölfcrung burd) SNaffacres reftlos aufgerieben. 

0em Telegramm folgten ausführlichere Nerid)te. Sie 
ließen bie (Größe ber (Gefaßr erft im oollen Umfange er= 
fennen. 

0er Nericßt über ben Untergang ber großen 3ambcft= 
zentrale brachte grauenooüe (Einzelheiten. 0ie Nuf= 
rüßrer maren nicht ohne 6ad)funbe oorgegangen. 3u 
fehr maren fte in bie Tecßnif ber Meißen eingcroeißt. 
Sie hatten bas alte Nttttcl bes 0t)namits gegenüber 
Ntofcßincn oerfd)mäßt, biefe Sprengftoffe für bie roeißen 
(Gegner referoiert. 

0urd) bie eigene (Energie maren bie Nktfd)inen ocr» 
nießtet morben. 0ie Nufrüßrcr hatten einfad) bie Ne= 
gulatoren feftgebunben unb bie großen mit ben Tur¬ 
binen geluppelten Stromerzeuger oont Neß abgefd)altet. 


Sßrer Saft beraubt, infolge bes Nicßtarbcitens ber Ne» 
gulatoren ber ooüen Nktfferzufußr ausgefeßt, maren bie 
fünfßunberttaufenbpfcrbigcn Niafcßinenaggregate auf 
eine pßantaftifeße Tourenzaßl gefommen unb bann bureß 
bie 3entrifugalfraft in taufenb Jeßen gerriffen morben. 

(Erft banaeß hatten bie Nufftänbifcßen zum 0i)nam:t 
gegriffen. *200 bort oben an ben Jaden bie Nktffer» 
ntaffen in Jclsfanälen gefaßt unb abgeleitet mürben, 
hatten fte enorme 0t)namitiabungen mit Nufftoßzünbern 
ßineingeroorfen. 2Bo immer eines biefer unßeilfeßroan« 
geren Nafetc irgcnbmo anftieß, gingen (Ejploftonen oon 
zerftörenber (Gemalt los. So mürben bie großen SOta« 
feßinenßaden zu Trümmerhaufen, bie in ben Urfels ge* 
fprengten 0rucfroafferfanäle burd) unenblicßc (Geröd* 
maffen ocrfdjloffen. 0ie Nrbeit oicler Saßre mar ßter m 
einer Stunbe ^^rftört. 

Nuf bie Straftqueden folgten bie Snbuftriezentren. 3it 
fmnlofefter 2Beife mürben hier bie Nrbeitsmöglicßfeiten 
unb (Ermerbsqueden für NHdionen auf 3aßrc hinaus 
.für immer.für (Europa zerftört. 

(Europa ftanb über Nad)t ba roie ein Jabrifbeftßcr, 
bem eine mießtige Einlage unoerfteßert bis auf bie Jun- 
bantente nicbcrbrennt. 

2üo bie Nkißen in fliegenber haft in Siibafrifa einen 
bemaffneten ©iberftanb organifterten, mürben fte oon 
ben übcrmäd)tigcit moßlausgerüftcten fd)marzen Ntaffen 
übermältigt unb niebergemaeßt. (Einzelheiten oon 
beftialifcher Sd)eußlid)teit feßlten aueß I)ier nid)k 

0ic Nad)rid)tcn aus (Europa gaben menig Troft. Nn^* 
feßeinenb ftanb man bort ben (Ercigniffen ratlos gegen¬ 
über. 

2Bo immer auf ber 28elt ber 2Beiße feine iperrfeßaft 
aufgerießtet, feßien fte zu manfen. Jür bas in biefer 
Jrage befonbers intereffierte Nmerüa mären biefe Nacß* 
rießten meßr als ßinreicßenb übel gemefen. 0er Nbenb 
bes gleicßen Tages braeßte eine .^unbe, beren Nus* 
mitfungen ßier in ben Staaten noeß fcßlimntcr merben 
fodten. 

0ie Negierung in Nktfßingtoit oerfagte ber 2öaßl oon 
3ofua Norben zunt (Gouoerneur bes Staates Souiftana 
bie Ncftätigung. Nls (Grunb gab fie an, baß bie ftdjer 
naeßgeroiefenen Ungcfeßlüßfciten beim 2öaßloorgangc 
fein flares 23ilb über bie mirflicße Nolfsmeinung 
ergäben. 

2öenn aud) bie Negierung es flugermeife oerntieben 
hatte, fteß auf jene fo oiel angefeinbete Nid zu ftüßen, 
fo mar es bod) ber meißen Neoölferung fofort flar, baß 
bie (Gegenpartei ben Negierungsbefd)eib troßbem auf bie 
Nid hinbreßen mürbe. 2Bic befiird)tet, gefeßaß cs. Äaum 
mar ber Nefdjcib befannt, als im ganzen (Gebiete ber 
Union eine maßlofe Ngitation gegen bie Negierung unb 
gegen bie 2Beißett ausbraeß. 3n ben Teilen ber Union, 
in betten bie farbige Ncoölterung feßr ftarf mar, fam es 
fcßncll zu (Geroalttätigfeiten. 

Nod) in ber Nad)t oom fiebenten auf ben adjten 3uli 
mürben in 9tem Orleans ade Negierungsgebäube oon 
farbigen Kräften befeßt. 3m Ntorgengrauen befanb fteß 
bie Stabt in ben Jpänben einer feßned erridjtctcn pro« 
oiforifeßen Negierung. 0ie Ießten Jlugfcßiffe, bie Nero 
Orleans mit meißen Jliidjtlingcn in ber Nicßtung nad> 
Norben ober Norbofteit oerließen, überflogen bie 3onen 
fd)merer Kämpfe zmifeßen Meißen unb Jarbigen. — 

2lus Nften ßer brang am Ntorgcn bes ad)ten 3uli 
eine neue Sd)recfcnsfunbe burd) bie meiße Nklt. (Eßine- 
fifcße Truppen hatten an oerfd)iebenen Steden bie 
(Grenze überfeßritten. 0as (Enbe (Europas feßien gs- 


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Gougle 


Original from 

PRINCETON UNtVERSITY 









Shtmmer 41 


S i e o d> « 


Seite 017 


DEUTSCHE ROMANTIK: WALD, MUSIK, MONDSCHEIN 



„Begegnung im Mondschein", Radierung von Ferdinand Staeger 

August Scherl ü. m. b. H., Kunstverlag, Berlin 


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Goi igle 


Original fram 

PRfNCETON UNIVERSITY 




Seite 918 


© i e OB o cß e 


Kammer 41 


fornmen. ©urd) bic fcßmargen Bufftänbe in ber ganzen 
Btelt jeher anberen $ilfe beraubt, ftaub es allein beut 
gelben Biefenreicße gegenüber unb mußte unterliegen. 

Scßon in ber Bad)t gum ad)ten maren gelbe £uft= 
gefeßmaber meit oorgeftoßen. 3ßre bomben Tratten midj* 
tige Einlagen bes 6ieblergebietes bis gum Ural l)in ger= 
ftört. SBis in bie 3nbuftrieanlagen bes Ural maren fie 
oorgebroeßen unb ßatten fcßrocre Bernid)tungen ßinter 
|icß guriidgelaffen. 

©ie ßuftftreittriifte ber Meißen feßienen gu fdjmacß 
unb gu madjtlos gu fein, benn man ßörte menig ober 
gar nießts oon fiuftfämpfcn. 93tan mußte rnoßl, baß 
bas große rufftfeße £uftgefd)maber bie fübfibirifcße 
Srenge oerteibigte. Bber man ßörte fein B3ort oon Bn» 
griffen nad) jenem 3^Ie. ©er gelbe Stoß ging glatt nad) 
SBeften. 3n ber fiuft feßienen bic (Selben in biefem 
Kampfe unmiberfproeßen bic Obcrßanb gu ßaben. 93tit 
3agen ermartetc man bie erften Badjridjten oom 3 U= 
fammentreffen ber Sanbftreitfräfte. 

Bm Bbenö bes ficbcnten 3uli faßen ber (General 
Bülom unb Seorg Sfenbranbt in beffen Quartier in 
Söiernt). 

©er (General gab Berid)t. 

„©er Übergang oon Äafcßgar ift für große ©ruppen» 
maffen unpafperbar. ©ie Befte bes ©eletbammes fmb 
gur Berteibigung ausgebaut, fo gut es in ber furgen 
3eit möglicß mar. ©ie 'Berge gu beiben Seiten fmb oon 
unferer Artillerie befeßt. (Ein ©urd)brucß burd) bas 3li* 
tal ift unmöglicß. 9Benn leine Umgeßung gelingt, ßält 
biefc Stellung, bis bie Berftärfungen ßeran finb. 

©ie ©fungarifd)e Pforte . . .", ber Seneral maeßte 
eine gmeifelnbe Bemegung . ,, „fie fteßt offen! B3as 

auf unferer Seite baßinter liegt, ift auf breißunbert 
Kilometer geräumt, ©ie Muffen ßaben meber 93lann nod) 
Sd)iff abgegeben. 

©ie STompagnie-ßuftträfte finb, mie Sie anorbneten, 
in Söierni) longentriert. Bbmeßrmaßnaßmen finb an 
ben teeßnifeß mistigen Stellen fcßnell organifiert morben, 
aber id) überfeßäße ißre Bebcutung nid)t. ©as 2anb ift 
gegen ßuftangriffe fo gut mie meßrlos. ©ie ©fungarifdje 
Pforte fteßt offen, ©ort ift ber B3eg auf breißunbert 
Kilometer frei." 

Seorg Sfenbrartbt nidte. 

„Sut.. . feßr gut. . . Herr Seneral. Sie fagten brei» 
ßunbert Kilometer . . . marum nid)t noeß etmas meiter?" 

„Bkil bort bie beften Bufnaßmeftellungen maren!" 

. Seorg Sfenbraubt fann einen Bugenblid. 

„Sut! (Es mirb aueß fo geßen. ©as Orenburger Scßiff 
ift gefommen?" 

©er Seneral nidte. 

,,©ic Übernaßme feiner fiabung mirb in einer Stunöe 
bcenbet fein . . . >perr Seneral! ©iefe Suftflotte ßält fieß 
alarmbereit. 3cß oermute, baß in brei Stunben bie 3cit, 
ißren Auftrag ausgufüßren, für fie gefommen fein 
mirb." 

„3cß ftaune über bie Senauigleit Sßrer 9iad)ricßten, 
Herr 3fenbranbt!" 

Um 3fenbranbts ßippen fpielte ein Sunnes fiäcßeln. 

„Solb mirft auf beiben Seiten gut. Segen Sift ßilft 
nur Segengift, ©as ift eine alte Siegel." 

(Er braeß feine Acbc jäß ab unb manbte ficß ber Bkmb 
gu, mo plößlitß ber automatifdje JJunfenfdjrcibcr gu 
arbeiten begann. Seine klugen überflogen bie 3 c id)cn 
auf bem ßerausquellenben ^apierftreifen. 

„HuHoß! ©ie Selben fliegen ab .. . feßon? .. . Unfere 

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©ispofitionen änlbern ficß. ©ie Sefcßmaber, bie ißre 
Saöung genommen, fliegen fofort naeß ißren 3ielen!" 

©er Seneral eilte in bas 9tebengimmer. ©ureß feine 
Bbjutanten ließ er bie telcpßonifcßen Befeßle ßinaus» 
geben, ©ann fam er gurücf. 

Seorg 3fenbranbt ßatte ingmifeßen bie ©epefeße gu 
(Enbe entgiffert. 

„3n ber 93torgenbämmerung merben bie eßinefifeßen 
fianbftreitfräfte bie Srenge iiberfeßreiten. Bn ber fibiri* 
fdjen Srenge nur mit fcßmad)en Kräften, ©er öaupt* 
ftoß bort erfolgt fpäter." 

Seneral Bülom marf einen Blicf auf bie Sparte. 

„Blau möd)te oergmeifeln, menn man baran benft, 
baß bie rufftfeßen Suftftreitfräfte bort im 9torben un» 
befcßäftigt fteßen unb ßier bitter feßlen. B3ie oiel 
Sieblerblut unb Sut mirb uns biefe ruffifcße öart» 
nädigfeit foften? 3cß mill nod) einen allerleßtcn Ber» 
fueß maeßen, auf Srunb biefer leßten Bacßricßten bie 
Buffen oon ißrem ^lane abgubringen, obmoßl icß es für 
ausftrßtslos ßalte." 

Seorg Sfenbranbt ßatte fuß erßoben. 

„$err Seneral, icß geße jeßt gu ben Stanbpläßen 
unferer ^Jlugfdßiffe. Sobalb bas leßte Sefcßmaber oon 
ßier fort ift, fliege icß naeß Borben gum Saifan=Bor. 
W\x treffen uns fpäter in Semipalatins! in 3ßrem 
Hauptquartier."- 

9lm Bbenb bes fiebenten 3uli mar ^ogßon=Aßan in 
Äßami angefommen. $r>kx liefen bie Bad)rid)ten oon 
allen SteUen feiner ein. 

Seorg 3icnbranbt ßatte feinen Binnen bureß bie <Er» 
rießtung bes ©ammes oon 2ele! ein feßmeres Hinbernis 
entgegengefeßt. B3oßl mar es feinergeit gelungen, ben 
©amm burd) bie Hocßmafferfataftropße unb bie oer= 
räterifeße Sprengung gum größeren $eil gu gerftören. 
Bber aud) bie gemaltigen Befte bes Biefenbaumerfcs 
boten ben oorftoßenben cßineftfißen Streitfräften nod) 
ein feßmer übcrminblidjes Hmbernis. ®enn bie ^om» 
pagniefräfte ißrerfeits eine plößlid)e Sdjmelge in ben 
3libergen oerurfad)ten, menn bie plößließ gu 5;ale geßen» 
ben Btoffcrmaffen fi^ aud) nur oor ben ©ammruinen 
ftauten, mar bas $al für jebe größere ^ruppenmenge 
taum paffierbar. ©ie Sebirge bes oberen 3litales maren 
baßer fd)on feitBtocßen unter einer berartigen Bemacßung 
bureß gelbe ßuftftreitlräfte, baß an ein Sdjmelgen in 
größerem Stile nidjt gebaeßt merben fonnte. 

©roßbern mar ber s Beg bureß bas untere 3lital außer» 
orbentlicß erfdjmert. Bur menn es gelang, bie £om» 
pagniefteüungen an ben Bergleßnen gu umgeßen, ben 
©amm felbft gu neßmen unb in feine ©rümmer breite 
©urd)faßrten eingufprengen, mar bie ^vaffagc für grö= 
ßere Hec^csmaffen möglid). Bn biefe Bufgabe ßatte ber 
Begent feine beften ©ruppen aus ben mongolifeßen 
Banbgebirgen gefeßt. Bon ber Sdjnelligleit, mit ber 
ßier ber Borftoß gelang, ßing oiel oom (Erfolg bes 
gangen Krieges ab. 

Bnfcßeinenb oiel einfad)er geftaltete ficß ber ©urd)» 
brueß im 3rtpfd)tal. ©urd) feinen Ba^ricßtenbienft 
ßatte ber Begent erfaßren, baß bie roeißen ©ruppen 
jenes ©al beinaße bis Semipalatinsf ßin geräumt 
ßatten. Bergeblid) ßatte er mit feinem Stabe bie 
Sriinbe für biefe Bemegung gu erforfd)en gefud)t. (Er 
mußte gur Scnüge, baß er an bem Seneral oon Bülom 
einen erfaßrenen, oerfcßlagenen Segner ßatte. ©aß 
ßinter biefer unerflärlid)en Btaßnaßme eine £yi n * e 
fteden müffe, faß er ein. Bber melcße mar bas —? 

Fortsetzung folgt. 

Original frorn 

PRIiNCETON UNIVERSITY 



Stummer 41 


0 i e Qö o d> c 


Seite 919 



ip e t m f e b r 
au3 

Oftpreußen 

Mit 3 Aufnahmen 
der „Woche* 1 

^\ie meifteit Ber* 
^ liitcr Sdnil- 
tinber, bic ^ur l£v= 
^olung imb 6tär= 
futtg aufs L'anb ge-- 
fd)itft umreit, fiitb 
mit bem Beginn 
bes öerbftcs l)cint= 
gcfetjrt. Aus beit 
oftprcufnfdjcn Grei¬ 
fen Settsburg ltnb 
Orteisburg trafen 
nor turpem bic 
elften, ctum tau« 
fenb äinber, ein, 
bie oon il)ren (£1-- 


tern mtb Angehörigen auf beit Bai)itt)öfcn in (£ntpfatig 
genommen untrben. Uttb bie kleinen fat)cit itid)t nur 
ioot)l uttb munter aus, batten rote Baden uttb umreit 
[onnengebrciuitt — fte tauten auch nid)t mit teeren 
tpcinbeti: bie ijanbleute bitten ihren jugeitblid)cit 
(öäften allerbanb ßebcnsmittel gefpenbet, bic in ber 
(örofcftabt hoppelt miUfotnmen umreit, befoitbcrs Rar= 
toffelit, aber aud) Sädc ooll iDiebl uttb Obft, Cfier 
unb Butter, fogar Icbcitbc (öättfe uttb ipübncr. (£o 
tuar bes Qniten fo oict, bah bie Eltern uttb ©c* 
fd)toifter oft SCRiil)e batten, all bas „Blttbriitgfel" ju 
bergen unb gliidlid) ttad) §aufe jtt fdjaffeiu 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 










©eite 920 


© i e ® o6e 


Stummer 41 


5)er Äarnpf gegen eine ©et§el ber < 2Henfcl)f)ett 

3um heutigen @tanb Der ®rforfcf)ung unb 33efämpfung be£ Ärebfetf. — S3on Profeffor ©r. 25) e r n e r, ipeftelberg 




ie in ben lefeten 3Ronaten immer 
wieber auftauchenben9tachrid). 
ten über eine Häufung ber tfrebs» 
erfranfung in gewiffen Seilen (Eng- 
lanbs, Slmerifas unb Jranfreichs 
haben bas3ntereffe weiter Streife für 
bie (Erforfcfjung unb Sefämpfung 
biefer furchtbaren Strantljeit oon 
neuem belebt Sie lebten beiben 
Segennien haben bezüglich unferer 
Borfteüung oon ben Urfachen bes 
Strebfes erhebliche ^ortfehritte ge- 
bracht. (Einerfeits liefe pd) feftfteOen, 
bafe bie (Entftehung oon Strebs bei 
kleinen Säugetieren, g. B. Sftüufen, 
mit benen 9ftaffenoerfud)e möglich 
pnb, in fefer beträchtlichem SÖtafee 
burch 3ngud)t geförbert werben 
lann, mit anberen ©orten: es gibt 
eine erhebliche Sispoption gur Strebs» 
ertranfung, bie ftrf) nach ähnlichen 
©efefeen oererbt roie anbere SJterl» 
male bes Körpers. Slnberfeits liefe 
fleh geigen, bafe ber unmittelbare 
Slusbruch ber Strebserfranfung burch 
oerfchiebene äufeerc SRei^e, g. B. lang 
bauernbe fd)wad)e Bezahlungen mit 
9töntgen= ober Babiumftrahlen, roieberholte Steigung mit be* 
ftimmten chemifdjen Subftangen (Seer, ©ailinprobulte u. bergt) 
fowie enblich burd) (Einimpfung oon Iofal irritierenben Sßarapten 
oeranlafet roerben 'tarnt, 
ütenn aud) ber feinere 
SJtechanismus aller biefer 
Vorgänge noch feines» 
toegs geniigenb getlärt 
ift, fo erfdjeint hoch bie 
(Erfenntnis oon Bebeu« 
tung, bafe bie(Ertrantung 
gewiffermafeen gtoei ©itr- 
Sein hat, bereit eine auf 
ber (Eigenart ber Steint» 
mifchung beruht, wäh» 
rettb bie anbere auf 
fd)äblid)en (Einpüffen ber 
Umgebung bafiert. 

Sei ber menfehlichen 
ftrebserfranfung fenttt 
man eine gange 2lngahl 
oott "Beobachtungen, nach 
benen bie beim Sier 
erforfefeten urfächlichen 
Serhältniffe aud) für ben 
SJtenfchen in ähnlicher 
S3eife ©eltung bepfeen. 

Saburd) ift für bie Ser» 
hütuitg ber (Ertranfung 
manches getoontten. (Es 
ift fel)r roahrfcheinlich, 
bafe bie Sbtöntntlinge 
trebsreicher Jamtlien 
burd) eine <peirat mit 
folchett aus frebsarmeit 
imftanbe pttb, bie ©efafer 
ber erblichen Belaftung 
erheblich gu oerminbent 
ober gang aufguheben. 

Sitberfeits aber hat eine 


längere (Einroirfung oon fdjäblichen 
Zeigen, bie imftanbe pnb, Strebs gu 
ergeugen, mitunter auch nach bem 
Sufhören ber Seeinffuffung noch 
Spätfolgen, b. h- her ftrebs fann 
pd) noch entroideln, toenn bieSRetgung 
bereits jahrelang aufgehört hat, mo» 
fern pe nur feinergeit genügenb lang 
eiuroirfte. Sie hPÖ^nifchen 9Rafe« 
nahmen müffen alfo fef)r frühgeitig 
beghtnen. 

©as bie Sehanblung anbelangt, 
fo tonturrieren gegenroärtig in erfter 
£inie groei SÜtetljoben: bie operatioe 
(Entfernung ber Strebsgefchwülfte unb 
bie Strahlettbehanblung. (Erftere ift 
natürlich nur fo lange möglich, als 
bas ßeibeit nicht gu ausgebehnt ift 
ober lebettsroichtige Organe ergriffen 
hat, bie bei ber Operation gefront 
toerbett müffen. Sie Beftrafjlung hat 
in mancher §inpd)t weniger enge 
©rengen, weil bei ihr bie Organe 
nicht gerftört werben, fonbern erhalten 
bleiben; bafilr aber ift bie Strahlen« 
behanblung hinpd)tlid) ihres (Erfolges 
in hohem SÖtafee abhängig oon ber 
Seattionsfähigfeit bes erlrantten ©ewebes, bie Ieiber häupg 
nicht günftig ift. Seibe Verfahren oerfagen, wenn ber Strebs 
über größere Seile bes Störpers pd) ausgebreitet hat. SieBeftraf)* 

lung oor allem mufe auch 
auf bie (Emppnblichfeit 
ber blutbilbenbenOrgane 
9tüdpcht nehmen. Saher 
tann bie Strebsforfchung 
pd) nicht mit biefen Be» 
hanblungsmethoben be¬ 
gnügen, fonbern mufe 
neue Stege fuchen, um 
ben Strebs nicht nur 
Iofal, fonbern überall im 
Störper, wo er pch im ge¬ 
heimen eingeniftet haben 
lönnte, gu oernichten. 
Sie gorfdjungen werben 
mit fehr grofeerSutenptät 
an oielen Stellen burd)= 
geführt. 33tan fucht nad) 
Verfahren, bie Stampf, 
fähigleit bes erfranlten 
Organismus gu ftärfen 
ober ihm Sbwehrftoffe 
aus gefunben Störpcrn, 
in benen Seile oon Strebs» 
gefchwiilften aufgelöft 
würben, guguftthren 
(attioe unb pafpoe 3nt- 
muniperung). ferner 
ftrebt man banach, 
d)emifchc Subftangen gu 
pnben, bie entweber im 
Strebsgewebe befonbers 
feft oeranfert werben 
ober infolge einer Srt 
oon ftMmmrhmQ bes 
Strebsgewebes bort 
hängen bleiben, für alle 


Abb. 1. Radiumbestrahlung bei einem Gesichtskrebs 


Abb. 2. Anwendung der Röntgenröhre bei der Bestrahlung eines 
Krebses der Magengegend 


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i 




Kummer 41 


3) t e ® oc 6 c 


Seite 921 


gälle aber für bie Ärebsjcllen giftiger Tmb als für bie normalen 
Störper 3 ellen. ©a jcbocf) bie trebsartige ©ucßerung nichts an- 
beres ift als eine ©adjstumsentgleifung bes normalen ©ewebes, 
fo ift ber Unterfcßieb 3 wifcßen einer frebstrantcn unb einer 
gefunben ßörperaeüe oerßältnis» 
mäßig gering. 9lus biefetn 
©runbc ift bie erwähnte Jor* 
fcßung außerorbentlicßfchwierig. 

©a überbies bei bem cßronifchen 
Verlauf ber (Ertrantung jeber 
einzelne 93erfucß amtier wocßen* 
ober monatelang bauert unb bie 
9tefultate bei ber 93eßanblung 
bes SJienfcßen erft nad) 3 aß*en 
richtig beroertet roerben tonnen, 
muß jeber, ber fid) mit ber *© 0 * 
tämpfung bes ftrebfes befchäf* 
tigt, mehrere 3aßre feines Cebens 
biefer Arbeit wibmen, ehe er 
imftanbe ift, 3 U entfcßeiben, ob 
er fid) auf bem richtigen ©ege 
befinbet. 

©ie in ber öffentlicßteit immer 
wieber auftaucßenben retlame« 
mäßigen 'SHnpreifungen angeb¬ 
licher Ärebsßeilmittel haben mit 
ber ernften 5 orfd)ung nichts ju 
tun. (Es gibt eine ganje SReißc 
oon Seßanblungsmethoben, bie 
ooriibergeßenb einen günftigen 
(Einfluß auf bie^rebsertrantung 
ausüben, oßne [u feilen 31 t 
tonnen. Slnbere 55eßanblungs» 
arten haben roieber bei ein 3 eluen Strebstranten glänsenben 
(Erfolg, oerfagen aber bei ber weitaus größten SÖteß^aßl ber 
übrigen gäüc. ©er gehler befteßt nur barin, baß entweber 
ein 3 elne (Erfolge generaliftert ober oorübergeßenbe 93efferungen 
mit ©auerßeilungen oerwecßfelt werben. Selbftoerftänblicß tann 
ber in allen biefen ©ingen (Erfahrene manchmal noch helfen, 


wenn nach ber burcßfcßnittlicßen Slnfcßauung teine Söefferung 
ober teine Rettung meßr möglich erfeßeint. 

©ie hier oeröffentlichten Aufnahmen mögen einige ber wichtig* 
ften teeßnifeßen SÖeßelfe bei ber (Erforfcßung unb Setämpfung bes 

Strebfes oeranfehau liehen. *2lbb.4 
3 eigt bie 3 nxpfung einer Sftaus 
3 ur (Erseugung ber fünftlicßen 
Ärebsgefcßwulft. ©as fein 3 er* 
riebene unb aufgefeßwemmte 
SDtaterial wirb einer ©lasfcßale 
entnommen unb mit $ilfe einer 
Spriße bem ©ier unter bie §aut 
einoerleibt. ©ie anberen Silber 
leßren ben Unterfcßieß in ber 
'öeßanblungsweife mit Röntgen* 
unb Sftabiumftraßlen. 9lus 
9lbb. 2 ift bie SInwenbung ber 
Röntgenröhre bei ber 33eftraß* 
lung eines Ärebfes ber Rtagen« 
gegenb erfid)tlid), aus 9lbb. 1 bie 
Rabiumbeftraßlung bei einem 
©efteßtsfrebs. ©er93eftraßlungs- 
apparat für bieRnwenbung bes 
Rabiums ift tompli 3 iert 3 U» 
fammengefeßt, bas geßt aus ber 
Rbb. 3 ßeroor. ©iefe 3 eigt eine 
iReiße oon rößreßen» unb platten« 
förmigen 93eftraßlungstörpern, 
bie mit Rabium gelaben ftnb; 
fte werben bureß einen Sßreß« 
fortblocf oon ber §aut entfernt 
gehalten unb bureß eine SDletaU- 
tuppe naeß außen ßin abge- 
blenbet, fo baß ißre Strahlen nur in ber gewünfeßten Richtung 
frei wirten tönnen. ©er gan 3 e Apparat wirb bureß Jpeftpflafter 
an ber 3 U beftraßlenben Stelle fixiert. 

©ie Röntgenbeftraßlung ßat ein weiteres SInwenbungsgebiet 
als bie Rabiümbeßanblung, leßtere aber ift bort, wo fte über¬ 
haupt in Setrad)t tommt, ber erfteren überlegen. 



Eine Reihe von röhrchen- und plattenförmigen 
Bestrahlungskörpern, die mit Radium geladen sind 

Abb. 3. Bestrahlungsapparat für die Anwendung des Radiums 



Abb. 4. Impfung einer Maus zur Erzeugung der künstlichen Krebsgeschwulst 


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© i e ® o$e 


9h:mmei 41 


6eite 922 



Der Palast des Dalai Lama in Lhasa 


Saufenb 3a|rc hinter ber Äultur 

<£fne $orf<f>ung$reif e burcf) Sfbet. - ^tt fcd)3 Qlufnat>men 


er junge englifdje Sorfdjer ©r. VMlIiam 931c ©ooern, her 
feeben oon einer erfolgreichen SReife quer burch ©ibet gu= 
rltdgetehrt ift (über feine ©rlcbniffe in ßhafO/ ber 6tabt bes 
©alai Cama, h^ben mir iu 9tr. 38 ber „5Bod)C" berid)tet), 
bat Ceben unb ©emohnheiten biefes merlroürbigen afiatifd)en 
Golfes erforfcht. ©ibet felbft ift ein armfeliges Canb mit fpär* 
lidjer Vegetation; bürftiges ©ras, SCRoos 
unb Bambusblätter finb bie Vahrung 
für bas Vieh, ber Vdcrbau befd)räntt 
fid) auf ©erfte, anbere ©eireibearten finb 
feiten, ber SReis roirb aus ben umliegen.- 
ben beffer tultioierten Cänbern eingefiihrt. 

©er ©ibetaner ift in ber tultureüen ©nt« 
midlung ftarf gurüdgeblicben. ©as Canb 
toirb ooit einer mäd)tigen Sßricftcrtafte 
bcberrfd)t, bie oon ber Vrbeit ber übrigen 
Beoölferung lebt unb fie rootjl auch ftart 
ausprefct. ©ie toenigen reichen Jamilien 
bes Canbes, bie ben fruchtbaren ©runb 
unb Bobcn befißen, finb mit ber Slafte 
bes hohen Vrieftertums oon jeher oer« 
fippt unb oerfdjmägert unb ftellen aus 
ihren SReif)en auch ben 91ad)mud)s für 
bie Vbtc ber gabireichen SUöfter, bie als 
geiftliche ©ouoerneure bie £>errfd)aft in 
ben eingelnen ^tooingen ausüben, ©inem 
reichen ©ibetaner fommt es nicht barauf 
an, ©aufenbe oon englifchen Sßfunben 
für ein ©cmpelfeft gugunften ber Vrie-- 
fterfchaft ober gum Vntauf oon Öl für 
bie ungähligen heiligen Campen eines 
©empels gtt ftiften, mäbrenb bas Volt 


in briidenber Vrmut lebt. Vur biefe oornehmen gamilien 
haben auch eine gehobene ßcbenshaltung, bei ber bie Val)* 
rung nach ber für afialifc^e Vegriffe fehr oerfeinerten d)inefi. 
fdjen Stiichc hergefteüt toirb. ©as gemeine Volt nährt Wh 
oon ©erftenmel)!, Stlöfjen, ^ferbefleifd) unb ©ee. Vis S^eifd)* 
lieferant tommt aud) bas 6chaf unb häufiger nod) ber in 
©ibet heimifche ?)at ober ©rungodjfe in 
Vetracht, ein 3roergrinb mit auffaüenb 
langer, molliger, faft bis auf bie ©rbe 
reidjenber Vehaarung (ber Berliner 3°° s 
Iogifchc ©arten beherbergt einige biefer 
9)at's, bie im Voltsnumb oon jeher 
„Ceicbeumagen mit ©robbeln" hei&en). 
©as Jleifd) mirb nur in fcllenen gäüen 
getod)t unb mcift roh gegeffen. 3n ber 
Vad)t mirb ber gieifdjoorrat gum ©e-- 
frieren an bie Vufjenmanb ber §ütte 
gehängt, am ©age mirtt bie £ifce nicht 
gerabe fonferoierenb auf bas ^Ieifch/ bas 
nad)ts mieber gefriert, unb fo geht ber 
Vtechfel gmifdjen haut-gout unb ©cfrier« 
fleifch meiter, bis ber Vorrat aufgegehrt 
ift. gifche unb ©efliigcl merben nicht ge« 
geffen, ba fie für unrein gellen, unb ber 
5orfd)er lonnte in ben tibetanifchen giufj* 
laufen gerabegu unglaubliche 6d)märme 
oon großen ^yifcfjen beobachten, mährenb 
fich an ben Ufern V3iIboögel aüer Vrt 
tummelten. 

Vlies tann ber tibctanifchc Bauer ent» 
behren, nur feinen ©ee nicht, ber gu» 
gleid) ©etränt unb Vahrung ift. ©er 




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Original frorn . 

PRINCETON UN1VERSITY 














Kummer 41 


S) 1 1 gg o &« 


6cite 923 




Instrumente 


Rechts: Alter Kopfputz der 
tibetanischen Frau 


2ec tommt aus Gfjiita unb rotrb ber §anblid)teit megen in 
Heilten, siegelartigen klumpen gcl)anbclt. 2>a bie getrod-- 
neten Seeblätter nid)t oßne meiteres sufammenhalten, fo 
roerben fic mit etmas feuchtem ©runjochfenbüttger burd)* 
fnetet! SBenn bie tibetanifd^e Seeftunbe nafjt — jebe ©e- 
legenßeit mirb übrigens sum Seetrinten benußt — fo mirb 
ein 6tüd biefesSee- 
Siegels abgebrochen 
unb mit SBaffer 
aufgefoeßt, baju' 
tommt 9Ratron unb 
ein großer £lum- 
pen ranzige Butter 
ober Hammeltalg. . 

Srifcßes Jett hat 
ber Jorfcßer auf 
feiner SReife nie 
auftreiben tonnen; 
bieSibetaner Iaffen 
Butter unb Saig 
ablagera, mie roir 
9Bein unb Starren, 
unb je älter bie 
“Butter ift, befto 
beffer feßmedt fie. 

Ser Sünger fpielt 
in bem holsarmen 
fianbe eine roid)tige 
Atolle. Sas, mas 
©runsoeßfen unb 
Sßferbe fallen Iaffen, 
mirb forgfältig ge- 
fammelt unb ge- 
trodnet unb als 
Brennmaterial be¬ 


nutzt infolge bes Slmtnoniafs, ben biefe „SlbfäUe* 
enthalten, nimmt jegliches ©ffen einen beißenuett 2lm- 
moniatgefchmacf an; aber 9Jk ©ooern bemertt, baß er 
fid) an biefes fonberbare (öeunirj fehr halb gemöhnte 
unb ihm fpäterßitt curopäifches ©ffen juerft fabe oortam. 

Sas *iRaud)en ift in Sibet oerboten, unb ber Salai 
fiatna felbft tritt bem Sabatgenuß ftreng entgegen, 
^luch aufgetlärte Sibetaner, bie ben Sabat außerhalb 
ber fiunbesgrenseu fenttett lernten, mögen nur in 
größter Slbgefcßloffenheit su Haufe cine^ßfeifc $u rauchen. 

9lus ber ©erfte bereitet man in Sibet ein Bier, 
„©hang" genannt, unb aus biefem burch Seftillation 
eine SHrt 6d)ttaps, auf tibetanifch „‘Slrat" geheißen, 
aber nicht mit bem hier betannten 9lrrat ju oer- 
mecßfeln. SReligiöfe Jefte, bie in biefem fianbe fehr 
häufig finb unb mehrere Sage ober gar BSocßen bauern, 
merben bei reid)Iicßem ©etutß oon ©hang unb Brat 
gefeiert, mobei fid) bie Sibetaner suerft bem fröhlichen 
©efang fehr einbeutiger Boltslieber hingeben unb 

fcßließlich finnlos 
betrinten. ©inen- 
äfthetifeßen Bn- 
blirf gemährt ein 
©ingeborener in 
Sibet feinesmegs, 
benn bie Körper- 
mafeßung ift gänz¬ 
lich unbefannt. 
Dr. 90k ©ooern 
ermähnt, mie un¬ 
angenehm es für 
ihn mar, brei 90k- 
nate lang gänzlich 
ungemafeßen her. 
umsulaufett, meil 
er fid) fonft, (er 
ging als tibetann 
feßer Äuli oer« 
fleibet) oerbäeßtio 
gemacht hätte. 3ir, 
fiaufe bes fiebern 
übersieht fieß alfe 


Eine ganze Mönchstadt in der Nähe von Lhasa 


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Seite 924 


Kummer 41 


ein echter Tibetaner mit einer Sd)idjt aus Seit unb Sd)muß, 
bie gur (Erhaltung ber ©igeumärme in biefent falten ©ebirgs» 
Ianbe ftd^cr fefjr nüßlid) ift. Stur ein einiges SJtal fab Dr. 
SBc ©ooecn eine Slrt ©aöegclegenheit. ©inige hei&e Quellen 
gelten als heilkräftig, unb man batte am Stanb ber Straße 
neben ben Quellen flache 
©ruben ausgeboben, in ,— 

benen einige Tibetaner 
fplitternacft im heißen 
SBaffer aufmeidjten. 

©as Familienleben 
ftebt nach ben Eingaben 
bes Jorfdjers nicht febr 
hoch- Snsbcfonbere in 
fittlicher Stegiefjung finb 
bie ©rengen nach euro» 
päifchen Stegriffen ftarf 
oermifcht. ©ine fonber» 
bare Sitte b^rrfcht bei 
ben grauen. Sie be» 
malen fich bas ©efidjt 
mit einer Slblocßung aus 
Sßflangenfaft, ber eine 
fdjeußliche purpurrötliche 
Hautfarbe gibt. SJtc 
©Ottern hält biefe Sitte Tibetanische Frauen mit einem 
für eine golge bes ^ßrie= 

ftergölibats, bas man ben Singehörigen ber SJ3riefterfchaft öa» 
mit erleidjtern moUte, inbem man bie tibetanifdje grauemaelt 
bureb einen garbanftrid) meniger angiehenö mad)te. 

SJtöbel ober fonftiger Komfort moberuer SIrt ift in ©ibet 
gang unbefannt. Slls Schlafgelegenheit bient eine ©eefe ober 
ein Schaffell, auf bas fid) ber ©ibelaner bäuchlings mit hoch- 
gezogenen Änien legt. §äuftg zieht fid) ber ©ingeborene gunt 


Tibetanische Frauen mit einem seltsamen vierhörnigen Schafbock 


Schlaf ooüftänbig aus unb bedt ftch &oitn mit feinen Klei¬ 
bern toieber gu. ©te ßanbesfitte ber allgemeinen Unfauber- 
feit bringt bie mit biefer ©emohnheit ftets oerbunbenen £>aut- 
trantheiten unb aud) bas übliche Ungegiefer mit, unb Dr. SDtc 
©ooern, ber monatelang in ben tibetanifchen Stafthäufem 

mit ben anbem Kulis 
fchlief, meiß non ^läufi¬ 
gen feiten" gu ergählen. 

3n gang ©ibet traf 
SJk ©ooern nur einen 
eingigen SDtann, ber als 
mobern.in unferm Sinne 
angufprechen ift; es mar 
bet Staatsfefretär bes 
©alai Santa, ber SCRi* 
nifter ©farong, ber ftch 
in 3nbien unb ©hina 
umgetan hotte unb ein 
tüchtiger Kriegsmann ift. 
Sttit feiner ©nergie hotte 
er auch eine mobern ge» 
fleibete unb mit neuen 
3nfanteriegemehren aus» 
geftattete Gruppe gu» 
. ... . c .... fammengefteHt, bie fo» 
itsamen vierhornigen Schafbock QQr übcr cinc <w\u\ä z , 

fapelle oerfügt. ©er 
Sttinifter, ber gleichgeitig ber erftc Stertraute bes ©alai Santa 
ift, mibmet ftch ftänbig ber Slusbilbmtg biefer ©ruppe, bie 
ihm allen Slnfdjein nach fehr ergeben ift unb bie er feft in 
ber &attb hält, unb es gibt oiele Seute, bie in ihm, menn 
einmal ber ©alai Santa ftirbt, ben fommenben §errfcher 
oon ©ibet unb zugleich ben ©ringer moberner 3eiten für bas 
bisher „©erbotene Scnb" fehen. M. p. 


Schluß des redaktionellen Teil 


&*** matfM iitdettfcfiift! 

i - 

„(Sie finb su ott" ift manchem Bonn in mittleren Satiren fefjon gefast worden, alef er fid? um eine neue 
©fettung bemarb, „mir brauchen eine junge straft". Unb bod? fünfte er fid) nod) fo leiffungdfähig mie bor 
fahren, unb bod) wollte unb muhte er mit feiner Somitie (eben! Slber er machte einen angejahrten/ Per« 
brauchten Ginbrud unb smar nicht sutefct bedhalb, meil fein &aar bfinn unb fpärlid) gemorben mar. ©ad 
(ann bie Sotge einer 7lad)täffigfeif fein, bie barin befteht, ben beginnenben öaarfd)munb nicht im Anfänge 
SU befompfen. JBenn erft bie £aarpapi((en gänstid) abgeftorben finb, ift ed su fpäf. SIber auch bie ©efunbljeit 
(ann bei einer Fahlheit bed ffopfed (eiben, meil reicher £aarmud)d einen natürlichen ©d)uh gegen Gr« 
fäifungen bietet, öedhatb ift bie Grfinbung bed Porsüglichen fjaarnäbrmifteld ßumagfolan burch ben 
berühmten ©toffmechfetforfcber ©eheimraf Prof. ©r. 7t. 3un& mit jreuben su begrüben, ©er Aaaraudfatf, 
pmeit er s- 25. burd? fd)mäd)enbe trantheiten, befonberd burch Tteroofiiäf, heroorgerufen mirb, mirb auf« 
gehalten, benn öumagfotan fördert ben ßaarmuchd burd? innerliche Grnährung bed £aared mit reinem 
fbaareimeif». Tlad? ben einmanbfreien $eftfte((ungen bed ©efjeimrafd 3un& fanb in 8 3od)en unter ber 
Ginmirfung biefed Tlährmiffeld nahesu eine 23erboppetung bed £aarmud)fed ftaff. SJhntich günftige 
Grfahrungen mit ßumagfotan machten insmifchen über 1000 (Srsfe, barunter bebeutenbe mebisinifche 
5orfd)er unb Unioerfitätdprofefforen. ©ie §attinger«2Ber(e für djemifdje unb pharmaseutifche Präparate, 
atftiengefettfchaft, Sertin 713 7, Perfenben (oftenlod unb poftfrei aufftärenbe ©djriften über bie TBirfung 
bed 4>umagfo(an. öumagfotan in Originalpadungen, audreidjenb für ben Sebarf eined Bonatd, 
ift in aileu Slpoftjefen, ©rogerien unb einfehtägigen ©efchäften su haben. Färbern ©ie bedhalb 3bren 


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,o gie 


PRINCETON UNIVERSfTY 








Sfumtner 41 


13. Ottobcr 1923 


JXri-^boitöIa ale STtiocI oiSet? *Pictuo btcfet 3 S^friarfen. 


Z. (Batasfy Bi Co. 3lft*<Sef. 


Original fröm 

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13. Oftober 1923 


® i e <3ß o 6) t 


Stummer 41 


© © 


Rätselecke. 


© © 


SilbcnrätfeL 

a — a — bürg — cha — chi — chry — de — del 

— den — di — dow — drosch — du — e — 
c — e — eil — er — fei — ge — gi — go — gon 

— gün — i — in — ir — jub — ke — ko — 
lan — laus — lith — löf — lu — ma — ma 

— mer — mu — na — ne — nei — ni — nie —- 

now — o — or — phi — pi — po — ra — ri 

— ritz — rod — scha — schätz — sc — sek — 

sen — so — ten — ti — tis — u — u — ving 

— vo — wa 

Slus btefen Silben finb 27 ©Örter *u hüben, 
beren Anfangs* unb (fnbbudiftnbcn — mort* 
uj c i f e gelcfen — einen Spruch ergeben. 1. aus- 
lättbifche Jürfchgattung, 2. Slranfheit, 3. berühmte 
Sängerin ber ©cgciuoart, 4. geiftlfrf>cr ^Imtsbcjirt, 

5. 3ugenbfd}riftftcllcr bes porigen 3öhrh»n^crts, 

6. Stifter einer englifd)en iHcligionsfefte, 7. berit* 
tencr Solbat, 8. frühere ruffifdje Boltsocrtretung, 
9. ©ebraud)sgegcnftanb, 10. Stabt in Btittelbeutfd)-- 
lanb, 11. Sigur ber römifdjen "Dtythologic , 

12. beutfdjer Bilbhauer bes oorigen 3nh r h un ^erts, 

13. Stabt in Sad)fen, 14. aroeitgröfite ber Samoa« 
infein, 15. £>errfd)ername, 10. berühmte Stabt bes 
gricdjifdjcn Altertums, 17. Straufcenart, 18. Stabt 
an ber Saale, 19. oft genannte Borftabt non 
ftonftantinopel, 20. Btännername, 21. ffahraeug, 
22. Stabt in SRufjlanb, 23. Sicrtlaffe, 24. Blume, 
25. fjrauennnamc, 26. £>albcbelftcin, 27. ©einort 
an ber SDlofel. — ei am Einfang unb ©nbc bes 
©ortes — 1 Buchftabe. 

©runboerfd)icbctt. 

©enn man bir’s nimmt, fo fagft bu $anf. 
Unb reicht man’s mir, fehr gern idj’s trän!, 
0od) oft roarb mir ber SKat gegeben, 

Stets mög id) halten es im iicben. 


6^erjfröflen. 

©dd)cr Ion ift ganj auege- 
fprodjen männlicf)? 

*uo;ufo 

* 

©cm fnnn man fein £ 
für ein U ntad)cn? 

'U 3 |Dqü(jdjüU)J 
Mcograptjic unb Zoologie. 

tfrfjölt ein fteiltet n 
(Sin italicnifdjcr Crt, 

(Sin mcnidjennfmitd) licr 
©irb bnburd) er fofort. 

Warnung. 

SRic 311m Wort mit o ben 
mahlet, — Dein an c cä 
immer fehlet. 


3um ©Inter! 

Der (ßlcicfjflang einer Stabt 
läfct fief) nur fchmer beweisen, 
roenn notgebrungen roir mit 
unferen Ächten geilen. 

«uflöfungcn ber SRätfel in ber 
nötigen Kummer. 

3ufammenfetjaufgabc: 



93erftedrätfel: Nur das 
heisst leben, wenn dein Heute 
ein Morgen hat. Ä a p f e I • 
r ä t f e I: Heinrich 


^poazPoaov 

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Cameras o 

9 Kim&sa 

(Thata- 
Papiere 

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Die ABC-Schützen werden entlassen 

© t e ©cf)ule tft au^! 

53 o n OT a ? 3 u n g n f cf e I 

A//Y acht photographischen Aufnahmen der „Woche * 1 

/feine fonnige §erbftftunbe ift ba. 2>ttmter, burdjgolbeter 
9^cbcl legt fid) rote feine (ba^e über bie §ciufer. 0a, 
an ber (Ecfe, roo bas SdjuUjaus ift, ftel)t eine alte ftaftanie: 

3n ibr bängt’s roie Silber nnb (botb; als hätte ein (Engel 
fein äleib barinncn bangen Iaffen, als er bie ftinber beute 

morgen flitm erften Sd)itlgang begleitete.-§eü nnb 

jubelnb tönt eine (blöde. 3)ie (pd)nle ift ansl 

Mütter roarten am $or, aärtlicbe Sangigteit, SBieber» 
febensfreube im (befidjt. 3n (bebauten oerfunten totnmen 
bie jiiitgften Sd)ultinber, bie tlcinften Lehrlinge ans bem 
großen, fteinernen §aufe ber SBeisbeit. £ad)enb, fliegenb, 
mit fcbneüen Jttßen laufen fie beit füttern au: 2öie 


Nach der ersten Unterrichtstunde: Besorgte 
Mütter holen ihre Kinder ab 
Links: Improvisiertes Bockspringen 


ftüd)Iein unter bcis fdjütjenbe (befieber ber 
^ernten. Gin großes (Erlebnis macht ihre 
Süße fd)itell uitb ibrcit SOhtttb craäblungsfrob. 
Sie haben beute, oont (Sltcrnbaufe Iosgeloft, 
im 9Ieid)e ber Sudjflaben uitb nnb 

ber begimtenben (belebrfamleit gefeffen. Uitb 
nun geben fie roicber an ber SCRutterbanb. 
31 )re Grääblungen überftilrjen fid), fie Iad)cn, 
fie plaubern roie ooti einem 3öunber: fthtbet 
aus CDuft uitb lluberilbrtbeit unb fedjs 3abretu 


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Kummer 42 


Gelte 929 


®le gBocbe ^ 


Slonb gefträhnt, fdjioarze 
Torfen, bie ein leifer §erbft- 
roinb in bie reinen Stinber- 
ftirnen toeht. Sd)icfertaf|l, 
mit toippenben GcfytDcimmdjen 
baran, unterm ^Irm. Stanzen 
auf bem dürfen. SJtanchmal 
ift’s ben ftitibern, als ob’s 
aus bem Gebäube ber SUug« 
heit nach ihnen riefe. 6ie 
bretjen fid) lange um. ftiebcl« 
bogen, SBanbtafel unb Cetjrer» 
toort haben ihre jungen Seelen 
oerhejt. Unb nun nehmen fie 
bie anfängliche 3auberei mit 
teuften Geelen in ihre Käu¬ 
fer unb 6tu ben mit. 

Ga purzelt eine Slotte 3un- 
gen aus bem Schulhoftori 
SBilbe, ausgelajferte fterlchen. 
Slreitfrof) balgen fie fid), als 
fei ein SBefetjI in itjnen groß 
geroorben, ein Befehl bes 
großen griebrid) an feine 
Solbaten, beffen Ge)djid)te 




Jugendliches Faustrecht 

fid) 53erpflid)tungeu auf. 3h^ 93e* 
tragen hat etwas oon SBorfid)t. — 
Unb bortroieber einige: bebrillte 
barunter. (Ehoas Gelehrtenfjaftes 
in ihrem Gebaren. 6ie ujiffen 53c* 
fd)eib über bas bücherquiüenbe 
Geutfchlanb oon einft, bas jeßt 
oergangen ift. SJtathematifche ftor» 
mein finb ihre §anbtoert'szeuge. 
6ie meinen, baß fie feßon ihr 
SBeltbilb haben. Gas mad)t ihren 
Gang aufrechter, bas gibt ihren 
Sftienen etwas oon Geiftigteit. 
6ie ftreiten mol)! auch • 3eber hat 
toohl irgenbeine billige abgegriffene 
Kupfermünze ber ^arteipolitif, bie 


Das Urteil des Paris. Rechts: Der Zopf als Glockenzug 

fie mit ftrahlenben klugen unb Uopfeubem §erzen oer-- 
folgen. Gd)tc 3nngen mit SBilbhcit, grohfinn unb praf)-- 
Ierifcher Greue. Aufgelegt ju allerhanb Sänfereicn. Gas 
finb toelche, bie mit iachenbem üJtunbe einfchlafeu. 

Ga tommt toieber eine6d)arl-Gie gehen fd)on 

gemeffener, roürbeooUer. SJtan fieht: Sic fangen fdjon 
an, fid) felbft ihre Gehanten zu bauen. §ier unb bort 
tommt etioas <paIbroüd)figes zum "Borfdjein, oerfteett, fo 
nebenher. Slber bas toagt fid) nicht mehr fo ftürmifd) 
heroor; fo mit toilben Gebcirben unb roufenben £>änben. 
SlUes ift gebämpftcr: Gie 3nrufe, Slnrempe leien, bie 
5rechheilen.'— — Ga fommen roieber einige: 5©ie ein 
Anflug oon Söürbe Iiegt’s um fie. Ol), fie finb fd)on tief 
ins Steid) ber fremben Sprachen geftiegen, bas fieht man 
ihnen an. Unb weil man’s ihnen anfief)t, fo legen fie 


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(Seite 930 


© i e <5ö o <fc c 


Stummer 42 



Die 

Straße als Arena: 

Ringkampf 
(Wenn sich zwei 
prügeln, freuen sich- 
die andern) 


er f)ier unb bort aufirumpfenb fjinmirft unb aufflingeln 
läßt. §crren reden fid) in ihnen, bie nicht nur allein unter 
ber meifen (bemalt bes Sehrplanes fielen, bie fdjon etmas 
mie ein 3i*l haben. 

Unb bort tommen einige/bie hoben ein 3^1* 3)te Schule 
bat ße mübe gemacht. 3n ben Singen bes einen leuchtet es 
toie Sanatif. (Er fpridjt über Probleme. der anbere lächelt. 
3n feinem Säcfjeln liegt noch ein finbliches'Sicht. Unb toie ich 


um taufenb dinge. SBenn auch aües auf ber Oberfläche 
fchmimmt: Sie hoben bie Begeifterung, bie ein 3*^ ®ie 
einen etoigen Stern ficht, auf bas ße aufteuem, auch toenn 
fie baran augrunbegehen foHten. 3h* Cblühen hot etmas 
§eIbenhoftes. 

da 1 Slus ber Btäbchenßhule tommt eine Schar: Süße, 
tinberhafte Bewegungen. Btan ftcht es ihnen an, baß fie 


noch mit 3örtlichteit in ber SBelt 


ihrer Sßuppen leben.- 

Slber biefe ba. Söie ße ßd) 
bas §aar aurüdftreichen, 
toie ße in ben Schau» 
faßen, ber eine Spiegel» 
fcheibe hot, ooriibergehenb 
fchnetl einen Blid tynehu 
fchiden: die (Eiielfeit bes 
SBeibcs iß in ihnen febon 
längft ercoacht. Sie tichern 
unb erzählen: die Schule 
iß für ße aus mit ihren 
Becheuftunben unb ihren 
Schreibftunben. — — — 
Slber bie neue tframatte 
bes Seßrers ßattert lange 
burch ißre §eimmegeraäh» 
lungen. (Einige ßngen ein 
Sieb oor ßch hbt, barinnen 
ber §erbß lebt mit tollem 
Sarbhaudje unb mit "Bäu» 
men, bie um ihre Blätter 
toie. Blätter um ihre ßer» 
beubeit SUnber trauern. 
(Einige gehen taubenhaft 
toie im danafeßritt. Söie 
eine Sobpreifung ber Btäb* 


im Oval: Die gol¬ 
dene Freiheit 
(Wie die kleinen 
Dinger strahlen, 
wenn es nach 
Hause geht!) 


feine Beben höre: da liegt eine Bomantif briit, eine Slben* 
teuerfroßßeit, mie fie in ben biden Bomanen lebt, uon benen 
er einen Banb, eifrig aerlefen, unterm Sinn trägt. Ol), bie 
beiben toiffen genau Befd)eib, toie toir aus bem Unglüd biefer 
Sage herauslommen tonnen. Sie tenuen fd)on lange bie SBege. 
SBarum fragt man ße nicht! Sie lefen hoch 3eitnngen, fie 
finb in einem Berein, fie rnanbem, ße hoben ihre Sohne. 
3eber Lehrer hot oon ihnen feinen Spitznamen, jeber Bücher» 
maeßer, beffen Sd)ioarten fie burd)od)feu miiffen, muß ßch eine 
begeifterte ober beißeub irouifdje itritit gefallen laßen. Sie 
mißen mit allem Beßheib. SBenit ihre 3^it erft anbricht, fo 
meinen ße mit blißenben Singen, bann muß es anbers mer-- 
ben: Sie träumen, fie grübeln unb fdjtmirmeu unb mißen 


eßenfeßaft, fo ftrahlts um ihren leußheu, einfältigen ücib. 

Unb bortl Slm (btjmnaßum ftelß eine martenb. Slb unb 
au geht ße auf unb ab. (Etmas damenhaftes liegt in ihr, 
etmas oon füßer Slmnut, mie ße fo in ihrem blauen £Ieib, 
bie Biidjer unterm Sinn, immer felig unruhig auf unb nie* 
bergeht. da tommt er! £>od)gcredt geht er auf ße an. 
3ieht graoitätifd) feine apfelfinengelbe Bttiße. Btadjt eine 
ftraße Berbeugung. (bibt ihr aögernb bie §anb. Unb nun 
gehen ße beibe, etmas fd)üd)tern auerft, förmlich, ben Schul* 
meg nad) $aufe. (Er geßt in ihrem Sltem, unb ße geht in 
feinem Sltem. £>eralid)e Schlinge grüßen in ihrer jungen 
Seele, durd) bie Bäume mimmeln Sonncnfd)erben in ihre 
gliidlid)--fd)amhaften (öefidjter. (Es iß eben feßön, jung au fein. 


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PRINCETON UNIVERSITY 












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Aufnahme der „ U?orAi 

r außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Abdul Ali Khan Sadighes Saltaneh, der kürz¬ 
lich dem Reichspräsidenten Ebert sein Beglaubigungsschreiben überreichte 

D E R N E U E PERSISCHE GESANDTE IN B E REIN 


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PRINCETON UMIVERSITY 



Sette 932 _{ t 050 o e _92untmer 42 

EHRUNG DER DEUTSCHEN VERGANGENHEIT IN BAYERN 



Ansprache des Geistlichen nach der Enthüllung des Denkmals 


Enthüllung eines Denkmals für die in Oberschlesien gefallenen Angehörigen des Bundes „Oberland“ in Schliersee 



} hot. kcstcr 


Vorbeimarsch der sogen. Tradibons-Kompa^nie des früheren Leib-infante* ic-Rc^iments vor dem Kegimcnlsinhabcr, dem früheren Kronprinzen Rupprecht (X) 

Zum Gedächtnis an die im Weltkrieg gefallenen Kameraden veranstaltete der Bayerische Zentralverband der Leibregiments- 
, Vereinigungen eine Feier, bei der ein Denkmal enthüllt wurde 

DER BAYERISCHE „LEIBER-TAG“ IN MÜNCHEN 


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TON UNfVERSITY 


























ÜJhimmcr 42 


® i e o cft e 


Seite 933 


KONSTANTINOPEL WIEDER UNTER DEM HALBMOND 



Englische Soldaten grüßen vor ihrer 
Abfahrt die türkischen Truppen und 
Fahnen 

% 

im Oval . Abfahrt der letzten Entente- 
Truppen aus dem Hafen 

Phot. Scmouh Jessari. 


Die letzte Zusammenkunft zwischen türkischen und Entente-Offizieren 
DIE ABREISE DER E N T E N T E T R U P P E N AUS K 0 N S T A N T IN 0 P E L 


Die alliierten Trup* 
pen, die während 
des griechisch-tür¬ 
kischen Krieges 
verschiedene tür¬ 
kische Städte be¬ 
setzt hielten, haben 
jetzt Konstanti¬ 
nopel geräumt; 
auch die Oberkom¬ 
missare sind in ihre 
Heimat zurückge¬ 
kehrt. Die Räu¬ 
mung hat im gan¬ 
zen 5 Wochen ge¬ 
dauert. DieTürken 
sind nun, nachdem 
ihnen der Lau- 
sanner Friedens¬ 
vertrag so große 
Vorteile gebracht, 
wieder die Herren 
im eigenen Hause 


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PRINCETON UNIVERSITY 












Seite 934 


© i e SB o <$ e 


Kummer 42 



Generalleutnant v. Tschischwitz 
Befehlshaber im Wehrkreis II (Pommern, 
Schleswig-Holstein, Westpreußen, Mecklen¬ 
burg, Eutin, Hamburg, Lübeck) 


Generalleutnant v. Horn 
Befehlshaber im Wehrkreis III (Brandenburg, 
Nieder- und Oberschlesien, Grenzmark 
Posenl 


Geh. Rat Dr. Ludwig Borchardt 

der verdienstvolle Berliner Ägyptologe, 
wurde sechzig Jahre alt 


M. Rakowski 

Chef der russischen Handelsdelegation in 
England 


Tsao-Kun 

früherer Militärgouverneur von Tientsin, 
neue Präsident der Republik China 


Emil Dralle 

bekannter Hamburger Großindustrieller 
feierte seinen 70 . Geburtstag 


Der neue Mark-Sport-Eindecker (Stahlwerk Mark) auf dem Flugplatz in Staaken 


DAS FLUGZEUG DES SPORTS MANNES 


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PRINCETON UN1VERS1TY 









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PRINCETON UNIVERS1TY 



Seite 936 


© \ t QB o d) « 


Kummer 42 





Paul Britlon und Ferdinand Meysel 

Zum 25 jährigen Jubiläum der „Stettiner Sänger“ 
im Reichshallen-Theater 


* 

Links: „Hampelmänner''.Die Puppe: Lore Sello. Bühnenbild:Paul Leoi 
Unten: Bühnenbild von Ernst Stern aus „Zehn kleine Negerlein“ 
Phot. Zander & Labisch 

Zwei Neuheiten im Maler-Kabarett „Die Gondel“ 

VON DEN BERLINER KLEINKUNST-BÜHNEN 


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PRINCETON UNIVERSITY /f 


Au/nahmt 


der . Woche* 


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Stummer 42 


Seite 937 


Die leichtgeschürzte Muse: Eine neue große Ausstattungs-Revue in Berlin 


In Szene gesetzt von James Klein. Oberes Bild: „Kristallballett'*. Unteres Bild: „Im Reiche des Maharadscha“ 

Aufnahmen der „ Woche “ 

, DIE WELT OHNE SCHLEIER“, ERSTAUFFÜHRUNG IN DER K.0 MISCHEN OPER 


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PRINCETON UNIVERSITY 















Seite 938 


0 i e OB o cft e 


9iummer 42 


BILDER AUS ALLER WELT 




Oben: Deutsche Bank¬ 
noten als Reklamezettel 
in London 

Auf den Straßen der englischen 
Hauptstadt werden deutsche 
Hunderttausendmarknoten von 
den Händlern ausgerufen und 
aus der Luft als Reklamezettel 
auf die Menge hinabgeworfen. 
DieZei tschrift,,Outlook'‘schreibt 
dazu: „So steht also das Reich 
der starken Deutschen zum Ver¬ 
kauf, mit all seinem Stolz und 
seinen Hoffnungen, dem Blut 
des herrlichsten Heeres der 
Welt, den Mühen, Träumen 
und Plänen von fünf Ge¬ 
schlechtern nüchtern arbei¬ 
tender Menschen! So wird das 
alte Deutsche Reich begraben T 


Vom 2. Turnier des Sport¬ 
kartells Bad Homburg v.d. 
Höhe: Frl. Paula Oppen¬ 
heimer auf „Zwergkönig“, 
Siegerin im Jagdspringen 
für Damen. Phot. Zinsei 

* 

Links: Aus dem neuen 
Therapeutikum in Jena. 
Im Oval: Gesamtansicht 
des Gebäudes. /m Viereck : 
Auf der Terrasse. — In 
der altberühmten Uni¬ 
versitätstadt Jena ist das 
Therapeutikum eröffnet 
worden, das unter der 
Leitung Professor Jbra- 
himsderUniversitäts«Kin- 
derklinik angegliedert ist. 

Phot. Pons. 


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PRINCETON UNIVERSITY 4 

j 













Kummer 42 


© i e 90 o (b t 


Seite 93S 


«Roman oon DCarts Dominifo 

18. Fortsetzung. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


Vur mit galbetn §ergen feglog her Vegent fl<f) her Vnfugt 
feiner Seneralftöbler an, bk ben Stanbpunft oertraten, 
bag bic Shimpagniefräfte fid) bortgin unb aud) noeg 
mciter guriiefgiegen mürben, bis ftarfc europätfdje 
Gruppen gu igrer Vufnagme ba mären. 6einc Ve* 
forgnis mar fo groß, bag er nod) in legter 6tunbe 
groge Seile ber Vorbarmee auf bie bfungarifdje Pforte 
birigicrtc. VSeil aber bic Sifenbagnen unb fonftigen 
Vcrfegrsmittcl fd)on burd) bie ©ransporte nad) bem 
erften ^lane ooü in Vnfprucg genommen maren, mugten 
biefe gufäglicgen Streitfräfte in ber $auptfad)e ntar= 
fegieren. 

3m Saufe bes ad)ten 3uli fanten bic Reibungen ber 
gelben ßuftftrcitfräftc nad) ftgatni. Herflug ogne V3i* 
berftanb! 

©er Regent oernagm es mit Vermunberung. S>erabc 
an ber Srenge gatte er beit ftärfften VMberftanb ber 
oorgüglicgen Stompagnkfräfte ermartet. 

Vombarbeinents ber Sieblungen! 

(Er geriet in Unruge. Vlo ftetften bie Compagnie* 
fräfte? ©as fampflofc Vorbringen oerftärfte fein Vlig* 
trauen immer ntcgr . . . 

3öo fonnte bie S^ompagnieflotk fteefen? 

©ie näd)ften Reibungen brachten fgm Vntroort. Sine 
Vntmort, bie freilid) an ^largeit oiel gu miinfd>en 
übrig lieg. 

kleine Sxfdjmaber meit verteilt, überall in ber 
©fuitgarei! Vus unficgtbaren Sögen fliegen fic, mie ge= 
melbet mürbe, gerab. 

Vlit einem (Gefügt ber Srleicgtcrung nagm ber Ve* 
gent bie Vielbungen auf. ©ic (Entfenöung oieler tleiner 
S>efd)maöcr fd)ien barauf gingubcuten, bag fie bie Vuf* 
gäbe gatten, beit Vnmarfcg bureg Vombenabmiirfc gu 
ftören. ©ie merfmiirbige ©atfad)e, bag biefe Svcfdpmüöer 
allen Kämpfen faft ängftlid) ausmidjen, mugte biefe 
Vuffaffung beftärfen. 

Sr gatte genug ßuftfräfte in ber Veferoe, um biefert 
oerftreuten Stompagniegefcgmabern entgegengutreten. 
3egt enblidj glaubte ber Scgan ©i ben gegnerifegen 
Vlan gu buregfegauen. Seit gcroinnen! ©en Vorntarfdj 
in ber ©fungarei crfdjmeren unb an ber JJront bureg 
Iangfames 3wrücfgegen oergögern. 

©er nädgfte ©ag braegte Vacgrkgten non allen Seiten. 
Vad)ricgten, bie mogl geeignet maren, ben Regenten in 
feiner Vuffaffung ber ßage gu beftärfen. 

©ie Vielbungen oom linfen ^yliigct feiner Kräfte 
lauteten nid)t giinftig. ©ie Übergänge in bas JJerggana* 
tal maren burd) Sprengungen unb fiinftlicge ipinber* 
niffc fo erfd)mert, bag nur bie Vlöglicgfeit geblieben 
mar, bie ©ruppen in ©ransportfreugern oorgubringen. 
Vur einem ©eil btefer Jtreuger mar es gelungen, ©rup= 
pen unoerfegrt gu lanben. ^löglid) maren gier ftarfc 
^ampffegiffe ber Compagnie aufgetreten unb gatten ber 
gelben Jflotte fd)meren Scgaben gugefügt. Ss fag 
gerabc fo aus, als ob bie ßuftftreitfräftc ber Compagnie 
hier bemugt Vcrftecf gefpielt gälten, um nad) bem ©urd)= 
flug ber leid)tcn gelben ßuftfräftc nad) heften bic- 
fdjmeren ^angerfreuger, meld)c bic Gruppen = ftonoois 

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begleiteten, mit unoerbraudften Kräften anfallen gu 
fönnen. ©ie ßage ber bort gelandeten cginefifcgen 
Gruppen mar beforgniserregenb, ba fte fofort in fernere 
Kämpfe mit ben gegnerifd)en Gruppen oermicfelt 
mürben. Vber fcglieglid) mar ber Stanb ber ©inge im 
ftergganatal für bk (Sefamtlage niegt oon groger Ve- 
beutung. 

©k meitcren fd)led)ten Vadjrid)ten aus bem Slital 
gatte ©oggon=$gan beinage ermartet. ©ag ber Sencrai 
oon Viilorn gier in ber Sink bes ©elefbammes einen 
fd)arfen VMberftanb leiften mürbe, mar für ben alten 
Vlongolenfelbgerru eine SeIbftoerftänblid)fcit. ©esgalb 
gatte er ja feine Slerntruppen bort angefegt. Vber bic 
Stärfe bes ©iberftanbes überrafd)tc ign. 

©ie Verid)te, fomcit fie bisger oorlagen, melbcten 
ungegeure Verlufte ber Angreifer. Vknn Viilom feiner* 
geit Okorg Sfenbranbt gegenüber oon einem ©germo* 
pplä gefprod)en gatte, bas er gier erriegten moüe, fo 
bemiefen biefe Vielbungcn, mie ernft er feine Vierte 
gemeint gatte. Vucg bk ©ruppen, meldjc bie diinefifcge 
Öeeresleitung gur Umgegung ber ©eleffteüung angefegt 
gatte, tarnen nur Scgritt für Sd)ritt unb unter fegmer* 
ften Opfern oormärts. Sin forcieren bes ©urcgbrud)es 
an biefer Stelle mürbe in jebem ungegeure Vcr- 
lüfte erforbern unb im Srfolg gmcifelgaft bleiben. 

©er groge Srfolg mugte im Srtpfcgtale gefuegt roerben. 
©ie breite bfungarifege Pforte erlaubte es, oiel ftärfere 
Slräfte oorgumerfen. VSaren fie gier erft einmal bis 
gum Sieblerlanb bureggebrungen, mo eine freie Sntfak 
tung ber fyront möglid) mürbe, bann mar bie Sli“ 
fteüung ber Segner fo im Viicfen bebrogt, bag fie un=» 
galtbar mürbe. 

Vus biefer Sefamtlage ergab es fid), ben Vormarfd) 
burd) bas 3rtpfd)tal mit größter Sd)nelligfeit unb ftärf-- 
ften Kräften gu betreiben. Vocg am Vbenb biefes ©ages 
ergingen bic Vcfegle nad) allen Seiten unb im ßaufe 
ber Vacgt begab fid) ber Vegent mit feinem Stabe oon 
^gantt naeg ber bfungarifd)cn Srenge. Sier erreiegten 
ign am fragen Vlorgen bes gegnten 3uli bie Vielbungen, 
bag feine Spigen ben Sebirgsgug gmifd)en Uft tarneno* 
gorst unb Vrfatsf gegen fcgmad)en feinblicgen Vliber* 
ftanb genommen gätten. V3o einft eingunbertoiergegn 
^ofafen unter bem (General £id)arero ben fteinben 
miberftanben unb ein Vollmert gegen bie gelbe fylut er* 
rid)teten, ba maren bie fo oiel ftärferen ©ruppen ber 
S. S. S. jegt faft fampflos gemugen. 

©as ftrategifege Spiel fd)ien gemonnen. V3eit offen 
ftanb bas Völfertor, burd) mcld)es fid) feit ©aufenben 
oon 3agren bic afiatifd)en Stämme nad) SZBeften er* 
goffen gatten. 

Vis bie Sonne über bic Vergfämme bes VItai gerauft 
fam, ftanb ©oggon=5lgan allein am Ufer bes 3rh)fd), 
ben bie Vlongolen .^ara Srtgis nennen. Sinnenb 
fegaute er ben gen Vkftcn ftrömenben Tßellen bes jungen 
giuffes nad). hinter tgm mar bas ßanb fidfer. ©ie 
itngiinftigen Vad)rid)tcn oon ber Siibfront mürben 
burd) Vielbungen mettgemaegt, bag bie £uftgcfd)toaöer im 
Vücfen teils niebergefämpft, teils oertrieben feien. 

Original from 

PRIINCETON UN1VERSITY 



Seite 940 


0 i e o d) e 


Kummer 42 


Aormärts ging cs mit ber Sonne. (Sr braud)te nur 
feinem Sdjatten 3 U folgen, 5taum ßunbert 6 d)ritte oor 
tßm lag ber ©ren^graben. (Sr toanbte flcf) um unb 
minfte fein ^ßferb ßerbei. Aiit einem Scßmunge faß er 
im Sattel. 

Aormärts! Aadj ein paar Säßen ßielt er am S>rcn 3 « 
graben. 3n biefem Augenblicf laberten linfs unb red)ts 
non feinem Atege mäeßtige Scßeiterßaufen auf, bie feine 
Obetreuen aus umgeftür^ten S>ren 3 pfäßlcn errietet 
Ratten. Aiit einem flogen ßäcßeln quittierte ber Re¬ 
gent bie £ulbigung. 

(Sin Spornftoß! 6 ein Aoß fprang in einem mächtigen 
Saß über ben Srabcn. (Sin Aucf in ben 3üQ£ln, bas 
$ferb ftanb mie aus (Sr$ gegoffen. 

(Sr mar auf crabertem Aoben. Aon allen Seiten um* 
braufte ißn ber Subei ber oorüber 3 ießenben Gruppen. 

©ogßon=5lßan faß ftarr auf feinem ^3fcrbe. ©ie 
feßmar^en Slutaugen meit offen nad) Akften gerichtet, 
©er Aing an feiner Sinfen fd)ien 3 U glühen. Seine 
Sinne manberten. 

Aus ben Gruppen, bie ba neben ißm in mobernftcr 
Ausrüftung oormärts lüfteten, mürben bie ftrieger ber 
golbenen £>orbe, mie fie ber große ©f<ßingis*$tßan oor 
aeßt Saßrßunberten nad) heften geführt Tratte. 

(Sr faß fie aorroärtsftiirmen. (Sr faß fie bie meiten 
Steppen Aorbcraftcns überfd)memmen. (Sr fat), mie 
bie uralten £önigreid)e unter ißten dritten gufanunen» 
brad)en. (Sr faß, mie fte ißre Stoffe an ben blauen 
Atoffern bes §ellespontes träntten, mie fie bie ©onau 
ftromaufmärts 3 ogen, über bas Aalfangebirge gingen 
♦ . . unb bis in bas $er 3 (Suropas fließen. 

3 ßm nad)! 

Seine Sporen ftießen gegen bie feines 

^pferbes. 

A$ütenb ftiiratc bas eble ©ier oormärts. (Erft nad) 
einer ©eile brad)tc er es in feine S>emalt guriief. (Sr 
mar erroad)t. 

Sein Auge überflog eine Abteilung marfeßierenber 
Artiüerie. Sein Auge ßing an ben glißernben Aoßrcn. 
©ie Sefcßiiße maren oon cßineftfeßen Slonftrutteuren ge¬ 
baut. 3ßre Stiftungen maren ooit einer bisher unbe* 
fannten Sröße, unb er mußte, baß (Europa bergleid)en 
nid)t ßatte. ©ie Artillerie mar feine alte ©affe. ©ic 
Aatterien bort neben ißm . . . maren fte nid)t aueß 
’fein eigenes ©erf? ©ic mürbe biefe neue ©affe ben 
rneißen Segner treffen? 

(Sin falter, frifd)er ©inb fußr ißm über bas Antliß. 
Sr ßob ben Selm unb babete feine ßeißen Sd)läfen in 
bem erquiefenben ßuft^ug. 

Aormärts! Aormärts! . . . 3ßnt nad)! 

Sr beugte ben Slopf über feine £infc. ©ie rotes 
^yeuer erglänzte ber Aing bes ©fcßingis*flßan in ben 
Strahlen ber Alorgenfonne. Seine ßippen berührten 
bas Ooolb. Sin Sd)aucr rann burd) feinen Körper. 

©etteifernb mit ben fluten bes 3 rtgfcß, ftrömten bie 
mongolifeßen Atyriaben an feinen Ufern meftmärts. 
Aleilc um SCReile gemannen fte, bis bie Ooebirge ^uritdf- 
mid)en unb ber ftiuß ftd) gum See meitetc. 3eßt ftröm¬ 
ten aud) bie Aiaffen auseinanber. ©ie niebere S>e= 
birqsfette quer oor ißnen mar bas Ießte Sinbernis. 

©ic Sonne mar ßößer gefommen. ©od) ber Üißle 
Aiorgenminb ßatte ftd) aud) um bie Alittagsgcit nidjt 
gelegt. 3tn Segenteil. Sr mar oon Stuube 311 Stuitbe 
fälter gemorben. 

3cßt ging eine feltfame Aeränberung bes $tntmels 
oor fuß. ©ie Sonne oerfd)toanb hinter einem grauen 

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©unftfd)leier. Sin eiftger ßuftftrom aus Aorbmeften 
tarn ben Aiarfcßierenben entgegen. ©elf unb fd)mar 3 , 
mie oerbrannt, ßing bas faftige Sulilaub an Räumen 
unb Sträud)ern. 

©ie ßuft füüte ftd) mit Aebeln, bie fuß ba unb bort 
31 t fd)merem, bunllem Semölf 3 ufammcnballten. Aber 
bie ©unftmolfen fielen nießt in ©ropfen jur Srbe, fon- 
bern mürben oon ben ©inbftößcn halb nad) oben, halb 
nad) unten geriffen. Stur 3 auftretenbe ©inbftille ließ 
aud) fte mand)mal ftillfteßen, baß fuß bie b^arren 
formen mie buntle ftelsmänbe 00 m $immel abßoben. 

©ie Stälte naßnt immer rneßr 3 U. ©er A^inb meßte 
mit immer ftärferer Eraft. ©ann mar es plößltcß, als 
bräd)e bas gan 3 e £>intmelsgemölbe 3 Ufammcn. Srbe unb 
$intntel oerfd>manben in einem rafenben Sd)neefturm, 
ber fein unermeßließes Aeß meitßin über feine 33eute 
rnarf. Aur ßin unb mieber oerntoeßte bas Auge burd) 
bas bid)tc ©reiben ber rneißen 5 l°^ n bünne betten 
gebuefter Sieftalten 3 U erblicfen, bie ftd) müßfarn bureß 
bas Sßaos oormärts fämpften. ©ie Aäbcr ber 5aßr* 
3 euge fd)nitten bis an bie Acßfen in ben 33obcn ein, ber 
ftd) mit bem Sd)ttee 3 U einem eifigen 5!ot oermifeßte. 

^eitfeßenßiebe unb Aufe! 3lüd)e in aßen 3 un 9 cn 
Afiens fd)alltcn bureß bie fiuft. ©a 3 mifcßen bas ängft* 
ließe Sd)nauben ber ^ferbc unb bas SebriiU ber Slamele. 

3 mmcr ßäufiger braeßen ©iere unb SAenfeßen erfd)öpft 
jufammen. Akts auf bem Aege liegenblicb, mürbe 
riicffidjtslos 3 ur Seite geftoßen. ©ic Hilferufe oerßaßten 
ungeßört im Seßeul bes Sturmes. 

©a 3 mifd)en bie anfpornenben Aufe ber Offnere. 

©^ormiirts! . . . Aormärts! . . . Scnfeits ber Acrge 
mittfen bie marnten ©urteftans . • . Aormärtsl 

.. . 3enfeits ber Aerge. ift Sommer. 

Aber bie Sebirge maren unftd)tbar. $intcr ben 
mirbclnben Sd)necfloc!en oerborgen, ©ie Sbcne, bureß 
bie fte marfd)iertcn, oon ben immer utäd)tiger nieber- 
geßettben Sri)neentaffen halb mit einem bid)ten Seid)en- 
tud) bebeeft. 

Segen Aüttag ließ bie Semalt bes Sturmes ttaeß. fyür 
Augenblicfe braeß bie Sonne burd) bas bunfle Semöl!. 

Ss mürbe Aaft gemad)t unb gegeffen. 

llberermattet marfen bie ©ruppen ftd) auf bas meiße 
Scßneelagcr. ©ie aus bem raußen Aorben bes Sanbes 
ftantmenben Aiannfcßaften erßolten fid) oerßältnismäßig 
fcßnell. ©ic fiibcßineftfdien Acgintenter in ißrer leießteit 
Ausritftung mürben ungleicß ftärfer mitgenommen. 3ßre 
erftarrten ffinger oermoeßten fautn bie Aiaß^eit 3 unt 
Atunbe 3 U fiißrcn. 

Auf einem felftgen Aorgebirge ßielt ber Stab be$ 
©ogßon-ftßan. Sr fclbft ßattc ftd) in ein fd)neH auf* 
gefd)lagcnes Seit 3 urücfgc 3 ogen. ©ie Offi 3 icre ftanben 
fröftelnb auf bem fd)neefreicn Seftcin. ©er 5ötalismus 
ber Orientalen fam gegen biefes unerßörte Aatur* 
ereignis nid)t auf. 

Sd)eu, mit leifer Stimme fliifterten fte fteß ißre Ae* 
trad)tungen unb Acobad)tungen 3 U. 3^ Senerale aus 
bem engften Sefolgc bes Aegentcn faßen unter einer 
ntäcßtigen Sid)e, beit Alicf auf bie tief unten liegenbe 
Straße gerid)tct. 

Ss maren Aatu ftßan unb Ugetai ßßan, bie treueften 
Anßönger bes oerftorbenen ^aifers. Sd)on 3 U ßeb 3 eiten 
bes Scßi ©fu maren fte Aioalen bes ©ogßon gemefen. 

Sie neibeten ißnt bas befonbere Aertraucn bes 5!aifers. 

Sie neibeten ißm ben Außm bes großen ^yclb^cirrn, ber 
jeben anberen Außm überftraßlte. 

Aud; fte maren unter benen gemefen, bie Sd>t ©fu an 

Original fram / 

PRIINCETON UNIVERSITY *' 



©ummcr 42 


I e ® o (ft c 


Gelte 941 


fein Sterbelager rief. ©ur unwillig Ratten ftc es 
ertragen, baß ber ©ing unb bic ^ödjftc ©ladjt in bie 
Hänbe bes Togßon tarnen. 0ann aber Ratten fie fid) 
ben großen Scbanfen bes ßaifers unterworfen, bereit 
©oüftreefer Togbon war. 

3bre SBIicfe ruhten auf bem $ale. ©erfdjwunben war 
iebe Spur oon Srün. SIBcig war bas ßanb bis gurn 
fernen Horigont. ©Me ©laulwurfsbaufeu bie Ijin* 
geworfenen Seftalten ber Sol- 
baten. ©ur bin unb wieber 
fdjwelenbe ßagerfeuer, wo es 
ben Gruppen gelungen war, 
bas mübfam gufammengefudüe 
Seftrüpp gu entgiinben. 0üfter 
fal)en bie Sencrale auf bas 
unbeilbrobenbe ^Bilb. 0as 
ftärffte öeer, bas bas Ijinttn* 
lifcfje SHeicf) jemals unter ©3af- 
fen gehabt l)atte ... bas wie 
ein Sturmwetter über ben 
heften f)inbraufen follte, um 
ben alten Sraum bes Oftens 
$u oermirflidjen . . . Sö3iirbc 
cs ber großen Aufgabe gerecht 
werben tonnen, wenn ihm 
hier ein unerwartetes .... 
ein unerflärlid)cs Unwetter bic 
Schwingen lärmte? 

3^r abergläubtfdjer Sinn 
fal) in biefem ©Setter ein böfes 
©orgeid)en für ben ganzen 
Selbgug. Ugctai brach bas 
Sdjweigen. 

„©Sas ift’s mit bem £ogf)on? 

Qlls bie erften fielen, 

würbe fein G>efid)t blcidjcr als 
ber Schnee. So fal) id) ihn 
nie in ben breißig Sauren 
unferer gemeinfamen Stümpfe." 

Ss bauerte lange, bis ‘©atu 
öic Antwort fanb. 

^SUud) id) erfd)raf, als id) 
bic ©licne Togbons fab. ©Sie 
tonnte er wiffen, baß aus 
jenen erften noch barmlofen 
{ylocfen, bie wir alle für ein 
furges, necfifd)cs Spiel ber 
©atur b ic ^ en / bies ocr- 
nidjtcnbc Unwetter entfielen 
würbe?" 

„3cf) weiß cs rtid^t. ©ber 
td) mußte fofort bes Sdjnce* 
falles am Sage bes Sinniges 
gebenten . . ." 

„©n jenem Sage betrog 
Sogbon bie Srbe. Sr entriß ibr ein Opfer, bas üjr 
gehörte. 0ie Srbe bat tf) n bamals gewarnt. $cute 
nimmt fie ihre ©acbe." 

Ugetai fab ibn einen ©ugenblicf übcrlcgenb an. 

„3cb beuge mid) oor ber böb^^n ©Seisbcit beincs 
grauen Hauptes." 

„5urd)t ift in Sogbon! Sr fdßaut bas ©ntliß ber gür- 
nenben ©atur. ©kr hätte fonft jemals beit Sogbon im 
Selbe im 3elt gcfel)en?" 

Sr, ber Sogl)on, rubte im fdjnell crxicf)totcit 3*tte auf 
einem niebereu ßaqer. 0ic ©ugen, weit geöffnet, ftarrten 

□ igitized by Goosle 


gu ber braunen ßeinenbeefe. 0ie ßippen waren feft gu> 
fammengepreßt, als hielte ein Siegel ihr (Geheimnis ocr= 
fcbloffen. SMuf feiner Stirn perlten Sd)weißtropfen. 

©bgefaüen waren ©liene unb Spaltung bes Siegers. 
Sefcblagen . . . gefangen . . . oernidjtet fd)ien ber ©lann 
gu fein, ber nod) oor wenigen Stunben in ftolgcm 
Sprung über ben Srenggraben feßte. 

Sin feßwerer ©temgug hob bie ©ruft bes fiiegenben. 

Seine §anb warf ben Seppid) 
gurücf, ber ihn bcbecftc. SÜUib* 
fam richtete er fid) auf. Unb 
bann begann er gu wanbern. 
3n bem engen Ooeoiert bes 
3eltes febritt er raftlos bin unb 
her. Sr fühlte fid) ber Stimme 
beraubt. ©ur bie ßippen mur- 
melten ungebörte ©efeble. 

tiefer ungeheure SdptcefaU 
... es war ein Sisl)anbfd)ul), 
ben Suropa il)m oor bic ftüße 
warf . . . unb ben er nid)t 
aufaunebmen oermoebte. 

©ber wie weit reichten 
Sd)nce unb ftroft? ©is in bic 
warmen, weichen Steppen bes 
Gicblerlanbes? ... Unmöglich! 

So weit tonnte bie ©lacht 
... bie £unft bes ffeinbes 
nicht geben . . . ©ur oorwärts! 

. . . ©ur heraus aus biefen 
leßtcn ©ergenl 0a . . . jen- 
feit ber Steppe ... ba mußte 
ber Sommer wieber beginnen. 

©So blieben bie ffluggcuge, 
bic ihm ©telbung brächten, 
wie cs ba uornc ftanb? 0er 
Schnecfturm ließ teinen ©oten 
burd) . .’ . 

ßaufchenb hob er bas Ol)r 
. . . ba! . . . Sin Surren oon 
^ropellcrflügeln. Sr riß ben 
©orbang gurücf unb trat ins 
ffreie. ^Srüfenb überflog fein 
©uge bas bunftige Himmels¬ 
gewölbe. 

0a . . . 3n böchüer Höbe 
ein ©iinftdjen . . . ©Sar’s einer 
oon feinen JJIicgern? . . . 

©lit taum begäl)mbarcr Un- 
gebulb wartete er. Sein ©uge 
fiel auf bie Sruppe ber Offi¬ 
ziere, bie il)n fdjwcigenb an- 
ftarrten. Sin argwöbnifdjer 
©lief überflog priifenb bie ©c= 
fidjter. Sal)en ftc bie ©er- 
gweiflung, bie in ihm tobte? . . . Grfannten fie bic 

Qualen, bic feine Seele folterten? . . . 

Soüten fie fel)cn, baß er bas ßeßte feiner ©lad)t, bie 
Herrfdjaft über fid) felbft ocrloren? ©tit einer fd)merg* 
haften ©nftrengung oerfueßte er feine ©lienen gur ©uße 
gu gwingen. 

0er ©uf: „ftlieger oon uns!" brang an fein Ohr unb 
wirfte erlöfenb. ©od) wenige ©linuten, in benen alle 
©ufmerffamteit ber nabrrfommenben ©lafd)inc galt. 
0ann lanbete bas ^Iug^cug. 0er ftliegcr fam, oon 

oielen Hünben gewiefen, Ijinaufgceilt. Staub oor ihm. 

Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 



„Idyll“, Gemälde von Theodor Baierl 

Mflnchner Glaspnlast-Ausstcllung 1923 







Seite 942 


0 i e ® o cb e 


Kummet 42 


„Bo tommft bu ßer?" 

Ural!" 

„SIBie meit reicht ber Schnee?* 

,,3315 aum Saifan 9^or! 0fe (Ebern bes Saifan 9Jor 
ift noch braun unb meiß. 3c toetier icß na<ß Often tarn, 
befto meißer mürbe bas ßanb." 

„0as Sieblerlanb . . .?" 

/,Siegt grün in feilem, marmem Sonnenferne 

Gin 2Miß ^urfte aus ben klugen bes Sogßon. 

„Oormärts!" 

Beitßin ßallenb . . . bie Offiziere etettrifierenb, brang 
ber 9iuf oon feinen Sippen. Gin 9iucf mar burcf) bie ©e* 
fialt bes Regenten gegangen, 0 as 4 ilte Siegcrbemußtfein 
lom gurücf. 2 )lit einer flogen ©efte manbte er fid) ju 
feiner Umgebung. 

„Oormärts! 3n ein paar Sagesmärfdjen finb mir im 
blüßenben Sieblerlanb. 0a ift Sommer! ... 0a iffs 
marin! . . . Schnell oormärts! ... 0a finben mir ben 
Gegner unb feßlagen ißnl 3eber Sdjritt bringt uns näßer 
an bas fonnige 3id unb an ben Fctnb." 

Bie ein Sauffeuer pfiangte bas ^ommanbo fuß fort. 

SUuf! . . . Oormärts! fd}aHte es burd) bie raftenben 
Kolonnen. £ier fcßneüer, bort iangfamer erhoben fid) bie 
lagernben Sruppen. 0ie Formationen fc^Ioffcn ficß ju- 
famrnen. 0 ie müben ©lieber festen fid) in üttarfeß. 3 n 
unabfeßbarem 3 nge ftrebte bie gelbe |>ecresmacßt oon 
neuem gen Beften. 

So ging es Stunben ßinbureß'. Sd)on ftanb bie Sonne, 
bie an biefem Borgen mit i^nen im Often aufgebrodjen 
mar, meit oor ißnen im heften. 0od) il)re Strahlen 
fehlten, £aßl unb grau blieb ber |>immei. Unabfeßbar 
ftredtc ficf) bas meiße ©efilbe. 

0 ie Dämmerung tarn .. . unb ftärter mürbe ber Froft. 
Gr preßte ber Suft bie leßte F ßUc ^^ 9 ^eit aus. 9ln ben 
bizarren Sfelctten ber im oollen Sommerlaub erfrorenen 
93äume bilbete fid> munbcrlicßer 9kußreif. Gin^elne biefe 
Sfteiffloden fielen aus ber faft minbftillen Suft. 

§in unb mieber gerrig ein meitßin ßallenbes brachen 
unb 0onnern bie 9lbcnbftille. 0ann mar irgenbmo ber 
fo plößlid) gefrorene 93oben in meilenlangen Spalten 
auseinanbergeriffen. 

9iur nod) müßfam hielten fid) bie Kolonnen in 93e= 
megung. Smmer häufiger mürben bie Stürgenben. $eine 
§anb ftreefte fid) $u ißrer §ilfe. 0 a enblid) tarn ber 33efeßl: 

„£altl" 

©lüdflicf) bie, in beren SRäße SIBalb roueßs. 3 m klugen* 
blief fragten bie Stämme unter ben Schlägen ber sHjte. 
Um bie lobernben Fe Uß t brängten bie Solbaten ihre er* 
ftarrten ©lieber. 

^n oielen Stellen gerriß feßon jeßt bie Orbnung. 0ie 
fein §o 4 mehr fanben, oerließcn ihre ‘ißläße unb eilten 
gu ben märmeoerßeißenben F ßUßrn - ®ic meiften, ohne 
fid) um Slusriiftung unb 'Baffen gu fümmern. 0icßt an* 
einanber gebrängt ermarteten fie ben borgen. 

9iad) enblofer SRacgt oerriet bas ©rau im Often ben 
fommenbcit Sag. F°f* niebergebrannt maren bie Feuer, 
oerfd)munbcn jeber Balb, fomeit er erreichbar. 

0er neue Sag begann mit neuer Qual. Bährenb bie 
$unberttaufenbe oom Jpodjfommen bes Sagesgeftirns 
Grmärmung erhofften, nahm ber F ß °fi immer mehr gu. 

9tur mibcrmillig, ermattet bis auf ben Sob, folgten bie 
Sruppen bem Signal gum 9lufbrucß . . . fomeit fie noch 
gu folgen oermodjten. 'ükrgeblid) mürbe gar mancher 
angerufen . . . nergeblicß gerüttelt . . . 0ie Soten er* 
hoben fid) nicht. 

9tur langfam fehrte bas Scben in Jene gutücf, bie 

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noch bie ©lieber gu regen oermod)ten. Staum tonnten 
bie §änbc nod) bie fdjmeren Baffen ßalten. 

Scßmerfäüig feßten bie gelichteten, faum georbnetert 
Kolonnen fteß in Semegung. Schon nach turger 3dt 
oerfagten bie Kräfte oon neuem, ©ei geringen Uneben* 
heiten bes Kobens taumelten bie ÜNarfcßierenben, fonn* 
ten ficß nicht mehr aufrechthalten unb ftürgten nieber. 
Smrncr größer mürben bie Raufen ber 9tacßgügler, bie 
nach ber oerfdjeibenben ©lut ber oerlaffenen F ßUCr * 
ftätten feßmanften unb ficß bort niebermarfen . . . gur 
9tußc . . . bie meiften gur emigen 9tuße. 

Um bie SORittagsftunbe mar bie Stätte fo geftiegen, baß 
jeber Beitermarfcß gur Unmöglid)feit mürbe. Sd)on feit 
Stunben fäumten bie fortgemorfenen Baffen bie breiten 
§ecrftraßen. 0ie £änbe ber abgefeffenen ^Berittenen 
ocrmod)ten nicht meßr bie 3 ügel gu leiten. Führerlos 
gerftreuten ficß bie Siere über bie Gbene. 

3cßt löften fid) bie leßtcn 93anbe jeber Orbnung. Gs 
beburfte nießt meßr bes $3efeßles, $ol^ aus ben Bälbern 
3 U ßolen unb F ßUß t angu^ünben. Snftinftniäßig ftrebten 
bie Waffen oon ber faßlen Straße fort ju ben ©eßöljeru 
9ln Ort unb Steüe, bort, mo bie erftarrten ^Irmc nod) 
einen Stamm ^um Fa^en brauten, ent^ünbeten fie bas 
§ol 3 unb brängten ficß in milbem 5fampf ums Seben an 
bie rettenbe Bärme. 

SogßomSlßan ritt allein auf ber oerlaffenen £eerftraße 
oormärts. Sftiemanb folgte ißm meßr. 0 ie tobbringenbe 
Spälte ßatte aüe Stanbe ber Sreue unb bes ©eßorfams 
gerriffen. 

W\t gebeugtem Raupte riit er oormärts. Gr faß nid)t 
bie Raufen Sterbenber unb ©eftorbener gu beiben Seiten 
ber Straße. Gr faß nid)t bie meggemorfenen Baffen. 
Gr faß nießt bie ftecfengebliebenen ©efeßüße . . . aud) 
nießt bie brennenben Faß^3 ßU 9 e un ^ bk irrenben Siere. 

0er feßneibenbe Binb gmang ißn, bie Sibcr ßalb 51 t 
fdjließcn. 0 ic bunfle ©lut feiner klugen mar erlofcßen. 
3n ißrem ftarren ©lief lag nid)ts meßr oon ber Gnergie 
bes Belteroberers, bes Siegers ... Gs mar ber ©lief 
eines Sobgemeißten . . . eines Soten. 

Gin Surren in feinem 9tiicfen brachte Stemegung in 
bie eifigen 3 üQ e * ^tarrßeit mieß. 0 ie klugen öff* 
neten fid). Gin leichter ©dang belebte fie. Sogßon jügelte 
fein 9toß unb ßob bie £anb. 

3n geftreeften Spiralen fanf bas F^öWiff 
nieber. Gs mar berfelbe fißnelle ^reu^er, ber ißm bie 
SORelbung aus bem Ural gebracht ßatte. Gr ßatte ißn 
naeß rüdmärts gefeßieft mit bem ©efcßl, fcßnellftens alle 
oerfiigbaren ©pnotßermmengen in Sransportfcßiffen 
ßeran^ubringen. Gs ßatte ißn, als er ben ©efeßl gab, 
noeß ein Ieifes Fünften Hoffnung bemegt, mit $ilfe ber 
märmenben ’^raft bes 0 pnotßerms ben tücfifcßen Unfall 
bes ©egners gu parieren. 

3mar mar er ficß über bas Bie nießt flar. 9lber er 
Hämmerte ficß an biefe ... bie legte Hoffnung, ©icl- 
leicßt, baß ber märmefpenbenbe Stoff, längs ber £>eer* 
ftraße ausgeftreut, bie Äälte fo meit paralpfierte, baß ein 
Beitermarfcß möglich mar . . . ^Iber mas mußte ber 
ü3tongoIenfelbßerr oon ber unangreifbaren ©emalt 
feiner ©egner? 

0 as Ftogfcßiff ftanb neben ißm. iReubclebt glitt er 
oom ^Pferb unb (prang in bas Sd)iff. ^lutomatifcß feßlug 
hinter ißm bie Sür ins Sd)loß. 0ie moßlige Bärme, bie 
ißn ßier umgab, mollte ißm im erften Moment ben Eltern 
rauben. 3 U 9 ro l 3 ©egenfag smifdßen bem tob* 

bringenben F ro fl braußen unb ber belebenben Sem* 
peratur ßier brinnem (Fortsetzung folgt.) 

Original from J 

PRIINCETON UNIVERSITY ' 



■y+r, 


Kummer 42 


® i e ® odjc 


Seite 943 



„Dfer Rosen kavalier", Radierung von Martin Claus 

August Scherl G. tn. b. H., Kunstverlag, Berlin 

Octavian: Mir ist die Ehre widerfahren, 

daß ich der hoch- und wohlgeborenen Jungfer Braut 

in meines Herrn Vetters Namen, 

dessen zu Lerchenau, 

die Rose seiner Liebe überreichen darf 

Aus „Der Rosenkavalier", Text von Hugo von Hofmannsthal, Musik von Richard StrauO. Verlag Fürstner, Berlin 


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Gck gle 


Original from, 

PRINCETON UNIVERSITY 
















Geitc 944 


C\eute unterfdjeiben toir ätoei Wirten oon Spesen: bie 
*ck einen finb üususftütfe oon erlefettem 3 Bert, Gbel-- 
pel^e, toie 6 ilber=, 33lau* utib Gdjtoarafüdjfe, (Ef)ind)iUa, 
£>ermelin, 3öbel, Oiera nnb 93 reitfchtoan 3 . 3hre 6 d)ön« 
tjeit ift unbeftritten, aber mir toollen oor adern toarm 
uitb metterfeft ange^ogen fein, um allen 93 ertef)rs* 
unbilben trogen 31 t tonnen, ©esfjalb brauet unfer 
6 d)önf)eitsfinn nid)t au leiben, felbft bas einfache spela« 
rnert fanu gefd)matfooll fein. 5 )ie rührige beutfd)e 
^eläinbuftrie fefjafft aud) spelatoert für bie fparfame 
^Bürgersfrau, bie oor allem ein marmes Äleibungsftüd 
haben toill. 0 er ertorene ßiebling ber 3 Jtobe ift bie 
turae ‘ißcljjad'e. 6 ie erfeßt S^oftiim unb iDtantel, ift 
flott, tleibfam unb, mit einem fefd)en SJtanteltleib ober 
einem 91od mit 3Befte ober 3 umper getragen, bie 
ibeale 20 'tnterEleibung. 6 d)on roeil toir barin immer 
gleichmäßig toarm fmb unb Jyeudjtigfeit unb Spälte 

Im Kreis: Eleganter Nachmittags- und Abendhut aus 
schwarzer Seide mit Brokatinnenkrempe und farbigen 
Straußenfedern. Modell: M. Gerstel 




»Ar 

; ■ v > ■ w 


Kummer 42 


Links. Neuartiger Capemantel aus Maulwurf 
mit überfallendemRücken; derMantelwird eng 
um den Körper drapiert. Dazu Kappe aus Zy» 
linderseide mitMaulwurfbesatz. Modelle:M. Gerstel 


Unten: Kurze moderne Pelzjacke aus Seal mit 
verlängertem Leibchen und Taschenpatten mit 
bunten Passementerien. Modell: Aronoff & Cassamo 


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Nummer 42 


3) t t 3Ö o ch c 


Seite 945 



biefen „^anjer" nic^t fo 
leicht burdjbrtngen. Nls 
Ntaterial wählt man gern 
Sohlen in Srf)war$, (Srau 
unb Naturfarben mit einem 
abwcidjenbcit Bejafc, fl. B. 
in grauen Gölten. 3» Braun 
nimmt man oft Nutria, 
Bibcrett ober Sibet, aud) 


bic langhaarige 3 ^ 9 * liefert in ©rau 
ober Sd)war$ einen tjübfehen Bejah, 
ber erfdjminglich ift. Selbft für ben 
beliebten Niaulwurf, ber heute fchon 
toftbar ift, gibt es eine gute Nach* 
ahmung. Sie beftcht aus gefdjore» 
nem, graugefärbtem Kaninchenfell, 
bas heute überhaupt 31 t bem begehr» 
teften ^elawert gehört. Nur erfennt 
mau es gewöhnlich nicht toieber, weil 
eben bie (Silbe ber ßeip^iger 3 nrid)ter 
gerabe^u eine Sllciulunft aus ber 
„Umwertung aller Bkrte" macht. 


Unten links : Kurze graue Fehjacke 
mit Pelzgürtel, dazu brauner Filz¬ 
hut mit grauen Hahncnschlappen 

Modelle: M. Gerstel 


Unten rechts: Abendmantel aus 
grauem Feh mit weiten Ärmeln und 
großem Kragen mit Affenfellbesatz 

Modell: Adolf Doll, Berlin 


Im Oval: Neu¬ 
artige kurzePelz- 
jacke mitVorder- 
gürtelausschwan 
zem Fohlen, dem 
Modenpclz, Be¬ 
satz aus Blau¬ 
fuchs u. bunter 
Passementerie 
an den Taschen 

Modell: Aronoff und 
Cassarno, Berlin 


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Kummer 42 


©a£ perrätertfc^e ©eftc^t 


über bie 9farm hin¬ 
aus überm eitfdjlidjes 
9ftaß befitjt, ben na« 
tiirlidjen gunttionen 
unb Trieben ber &rea= 
tur entziehen fann, 
Sitan ift ober Schau« 
fpieler feines Selbft, 
fo roirb bas ©efidjt 
im^efles ber (öcfiiljle 
immer ein Spiegel ber 
Seele fein. Unb bas 
um fo ftärfer, je pri» 
mitioer ber Sftenfd) 
empfinbet, je roeni» 
ger (Erziehung ober 
Selbftbifziplin, 93il« 
bung ober Kultur ihn 
über bie ftumpfe 
SCUaffc hinausheben. 
3)as gequälte Sier 
fcfjrcit; ber gequälte 
SJtenfd), ber nie mehr 
Sier ift als im Seiben, 
fdjreit auch, unb fein 
(&eficf)t toirb bie 
(Smpfinbungen bes 


/TJs gibt nur toenige 
\£ Sttenfchen, bie 
beit Slusbrucf ihres 
©cfid)ts fo ooltfont« 
men bef)crrfd)en, baß 
man nichts non ihrer 
(öemütsbeioegung 
mertt. 9)tan fagt, 9ta. 
poleon fei ein folcßer 
SQtcnfch getoefen. ^ber 
aud) er hqt roohl nur 
eine iDlaste getragen. 
Unb ba fein Sdjidfal 
ßch bei SBaterloo er« 
füllte, mag in fein fab 
tes Sluge roohl auch 
bas (örauen getreten 
fein, in bas 9luge, 
bas ungerührt bas 
Srauerfpiel bes ruffi-- 
fd)en gclbjugs ge. 
fehen .... 

9tein, 9ftenfd) fein 
heißt unterroorfen fein 
ben 53ebingungen ber 
9tatur, unb roic ßch 
niemanb, ber nidjt 


Massenbegeisterung 


Der kindliche Ausdruck. Gesichter von Kindern aus einer Schule 
setzen Gebiet, die Spannung, Neugier und Angst zeigen 


Ängstliche Erwartung 


Schmerzes oerzerrt fpiegeln — es fei 
Denn, er hätte fid), roic gefagt, fo in 
Der ©eroalt, baß er ettoa bem Schmerz 
beroußt ben SBillen eutgegenfteHte, bas 
Schmerzgefühl unter allen Umftänben 
ZU unterbriiden. 9Jtan ßnbet biefeit 
^Bitten fdjon bei SUnbem, zumal bei 
ftnaben. 9)tan benle nur an bie tleinen 
Spartaner, bie hoch birefi burch 9Jtiß- 


und Erschöpfung. Gefangener englischer Flieger, der im Luft- 
kampf abgeschossen wurde 


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9?ummer 42 


© i fe lode 


6dtc 947 



hanblungett unb (Ent¬ 
behrungen aller 9lrt 
ba ( ^u erlogen rourbett, 
ihre roahren (kcfiihle 
311 verbergen. ‘jJlu bie 
3 nbiaiter, btc felbft 
am Vtarterpfahl beit 
Schmers nicht geigen 
burften, rooUten fic 
nicht bie 9litroartfchaft 
auf bie einigen 3 anb= 
griinbe unb bie ^d)-- 
tung ihrer Stammes» 
angebörigen oerlieren. 
Heroismus V 'Vielleicht. 
Dod) nennt bequeme 
(Ersichcrmoral bas bei 
Äiiaben, bie [ich prü» 
geht laffen, ohne ihren 
Schmers 3« acigen, 
auch oerftoeft. 

3lber gleichoiel: bie 
Statur gab bem Vien- 
fchen bas(£>eficf)t, burch 
TUimif bie (£mpfinbilli¬ 
gen unb Cöcfiihlc feines 
3 nnern 311 iÜuftrieren, 
Spiegel roerben 311 
laffen non greube unb 
Sd)mer 3 , Vegeiftcrung 
unb (kleid)giiltigteit, 
9Bärmeunbtfälte,£iebe 
unD £>ag, SJtut unb 
geigbeit, Vegierbe unb 
Slngft, tur 3 : bie gan 3 e 
Sfala menfcblicher, 
menjd)Iichdicrifcher(öe= 
fühle oon bem „himmel» 
hoch jauchsenb" bis 311 
bem „suDobe betrübt" 
ober oöOiger Vcrblö» 
bung in (Erfdjeinung 
treten 311 laffen. SlUes 
anbere ift nur TNasfe, 
ift nur Scbaufpielerei, 
oft mehr, oft roeniger 
gelungen. Unb ba, roo 
es üorbeigcliitgt, ebenfo 
häßlich roie lächerlich. 

(kernig, es ift niiht 
gerabe nötig unb 


fid)er aud) untlug, fein 
§er 3 , roie man roobl 
fagt, auf ber fpanb 311 
tragen, jebe Verocgung 
ber Seele fofort ben 
anberen 311 oerraten. 
Diftaii 3 gefüf)I ift immer 
beffer, als geh 9 leid) 
hemmungslos in Slffet- 
ten 311 oerfchroenben. 
Dasgeheimnisooü oicl* 
heutige fächeln ber 
Vtoita£ifa ift fqmpatbi» 
fchcr als bie offene 
Rodung ber birnen* 
haften grau. Die ffep» 
tifege 3 ur i’ lc fhoItung 
bes reifen TRamtcs an¬ 
gebrachter als bcc un« 
oerhiiUte lleberfchroattg 
bes unreifen 3 üng. 
Iings. Die falte Vlague 
bes Diplomaten sroed* 
mägiger als bie auf- 
bringlidjc (kefdjroägig» 
feit bes Vicrphilifters. 
Slber roer möd)te nicht 
in ben Slugen bes $*iit» 
bes, bas man mit einem 
(öefdjcnf 311 erfreuen 
glaubt, ben frohen 2 Bi- 
ber[d)ein ber greube 
feheit, roer im Vntlig 
einer grau, bie man 
liebf, bas Dantes» 
lächeln, roer in ben 
Stutiben intiigften 3u« 
fammenfeins bort bas 
füge Vergehen miffen, 
roer in Vtoinenten ber 
Vegeifterung, roetitt ein 
gemein[ames 3 &eal bie 
Vtcnfchen eint, bie 
SDtaffe ftumpf finbenV 


In der Mitte: Stilles Glücks- 
g e f ü h 1. Ein junges russisches 
Ehepaar 


Links: Stolz und Freude. 
Augenhlicksaufnahme eines deut¬ 
schen Kampffliegers nach gefähr¬ 
lichem, aber erfolgreichem Flug 


Rechts : Niedergeschlagen¬ 
heit. Englischer Flieger neben 
den Trümmern seines Flugzeugs 


Oben im Kreis: Andacht und 
Versunkenheit. Betender 
polnischer Jude 


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Seite 948 


® i c ® o cf) e 


Kummer 42 



ftrau 5 ur SJtabonna. Vid)ts fdjöner als 
klugen, bie in Vegeifterung glühen. Vid)ts 
trauriger als ein Stinb, um beffen SDhtnb 
bie SHngft zueft. Vid)ts fd)rcdlid)er als 
ein (£>epd)t, aus beffen nertierten 3hQ cn 
bas Verbrcdjcn ftiert. 9tid)ts lieblicher 
als unberührte 3ugenb, bie noch träumt. 
Spiegel ber Seele oon jeber Srfdjiiltc* 
rung in gefaxter Verhaltenheit — bas 


Wut und Schmerz. Ge¬ 
sichtsausdruck eines ge¬ 
fangenen Scnegalnegers 

Vrmc ftinber, aus bereu 
ücinen (öcfid)tern bie Vot 
beit Vusbrucf oon 3 reu ^ c 
roie oon Vngft gleichenoeifc 
oerbannt hat! Vrmes (öe* 
finbel, bas ftumpf ergeben 
fein Slenb trägt unb nicht 
einmal mehr Verzweiflung 
fenntl Vuffdnoung abclt 
felbft bas geioöhnlichftc (£>e= 
ficht. 3reube oertläet. Üicbe 


foll basSÖlenfdjenantlifc fein. 
Vicht ftarre SUtasfe, bie 
täufdjt. 3m (öarten Sben 
loaubeln Sugel. VMr ftnb 
Vtcnfdjen. 5iir Sdjaufpicler 
gibt es bie Vühne. 5iir 
Vtenfdjen nur bas ßeben. 
«yiir falte Teufel Verachtung! 
3ür s Dtcnfd)cn bie Siebe 1 
Vud) wenn bie Kreatur 
fdjreit unb l)ägltd> roirb. 


Eitelkeit u. Verlegen¬ 
heit. Aufnahme einer 
rumänischen Zigeunerin 


heiligt. Schmerj mad)t bie Stumpfsinn und Verkommenheit. Alter lettischer Bettler (Schluß des redaktionellen Teils) 



Z.” AM RHEIM 

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Am Kamin eines Gesellschaftsraumes der „Pittsburgh" 


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Zimmerflucht der ersten Kajüte auf dem D „Pittsburgh“ 

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Kummer 42 


20. Oftober 1923 


D) „PITirSBURGin&LBIgig IHIAMIB1LJIRG-NEW YOIRIK 


m 


D „PITTSBURGH“, 
der beliebte u. elegante 16322 
Tonnen-Dampfer der White 
Star Line, der in diesem 
Herbst in den Dienst Hamburg 
—New York eingestellt wird. 
Oben /in£s:DerKapitän. Oben 
rechts: Die eigenartige An¬ 
ordnung der Rettungsboote 


NEW YORK 

DieFreiheitstatue amEingang desHafens 
vonNewYork. Rechts: Das Treppenhaus 
der „Pittsburgh" mit der Auskunftstelle 


VI 

- i hl firf t* 1 




TORONTO 

Auch in dem Geschäftsviertel dieser 
kanadischen Stadt beherrschen die 
Wolkenkratzer das Straßenbild 






3 


_ 
































!0. Oftober 1923 


® { e <3® o d> c 


Shtmmet 42 


<Q>© 


Rätselecke. 


©© 


Silbcnrätfcl. _ 

a — ban — chi — chei — daph — del — dorf — e — et — 
fa — fe — ga — gat — gat — ge — gi — gon — im — in 

— kow — la — land — le — lei — ma — men — mitz — 
ne — ne — nou — ranth — ro — rol — sam — see — sold 

— sprin — sti — sto — tal — tar — te — tüf — tui — u — 
ucht — wa — zers. 

$lus bxefen Gilben finb 19 3 Börter 31 t bi Iben, bereif Anfangs» 
unb (Enbbud)ftabcn, non oben nad) unten gelcfcn, einen Sprud)_r>ou 
Berber ergeben. 1 . 5 ^ 9 ur &cr ölten bentfdjen Ipelbcnfagc, 
2. 5)eut[d>er 'Dtaler, 3. Stabt in ber s 2lltmarf, 4. ©efannier 
grembenort in Obcrbapern, 5. Ocsinfeftionsmittel, (5. 5 jgur aus 
einem iRolierc*^uftfpiel, 7. getonnter Ort naf)c bei JJBien, 
8. ©affcrfal)r 3 eug, 9. gutteral, 10. Hird)cnfonntag, 11. (Erjagen* 
bes (£>ebid)t oon 5 kbir>it}, 12. üBermäd)tnis, 13. pftpreufcifcfyej^alb' 
infei, 14. Sanbestcil auf bem Halfan, 15. (Er 3 &f)lung uou Storni, 
16. 3nbuftrieftabt in ^öljmen, 17. 5-igur t*r gricdjifcfyen 'Dlptijo« 
logie, 18. Oiftrift im Slongoftaat, 19. Süfjigfeit. (ch am Anfang 
bes 2Bortes ein 33ud)ftabe.) 


edKrsfragc. 

2BcIcfycs Jabrifat fann man mit brei 93ud)ftaben fdjreiben? 

•agaaw® = Q — /& — O 


©eograpfjie! 

(Einer Stabt im Often eine Stabt am 9tf)cirt f)in 3 ugcfiigt, 
(Ergibt eine Stabt, bie im fernen, fonnigen Süben liegt. 


Auflösungen der Rätsel in Nr. 41. 

Silbenrätsel: l. Wapiti, 2. Rachitis. 3. Ivsgiin. 4. Dechanei, 
5. Nieritz, 0. lr\ing, 7. Ulan, 8. Duma, 9. Löffel, 10. Eilsen. 11. Diana, 
12. Schadow. 13. Osnhatz, 11. l'polu. 15. Nicolaus, l(>. Delphi, 17. Emu, 
18. Merseburg, 19. Ejub, 20. Egon, 21. Droschke, 22. Nowgorod, 23. In¬ 
sekten, 24. Georgine, 25. Maria, 26. Chrysolith, 27. Erden. Wir sind 
einzig und allein das, wozu uns die umgebenden Dinge machen. — 
Grundverschieden: Maß. — Geographie und Zoo¬ 
logie: Pavia, Pavian. — Warnung: Vorstand, Verstand. — 
Zum Winter: Ofen. 



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cur io £ 


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Go^ igle 


IDO» ifl Jeuriol 

Jeurio ifl der uralte $eucrruf, bedeutet 
0 efal>r. — 3 l>re tDäfcf^e leidet meljr durd) 
häufiges U)afd)en mit fdjarfen EDafdunilteln 
ala durd) den ®cbraud>. üerroenden Sie 
dal>er nur f>od)t»ertige 6 eifen, die frei find 
von fd)ädlid)en fllfalten. $eurio 6 auet>alt' 
feife enthält 80 % $ett, fdjont daljer die 
tt)äfd>e und ifl fparfam im fcebroud). 

ücrdnigtc6cifcnfabrifcn6TuÖgart 


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PRtNCETON UNiVERSITY 
























Hummc* 43 




Berlin, 5cn 27. 0ttob«t 1925 

i«s:’:a 


25. 3<*l?«rgaits 



Kuoferstichkabinctt, Berlin 


Ankunft der Komödianten in der Kleinstadt. Stich von Oudry ( 18 . Jahrhundert) 

2Blrffdjaff$frffe 5er beuffrfjen Sfjeofer 

33on 3nfenbant ©corg Öürfmöitn (C£f?arIottenburg) 


05 ^ema ift infofern nid)t gcrabe neu, als bie 
Slöirtfcfjaftsfrtfe im beutfdjen 3:l)caterlcben fdjoit 
feit einer langen Sfteihe oon 3at)ren im Sange ift unb 
üielfacf) ber Segcnftanb auefüf)rlid)er (Erörterungen in 
treffe unb Parlament geroefen ift* 

SBielleidjt toirb auch fo mancher fageit, baß bie 9iot ber 
beutfdjen Sweater eine fo natürliche unb felbftoerftänb* 
liehe Segleiterfdjeinung ber allgemeinen beutfehen ®irt= 
fd)aftsnot ift, baß, abgefefyen oon ben betroffenen ^Berufs* 
freifen, faum ein Einlaß oorliegt, biefer 9tot befonbere 
Slufmerffamfeit zu fd)enfen. C5Sctüiß, bie Stillegung oon 
ftabriten unb bie (Erbroffelung ganzer (Ertoerbsztocige 
ift ettoas, mas, oolfstoirtfcbaftlicf) betrachtet, nod) ganz 
anbers ins Cr>etüid)t fällt als ber oerhältnismäßig Iang= 
fame, toenn aud) ^tre ^uftöfj^sprojefj, in bem fid; 


bie einft f)ocf)angcfcI)ene beutfeße Sheaterfunft heute bc* 
finbet. 3lber oerlorengegangcnc Kulturgüter fmb fo 
leicht nicht toieber crfd)affbar, toie oerg!eid)Sioeifc unter* 
brod)ene Söcrftätigfeit, toenn einmal frcunblid)cre Sdjicf* 
falstocnbung toieber £>anbel unb 9Banbel aufs neue in 
ftluß bringt, oerhältnismäßig fchnell toieber belebbar ift. 
Sd)on aus biefent Srunbc folltc allem Seiftigen unb 
Kulturellen heute hoppelt unfere Sorge gehören. 

0aß z u bem geiftigen unb fulturellcn Scfidjt 0eutfdj= 
lanbs unfere $f)eaterfunft einft mit an erfter Stelle ge= 
hörte, fattn ohne Übertreibung gefügt toerben. 9öo toar 
bas ßanb, bas rein zahlenmäßig fooiel ernft arbeitenbe 
^Bühnen auftoies tote ©eutfd)lanb? STiidßt einmal in 
ihrer §cimat fanben — id) nenne nur 3bfen unb Strinb* 
berg — bie auslänbifchen Sichter oo^ $cmg eine fo 

PRIiNCETON UNIVERSITY 






Seite 950 


® l c 3S o d) t 


Summer 43 


liebeooüc unb oollenbete 3nterpretation tüte bet uns. 
©eutfdjc Segiefunft uon ben Meiningern bis 311 Ma£ 
Scinharb roaren weit über ©cutfd)lanbs ehrenden bal)it= 
bred)enb für bie Theaterfunft überhaupt. Unb tnettn 
beutfdjc Muftffunft, oertreten burd) il)re beften Opern- 
fäitger, nod) Ijcutc überaü Weltruf genießt, fo oerbanfen 
mir biefen fünftlcrifdjen Sefpeft, oielleicßt betx leßten 
Sefpeft, ben mir gur^cit in ber Stelt genießen, ber ernften 
beutfd)cit Tßeatcrarbeit, bie, uott einigen großftäbtifd)cn 
Smüfiertheatern abgefehen, bas Riinftlcrifchc ftets über 
bas rein Sefd)äftlid)e ftcllte unb, geftüßt auf bie Schürf- 
niffe eines etßifd) oecaitlagten Golfes, ftd) troßbem am 
£eben 3U halten üerftanb. 

Man braud)t fid) biefer Momente nur bemußt 31t 
merben, um 3U erfennen, baß mit ber latenten SMrt» 
fd)afts!rife ber bcutfd)cn Beater ein ()oI)es, bas ganse 
£anb angeßenbes Sut gefäl)rbet ift. W\t ftel)t es nun 
gegenroärtig mit biefer Rrife? 

Unt bie 2 M)rf)eit 3U fagen: bie SRrtfdjaftsfrife ber 
beutfd)cn Theater, fd)on feit mehreren Sintern bes Miß- 
ocrgtiitgcns am Sterben mittlerer, aber burdjaus roert- 
notier Runftftätten im Seid)e erfettnbar, mirb, menn nid)t 
alle 3etd)cn trügen, fdjon in aUcrnäd)fter Seit aus betn 
latenten Stabium in ein l)od)gefäl)rlid)cs afutes treten. 
Muß in bies Stabium treten, meil es immer fd)roicriger, 
ja faft mit jeber GpieIrood)e unmöglid)er mirb, in ber 
bisher geübten ober menigftens nod) teilroeife geübten 
ernften fünftterifeßen Steife im ©cutfd)lanb oon heute 
nod) einen Theaterbetricb aufred)t3uerl)altcn. 

©ic fd)cinbarcn Heilmittel I)cißen aud) l)icr Sbbau unb 
(Einfdjräitfung. ©er Sot gef)ord)enb, nid)t beut eignen 
Triebe, gelten bie forgcnbefd)mcrten Theaterleiter immer 
mel)r ba3u über, bas Serfonal 31t oerringern unb alle 
Ausgaben für ©eforationen auf bas äußerfte cin^u® 
fd)ränten. Theater mit größerem ^terfoital fönnen ftd) 
ol)nc namhafte 3ufd)iiffc fclbft bei täglid) ausoerfauftem 
Haufe nid)t mehr galten. 

(Es crfd)eint meßr als fraglid), ob unter ben beseitigen 
Serßältniffen Staat unb Kommunen mirflid) in ber Sage 
fein merben, biefe 3 u fd)üffe, beren Milliarbei^aßlcn am 
(Eitbe ber Saifon ins Sigantifd)e gefeit bürften, mirflid) 
bei3ubringcn. ^ebenfalls maren bie großen, fiinftlerifd) 
mcrtoollcn Safdpißtßeater nod) nie fo in Sefaßr, ein 
Opfer ber allgemeinen ftinaisnot 31t merben, mie jeßt. 

©ie felbftänbigen Theater, bas l)cißt bie Theater, bie 
fid) aus ißren (Eingängen erhalten miiffcn, fteßen, fomcit 
man bie näd)fte 3 u *unft überfeinen fanit, ebenfalls oor 
einer faft unmöglichen Aufgabe. 3eßt am Einfang ber 
Saifon fielet es uatürlid) nod) oieluerfpred)enb aus. ©a 
ftellt man, um ben iit3mifd)cn oorgenomtiieneit Sbbau 
bes mcrtoollcn (Enfcmblcs 3U oerbetfen, in größeren 
Opernl)äufern einen großen C^>aft nad) beut aitberen her- 
aus. ©er Kenner aber meiß, baß biefe Metßobc fuc3c 
teilte l)at, meil für bie Hauptfaifon bie großen Zünftler 
fid) ja fd)ott längft ins oalutaftarfe Suslaitb oerpflid)tet 
I)aben. Steil bie oalutaftarfen fyrembeit, bie, abgefel)cn 
oon einer immer Heiner merbenben Sd)id)t reidjer 
©cutfd)er, ja allein ben erhöhten Coaftfpielpreifeit auf 
bie ©alter geroadpen ftnb, jeßt, nad)bem man aud) im 
beutfdjen ^Tf)catiHrfectrieb beitTSteltmarftpreis nal)C3U er= 
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rcid)t, menn nicht iiberfdjritten hat, immer mehr fort- 
bleiben merben. 

Unb bie fonftigen (Erfparttiffe? Oöeroiß, man fanit aus 
ber Sot eine Tugenb mad)en unb 3mecfs (Erfparnis teurer 
Ruliffen immer mel)r 3ur Stilbül)ne übergehen. Sur 
baß gemiffe Runftgattungen mie bie Oper bas nicht oer- 
tragen unb bie menigen Sühnen, bie im glücflid)eit 
Sefiß eines ftuitbus jitib, hoch immer ben Sogei ab» 
fd)ießen merben. 

©as Sd)limntfte aber ift bie Unniöglid)feit, neue ©efo= 
rationen unb Roftiime für neue Sterte att3ufd)affen. ©eit 
(Erfolg feßen mir. 3 mmcr mieber Scucinftubierungen 
alter ausprobierter Sterfe. 3 ttimer meniger frud)tbares 
£cbcn, immer fcltener füuftlcrifdjer Unternehmungsgcift. 
3n natürlidjer Seaftion ßicroon, immer meniger ^3ro= 
buftion lebensfähiger Sül)nenroerfc. Seroiß I)at oielen 
unter uns, als mit beut 3 u famiitcnbrud) ©eutfcßlanbs 
SMrtfdjaftsnot für lange 3 eit befiegclt mar, fo etmas rote 
eine felbftrettcnbc $lud)t in eine befonberc Sflcge oon 
Seift unb Runft oorgefd)mebt. ©iefe Sot aber, bie bem 
©id)tcr unb Romponiften bas Rapier entminbet uitb ihn 
nid)t bem ftanbesgentäßen H un ger, fonbern, menn er 
mirflid) nod) an fünftlerifd)cs Sd)affen benft, glattmeg 
bem Verhungern preisgibt, hat nid)ts Sefrud)tenbes 
mehr. 

Slfo fein feftes (Enfemble mehr! Rein ben Sterten 
angemeffener Sufroanb an ©cforationen! Reine Mbg= 
lid)feit mel)r, als Theaterleiter bid)terifd)cs unb mufi» 
falifcßes Sculanb 3U erobern uitb ber Runft um ber 
Ruitft roillett 3U bienen. Sud) bie Heran3iel)uitg bes 
neuen fd)aufpielerifd)cn Sad)roud)fes ift faft ausgefcßlof» 
feil, meil ber unfelige Tarifgebanfe, ber ein Theater mie 
eine Sabrif anftel)t, bie Snfängcr am Theater faft cbenfo 
befahlt miffeit mill mie alte Mitglieber. 

(Es ift unter biefen Umftänbcn ben Theaterleitern 
nid)t übernehmen, baß fte immer mehr 3um reinen 
Scfd)äftstf)eater übergehen. Ob aber hierin, abgefehcit 
oon beut Sdjabctt, ben eine folcße (Entmicflung für bie 
bcutfdje Theaterfunft als fold)e bebcutet, bie Rettung 
aus ber S 3 irtfd)aftsfrife oon heute liegt, erfeßeint mehr 
als fraglid). ©ic Unüberfel)barfeit bes Sagenetats unb 
bie Unmöglid)feit, aud) nur für eine Stedje einen (Etat 
auf3uftellen, ba3u bie Roßlen- unb Seleucßtungsfrage, 
bie ben Tl)caterbefud) immer mel)r einfehränfenbe Teue¬ 
rung ber Serfehrsmittet bürften Momente fein, bie in 
oielen fällen fclbft bas Sefd)äftstl)cater fel)r halb un- 
möglich mad)eit merben. Mag fein, baß es befonbers 
heute nad) ber mirtfd)aftlid)en (Erbroffelung bes fiinftle- 
vifd) intereffierten Mittelftanbcs, ber immer bas Haupt- 
fontingent ber ernften Sühnen mar, 3U oielc Theater 
gibt. Stenn aber überhaupt bie beutfd)c Theaterfunft 
gerettet merben foll, bann muß ftd) ber Coebanfc burd)- 
feßen, baß bie öffentliche Finanzierung großer unb ernfter 
Sühnen, befonbers ber Operntl)eater, bie ohne roefent- 
Iid)c 3afd)itffe überhaupt nicht mehr ejifticrcn fönnen, 
troß ober oicIntef)r megen biefer überaus fd)meren 3eit 
fclbftoerftänbliche 6ad)e eines Solfes 31t feilt hat, bas 
neben allem aitbercit Seib nid)t aud) nod) feinen natiic* 
lid)ctt Sitfprud) auf fitnftlerifdje (Erbauung unb (&> 
fjebung preisgeben miU. original from J 

PRINCETON UNIVERSITY ' 



AUSSTELLUNG IM BERLINER KÜNSTLERHAUS 



Links: „Husar" von Fritz Koch-Gotha 
Oben : „Meine Frau" von Franz Eichhorst 
Unten links: „Stillebcn" von Paul Plontke 
Unten rechts: „Sonate" von Herbert Arnold 


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(Seite 952 


3) 1 c <2B o d> e 


Kummer 4'i 




£|tngö(|goof fei. 2 r t e n 

Mit acht Aufnahmen von Wide World 

u tiefem 6d)mera allen Kennern unb Berehrein S^arl SDtatj’s zur traurigen 9tad)* 
ridjt: 9Jtit ber 3nbianerromantit ift’s in 'ilmerifa oorbei; nod) grünblid)er oorbei als 
troß allen Slufwärmungsoerfucben in ©eutfdjlanb mit ber Spinnftubenpoefie. 3öas aud) 
gefdbaf) t)ier unb bort, um Bergangenheit gegenwärtig au erhalten, — was juftanbe* 
tommt, ift l)öd)ftens ein Stiict SDtufeum, ein geßen Shiriofum, ein Bntiquarsfunb, ein 
Siapitel „Bölterfdjau" oon ben ©ünften bes 3 °°I° 9 ifd)cn (bartens umwittert. ©aran 
laitn’s nid)ts änbern, büß ber ^SXÖei^e Batcr" in BBafßington fclber bie lebten (Schwarz» 
füße ober ©ustaroras empfängt unb offizielle 3 lü i c ipradie mit einem in Oteutjorf auf= 
gefirnißten (£l)ingad)goot hält. ©er 6d)Iußatt Der ©ragöbie eines Zolles wirb baburd) 
ins Sßoffenf)afte entfteUt. 

(Sine ©ragöbie bennod) bleibt bie (öcfdjid)te ber einftigen §erren < 3Imeritas: „Berg, 
Stiom, 3öalb, ftifd) unb 3Bilb, / Blies SRoter SOtann, / ©eißer ©Rann tommt, mit ihm 
großer Baud); / 9\oter ©Rann gibt ^Beißern ©Rann alles, / ©öeißer SÖlann gibt Botem 
©Rann §ölle." 


Ein 107 Jahre alter Indianerhäuptling, 

der als Schauspieler mit großem Erfolg auftritt 


©ie ©raqö= 
bie eines 'Bol. 
tcs. ©as©ra. 
nta oom rcd)t= 

Iofeit ©ted)t bes 6tärteren unb uoit ber unfchulbigen 
6d)ulb ber 6d)wad)beit — bas uralte ewige £ieb. 

£ange ging bie ©lobuftßeit bes (Sowbotjs, bes ©olb» 
fueßers unb bes (Erbölmagnaten ungerührt unb un¬ 
berührt über ihr £anb, biefen einen, großen ©otenarfer 
bes (Erfcßlagenen. 3ft cs nicht fo etwas wie ein 6tiicf-- 
d)en ameritanifeßer ©teroenfcßmäche, wenn man nun 
tonferoieren will, was man juoor umgebrad)t hat? 3ft 
bas gute, robufte (bewiffcit iiußcher geworben, oon 
bes (öebantens Bläffe angelräntelt? „2Benn man hier 
nach öen 3ubiancrn fragt", fo erzählt (buftao Jrenffen, 


Rechts . Die Schriftstellerin Mary Roberts Rhinehart, 

die in den Stamm der Schwarzfußindianer aufgenommen ist und den 
Namen Pi-ta-mak-an (Oer schnelle Adler) führt, mit vier Häupt¬ 
lingen des Stammes 

Unten: „Ausstellungsindianer". 

Das Zeltlager der Indianertruppe, die von Ort zu Ort zieht, um 
Schaustellungen zu geben. Phot. Wide World 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 


9htmmcr 43 


f e TO o cb e 


Sette 953 



Häuptlinge der Pueblo-Indianer 

vor dem Kapitol in Washington, wo sie 
sich beim Präsidenten, dem „Weißen 
Vater“, über die ungerechte Land¬ 
zuteilung beschwerten 


Links: Zwei Indianerhäuptlinge 

bei einem Besuch des Rcgierungs- 
gebäudes in Idahoc 

gefieberten ttopffdpuuctcs, bie uns 
(Europäer fo woblocrtraute ©ante* 
Biiftc aus bem SRufeum in iUe* 
opel als bie Blifte bes großen 
Häuptlings „Bote "Boltc" aunt 
Vertäuf ausftellt, ober wenn ber 
Bmeritafabrer erzählt, roie er im 
©orf bes 3 nbianerterritoriums 
liiftern und) Abenteuer fpäl)te unb 
enblid) beit erfteu rol) bemalten 
©otempflocf entbeett au l)aben 
glaubte, um fid) bann uont in« 
biauifdjeu Bilrgeratcifter — Biir= 
germeifter, nid)t Häuptling! — 
bariiber auftlärcu 31 t laffen, baß 
bie non ihm „eutbedteu" irotefi* 
feßen (Eßannawager mehr ober 
tniitber gute Matbolifen ftnb, gar 
nid)t wiffen, ioas ein Sotentpflocf 
ift, rool)l aber einen ©orfbarbicr 
haben, ber 00 * feinem Häusdjcn 
uad) ameritauifd)er Sitte eineu 


roobl ber jiingfte beutfd)c Bcob* 
achter biefer ©inge, in feinen 
fiiralid) erfd)ieiteuen „"Briefen 
aus Bmcrita", „fo antworten fie 
unfidjer mtb nicht gern; fie ent» 
fd)ulbigen fid) bamit, baß fte 
faul waren unb blieben, fid) 
betrauten unb logen unb fid) 
uid)t anpaffen, nicht awilifiercn 
wollten, ©a waren fie im B>ege 
unb würben oernid)tct, fo wie 
ber SBalb ocrnidjtet würbe, ber 
aud) im 2 öegc war." 

©ie aber ftenimore Looper 
im Herren unb Starl Bloi) im 
Sinn tragen, trauern unb fiil)leu 
es wie ttäftcruug, wenn erzählt 
wirb, baß ber Krämer, ber in 
Biagara 5 alls mit „ 3 nbiaucr= 
(Eurios" b^ubelt, inmitten fabrit* 
mäßig bergeftellter Blotaffius unb 


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Seite 954 


<5 i e <50 oc^e 


Kummer 43 


> 

i 


* 




chte Indianer-Squaws beim amerikanischen Präsidenten. 
Gruppe von Schwarzfuü-Fraucn im Park des Weißen Hauses 


buntangemalteu ^fal)I ftcljen bat, mie feine Sunftbrüber 
bei uns gewöhnlich ein SUtcffingbeden ausbängett. 

3Bas man in ©afl)ington and) *ur Sd)au ftellen mag, 

_ es ift uorbei, uorbei mit bem 9Ioten SLUann. Göltet 

bat man mit Sdniaps gemorbet; nevgebens bängt man 
jebt Tafeln in ben Kneipen auf mit ber Snfdjrift: „Ss 
ift verboten, (Getränte au uertaufen an SÜtinberjäbrige, 
'©etnmtenc nnb 3 nöiancr." Trob bes biebtenben 93olI= 
blut-Sious, trob ber bramatifdien Sängerin nom Stamm 
bei* Sd)ioarafü&e lebter Verfall. 3)et §auptgemerbe. 
atoeig ber lebten SDtobifaner nnb 9lparf)en beftetjt beute 
barin, fid) für (£>elb photographieren 51 t laffen. ßebte 
$errlid)teit fürs ^ßanoptitum, mas man fub jefet in 
©afbington in jountaliftifdjcr (öefüblstunfe feroiert. 
9 tid)ts binbert, ba& mir uns biefe ganje §crrlid)feit 
audi für nuferen joologifcben (harten engagieren — 
nidjts als nufere fdjlcdjtc Valuta. F. H. 


Der „Weiße 
Adler“, 

ein Vollblut-Sioux, 
der ein ebenso her¬ 
vorragender Reiter 
wie Dichter indiani¬ 
scher Poesie ist, auf 
seinem Pferd „Ro¬ 
ter Vogel" nach 
einem 29 Tage lan¬ 
gen Ritt auf dem 
Michigan-Boule¬ 
vard in Chikago 


Rechts: Ein In¬ 
dianermädchen 
als dramatische 
Sängerin 

Francis Nikawa 
vom Stamme der 
Schwur zfuß-Rot- 
häute, wird in näch¬ 
ster Zeit in London 
ölfentiieh auftreten 


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Phot. Wide World 

Lloyd George, der frühere englische Ministerpräsident und Mitschuldige am Versailler Vertrag, ist mit Frau 
und Tochter in Amerika eingetroffen, um drüben eine Aktion zugunsten Europas einzuleiten, das er durch 

die Ruhrpolitik Frankreichs tödlich bedroht sieht 


E R 

* 


S WIEDER GUT 

W////////W/////M^ 








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Seite 956 


© t e <3B a t 


Kummer 43 



Die Minister Smuts (Südafrika), der 
einen Plan zur Gesundung Europas 
vorlegte, und Curzon (englischer 
Außenminister). Rechts: Die Premier¬ 
minister Masscy (Neuseeland) und 
Bruce (Australien) 

Von der britischen Reichs- 


Dr. Zcigncr, sächsischer Minister¬ 
präsident, der im Landtag die Politik 
der Reichsregierung bekämpfte. Im 
Oval: Generalleutnant Müller, mili¬ 
tärischer Befehlshaber imWehrkreisIV. 
Rechts: Dr. von Pr cg er, bayrischer 


Gesandter bei der sächsischen Re¬ 
gierung, wurde abberufen, weil „die 
kommunistische Partei, die erbitterte 
Feindin jeder verfassungsmäßigen 
Staatsordnung, in der sächsischen 
Regierung vertreten sei“ 


Die Ministerpräsidenten sämtlicher 
englischen Dominions nahmen an 
dieser Konferenz teil, in der wich 
tige Beschlüsse über die zukünftige 
Politik des britischen Weltreichs 
gefaßt wurden 


konferenz in London 


Der Konflikt zwischen 


Z i vi 1 r e g i c r u n g und M i 1 i t ä r g e w a 11 in Sachsen 


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Kummer 43 


*5 i t OB o cft e 


Seite 957 



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Eine Massenkundgebung 
Erwerbsloser vor dem Ber¬ 
liner Rathaus 

Aufnahme der „ Woche“ 

❖ 

Teuerungsunruhen 
in Berlin 


Zur Verhütung von Plünde¬ 
rungen geschlossener Bäcker¬ 
laden am Schönhauser Tor 

Aufnahme der „U'Ve/ie“ 


Links : Während der Abstim¬ 
mung über das Ermächtigungs¬ 
gesetz umstand eine große 
Menschenmenge das Reichs¬ 
tagsgebäude 

Ein „großer Tag“ 
im Reichstag 


Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 










Seite 958 


© { e <38 o d) e 


Kummer 4‘i 


Geh. Rat Prof. Dr. K. Flügge 

der bekannte Hygieniker, starb im 
* 76. Lebensjahr 


Fritz Holl 

bisher in Stuttgart, der neue Leiter 
der Berliner Volksbühne 


Richard Lert 

der neue Generalmusikdirektor 
in Mannheim 





Direktor Echtermayer 
Gärtnerlehranstalt Dahlem, beging 
seinen 60. Geburtstag 



Graf Hugo Lerchenfeld 

der frühere bayr. Gesandte in Berlin, 
feierte den 80. Geburtstag Phot. BJ.G. 


Von links: Hermann Eck, Jos. Groenen, Otto Wolf, Frau Hafgren, Ernst Lehmann, Werner Wolff, Dr. Paul Kuehn 

Erfolgreiches Gastspiel deutscher Künstler in Spanien 



Gastmahl zu Ehren der Angora-Abgeordneten und des Generals Schükri Pascha, der nach der Räumung Konstantinopels 
durch die Entente an der Spitze der türkischen Truppen in die Stadt einzog 
Ehrung der neuen Männer in der Türkei^ 


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PRINCETON UN1VE 



























SIUI/IIVIUIC UCf I/Htt. 


Dr. Strescmann mit seiner Gattin und seinen Söhnen im Park des Reichskanzlerpalais 
Neueste Aufnahme des Reichskanzlers mit seiner Familie 



Der „schwarze Herzog“ als Lehrmeister: Mussolini bringt seinem 14jährigen Töchterchen bei, wie man — ans Ruder kommt 

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«Seite 960 


®ie ® odje 


Kummer 43 



Unten: Frankreichs 
Rache an den Sie¬ 
gern von 1870: 

Der französische Minister¬ 
präsident Poincar6 hat in 
einem Erlaß über die deut¬ 
schen Kriegergräber die Zer¬ 
störung des Grabdenkmals 
für die am 18. August 1870 
gefallenen Gardefüsiliere auf 
dem Schlachtfeld von St.Privat 
ausdrücklich angeordnet und 
die Wiederaufstellung des 
Grabdenkmals verboten 


Die Not der Großstädte. 
Links . Heimkehr von Berliner 
„Kartoffelbuddlern“, die gegen 
Bezahlung mit Kartoffeln bei 
den Erntearbeiten auf dem 
Lande helfen, um sich für den 
Winter mit diesen unentbehr¬ 
lichen Nahrungsmitteln zu 
versorgen 


Im Oval: Trachtenfest 
beim 600jährigen Stadt¬ 
jubiläum derStadt Eber¬ 
mannstadt: Gruppe der 

Ehrengäste, des Stadtrates 
und der Teilnehmer am 
Trachtenfest 

Phot. W. und H. Heinz, Müggendorf 




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Siunintei 43 


© i c OB o d) e 


6citc 061 



Von links : Herbert Stock, Theodor Scheidl, Leonhard 
Kistemann, Karl Jöken, Spielleiter Holy, Else Knepel, 
Friedrich Schorr (Falstaff), Margarete Arndt-Ober, 
Grete Mancke, Emmy Bettendorf 

Verdis „Falstaff 1 * in der Staatsoper 


Rechts : Franz Werfels „Schweiger“ 
im Theater i. d. Königgrätzer Straße 
Dagny Servaes und Ernst Deutsch 


Unten: Szenenbild aus Carl Hauptmanns Legende 
„Der abtrünnige Zar“ in der Volksbühne 
Aufnahmen der „Woche“. 


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Original fram 

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® i * 


©eite 903 


Kummer 43 


2$k b&g 3$fit)ingi& ßihatt 

Äomati oon DCarts Dominifo 

19. Fortsetzung u. Schluß. — Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H. f Berlin 1923 


0 oggon=$gan fanl in einen Seffel. ©nblid) rang fieg 
bie ftrage non feinen Sippen: „3ft ber 93efegl aus* 
geführt?" 

*©r ift ausgefügrt, §ogeit. 0 ie Skiffe finb auf bem 
SBege." 

,316 rocit fmb fie?" 

„ s $or morgen toerben fte niegt gier fein fönnen." 

SCRit einem 6 prung ftanb $oggon=5lgan oor bem 
©preegenben. „borgen? §eute noeg müffen fte J)ier fein!" 

0 er ^Ingerebete erblagte oor ben mutbligenben klugen 
bes Regenten. 9tur ftotternb famen bie 9Borte feiner 
‘Slntmort. 

„ 3 u lang . . . zu lang ift ber 9öeg ♦ . . $ogeit . . . 
0 ie Arbeit ber ©cgiffe, 0 pnotgerm 51 t ftreuen, mug fegon 
xoeit hinten an ber Oftgrenze ber 0fungarei beginnen .. 

0 ie 3 ägne bes Regenten gruben fug tief in feine 
Sippen. 60 roeit... reichte bie §anb bes JJeiu&es ... ? 

„ 0 ie Hälfte mug es bort tunl 0 ie anberen ©cgiffe 
fofort nach oorn! . . . 93eoor bie Dämmerung fommt, 
müffen fte gier feinl . . . ©eben 6 ie telegrapgifcgen 
SBefegl. Unfer ©cgiff mit ooller Hraft nadj oorn zum 
6 aifan Slor! . . . SMttelgöge!" 

Sangfam ftieg bas ©cgiff 00 m 93oben ab. 93om ©tern 
bes Jfagrzeuges aus faf) ber Regent auf bie oerlaffene 
©trage, SXein lebenbiges 3Bcfen auf igr. 9iur fein 
Sßferb, bas treue $ier, ftanb regungslos mit erhobenem 
Raupte, bem megziegenben ©cgiffe naegfegauenb. 0 urcg 
bje bitten ©egeiben ginburd) oermodite bas Ogr bes 
Regenten niegt bas laute, flagenbe 3Biegern ju gören, 
©ein 91uge las es aus ben bebenben Sippen bes Bieres, 
©ein $luge blieb barauf geheftet, bis es feinen 93liden 
entfegmanb . . . 0 ie legte $reuc, bie fieg igm geigte 

Söiit ferneren ©egritten bregte er ftef) um unb trat an 
ben 93 ug bes ftreugers. 0 er gatte jegt §öge getoonnen 
unb fegog in fcgneücr Jagrt oortoärts. 0 as $luge bes 
Regenten gaftete am 9lugentgermometer. SOlit büfterem 
©eficgt oerfolgte er bas langfame bes 3 eigers. 

40 ©rab ... 40 ©rab unter 9tull! ... 60 ftanb 

ber 3 c iQ cr ' ul* cr ig n 5)05 crftemal betrachtete . . . Scgt 
toar er fegon auf 46 gefunfen. 

©egon lag in nebliger fyerne ber Steffel bes ©aifan 
SRor. ©prunggaft fiel jegt ber 3 c ^ cr * ^ om langen §in* 
ftarren fegmammen bie klugen bes $oggon=Stgan. SJtit 
biefem furd)tbaren ©infen bes 3 ^ 9 ^ faul jebe Hoff¬ 
nung in igm. 

©in fegmerer ©tog, ber bas ©cgiff feitxoärts traf, 
braegte ign ins 'JBanfen. ©r paefte ben genftergriff unb 
giclt fug aufred)t. 0 as ©cgiff lag fdjmer naeg ; £atfborb 
über, ©r görte mie bureg 91ebel, roie ber Stommanbaut 
ben 93efcgl gab, göger gu fteigen. 


0ann bregte bas ©cgiff in neuem jägen ^itcf gang 
naeg 93acfborb um. 

„SMe Straft riiefmärts!" 

0er SBefegl bes Stommanbanten Hang an fein Ogr. 

©r bregte fieg um . . . unb rooHte . . . roolltc ben 33e* 
fegl miberrufen. ©ein 33licf fiel auf bie angftoergerrten 
©eficgter ber 0Olannfd)aften. 3u fpät! 

0as ©cgiff gegoregte nidjt megr... toeber bem ©teuer 
nod) ben ^ropeüern. 9Bie ein gegen Rapier oorn Wirbel 
gegriffen, mürbe es mibcrftanbslos oorroärts gcriffen. 

©in neues frembartiges ©eräufd) übertönte bas $ofen 
ber ©lemente. ©tarr ftanben bie 3nfaffcn. 3gre £>änbe 
umflammerten trampfgaft jeben greifbaren ©titgpunft. 

©s flang mie bas ^raffeln oon ©egrot gegen ©tagl. 
©s gämmerte auf bas §irn bes 0oggon*Stgan . . . 
gämmerte igm bie ©emiggeit bes unabmenbbaren Unter= 
ganges ein . . . unb ba gatte cr fieg miebergefunben . .. 

SCRit ooller ßlargeit überfag ec ©ntftegen unb ©nbe 
ber ^ataftropge. ©ein gefcgulter ©eift begerrfd)te aud) 
bie pgpft!alifd)en unb teegnifegen ©runbbebingungen ber 
©efegegniffe um ign. SOiit 5!largeit fag er fegt alle $anb= 
langen feines ©egners fid) in logifeger golge entmicfcln. 

0er gatte bas SDMttel, bas bem 0pnotgerm entgegen* 
gefegt mirfte! 0as SCRitteX, bas ebenfo ungegeure ©nergie* 
mengen banb, mie bas 0Qnotgerm fie freimad)te. 0er 
gatte bann überall im 3^96 bes einbred)enben feeres ge* 
ftreut, mo immer nur Gaffer mar. 

©0 entftanben jene Kältepole, bie infolge ber 3^fam* 
men^iegung ber bariiber lagernben fiuft barometrifdje 
SOtinima ergaben, benen bie entferntere £uft oon allen 
©eiten ^uftrömen mugte. 0at>ei gab es eine ^usbegnung 
ber ^uftrömenben ^Binbe, bie naturnotmenbig mit einer 
^bfüglung oerbunben mar. 

©0 famen jene ©d)neefäüe juftanbe. ©0 ergab fid) 
jener Sölaifdjnce in ^efing. ©0 ber ©cgneefturm bes 
oorgeftrigen ^Tages. ©0 bie Äälte. 

0as unaufgörlidje gaüen bes Sgermometers, bas jegt 
auf 170 ©rab unter 9tuU ftanb, bemies igm überzeugend 
bag bas ©(giff einem biefer extremen Kältepole zu* 
gcriffen mürbe. 0er groge ©aifan=©ee mugte in ber 0at 
nad) ©inftreuung biefes Mittels einen Kältepol oon un= 
gegeuerfter ©tärfc ergeben. 

0iefet unmiberfteglidje rafenbe fiuftftrom, biefes 
^raffeln ber Propeller, bie gegen bie flüffig merbenbe 
unb in tropfen nicberfallenbe 2uft anfd)lugen, gaben 
ignt bie ©emiggeit. ©s mar fo meitl 

Hier ftiirzte bie SJtmofpgäre fclbft oerflilffxgt ^u SBoben. 
Hier brang oon allen ©eiten ger bie ßuft mit liefen* 
gemalt mie in einen luftleeren Sftaum ein unb rig jeben 
Körper, ber fieg in igr befand bis zum Kältepol gin. 


BinummimiiuiniwinraMiiiiiiMiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHMiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiHiiHiiiiimiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiniiiiiin^ 

In der nöcß/Ien Nummer der „WocQe" beginnen wir mit dem Abdrude des neuen Romans 
„Der Mllliarden-Cüsar" von dem bekannten österreicf)ifcßen Erzäßler Franz Xaver Kappus. 
Der ungemein spannungs - und ßandlungsreicße Zeitroman , voll von modernen fcßlagkräfügen 
Typen füßrl in die bunte und abenteuerliche Well eines österreießifeßen Börsenkönigs und 
fcßildert die Zustände in der Wiener Gefelljcßaft mit seltener Meißerfcßaft und gründlicßfler 
Kenntnis. Im Mittelpunkt des bewegten und ßürmifcß forlfcßreitenden Gefcßeßens ßeßl der mit 
allen Mitteln gefüßrie Kampf um eine feßöne , vielgeprüfte Frau. 

’ Original from 


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PRINCETON UNiVERSITY 


x 



Seite 904 


© i e 9P o (i) c 




Sttit oollfommener Hlarßeit bes Seiftes crmartete 
Sogßon--Hßan bas Snbe. 

Slusgcträumt ber bräunt oom befiegten Slbenblanb!. . ♦ 
Vcrmeßt bie Spur bes ©fcßingis*Hßan! 

©ie $änbe an bie JJenftergriffe gcflantmert, ftarrte et 
bem Untergange entgegen. 

Stodj einmal erßob fid) bas Scßiff. ©ie Sebirgsfäntme 
im Often bes Seif an Stör fcßufen ein fomprimiertes Huft* 
fiffen, meines bas fraftlofe Jaßrjeug naeß oben fcßleu* 
berte. ©ann, über ber enblofen gefrorenen 91 äd)e bes 
rieftgen Sees, fenfte es bie Spißc naeß unten . ♦ . 

©ann fteüte es ftd) jad) auf ben Hopf unb ftürjte mit 
rafenber Sßucßt auf bas Sismaffto bes bis jum Srunb 
gefrorenen Sees. Sief brang fein metallener Sporn ein. 
Sin fyunfenftront untfprüßte bas einl)auenbe SJtetatl. 
©er 3ünber für bie fürchterliche ^adel, bie im fclben 
Slugenblid gegen ben £imntcl ftanb. Spritßenb oer« 
brannte bas Metall bes Sd)iffsrumpfes im flüfftgen 
Sauerftoff . . . Verbrannte bas Schiff mit allem an 
unb in ißm in Sefunben ju nid)ts . . . 

©ann ging bie Statur ißren Sang rociter, tote es ber 
Vteiftcr befohlen ... bis ber Sag fid) neigte . . . unb 
bie Stacßt bie fteffeln löfte. 

ßinber rourbc ber ^yroft. ©ie SJtad)t bes Sturmes 
ließ nad). ©id)te Stebel ftoeßen über bie eisbebedte 
Srbe . . . unb fte I)oben fid) . . . unb beßnten fteß . . . 
unb fliegen an unb fanbeit milbe Sitbmfnbe unb fielen 
nieber in Ieifen, roarmen Sropfen unb meeften bas 
tote Hanb. 

©er Sd)nee fdjmolj. Von ben Vergen fd)offeit bie 
SBaffer. Hradjenb ful)r ber ftroft aus ben gebannten 
Stämmen. 3mmer ftärfer rourbe bas Söeßen bes Süb= 
minbes, immer größer feine SBärme. VMe im Spiel 
jerbradj er bie ©ede bes Saifan--Sees. Söo lebenbige 
Söefcn nod) ihr Heben bemaßrt, froßlodten bie herben. 

©er SJtorgen tarn unb mit ißm bie Sonne. Sie fanb 
ein SBerf getan, in ben Stunben einer Stadji ein SBerf 
oollbrad)t, bas ihre Hraft ju leiften nid)t oermag in ben 
Sagen eines Vtonbes. 

Sin Söerf, getan bureß eines S)tenfd)en Seift! 

* * * 

©as Steblerlanb mar gerettet! ©as Slbenblanb oor bem 
Untergang bemaßrt. ©ie Hunbe oon ber Hataftropße im 
$crjen SIftens hatte mit SturmesfcßneUe bie ganje Söelt 
burdjeilt. Unfaßbar mar es junäcßft aller SBelt er* 
feßienen, baß SOtenfcßenfraft bie Stemente ber Statur in 
fo unerhörter SBeife mciftern tonnte. 

Slls bann bie SBaßrßeit unjmcifclßaft jutage log, ba 
erftarften bie oerjagten §erjen ber meißen SJtcnfcßen. 
3ener eiftge, fd)arfe Sturm, ber bort oben in SIftcn 
feinen Slnfang nahm, fchien um ben ganjen Srbball ju 
fahren. SJtit einem (Ekßlage mar bie an oielen Orten 
fo feßmüle, unheilfchtoangere Sltmofpßäre gereinigt. SBo 
immer bie £errfcßaft ber Söeißeti ju manfen brohte, 
mürbe jxe bureß jenes Sreignis mieber geftüßt unb 
gefeftigt. 

©cn Slufftänben in Slfrifa fchien plößlid) bie Spiße 
abgebrochen, meil ber 3 u fQmmenhang jmifdjen ber 
gelben unb fd)marjen Vemegung offen jutage'trat. SBcnn 
aud) bie oöllige ©ämpfung ber Unruhen noeß gemiffe 
3cit beanfprueßie, fo mar bod) ber für bie SBeißen gün* 
ftige Slusgang feßott jeßt mit Sid)erl)eit oofausjufeßen. 

Stod) fdjneller unb burdjgreifenber mar bie Söirtung 
jener Stacßricßt in ber ameritanifd>en Union, ©ie reoo= 
lutionäre Vemegung mar nicht jur oollcn Sntmidlung 

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gefommen. Stod) el)e bie befonnenen unb befferen Sie* 
mente ber fdjmarjert Veoölferung ftd) oon ben burd) 
gelbes Selb gemonnenen Slgcwten unb neuen 5üß rern 
ber nieberen SJtaffen mitreißen ließen, tarn bie Stachrid)t 
oon ber Hataftropße naeß Slmerifa. 

Sroßbem mar bie Vemegung gefährlid) genug, unb erft 
nad) fd)toeren unb erbitterten Hämpfen tonnte bie Orb* 
nuitg mieberhcrgeftetlt merben. Vefonbers gefährlid) 
mürbe fte ba, mo bas plitnbernbe unb raubenbe fdjmarje 
Proletariat b-urd) meißes Seftnbel ähnüd)er Qualität in* 
bireft unterftüßt mürbe. 

3n f^risco mar bie Vemegung junädjft oerhältnismäßig 
harmlos oerlaufcn. ©ie Organifation bes meißen Orbens 
hatte hier baut utitfangreid)er Vorbeugungsmaßnahmen 
fofort mit aller Sd)ärfe unb großem Srfolge eingegriffen. 
So mürbe es möglich, bie regulären Sruppen oon bort 
nach unb nach fortjunehmen unb in bebrohteren Staaten 
ju oerroenbett. Slber ber Schuß ber Stabt lag jeßt faft 
ausfdyiicßlid) in ben $änbcn ber freimiüigen meißen 
Organifation. 

Ss mar in ben erften Sagen bes Sluguft. Sine fdjmüle, 
briidenbe §iße lag über 5ri 5C0 - Selbft auf bem hoch¬ 
gelegenen San Vtatteo oermoeßte bie leichte Seebrife nur 
menig Hüf)lung ju bringen. 

Sluf ber nteermärts gemanbten Serraffe oon Saroin 
Palace faßen 5 ranc i* Sctroin unb £elcn unter einem 
leid>tcn ßeiitenjelt. Selens §änbe fpieltcn mit bem 
Papierftreifen bes Söellentelegraphen. ©as Sd)lagen 
' einer Statibuhr ließ fte aufl)ord>en. 

„Vier Uhr, Pa! Vküington muß feßon in grisco fein." 

„Sr muß jebc Sflinute fommen!" 

„SJlir fd)eint, Pa, beine Ungebulb naeß Söellington ift 
größer als meine, ©ie Satfad)e, baß fein Siame jeßt in 
aller Vtunbe ift, baß bie 3ritungcn aud) außer ber 
Sßicago Preß faft täglich iß^ feßreiben, fdjeini bir 
gemaltig ju imponieren." 

„Semiß, ©eart)! ©as geftehe icß unumrounben ein. 
3cß hätte bas, mas er hier in ben Ießten fdjmeren 3eiten 
geleiftet, nicht oon ißm er märtet. 3n ißm ift eben nod) 
rneßr als bas üblid)e in jebetn 3ournaliftcn ftedenbe 
Stüd oon einem Politüer, ©iplomaten unb Sftilitär oor* 
ßanben. 3cß fehe nießt ein, mesßalb er nicht aueß fpäter 
nod) eine Stolle in ber politif ber Union fpielcn follte. 
Sr ßat ben Hopf ju Srößerent!" 

„Stur nicht! Pa . . . nur nicht! . . . 3cß min leinen 
Politiker junt 3)tann. ©ie ßöücn alle feine 3eit, an ißre 
jjrau unb ißre 5«milie ju benfen." 

,,©u bift eigettitüßig, $clen! Söas id) fagte, mar mein 
ooiler Srnft. Ss märe fd)abe unb für unfer Hanb ju 
I>ebauern, menn SBeüington ffoj feine große Vegabung 
nid)t ooü ausmirfen Iaffen fönnte." 

„Slber Pa! 3ft bas fo? . . . ©u übertreibft rnoßl ein 
bißeßen?" 

„Heinesmegs, $elen! Ohne feine fjähigleit, bie fjäben^ 
bie fuß oom Selben Steicß über bie ganje Srbe fpannten, 
ju entbeden, hinter bie Seßcimniffe ber feinblidßen Or- 
ganifationen, aueß ber Sd)marjen, ju fommen, märe bie 
erfahr überrafdjenb über uns h^rcingebrocßen. Unb 
oßne feine Satfraft uttb Sefcßidlid)feit bei ber Organi* 
fterung unferes Söibcrftanbes märe ber Hampf rnoßl 
nießt fo fd)neü bcenbet morben." 

„§ör auf, pa, mit beinen Hobprcifungen. 3d) erröte 
für SBellington. Sr mürbe bid) fteßer auslacßen, mcitn 
er bieß fo ßörte. ©od) ßalt! Sin Sluto! ... 3d) feße 
ein Sluto in ben Part einfaißren. 

Original from 

PRIINCETON UNIVERSITY 


SJhnmnet 43 


© 1 1 ü * e 


Seite 965 



Wellington ift Petrin. 3d) erfenne ihn. Sr mintt mit 
bem Safdjentud). 0er bort neben ihm ift fidjer fein 
greunb ßorobale, ben er fid) aus Surfeftan eingelaben 
hat. Sr rourbe in ben Kämpfen mit ben Sürgifen fdjon 
früh oermunbet." 

„öombale .. .?" fragte StRr. Saroin. „0er 9lame? ... 
3ft bas jener Sombale, ber einft glorene . . .?" 

,3c, Sßar 

„0ann ift es mohr gut, baß fie eben fort ift. Sin 3u= 
fammentreffen f)ier 
märe fidler für alle 
peinlich gemefen." 

„3a, ^al... 0odfj 
ba fxnb fie fdf)on." 

Sie eilte bem Wa* 
gen au. StRit einem 

großen Sprung 
ftanb Wellington 
go£ auf ebener 
Srbe. 0ann fing er 
fie in feinen Firmen 
auf, unb ein halbes 
0ußcnb Slüffe be* 
kräftigte bie greube 
bes Wieberfehens. 

„3mmer mieber 
mie ein SBraufe* 
minb!" fcfjalt $elen, 
mährenb fte fid) aus 
feinen Firmen los* 
machte. „^eraeißen 
Sie ißm, 9ftr. £om* 
bale!" 

Sie reichte bem 
Safte bie $anb, 
mäßrenb Wellington 
gos granefs 

Saroin trat unb an* 
gelegentlich mit ißm 
fpraef). 

„WiHtommen in 
Saroins Sßalace! 3cß 
mill Sie gleich mit 
meinem iBater be* 
fanntmad)en, ber... 
mas ift benn, ^a?" 

0ie eben noch fo 
heiteren 3üge Sar* 
eins geigten plößlicf) 
einen tiefen Srnft. 

„Sdhlimme 9tocß» 
ddjten, $elen! Un» 
fere greube mirb 
nur turj fein." 

„Was ift, Wellington? 

Sie eilte au ißrem Verlobten unb brängte ftdf) an ihn. 

„Unruhen in ber Stabt, ipelen! 0er ‘ipöbel aller 
JJarben . . . h au Ptfäcf)Iicf) ber Sdjmaraen, ift mobil. 3r* 
genb jemanb h Q * es oerftanben, bie feßmarae Spiebs 
unter SBorfpiegelung politifcher 3^le nod) einmal aurn 
Kampfe gegen bie Weißen aufaußeßen. 3n Wirtlicßteit 
hanbclt es fich barum, baß einige 0raßtaießer, cl)e fie 
ben haften 93oben ber Union neriaffen, fid) nod) bie 
Safdjen füllen moüen. Scßmere Stunben . . . oiclleidjt 
Sage . . . flehen beoor. Sch net beinern $ater, fich mit 
bir fofort für alle gäUe auf eure 3od;t ju begehen*" 


„Unb bu?" fragte $elen beforgt. 

„ 3 cß... id), $elen... menn’s mo etmas Sntereffantes 
3 U fehen gibt, muß id) bodj ber Shicago SJ3reß Sftclbun* 
gen fd>iden tonnen." 

,,91d), Wellington! Wenn bu nur besßalb ßierbliebft, 
märe ich ohne Sorge. Wber leiber mirft bu bas nid)t 
tun", ihre Stimme gitterte, fie tämpfte mit unterbriief* 
ten tränen. „ 3 ch tocig es genau — gana ficher mirft bu 
immer ba fein, mo es am fchlimmften augeßt * . ." 

„. . . unb fräftig 
mittun! 0 er San$ 
mirb gleid) begin* 
nen. 3 d) tarn nur 
hierher, um eud) au 
marnen unb bid) au 
titffen. llnfer Wa* 
gen märtet, um uns 
fofort nach her 
Stabt auriiefaubrin* 
gen. 3 m £afcn* 
uiertel mirb es in* 
$mifd)en fd)on los* 
gegangen fein. 0 er 
§auptftoß richtet fid) 
gegen 9iob £ill, 
bas Wtillionärsoier* 
tel ..." 

„Stob §iH . . .?" 
Sie briiefte er* 
fd)rocfen bie $anb 
aufs §era. „Oh, bie 
arme glorence! iBor 
furaem nod) mar fie 
hier. Sine Viertel* 
ftunbe früher hättet 
ihr fie hto getrof* 
fen." 

„*etfl...l" preßte 
gos burch bic 3 ähue 
unb marf einen 
flüchtigen SBlicf auf 
feinen ^Begleiter. 

9loeril Sombale 
mar erblaßt. Sroß 
feiner äußeren Un* 
bemegtl)eit mar feine 
Aufregung unoer* 
tennbar. Sin büftc* 
res geucr brannte 
in feinen ‘Slugen. 

goj hotte ihn 
natürlich fofort be* 
griffen. 

„ 0 u fiehft, §elen, baß mir fofort aurücf müffen." 

Sr manbte fich au grancis Saruin. 

„Sie merben ficß unoeraüglidh mit §elen auf 3ßre 
3ad)t begeben? 0as SBemußtfein, baß Sie mit $?elen 
außer Ooefaßr fmb, mürbe mid) fehr beruhigen." 

Sr 30 g fie an fid) unb liißte il)r bie tränen oon ben 
Wangen. 

„Steine ^Ingft, §eten! 0 u ßaft uiid) fooft Untraut 
gefcßolten, baß bu jeßt aud) an bas Spricßmort oon 
jenem eblen Äraut glauben mußt." 

„Wellington! . . . Wellington!" 

§elen fah unter tränen Iäd)clnb ihrem SSerlobten^ 
naeß. 0ann hörte fie ben Wagen anfaljren. 9tocß ein! 


Straße im Regen“, Radierung von Lesser Ury 

Neuerwerbung des Kupferstichkabinetts der staatl. Museen, Berlin 


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Original fram 

PRINCETON UNIVERS1TY 





A '* 7 ” 


Seite 966 _® i e gg o cfr e__ Aummct 43 


Aknfcn ber 3nfaffen, unb bann mar er um eine Akg* 
biegung oerfd>munben. 

Akihrenb bie £>auptmaffe bes aufgeheijten Röbels flcf> 
nod) in med)feloollem Kampfe mit ben meißen Stoß* 
trupps beim ^liinbern ber Säben in ben großen ©e* 
fcßäftsftr aßen aufhielt, mar eine offenbar befonbers gut 
breffierte (Gruppe, bie unter einem außergemöhnlid) ge» 
riffencn 3mh r er ftehen fd)ien, bereits ol)ne 3^itoerIuft 
unb gang überrafcßenb burcf) unbcmad)te Seitenftraßen 
in bas Viertel oon Aob $ill eingebrodjen. ^Bereits 
Ratten fte faft ungehinbert, nur mit oereingeltem AMber* 
ftanb ber Aemohncr tämpfenb, eine Aeiße reicher 
Sßrioatl)äufer ausgerräumt. 

(Erft als fie ficf> i>em £>aufe oon 3ol>n 0emei) näher* 
ten, meigerten ficf) bie ^orbigen aus ber Aanbe, l)ier 
mitgumachen. Aad) furgem, erregtem A$ortmed)fel 
trennte fld) bie ©efellfd)aft. 0ie meiften farbigen gogen 
meiter, mäl)renb ber Aeft mit bem meißen ©efinbei in 
0emeps £aus einbrang. 

0as oerfdjloffene Zox mar fdjneU erbrod)en. 3n ber 
großen £>alk bes ©rbgefd)offes trat ihnen 3oI)n 0cmei) 
entgegen, mährenb eine Heine ©ruppe Gebienter fid) 
ängftlich im £intergrunbe oerhielt. 

0rof)enb aufgeridjtet ftanb er oor ben ©inbringlin* 
gen. (Einen ‘ülugenblicf ftußte ber §aufe. 

„(Einen fleinen 3^Pf eiin i9 für bie Aeife!" erfdjoE 
es ba aus bem §intergrunbe. 

0emep richtete feine klugen auf ben Spredjer. 

„Akts? . . . Sie, 9Ar. ©ameron? ... Sie l)ier unter 
biefen Stäubern unb ^lünberern . . .?" 

(Eoüin (Eameron mar ein paar Sd>ritte oorgetreten 
unb ftanb bid)t oor bem £ausl)errn. Aßit einem falten 
$ohnläd)ein medbete er fid) an ber grengenlofen Über* 
rafdjung 0emcps. 

„Sehr mol)l, Air. 0emet)! Aadjbem unfere gemeinfamen 
Sransaftionen nicht ben gemünfchten (Erfolg gehabt 
haben, fef>e id) mid) genötigt, meinen Seil am ©efdjäfte 
gu liquibieren. 0a oon bem banfrotten $auptf)aufe 
in Sßcfing nid)ts gu ermarten ift, muß id) mid) an ben 
mod) gal)lungsfäl)igen Sogius ... an bas §aus 0eroep 
galten ... 0a ich für Scherfs in meiner augenblicf* 
liehen Sage feine Aermenöung habe, möchte id) Sie er* 
fudjen, bie Aedptung in bar gu begleiten. 

Aiit Aürffid)t auf unfere früheren angenehmen Ae* 
giehungen bin id) bereit, bie Angelegenheit fulant gu 
erlebigen. 3d) münfdje nid)ts, als ben Sdpuurffaftcn 
3hrer Tochter ... Aber aud) auf biefen haften mürbe ich 
fogar oergid)ten, menn Sie mir ben ^ßreis bafür, ben ich 
billig mit gehn Millionen 0ollar tariere, in bar er* 
legen . . ." 

0cmei) hatte bie h^nifcf^e Suaba (Eollin (Eamerons 
gunäd)ft mit beherrfchter Auf)e angehört. (Erft als ber 
Aame feines SHnbcs fiel, ftieg eine bunfle Aötc in 
fein ©efidjt. 3n bem Augenblicf, in bem (Eollin (£a= 
meron feine AJorte mit einer ironifchen Aerbeugung 
fchloß, ftürmte er mit geballten Rauften auf ihn los. 

(Ein fchallenber Schlag feiner Rechten traf bie Akmge 
(Eollin (Eamerons. 

3n rafenber ASut hatte (Eameron eine Schußmaffe 
gegogen unb gielte auf ben 0aliegenben. 3m leßten 
Augenblicf befann er fid) unb fteefte fte mit einem JJl U{ he 
mieber gu ficf). 

„Aormärts!" rief er feinen Kumpanen gu. „Aehmt, 
mas ihr finbetl" 

Aiit fd)tiellen Sprüngen eilte er allen ooran bie 
kreppe empor, nad) ben 3immern oon ftlorence. 


0urd) ben £ärm aufmerffam gemorben, trat fie ihnt 
an ber Züx entgegen, fyaffunqslos fah fte auf (Eollin 
(Eameron unb bie müften ©eftalten feiner ^Begleitung. 

„Aks ift? . . . Akts gel)t h^^ wrt • . . 9Bo ift mein 
Aater?" 

Skit einem Sd)recfensfchrei fud)te fte an (Eollin (Ea* 
meron oorbeigutommen, um nad) unten gu eilen. 

„$alt! $iergebiiebenl tyum Aater ift nichts ge* 
fd)chen . . . 3^iQcn Sie uns, mo Sie 3f}ren Schmucf oer* 
mal)ren. unb alles ift in Orbnung!" 

Atit einem lauten Auffcßrei „Aktter!" taumelte Jlorence 
guriief. 

AMe im Aebel fah fte plößlich .(Eollin (Eameron oon 
hinten niebergeriffen merben. Sie fühlte, mie ein Arm 
fie untfd)lang. (Eine ihr fo mol)lbefannte Stimme brang 
an ihr OI)r. 

„3lorence! 3d) bin bei birl . .. hierher! ^amerabenl" 

Aom (Erbgefdjoß brang ber ^nall mehrerer Schüffe 
nad) oben. bie ^lünberer in ben Aäumen ein 

Signal, fd)leunigft bie g ; lud)t gu ergreifen. Auch Eollin 
(Eamerons ^Begleiter mären im Augenblicf oerfd)toun* 
ben, ol>ne ftch um ben fführer gu fümmem, ber h^lb 
betäubt am 93oben lag. 3n ben unteren Aäumem unb 
im ©arten entfpann ftd> gmifchen ben flüchtenben 93an* 
biten unb bem oorbringenben meißen Stoßtrupp ein 
reguläres ^euergefecht. Alle Aufmerffamfeit ber Se« 
freier fongentrierte ft^ h^^ n * 

0er Särm biefes Kampfes brang auch ^ ö( h oben unb 
meefte ©ollin (Eameron aus feiner Aetäubung. ©r öff* 
nete bie Augen unb fah um fld). Schnell hotte er bie 
Situation erfaßt. (Er fanute bas §aus oon früher heo 
gut unb mußte, baß oon ^lorences 3immern ein offener 
93alfon birefte Aerbinbung mit bem ©arten hotte. 

(Er erhob fieß unb trat burd) bie 2ür in bas benad)* 
barte 3l m mer. Alißfd)nell glitt fein Alicf überall prü* 
feitb umher. Aielleid)t tonnte er ben Aufbemahrungs* 
ort bes Sd)mucfes bod) noch im leßten Augenblicf ent* 
beefen. 0a fah er burd) bie holbgeöffnete 3:ür im 
britten Aaum hier ©eftalt eines Cannes, ber in feinen 
Armen ftlorence 0emei) h^ü* 

©r ftußte unb blieb lautlos flehen. 0a ... ein 3tt a 
tern ging burch feine ©lieber, ©r ernannte Aoeril 
Sombale. 0er Sohn bes Alannes, ber ihm bie 2orb* 
feßaft ßombale geraubt. 

Aur einen furgen Aioment, unb er hotte bie Auhe 
mieöergemonnen. §ob bie Schußmaffe, gielte forgfam 
unb brüefte ab. 

0a fnalite es hinter il)m. ©r fühlte, mie eine Äugel 
feinen Aiicfen ftreifte. 3n rafenber ©ile ftürmte er 
meiter. Aod) mel)r Sd)üffe hinter ihm, hoch feine Stugel 
traf ihn mehr. 

* * 

0ie ^ataftrophe, ber bie gr *ßc bfungarifd)e Armee 
bes ©eiben Aeicßes gum Opfer fiel, hotte einen fchneüen, 
billigen Jrieben mit ©hina herbeigeführt. 0as 3li* 
0reiecf mar im unbeftrittenen Aefiße ©uropas. 0as 
ungeftörte ©ebeihen bes großen Sieölungsunterneh« 
mens ber meißen Aaffe auf 9Aenfd)enalter gefidjert. 

Aad)bem bie 0inge in Afien fo georbnet, mar 3fen- 
branbt nad) Aerlin guriidberufen morben unb in bas 
0irettorium ber ©. S. ©. eingetreten. 

Aud) jeßt, nachbem mehrere Atonate oergangen 
maren, oerlautete nichts Aäf)eres über feine munber- 
baren ©ntbeefungen. Übereinftimmenb hotten fld) na* 
tiirlid) bie gelehrten Höpfe jeber Art bahin geäußert^ 
baß biefe ©ntbeefungen in ihrer Anmenbung einen 




Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 



SRumnier 43 


3> i e ^ o cB c 


Seite 967 


BRAUNSCHWEIGS SCHÖNHEITEN IM HOLZSCHNITT 




Original fro-m 

PRINCETON UNI VERSITY 


DREI HOLZ¬ 
SCHNITTE 
VON RUDOLF 
NICOLAI 


Links: 

„Güldenstraße“ 


Rechts: „Dom“ 


* 

Unten: „Alt- 
stadtmarkl" 


□ igitized fr. 


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Seite 968 


© i e ® oc& e 


Stummer 43 


oöüigen Wanbel ber Weltmirtfchaft gut Jolge haben 
müßten. 

Eine allgemeine Weltfonfereng mürbe über bie fdjmic* 
rige Jrage entfdjeiben müffen, mie unb mo biefe fo 
fdjarf in ben (Sang ber Statur eingreifenben Wittel ar- 
beiten burften. ^Bisher mar jebod) non einer Einbe¬ 
rufung einer folgen konfereng nichts befannt. 

^Bereits regten fid) Stimmen, bie Europa befcfyulbig- 
ten, bas Wittel für fid) allein unb gut S>erfed)tung 
imperialiftifdjer 3been bemalten gu motten. Stur bas 
mar befannt gemorben, baß bie Analpfen unb bie ge¬ 
nauen 33efd)teibungen ber Verfahren an mol)lgefid)erten 
unb oerfteeften Orten aufbemal)rt feien. 

Am 33ismarcfbamm in Berlin ftanb Wellington Jo£ 
uor bem ‘ißalaft ber E. S. E. unb martete auf Seorg 
Sfenbranbt. 3)ie öerbftfonnc ftanb fdjon tief unb oer- 
golbetc bas rote Saub ber Straßenbäume, als ber Er- 
martete enblid) aus bem Sebäubc trat. 

„£>as I>at ja lange gebauert, Seorg!" 

„Ol), entfdjulbige, Jo£. 'Aber bie Sißung mar oon 
großer Wid)tigfeit." 

„Sd)abet aud) nicht oiel! Es fiel mir, mäbrenb ich 
T)ier martete, fo mand)crlei oon bem ein, mas fid) er¬ 
eignet b°t, feitbem ich bas Iefetcmai f)icr ftanb. 

Ein fd)icfialsreid)cr Sommer! Unb oieles oon bem, 
mas gefcbal), feitbem mir uns trennten, bleibt noch gu 
ergäben . . . Wirb, menn id) es an meinem Stoff meffe, 
lange Abenbe am kamin ber Jrau Waria füllen. 3d) 
benfe, mir geben ben Weg git beiner Wohnung an 
biefem fchönen $crbfttag gu Juß. 

©enf bir nur, oorfjin erhielt id) bie Aadjridjt aus 
Amerifa, baß cs bort immer nod) unter ber Afchc 
glimmt. 3n ben Sübftaaten gibt es immer mieber 3 U “ 
fammenftöße gmifeben Sdjmargen unb Weißen. £>er Wi- 
berftreit fdjeint nicht gut Anf)e fommen gu motten." 

„Wirb nie gut Aul)e fommen!" marf Sfenbranbt ein. 
„EMe kluft gmifdjen ben Staffen ift gu tief. keine S3rücfe 
führt bariiber. Es banbelt fid) um ein fategorifdjes 
Entmebcr — Ober. Einer muß meiden!" 

„3)u baft redjt, Seorg. Aber bas ift leichter gefagt 
als getan. Wan fann boeb nid)t bie fämtlid)en fchmar- 
gen ^Bürger ber Union auf Schiffe ocrfrad)ten unb nadb 
ihrer §eimat Afrifa guriicffd)iden." 

„Natürlich nicht! Aber man muß bie S$eftrebungen 
unterftiihen, bie fd)on lange unter ben Sdjmargen ber 
Union im Sd)ioangc finb. ©ie fd)marge 3nteHigeng 
finbet in ber neuen alten §eimat ein unenblid) oiel 
reicheres S3ctätigungsfclb. 3d) bin aud) feft überzeugt, 
baß bei bem immer ftärfer mcrbenbeit Staffenbcmußtfein 
unb Stolg ber Sd)margen bie Jrage in biefem Sinne 
gclöft merben mirb." 

„hoffen mir, baß bu red)t bel)ältft! 3d) bin etmas 
ffeptifd) unb möchte nicht bie Aotmenbigfeit oon ber 
§anb meifen, ber Sache mit etmas §rucf nachgubelfcn." 

„Allcrbings. £>ier mirb bie Sdjmierigfeit ber Jrage 
eoibent. E)as Sdjicffal ber Jlorcnce $emep unb bes 
jungen Discount Sombalc ift tragifd). 3)ie Stad)rid)t oon 
bem £obc Aocril Sombale hat mich ticfberiil)rt. 3ch 
fchäßte ihn fel)r. Aud) ber Seneral 5MUom betrauert in 
il)m einen guten kameraben unb tüd)tigen Offigier. 0u 
marft bei feinem £oöe gugegen?" 

,,3d) fam leiber gu fpät. 3d) tonnte bem Wörbcr, bem 
Sd)uft, bem Eameron nur nod) ein paar kugeln nad)= 
fd)iden, oon benen eine aud) Sott fei 5>anf getroffen 
bat." 

„Wie? 0u erfchoffeft ihn?" 

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„Sticht bireft. 3d) oermunbete ihn nur. Er lief mir 
fort. Ungefähr eine Woche fpäter gab es eine Staggia 
im Ebinefenoiertel, mo fid) oiele ber kompromittierten 
oerfteeft bitten. 3)ort fanö man auch Eollin Eameron. 
Er lag in ben Ießten 3ügen. £>ie an fich nicht töblidje, 
aber fchledjt bebanbeite Wunbe führte fein Enbe herbei." 

„Was mürbe aus ben 3)emeps?" 

„Sie oergogen alsbalb aus Jrisco unb befinben ftch 
feitbem ftänbig auf Steifen. 3)ie arme Jlorence ift nur 
noch ein Schatten ihrer felbft. Stach bem tragifchen Enbe 
Aoeril fiombales lag fie mochenlang auf ben Sob 
banicbcr. Jür fc cn SBatcr mar biefe kranfheit in einer 
^Begiebung fogar ein Vorteil. Wan ließ besmegen baoon 
ab, ihm megen gemiffer konfpirationen ben ^3rogeß gu 
machen. 3d) b Q ^ ÖU f $elens S3itten in biefem 
Sinne febr bemüht . . ." 

„Unb öa bu, alter ^reunb," ooUenbete Seorg 3fen* 
branbt lad)enb, „neuerbings einiges in ben Staaten gu 
bebeuten baft, ift bir bas natürlich glängenb gelungen." 

„Spotte nur, alter Sunge!" lachte fjoj. „Sin ber 
SBiege oon Sluguft SBilbelm fjuchs in S3erlin an ber 
‘ißanfe mürbe allerbings nicht gefungen, mas aus 
Slrd)ibalb SBellington mal merben fönnte. S)tein teurer 
Scbmiegerpapa bebauert täglich, ^6 t<h iürf)t ^ cu 
Staaten geboren bin. Sonft märe mir nach feiner 
SJteinung ber ^räfibentenftubl fichcr." 

£)ie fjreunbe hatten bas $eim Sfenbranbts erreicht, 
©urch bas Sartentor fehritten fie ben SIbbang gum 
$aufe empor. Unter bem Schotten bes fd)on leicht oer* 
gilbenben fiaubes einer alten kaftanie faß Jrau SJtaria 
im kreife ihrer Säfte. 

^beabor SBittl)ufen . . . 5 ranc ^ Saroin . . . §elen 
5oj, geb. Saroin. 3l>r Sepiauber fchallte ben Eintreten- 
ben entgegen. 3et )t hatte $elen bie beiben erfpäbt. 

Schnellfüßig eilte fie ihnen entgegen. 

„Enblid) fommt ihr. Söir batten uns fo auf bie ge- 
meinfamc kaffeeftunbe gefreut, unb je^t, mo fie oorüber 
ift, fommt ihr erft. 3)aran bift bu ficher fchulb." 

Unb bann faßen alle gufammen um ben runben 3:ifcb 
im Sdjatten bes alten ^Baumes. Wellington Joj hatte 
neben feinem Sd)toiegeroater ^lag genommen. 

Sein lebhafter SJlunb mar eine geraume 3^tt faft auf- 
fällig oerftummt. S3iechanifch rührte er in feiner $af[c 
unb oergaß bas Printen. Enblid) ergriff er fie unb tranf 
fie mit einem 3ugc leer. 

„A propos, teuerfter 3)lr. Saroin, märe 3hacn mit 
einer guten ^afition gebient?" 

E)er SJtiHiarbär fab ihn erftaunt an. Seine bufdjigen 
Siugenbrauen hoben fid) faft bis gu feinen £aarmurgeln. 
Seine Slugcn ruhten fragenb auf ben oollfommen ern- 
ften 3ügen feines Sd)miegerfohnes. 

„§m! . . . hm! Wie meinen Sie, lieber Wellington?" 

„Ob 3hncn mit einer guten Sßofition gebient märe?" 

3eßt oerrict Saroin bas leife 3ncfen um Wellingtons 
Sippen ben Sd)alf, ber hinter ber Jrage fteefte, unb er 
beeilte fid), barauf eingugehen. 

„0as märe? . . . SItr. Joj! ... es ift gmar fd)on 
lange her, baß i^ eine ^Option ... Sic meinen hoch 
mobl eine Aufteilung bei irgenb jemanb . . . bcfleibet 
habe. Aad) einer breißigjährigen felbftänbigen Sefdjäfts* 
führung mürbe mir bas nicht fo leicht fallen . . . 

Sang abgefehen oon ber Jrage bes Salärs... mürbe 
bie sperfon meines Ebefs für bie Jragc oon ausfchlag* 
gebenber Sebeutung fein." 

Wit unterbriieftem £ad)cn folgten bie anberen bem 
Wortgefed)! ber beiben. 

Original from 

PRIiNCETON UNfVERSITY 



SJlummer 43 


© I c 35 o cf> e 


*§m!" machte Wellington So£ unb blies einen fcfjön* 
geformten Vaud)ring oon fid). „Sie treffen ben Sßunft 
nicht gan$, Vir. ©aroin. 3I)rc (Stellung mürbe meniger 
bie eines Vngeftellten als bie eines Partners fein. Ser 
©h^f märe idj!" 

Vir. ©aroin beugte ftch cor unb machte S°S eine 
Verbeugung. 

dürfte id) ben §errn <Xf>ef nad) feinen Vebingungen 
fragen?" 

„Vebingungen, Vir. ©aroin, trifft mieber nicht gan$ 
bas Vidjtige. 3d) fef>e, meine Jrage mar nicht ganj 
präzis. Sie Sad>e ift einfach bie, id> habe ein gutes 
unb großes ©efdjäft cor unb fudje ba$u einen fapital* 
fräftigen Partner." 

„Sehr mol)l!" fagte Srands ©aroin. „Unb 6 ie mollen 
mir bie ©hre ermeifen, mich 31 t Syrern Partner 3 U 
nehmen?" 

„©oentuell, Vir. darein." 

„©oentuell?" echote es aus ©aroins Vhmbe. 

„3a! Sas heißt nämlid}, idj f>raud)e aiemltdj ciel 
Kapital . . . unb ba idj über 3f)rc Vcrmögcnsoert)ält= 
niffe nid)t genau unterrichtet bin, fo hängt es bacon ab, 
ob 6 ie in ber ßage finb, bas nötige Kapital einau* 
fließen." 

„Sntereffant!... §öchft intcrcffant!" flüfterte ©aroin. 
„Sie machen mich gefpannt ... ein ©cfdjäft ... bei 
bem bas Kapital oon grands (darein nid>t ausreidjen 
fönnte ... munberooll... f>öd)ft intereffant, Vir. JJoj ... 
Um mas hantelt es fid)? Vitte, reben 6 iel" 

Wellington 5°S fah einen Vugenblid einem feiner 
funftcoll gcblafcnen Vaud)ringe nad> 

„(Es hanbelt fid) ... fagen mir mal . . . barum, einen 
(Erbteil $u faufenl" 

©aroin fuhr mit einem fo Jomifdjctt Vusbrucf bes 
Staunens in feinen Seffcl jurücf, baß alles f)eH auf* 
lachte. 

„Vidjt möglidj, Vir. 3^re 3bee ift großartig! 

Unb ba id) meiß, baß Sie fid) mit Stlcinigfeiten nid)t ab* 
geben, ccrmute id), baß es ber größte fein mirb . . . 
alfo Vften?" 

„Vidjt bod), Vir. Sa rein! Sie certennen meine Ve* 
f(^eibent)eit. 3 $ meine ben 

fleinften.“ 

„Vuftralien ?... Vteines Wiff ens 
gehört ^luftralien öent auftralifdjen 

mi* 

„ 3 hre $ ra 9 c trifft mieber nidjt 
ganj bas Völlige. Vir. ©aroin. 

©emtß! Ser auftralifefje (Erbteil 
gehört bem auftralifdjen Volt. 

3Iber ber größte Seil gehört ihm 
ebenfo, mie ifjm bie ßuft bariiber 
gehört. (Es hat ihn unb hat ihn 
bod) nidjt. 3 nfofem nätnlidj, als 
ber größte Seil bacon Wiifte unb 
für tnenfdjlidje Sieblungcn un= 
geeignet ift." 

„3If)l* ©aroin legte ben Singer 
an feine Vafe unb faf) Sog be a 
munbernb an. 

„All right, Vir. So£! Someit 
ftimmt 3 ßt Staltüf. 3 dj bin ge» 
jpannt auf bas Vähere." 

„©ut. Vir. ©aroin l 3cfjmerbe 
Shnen meinen ‘plan in aller S^ürjc 
ausetnanberfeßen. Sie mtffen, 

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baß oon ben oierhunberttaufenb Quabratmeilen Sluftraliens 
3 meil)unberttaufenb ganj Wüfte unb h u nbcrttaufenb 
nur fnappes Weibelanb — in biirren 3al)ren aud) ganj 
unfruchtbar ftrrb. 

Ser O^ean bringt oon allen Setten Vegcn f)mm. 

Vber bie Vanbgebirge, bie ben ©rbteil faft mie ein ge* 
fdjloffener Strana umgeben, laffen bie mafferfjaltigen 
Winbe nicht ins 3 nnere bes ßattbes corbringen. 9 ln 
ben ^ußenhängen ein Überfluß oon Vegen, in ber 
Vtefenmantte amifchett ben ©ebirgen emige Srodenheit. 

^Sie^S^ge ber Vefieblung hnngt bacon ab, ob ftch 
bie Viebcrfchläge im ßanbesinnern in genügenber Weife 
fteigern laffen. Siefe Srnge bürfte burd) bie $lnmefen* 
heit unfercs oerehrten £ausiherrn ihre Vntmort finben. 

©r mürbe in unferetn ©efcßäft als ftifler Seil^abcr tätig 
fein, ©r mürbe ben ©eift einfd)ießen. Seines Veitrittes 
l>abe id) mich bereits oerfichert. Wie benfen Sie nun 
über 3h** Vottnerfd)aft, oerehrtefter Vir. ©aroin?" 

©aroin faß ftarr. Sie ©rößc bes planes oon Welling¬ 
ton Sb£ frf)icn ihn 3 U iibermältigen. Sann fam es 
enblich oon feinen Sippen. 

„Vir. ftos, $elen ift mein 3cuge, baß ich ®ie ftets 
für einen ber flügften unb tiidjtigften Äöpfe ber Staaten 
gehalten ha&e* Sie mir jeßt oorfchlagen, bringt 

meine öochachtung an bie äußerfte ©ren#e. 

Sa Vir. Sfenbranbt h^r ftßt unb gegen 3h^^ im 
erften Vugenblid fo phantaftifd) tlingenben Vläne feinen 
Wiberfpruch erhebt, fage icf): Sopp, Wellington! 

©s mirb ein ©efd)äft merben. ©in großes ... ein 
fntartes ©ef^äft. WaUftreet mirb ftch neibifd) um bie 
Vcfte raufen. Vkts fagen Sie ju meinem Sdfmiegerfohn, 

Vir. 3frn;branbt? War cs nicht ber gliicflichfte ©riff, 
ben ich i* in» meinem ßeben getan habe?" 

„Vber Vir. ©aroin . . ." Wellington So£ hab ben 
Singer, „©ine Vebingung ift babei. Sie Siebler müffen 
rein meißer Vaffe fein!" 

©in leichter 3 U 9 non Verlegenheit hufdjte über ©ar» 
eins ©efuht. 

„Selbftoerftänbtich!" beeilte er ftd^ bann 3 U fagen. 

„Vber mirb audf) geniigenb Vlaterial ba fein? ©s ge* 
hören oiele VtiHionen oon Sieblern ba^u, um bas Veu* 
lanb 31 t befeßen. Sie ©. S. ©. 

3 icht alles nach Vften. 3 eßt, 
nad)bent bie gelbe ©cfahr be- 
fchmoren, mirb ber Srattg nad) 

Often ungeheuer merben." 

©eorg 3 fenbranbt, ber bis* 
her fd)toeigenö unb Iäd)elnb 
augehört h a ttc, nahm jeßt bas 
Wort: 

„3h^e Veforgnis ift unbe* 
griinbet, Vir. ©aroin. Sie 
mirtfcfjaftliche ©ntmidlung mirb 
auf ©ruttb ber neuen ©ntbedungen 
einen berartigen ßauf nehmen, 
baß ©uropa einen bebeutenben 
Veoölfenntgsüberfchuß abgeb^n 
fann. Wir müffen in Surfeftan 
oiel Veutanb für bie Vad)fomtnen 
uttferer Siebler in Vefcroc hal= 
ten, Vuftralicn als meiteres Sieb= 
luttgslanb ift uns ermimfd)t, 
muß uns miilfonttnen fein, ©s 
foll ber Sungbrunnen ber metßen 
Vaffe für bie ßufunft ber Welt 
merben." © n b e! 

Original from 

PRIINCETON UNiVERSiTY S 


Spät am 31 B e n & 

Von Öcfnrfth £e{4. 

3n Der £ampc £tchtfref4 etngefangen, 

Sftje ich 3U fpäter QlbenDftunDe. 

Vor mir liegt cfn Vudj - Doch Öle ©ebonfen, 
Va id) lefen toflf, enteilen, f<hn?anfen 
Wie Die Breiten ©Ratten in Der CRunDe. 
£ängft ift meine pfeife au^gegangen. 

UeBer meinem ©cbrefbtifd) quirlt ein VanD 
Tlocß oon Sabafä&unft, Der fcf>on erfaltet. 
©cfmuernD an Die ©eele greift Da4 ©chtoeigen. 
©eitfam ift'4, ai^ ob id) umgeftaitet 
Wäre, fremD mir felbft, a(3 ob Die £)anD, 
VlätternD in Dem Vucf), toär' nic^t mein eigen. 

^EropfelnD Durch Die ©tilfe här' ich h<* mmern 
Weiner alten Uhr ©efunDenfchlag. 

3lu4 Den ©chränfen fommt ein Änarren h^r 
Wie ein leifer ©chritt flingt'^, fcheu unD ^ag. 
WechfelnD jiehen träume auf — unD fchtoer 
faucht Der Äopf in Dunfel*trübe4 Vämmern. 




'Seite 970 


© i e 3B o cfc e 


9iummet 43 


JTeuretc^ tm S'tlm * 23 on ®mtl 3 anntng£ 

. Mit sieben photograühischen Aufnahmen 


ßfs ift l)eute für mid) eine ausgemacfjte $at- 
^ fad)e, bafc jeber gilm, aud) ber t)iftorifd)e, 
aus unferer 3 C ^ I)eraustoad)fen mu§. Saturn 
ift es tm ^rin^ip eine uiel bantbarcrc Aufgabe, 
Sqpeti ber Obegemnart au oerförpem als etwa 
einen englifdjen Völlig ober einen römifd)en 
3ntperatpr. 3)amit foÜ nid)t gefagt fein, ba& 
ettoa ber ‘Dtcro, beit icf) im 9iaf)tncn bcs Quo 
vadis-ftilms augctiblidlid) in 9iom für ben gilnt 
neu fdjaffe, fiinftlerifd) weniger intereffant ober 
weniger ergiebig ift als bie gigur bes 6.3.9ftupp, 




Familie Neureich. Sie: Lyda Potechina; „Der Stolz des Hauses“: 
Lee Parry; Er: Werner Krauss 

Oben : Emil Jannings, der Verfasser unseres Artikels, als S. J. Ropp 
Links : Lee Parry als Fräulein Neureich 


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Original from 

PRiNCETON UNIVERSITY 









Stummer 43 


©ieQß o d) e 


Seite 971 



Neureich „regiert“ 

Rechts: Abendessen 

bei Neureichs (Regie 
Richard Eichberg) 


ber im SDtittelpunft 
meiner lebten beutfrfjen 
Arbeit ftel)t Cs ift bie 
C&eftalt bes £>crrn Aeu- 
reich, jenes ftjmpathifd)-- 
unfrjmpntf)ifd)en 3cit= 
gen offen, bent man auf 
Schritt unb Zntt nid)t 
nur bei uns, fonbcrn 
in, allen Säubern begeg¬ 
net, eine ftigur, bie nad) 
bem gilm fchrie, bie ins 
SUno gehörte eben aus 
bem (Srunbc, tücil aud) 
bas 5ilmfd)aufpiel Spie- 
gelbilb ber Segenmart 
fein tnu§. 

AlsmirAubofphStratj 
mit ber 3&ce tarn, einen 
biefer Cmportömmlingc 
bargufteüeu,bic ba glaii- 
bcn, burd) (Selb alles 
gu erreidjeit, mar id) bc- 
geiftert, nicht nur, meit 
id) barftcllerifd)e Aiög- 
Iichfciten fah, fonbcrn 
roeil cs mir mcfentlid) 
erfdjien, an einem prat- 
tifchen SeifpicI gu cr- 
meifen, baft biefe An¬ 
häufung bes SJtammons 
buid) Soujunttur unb 
gufall nie innere Bc- 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 


friebigung geroäh¬ 
ren fann. 3)iefe 
Aeureidjs finb tra- 
gif che unb fo- 
mifche giguren gu» 
gleich. Sie halten 
ficf) für §errfcher 
einer größeren ober 
Heineren A3clt unb 
mad)en ficf) hoch in 
bcn Augen ber toirf- 
lieh Reichen fo 
Iäd)erlid), ba§ fie es 
felbft nid)t merfen. 

Cs ift eine fou» 
oeräne ^ornif, bie 
oon §errn Aeureid? 
ausftrahlt, roenn er 
gmar beit grö&ten 
s Babefd)toamm bc= 
fijjt, aber nicht meiß, 
mas er bantit an¬ 
fangen foü. Cs ift 
tragitomifd), roenn 
er fo bafi^t mit ber 
bidften unb feinftcn 
gmoanna ber 2ßelt, 
ohne gu inerten, 
bah man ihm fd)on 
anfteht, bafc er oon 
bem ©ettufj, ber 
bem Kenner biefes 
foftbare Slraut fo 
mertooUmad)t,auch 
nicht einen Ieifeit 
§aud) oerfpiirt. 


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Coo< 







SifßSi 

tsamR 


Herrn Neureichs Ahnenbild (Werner Krauss) 
Rechtsi Frl. Neureich, die Weltdame (LeeParry) 


^efte 972 


Kummer 43 


©icllcid)t, fo bad)te id) mir, mirb §crr Weureid) 
fd)ou befd)cibencr, menit er im 5 ilm crfdjredcnb 
ernennt, iuic fomifd) es ift, mentt er ftd) überall 
breit macht. ©aß er t)iclleid)t einfteht, baß bie 
<pöhc bes ©anffoittos allein nod) fein Wed)t gibt, 
(Id) gleid)bcrcd)tigt neben ben feinfultioierten, aber 
mcitig befihenben Wlitteleuropäcr 51 t [teilen. ©od) 
bie 3 citfatire allein mad)t nod) nid)t ben großen 
gilm. © 3 it mußten ben öct in jebem 

„Weltreich*' tlafft, bitref) ein tragifchcs ©efd)icf, 
roenn man fo fagen barf, beutlidjer berocifen. 
©as gefchaf) baburch, baß mit biefen SWann, ber 
ftd) allmächtig bünft, ohnmächtig machen, mo bie 
©3irfung bes (Selbes aufhört unb bie (Sprache ber 
Seelen beginnt. 

£err Neureich miU ftd) eine ©raut laufen, mie 
er ftch $äufcr, gabrifen, ©rillanten unb ©iicher 
lauft. Wber er ncrliert ben Soljn unb bie ©raut; 
er ocrlicrt batnit and) ben äußeren fpalt. (Sr 
erfennt, baß (Selb nur bann glüdlid) macht, 
menn man auch ocrftel)t, es ju gebrauchen, ©er 
©usllang bes gilms miU ben Weltreichs unferer 
©age ein SWahner fein. (Er miU nachmeifen, mie 
eine ©erföhnung jmifchcti ben Kulturträgern bes 
©otfriegs unb bent Weid)tum unferer ©age h^’ 
beigeführt mcrbett fann. Wicht etma nach ben 
^Prinzipiell einer politifchcn©$cItauffaffung,fonbern 
rein meufd)lid), ittbem man nämlich auf taftoolle, 
oontehme ©Seife bie ftü^t, bencit jet^t bös mit= 
gcfpielt mirb, meil fic oertrauten auf große unb 
herrliche 3 bcale. ©er junge Weureich ift in meinem 
gütn bereits ©räger biefer 3 &ec, meil mir glauben, 
baß, mie fchon fo manchmal, bie Sugenb auch in 
biefem gall flarer unb beffer fteht als bie Wlten. 

©as, mas mich an ber gigur bes S. 3. Wupp 
reifte, mar nicht ber Weureich aus ber luftigen 
ßdc, nicht bie Wtöglid)feit bes biüigcn ©Sitzes auf 
eine unoermeibliche, mie id) fchon eingangs fagte, 
fpmpathifch^unfpmpathifchc gigur; cs mar bas 
©erlangen, bie ©ragöbie eines 3 e itQ cuo ff cn / 
bemußte unb unbemußte, flar gu geftaltcn. 


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Original fra-m 

PRINCETON UNiVERSITY 










Kummer 43 


® t « o * t 


Seite 973 


3m Ä a m p f gegen b t e 6 m ö r o ^ e t 

33on ©r. Äurt J3mmei, ©treftor bc# 3oo(ogffcf)en ©artend ftranffurt a. OT. 


ine SDlitliarbe ©olbmarf minbeftens geht nach faebfunbigen 
geftftedungen alliäf)rlid^ bem beutfeben Bationaleinfommen 
burd) bie uertjeerenbe Täiigfeit ber tierifeben unb pflanalicben 
Scf)äblmge an ben ©ütern bes täglichen Bebarfs ocrloren, bie 
gefpart merben fönnteit, menn eine planmägige — auch oorbeu- 
genbe Befämpfmtg biefec fürchterlichen geinbe bes Blenfcben 
in allen teilen bes ßanbes fonfequent burebgefübrt mürbe. 
Baoon finbmir Ieiber inBeutfcblanb trog ber fegensreiefjen Tätig« 
feit bes ^ßflanaen- 
febugbienftes ber 
biologifcben 
Beicbsanftalt noch 
meit entfernt. Mfl 
man bafjin ge¬ 
langen, fo mug 
bie Kenntnis ber 
mtcf)tigften Scbäb» 

Iinge unb bie ©r- 
fenntnis berBot- 
menbigfeit ihrer 
Betämpfung (Ge¬ 
meingut bes Gol¬ 
fes merben. Um 
bie erforberlicbe 
Auftlärunq in 
meitefte Stiebten 
tragen $u helfen, 
haben mir in 
granffurt ^um 
erftenmalbenBer- 
fueb unternom¬ 
men, ben 3oo* 

Iogifcben (Garten bafür nugbar au machen, unb glauben, bantit 
einen üBeg gezeigt au haben, bag bie beliebten, bureb bie gegen« 
märtigen 3eitoerbäItniffe leiber au febmer in ihrer Stiften* be- 
brohlen Tiergärten — neben ihren miffenfd)aftlicben unb oolfs- 
bilbenben Aufgaben — auch oolfsmirtfcbaftlicb mistige Arbeit 
bureb W*9* ber angemanbten Biologie au Ieiften oermögen. 
Ber praftifebe ©rfolg bes erften Arbeitsjahres unferer „Abteilung 
für Scbäblingsfunbe" übertraf ade (Ermattungen. Biele Taufenbe 
befuebten bie ftänbige Ausftellung unb holten ficb foftenlofen Bat 


in ben täglichen Sprecbftunben bes Abteilungsleiters. Unter- 
ricbtsanftalten aller Art mürben bureb bie Schau geführt, 
fiehrgänge unb Borträge mürben abgehalten unb erfreuten 
fleh beften 3ufprucbs. $i* neue Abteilung ift bem 3nfetten- 
baufe bes ©artens — bem aeitlidf) erften Beutfcblanbs — 
angegliebert 

Bie foftenlos augänglid^e Bauerausftellung oeranfebauliebt 
in befonberen Abteilungen bie miebtigften tierifeben unb pflana« 

Iicben Scbäblinge 
ber Borräte, bes 
gelbes, bes ©e- 
müfes,bcsObftes, 
besBSeinbaus unb 
bes gorftes nnb 
ferner bluifau« 
genbe unb frank 
beitübertragenöe 
Sdjmaroger, ihre 
©ntm'dlung, ihre 
üebensmeife unb 
bie mirffamfte Art 
ihrerBefämpfung. 
Someit als möglich 
mirb ber Sdf)äb» 
Iing lebenb in bio- 
logifcb eingerich¬ 
teten Behältern 
gegeigt. SeineSnt. 
micflungsftabien 
merben bureb 
gute Präparate 
oeranfebauliebt. 

Berbeutlicbt mirb bie Betrachtung ber meift fleinen Organismen 
bureb gute Bemonftrationstafeln, bie ben betreffenben Schäbiger 
in fehr ftarfer Bergrögerung a*t 9 ™. $amit bem Befdjauer 
bemugt mirb, bag man geh 9 * 9 ™ biefe geinbe febügen fann, 
bag es mirffame, auoprobierte Büttel bagegen gibt unb mo 
fie h^trgefteüt merben, finb biefe gleich babei in Scbaugläfern 
unb Originalpacfungeit gemeinfam mit ben eo. au ihrer An- 
roenbung nötigen Apparaten ausgefteüt. — A3er bie Scbäb¬ 
lingsfunbe förbert, hilft mit bas Baterlanb mieberaufbauen. 




Das Innere des Insektenhauses im Frankfurter Zoologischen Garten mit der neuen 
Abteilung für Schädlingskunde 



Ein Blick auf die Wand mit den blutsaugenden und Krankheiten übertragenden Schmarotzern des Menschen 


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Original from 

PRINCETON UNIVERSITÄT 









Geitf 974 


© i e OB o <$ e 


Kummer 4.1 



Mieterversammlung in der Waschküche: Die Portierfrau hat das Wort 


as aJlictcn unb Vermieten 
ift offenbar eine rein 
menfcf)lid)e ©inridjtung. 3e= 
benfaUs ift bis jetjt nod) nicht 
toiffenfd)aftlid) ertoiefen, baß 
etroa Riffen ©todroerfe oon 
‘Jlffenbrotbüuinen an anbere 
Kliffen oermieten, ober baß 
folcfje mietenben Riffen ftd) 
gar gu ‘ülffenräten gufammcn- 
fdjließen. 

^Illerbings fjat ftd) }a bie 
SDtenfdjfjeit aus bem fröhlichen 
unb tinblidjen ©ierfjeits- 
guftattb in oerfdjiebeiten 3tid)= 
tungen falfd) über biefen hin- 
ausentroidelt. "Jlbgcfefen ba= 
oon, baß ftd) bie 9Jienfd)en 
im ©egenfaß gu ben Slffen, 
bie frieblid) in gerben auf 
Halmen fpielen, feit Urgciten 
totfcfjlagen, verfallen bie 3J!cn= 
fdjcn außerbem in SOiieter unb 


9Sermieter. ©s ift ferner gu 
bemerten, baß bie Unter» 
ßaltung, bie in ben oon Stier» 
ßänbem betooßnten aiffcn» 
häufern gu pren ift, neuer» 
bings anfängt, oon beftimm» 
ten Unterhaltungen, bie in 
3)ienfd)enf)äufern ftattfinben, 
übertroffen gu merben. ©iefe 
Unterhaltungen toetben oon 
beftimmten Streifen geführt, 
©iefe Streife heißen mit einem 
gefeßlidjen Slusbtud SDtieter- 
rate. 

<£s ift gang !Iar, baß für 
bie £>austoirte, bie in biefen 
fd)önen 3 e 'ten ratlos ftub, 
Stat gefdjaffen roerben mußte, 
©eshalb fdjuf man eben ben 
SJticterrat. ©en 2Jtieterrat, 
bet fich nach neuerem brauch 
in beut freunblidjen 9laum 
ber 3Bafchtüd)e gu oerfam» 


,Mit den Lappen soll ick noch uffwischen? Det is 
ja det reene Spitzentuch!“ 




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Original frorn 

PRINCETON UN1VERS1TY 



Kummer 43 


t* <ro o 


'Sette 975 



mellt pflegt. £>ier oerfammelt fxef) 
ber heutige Sülenfcf), ber Bieter ift. 

Bieter fein ift ^cut ein $3eruf. 
(£5 ift fd)on beinahe ein £aupt= 
benif. ©er SOtietcr t)at oor allem 
bie Aufgabe, bem £>ausmirt fein 
öaus in Orbnung 311 halten! ©aß 
cs nicht jufammenfäHt ober ge= 
ftoglen roirbl ©enn neuerbings 
ftieglt man Raufer. Suerft bie 
tpausllingel, bann bie ©reppen* 
läufer, bie ©liihbirnen, bie ©ür- 
tlinfen. hierauf bie §austür= 
feheiben, bie ©reppengeläitber nnb 
SJteffingftangen ber ©reppenläufer, 
^öleiroljre unb ßeitungsfabel, (£>ar= 
tentiiren unb SBrunnenfdjmengel, 
wenn es möglich ift, audj bie ©ad)= 
pappe ober ©adföiegel. 

Dilles biefes ift natürlich in hohem 
SRaße geeignet, bie fo angenehmen 
^Beziehungen zwifdjen £>ausmirt unb 
Bietern itod) anzieheitber %u ge= 
ftalten. ©ie ^Beratungen über (Er* 
faß unb <Bermeibung foldjer Sd)ä= 
ben bürfeit bei feinem orbentlidjen 
SLRieterrat fehlen, ^luch bie ftragc. 




Bestrafte Selbsthilfe. — Links : Deutschlands Symbol 

mann unb mieoiel unb bei mem bie Kohle 
für bie 3 cn ^ a ^ c ^ un 9 8 U befteHen ift, unb ob 
biefe nid)t burch Ofenfeuerung z u erfeßen fei, 
ift geeignet, bie ^Beziehungen zwifdjen &en 
gliebern bes Süfictcrrats märmer z u gcftalten, 
mas ja mit s Dtiidfid)t auf bie titriere Jahreszeit, 
für bie babei geforgt merben foll, nur lebhaft 
Zit begrüßen ift. 

©ic freie 3°it bie zwifchen & en ^ticteroer* 
fammlungett übrig ift, füllt ber forglidje Bieter 
aus mit ben rccf)ncrifd)cn ^erglcit^ungeii ber 
3Jtietsbcrcd)uuugen bes Jpausmirts mit ben ein* 
fad)eit unb Haren SBeftimtnungen bes SReichsntieten* 
gefeßes. 

lieber jongliert ber Bieter folangc unb fooiel 
mit Nullen, bis er fd)licßiid) einfieht, baß er 
felber eine ftull ift. ©ie 3eit, bie ihm nun nod) 
übrig bleibt, oermenbet ein guter Bieter auf 
Heine ^lusbeffcruugen ber ihm fozufageu gefd)euf= 
ten Wohnung. (Er tapeziert bie Simmcr, fpielt 
Kammerjäger, ftreicht ftitßböben, littet fjeufter* 
fcheibcu, ober er mifd)t bie ©reppett auf, falls ber 
portier fid) auf bas Peinlichfeitsbebürfnis Der 


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Original frorri 

PRINCETON UNIVERSITY 






























© i c Qö ocbc 


Seite 976 


Stummer 43 


SJtuder ausreidjenb glaubt 
oerlaffen $u fönnen. Sr 
macf)t fid) eben fo nütj» 
lief), tote es einem SJtie» 
ter, ber fd)lief$lid) für 
feine foftbare Söofjnung 
nur Stullen bezopft, $u» 
fomrnt. Söefonbers er* 
toünfdjt ift aud) bas 
Sluflegen oon ©urnrni» 
fcfjciben am Stücken» 
toafferfjafjn. hierbei emp¬ 
fiehlt fid), oorper bett 
§auptf)af)n abjuftellen, 
toeil fonft betn Unter» 
inieter bas SBaffer burd) 
bie ©ede läuft. Unb bas 
fjat meiftens fepr unati= 
genehme fjolgett: erftens 
bereitet man feinen Iie» 
ben SOtitbetoohnern eine 
peinliche Ueberrafdjung, 
unb jtoeitens foftet es 
heutigen ©ages aHerpanb 
Selb 

Söenn alles bas er» 
lebigt ift, ift toieber bie 
3 eit für einen neuen 



SJtieterrat ober eine neue 
SJtietsabredjnung. Selbft» 
♦ oerftänblid) toirb ein 
orbentlidjer SDtieter jtoi* 
fdjenburd) aud) nod) bie 
paar Stunben erübrigen, 
in benen er bie lumpige 
SDtiete oerbient, bie er für 
feine ljocf)f)errfdöaftlid)en 
Staunte fcfjanbenljalbet in 
enbtofen 3roifcf)enräumen 
&u jafjlen hat. SBas nod) 
fehlt, toirb ein oernünf* 
tiger SJtieterrat aufbrin» 
gen, inbetn er einfad) bie 
Treppenbeleuchtung fpart 
unb bas §aus nacfjmit» 
tags um oier Uhr fd)liefjt. 

SBenn bas alles nod) 
nicht ausreidjt, ben §aus* 
toirt abjuljalten, fein 
§aus gu oerfcfjenlen, 
bleibt als letztes SJtittel: 
für jebcs ^Betreten bes 
Kaufes oon ben Bietern 
unb ihren S3efucf)em ein* 
fad) (Entree ju ergeben * •.! 

(Schluß des redaktionellen Teils) 




dÖzei dVege, 

Jökren durch C ri - \Shonota - 
ÖThgel oder ifiiano ZLum 

Genuss und^ur Selbst* 
auSubung des -kfavierSpiels 
in höchster IdolIcn düng 


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LUDWIG HUPFELD A.-G. 

BÖHLITZ- EHRENBERG bei LEIPZIG 

BERLIN . HAMBURG . LEIPZIG . DRESDEN 
KÖLN . WIEN • AMSTERDAM - BARCELONA 

Original from 

PRIINCETON UNIVERSITY 







tot* 


21 um tuet %% 




^erlitt, öett 5. ilottcmbet 1923 25* 3abrgang 



iastii 


£Me ßröffnung beS beuffd>en 3\unbfunf$ 

25on (Staat eff efretdr ©r. #an$ ©rebotp 


CYfls es fid) nad) bem Kriege barum banbeite, ben ^ele= 
4k grapl)en= unb ^Jcrrtfprecf)betricb auf ben ftricbcns* 
»crfd)r umstellen, ergab fid) bie Tatfacße, baß bie t>or= 
hanbenen Betriebsmittel ben fid) plößlid) fteigernben 
Bertehrsanforberungcn nid)t gemad)fcn mären. S)ie 
Telegrapbenoermaltung hatte mährenb bes Krieges alle 
entbehrlichen Apparate unb SBauftoffe bem £>eer 3 ur Ber* 
fiigung geftellt, unb ber größte Teil bes Materials ging 
ieiber mährenb bes überwürzten Bücfzugcs oerloren ober 
mar nad) ber Bnfunft in ©eutfchlanb unnachmeisbar 
gemorben. (Es tarn tjin^u, baß bie ortsfeften tedjnifdjcn 
(Einrid)tungcn not allem im 5ernfpred)bienft mährenb 


bes Krieges megen ^erfonalmangels nicht orbnungs* 
mäßig inftanb gehalten ober erneuert roerben tonnten. 

T)ie Telcgrapbenoermaltung faf) fid) bafyer nad) ber 
Staatsunimälzung einer um fo fd)mierigeren Sage gegen* 
über, als bie Umfteüung auf ben 5 r i c & cn5 betrieb mit 
einer nicht oorf)ergefebenen Befd)leunigung erfolgen 
mußte. Staflu maren bie Überfcefabel uns genommen, bie 
curopäifd)en Bcrbinbungen meift unterbrochen, bie 
innerbeutfehen Telegraphen- unb frernfpredjlinien bau* 


fällig unb ftart überlaftet. So mußten neben einer be* 

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jcßleunigten BMeberinbetriebfeßung ber früheren Ber» 
febrsroege ber beutfd)en ©irtfd)aft zugleid) neue SBege 
erfd)Ioffen merben, auf benen fie ihre burch befonbere 
politifd)e unb mirtfdjaftliche Sage gefteigerten Bertehrs* 
bebürfniffe befriebigen tonnte. 

$iir bie Buslanbsoerbinbungen befonbers mit Überfee 
tonnte fchneller (Erfaß nur burd) ftunftclegraphie ge« 
id)affen merben. T)ic in biefer Bid)tung eingefchlagenen 
Bemühungen führten feßon 1919 zur Snbicnftftellung 
ber gunfoerbinbung mit ben Bereinigten Staaten unb 
fpäter mit (Englanb, §ol!anb, Spanien, Stalien, 3ugo= 
flamien, Ungarn, Rumänien, Bußlanb, (Eftlanb, ßettlanb 
unb Sd)meben. hiermit mar bie Oörunblage zu einem 
fcßnell unb 3Uoerläfftg arbeitenben BMrtfdjaftsbienft 
gelegt. (Es lag nahe, zu unterjud)en, ob bas ftunfmcien 
auch für ben innerbeutfehen Berfehr eine (Entlaftung 
bringen tonnte, unb es mürbe bal)er zumidjft oerfueßs* 
rocife ein Suuflinienoerfehr eingerichtet. 3)as Beß um* 
faßte 16 Scnbecmpfangftcllcn zum Btechfeloerfehr unb 
baneben ctma 80 Orte mit reinen (EmpfangfteUen, bie 
oon ber Senbeftelle ftönigsmufterf)aufen aus mirtfcf>aft= 
liehe Bachricßten gleicßlautenben Snßalts entgegen* 

Original frarn 

PRIINCETON UNIVERSITY 







Geil* 978 


0 i « OB o cb e 


Stummer 4 t 


nahmen. 0er fiinienfunfoerfefjr flieg oon 500 000 Tele¬ 
grammen im 3 ai)re 1919 auf etma bas Gedjsfacße tm 
3 aßre 1922 unb mürbe tm Saituar o. 3 - burd) ein 
befottberes Verfahren 3 U 111 Vlißfunfbicnft ausgebaut, ber 
ben Verfeßr feßt halb um bas SBieifacfje fteigerte. 

Tte eigenartige VMrtfcßaftelage Teutfcßlanbs forberte 
Verfehrsmögltcßfeiten, mit bereit £>ilfe fd)nellftes Ttspo- 
nieren möglid) mar* Tas Sleidjspoftmintfterium ging 
Deshalb fd)ott 1919 mit Unterftüßung ber 3ubuftric 
Daran, bie bral)tIofc Telcpßonte befcf)Ieunigt fort^uent* 
toicfeln, unb richtete, fobalb bie Vetriebsficßerhett gemäßr- 
Ieiftet mar, mit ber (Eilbienftgefelljchaft, bic es über¬ 
nommen l)attc, bie VuslanDsnacßricßten 311 befd)affen unb 
in Teutfcßlanb 31 t oerbreiten, einen VMrtfcßafts=Vunb= 
fprueßbienft ein. 

3eber ©ejicher erhielt bic Vtöglidjfeit, bie (Empfangs¬ 
einrichtung in feinen Gejcßäftsräumen auf^uftellen unb 
jo bic gemünfd)ten ^aeßrießten unmittelbar oom (Eil- 
bienft aufounct)men. Tiefer Tienft hat es oerflanben, 
fid) in ftänbig fteigenbem SOtaße in Teutjd)lanb ein^u- 
führen, unb ift in^mifd^en aud) auf eine SReiße europäifd)cr 
Räuber ausgebehnt morben. 

Tic Teilnehmer an biefem Tienft hatten nun un¬ 
mittelbar nad) (Empfang ber 9tad)rid)ten nteiftens bas 
Vebiirfnis, auf fcßnellftem V>ege Verfügungen brtngenb- 
fter Statur 311 treffen. .Tas mürbe ermöglicht burd) ben 
jd)ott ermähnten, im 3amtar 1923 >v eingerid)teten Vlit^ 
funloerfeßr, ber in^mifchen auf etma 300 Orte ausgebehnt 
morben ift unb mit fold)er Gefdjmiitbigfeit arbeitet, baf$ 
bie fiauf^eit eines Telegramms oon ber Vbfenbung bis 
3 utn Bufpredjen an ben (Empfänger nur etma 10—15 
Vtinuten beträgt Tiefe beiben Tienfte — V>irtjd)afts- 
Slunbfprud) unb Vlißfunf — greifen eng ineinanber 
unb ergänzen ftch in mertoollfter SBeife. 

3 eßt ift ber 3 eitpunft gefontmen, bas fjunfmejen aud) 
in Teutfd)lanb für Unterhaltung^mecfe 311 erfcßließen. 
Tie öffcntlid)feit l)at ftd) Darüber gemunbert, mesßalb 
man in Teutfd)Ianb mit einer gemiffen Vorfi d)t an biefc 
neue Aufgabe herangetreten ift. Tas hängt bamit 311 - 
jainmen, baß infolge ber (Eigenart bes fjunfmefens neue 
(£inrid)tungen leid)t bie oorhanbenen ftarf beeinträd)tigen 
unb bie ftörungsfreie Vbmtcflung eines umfangreichen 
jyunfoerfeßrs bal)er organifatorifd) mic auch ted)nifd) oiel 
fd)mieriger ift, als man felbft in Tedjniferfrcifen an¬ 
nimmt. Tic bereits oorhanbenen gunfoerbinbuitgen 
bringen (Einnahmen für bas 
9leicß, bie felbft bei bett 
heutigen 3 a ^enbegriffcn eine 
Stolle fpielett, unb bie Tele= 
graphenocrmaltung barf bei 
ber heutigen ftinai^Iage 
felbftoerftänblich feinen neuen 
Tienft ^ulaffen, mettn nicht 
oon oornherein feftfteht, baß 
er (Einnahmen für bas. Steid) 
bringt, 311111 minbeften aber bie 
bisherigen (Einnahmen nicht 
fcßmälert. Tiefe Vorbebin» 
gungeit mareit 311 erfüllen, be^ 
oor man barait gehen foitnte, 
bie braßtlofe Telephotiie and) 
in ben Tienft ber Volts* 
bcleßrung unb »Unterhaltung 
3 U ftellen. 3 n aitberen ßätibern, 

3 . V. in Slmerifa- unb (Etta* 1 I 
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lanb, fonnte bie (Entmicflung anbers oerlaufen, meil 
bie 3uftäitbe in Verfeßr unb Söirtfcßaft georbnete maren 
unb nicht befoitberen Gcßuß beanfprueßtett. Tiefe reichen 
ßänber fonnten es ftd) baßer feßon früher leiften, beit 
brahtlofen Verfeßr in großem Umfange ber Volfsuittcr» 
haltitng bienftbar 31 t machen. 

SBic foü nun ber beutfeße Stunbfunf ausjehen? Sluf 
bie Vebeutung ber Tatfache, baß bie Sunftelepßonic rote 
fein anberes S?ad)rid)tenmittel 3 ur allgemeinen Ver¬ 
breitung oon Slad)rid)ten, ferner für Unterhaltung unb 
Veleßrung meiter Volfsfreife geeignet ift, habe id) in 
einem Vortrage in ber Urania im 3aßre 1919 bereits 
hingemiejen. 3 d) habe aud) oor etma 3 al)resfrift gelegen!- 
lid) einer Vorführung bes SBirtfri)aftsrunb|prud)s oor 
ber Sßreffc ein allgemeines Programm herüber entroidelt 
unb ausgeführt, baß ein oöllig fd)ranfenlofer Tienft etma 
toie in Den Vereinigten 6 taatcn, mo fid) ein großer VMrr* 
toarr im ftmtfbienft entmicfelt ßat, nicht 3 mecfmäßig ift. 
Tatiiber finb fid) faft alle Telegrapßenuerroaltungcn 
einig, unb (Englanb ift Deshalb aud) einen eigenen V>eg 
gegangen, ber oiele Vorteile bietet, aber nießt oßne 
meiteres oon uns nadjgeaßmt 3 U merben braud)t. (Es 
erjd)eirit oor aUent für beutfdje Verßältniffe unermün|d)t, 
ben gan 3 en Unterßaltungsbienft ein|d)licßlicß bes Ve- 
triebes ber Genbcftationen unb ben Verlauf oon 
(Empfangsgerät einer einzigen Gejelifcßäft 3 U übertragen 
unb ein Sßrioatmonopol auf einem Gebiet oon uniiber- 
{eßbarer Vebeutung 3 U errid)ten, mie cs in (Englanb 
gefd)eßen ift. V>ir toollen oielmeßr unter Veriicfrtd)li- 
guitg ber (Erfahrungen, bie in Slmerifa unb (Englanb 
gcmad)t morben ftnb, planmäßig fo oorgeßen, baß mir 
auf ber einen 6 cite bie ftaatlid^e Vuffidjt über ben Tienft 
— über biefe Stotmenbigteit tff »tan fid) in faft allen 
Siänbern im flaren — ausüben, aber im übrigen ein 
freies Gpiel ber Kräfte 3 ulaffen. SBir mollen bie Genbe- 
ftellen in Teutfd)lanb oöllig neutral halten unb fie felbft 
betreiben, um fie bann ben fuß bilbenöen Unterßaltungs* 
gefeUfcßaften gegen Softenerftattung 3 ur Verbreitung 
ißres Stad)rid)tcn= ober Unterßaltungftoffes 3 ur Ver¬ 
fügung 3 U ftellen Gelbftoerftänblid) fomint für Teutfcß- 
lanb bei feiner 5 inan 3 lage nur eine £öfung in Vetrad)t, 
bie ben Tienft finanziell oöllig trägt unb Darüber hinaus 
nod) Dem Sieid), bas ben Tienft einheitlich organifiert unb 
ühermad)t, (Einnahmen erfd)ließt. Slußerbem 3 mingt 
unfere gan 3 e ßage 3 U einem oorfid)tigen feßrittmeifen 
Vorgeßen. Söir beginnen Deshalb mit bent Tienft 
3 Utiäd)ft in Verliit unb SRütt 
eßen unb merben ißn bann 
allmählich auf meiterc Vc= 
I 3 irfe ausbeßneit. Tic Gtärfe 
Der Vejirfsfntbcr mirb fo bc= 
itteffen fein, baß fie mit cin= 
fachen (Empfängern ittt Utn= 
(reife oon 100—150 $Ulo= 
metec fteßer gehört merben. 
Tie Steißenfolgc unb bie Ge» 
feßminbigfeit, mit ber bic 
I Einführung be 3 irfsmeifc ge 
1 fd)ießt, mirb 31110 mefeitt* 
ließen Teil baoon abhängig 
fein, in melcßetn Umfang 
UiiterhaltungsgefeUfdßaften ge* 
gninbet mertfen, bie Die 
Aoften ber Genbefteüen auf¬ 
bringen unb aud) fouft ben 
Tienft fman 3 ieren* 

PRI1NCETON UNIVERSITY 


RADIO - WOCHE 

Im führenden Artikel dieser Nummer behandelt 
Staatssekretär im Reidispostministerium Dr. 
Bredow die neueste Errungenschaft auf tech¬ 
nischem Gebiet: die Rundspruchtelephonie für 
Unterhaltungszwedcc. Da der amtlichen Frei¬ 
gabe des Rundspruchs eine epochemachende volks¬ 
tümliche Bedeutung zukommt, haben wir eine 
neue Rubrik, die „Radio-Woche'", geschaffen, die 
unsere Leser heute zum ersten Male in der Zeit¬ 
schrift finden Wir werden ausführlich über alles 
Wissenswerte und Neue auf dem Gebiet der 
Radiotelephonie berichten und unseren Lesern Ge¬ 
legenheit geben, aus der Praxis anderer zu lernen 
und aus eigener Erfahrung Anregungen zu geben 
Redaktion und Verlag der „Woche" 




Dhimmcr 44 


® i e ® o4e 


Gelte 079 



Tanz nach Radiomusik 


"Ber fctitn an bem 9hmbfunt tcilnc()mcn? ?>ebcr, bei* 
bie (Erlaubnis ba^u bei einem 5ernipred)amt einbolt unb 
ftd) jelbft (Geräte beidjafft. batf fid) eine (fmpfangsanlage 
im eigenen Seim hcrridjten unb bie non ben "Kunbfunt 

fendern ausgei)enben 3tad)rid)ten aufnehmen. ©aneben 
©erben bie llnterhaltungsgefellfdjaften öffcntlidje "Bor» 
fiihrungen mittels 2autfpred)ers oeranitalten, au benen 
jebermann gegen flahlung non einem beftimmten (Sin* 
trittsgclb ßutritt Ijat. 

{yiir bie int eigenen ioeim aufauftcllenbcn (Empfänger finb 
ted)ttifd)e unb ’&enutjungsuoridjriftcn erlaffen. (£s biirfen 
nur foldje Ooeräte oermanbt ©erben, bie geroiffen ted)= 
nifdjen "Borfchriften entfpredjen. hie Anhörung ber 
©arbietungen ift eine jährliche <5Sebiil)r bei Eöjung ber 
Onenehntigungsurfunbe, bie jeweils fiir ein Csnl) r aus* 
geftellt ©irb, 311 entrichten. 

Bas bietet ber 9lunbfunt? fraft täglid) ©erben ttad) 
einem oorl)er oeröffentliditen Programm ©arbietungen 
aller Dlrt erfolgen. "ülufitoorträge erfter Miinftler ©erben 
ab©ed)fcltt mit 'Dieben oon Kolititern, Vorträgen non 
(belehrten unb Zünftlern. "Belehrung unb Unterhaltung 


nicht nur für bie Grmadjfenen, fonbertt aud) fiir bie 
3ugcitb ©irb geboten; (frnftes unb Weiteres joll ber 
"Diunbfuitf bringen. 

Qlud) Dlad)rid)ten oon allgemeinem ’3ntercffe, ©ie Beiter» 
oorhenage, Gportmelbungen, Birtfdjaftsmelbungen, prat» 
tijdje "Diatfd)läge aller 9lrt, follen oerbreitet ©erben. 

"Bian ©irb abmarten müffen, ©eldie "Beteiligung ber 
©ienft fittben ©irb, unb ob er in ©eutfd)lanb bei feiner 
heutigen Sage ©irtfdjaftlid) burdjgehalten ©erben fann. 
Cf ine ©efentlid)e 'Borausfeßung bafiir ift neben genügen» 
bei* "Beteiligung, baß bie ('Gebühren fiir bas (Gehörte rcgel* 
mäßig eiitgchen, beitn bie auffotnmenben Gummen bc» 
ftimmen bie Ooiite bes Ktograntms unb entfefjeiben leßten 
(£nbes über bas Gdjicffal bes beutfd)en "DUmbfunfs, ber 
nur auf bem ehrlidjen ©runbfüß oon fieiftung uitb 


1 

1 


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Gck 'gle 


Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 









Kummer 44 


Mittel einfegen unb fidj 
bemühen, bie aufeubauenbe 
Organifation fo elaftifcl) unb 
für fpäterc (Eittroicflungen 
fo anpaffuitgsfä^ig u>ic 
möglich 51t geftalten, unb 
babei bie Sntereffen ber 
beteiligten Greife roeitgehenb 
betiicffidjiigen. Um (Sin* 
feitigfeit unb SBureaufratie 
3U oermetben, ift bie '©il* 
bung eines Stunbfun!« 
ausfehuffes beabfidjtigt, 
beffen Aufgabe bie 93 e= 
ratung ber Telegraphen* 
oertoaltuitg in allen Sftunb* 
funtaugclegenheiten unb bie 
SBertretung ber Sntereffen 
ber Öffentlid)feit bei ber 
Durchführung bes Aunb- 
funfs fein foll unb in bem 
oorausfichtlicf) außer iBehör* 
ben unb Abgeorbneten auch 
treffe, §>attbel, 3nbuftrie, 
Stunft unb AJiffenfchaft oer* 
treten fein roerben. 3$or» 
bebingungfiirgutesObelingen 
ift bas 3 u f ammcn 9 e *) cn aller btefer Streife mit ber 
9 teichstelegraphenüermaltung unb 3 ll ^iicfftcllung eigen* 
niigiger Seftrebungen im Diettfte ber Allgemeinheit. 


Ein fidcles Gefängnis. Zeichnung für die „Woche“ von Walter Trier 


Obcgenleiftung aufgebaut unb unterhalten toerben fann. 
Die 9 teichsteIegraphenoertDaltung toirb alle ihr ju 
Obebote ftehenben gefeglichen unb oenoaltungstedhnifchen 


Abendkonzert in der Familie. Zeichnung für die „Woche“ von Fritz Koch-Gotha 


Original fro-m 

PRINCETON UNfVERSITY 


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Kummer 44 


3) \ t OB o A f 


6etie 981 


PHANTASIEN EINES MALERS 

Zeichnungen von Professor Adolf Hengeler. München 



<7\cr 9RUnd)enec 
Atabemiepro- 
tefior Abolf denge¬ 
let, in meiten Grei¬ 
fen befannt ale 
oortrefflidjer Seid}* 
ner-dumorift toie 
als Aialer, I)at im 
SÖlufarionoetlag in 
9Ründ)en ein fd)ön 
ausgeftattetes 
SDlappenroert er- 
fdjeinen laffen, in 
bem unter bemlitel 
„bbantafien non 
Abolf dengeler" 
eine ÜJlenqe pban- 
löftifdj-grotesfer 
3eid)nungen au- 
fammengetragen 
tft, toie fte im V^auf 
bcr lebten 3aljre 
in iiberfprubelnber 
©djaffenelaune ent* 
ftanben finb. Aus 
ben beiben blät¬ 
tern, bie mir Ijier 
mit Genehmigung 
bes Verlages roie- 
bergeb$n, fieljt ber 
Kunftfreunb, mit 
meid) barodec 
(&cu>alt bie C&cfidjte 



ben RUnftler bebrängeu. ©ie 3*i<hnungen finb fpmpathifdje opiele einer in bie IBerlftatt dengelers hinein, beffen Äunft bort am ftärtften ift, too 
mibeforgt arbeiten ben bbnntafie, bie aus ber Sraumroclt breugbels fie frei improoifiert. 3ngleid) geigen bie 3eid)nungen, roie roeit bcr ©raphiter 


nachhaltige Anregungen empfangen hat* $as iHeiauolle ift: üJian fieht hier in folchen ©elegenhettsfd)öpfungen ben Sttaler htnter fid) auriidläfet 


Digitii 


Gov 'gle 


Original ftom 

5 RIINCETON UNSVERSi 




6citc 982 


3) X c ® o4« 


9himmer 44 



„acfyte 
< ©elta>unt>er" 

A/i7 sechs ühotograohischen 
Aufnahmen von Publishers 
Photo Service 


* 


Das Modell des 
Denkmals 


❖ 


Unten: Die Riesenprojek¬ 
tionslampe, mit der der Bild« 
hauer eine bildliche Ver¬ 
größerung seines Entwurfs 
auf die Felswand übertrug 


ein Slmerifaner, ber gern Superlatioe aufeinanber häuft, 
mill es garniert gefallen, bafj es Heben ©unber ber ©eit 
geben foll unb nicht ein einiges baoon in Slnierita zu finben 
ift. 6o l)at er ftä) benn baran gemacht, bas „©eltmunber“, 
toie bie ameritanifche treffe es nennt, in (öcftalt eines ‘Dent« 
ntals budjftäblicf) aus ber Crrbe ju ftampfen. Ober, richtiger 
gefagt, aus bem Seifen. 


(£s ift ein in eine Selstoanb gehauenes Ütelief bes (benerals 
ßee, bes Anführers ber tonföberierten Gruppen roährenb bes 
amerifanifebeu Bürgerfrieges. ©ie roeit es auf ftunft ‘Slnfprucf) 
machen tann, ift eine Gadje für ftch; wenn aber eine mechantfche 
ßeiftung ein ©eltmunber barftellen tann, fo haben bie 2lmeri-* 
taner oielleid)t nicht fo unrecht mit ihrer Bezeichnung, ©enn 
biefes Monument, bas größte, bas bie ©eit je gefehen hat. 



Original frnm 

PRIMCETON UN1VERSITY 


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stummer 44 


© I e ® o 4 e 


Seite 983 


ift in feiner Ron- | 
aeption fd)on etrnas 
muitberbares. (öut- 
font Vorgham ift 
ber — foU man 
fagen Ritnftler ober 
Vrdjiteft? — {eben¬ 
falls ber SUtontt, 
ber beit (öebanteit 
fafete, bie ©ranit- 
rnaitb oon Stone* 
mountain — ein 
fteil in bie ipöfje 
ragenber Seifen im 
gebirgigften Seil 
bes Staates C6eor- 
gia — an glätten, 
mit einer Silber» 
fcf)id)t au iiberaie» 
i)en, bas SBilb bes 
(öenerate £ee bar» 
auf au probieren 
itnb itad) biefen 
Linien in ben (£>ra- 
nit tjineinmeigeln 

^ l L.( a ^ cn * ... D»e Umrißlinien Unten Da 

S)ie anterifamfcbe 

treffe ftellt bie 

llebermittbung aller Schmierigteiten biejer ßeiftung aud) gar 
nidjt unter ben Sdjeffcl. §ier ein Veifpiel: „$>as SWonument 
biefes „achten" $öeltmutibers toirb bie größten Roloffe ber 
SBelt, mobente tote antite, toie 3u>ew erfdieitten laffen. *2>ie 
großen ägpptifchen ^pramibett toerben taum auf einige 
ljuubert Su& bis an bie öufe oon 2ees Vferb beratttontmen. 



| Sin fechaetjuftödi- 
ges £>aus mürbe 
oon ber Vtittelfigur 
bes Reliefs ooü« 
ftänbig oerbectt 
rnerben." 

$>ie £auptfd)toie- 
rigfeit lag natürlich 
barin, bie Seid)- 
nuttg auf bem Sei¬ 
fen feftaulcgen. 3u 
biefem 3roed mürbe 
basSljonmobeü bes 
Reliefs photogra¬ 
phiert unb ein $>ia- 
pofitio bergeftellt, 
bas in ber nötigen 
Vergröberung mit 
einer Üaterna tna* 
gica auf bie S^l* - 
rnaitb übertragen 
merbett follte. Ss 
ftellte fid) aber balb 
heraus, ba& teilte 
Üampe ftart genug 

Hauptteil des Riesendenkmals mit Sf ben 

Seifen au merfen, 

mähretib bteje $>iftana ber nädjfte Sßunft mar, an bem mau eine 
Rainera überhaupt aufftelleu tonnte. (Experimente brachten fcfjliefe- 
lid) eine ^antpe auftanbe, bereit enorme §iheentmicflung aber bas 
$)iapofitiö beim erfteit Verfuge fofort fchntola. Vlfo mürbe ein 
SBinbmotor amifdjett SJatitpe uub Objeftio eingebaut unb auf biefe 
Sßetfe bas ^rojefttonsbilb immer längere intatt gehalten. 



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Original fram 

PRINCETON UNIVERSfTY 







Sette 984 


®it ® o d) c 


Kummer 44 



Bearbeitung des Felsens 
mit pneumatischen Ge¬ 
steinsbohrern. Links : Die 
Markierung der Umrisse. 
Für Kopf und Hut General 
Lees waren 22 000 Bohr¬ 
löcher nötig. 

bas Aafenlod) non ©enetal 
üccs ^ferö oerirrt, bas }o 
tief ift, baß felbft feine SJampe 
ooit bort nicht Ijcroor* 
leud)tetc. (Sr hatte geglaubt, 
er befäitbe fid) nod) immer 
auf ber Bilbflcichc. 

5 >ie gait^c Arbeit mirb 
mitibefteits einen 3citraum 
non *el)n 3 aßren in An¬ 
spruch nehmen. $)ie füblidjen 
Staaten tragen bie fetje 
großen Höften, ba es fid) 
ja um eine (Sbruitg ber 
fübftaatlichen gelben bcs 
Bürgertrieges hanbelt. 

_ 3» beit unteren Seil bcs 
Reifens, ber nod) rnciter aus- 
gcl)öl)It toirb, foll eine Orgel 
eingebaut toerben; natürlich 
„bie größte ber ©eit". Am 
ftitße biefer Orgel foll ein 
Amphitheater mit Sifcplcißeit 
für 40 000 ©enfehen er- 
ridjtet roerben. (Sin breiter 
'Boulenarb toirb bie 20 eng- 
lifd)c Steilen roeit entfernte 
ftauptftabt bes Staates 
Georgia, Atlanta, mit bent 
'Acls oerbinben. 


S)ie 3eichnung auf beit Reifen mußte fclbftoerftänblid) nachts oor fid) gehen, 
ba ja bei Sageslid)t bie ^rojettion eines Bilbcs unmöglich ift. $ie 
Arbeiter, jeber mit einet eigenen ftarfen Campe oerfehen, toerben oott ber 
Gpitjc bes Reifens, in Ceberringen häugenb, an ber 5 c l 5ir, anb beruntergclaffeit 
unb zeichnen mit toeißer garbe bie Ciitten bes projettierten Bilbes nad). Sie 
toiffen natürlich niemals, au meldjem Seil bes SBilbes fie arbeiten, fonbent müffett 
gana medjanifch oorgcheit. Sobalb fie in einen Schattenteil bcs Bilbes gelangen, 
toerben fie oollfomnten unfichtbar; namentlich bort, rno bereits in ben Jelfeu 
hineingemeißelt ift, beim bie "Bilbhaucr folgen mit ihren Snftrumenten fofort 
ben Arbeitern mit ihrem SjMnfel. So toar fl. S B. ein Stemmet) toährenb 
ber Arbeit plötzlich oerfchtoutiben unb man mußte erft gar nicht, mas 
gefd)el)en mar unb fürchtete feßon einen Abfturj. (Sr hatte fid) aber nur in 


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ÜMtPvT mw Zug« 








JO 



Aufnahme der „Woche" 

Aus dem Aufruf des Grafen Kanitz an die deutschen Landwirte: „Berufsgenossen, denkt an die furchtbare, unbeschreib¬ 
liche Not in den Städten! Denkt daran, daß tätlich wertvolle deutsche Menschenleben buchstäblich verhungern! Denkt 
daran, daß ein neues glückliches Deutschland niemals aufzubauen ist, wenn die Städte sterben! Helft mir bei meiner 
unsagbar schweren Aufgabe, schnellstens Lebensmittel zu schafkn — einer Aufgabe, die, wenn überhaupt einigermaßen, 
dann nur mit eurer freiwilligen und verständnisvollen Mitarbeit zu lösen ist." 

Graf Gerhard v. Kanitz, der neue Reichsernährungsminister 


HWSnHH^ 


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r- 


6citc 986 


3) i e OB o cft e 


Kummer 44 


DER KOMMUNISTENPUTSCH IN HAMBURG: 



Blick auf den Hafen: Der Kreuzer 
„Hamburg“ und Torpedoboote, die 
zur Unterstützung der Regierungstruppen 
bereit gestellt wurden 

* 

Im Oval : Reichswehr fährt in Last¬ 
autos zur Kampfstätte 

* 

Unten: Neugierige an einer Straßen¬ 
kreuzung 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



6ettc 988 


3) i < ® o ct) t 


DJummec 4* 


NEUE BERLINER PORZELLANPLASTIKEN 

Ausstellung der staatl. Porzellanmanufaktur, Berlin 



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SRummcr 44 


® i e <20 o ch *• 


Sette 989 


AUS DEM BERLINER THEATERLEBEN 



Generalmusikdirektor Kleiber von der Berliner Staatsoper, 
der sein erstes Orchesterkonzert für die Abonnenten der 
Scherl-Blätter gab 

Rechts: Szenenbild aus Swinburnes Trauerspiel „Chastelard“ 
in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Maria Fein 
als Maria Stuart und Walter Janssen als Chastelard) 

Aufnahmen der , Woche “ 




Aufnahme der . Woche" 

Von links: Max Schreck, Luue Mannheim, Herr Cronheim, Carl Ebert, Agnes Straub, Walter Werner. Regie: Jürgen Fthling 

Neueinstudierung von Lessings „Minna von Barnhclm“ im staat 1. Schauspielhaus 


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(Sette 990 


Der Hapagdampfer „Joledo", dem in Mexiko bereits wiederholt freundliche Empfänge und Ehrungen zuteil geworden sind, erhielt während seines letzten 
Aufenthalts in Vera Cruz den Besuch des Präsidenten von Mexiko (1). General Obregon unternahm einen Kundgang durch das Schiff, besichtigte sämt¬ 
liche Passagiereinrichtungen und ließ sich die technischen Neuerungen wie Kreisel-KompaO-Selbststeuerer eingehend erklären. Nach längerem Aulenthalt 
verließ der Präsident den Dampfer unter herzlichen Worten des Dankes und der Anerkennung. Kapitän W. Müller, der Kommandant der „Toledo" 

Richard Eversbusch, deutscher Konsul (3) 

Der Präsident von Mexiko, General Alonco Obregon, an Bord des Hapagdampfers „Toledo 11 



Sitzend von links, hranz Urbig, Geschattsinliaber der Disconto-Gcsellschaft, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Havenstcin, Präsident des ReichsbanK- 
direktoriums, Maatsminister Dr. Lentze, vormaliger hinanzministcr, der Präsident der Deutschen RcntenSank, Dr. Gustav Roesicke, Mitglied des 
Reichstags und des Keichswirtschaftsrats, Vorsitzender des Rcic'.slandbundcs, Geheimer Justizrat Hermann Dietrich, Vorsitzender des Vorstandes des 
Generalverbandes der deutschen Raiffeisen-Gcnossenschattcn. Sichend von links: Dr. Cronc-Münzebrock, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der 
„Vereinigung der Deutschen Bauernvereine", Kommerzienrat M i 11 i n t on - H e r rm a n n, Direktor der Deutschen Bank, Rciherungsrat Otto Gennes, 
Anwalt des Rcichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Dr. Schroedcr, Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Geheimer 
Justurat Maximilian Kcmpncr, Vorsitz, des Reichskalirats, Direktor Hans K racincr, Vorsitz, des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Reichs* 
Wirtschaftsrats, Dr. Brunswig, Direktor der Deutschen Bank, Herrn. Hill g er, Vorsitz, des Reichslandbundes, Dr. phil., Dr. jur. A. Kayser, Generalsekretär 
der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Otto Keinath, Geschäftsführendes Präsid'almit lied des Zcntralverbandes des deutschen Großhandel* 

Die Gründerversammlang der neuen deutschen Rentenbank 


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PI 


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Kummer 44 


5) i e 5ß o c& e 


6cite 991 



Nachdruck verboten. — Amerikanisches Copyright by August Scherl G. m. b. H., Berlin 1923. 


i. 

Biarco Roffi lieg bie ^Iicfe fr eifert. 

RUmäßlicß beruhigte fid) bas Bteer. Runbum trieben 
Sd)iffstrümmer, ßüpften mit ben ^Bellen auf unb nicber. 
0umpfes Sebraufe flang oon ber ©teile, mo bie 
„2iberte"*oerfunfen mar. 0as gurgelte unb raufd)te 
eine tiefe Blelobie. 

5Bas jeßt? fragte ficß Roffi unb Hämmerte fid) fcftcr 
an feine Blanfe. ©ollte er nod) einmal um $ilfe rufen, 
nod) einmal fcßreicn, brüllen aus ßeibesfräftcn? 

Sr I)olte tief Rtem unb griff meeßanifd) an ben Ret= 
tungsgürtel um feinem 2cib. ©er faß feft unb prall. 
Unb er blicftc über bas Rtaffer. Stein Rettungsboot mar 
gu feßen. Sange mußte er bcmußtlos auf* unb nieber* 
getaud)t ßaben, überlegte er. 

Ruf bem glitfdjigen §olg richtete er jjcß auf. Stälte 
frod) if)m über ben Rüden, mie er ben Oberleib in bie 
Suft l)ob. Rafd) ließ er fid) mieber fallen, legte fid) flad) 
auf bie flaute, oollfiißrtc 6d)mimmtempi mit ben Beinen. 

3rgenbmo fd)riüte eine Sirene. 

Sämlings fußr Btarco Rofft ßerum unb riß bie Rügen 
auf. Btit ber triefenben Red)ten fußr er fid) übers Sefid)t. 
Bei Sott, es mar feine 0äufd)ung: ein Stampfer ßielt 
bireften Sturs auf bie Ungliidsftättc. Räßer fam er mit 
jeber Sefunbe. Unb bie Btatrofen machten fid) an ben 
Rettungsbooten gu fd)affen. 

Sin tierifeßer Saut braeß aus bem Btann. RHe Biusfcln 
fpannte er an, alle Straft trieb er in bie arbeitenben 
Beine. 

0a ftoppte er furg. 

Stnapp oor ißm fcßaufelte ein menfd)lid)er Körper in 
ben ^Bellen. 

Rofft rubertc fid) ßerati, griff nad) bem ßeblofen. 
Unter bem Rtaffer befam er eine $anb gu füllen, bie 
etmas umflammert l)ielt. 9Bie Sifenbänber lagen bie 
Ringer um ben fleinen, oieredigen Segenftanb. Sinen 
Rugenblid mar aud) bas Seficßt gu feßen: ein grünlid)cs, 
Ieid)t ocrquollenes Sefid)t mit großen, offenen, ftarrenben 
Rügen. 

hoffnungslos — fagte fid) Roffi, immer nod) beftrebt, 
nad) bem ^reinben gu fifeßen. RMeber taueßte bas Rntliß 
ßeroor. Unb jeßt mar es, als ob bie 3ügc ficß bemegten. 
^Bieber beugte fid) Roffi oon feiner Blanfe feitmärts ins 
5Baffer. Sud)te, ßafd)te unb friegte nur bie §anb mit 
bem glatten Bafctcßen gu faffen. * 

Sin Bliß fußr ißm burd) ben Stopf. 

Rtas mod)ie bas für ein Sd)aß fein? Rtas mar es, 
mas ber Srtrinfcnbc nod) im Sobesfampf frampfßaft 
gmifd)en ben ßielt? 0er 3nßalt eines Scbens 

oiel!eid)t — ober anberes: Solb, Sbelftcine, ein 0alis* 
man-? 

Btarco Roffi bad)tc nid)t meiter nad). ftiißltc nur, rote 
feine Rcd)tc beut Unbefannten bas 0ing entmanb, mit 
einem eingigen Rud, als menn es fo fein müßte. So 
rafd) mar ber Sntfcßluß gefommen, fo blinblings aus 
bem Blut. 

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Unb ber 5 rcni be blieb unficßtbar, mie oerfeßludt oon 
ben R3eüen. Räßer tarnen inbeffen bie Retter. 

3mifcßen Sd)mimmgürtel unb Rngug flemmte Roffi 
bas B a tetd)en. Sab bann 3eicßeit, marf beibe Rrme gum 
grauen, rooltenoerßängten §immel. 

0ie Btatrofen labten ißn unb bradjten ißn an Borb. 
Scßmcr mürbe ißm bas klettern bas $aüreep ßittan. Srft 
jeßt bemerttc er, mie fteif feine ©lieber roaren unb mie 
bitter ißn fror. Staum tonnte er einen gufammenßängen* 
ben Saß ßeroorbringen. 0eutete in feinem burd)näßten 
Rngug immer nur über bie Reeling nad) ber Stelle, mo 
er ben Unbeiannten feinem Sd)idfal überlaffen ßatte. 

Rbcr bie Rettungsboote fanben ißn nießt. 

Stma ein ßalbes 0ußenb Berunglüdter lieferten fte 
naeß unb naeß ab. 3ammergeftalten maren barunter, bie 
nad) bem erften Scßlud R$einbranb in Strümpfe oerfielen. 
Ober gu lacßen anfingen mit irrfmnig oergerrtert Se* 
fid)tern. 

Ruf bem „Biarecßal $Jod)" konnte man bie Singelßeiten 
ber Steffelesplofion, ber bie „ßiberte" gum Opfer ge* 
fallen mar. Sin ßol!änbifd)cr S rac ßtenbampfer, ber als 
erftcr gur Stelle mar, ßatte fie in alle 3Binbe gefunft. 
So beftanb bie Hoffnung, baß bie Bießrgaßl ber *ißaffa* 
giere unb Btannfcßaften gerettet morben fei. 

Rur langfam erßolte fid) Biarco Roffi. 

3n ber Sabine, moßin man ißn gefeßafft ßatte, begann 
er gu mimmern unb gu fd)lud)gen. Rrgte unb Stemarbs 
bemüßten ficß um ißn. 0od) er oermoeßte taum nießr gu 
fagen als feinen Ramen: „Seneralbircftor Roffi aus 
SBien." 

„0ic Reaftion", meinte ber Rrgt unb überließ ißn 
feinem Sd)idfal. Btit aUcm Rötigen mar er oerforgt — 
nun möge er fd)lafen unb gufeßauen, baß er mieber 
gu Straften fomme. 

Unb oierunbgmangig Stunbcn Ruße ooübraeßten bas 
9Bcrt 

0ags barauf fpagierte Roffi mit einer Selbftoerftänb* 
ließfeit auf 0ed umßer, als ob gar nießts paffiert märe. 
RUe fragen ber ^affagierc meßrte er mit einer §anb= 
bemegung ab: 

„0as ift ooriiberl 3d) meiß nid)ts meßr — miü nießts 
meßr miffen!" Unb er manbte fid) an ben gmeiten Offi* 
gier: „Rtann fmb mir in Sßerbourg?" 0abei griff er 
ficß mit ber breiten, flcifd)igen §anb an ben faßlen 
Scßeitel. Ungebulb gitterte in feinen Porten. 

„Biorgen abenb", fagte ber Offigicr. 

Riarco Roffi banftc, ftieg bie 0reppe gur Stajüte ßinab 
unb fd)loß fid) für ben Reft bes 0ages ein. 0ort faß er 
Stunbe um Stunbe unb ßing feinen Sebanfen naeß. 

Rtarum tonnte bas Sd)iff nid)t fliegen? 

0iid)tig ftampfte ber „Rtared)al Jod)" burd) ben 
Ogeait — aber mas bcbcutetc bas gegen feine Reroofi* 
tat? Rtas bebeutete iiberßaupt alles gegen bie 3cit, in 
ber er Biabelcine nid)t gefeßen ßatte? 3m 3uli ßatte 
er fid) nad) Brafilien eingefd)ifft, jeßt ging es in ben 
Oftober. R3as fonntc inbeffen baßeirn oorgefallen fein? 

, Original from 

PRINCETON UNIVERSITY 


Seite 992 


® ic® o cb e 


Hummel 44 


Sein '©lief fiel auf bas Heine, oicredige ©afet, bas oor 
bem Spiegel auf bem Sims ber Toilette lag. 3 ö gernb 
griff er banaeß, mag es in ber £>anb. 'Sollte feßon ben 
©inbfaben. löfen, bic £>itUe aus ©acßsleinroanb öffnen. 
3m lebten ©ugenblid überlegte er f d)S unb tat bas 0ing 
roieber auf feinen ©laß. 

Seine Sebanfcn ließen ißm nid)t 3^it, bei bem Segen* 
ftanb au oerroeilen. Sie jagten ber 3eit ooraus, ftiirmten 
immer roilber in bie 3 u ^ un ft hinein. 

(Enblos froeß ber leßte Sag oorbei. 

©ie ^um Sprung geballt ftanb ©off feßon auf 0ed, 
als bic ßeucßttürme in ferner 0unfelßeit ftd)tbar mürben, 
©ießt 3 U ertragen feßien ißm bas ©lanöoer an ben ge= 
bueften gorts oorbei, bie gaßrt bureß ben äußeren £afen, 
bas umftänblicße ©bfertigungsoerfaßren ber 3 u f aU5a 
paffagicre. (Er roerbc fid) fd)on au Reifen roiffen, bebcutete 
er ben ©eamten — unb roollte baooncilen. Silber man 
ßielt ißn feft: ©rotofolle mürben auf genommen, ftreu$« 
unb Querfragen an ißn gerichtet. 

(Erft Dterunb^man^tg Stunben fpäter ftanb feine 3bcn* 
tität feft. (Ein Scfcßäftsfreunb, ben er oon fionbon ßet 
fannte, agnofaierte ißn aueß oor ber ©eßörbe unaroei* 
heutig als Seneralbireftor ©larco SHoffi aus ©ien. 
hinter ber oorgeßaltenen §anb gab ber (Englänbet noeß 
furae (Erflärungen — unb bamit mar et mieber £err 
feiner (Entfcßliiffe. ©efpeftooU ^ogetx bic ©eam